Endzeit

Evolution – Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer)

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Man kann nicht immer nur “Altlasten” aufarbeiten, daher gibt es heute eine Besprechung zu einem Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Es sprach mich in der Buchhandlung mit seinem tollen Cover und dem verheißungsvollen Klappentext sofort an.
Anfangs hatte ich noch ein paar Bedenken, denn man muss binnen kürzester Zeit mit einer ganzen Reihe Figuren klarkommen und sie einordnen. Ich habe damit oft meine Schwierigkeiten und auch hier dachte ich, dass ich all die Figuren kaum jemals auf die Reihe bekommen würde. Letztlich hat das dann aber doch gut geklappt. So richtig lernt man erstmal Jem und Lucie kennen und dann kommen -speziell nach der Bruchlandung- nach und nach auch die übrigen Jugendlichen dazu, sodass ich recht bald wusste, wen ich in den Szenen jeweils “vor mir” hatte. Insgesamt fand ich alle Jugendlichen ganz sympathisch und es hat mir besonders gefallen, wie unterschiedlich sie sind. Damit hat man ein Team mit vielen verschiedenen Fähigkeiten an der Hand, aber natürlich auch mit Konflitpotenzial. Das fand ich ganz authentisch und es trägt so auch zur Spannung bei.
Noch spannender war für mich aber die Frage, was überhaupt passiert ist. Wieso ist das Flugzeug abgestürzt?  Vor allem auch, wo ist es eigentlich abgestürzt? Und später dann -zur kompletten Verwirrung- wann ist es abgestürzt?
Das Wo wird schnell geklärt und unter dem Namen der Stadt kann sich sicher jeder auch etwas vorstellen. Das Erstaunliche ist, wie es dort inzwischen aussieht. Ich habe ja eine arge Schwäche für Geschichten mit einem gewissen Endzeitflair, und das hat auch dieser erste Band klar an sich. Dass die Natur sich solche verwaiste Orte über kurz oder lang zurückholt, ist nur natürlich.Es war schon richtig cool, mit Jem, Lucie und den anderen an solch einem Ort unterwegs zu sein.
Wovon ich dagegen überhaupt kein Fan bin ist, wenn diese Natur zu sehr zum zentralen Thema wird. Soll heißen, ich hätte das Buch sicher irgendwann weggelegt, wenn es nur noch um Tiere, Pflanzen, Dschungel und das Überleben gegangen wäre. Doch so sehr das ganze Setting auch wie aus der Zeit gefallen wirkt, es tauchen immer wieder sehr moderne, meist auch futuristische Elemente auf. Wie zB Hologramme, eine Art Roboter, verschiedene Gerätschaften, und für sowas habe ich halt ein totales Faible! Endlich mal eine endzeitlich anmutende Geschichte, die nicht total altmodisch wirkt! Toll!
Ich konnte das Buch also wirklich sehr lange kaum aus der Hand legen. Die Geschichte war für mich sehr lange sehr spannend: die Abenteuer und die Ereignisse, denen Jem, Lucie und Co. sich stellen müssen, die Gefahr durch gewisse “Lebewesen” und natürlich das Rätsel, was eigentlich überhaupt passiert ist! Gewürzt mit diesen besagten futuristischen Elementen war das einfach total mein Ding!
Und dann kam das, was der Titel eigentlich schon verrät. Ich hätte also zumindst gewarnt sein müssen. War ich aber nicht und deshalb kam die Keule dann auch. Genau mit Kapitel 46. Eine Midgardschlange, ein Meister sowieso, Alrik und Ragnar, gekleidet in Wolfsfellen und alte Legenden. Himmel, bis dahin war doch alles so modern und teilweise wissenschaftlich trotz der Umstände. Kann das denn nicht einmal so bleiben? Was sollte dieser steinzeitliche Einschlag jetzt plötzlich?
Tja, und so haben mir die letzten Kapitel bedeutend weniger Spass gemacht als ihre Vorgänger. Und derbe enttäuscht war ich eben auch. Ich kann sowas Altmodisches, Steinzeitliches schlichtweg nicht ab und finde ich nur langweilig.

Wie schon geschrieben bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Jedenfalls bis Kapitel 46. Das Buch ist einfach toll geschrieben. Einerseits ganz locker weg, aber ohne dass dabei Spannung und Amtosphäre jemals auf der Strecke blieben. Sogar gegruselt habe ich mich ab und zu, was gerade dann toll ist, wenn man abends im Bett liest. Die Kapitel sind weder zu kurz, noch zu lang. Immer wieder wurde ich verleitet ‘eins noch’ zu lesen, woraus dann doch deutlich mehr wurden. Richtig toll!

Das Cover finde ich immer noch genial. Dieses kräftige Grün ist ein echter Blickfang, die stehengelassenen Autos und überwucherten Gebäude verbreiten Endzeitstimmung und das Tier auf der Straße macht ebenso neugierig wie die Jugendlichen im Vordergrund. Der imposante Titelschriftzug tut ein Übriges dazu.

Fazit: 45 von 61 Kapiteln entsprach “Evolution – Die Stadt der Überlebenden” genau meinem Geschmack. Spannend, atmosphärisch, leicht gruselig mit endzeitlichem Einschlag und trotzdem wunderbar modern und futuristisch. Zu 100 Prozent genau mein Ding! Und dann kam leider der große Bruch damit. Alles Moderne, Futuristische, Wissenschaftliche weg, dafür Legenden, Menschen in Fellen, die in einer Art Höhle leben. Na toll! Alles genau so, wie ich es eben gar nicht mag und wovon ich lange dachte, “Evolution” würde damit nicht um die Ecke kommen. Es ist daher fraglich, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Sehr, sehr schade.


Titel: Evolution (01) – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Seiten: 360
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401601670
Preis: € 16,99 (HC)

Bird Box – Schließe deine Augen (Josh Malerman)

birdboxMalorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung auf der Leipziger Buchmesse. Es war etwas an dem Klappentext, das mich neugierig machte.
So ganz konnte es mich aber nicht von sich überzeugen.
Zunächst möchte ich auf das Positive an der Geschichte eingehen. Die Idee finde ich nachwievor wirklich gut. Man weiß das ganze Buch hindurch nicht, was da im Land umgeht. Früh werden zwar “Wesen” erwähnt, doch ob das stimmt und -falls ja- wie sie aussehen, wid nicht gesagt. Klar ist nur, wer sie sieht, dreht durch und wird zur Gefahr für sich und andere. Dadurch befindet sich die Menschheit inzwischen nahe an ihrem Ende. Nur wenige haben überlebt.
Dieses Nichtwissen über die Gefahr macht den Großteil der Spannung und des Gruselfaktors aus.
Bei mir hat das auch eine ganze Weile gewirkt, doch über das Buch hinweg verlor sich diese Wirkung auch widerum ganz schnell. Spannend und unheimlich in allen Ehren, aber irgendwann wollte ich einfach nur noch wissen, was da genau Sache ist bzw was da genau umgeht.
Die Düsternis der Geschichte habe ich dennoch weiter gespürt. Sie liegt deutlich über beiden Handlungssträngen, in denen sie erzählt wird.
Am intensivsten über dem, in dem Malorie mit ihren beiden Kindern in einem Boot auf der Flucht ist. Für mich war es dennoch der uninteressanteste Handlungsstrang von beiden. Ja, sie schweben in Lebensgefahr und geraten in die eine oder andere brenzlige Situation, doch in erster Linie dreht sich hier alles um Malories Sorgen und Zweifel. Hat sie an alles gedacht? War es richtig, wie und wozu sie die Kinder erzogen hat? Kann sie sie Flucht überhaupt schaffen? Darauf wird in diesem Teil immer wieder eingegangen, sodass es mir bald zu viel wurde. Da hätte ich fast ein paar Absätze übersprungen. Die Story selber steht dahinter zurück.
Da hat mit der Teil besser gefallen, der in der Zeit spielt, kurz nachdem sich die grausigen Vorfälle häuften. Damals flüchtete die schwangere Malorie zu einer Gruppe anderer Überlebender und wohnte lange mit ihnen zusammen. Dieser Rückblick war für mich sehr viel interessanter. Er ist einfach lebendiger. Wo Menschen zusammenleben, da entstehen Freundschaften, aber es gibt auch Reibereien. Und gerade Letzteres ist in dieser Situaton gar nicht gut. Man unternimmt waghalsige Ausflüge nach drauen um sich zu versorgen zu können. Man ergreift Schutzmaßnahmen. Mn entwickelt Theorien über die Wesen. Das habe ich als erheblich spannender empfunden.
Sicher, weil ich hoffte, hier über kurz oder lang eine Antwort auf die Frage zu erhalten, was für “Wesen” sich denn nun draußen um die Häuser herumtreiben.
Über das Ende bin ich unentschlossen. Wenn es so wie es ist, das Ende ist, ist es für mich okay. Auch wenn ich gerne mehr erfahren hätte.
Ist es aber so, weil eine Fortsetzung im Anmarsch ist, wäre ich keineswegs zufrieden mit dem Ende. Mich nervt dieser Trend unheimlich, dass so gut wie keine Geschichte mehr für sich steht. Alles muss immer fortgesetzt werden. Egal wie. Dabei kann man ein Ende wie dieses leicht für sich stehen lassen.

Obwohl Josh Malerman eine solch düstere Atmosphäre heraufbeschwört (und hält), ist die Geschichte erstaunlich gut und leicht zu lesen. Der Wechsel zwischen den Handlungssträngen sorgt für Abwechslung. Und in dem Teil um Malorie und die anderen Überlebenden lockern viele Dialoge auf.

Das Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es gefällt mir wirklich gut. so schön finster und geheimnisvoll. Das macht eben neugierig. Ich persönlich wollte außerdem unbedingt wissen, was eine Bird Box eigentlich ist. Wörtlich übersetzt gab das für mich erstmal kein eindeutiges Bild.

Fazit: Die Idee der Geschichte finde ich wirklich gut. Und den Teil im Haus habe ich als spannend und interesant empfunden, weil ich hoffte, dort eine Antwort auf die Frage nach den Wesen zu bekommen. Außerdem beeindruckt die duchweg düstere Atmosphäre. Leider nutzte sie sich bei mir schnell ab. Zudem wurde der Teil auf der Flucht durch Malories ewige Zweifel und Fragen bald langweilig für mich. Und was ich vom Ende halte, kann ich noch nicht eindeutig sagen. Ich tendiere allerdings eher zu “nicht zufrieden”, weil kaum eine Frage beantwortet wird. Und das deutet leider auf eine Fortsetzung (mal wieder) hin.


Titel: Bird Box – Schließe deine Augen
Autor: Josh Malerman
Seiten: 320
Verlag: Penhaligon Verlag
ISBN: 978-3764531218
Preis: € 19,99 (HC)

Graues Land (Michael Dissieux)

graueslandHarvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau. Doch eines Tages hat sich etwas geändert in der Welt da draussen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus. Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein. Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein.

Dieses Buch kam durch eine Empfehlung auf der Buchmesse zu mir. Mit einer Warnung, die sinngemäß besagte, dass die Geschichte nichts für zart besaitete Leser sei. Man kann sich vorstellen, mit welchen Erwartungen ich das Buch wenig später aufgeklappt habe!
Bereits der Prolog lässt durchblicken, dass sich irgendetwas mit der Welt ereignet haben muss. Was, wird hier natürlich noch nicht verraten. Es scheint in dem Teil der USA, in dem Harv lebt, auch noch nicht so schlimm zu sein.
Das ändert sich gleich mit dem ersten Kapitel schlagartig. Die Situation hat sich zugespitzt. Harv lebt alleine mit seiner kranken Frau, die kaum noch etwas wahrnimmt, was um sie herum geschieht, in einem abgeschiedenen Dörfchen in den Bergen. Es gibt keinen Strom mehr, die Versorgung mit Lebensmittel ist mehr als dürftig und vor allem beschwerlich und gelegentlich treiben sich seltsame Kreaturen um das Haus herum. Die Welt ist quasi in einem trostlosen Grau versunken, und mir ist kaum eine andere Geschichte unter die Augen gekommen, die diesen Eindruck so intensiv vermittelt wie “Graues Land”. Erzähler Harv findet stets neue Bilder und Beschreibungen seines Lebens und seinem kleinen Teil Welt vor der Haustür, sodass sich die zutiefst gedrückte Stimmung durch die ganze Story zieht. Selten habe ich mich beim Lesen so hoffnungslos gefühlt.
Übrigens ist es von Vorteil, dass Harv so vielseitig erzählt, denn allzu viel geschieht in der Geschichte nicht. Man ist hauptsächlich im Hause von Harv zu Gast, wo man miterlebt, wie er sich um seine kranke, teilnahslose Frau kümmert und versucht, sonst ein wenigstens minimal normales Leben aufrecht zu erhalten. Beeindruckt hat es mich dabei, mit wieviel Liebe und Hingabe er von Sarah spricht. Obwohl sie schon so lange zusammen und verheiratet sind und er es mit ihr inzwischen keineswegs leicht hat, kommt so viel Liebe rüber, dass es oft wirklich rührend ist.
Gelgentlich, wenn es gar nicht anders geht, unternimmt Harv keinere Ausflüge zum Dorfladen oder zu Nachbarn. Lange sind diese Ausflüge die einzige Abwechslung im Geschehen. Das lockert erstens ein kleines bisschen auf -soweit das in dieser Situation möglich ist-, zweitens wird es dabei manches Mal aber auch ausgesprochen grausig, was mir sehr gut gefallen hat. Solche Situationen hätte es für mich gerne mehr geben dürfen. Genauso wie von Harv Begegnung mit diesen unheimlichen Kreaturen, die gelegentlich im Garten auftauchen. Da steckt reichlich Gruselpotenzial drin, das Michael Dissieux für mich gerne mehr hätten ausreizen dürfen.
Was genau mit der Welt geschehen ist, wird im gesamten Buch nicht verraten. Hier und da bekommt man die eine oder andere Theorie an die Hand, aber es sind kaum mehr als Ansätze. Ich muss ehrlich sagen, dass mich das nicht gestört hat. Ich muss keine Gründe wissen, wenn die Asuwirkungen mich spannend und gruselig unterhalten.
Mit dem überraschenden Auftauchen eines Hubschraubers gegen Ende der Geschichte erlebte die Handlung für mich leider einen Bruch, der mir gar nicht gefallen hat. Natürlich kommt der Hubschrauber nicht alleine geflogen, und als dann mehr Figuren mitmischen als bis dahin, geht der Geschichte ein guter Teil der gedrückten Atmosphäre verloren.
Zuletzt habe ich mich gefragt, wieso man die Geschichte fortsetzen muss? Für mich hätte sie gut alleine stehen bleiben können. Natürlich wären dabei Fragen offen geblieben, eine ganze Menge sogar, aber das sehe ich nicht so eng, wenn die Geschichte mich sonst gut und spannend unterhalten hat. Genau das war hier der Fall. Ich weiß nicht, ob ich noch eine andere Sicht auf diese veränderte Welt brauche.

“Graues Land” liest sich nicht gerade leicht und erst recht nicht zügig. Es gibt kaum Dialoge, die für Auflockerung sorgen könnten. Stattdessen liest man sich fast ausschließlich durch Harvs Erzählungen und Schilderungen. So etwas liest sich von Natur aus wuchtiger und langsamer. Eigentlich mag ich sowas gar nicht, aber hier ging es für mich in Ordnung. Alleine schon wegen der bedrückenden Atmosphäre, die diese Erzählweise im Nu heraufbeschwört.

Auf dem Cover ist wohl Harv in seinem Sessel zu sehen. Er wirkt verlassen und der finstere Hintergrund macht einen geradezu bedrohlichen Eindruck. Im Buch findet man zu Beginn der Kapitel Illustrationen, die einige Szenen veranschaulichen. Sie sind düster, grau und schattenhaft gehalten.

Fazit:  Ohne arrogant klingen zu wollen, aber solch ein Schocker wie ich ihn nach der Warnung auf der Messe erwartet hatte, war “Graues Land” für mich nicht. Spannend fand ich die Geschichte dennoch und sie hat mich mit ihrer so intensiv beklemmenden  Atmosphäre wirklich beeindruckt. Ein wenig mehr Grusel hätte es allerdings schon sein dürfen und den Hubschrauber samt “Besatzung” hätte ich nicht gebraucht. Das sorgt für einen Bruch, denn die Stimmung geht dabei zum Großteil flöten.

Vielen Dank an den Luzifer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Graues Land
Autor: Michael Dissieux
Seiten: 270
Verlag: Luzifer Verlag
ISBN: 978-3943408034
Preis: € 14,95 (Broschiert)

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Zombifiziert – Tag Null (Fabian Lutz)

zombifiziertEtwas stimmt hier nicht, meint Felix Lenz, Reporter bei der Woche. Sein Freund Tim, Junior-Chef der Zucker AG, ist verschwunden, seine Wohnung verlassen, die Mutter empfängt Felix mit der Mistgabel in der Hand. Dann ist Felix selbst wie vom Erdboden verschluckt. Etwas stimmt hier nicht, meint auch Martinek, genannt Marti, Felix’ Kollege. Verlassene Panzer auf der Autobahn, Straßensperren ohne Wächter, menschenleere Kneipen, kein Handynetz und tote Telefone, selbst sein wehrhafter Nachbar Heiner ist auf und davon. Und überhaupt, wo sind denn all die Menschen hin?

Ich mag Zombiegeschichten. Und mit Zombies halte ich auch Endzeitszenarien aus. Deshalb war das eBook auf Anhieb interessant.
Gefallen hat mir vor allem der Wechsel zwischen den Zeiten, in dem die Geschichte erzählt ist. Vor und nach der “Epidemie”. Davor ist man mit Felix unterwegs, der den Anfang der Katastrophe erlebt und das Schreckensszenario, das sie hinterlässt. Danach begleitet man Marti, der scheinbar gar nicht mitbekommen hat, dass etwas vorgefallen ist, geschweige denn was, und der sich auf gruselige Spurensuche macht.
Beide Handlungsstränge sind spannend und teilweise auch ganz schön unheimlich. Ich mag diese Vorstellung von einer offenbar leergefegten Gegend, bei der man genau merkt, dass das Grauen auf der Lauer liegt um zuzuschlagen. Vor allem, weil man als Leser ja vor Felix, Marti und den anderen weiß, was passiert ist und was da lauert.
Das Rad in Sachen Zombie-Endzeit wird in diesem ersten Teil einer Reihe allerdings nicht neu erfunden. Das muss man klar sagen. Solches Geschehen und ein solches Setting kennt man aus diversen Büchern und Filmen um dieses Thema, wenn man ein wenig Interesse dafür hat. Aber die Geschichte ist gut erzählt und es gelingt ihr, die nötige Atmosphäre aufzubringen. Unter den Voraussetzungen lese ich gerne auch Geschichten, die es so oder so ähnlich schon gibt. Und wer weiß, vielleicht wird die Geschichte in den weiteren Teilen ja noch etwas individueller.
Gestört hat mich bei “Zombifiziert” alleine, dass es mal wieder reichlich Schreibfehler gibt.

Fazit: Nicht der innovativste Start einer Zombie-Reihe, aber spannend erzählt und atmosphärisch. Zudem hat mir der Wechsel zwischen vor und nach der Katastrophe gefallen. Das ist abwechslungsreich und hat mich neugierig darauf gemacht, was dazwischen geschehen ist. Ich denke, die Reihe werde ich weiter verfolgen.


Titel: Zombifiziert – Tag Null
Autor: Fabian Lutz
Seiten: 94 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Verlag: Instant Books
Preis: € 1,99

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Ashes (02) – Tödliche Schatten (Ilsa J. Bick)

Den verheerenden Anschlag auf die Welt hat die siebzehnjährige Alex überlebt, aber nun muss sie sich den schwerwiegenden Folgen stellen. In den Städten, die nicht zerstört wurden, rotten sich diktatorische Tyranneien zusammen, in denen sich menschliche Abgründe auftun. Außerhalb der Schutzwälle droht der sichere Tod. Denn dort lauern Horden Jugendlicher, die sich seit dem Unglück in bestialische Kannibalen verwandeln. Und schließlich bleibt noch die Ungewissheit, ob Alex selbst noch zu so einem Monster mutiert. Warum sind ausgerechnet sie und ein paar wenige Ausnahmen von dieser Verwandlung bisher verschont geblieben?

Auf diese Fortsetzung hatte ich mich sehr gefreut. Allerdings war der Anfang ganz schön anstrengend. Im Wesentlichen hatte ich noch im Kopf, wie Band 1 endete. Doch mit der Vielzahl an Namen, mit der Band 2 gleich in drei Handlungssträngen loslegt, war ich schlichtweg überfordert. Tom und Alex, klar, gar kein Problem. Einzelne andere Namen sagten mir auch etwas, wirklich einsortieren konnte ich sie aber nicht mehr. Und eine ganze Reihe neuer Charaktere sind auch noch dabei.
Zudem scheint zwischen den beiden Bänden einige Zeit ins zerstörte Land gegangen zu sein. Von daher war mir teilweise gar nicht klar, warum bestimmte Charaktere irgendetwas taten. Und die Beziehungen unter einander musste ich mir auch erstmal aneignen. Das hat über 100 Seiten gedauert! Also entweder man hat Band 1 noch genau auf dem Schirm und ist Blitzmerker, oder man beißt -wie ich- die Zähne zusammen und erarbeitet sich alles (neu). Später werden es ja dann auch weniger Charaktere 😉
Nachdem ich aber “auf Stand” war, wurde ich mit einer wirklich super spannenden und actionreichen Geschichte belohnt. Sie verläuft durchgängig in verschiedenen Handlungssträngen, die einander aber in nichts nachstehen. Jeder für sich lädt zum nervösen Nägelknabbern und stetigen Hoffen und Bangen ein. Die Handlungsstränge von Alex und Tom nähern sich dabei so unmerklich an, dass man -als es passiert- richtig überrascht ist. Einerseits natürlich erfreut, andererseits mit gutem Grund zutiefst entsetzt.
Für Entsetzen ist dieser Band sowieso gut! Zart besaiteten Gemütern mit empfindlichen Mägen rate ich davon eher ab. Was hier in Sachen Kannibalismus und Waffengewalt geboten wird, bekäme als Film niemals die Jugendfreigabe. Ich habe mich mehr als einmal gewundert, dass “Ashes” so unschuldig im Jugendbuchregal steht.
Mir persönlich gefällt gerade das richtig gut, so etwas mag ich. Außerdem finde ich es immer toll, wenn sich ein Buch  markant von der Masse abhebt. Das tut “Ashes” auf jeden Fall! Aber es ist schon gewagt für ein Jugendbuch.
Jedenfalls bin ich auf Band 3 jetzt sehr gespannt. Eine ganze Reihe wesentlicher Fragen bleiben auch nach diesem zweiten Band noch offen und einige neue und ebenso interessante kommen hinzu. Mir fehlt vor allem eine Vorstellung davon, wie es mit dieser dermaßen zerstörten Welt jemals weitergehen könnte. Es wird ein solch apokalyptisches Bild davon gezeichnet, dass selbst die Phantasie die Waffen streckt.  Mal sehen, welche Überraschungen Ilsa J. Bick für ihr Finale noch in petto hat. Ich traue ihr mittlerweile eine ganze Menge zu. Im positiven Sinne natürlich!

Langeweile hat bei “Tödliche Schatten” jedenfalls keine Chance. Trotzdem das Buch mit 571 Seiten durchaus stattlich ist, liest es sich doch vergleichsweise zügig. Das liegt vor allem daran, dass die Kapitel nicht sonderlich lang sind. Manche haben sogar nur zwei Seiten. So hat man schnell ein paar Kapitel gelesen und ein gutes Stück der Geschichte geschafft.

Ich könnte mir einige Szenarien aus diesem Buch vorstellen, die sich besser auf dem Cover gemacht hätten als dieses Mädchengesicht. Natürlich, es unterstützt den Seriencharakter und passt zum aktuellen Trend, aber es wird nicht annähernd dem gerecht, was in der Geschichte passiert. Ich stelle mir immer das böse Erwachen einiger Teenager vor, die arglos zu dem Buch greifen, weil sie hinter diesem Bild eine übersinnliche Lovestory vermuten.

Fazit: Nach dem beschwerlichen Start hat mir “Tödliche Schatten” super gefallen. Für ein Jugendbuch ehrlich gewagt, aber definitiv spannend, voller Action und echtem Horror. Ich würde mir wünschen, die Reihe würde verfilmt. Da das wohl noch ein paar Jahre dauern würde, dürften die jugendlichen Leser von Heute dann sicher auch in die Filme 😉

 Vielen Dank an Egmont Ink für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Ashes (02) – Tödliche Schatten
Autor: Ilsa J. Bick
Seiten: 571
Verlag: Ink Egmont
ISBN: 978-3863960063
Preis: € 19,99

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