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Lachmöwen kennen keine Witze – Verdrehte Fauna für Fortgeschrittene ( Dorthe Landschulz)

lachmoewenHerzlichen Glückwunsch! Sie halten das unglaublichste, unsinnigste und fulminanteste Nachschlagewerk über Tiere in der Hand, das je gezeichnet wurde. Es enthält frappierende Informationen, skurrile Fakten, gefährliches Halbwissen und bewusste Falschinformationen über eine bis dato unentdeckte Tierwelt: Erfahren Sie alles über den Caipiranha, den Nasennebenhöhlenbären, das Pubertier, die Schnapsdrossel, die Sudokuh und ihre Artgenossen – danach werden Sie mit anderen Augen durch die Welt gehen.

Ich bin schon seit einiger Zeit Fan der Facebook-Seite “Ein Tag, ein Tier”. Als ich erfuhr, dass dahinter die Autorin dieses Buchs steckt, war klar, dass ich mir das Buch nicht entgegen lassen würde. Daher hat es mich gefreut, dass ich es im Rahmen einer Leserunde auf lovelybooks gewonnen habe.
Ich hatte leichte Skrupel, es in meine Liste der gelesenen Bücher aufzunehmen, denn ein reines Lesebuch ist es ganz eindeutig nicht. Auf 89 Seiten finden sich cartoonige Zeichnungen von einer wirklich sehr ausgefallenen Fauna. Genau wie man es von “Ein Tag, ein Tier” kennt. Die meisten Tiere sind sehr niedlich dargestellt. Einige hätte ich am liebsten geknuddelt. Beispielsweise die Hütehunde, den Googlehupf oder das Frottier. Und wenn es mal kein so knuddelwürdiges Tier ist, dann ist es auch jeden Fall mit äußerst witzigen Accessoires oder Merkmalen ausgestattet. Was habe ich zB über den Legoan und die Mitgift und Ohnegift gelacht!
Zu jedem Tier gibt es einen erläuternden Text, der in wenigen Zeilen alles nötige Wissen über das Tier zusammenfasst. Ebenfalls auf ausgesprochen witzige Art, aber in einem “echt wissenschaftlichen” Ton, den man so oder so ähnlich auch in Fachbüchern antreffen könnte. Da habe ich die Phantasie dahinter genauso bewundert wie hinter den Zeichnungen. Auf solche Ideen muss man auch erstmal kommen. Bemerkenswert!
Bemerkenswert ist außerdem, dass es Dorthe Landschulz dabei gelingt, Plattheiten und Albernheiten komplett zu vermeiden. Das sind zwei Dinge, die -betrachtet man die aktuelle TV-Comedy- bei vielen wohl als hochkomisch gelten, bei mir aber nicht. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich hier weder das eine, noch das andere angetroffen habe.

Das Cover ist in dem Gelb natürlich sehr auffällig. Das bemerkt man auf einem Büchertisch im Laden so sicher schnell. Und die Lachmöwen schauen dermaßen ratlos drein, dass ich ihnen sofort abnehme, dass sie keine Witze kennen.

Fazit:   Einziger Kritikpunkt, der eigentlich keiner ist, sondern ein Kompliment: das Buch ist nicht sehr umfangreich. Ich hätte mir mit Freude auch das Doppelte und mehr an Seiten angesehen. Sehr witzig und so goldig! Wer Tiere mag und Humor hat, sollte sich das Büchlein nicht entgehen lassen.


Titel: Lachmöwen kennen keine Witze – Verdrehte Fauna für Fortgeschrittene
Autor: Dorthe Landschulz
Seiten: 96
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 9783499619830
Preis: 6,99 (TB)

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Blinde Vögel (Ursula Poznanski)

blindevoegelZwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers? Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos. Ganz harmlos? Bald ahnt Beatrice, dass die Gedichte Botschaften enthalten, die nur wenige Teilnehmer verstehen. Düstere Botschaften, in denen es um Angst und Tod geht. Und dann stirbt eine der Lyrik-Liebhaberinnen.

Nachdem ich von “Fünf” so begeistert war, dass es sogar mein “Buch 2012” wurde, war ich auf den zweiten Fall für Beatrice und Florin natürlich sehr neugierig und gespannt.
Auch diesem zweiten Band ist es zunächst wieder gelungen, mich zu begeistern. Erneut wird die Ermittlungsarbeit der beiden und ihrer Kollegen sehr kleinschrittig beschrieben. So hat man stets das Gefühl, immer dabei zu sein. Bei Erfolgen genauso wie bei Rückschlägen. Das hat bei mir schnell Spannung aufgebaut.  Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, was als nächstes passiert. Außerdem finde ich, kann man bei einer solch detailgenauen Erzählung gut selber mitknobeln.
Gefallen hat mir auch, dass wieder ein modernes Thema im Mittelpunkt steht. Nach Geocaching im Band zuvor, ist es hier das soziale Netzwerk Facebook. Dorthin führen die Spuren Beatrice und Florin bei ihrer Suche nach dem Mörder.
Genauer gesagt, in eine Facebook-Gruppe für Lyrikliebhaber. Ich finde es immer gut, wenn Geschichten mit der Zeit gehen und Aktuelles zum Thema haben.
Hier und da gibt es zudem Passagen, wo man -sofern man ebenfalls auf Facebook unterwegs ist- nachdenklich darüber wird, was man dort wissentlich und auch unwissentlich von sich preis gibt. Und wie wenig sicher es eigentlich ist.
Gefallen hat mir ebenso, was Beatrice und Florin in den auf Facebook eingestellten Fotos und Gedichten entdecken. Das zeugt von so einem ausgeprägten detektivischen Talent, dass man es sich zwar kaum vorstellen kann, aber mir gefiel eben die Idee dahinter. Hinweise auf einen Mord und seinen Hintergrund verpackt in mehr oder minder bekannte Gedichte, das fand ich ausgesprochen intelligent gemacht.
Als dann aber langsam herauskam, welchen Hintergrund diese Morde haben, ließ meine Begeisterung deutlich nach. Denn in diesem Zusammenhang kam mir die Idee mit den versteckten Hinweisen in den Gedichten doch allzu weit hergeholt. Kreativ, ganz zweifellos, aber eben eine gute Spur zu abgehoben. Schon mal lange, wenn man die Hintergründe am Schluss wirklich komplett kennt.
Dass ich mich für solche Themen wie das um den Hintergrund hier nicht begeistern kann, sei nur am Rande bemerkt. Mir ist das einfach zu lange her. Zu wenig aktuell, womit sich für mich ein zu krasser Gegensatz zwischen damals und der heutigen Facebook-Zeit ergab. Aber ob man sich für so lang zurückliegende Ereignisse als Anlass für diverse Morde begeistern kann, das ist natürlich Geschmackssache. Meiner ist es nicht.
Schön widerum war es zu sehen, wie sich die Charaktere von Beatrice und Florin weiterentwickeln. Und dass sich andeutet, es könnte doch mal mehr aus ihnen werden als nur Kollegen, die ganz gut befreundet sind. Gegen solche Andeutungen bin auch ich nicht immun.

Das buch liest sich weg wie nichts. Es ist leicht zu lesen und die Kapitel haben eine angenehme Länge. Lediglich bei den Gedichten kann es passieren, dass man sie mehrmals lesen muss um sie zu verstehen. Das ist bei Gedichten aber auch nur recht und billig, wie ich finde. Sie verdienen es, dass man sich ausführlicher mit ihnen befasst.

Es handelt sich um eine Reihe, und das sieht man auch dem Cover an. Erneut ist ein schwarzer Vogel und ein Zaun zu sehen. Wie ich finde ist das Cover hier deutlich düsterer ausgefallen als bei “Fünf”. Mir gefällt es sehr gut. Schon alleine wegen dem Kontrast zwischen den dunklen bis schwarzen Elementen und dem kräftigen Blaugrün.

Fazit: Ich fand “Blinde Vögel” so lange super spannend bis sich die tatsächliche Verbindung zwischen den Facebook-Einträgen und den Morden herauskristallisierte. Da sie mir ab diesem Punkt zu weit hergeholt vorkam und außerdem schlicht nicht mein Fall war, ließ meine Begeisterung und mein Interesse an der Auflösung von diesem Moment an merklich nach. Da hatte ich nach “Fünf” doch mehr erwartet!


Titel: Blinde Vögel
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 480
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250450

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Im Pyjama um halb vier (Gabriella Engelmann / Jakob M. Leonhardt)

impyjamaLulu macht sich bei Facebook auf die Suche nach dem Ben, den sie auf der letzten Party kennengelernt hat. Sie findet … einen anderen, mit dem sie von nun an jeden Tag chattet. Sie erzählen sich Dinge, die sie sonst niemandem erzählen würden. Dinge, die unter normalen Umständen unausgesprochen bleiben. Und plötzlich entstehen Gefühle, gegenüber diesem Fremden, den man eigentlich gar nicht kennt.

Gabriella Engelmann hat eine große Fan-Gemeinde. Ich kenne einige ihrer modernen Märchen und sie gefallen mir auch ganz gut, aber als Fan würde ich mich deshalb nicht bezeichnen. Trotzdem bin ich immer neugierig auf Bücher von ihr, und so habe ich mich bei diesem Buch ziemlich von der Begeisterung der Fans mitreißen lassen. Zudem versprach mir der Klappentext eine schöne Liebesgeschichte (dafür bin ich immer mal zwischendurch zu haben) und es gefiel mir auch, wie modern die Geschichte ist mit diesem Chat, mit dem alles seinen Anfang nimmt.
Für die angepeilte Leserschaft gefällt mir das ebenfalls ganz gut. Im Teenageralter ist man viel im Internet und auch bei Facebook unterwegs, da ist eine Geschichte, die alleine dort spielt sicher attraktiv. Außerdem beantwortet diese Geschichte durch den ständigen Wechsel zwischen Lulu und Ben und ihren jeweiligen Problemen mit dem anderen Geschlecht, den jugendlichen Lesern sicher auch die eine oder andere Frage in dieser Richtung. Ich denke, es werden überwiegend weibliche Leser sein, und die lernen durch Ben sicher auch etwas darüber, wie Jungs ticken. So gesehen dürften aber auch Jungs gern mal reinlesen, sie könnten von Lulu sicher auch eine Menge lernen.
Meine Begeisterung hält sich allerdings doch in Grenzen. Das liegt vor allem an den beiden Hauptcharakteren Lulu und Ben. Ich mochte die beiden zwar recht bald, trotzdem war mir ihr Wesen irgendwie zu unausgewogen. Will heißen, mal ist Lulu zB wahnsinnig naiv, dann wieder schreibt sie erstaunlich tiefgründige Nachrichten. Das passt einfach nicht zusammen. Genauso wenig passt es, dass der gerade mal siebzehnjährige Ben sich oft ausdrückt als wäre es gut und gerne mindestens zehn Jahre älter. Ich habe wahrlich nichts dagegen, wenn Teenager in Büchern keine Hohlbirnen sind, aber dieser Eindruck sollte dann auch durchgängig vorhanden sein. Das schließt ja Späße und einen lockeren Ton nicht zwangsläufig aus! Aber das war er hier eben nicht.
Die Handlung um die mal mehr, mal weniger gut laufenden Liebesbeziehungen fand ich an sich ganz unterhaltsam. Ich habe ein Faible für Teenie-Lovestorys und entsprechend habe ich die Handlung vergnügt verfolgt. Anlass zum Schmunzeln gibt es auch immer mal wieder, so macht das einfach Spass. Außerdem habe ich mich wirklich lange gefragt, wann, ob und wie Lulu und Ben zu einander finden würden. Denn danach klingt es lang eigentlich gar nicht. Erst ab einem bestimmten Punkt wird deutlich, dass sich da doch bei beiden etwas angesponnen hat, und ich fand es wirklich süß, wie sich es sich und einander so ganz vorsichtig eingestehen.
Doch natürlich läuft das alles nicht ganz so glatt ab, wie man es sich wünscht. Für Ben gibt es schon realtiv früh den ersten “Schlag ins Gesicht”, und schon da dachte ich, dass die beiden das nicht packen würden. Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass sie mit dieser Krise doch klarkommen. Später erlebt dann Lulu ein ganz böses Erwachen! Und auch wenn das somit ausgewogen ist, es wirkte auf mich auch ein wenig erzwungen. Ich hätte das eigentlich nicht noch gebraucht und wäre schon früher mit einem glücklichen Pärchen zufrieden gewesen 😉 Doch es gibt diese Wendung nun einmal und immerhin führt sie zu einem wirklich schönen Ende, das vielversprechend für die beiden ist und Hoffnung macht.

Ben und Lulu unterhalten sich in Chats und Kurznachrichten. Das sieht man den Seiten des Buches auch an. Mir hat das so gefallen mit den Icons, den Trennlinien und Smilies hier und da. Sowas liest sich einfach runter wie nix! Und es ist mal etwas anderes.

Ich mag keine Füße! Davon abgesehen gefällt mir das Cover aber gut. Schön hell mit fröhlichen Farben und einem Titel, der sofort neugierig macht. In den Inneklappen der vorderen Broschur kann man schon mal probelesen, was einen im Buch erwartet.

Fazit:  Ich muss leider sagen, dass ich mir von diesem Buch mehr versprochen hätte. Obwohl mir die Idee einer so modernen Liebesgeschichte im WWW durchaus gefällt. Ich hab’ meinen Freund auch aus dem Netz gfischt ;), das ist heutzutage sicher etwas völlig normales für die junge Leserschaft. Es gab viele Details, die ich einfach süß fand und speziell als Lulu und Ben merken, dass da mehr ist, wurde es doch schön kribbelig. Allerdings hatte ich große Probleme mit den unausgewogenen und oft wenig glaubhaft gestrickten Hauptcharakteren. Das hat mir die Freude an der Geschichte dann doch ziemlich getrübt.


Titel: Im Pyjama um halb vier
Autor: Gabriella Engelmann
Seiten: 237
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067933
Preis: € 12,99 (Broschiert)

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Rezension – Final Cut (Veit Etzold)

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und einen Feind.

Die Freunde sind virtuell, der Feind ist real.

Er wird Dich suchen.
Er wird Dich finden.
Er wird Dich töten.

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und keiner wird etwas merken.

Ein Killer, der wie ein Computervirus agiert: unsichtbar und allgegenwärtig. Er nennt sich der Namenlose, und seine Taten versetzen ganz Berlin in Angst und Schrecken. Hauptkommissarin Clara Vidalis und ihr Team sind in der Abteilung für Pathopsychologie ohnehin schon für die schweren Fälle zuständig, aber die Vorgehensweise dieses Verbrechers raubt selbst ihnen den Atem. Perfide und genial, lenkt er die Ermittler stets auf die falsche Fährte. Und erst allmählich begreift die Kommissarin, dass der Namenlose sein grausames Spiel nicht mit der Polizei spielen will, sondern nur mit einem Menschen: mit ihr, Clara Vidalis. Während die Ermittler noch verzweifelt versuchen, die Identität des Killers aufzudecken, startet der Medienmogul Albert Torino eine neue Casting-Show. Und es gibt jemanden, der diese Show für seine eigenen, brutalen Zwecke nutzen wird: der Namenlose.

Auf dieses Buch wurde ich zufällig im Buchladen aufmerksam. Mit dem Bezug zu Facebook war es schnell interessant für mich, da ich dort auch aktiv bin. Dass Facebook ein sehr zweischneidiges Schwert ist, sollte jeder wissen. Einen Thriller um dieses Thema herum konnte ich mir gut vorstellen und war entsprechend neugierig.
Für mich gibt es zwei Punkte, die dieses Buch auszeichnen. Erstens der Bezug zu Facebook bzw auch zu anderen Onlineangeboten wie Foren etc. Ich vertraue darauf, dass Veit Etzold gut für “Final Cut” recherchiert hat und darin keine Märchen erzählt. Wenn man davon ausgeht und liest, wie wenig anonym die angebliche Anonymität im Netz tatsächlich ist, dann ist das erschreckend. Zudem hat mich “Final Cut” so dazu gebracht, (noch mehr als sonst schon) darüber nachzudenken, was man genau mit gewissen Informationen zB auf Facebook der virtuellen Community an Informationen zur Verfügung stellt. Und welche Folgen diese “Großzügigkeit” haben kann.
Wenn vielleicht auch nicht unbedingt in dem Maße wie in der Geschichte. Denn hier treibt ein ebenso intelligenter wie gnadenloser Killer sein Unwesen. Er sucht sein Opfer im Netz und ermordet sie in der Realität. Dabei scheint er niemals Spuren zu hinterlassen, was die Polizei vor eine unlösbar scheinende Aufgabe stellt. Dies ist der zweite Punkt, der mich an dem Buch begeistert hat. Die Härte! Was man hier an Morden, in all ihrer Brutälität und schön detailreich, beschrieben bekommt, das ist nicht ohne! Wer mit solchen Schilderungen nicht klar kommt, der sollte die Finger von “Final Cut” lassen. Fans dieser Art Thriller dagegen werden auf ihre Kosten kommen.
Trotzdem hat mir “Final Cut” insgesamt nicht richtig gefallen. Das liegt an diesem zunächst zweiten Handlungsstrang um diese unsägliche TV-Serie Shebay. In der werden Mädels vom (männlichen!) Publikum und der Jury wahlweise ins Schlammloch oder den TV-Himmel gewählt und der Siegerin winkt eine Nacht im Bett eines Typen aus dem Publikum . In der er freilich mit ihr tun und lassen kann, was er möchte.
Ich bezweifele nicht, dass irgendwelche TV-Bosse auf die Idee einer solch kranken Sendung kommen könnten. Ich bin auch überzeugt davon, es würde sich genug Pöbel zur Publikums-Jury berufen fühlen. Und ich bin ebenfalls sicher, es würden genug sensations- und sonstwie geile Typen vor dem Fernseher oder PC sitzen.
Dennoch, ich brauche so etwas nicht. Nicht mal in einer Geschichte. Ich bin kein Moralapostel, aber mich haben diese Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Kerle alle paar Seiten derbe genervt. Natürlich steht die Sendung bzw die Mädchen im Zusammenhang mit dem Fall, aber auf gewisse Gedanken und Aussprüche der “Herren” (Macher wie Publikum) hätte ich dankend verzichten können. Auch ohne sie hätte der Verknüpfung zwischen Shebay und dem Killer nichts gefehlt.

Entsprechend schwer habe ich mich auch mit dem Lesen getan und häufiger eine Pause gemacht als normalerweise bei einem Thriller. Aber nach dreimal bei-Shebay-hinter-die-Kulissen-gucken war meist Schluss für den Abend. Dabei liest sich “Final Cut” an sich wirklich gut. Es ist spannend und -mal bei den für mich richtigen, oft eben aber auch bei den falschen Szenen- detailgenau geschrieben. So ist man bei der Handlung quasi immer direkt dabei. Die Kapitellänge macht es leicht, das Buch “häppchenweise” zu lesen.

Vom Cover her ist das Buch ein echter Blickfang mit den Schlitzen und dem blutroten Hintergrund dahinter. Cool gemacht! Ansonsten ist der Look sehr dunkel wie es einem Thriller steht und gibt über den Inhalt nichts weiter preis.

Fazit: Wer auf Thriller der härteren Gangart steht, der wird mit “Final Cut” seinen Spaß haben. Es gefällt mir auch, dass die Geschichte trotz ihrer Unterhaltsamkeit auch zum Nachdenken über die eigene Online-Aktivität anregt. Mich hat aber diese niveaulose TV-Sendung und die Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Typen schnell gestört. So etwas muss ich nicht alle paar Seiten haben. Wer sich daran nicht stört: nix wie “Final Cut” besorgt. Denn dann lohnt das Buch erst recht!


Titel: Final Cut
Autor: Veit Etzold
Seiten: 448
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3404166879
Preis: 8,99 (Broschiert)

Rezension – Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse (Zoë Beck)

Edvard ist 15, und eines seiner größten Probleme ist: er ist definitiv noch zu wenig Mann und hat viel zu viel Freiräume. Wie soll er bitte bei so toleranten Eltern pubertäre Proteste äußern? Nichts kriegt er wirklich auf die Reihe. Stattdessen Missverständnisse und Nervenzusammenbrüche. Alles ist einfach nur noch peinlich. Edvard schreibt alles über sein Leben und seine Gedanken in einem privaten Blog im Internet nieder, auch seine heimlichen Leidenschaften und Lieben: Astrophysiker will er werden, und es gibt Constanze… Dann die Hammerkatastrophe: Edvards Blog wird aus Versehen öffentlich – nun kann jeder lesen, was in seinem Leben alles passiert und noch viel mehr.

Von Zoë Beck kannte ich bisher nur ihre Psychothriller, die mir gut gefallen haben. Deshalb war ich auch auf “Edvard” ziemlich neugierig, hatte mir aber -zugegeben- nicht allzuviel davon versprochen. Aber ich mag Teenie-Pubertäts-Stories. Vor allem, wenn sie witzig sind. Wieso also nicht mal antesten?
So habe ich “Edvard” eines Tages mit zum Arzt genommen um im Wartezimmer schon mal etwas darin zu schmökern. Ganz sicher hatte ich nicht erwartet, dass ich schon nach wenigen Seiten Tränen lachend dasitzen würde. Aber genau das ist geschehen!
Ich mochte Edvard vom ersten Satz an, diesen armen 15jährigen, der mitten in der Pubertät steckt und mit den dafür typischen Problemen zu kämpfen hat. Beispielsweise mangelnde Körperbehaarung an bestimmten Stellen, eine zu hohe Stimme, unerwiderte Liebe und Zoff mit den Mitschülern. Doch damit nicht genug! Edvard hat auch noch ein eher ungewöhnliches Problem, an dem sich leider gar nichts ändern lässt, nämlich seine alternativ eingestellten Eltern, die ihm Freiraum ohne Ende einräumen, mit Verständnis überhäufen und ihn außerdem vom vegetarischen Lebensstil überzeugen wollen.
Von alldem berichtet Edvard auf unglaublich witzige Art in seinem privaten Blog im Internet.  Mir haben speziell die Schilderungen der Erlebnisse mit seinen Eltern gefallen. Ihre Art zu leben wäre auch für mich nichts. Da konnte ich Edvards Verzweiflung sehr gut nachempfinden und hätte ihm beispielsweise auf dem Biobauernhof nur allzu gerne eine Scheibe Schinken gereicht.
Aus der Pubertät bin ich (altersmäßig ;)) zwar schon seit ein paar Jährchen heraus, weshalb die anderen Widrigkeiten in Edvards jungen Leben ein ganzes Stück weit weg für mich sind, aber Edvard beschreibt sie so glaubhaft, dass ich sofort mit ihm gefühlt habe. Ich konnte sogar verstehen, dass er sich auf Facebook eine andere “Identität” geschaffen hat, so gebeutelt wie er vom Schicksal ist. Dort ist er nämlich ein cooler amerikanischer Austauschschüler, sehr männlich und vor allem nahe an seinem Schwarm Constanze, die den “Ami” anhimmelt. Dummerweise entwickelt diese Identität bald ein turbulentes  Eigenleben und so geht es für Edvard bald auch online ordentlich rund!
Etwa auf der Hälfte wendet sich die Geschichte dann einem neuen Problem zu. Edvard hat in seinem einst verhassten Nachbarn einen tollen Nachhilfelehrer und Freund gefunden, doch der wird nun von der Besitzerin des Hauses quasi vor die Tür gesetzt. Das muss um jeden Preis verhindert werden. So zettelt man kurzerhand eine Hausbesetzung an, mit allem was dazu gehört.
Das ist zwar auch ganz amüsant, aber ich fand es nicht mehr ganz so witzig wie Edvard vorherige Einträge. So richtig gelacht habe ich in diesem Teil der Geschichte nur noch selten, was ich schade fand. Ich hätte mich auch den Rest des Buches noch mit allergrößtem Vergnügen durch Edvards familiäre und pubertäre Katastrophen gelesen.
Aber okay, anscheinend brauchte die Geschichte noch ein Kernthema, und das ist eben der Kampf darum, dass Edvards Nachbar in seinem Haus bleiben darf. Und der ist wie gesagt immer noch ganz vergnüglich und  auch spannend, denn lange sieht es gar nicht so aus als kämen Edvard und seine “Mitbesetzer” ihrem Ziel näher.
Vom Ende war ich dann inhaltlich leider etwas enttäuscht. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Es lag für mich auch die ganze Zeit quasi “in der Luft”, dass es noch zu einer abschließenden Riesen-Katatstrophe für Edvard persönlich kommen würde, doch nichts dergleichen geschah. Er kommt mit seinem “Online-Theater” tatsächlich durch. Das hatte ich alleine deshalb schon nicht erwartet, weil in der Inhaltsangabe etwas davon steht, dass Edvards Blog öffentlich wird. Denn bis zum Ende hin ist das nur einmal für ganz kurze Zeit geschehen und hat keinerlei böse Nachwirkungen für ihn. Deshalb dachte ich, dass am Ende vielleicht…?

Beim Arzt mit dem Buch begonnen, am selben Nachmittag auch schon ausgelesen gehabt. Früher war es das Tagebuch, heute ist es halt ein Blog. Dieser Stil liest sich einfach sehr leicht und flott. Vor allem, wenn die Einträge so witzig sind wie in diesem Falle. Da kann man einfach nicht anders und muss “ach los, einen noch” weiterlesen. Jedenfalls ging es mir so.

Das Cover passt prima zur Geschichte. Denn Edvard wirkliches Leben ist halt eine Aneinanderreihung von Katastrophen und im Internet, speziell bei Facebook, kann er sich ein Stück heile Welt “bauen”. Daher finde ich die diversen Icons aus dem www sehr passig. Mit gefällt außerdem das Giftgrün der Außenseite der Buchdeckel, das sich wunderbar mit dem Violett der Innenseite und des Vorlageblatts beißt  😉

Fazit:  Anfangs habe ich über “Edvard” wirklich Tränen gelacht. Später hat das Buch in Sachen Komik für mich ein wenig abgebaut, was ich bedauert habe. Für ein Grinsen und Schmunzeln hat es aber bis zum Ende hin immer noch gereicht. Wer also Lust auf eine vergnügliche Teenanger-Pubertäts-Story hat, der kann unbesorgt zu diesem Buch greifen.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse
Autor: Zoë Beck
Seiten: 192
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404166503
Preis: 12,99 (HC)

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