Familie

Die Blutschule (Max Rhode)

blutschuleEine unbewohnte Insel im Storkower See Eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer Eine Schule mit den Fächern: Fallen stellen. Opfer jagen. Menschen töten. Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird.

Ich bin totaler Fan von Sebastian Fitzek und seinen Büchern. Trotzdem war ich Pennsuse genug um als wohl eine der Letzten festzustellen, dass er dieses Buch unter einem Pseudonym geschrieben hat. Doch als das endlich auch zu mir durchgedrungen war, gab es natürlich kein Halten mehr. Zwei neue Fitzeks in einem Jahr bekommt man sonst schließlich nicht geboten!
Die Geschichte gönnt sich ordentlich Anlauf. Von dem Schrecken, der im Klappentext angekündigt wird, ist sehr lange nichts zu spüren. Lange Zeit wirkt Simons und Marks Familie ganz normal und recht harmonisch. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie der Vater sich jemals in ein solches Monster verwandeln könnte.
Vermutlich ist der Einstieg in “Die Blutschule” bewusst so gehalten. Damit das spätere Geschehen umso grausamer und erschreckender wirkt. Trotzdem, etwas kürzer hätte man das für mich schon halten dürfen. Ich habe mich irgendwann doch gefragt, wann es denn endlich mit der Blutschule und dem eigentlichen Horror losgehen würde. Dabei habe ich sogar mal den Schnitt kontrolliert um zu sehen, wie viele Seiten dafür nur noch übrig bleiben würden. Uninteressant ging es zwar nie zu, aber doch eine Sour langatmig.
Nun braucht es nunmal etwas, das einen an sich ganz treusorgenden Familienvater in ein Monster verwandelt. In diesem Falle ist es etwas Mystisches, Übersinnliches, wenn man so will. Das kannte ich von Sebastian Fitzek noch nicht, aber unverkennbar hat er auch in dieser Hinsicht Ideen. Als so richtig innovativ habe ich sie zwar nicht empfunden (ähnliches gibt es immer mal wieder in dem Genre), aber es ist angenehm schaurig und rätselhaft beschrieben. Da kann man schon eine Gänsehaut bekommen.
Nach diesem Vorfall, der für Simon und Mark für den größten Horror ihres Lebens sorgt, ging es dann endlich mit der Blutschule zur Sache. Und schon machte die Geschichte bei mir wieder Pluspunkte. Ich mag es in Büchern (und Filmen) ganz gerne blutig und brutal, eben so horrormäßig. So habe ich mit den beiden Jungs zu jedem Augenblick mitgefiebert und mich bei den Aufgaben, die ihnen ihr Vater stellt, vor Ekel und Grausen förmlich gewunden. Also, wenn man auf so etwas steht, dann wird man hier bestens bedient. Wer dafür nichts übrig hat, sollte die Finger von der “Blutschule” lassen

“Die Blutschule” liest sich wie jedes Buch von Sebastian Fitzek: in rasantem Tempo, das einem einfach nicht erlaubt, es mal beiseite zu legen. Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, wieso das so ist, aber so ganz habe ich es noch nicht erfasst. Es ist irgendwie dieser zwar lockere Erzählstil, der auf der anderen Seite aber im Nullkommanix für Spannung und -wie hier- Grusel sorgt.

Zum Titel passend ist auf dem Cover ein alter Schultisch samt Stuhl zu sehen. Die Kratzer in der Tischplatte verheißen nichts Gutes und so wird man schnell neugierig. Das Motiv verspricht defintiv eine spannende Geschichte. Und unheimlich wirkt es mit dem finsteren Hintegrund obendrein.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch also gut gefallen. Sebastian Fitzek kennt sich offensichtlich auch mit Storys mit leicht übersinnlichem Einschlag aus. Trotzdem, eine Fortsetzung oder weitere Bücher in diesem Stil muss es für mich nicht unbedingt geben. Ich halte mich da doch lieber an seine (Psycho)thriller.


Titel: Die Blutschule
Autor: Max Rhode
Seiten: 256
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404172672
Preis: 12,99 (Broschiert)

Eleanor & Park (Rainbow Rowell)

Eleanor & Park (Rainbow Rowell)Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann.

Über dieses Buch hatte ich im Vorfeld so viel Gutes gelesen, dass ich dann irgendwie doch nicht herumkam. Ich freute mich auf eine schöne Liebesgeschichte um zwei leicht verquere Teenager, mit allen Freuden und Schwierigkeiten, die zur ersten großen Liebe eben dazu gehören.
Als erstes überraschte die Geschichte mich damit, dass sie in den 80er-Jahren spielt. Das hat mich nicht weiter geschreckt, denn dieses Jahrzehnt wird wohl immer mein Lieblingsjahrzehnt sein. Außerdem lese ich keine Geschichten, die weiter in der Vergangenheit spielen. Somit hat “Eleanor & Park” er gerade noch geschafft. Ich denke, die Geschichte braucht diese Zeit um zu funktionieren. Vieles darin wäre heute undenkbar bzw erheblich leichter. Heute muss man nicht mehr am Festnetz auf einen Anruf warten, man ist per Handy jederzeit in Kontakt. Und wer tauscht heute noch Musikkassetten aus. Man tauscht ja nicht mal mehr CDs aus, weil man im Internet jederzeit fast alles anhören kann. Doch aus diesen Details -von denen es noch einige mehr gibt- zieht die Geschichte ihren Reiz, ihr Flair und natürlich auch einen Gutteil ihrer Spannung.
Doch so gut das bisher auch alles klingen mag, ich kann mich dem Lobgesang auf “Eleanor & Park” nicht anschließen. Der wesentliche Grund dafür ist Eleanor selber. Mir ging dieses Mädchen die meiste Zeit tierisch auf den Keks mit ihren Launen, ihrer Sprunghaftigkeit, dem “ich möchte ja so gerne, aber ich kann nicht”, der mehr als verqueren Denkweise und dem Talent, aus jeder Mücke eine Elefantenherde machen zu können. Problematische familiäre Situation hin oder her, mir fällt es schwer, mir vorzustellen, dass ein verliebtes Mädchen in Eleanors Alter sich so verhält. Ich hätte sie manches Mal gerne geschüttelt und gefragt, ob sie überhaupt weiß, was sie eigentlich will.
Mit Park bin ich dagegen besser klargekommen. Das bedeutet allerdings auch, dass ich mich oft gefragt habe, wie er das mit Eleanor so aushält. Er wirkt nämlich durchaus ganz cool (auch wenn er an der Schule ein Außenseiter ist) und ich konnte mir gut vorstellen, dass er auch ein anderes, etwas einfachere Mädel hätte abkriegen können. Eleanors Familie kann man nicht mögen, sie kann einem teilweise nur leidtun, aber Parks Familie mochte ich irgendwie wirklich. Seine Mutter ist zwar auch nicht so einfach, aber sie gibt sich Mühe. Und sein Vater ist zwar streng, aber er hat Verstand und weiß seinem Sohn zu begegnen.
Von Romantik ist leider kaum etwas zu spüren. So blumig Eleanor und Park von einander auch sprechen, so richtig kribbelige Szenen gibt es kaum. Das erwarte ich aber nun mal von einer Lovestory. Das gehört irgendwie dazu, selbst wenn die Figuren es noch so schwer haben. Aber ich sehe schon ein, mit einer so verkorksten Figur wie Eleanor ist das höllisch  schwierig. Enttäuscht war ich trotzdem.

Ich habe das Buch als eBook gelesen und obwohl der Reader immer genauso griffbereit liegt wie ein richtiges Buch, lag er oft wochenlang unangetastet da. Ich hatte sehr schnell kaum noch Lust auf die Geschichte, weil mich Eleanor so nervte. Und das wirkt sich eben auch auf mein Lesetempo aus. Da helfen auch die recht kurzen Kapitel und der abwechselnde Blickwinkel nichts. Sonst spornt mich dieser Stil an, hier traf das nicht zu. Und jugendlich klang die Story für mich auch nicht. Oft habe ich kaum glauben können, dass da zwei Teenager erzählen.

Das Cover gefällt mir teilweise ganz gut. Ich mag die rückwärtige Ansicht von Eleanor und Park. Das ist mal etwas anderes. Genauso wie der gezeichnete Stil zu Zeiten, in denen Buchcover gerne schon wie Fotos aussehen. Außerdem finde ich die Idee mit dem Walkmankabel toll, dass das “&” im Titel bildet. Dagegen mag ich die Farbe rundherum überhaupt nicht. Sie wirkt völlig nichtssagend auf mich.

Fazit:  Ich kann den Hype um dieses Buch leider nicht nachvollziehen und / oder teilen. Mich hat Eleanor mir ihrem verqueren Wesen so genervt, dass mir Park schnell einfach nur noch leid tat. Von Romantik ist kaum eine Spur zu bemerken, doch die gehört für mich -trotz aller Schwierigkeiten der Charaktere- einfach zu einer Liebesgeschichte dazu.So gab es nichts, was mich zum Weiterlesen ermunter hätte. Ich habe das Buch nur beendet, weil ich so ungerne Bücher abbreche.


Titel: Eleanor & Park
Autor: Rainbow Rowell
Seiten: 368
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3446247406
Preis: € 16,90 (HC)

Auf und davon (David Arnold)

aufunddavonWer würde nicht gerne einfach mal verschwinden? In den nächsten Bus springen und alles hinter sich lassen? Genau das macht die sechzehnjährige Mim Malone. Es reicht ihr, immer das zu tun, was ihr Vater und seine neue Frau für richtig halten. Sie will wissen, weshalb ihre Mom aus ihrem Leben verschwunden ist. Und ihre Gedanken sollen endlich aufhören, in ihrem Kopf Karussell zu fahren. Also steigt sie einfach in den Greyhound-Bus und haut ab, zu ihrer Mom. Während draußen die Landschaft vorbeifliegt, macht Mim einige unvergessliche Bekanntschaften – die wunderbare Arlene, den unheimlichen Ponchomann und den äußerst attraktiven Beck, an den sie ihr Herz zu verlieren droht. Doch dann verändert ein tragischer Unfall von einem auf den anderen Augenblick alles. Und Mim muss sich den wirklich entscheidenden Fragen in ihrem Leben stellen.

Ich bin ja so jemand, der immer nach Möglichkeiten sucht, irgendwie wegzukommen. Irgendwo anders hinzukommen, unterwegs zu sein, was zu erleben. Daher klang der Klappentext dieses Buchs für mich sehr vielversprechend. Für solche Roadtrip-Storys habe ich sonst eine ganze Menge übrig.
Grundsätzlich hat “Auf und davon” alles an Bord, was eine solche Geschichte für mich haben sollte. Mim ist unterwegs: mit dem Bus, einem ollen Auto, manchmal kurz auch zu Fuß, sie erlebt eine ganze Menge Abenteuerliches und lernt eine Reihe interessanter Menschen kennen. Das sind Elemente, die ich an solchen Geschichten immer sehr schätze.
Auch der eigentliche Aufhänger sagte mir zu: Mim lebt mit ihrem Vater und dessen neuer Frau zusammen. Niemand hat ihr je gesagt, wieso der Kontakt zu ihrer Mutter plötzlich abbbrach. Nun möchte Mim zu ihrer Mutter reisen um es herauszufinden. Ist ihre Mutter womöglich krank? Was ist vorgefallen? Das hätte durchaus spannend sein können. Ich habe sogar eine Weile gegrübelt, was dahinterstecken könnte, allerdings nicht sehr lange. Dafür war einfach zu viel los. Denn auch das ist “Auf und davon”: abwechslungsreich. Es ist immer etwas los. Normalerweise hätte Langweile da keine Chance haben dürfen.
Normalerweise! Denn trotzdem die Geschichte alle erforderlichen Elemente mitbringt, die zu einer Roadtrip-Story gehören, hat sie mir leider nicht gefallen. Der wesentliche Grund dafür ist schlicht und einfach Mim. Mim ist sechzehn Jahre alt und genau so ein Mädel hätte ich mir gewünscht: ein munteres, abenteuerlustiges und mutiges, ganz normales Mädchen. Doch Mim ist das genaue Gegenteil! Ich habe ihr die Sechzehnjährige nicht eine Seite lang abgenommen. Ihre Denk- und Sichtweisen sind alles, aber sicher nicht die einer Sechzehnjährigen. Ganz egal, was sie im Leben schon mitgemacht hat, ganz egal, ob sie sich für eine Anomalie hält, aber so denkt und verhält sich keine Sechzehnjährige! Das ist ein Jugendbuch und ich musste mich manchmal ganz schön anstrengen, um Mims Gedankengängen folgen zu können. Und ich bin kein Teenager mehr! Wie mag es da erst jugendlichen Lesern gehen?
Es strengt an und wenn sich solche Überlegungen über Seiten ziehen, dann bleiben Spannung und Unterhaltsamkeit schnell auf der Strecke. Und wenn man alles und jeden dermaßen tiefgründig analysiert und in sein eigenes, kompliziertes, teilweise verqueres Weltbild quetscht, dann sind Personen und Ereignisse, die an sich interessant sind, bald zu Tode analysiert.
Zum Teil ist die Geschichte in Briefform geschrieben. Mim schreibt an eine Isabel. Einige Male wird zwar eine Tante dieses Namens erwähnt, aber nicht, wieso Mim ihr schreiben sollte. Schreibt sie also überhaupt an diese Tante? Das habe ich mich anfangs eine Weile gefragt, aber dann wurde es mir gleichgültig. Am Ende wird es aufgelöst, doch der Wow-Effekt -der womöglich damit ausgelöst werden sollte- ist bei mir nicht eingetreten. Okay, dann eben nicht.
Eine allerletzte Chance hätte “Auf und davon” bei mir noch gehabt, kurz vor dem Ende nämlich. Da hätte ich mir einen ganz speziellen Dreh gewünscht und schon wäre ich mit einem Großteil des Vorangegangenen versöhnt gewesen. Doch der Dreh kam nicht. Schade, sehr schade. Ich hatte es mir so gewünscht, dass die Story die Kurve doch noch kriegt. Aber Wünsche sind eine unsichere Sache. Der hier wurde leider nicht erfüllt.

Durch den Wechsel zwischen Mims normaler Erzählung und den Passagen in Briefform ist an sich eine gewisse Abwechslung gegeben. Das sorgt bei mir normalerweise dafür, dass mein Lesetempo einen Zahn zulegt. Da aber beide Varianten Mims kruder Gedankenwelt entspringen und entsprechend so geschrieben sind, habe ich mich quasi hindurch geschleppt. Vom Tempo keine Spur. Das konnten auch die einzelnen Zeichnungen nicht auflockern.

Das Cover finde ich immer noch wunderschön. Und es sieht so verheißungsvoll aus. Ein Mädchen mit Pferdeschwanz auf dem Dach eines Busses, das lässt sofort auf Abenteuer hoffen, auf eine turbulente Reise, die genauso schöne, wie auch traurige Momente hat, auf einen Schuss Romantik vielleicht noch. Ich glaube, man kann es mir nicht verdenken, dass ich mir anhand des Covers und des Klappentextes etwas ganz anderes von “Auf und davon” erwartet hatte.

Fazit:  Ich hatte mir so viel von dieser Geschichte versprochen! Und sie hat grundsätzlich alles an Bord, was eine Roadtrip-Story für mich mitbringen sollte. Doch Mims (für eine Sechzehnjährige völlig unytpsiche) Gedankenwelt und Sichtweisen, haben alle meine Erwartungen im Nu zunichte gemacht. Ich habe sicher nichts gegen eine Schippe Tiefgründigkeit und ernsthafte oder traurige Momente -auch so etwas gehört zu solchen Reisen-, aber das hier ist schlicht und einfach chaotisch, verworren und zu Tode analysiert. Da haben Spannung und Unterhaltsamkeit keine Chance.


Titel: Auf und davon
Autor: David Arnold
Seiten: 384
Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3453269835
Preis: € 14,99  (HC)

Mein fremder Freund (Emma Haughton)

Mein fremder Freund (Emma Haughton)Im Alter von 13 Jahren verschwindet Hannahs bester Freund Danny – ohne eine einzige Spur zu hinterlassen. Drei lähmende Jahre voller Bangen und Hoffen später taucht er ebenso unvermittelt wieder auf. Verändert, ohne Erinnerung an die letzten drei Jahre, aber am Leben. Und das ist das Einzige, was zählt, denken Hannah und seine Eltern. – Zunächst. Denn nach und nach müssen sie erkennen, dass der Junge an ihrer Seite ihnen erschreckend fremd ist. Kann es wirklich sein, dass er sich so verändert hat? Oder ist dieser junge Mann womöglich gar nicht Danny?

Ich habe derzeit irgendwie kein Glück mit Büchern. Hoffentlich ist diese Strähne bald vorbei. So soll es bitte nicht weitergehen.  Wie die meisten Bücher zuvor, konnte auch “Mein fremder Freund” nicht von sich überzeugen. Dabei klingt die Klappentext verheißungsvoll. Es ist schließlich eine schlimme Vorstellung, dass der beste Freund eines Tages einfach spurlos verschwindet. Welche Angst man in der Situation aussteht, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Und wie hin- und hergerissen man sich fühlt, wenn er plötzlich wieder auftaucht, aber total verändert ist. Auch keine schöne Vorstellung.
Doch leider kam weder das eine noch das andere so bei mir an. Gut, die Geschichte verläuft zunächst zweigleisig. Ein Handlungsstrang spielt im Heute, drei Jahre nach Dannys Verschwinden. Dass Hannah da den größten Schrecken bereits hinter sich hat und ein Stück weit abgeklärt auf das Vergangene schauen kann, das kann ich nachvollziehen. Aber in dem Handlungsstrang, der vom Geschehen vor drei Jahren erzählt, da hätte ich mir doch eine gehörige Portion Dramatik mehr gewünscht. Dannys Eltern wirken sehr verzweifelt, das passt. Aber Hannah hat auf mich nur äußerst selten diesen Eindruck gemacht. Das fand ich schade, denn das hätte der Dramatik und Spannung sicher gut auf die Sprünge geholfen. Und unglaubwürdig fand ich es auch, wenn man immer wieder liest, dass Hannah und Danny doch wie Pech und Schwefel gewesen sein sollen. Hannah erwähnt ein paarmal, dass Danny sich vor seinem Verschwinden verändert hatte. Das wirkt gerade so, als wolle sie sein Verschwinden damit erklären. Dadurch habe ich von der angeblich innigen Freundschaft kaum etwas gespürt.
Nachdem es also geraume Zeit so unspektakulär zugeht, ereignet sich plötzlich ein Zwischenfall zwischen Hannah und ihrem Vater, bei dem man spürt, dass dahinter mehr stecken könnte. Etwas, das vielleicht auch mit Dannys Verschwinden zu tun hat. Damit hat man als Leser wenigstens einen kleinen Anhaltspunkt, an dem man mit dem Knobeln anfangen kann. Auf die Auflösung wäre ich allerdings im Leben nicht gekommen. Und ganz ehrlich, dass Danny deshalb verschwunden ist, das wirkte auf mich reichlich unlogisch. Da hätte ich andere Reaktionen glaubhafter gefunden.
Doch ehe die Wahrheit auf den Tisch kommt, taucht Danny plötzlich wieder auf. Da sollte man doch meinen, dass Hannah als beste Freundin außer sich vor Freude ist. Zumindest im ersten Moment. Aber nichts! Nicht mal für drei Sätze. Dass ihr danach Bedenken kommen, das habe ich verstanden. Aber im ersten Moment in dieser Situation, da hatte ich doch mehr spontane Freude erwartet. Auch um nochmal zu verdeutlichen, wie nahe die beiden sich mal standen.
Danny ist also zurück, aber völlig verändert. Seine Familie und Freunde bemühen sich redlich, darüber hinwegzusehen. Wer weiß schon, was Danny in den drei Jahren erlebt hat? In dieser Zeit kann so viel passieren, das einen Menschen verändert. Das stimmt zweifelsohne, aber was sich Dannys Familie und Hannah von ihm gefallen lassen müssen, das ich schlicht eine Frechheit. Und ganz ehrlich, bei allem “der verlorene Sohn ist zurück”-Glück, da wäre ein gehöriges Donnerwetter mehr als berechtigt gewesen. Und nicht nur einmal. Ich habe mich tierisch darüber aufgregt, dass sich Hannah und Dannys Eltern das alles von diesem halbwüchsigen Rotzlöffel gefallen lassen.
Das Ende selber hält keine große Überraschung bereit. Irgendwie hat man gewisse Dinge längst geahnt. Und das “Warum?” um Dannys Verschwinden wirkte auf mich reichlich dünn und einmal mehr unglaubwürdig. Ein Dreizenjähriger, der sich solche Gedanken macht und solche Konsequenzen daraus zieht? Da gibt es anderen Formen der Rebellion, die ich nachvollziehbarer gefunden hätte.

Rein inhaltlich hat mich die Geschichte schon nicht bei Laune gehalten. Die überwiegend erzählenden Passagen haben mein Lesetempo zusätzlich ausgebremst, sodass ich mich jeden Abend überwinden musste, weiterzulesen. Und nicht mal die eigentlich knackig kurzen Kapitel konnten mich dazu verleiten, mehr als zwei oder drei zu lesen.

Das Cover gefällt mir soweit ganz gut. Als kleiner Wasserangsthase bereiten mir solche Motive ohnehin eine Gänsehaut. Aber es ist damit außerdem ein Bezug zur Geschichte gegeben, das gefällt mir auch. Das kann man nicht von jedem Cover behaupten. Und etwas düster und geheimnisvoll wirkt es auch. Das passt alles.

Fazit: Kurz und knapp: für mich fehlte es der Geschichte durchweg an Dramatik. Hannahs bester Freund verschwindet und trotzdem hatte ich beim Lesen das Gefühl als plätschere das alles nur so vor sich hin. Dann taucht Danny wieder auf und von Riesenfreude ist nicht mal in den ersten Momenten des Wiedersehens etwas zu spüren. Wie glaubwürdig ist das denn, bitte? Und obendrein musste ich mich noch darüber aufregen, was sich Hannah und Dannys Eltern alles von Danny gefallen lassen. Bei allem Verständnis für “Oh, der verlorene Sohn (Freund) ist zurück, jetzt bloß nichts falsch machen, sonst haut er wieder ab!”, Danny ist sechzehn Jahre alt und benimmt sich wie die Axt im Walde. Nein, das muss sich in meinen Augen niemand gefallen lassen, auch nicht in dieser Situation. Basta!


Titel: Mein fremder Freund
Autor: Emma Haughton
Seiten: 352
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570402719
Preis: € 8,99 (TB)

Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen (Susan Juby)

tagwahrheitDas Leben ist nichts für Feiglinge, denken sich die drei Freunde Dusk, Neil und Normandy, zu Beginn des 11. Schuljahres und starten ein gewagtes Experiment: Einmal jede Woche wird abwechselnd einer der drei einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen.
Hasst die ewig grantige Sekretärin wirklich alle Schüler, ist der schöne Tyler jetzt schwul oder nicht, nimmt der Freak aus der 12. Drogen und hat die Coole aus dem Langlaufteam mit einem ihrer beiden Teamkollegen was oder gar mit beiden? Was die drei besten Freunde allerdings damit lostreten, hätten sie nie geahnt. Ein kluges Buch über Freundschaft, Liebe und die Frage, was wir mit uns und unserem Leben anfangen und, was das eigentlich alles zu bedeuten hat.

Auf dieses Buch bin ich zufällig aufmerksam geworden. Dieses Mal reizte mich nicht das Cover, sondern die Idee der Geschichte. Man kann sich schließlich gut vorstellen, welche Folgen es haben kann, wenn man plötzlich nur noch die Wahrheit sagt.
Doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Beispielsweise wurde ich mit Hauptfigur Normandy überhaupt nicht warm. Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber sie war für mich eine totale Klugsch******, und solche Leute ertrage ich nicht. Nicht in Geschichten und auch nicht in der Realität. Da fand ich ihre Freunde schon interessanter. Den leicht schrägen Neil und die resolute Dusk. Die beiden haben mich ermuntert, doch noch weiterzulesen. Ich wollte ja schließlich wissen, was die Freunde mit ihrer Wahrheitsoffensive bewirken.
Doch leider bewirken sie gar nicht so viel, wie ich erwartet hatte. Natürlich, sie nehmen sich einige ihrer Mitschüler vor, sagen ihnen unliebsame Wahrheiten direkt ins Gesicht bzw stellen ihnen unangenehme Fragen nach der Wahrheit, doch die dramatischen Folgen bleiben aus. Folgen hat diese Offensive zwar, aber es ist absolut nichts Brisantes daran. Vor allem hatte ich nie das Gefühl, dass sie mit ihrer Aktion bei irgendeinem ihrer “Opfer” so richtig anecken, und das hatte ich vor allem erwartet! Aber nein, die Wahrheit bringt fast überall nur Gutes zum Vorschein. Das ist zwar ganz nett, aber für sonderlich realistisch halte ich es nicht.
Nach einer Weile kam es mir so vor als würde es diese Aktionen nur geben um Normady dazu zu bringen, in Sachen Wahrheit mal vor der eigenen Tür zu kehren und gewisse Wahrheiten in ihrer Familie zu erkennen, die bislang unter den Teppich gekehrt wurden. Ob man dazu die Aktionen an der Schule gebraucht hätte, lasse ich dahingestellt. Sicher hätte man eine Geschichte nur um das Geschehen in Normandys Familie zusammenbringen können.
Denn dort geht es wirklich unglaublich zu, was für mich gleich den nächsten Aufreger darstellte. Da schreibt die älteste Tochter eine Saga, die in einer Parallelwelt spielt, und schickt darin alle ihre Familienmitglieder ins Rennen, allerdings als wahre Witz-, Hohn-, und Spottgestalten. Und was macht die vorgeführte Familie? Sie arrangiert damit und meutert allenfalls gedanklich (und auch nur in Normandys Fall). Die Eltern stehen auf dem Standpunkt, dass sie das Geld ranschaffen um den Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen. Ganz ehrlich, an ihrer Stelle hätte ich Keira sämtliche Zuwendung kurzerhand gestrichen bis diese ihre Frechheiten einstellt. Schließlich verdient Keira mehr als gut mit ihren Schmierenstorys. Und Normandy? Die ist zwar stinkunglücklich damit, als fettes Krötengesicht durch Keiras Geschichten zu latschen, aber mehr als ein böser Gedanke hier und da ist nicht drin. Sie hat sich eigentlich ganz gut damit arrangiert, dass alles unter den Teppich gekehrt wird. Ja, hallo, geht es noch? Sie ist doch sonst so schlau und neuerdings auf die Wahrheit fixiert! Ich hätte es an ihrer Stelle gewusst, wegen Keiras Kreativschüben auf Zehenspitzen durchs Haus zu laufen und Keira nachts zu sich ins Bett zu lassen um ihren Klagen zu lauschen.
Somit haben mich lediglich einige wenige Fragen davon abgehalten, das Buch abzubrechen. Ich wollte wissen, ob Keira nicht letztlich doch so richtig auflaufen würde. Ich habe es so sehr gehofft! Außerdem habe ich immer noch gehofft, dass der Wahrheitsoffensive doch noch so ein richtiger Knall folgen würde.

Weil Normandy ein solcher Klugschwätzer ist, liest sich das Buch nicht ganz so leicht wie man es von einer Geschichte erwartet, die von einem Teenager geschrieben wird. Sie drückt sich mitunter sehr umständlich und gewählt aus. Was mich aber am meisten gestört hat, das ist die Masse an Fußnoten. 114 auf 348 Seiten sind es. Und sie sind oft so lang, dass sie -größer geschrieben- eine halbe Buchseite in Beschlag nehmen würden. Anfangs habe ich sie noch gelesen, weil ich dachte, dass darin etwas Wichtiges stehen würde. Etwas, das wichtig für die Geschichte ist. Das habe ich dann aber aufgegeben. Und mir hat nichts an Wissen zur Story gefehlt.

Die Covergestaltung gibt über die Geschichte nichts her. Wäre sie nicht farblich so fröhlich gehalten, würde ich daran gar nichts Erwähnenswertes finden. Das Cover sagt nicht ansatzweise etwas über die Story aus und ist auch sonst in keinerlei Hinsicht besonders.

Fazit:  Aus der Idee mit der Wahrheitsoffensive hätte man sicher viel machen können, doch diese Chance hat sie “Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen” absolut entgehen lassen. Keinerlei echte Dramatik, stattdessen eine nervig klugschwätzerische Hauptfigur und Nebenfiguren, die ich am liebsten dauern geschüttelt oder geofrfeigt hätte, damit sie erkennen, wie sehr sie sich von einer Möchtegern-Autorin vorführen lassen. Die ständigen und ewig langen Fußnoten machen den Lesefluss holprig und haben obendrein überhaupt keine Bedeutung für die Geschichte. Die hätte man sich dicke sparen können.


Titel: Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen
Autor: Susan Juby
Seiten: 348
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570159989
Preis: € 16,99 (HC)

© 2019 Frontier Theme