Fantasy

Merle (3 / 3) – Das gläserne Wort

Titel: Merle (3 / 3) – Das gläserne Wort / Verlag: Holysoft Studios / Spielzeit: ca. 158 min, 2 CDs / Sprecher: Friedhelm Ptok, Luisa Witzorek, Torsten Michaelis, Santigo Ziesmer ua

Inhalt: Merles Welt ist voller Magie. Während Venedig unter dem Angriff der Mumienkrieger zerbricht, verschlägt es Merle und die Fließende Königin ins Land der Sphinxe. Doch die ägyptische Wüste liegt begraben unter meterhohem Schnee eine unfassbare Macht hat eine neue Eiszeit heraufbeschworen. Meerhexen und Horuspriester, alte Götter und neue Tyrannen ziehen in einen schrecklichen Krieg. Inmitten des Chaos kommt Merle dem Schlüssel zur Rettung der Welt so nahe wie nie zuvor: In der Spiegelfestung der Sphinxmagier trifft sie auf den Zauber des Gläsernen Worts und auf einen verloren geglaubten Freund.


Da ist es nun also, das Finale, das ich mir bis zum Ende von Teil 2 noch gar nicht vorstellen konnte. Das blieb hier auch noch eine ganze Weile so, denn auch wenn es auf das Ende zugeht, so ereignet sich in Teil 3 noch einiges. Es bleibt spannend mit Szenen, bei denen man denkt, dass sie niemals ein gutes Ende nehmen können. Es bleibt überaus phantasievoll und Langeweile hat absolut gar keine Chance. Für Merle und ihre Freunde sieht es noch lange überhaupt nicht gut aus und so hat man auch hier noch einmal alle Gelegenheit, mit ihnen zu kämpfen, zu hoffen und zu bangen.
Als Hörer kann man außerdem noch ausgiebig rätseln, denn irgendwie gewinnt man -je weiter es zum Ende hin geht- doch schon den Eindruck, dass in der Gruppe irgendetwas nicht stimmt. Irgendetwas ist seltsam und der Gedanke fühlt sich nicht gerade gut an.
Dieser Eindruck täuscht nicht und das Ende hat dann nicht nur eine dicke Überraschung in petto. Manches Mal kann man kaum glauben, was man da hört. Immerhin hat man den Figuren um Merle doch lange Zeit vertraut. Da ist der eine oder andere Schrecken vorprogrammiert und manche Erkenntnis trifft einen dann auch richtig und absolut unerwartet.
So bleibt es bis zum tatsächlichen Ende abwechslunsgreich und interessant.

Anna Thalbach ist eine gute Wahl für die Rolle der Fließenden Königin. Ihre markante Stimme und der oft geheimnisvolle Tonfall passt gut zu dieser “Figur”, die ja eigentlich gar keine richtige Figur ist. Und auch den hochmütigen Ton einer Königin hat sie auf Lager. Anne Helm hält für Junipa einen eher kühlen Ton bereit. Angesichts dessen, was Junipa geschehen ist, ist da so sehr stimmig. Lalapeja klingt bei Marion Hartmann meistens entweder kämpferisch oder ein bisschen schwermütig, was speziell zum Ende hin Sinn ergibt.

Auch Musik und Geräusche kommen hier einmal mehr nicht zu kurz. Es ist eine gelungene und stimmige Mischung aus leiseren und eindrucksvollen und lauten Stücke zu hören. Je nachdem, wie es das Geschehen erfordert. Das lockert auf, was bei einer solch langen Spielzeit nur positiv ist.

Das Cover dieses dritten Teils wirkt düster. Merle sieht man auf Vermitrax kaum. Das Motiv verrät so irgendwie schon, dass es hier noch einmal hoch her gehen wird. Ansonsten bin ich bei meiner Meinung zu den Covermotiven der Trilogie geblieben. Sie sind nicht mein Fall.

Fazit: Ein würdiger Abschluss der Trilogie, die noch einmal alles auffährt, was einen bereits bei den beiden Vorgängern beeindruckt hat. Es bleibt spannend, rasant und phantasievoll und der Schluss macht einen stellenweise wirklich sprachlos. Insgesamt eine wirklich tolle Trilogie, die ich Fantasyfans nur ans Herz legen kann.  Mir persönlich wurde es ab Teil 2 zu phantastisch, das ist einfach nicht mehr so mein Fall. Wer so etwas aber mag, der wird “Merle” lieben.

Merle (2 / 3) – Das steinerne Licht

Titel: Merle (2 / 3) – Das steinerne Licht  / Verlag: Holysoft Studios / Spielzeit: ca. 148 min, 2 CDs / Sprecher: Luisa Wietzorek, Kim Hasper, Udo Schenk, Christian Rode, Tom Deininger ua

Inhalt: Merles Welt ist voller Magie. Doch seit der Zauber der Fließenden Königin den Mächten des Bösen weichen musste, herrschen in Venedig Furcht und Trauer. Meerjungfrauen und Meisterdiebe, Sphinxe und Zauberpriester, sie alle ahnen, dass einzige Merle das Schicksal der Lagunenstadt wenden kann. Und während die Freunde in den Palästen Venedigs um ihre Freiheit kämpfen, fliegt Merle auf dem Rücken eines Löwen aus Stein durch kilometertiefe Abgründe bis zur Achse der Welt. Hier, im Reich des Steinernen Lichts, muss sie eine Entscheidung treffen – zwischen alten Freundschaften und dem Frieden für eine ganze Welt.


Weiter geht Merles großes Abenteuer und irgendwie hatte ich es schon geahnt: so ganz angetan wie vom ersten Teil bin ich nicht mehr. Das liegt vor allem daran, dass die Handlung hier so gut wie gar nicht in Venedig spielt. Damit fehlt mir der Bezug zu etwas Realem. Ich kann mit Geschichten, die alleine in einer Phantasiewelt spielen, einfach nicht mehr viel anfangen. Das ist aber -wie schon mehrfach erwähnt- mein persönliches “Problem”.
Nichtsdestotrotz fiel es mir doch leicht, die beiden CDs anzuhören. Alleine Merle ist für mich nachwievor eine so tolle Figur, dass ich bei ihren Erlebnissen gerne dabei bin. Außerdem schickt Teil 2 ein paar neue Figuren ins Rennen, die bzw deren Geschichte mir sehr gefallen hat. Beispielsweise die Liebe zwischen Winter und Sommer. Oder auch das Herzhaus, die Vorstellung davon fand ich gleichermaßen krass wie genial. Auch die Idee des Steinern Lichts hat es mir angetan. Und ich fand Lord Licht wunderbar.
Es gab aber eben auch Figuren und Elemente, die eben nicht mein Fall sind. Mit Ägypten habe ich beispielweise gar nichts am Hut. Pharaonen jedweder Art interessieren mich frühestens, wenn ich mal in Ägypten sein sollte. Das gleiche gilt für Sphinxe.
Was man insgesamt aber sagen muss und nach dieser Aufzählung wohl auch schon ahnt: dieser zweite Teil sprüht vor phantastischen Ideen und Figuren. Zu der Phantasie kann man Kai Meyer einfach nur beglückwünschen und ihn dafür bewundern.
Spannende Szenen gibt es auch hier wieder reichlich. Mal auf düstere, unheimliche Art, mal mit Tempo und Action. Aber immer mit reichlich Gelegenheit, daran zu zweifeln, ob Merle und ihre Freunde wirklich erfolgreich sein werden.
Auf die Antworten zu den Fragen, die Teil 1 aufgeworfen hat, warte ich meistenteils immer noch. Somit werde ich natürlich auch Teil 3 nocht hören und bin wirklich mächtig neugierig, wie sich letzten Endes alles auflösen wird. Und welches Ende die Geschichte nehmen wird. Davon fehlt mir nämlich bislang noch jede Vorstellung.

Luisa Wietzorek versteht es einmal mehr als Merle zu überzeugen und mich zu begeistern. Ich mag ihre klare Stimme sehr und wie gut sie es versteht, jede von Merles Launen, jede Stimmung, einfach alles so authentisch und lebendig rüberzubringen. Udo Schenk ist für den Seth ebenfalls die ideale Besetzung mit seinem stets bösen Unterton. Und Gerald Paradies hat mich mit seiner warmen Stimme sofort für Winter eingenommen.

Ging es im ersten Teil musikalisch noch überwiegend ruhig zu, so sind hier schon häufiger mal lautere Stücke, Geräusche und Klänge zu hören. Da es hier auch noch einen Tacken mehr rund geht als im Vorgänger, passt das so prima zusammen.

Zum Stil der Cover der Reihe habe ich ja bereits etwas gesagt und ich kann mich nur wiederholen. Ich finde die Darstellung der Figuren, allen voran von Merle, zu sehr computergemacht. Dafür mag ich die schwarzen Krallenhände, die dem Motiv etwas Gruseliges geben.

Fazit: Ein äußerst phantasievoller zweiter Teill, der Merles Abenteuer spannend fortführt. Mir ist es eine Ecke zu phantastisch und ich würde mir für Teil 3 etwas mehr Venedig wünschen um wieder etwas “Reales” zu haben. Trotzdem gibt es einige neue tolle Figuren und die Lage für Merle und ihre Freunde spitzt sich spürbar zu, weshalb ich sehr neugierig auf Teil 3 bin. Trotz meiner Problemchen.

Merle (1 / 3) – Die fliessende Königin

Titel: Merle (1 / 3) – Die fliessende Königin  / Verlag: Holysoft Studios / Spielzeit: ca. 132 min, 2 CDs / Sprecher: Luisa Wietzorek, Bert Franzke, Friedhelm Ptok, Anna Thalbach ua

Inhalt: Merles Welt ist voller Magie. In einem Venedig, in dem die Zauberei nie gestorben ist, flüstert jedermann von der Fließenden Königin doch nur Merle gewinnt ihre Freundschaft. Als die Mächte des Bösen das phantastische Wesen jagen, entbrennt im Labyrinth der dunklen Gassen und Kanäle ein abenteuerlicher Kampf. Meerjungfrauen und geflügelte Löwen, Meisterdiebe und Zauberspiegelmacher, sie alle haben ihr eigenes Interesse an der Fließenden Königin. Dach dann bricht der Boden auf, Flammen schlagen himmelhoch, und etwas Unbeschreibliches steigt aus der Erde empor.


Da haben wir also das erste Hörspiel auf mehreren CDs, auf zwei CDs nämlich um genau zu sein. Nun ist es so, dass ich mit Fantasy kaum noch etwas anfangen kann. Außerdem ist Venedig kein Schauplatz, der mein Interesse ausreichend weckt. Die manchmal altertümliche Redeweise ist ebenfalls nicht mein Ding. Somit standen die Zeichen nicht sonderlich gut für Merle und mich.
Umso überraschter bin ich nun nach dem Hören, dass mir das Hörspiel h richtig viel Spass gemacht hat. Denn zum Glück ist Merles Welt zwar von phantastischen Wesen bevölkert und auch sonst voller Magie, aber es wird einem dennoch auch ein recht normales Venedig beschrieben. Etwas düster vielleicht, doch das schadet ja keineswegs. Somit ist das Verhältnis zwischen Phantastik und vorstellbarer Realität relativ ausgeglichen. Und dann geht das für mich auch in Ordnung. Einige Kreaturen haben mir sogar richtig gefallen, zumal sie mitunter etwas Schauriges an sich haben. Meerjungfrauen sehen hier beispielsweise keineswegs aus wie zB Arielle.
Der wesentliche Punkt aber, weshalb ich Merles Abenteuer gerne gelauscht habe, ist Merle selber. So ein sympathisches Mädchen, so clever, dickköpfig, vorlaut und mutig. Die Kleine muss man einfach mögen. Sie vermittelt einem auf Anhieb den Eindruck, dieses Abenteuer -auf ihre eigene Art- angehen und bestehen zu können.
Dieses Abenteuer beginnt langsam und bedächtig, man hat Zeit, sich mit Merle anzufreunden und ihre Situation kennenzulernen. Doch nach und nach kommen weitere Figuren dazu und jede trägt neue Elemente zur Handlung bei und zeigt neue Verzweigungen auf. Das hat ein sehr angenehmes Tempo an sich, ich hatte nie den Eindruck irgendwann den Überblick zu verlieren. Das finde ich super gelungen, denn regulär bin ich bei Geschichten mit so vielen Figuren und Verzweigungen und Wendungen schnell raus. Hier war das nicht einmal der Fall. Gleichzeitig wird aber klar dabei, dass die Story noch einiges mehr in petto hat als man bisher vermutlich annimmt. Wenn das allerdings mit genauso viel Bedacht erzählt wird, mache ich mir auch dahingehend keine Sorgen.
Ich bin sehr gespannt, wie Merles Abenteuer weitergeht, denn bereits in diesem ersten Teil gibt es zahlreiche Momente, in denen man um sie bangt. Und es wird wahrlich kein rosiges Bild der weiteren Ereignisse gezeichnet.  Gleichzeitig würde ich brennend gerne wissen, was nun genau hinter der fließenden Königin und Merles Spiegel steckt. Beides ist geheimnisvoll und Antworten auf solche Fragen findet man hier nur in Ansätzen. Ich hoffe wirklich sehr, dass Merle ihr Abenteuer besteht und freue mich schon drauf, wie sie sich mit ihrer gewitzten Art durch das Geschehen kämpfen wird. Ab und zu darf man nämlich auch mal schmunzeln, wenn man ihr zuhört.

Friedhelm Ptok ist als Erzähler am Werke und ihn höre ich sehr gerne. Ich mag seine ruhige Art zu erzählen und seine angenehme Stimme, der man spielend auch länger lauschen kann. Zwischendurch wechselt die Erzählperspektive und dann übernimmt Merle selber, gesprochen von Luisa Wietzorek, die für Merle genau die richtige Stimme und genau den richtigen Ton hat. Jung und vorwitzig und burschikos, wenn es die Situationen erfordern aber auch mal leise, ängstlich und traurig. Später kommt noch ein dritter Blickwinkel hinzu, nämlich der von Serafin. Hier ist Timmo Niessner zu hören und auch wenn er mir einen ganz sympathischen Eindruck von Serafin vermittelt hat, es ist ihm auch gelungen, dass ich dem Jungen nicht so ganz traue. Auch Bert Franzke alias Arcimboldo hat mir mit seiner markanten und tiefen Stimme und dem ruhigen Ton sehr gut gefallen.

Was die Musik angeht, so hält sie sich über weite Teile sehr im Hintergrund. Es sind aufwändige Stücke zu hören, die viel Flair und Stimmung transportieren und spannenden Szenen noch ordentlich kribbeliger machen. Gelegentlich geht es etwas lauter zu, was Akzente setzt und für Dramatik sorgt. Eine bis ins Kleinste ausgefeilte Geräuschkulisse lässt auch in dieser Hinsicht keinerlei Wünsche offen.

Das Covermotiv ist leider nicht so ganz mein Fall. Mir gefällt der mangamäßige Stil nicht für Merle und ihre Geschichte. Da haben mir die Cover der Bücher und der Hörbücher mehr zugesagt. Dem Motiv fehlt der Charme der Erzählung und das finde ich schade.

Fazit:  Für mich ist dieser erste Teil der Trilogie eine Überraschung gewesen. Obwohl ich es weder mit Fantasy, noch mit Venedig habe, habe ich Merles erstes Abenteuer mit Neugier, Spannung und Spass verfolgt. Sie hat bereits hier manche Gefahr durchzustehen und muss schon einige Erkenntnisse treffen, die es in sich haben und ihr keine ganz einfache Zukunft in Aussicht stellen. Trotzdem ist sie ein ganz normales Mädchen, das mal Angst hat oder traurig ist. Dank dieser Ausgewogenheit zwischen Phantastik und Realität ging dieser erste Teil selbst für mich mit meiner Fantssy-Abneigung mehr als in Ordnung und ich freue mich schon auf Teil 2.

Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand (Derek Landy)

Er ist kein gewöhnlicher Detektiv. Er ist Zauberer und Meister der kleinen schmutzigen Tricks, und wenn die Umstände es erfordern, nimmt er es mit dem Gesetz nicht so genau. Er ist ein echter Gentleman. Und … er ist ein Skelett. Als Stephanie Skulduggery Pleasant das erste Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm eines ihrer größten Abenteuer erleben wird. Denn um den mysteriösen Tod ihres Onkels aufzuklären, muss sie ihn in eine Welt voller Magie begleiten – eine Welt, in der mächtige Zauberer gegeneinander kämpfen, Legenden plötzlich zu Leben erwachen und in der das Böse schon auf Stephanie wartet.

Diesen ersten Band habe ich bereits vor Jahren einmal gelesen, die Reihe dann aber als Hörbuch weiterverfolgt. Die Bücher habe ich dennoch weiterhin gekauft und nun plane ich, die Reihe nach und nach auch zu lesen. Seit geraumer Zeit bin ich für Fantasy allerdings kaum bis gar nicht mehr zu begeistern, von daher könnte das Unternehmen durchaus scheitern. Wir werden sehen.
Mit diesem ersten Teil und mir lief es aber erstmal ganz gut. Ich mag auch einfach so Vieles an der Serie. Ich finde die Idee mit dem Skelett super genial und Pleasants Humor ist genau mein Fall. Somit habe ich mich mit ihm schnell angefreundet. Mit Stephanie bin ich auch am Ende dieses Buches noch nicht so richtig gut Freund. Sie wirkt mir für eine Zwölfjährige zu erwachsen, zu abgeklärt bis überheblich und ist mir für ein Mädchen diesen Alters auch eine ganze Ecke zu mutig, taff und zu talentiert in einigen Dingen.
Wiederum muss ich zugeben, so eine typische Zwölfjährige hätte Pleasant an seiner Seite auch beim besten Willen nicht brauchen können. Denn es geht durchaus rund in der magischen Welt. Ein bereits ausgeschaltet geglaubter, böser Magier drängt zurück in die Welt und an die Herrschaft darüber. Er hat nicht weniger im Sinn, als die nutzlose Menschheit auszurotten. Und dabei geht er auch häufig gerne mal über Leichen. Das ist hier wörtlich zu nehmen, es gibt mehr als einen Toten in diesem ersten Band. Da ist eine Einstufung der Leserschaft ab zwölf Jahren schon ziemlich gewagt, wie ich finde. Genau das mag ich aber auch so gerne: wenn Jugendbücher sich so etwas Gewagtes trauen.
Auch Pleasant ist nicht gerade zimperlich bei seinen Unternehmungen, jedoch hat das bei ihm halt irgendwie einen gewissen Charme, und nie trifft es bei ihm unbeteiligte, unschuldige Menschen. Da kann man seinem Einsatz in so mancher deftigen Prügelei also kaum übelnehmen. Und man sorgt sich halt schnell auch um ihn, denn zum Glück ist er kein Held, der immer am längeren Hebel sitzt. Zumindest vorübergehend kann man ihm durchaus mal schaden. Das macht seine Figur glaubhafter. Soweit man das bei einem Skelettdetektiv überhaupt sagen kann.
Die Geschichte ist spannend, jedes Kapitel hat für sich schon einen kleinen Höhepunkt, und es geht rasant und actionreich zur Sache. Langeweile hat da rein inhaltlich keine Chance. Während man mit Pleasant, seinen Verbündeten und Stephanie mitfiebert, wenn sie ermitteln oder eben auch handfest kämpfen, fragt man sich gleichzeitig auch, was mal aus Stephanie werden wird. Ob sie es schaffen kann, halb in der realen, halb in der magischen Welt zu leben. Vor allem, weil ihr in beiden häufig nach dem Leben getrachtet wird.
Zuletzt mag ich an der Story (und der ganzen Reihe) einfach, wie einfallsreich und unverbraucht so viele Ideen daran sind. Obwohl es um Zauberer geht, kam mir nie “Harry Potter” in den Sinn. Die Zauberer in Pleasants Gefolge und bei seinen Gegnern sind deutlich anders erdacht. Zum Glück -denn ich kann der Reihe gar nichts abgewinnen- kommt auch nie eine “Herr der Ringe”-Stimmung auf. Dafür spielt Pleasants Reihe viel zu sehr in der realen Welt, was mir immer einen Pluspunkt wer ist. Sämtliche Figuren sind, auch wenn es zig Magier in der Literatur gibt, eben so ganz anders und deshalb so besonders. Und auch die Figuren nebenher, wie Vampire, die Hohlen oder der Troll sind von ihrer Art, ihren Eigenschaften und dem Aussehen her schön weit weg von den gängigen Vertretern ihrer Art. Phantasie hat Derek Landy defenitiv massig, und das zum Glück!
Ach so, ich hab den Humor vergessen. Denn nicht nur Pleasants Sprüche sind oft zum Totlachen, auch zahlreiche Formulierungen haben mich zum Grinsen und Lachen gebracht.

Ich habe das Buch in drei Etappen gelesen, was bei 344 Seiten auch kein Problem war. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, sind weder zu kurz, noch zu lang und haben sehr einladende Titel. Zahlreiche Dialoge machen das Lesen angenehm und lassen schon mal zwei, drei Seiten im Rekordtempo dahinfliegen. Es gibt aber auch Abschnitte, die ich persönlich etwas anstrengend fand. Nämlich die Schilderungen der Kämpfe. Da bräuchte ich weit weniger Details und wäre trotzdem noch zufriden. Das hat mich dann wieder etwas ausgebremst. Ich hoffe sehr, dass solche Passagen in den weiteren Bänden nicht Überhand nehmen.

Das Cover liebe ich einfach heiß und innig. Die Figur Skulduggery Pleasant sieht schlichtweg cool aus und mit dem freundlichen Grinsen kein Stück gruselig. Dazu der düstere Hintergrund mit dem kontrastreichen Orange, das ist ein Hingucker durch und durch. Übrigens: das Buch hat ein ebenfalls orangefarbenes Lesebändchen! Lesebändchen finde ich immer toll.

Fazit: Obwohl ich mit Fantasy nicht mehr viel anfangen kann, so lief es mit diesem ersten Band von Pleasant und mir doch wirklich gut. Ich finde die Idee dieses ungewöhnlichen Detektivs cool und mag seinen Humor total. Die magische Welt wirkt unverbraucht und neuartig, nie hat man das Gefühl solche ähnlichen Figuren irgendwo anders schon mal angetroffen zu haben. Das ist heute auch schon viel wert und echt selten. Die Geschichte hat Spannung, Tempo und Action und schont die (junge) Leserschaft keineswegs! Hier gibt es Mord und Totschlag, das ist einfach so. Das muss man wissen, wenn man dem Nachwuchs das Buch in die Hand geben möchte. Ich mag solch mutige Jugendbücher.


Titel: Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand
Autor: Derek Landy
Seiten: 344
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-5922-2
Preis: € 16,90 (HC)

Darkmouth – Der Legendenjäger (Shane Hegarty)

Darkmouth - Der Legendenjäger (Shane Hegarty)Es gibt 1000 Gründe, nach Darkmouth zu kommen. Und eine Million, es lieber zu lassen. Das Leben des zwölfjährigen Finn ist alles andere als langweilig. Denn er ist der Sohn des letzten amtierenden äLegendenjägersô von Darkmouth. Dabei will er mit den Monstern eigentlich gar nichts zu tun haben! Doch als der finstere Riese Gantrua plant, geheime Portale zur äVerseuchten Seiteô zu öffnen und die gruseligsten und gefährlichsten Legenden auf Darkmouth loszulassen, hat Finn keine Wahl. Gemeinsam mit seinem Vater und der vorwitzigen Emmie stellt er sich dem großen Kampf.

Diese Geschichte habe ich erst als Hörbuch gehört und danach dann noch gelesen. Als Hörbuch hatte sie mir sehr gut gefallen, nun wollte ich gern wissen, wie sie alleine als Buch auf mich gewirkt hätte.
Da die Story die gleiche ist, kann das Buch unmöglich schlechter wegkommen…sollte man denken.
Das stimmt insofern, dass ich die Idee eines solchen, kleinen, von Legenden heimgesuchten Ortes auch gelesen wirklich klasse fand! Warum? Weil es nicht die üblichen Verdächtigen wie Hexen, Vampire uÄ sind. Und auch, weil man hier so auf gewisse Weise noch etwas lernen kann. Ich kannte nicht jede der Legenden und es hat Spass gemacht, weitere zu entdecken. Ich schätze, dass sich Kinder bzw junge Leser ebenfalls dafür begeistern können.
Außerdem mochte ich Finn auf Anhieb wirklich gerne. Leid tat er mir auch. Was muss das für ein Gefühl sein, in eine Familie von Legendenjäger hineingeboren zu werden und so offensichtlich talentfrei zu sein, von seinem Vater ständig angetrieben und von den Schulkollegen gehänselt und geärgert zu werden? Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm fühlen. Und ich habe so gehofft -und hoffe es immer noch- dass seine große Stunde noch kommt. Denn eigentlich ist er ein sehr gescheites und gewitztes Kerlchen. Das nur leider ganz andere Träume im Leben hat als Legenden zu jagen.
Ich habe mich gefreut als Emmie in sein Leben trat. Auch wenn ich diesem Mädchen nicht so recht über den Weg getraut habe, so gefiel sie mir schon mit ihrer großen Klappe, ihrem Mut und ihren liebenswerten Unverschämtheiten. Endlich eine Freundin für Finn, der sich bislang alleine durchschlagen musste.
Man spürt beim Lesen recht schnell, dass in Darkmouth etwas ganz besonders nicht stimmt. Abgesehen von den unregelmäßigen Legendenangriffen. Und irgendwie hat es klar etwas mit Finn zu tun. Nur was? So habe ich gemeinsam mit ihm gerätselt und geknobelt. Da man immer mal wieder neue kleinere und größere Hinweise bekommt, bleibt es spannend. Und man hat das Gefühl, irgendwann sicher hinter das Geheimnis zu kommen. Ich mag es immer, wenn eine Geschichte mit dieses Gefühl vermittelt und denke, dass das nicht nur mir so geht. Sicher gefällt es jedem, wenn er merkt, dass er bei einem Rätsel auf der richtigen Fährte ist.
Bei einer Figur war ich mir bereits sehr früh sicher, dass sie falsch spielt. Dieser Verdacht hat sich nachher dann auch bestätigt. Auch solche Momente sind einfach schön.
Zwar ist die Geschichte spannend und oftmals auch rasant und actionreich, aber nie so richtig gruselig. Das passt so für ein Buch für 10- bis  12-jährige Leser ganz prima. Für mich hätte es gerne ein Spur schauriger sein dürfen, aber ich bin ja auch schon etwas älter. Ich denke, “Darkmouth” ist ein gelungener Einstieg ins eher düstere Fantasygenre.
Dabei darf allerdings auch gerne mal gelacht werden, was sehr auflockert. Ich habe über manche Formulierung lachen müssen. Shane Hegarty hat einen wunderbar pfiffigen Sinn für Humor.
Einen kleinen Knackpunkt habe ich in der Buchversion aber doch auch gefunden. Nämlich die Kapitel in der Welt hinter den Portalen, in der Welt der Legenden. Beim Hörbuch habe ich sie mir locker weg erzählen lassen, alles war gut. Gelesen habe ich mich so richtig hindurch gequält. Ich habe für Geschichten nichts übrig, die in kompletten Fantasywelten spielen. Auch dann nicht, wenn es nur kurze Kapitel sind. Mir ist es zu anstrengend, mir eine Welt erst komplett anlesen zu müssen. Das langweilt mich im Nullkommanix. Fantasy ja, aber nur, wenn das Geschehen in unserer Welt den Hauptanteil ausmacht. Und in diesen Kapiteln von “Darkmouth” ist das eben nicht der Fall. Mein ganz persönlicher Minuspunkt an der Geschichte.

Das Buch liest sich dank kurzer Kapitel, großer Schrift und zahlreichen Illustrationen weg wie nichts. Jedenfalls war das bei mir so. Ich denke, die jungen Leser werden sich etwas länger die Freude an der Geschichte erhalten können. Wie schon erwähnt, erzählt Shane Hegarty mit viel Humor. Auch das erleichtert mir das Lesen jedes Mal und spornt mein Lesetempo an.

Auf das Buch bin ich -wie so oft- durch das Cover aufmerksam geworden. Ich finde diesen Kontrast aus Schwarz und Giftgrün einfach nur absolut genial! Dieses Grün ist die ideale Farbe für eine dezent unheimliche Geschichte und lenkt sofort die Aufmerksamkeit auf das Buch.

Fazit: Dieser erste Band hat mir wirklich gut gefallen. Finn mochte ich auf Anhieb, Emmie ebenfalls und es hat Spass gemacht, sie durch diese spannende und rasante Story zu begleiten. Man kann gut miträtseln und hier und da stellte sich sogar ein Verdacht als berechtigt heraus. Das macht Spass! Und ich habe so manches mal schmunzeln und sogar lachen müssen. Der Humor hier ist genial! Lediglich die Kapitel in der Welt hinter den Portalen waren nicht mein Fall. Ich finde es langweilig und anstrengende, mir solche Welten anlesen zu müssen. Aber das ist mein ganz persönliches Problem. Das will ich keinesfalls verallgemeinern.


Titel: Darkmouth – Der Legendenjäger
Autor: Shane Hegarty
Seiten: 368
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789137259
Preis: € 16,99 (HC)

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