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Die All-Inclusive-Lüge – Wie Pauschalurlauber getäuscht werden (Mikka Bender)

allinluegeWenn das Paradies zur Hölle wird Die Reiseveranstalter versprechen den Urlaubshimmel auf Erden: Preiswert und rundum sorglos soll er sein. Und tatsächlich bedeutet «all-inclusive» alles – oder aber auch nichts. Denn schnell kann der Urlaub zum Albtraum werden: verdreckte Hotelzimmer, ungenießbares Essen und horrende Nebenkosten. Mikka Bender schaut erstmals hinter die Kulissen des Pauschaltourismus und enthüllt verblüffende und schockierende Fakten. Außerdem zeigt er, wie man sich als Gast gegen die dubiosen Methoden der Reiseanbieter wehren kann, und deckt anhand anschaulicher Fallbeispiele die häufigsten Gefahren und Fallstricke auf.

Der kleine Masochist in mir wollte dieses Buch unbedingt noch vor dem Urlaub lesen, der ebenfalls als all inclusive gebucht wurde. Mikka Bender und seine TV-Serie “Hilfe, mein Urlaub geht baden” kannte ich bis dahin noch gar nicht, deshalb war ich neugierig was mich auf den Seiten erwarten würde.
Das Buch steigt quasi bei den Wurzeln des Themas Urlaub ein. Warum verreisen wir Deutschen so gerne? Warum genau dort und dort hin? Warum bevorzugt all inclusive?
Ich muss gestehen, dass ich mich in einigen Punkten wiedergefunden habe. Allerdings kann ich zB nichts Negatives daran finden, wenn ich sage: wenn ich in Urlaub fahre, will ich mich nicht selbst verpflegen und bekochen müssen. Einige Gründe und Punkte hier waren für mich also vollkommen nachvollziehbar. Andere widerum nicht, was mir Hoffnung gemacht hat, doch noch kein total verkorkster Pauschaltourist zu sein 😉
Im weiteren Verlauf des Buches erklärt Mikka Bender anhand von Fallbeispielen aus seiner langjährigen Arbeit, was man schon bei der Buchung beachten sollte, was einem Kataloge oft vorlügen und wie man sich idealerweise verhalten sollte, wenn das als Paradies angepriesene Urlaubsdomizil doch eher einer Absteige gleicht. Dabei muss man aber ganz klar sagen, dass hier wirklich extreme Fälle beschrieben werden. Ich hoffe nicht, dass ich jemals eines Anderen belehrt werde, aber ich schätze, dass solche Extremfälle im Verhältnis gesehen noch keine Überhand genommen haben.
Trotzdem ist es unmöglich, solche Hotels anzubieten, in den Katalogen das Blaue vom Urlaubshimmel herunterzulügen und die Touristen bestenfalls nur tagelang hinzuhalten, wenn ihr Urlaub eine Katastrophe zu werden droht. Das steht für mich ganz außer Frage. Vieles, was Mikka Bender berichtet, hat mich ehrlich entsetzt. Klar, man kann sich vor dem Urlaub im Internet informieren, Reisebüros sollten ebenfalls kompetent sein, aber selbst wenn das nicht gegeben ist und der Reisende der naivste unter den Pauschlurlaubern ist, so etwas geht stumpf nicht!
Und da finde ich es schon klasse, dass es solch ein Buch gibt. Es gibt sicher Urlauber, die sich aus dem Buch einen oder mehrere Tipps mitnehmen können. Ich habe auch so einige im Hinterkopf behalten. Und wer auf Nummer sicher gehen will, kann das Büchlein ja mit in den Urlaub nehmen. Es wiegt nicht viel.
Was mich an diesem Buch sehr gefreut hat ist, dass Mikka Bender es niemandem zum Vorwurf macht, wenn er all inclusive reisen möchte. Er zählt wohl die Nachteile auf, von denen mich einige überrascht haben und wieder andere haben ein “stimmt eigentlich, habe ich so noch nie drüber nachgedacht” bei mir ausgelöst. Aber man hat nie das Gefühl, der all-inclusive-Idiot zu sein! Das finde ich gut, denn die Wahl ob Individual oder Pauschal muss jedem selber überlassen bleiben. Mikka Bender zeigt lediglich deutlich auf, was man auch bei all inclusive verlangen kann und sich keinesfalls bieten lassen muss. Er verteufelt diese Art zu reisen nicht, und erzählt zudem auf ganz humorige Art und Weise. Trotz des ernsten Themas.

Entsprechend liest das Buch sich weg wie nichts. In den Fällen und Kapiteln steckt Abwechslung, die Kapitel sind nicht zu lang und immer mal wieder ist eine Seite mit Bilder zB von Katalogseiten gestaltet. Da blättert man gerne auch mal in einem Rutsch durch.

Blauer Himmel, Sonne, ein Flugzeug…und darunter ein maroder Swimmingspool. Das Cover bringt ganz gut die Gegensätzlichkeit zwischen Urlauberwünschen und der Realität rüber.

Fazit:  Mir hat das Buch Spass gemacht und ich konnte mir einige Tipps und Denkanstöße daraus mitnehmen. Damit hat es genau das erreicht, was ich mir versprochen hatte. Es ist ihm gelungen, mich aufmerksam zu machen, ohne mir Angst vor dem nächsten Urlaub einzujagen. Ich kann es jedem empfehlen, der ebenfalls einen all inclusive-Urlaub plant. Hier wird kein Reisender verteufelt, lediglich aufmerksam gemacht, zum Nachdenken angeregt und mit Tipps versorgt. Prima!


Titel: Die All-Inclusive-Lüge – Wie Pauschalurlauber getäuscht werden
Autor: Mikka Bender
Seiten: 208
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499630194
Preis: 8,99 (TB)

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Alpenglühen für Anfänger (Sissi Flegel)

alpengluehen1Öd, öder, Einödsbach. Wie kann man hier freiwillig Urlaub machen? Doch Bonnie hat einen Grund, Hamburg zu verlassen, um in Tante Friedls steinzeitlicher Berghütte auszuharren. Was der Alpenkatastrophe jedoch den Gipfel aufsetzt, ist, dass eben jener Grund – der süße Valerio – plötzlich aufkreuzt. Eisern ignorieren!, heißt Bonnies Devise. Doch als Oberkuh Walburga mit den mordsknappen Lederhosen auftaucht, brennen nicht nur bei Bonnie die Sicherungen durch.

Dieses Buch stand zwar auf dem Wunschzettel, allerdings nicht ganz vorne. Dann brauchte ich im Urlaub eine leichte Lektüre für zwischendurch und habe es mir gekauft.
Bereut habe ich das nicht eine Sekunde lang. Anfangs hatte ich zwar so meine Schwierigkeiten mit Nordlicht Bonnie, die kein gutes Haar an ihrem bayerischen Feriendomizil lässt (ich mag halt muffelige Charaktere nicht so besondern gern), aber ab diesem Wortgefecht zwischen Heidi und ihr, wurde sie mir gleich sympathischer:

“Nur dass du es weißt, Heidi: ich habe eine Bank ausgeraubt, zwei Morde begangen, drei Kinder entführt, vier Häuser in Brand gesetzt und bin aus dem Gefängnis ausgebrochen. Meine Knarre steckt in der hinteren Jeanstasche, und wenn du mal nicht aufpasst, schieße ich dich über den Haufen! Also sieht dich vor! Und vor allem – stell mir keine neugierigen Frage! Reicht dir die Auskunft?”

“Ja mei… Nur dass du es weißt, Bonnie: meine Knarre steckt in der rechten Schürzentasche, das Fläschchen mit Gift in der linken. Heute habe ich einen Hirsch gewildert, zwei blöde Wanderer in eisernen Fußfesseln gefangen, drei Gäste auf der Hütten vergiftet und vier Alpenvereinsmitglieder in den Abgrund gestoßen. Also sieht dich vor! Reicht dir die Auskunft?”

Fronten geklärt, könnte man sagen. Und so bin ich gerne mit ihr hinauf zur Rabennesthütte hinaufgestiegen. Solange es nicht um die Jungs vom Bolzplatz geht, bin ich halt doch ein kleiner Bayernfan 😉
Die bösen Überraschungen für Bonnie reißen jedoch nicht ab. Auf der Alm landet sie in der Küche, Heidi wird eifersüchtig, weil sie meint, ihre Freund Basti sei an Bonnie interessiert. Und dann taucht auch noch die Obertussi Walburga in den knappen Lederhosen auf. Es geht also mächtig turbulent zu und ich habe manches Mal lachen müssen. Bonnie hat einen tollen Sinn für Humor, und die bayerischen Ureinwohner werden so liebenswert kauzig und witzig beschrieben, dass man sie einfach vom Fleck weg mögen muss.
Zunächst will Bonnie allerdings nur weg, was aber gar nicht so einfach ist. Und ehe sie es sich versieht, gefällt es ihr doch ganz gut. Das hat mir am besten gefallen: zu verfolgen, wie Bonnie sich auf der Alm einlebt, Freundschaften schließt, sich in der Küche mausert, täglich einen witzigen und geistreichen Kalenderspruch dichtet, der zu ihrer Situation passt und sich nach und nach für den ganzen traditionellen bayerischen Kram begeistern kann.
Natürlich spielt auch die Liebe eine ganz wichtige Rolle. Heidi, Basti, Valerio, Walburga, Käsebauernsohn Wolfi…auch in Eindödsbach und auf der Rabennesthütte spielen die Hormone gern einmal verrückt. Da muss man erstmal den Überblick behalten!
Mir hätte es gerade was Bonnie und Valerio anbetrifft gerne noch etwas deutlicher sein dürfen. Ich hatte nie den Eindruck, dass Bonnie total verknallt in ihn ist. Ich brauche echt keinen Kitsch, aber die ständige Beteuerung “Er ist mir ja total egal!” ist für mich kein sonderlich klarer Hinweis auf große Gefühle. Deshalb war ich mir bis zum Schluss auch nicht sicher, ob aus den beiden tatsächlich etwas werden würde. Andererseits ergibt sich so eine gewisse Spannung. So kann man das natürlich auch sehen.
Jedenfalls führt das Liebeschaos auch noch zu einigen wirklich gefährlichen Situationen. Und zudem haben die Freunde obendrein noch so eine Art kleinen “Fall” um einen Unbekannten zu lösen, der Wegweiser für Wanderer verdreht und sie so entweder in Gefahr bringt, oder Touristengruppen von der Hütte fernhält.
So ist die Geschichte nicht nur hinsichtlich “Wer mit wem” und “kriegen sie sich, oder nicht” spannend. Es darf auch mal um die liebgewonnenen Charaktere gebangt werden und ein wenig krimimäßiges Knobeln über den Schilder-Missetäter ist ebenfalls drin.

Das Buch liest sich wie geschnitten Brot. Es ist so locker flockig erzählt, dass ich nur mal kurz reinlesen wollte und im Nu schon halb durch war. Und mich nur ganz schwer überwinden konnte, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Gestört habe ich mich einzig an ein paar Fehlern. So heißt Valerio einmal plötzlich Valentino. Und der Freund von ihrer Tante wechselt ebenfalls innerhalb von zwei Sätzen seinen Namen. Das fällt auf und zumindest ich dachte, ich hätte etwas verpasst und musste deshalb noch mal zurücklesen.

Ich finde das Cover ja einfach nur super klasse! Vor allem das Schaf mit dem gelben Regenhut 😉 Und mit der grünen Berglandschaft und der Herzchen in der Tür, durch das man dorthin schaut, wird auf den ersten Blick klar, wo diese Geschichte spielt. Witzig und schön, und wie ich finde ein echter Blickfang.

Fazit: Die ideale Urlaubslektüre. Vor allem, wenn man in Bayern urlaubt und vielleicht -genau wie Bonnie- zunächst gar nicht so begeistert darüber ist. Turbulent, witzig und urbayerisch. Das macht einfach Spass. Ich war direkt ein wenig enttäuscht als ich das Buch durch hatte. Ich wäre gerne noch länger auf der Rabennesthütte bei Bonnie und ihren Freunden geblieben.


Titel: Alpenglühen für Anfänger
Autor: Sissi Flegel
Seiten: 320
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401828
Preis: € 7,99

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