Fischer Verlage

Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu “Tiefe Narbe” muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles “Altmodische” ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene “Zwischenkapitel”, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber “schwülstig” trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max’ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

Mein Leben als Tod (Der Tod)

lebentodDer Sensenmann berichtet knochentrocken von seinen unzähligen Versuchen, sein schlechtes Image wieder aufzupolieren. Er erzählt von seinen familiären Wurzeln, seiner ungewöhnlichen Karriere und vom harten Arbeitsalltag mit allen Höhen und Tiefen.
Auf diese Weise will er um Verständnis werben und den Menschen die Berührungsängste nehmen. Dokumentiert wird alles mit exklusiven Fotos und intimen Tagebucheinträgen.

Ich habe es irgendwie mit dem Tod. Sei es der von Ruthe, der von nichtlustig.de oder der Tod von der Scheibenwelt. Ich mag einfach den Tod als Figur. Umso lieber, wenn er humorvoll dargestellt wird.
Daher stand sehr schnell fest, dass ich dieses Buch lesen würde.Dennoch zog es erst spät bei mir ein, nämlich erst nachdem ich ein Ticket für die dazu gehörige Show gekauft hatte und antesten wollte, was da auf mich zukommen würde.
Die Idee finde ich schlichtweg genial. Der Sensenmann plaudert über seinen Job, seine Sorgen und sein Bemühen, sich und seine Arbeit in ein besseres Licht zu rücken. Dabei wirkt er so normal, dass es geradezu skurril wirkt. Aber genau das hat ihn mir auch so sympathisch gemacht. Ich mochte den Kuttenträger auf Anhieb und er tat mir manches Mal wirklich leid, wenn er wieder mal wegen seines Jobs verkannt wird.
Im Grunde ist bei ihm kaum etwas anders als bei anderen Halbwüchsigen, die notgedrungen in Vaters Fußstapfen treten müssen und versuchen, daraus das Beste zu machen. Selbst wenn es einer der unbeliebtesten Jobs überhaupt ist.
Und so erfährt man einiges über die “Ausbildung” des Tods, seinen Aufstieg zum Chef und vielen, vielen Alltagssituationen. Die sind so erfreulich nahe am ganz normalen Menschenleben, dass man sich gut in diese Situationen hineinversetzen kann. Und trotzdem sind sie hier natürlich etwas Besonderes, denn der Tod sieht sie eben doch noch einmal ganz anders. Manchmal jedenfalls.
Zwischendurch peppt der Tod seine Erzählungen mit ganz bestimmten Texten auf. So schildert er beispielsweise Interviews mit verschiedenen Magazinen, präsentiert seine Top-Ten der kreativsten Grabsteininschriften oder gewährt einen Einblick in seine Fan-Post. Das hat für mich das Lesen aufgelockert, was ich zwischendurch ganz gerne mal mag.
Allerdings gab es auch einen Wermutstropfen an diesem Buch: ich habe es nämlich als längst nicht so witzig empfunden, wie ich es erwartet hatte. Für mehr als ein Schmunzeln hat es nur zweimal gereicht. Aber an nur zwei Stellen ein Lacher, das ist nicht gerade ein Aushängeschild für ein Buch, das sich laut Cover zur Comedy zählt. Nun bin ich bei den aktuell so beliebten Comedians sowieso heikel und kann über die Wenigstens lachen, aber beim Tod hatte ich mir durchaus Chancen ausgerechnet. Er erzählt gewitzt und sprachlich gewandt mit einem feinen Blick und natürlich einer gehörigen Portion schwarzem Humor, aber der Witz-Funke wollte und wollte nicht so richtig überspringen. Womöglich, weil das “Leben” des Tods irgendwie so schrecklich normal rüberkommt?

Das Buch unterteilt sich in über 50 recht kurze Kapitel. Das lädt geradezu dazu ein, es häppchenweise zu lesen. Mal eins am Abend, am anderen mal drei oder sogar fünf, ganz nach Lust und Laune. Ich mag solche Bücher, weil ich da nicht jeden Abend noch eine Handlung aus dem FF auf der Reihe haben muss. Zwischendurch erhält man Einblick in das Tagebuch des Tods mit vielen Fotos, die ihn in verschiedenen Momenten zeigen. Die fand ich widerum sehr witzig!

So knallrot fällt das Buch im Regal des Buchladens sleicht auf. Mir gefällt vor allem der Tod mit seiner Sense auf dem Fahrrad. Das sieht lustig aus und man fragt sich sofort, wieso der Tod mit dem Rad unterwegs ist. Irgendwie hat man ja meist eine andere Vorstellung davon, wie der Tod herumkommt.

Fazit:  Leider fand ich “Mein Leben als Tod” nicht so witzig wie ich es mir erhofft hatte. Ich kann nicht mal genau sagen, wieso nicht. Vielleicht, weil das Leben des Tods oft kaum anders ist als das eines Menschen. Und nur weil der Tod sie erlebt, werden sie nicht automatisch zum Brüller. Aber schräg sind sie durchaus, von daher hatte das Buch für mich doch seinen Reiz. Außerdem mochte ich den Tod vom ersten Moment an wirklich gerne und er tat mir oft sehr leid, wenn man ihn und seine Pläne und Ideen für seinen Job mal wieder nicht für voll nimmt. Somit habe ich mit dem Buch auch ohne viel Gelächter ein paar unterhaltsame Abende verbracht.


Titel: Mein Leben als Tod
Autor: Der Tod
Seiten: 272
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596197897
Preis: 9,99 (TB)

Du kannst keinem trauen (Robison Wells)

keinemtrauenDer 18-jährige Benson hat ein Stipendium für ein Elite-Internat ergattert. Doch die Schule ist nicht wie erwartet: Umgeben von Stacheldraht und hohen Mauern, ohne Kontakt zur Außenwelt sind die Schüler dort Gefangene. Es gibt keine Lehrer, aber strikte Regeln, deren Einhaltung durch Kameras überwacht und mit harten Strafen geahndet wird.
Die Schüler sind gezwungen, um ihr Überleben an der Schule zu kämpfen. Gegen die Regeln verliebt sich Benson in Jane. Als sie bei einem brutalen Kampf schwer verletzt wird, macht Benson eine grauenvolle Entdeckung.

Jugendthriller wecken meine Neugier stets aufs Neue. Bei diesem war es ausnahmsweise mal nicht das Cover, das mich sofort ansprach, sondern der Klappentext. Das klang doch so ganz nach meinem Geschmack!
Zu Beginn bekam mein Enthusiasmus aber zunächst einen kleinen Dämpfer. Benson ist nämlich kein normaler Teenager. Er hat eine harte Kindheit und Jugend hinter sich, ist von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht worden und hatte mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Ihm hängt etwas Rebellisches an. Solch “problematische” Hauptfiguren sind meist nicht mein Fall. Ein solches Leben ist zu weit weg von meinem eigenen, weshalb ich mich nur schwer mit solchen Figuren identifizieren oder mich in sie hineinversetzen kann.
Glücklicherweise stellte sich Benson im weiteren Verlauf nicht als auf Krawall gebürsteter Unruhestifter mit säckeweise Altlasten aus seinem biherigen Leben heraus. Ich fand es gut, dass er stattdessen darauf aus ist, seinem Leben mit der Zeit auf dem Internat doch noch eine positive Wendung zu geben.
Schnell wird Benson und somit auch dem Leser klar, dass diese Schule auf sehr spezielle Art etwas Besonderes und Seltsames ist. Keine Lehrer, Schüler, die sich zu Banden zusammengeschlossen haben, Unterricht, der von den Schülern selber gegeben wird und nichts mit normalem Schulunterricht zu tun hat, eiserne Regeln, die -werden sie nicht eingehalten- mit harschen Strafen wie Hungern oder Schlimmerem geahndet werden. Und außer Benson scheint niemand daran etwas außergewöhnlich oder gar schlimm zu finden. Ich konnte nur zu gut verstehen, wieso ihm all das gegen den Strich geht und weshalb er unbedingt von der Schule weg will.
Gleichzeitig habe ich natürlich gemeinsam mit ihm gegrübelt, was oder wer dahinter stecken könnte. Das sorgt für Spannung. Ein paar Theorien hatte ich schnell an der Hand, doch die wurden über kurz oder lang zunichte gemacht. Da blieb nur die Frage, mit welcher Überraschung die Geschichte noch um die Ecke kommen könnte.
Ich muss sagen, sie hatte eine Überraschung im Gepäck, die sich gewaschen und mich mit offenem Mund hat dasitzen lassen. Damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet, aber ich fand es richtig, richtig cool! Außerdem hatte ich nun eine Idee, was hinter dem Internat und seinen Schülern stecken könnte.
Benson stürzt seine Entdeckung ins blanke Entsetzen und für ihn steht damit umso fester, dass er weg muss. Am besten mit ein paar Leuten, mit denen er sich angefreundet hat. Nur wie? Ich konnte mir keine Fluchtmöglichkeit vorstellen und die Strafe, die auf einen Fluchtversuch steht, macht das Vorhaben noch gefährlicher und brisanter.
Das Ende der Geschichte ist actionreich und rasant und lässt einem kaum Zeit zum Durchatmen. Fand ich die vorherigen Paintballduelle noch viel zu langatmig beschrieben, so flog der letzte Teil des Buchs für mich nur so dahin. Und wie könnte es anders sein? Meine Idee über die Hintergründe des Internats wurde hier prompt wieder über den Haufen geworfen.
Ich bin schon sehr auf den zweiten Teil gespannt, und das sage ich mittlerweile wirklich selten, weil fast nur noch Reihen erscheinen. Doch Bensons Geschichte soll mit Band 2 abgeschlossen sein, soweit ich weiß. Das wäre toll! Er erscheint bereits im August.

Die Geschichte ist aus Bensons Sicht geschrieben. Ich mag seine Art zu erzählen. Er klingt einerseits jugendlich locker und ein wenig rebellisch, hat aber auch eine feine Beobachtungsgabe und denkt meist ganz vernünftig. So las sich das Buch ganz interessant und anschaulich. Solch eine Erzählweise treibt mein Lesetempo an. Einige Kapitel sind etwas länger, dafür kommt man damit aber auch ein gutes Stück in der Geschichte voran.

Das Cover fällt mit der riesigen blutroten Schrift vor dem schwarzen Hintergrund natürlich sofort auf. Anhand des Stacheldrahts und der einsamen Gestalt im Wald kann man nur spekulieren, was in der Geschichte passiert.

Fazit:  Ich fand “Du kannst keinem trauen” sehr spannend! Ein erschreckendes Szenario, eine Entwicklung, die jede Theorie, die man sich zurechtgelegt hat, zuverlässig über den Haufen wirft und eine echte Überraschung als man zum ersten Mal einen Zipfel der Wahrheit zu fassen bekommt. Das actionreiche und rasante Ende setzt allem ein vorläufiges i-Tüpfelchen auf. Ich freue mich auf die Fortsetzung.


Titel: Du kannst keinem trauen
Autor: Robison Wells
Seiten: 480
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3841421401
Preis: 14,99 (Boschiert)

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Am Anfang war das Ende (Stefan Casta)

amanfangdasendeAn einem Dienstag im November geht die Welt unter. Ein sintflutartiger Regen reißt alles mit sich. Auch Judit und ihre Freunde werden fortgespült. Tagelang treiben sie im schier endlosen Wasser umher, bis sie erschöpft an ein Ufer gelangen. Aber das neue Land ist verwüstet und vergiftet. Verzweifelt versuchen die vier Freunde alles, um zu überleben. Doch dann entdecken sie etwas, womit sie nicht gerechnet haben: Sie sind nicht allein.

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut. Mir gefiel das Cover richtig gut und auch der Klappentext ließ auf eine tolle Geschichte hoffen.
Vom Weltuntergang und sintflutartigem Regen ist anfangs weit und breit nichts in Sicht. Die ersten Kapitel nehmen sich die Zeit, die vier wichtigsten Charaktere vorzustellen: Judit, ihren Freund David, ihre Freundin Dinah und Mitschüler Gabriel.
Allzu sehr in die Tiefe wird dabei nicht gegangen. Insgesamt ist es sehr dürftig, was man über die Charaktere an die Hand bekommt. Es reicht gerade mal um sich ein grobes Bild von ihnen zu machen.
Am meisten erfährt man noch über Judit, denn sie ist die Erzählerin. Das fand ich zwar nachvollziehbar, hatte aber zu Beginn große Zweifel, Judit ein Buch lang auszuhalten. Mit ihrer Art bin ich überhaupt nicht klargekommen. Ich finde es schlicht seltsam, wenn jemand den Montag als “Tag des Mars” oder den Donnerstag als “Tag des Jupiters” bezeichnet (um zwei Beispiele zu nennen). Und es geht auch meilenweit an meinem Sinn für Humor vorbei, wenn jemand aus Chili con Carne einfach so “Chile con Carne” macht, nur weil es angeblich witziger klingt. Sehe ich nicht so, das finde ich eher albern. Und das sollte das ganze Buch über so gehen? Bitte nicht!
Ich hatte Glück, denn als das Unheil hereinbricht, sind Judits seltsame Gedanken und ihr eigentümlicher Humor so gut wie vergessen. Da war ich der Sintflut geradezu dankbar als sie über Judits Ort kommt. Auf einer abgerissenen Terrasse als Floß treiben die vier Freunde lange Zeit auf den Fluten. Diese Zeit ist hart, das wird schon hier deutlich. So ahnt man schnell, dass die Zukunft kaum Besseres für die Vier bereithalten wird.
Das stimmt dann auch so. Nach einiger Zeit ist Land in Sicht und sie legen mit ihrem Floß dort an. Die Insel wirkt verlassen, geradezu trostlos. Darüber wölbt sich ein ewig verhangener, grauer Himmel. Das wird alles so detailverliebt und eindringlich beschrieben, dass es auf mich unheimlich gut gewirkt hat. Über dem gesamten Geschehen liegt eine trostlose und bedrückende Atmosphäre. So wird auch gleich sämtliche Hoffnung untergraben, die man beim Lesen eigentlich hätte haben sollen. Ich habe von vorneherein nicht mehr daran geglaubt, dass es für Judit und ihre Freunde nochmal besser werden würde. Schon verrückt, wie leicht das funktioniert hat.
Bei den Freunden herrscht dagegen die Hoffnung zunächst noch vor. Sie unternehmen einiges um eventuell vorbeischippernde Boote oder über die Insel fliegendende Flugzeuge auf sich zu nehmen. Mir hat bei allem, was die Jugendlichen unternehmen, besonders gefallen, dass sie immer zusammenhalten.
Am besten hat mir der Mittelteil der Geschichte gefallen. Als die Freunde einen mehr oder weniger verlassenen Hof finden. Da fand ich manche Entdeckungen richtiggehend gruselig. Denn bald ist es unverkennbar, dass sie wohl doch nicht ganz alleine auf dieser Insel sind. Doch wer ist noch dort? Das wird lange nicht aufgelöst. So hat man reichlich Gelegenheit zum Spekulieren, und das Meiste, was mir dabei in den Kopf kam, das hatte Gänsehautqualität. Das hätte gerne noch länger so gehen dürfen.
Allerdings ahnte ich bereits, dass die Geschichte für mich sofort wieder leiden würde, sobald die Freunde nicht mehr alleine sein würden. So war es dann auch. Im Nullkommanix hatte sich die schaurige Atmosphäre aufgelöst. Schade! Man erlebt zwar weiterhin gefährliche Situationen, die einigermaßen spannend sind, aber das war es dann auch. Mir war das mit den Kämpfen, dem Waffenbau und der Entdeckung in der Stadt schon wieder viel zu viel typisches Endzeit-Elend.
Es war also ein deutliches Auf und Ab mit der Geschichte und mir. Meist leider ein Ab. Vor allem, weil sich mir einfach keine Botschaft, kein Sinn erschlossen hat. Was will Stefan Casta dem Leser mit der Story sagen? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Wer es mir sagen kann, gerne, nur zu! Und da auch die wichtigesten Fragen bis zum Schluss nicht beantwortet werden, habe ich das Buch zeimlich enttäuscht und frustriert zugeschlagen

Nachdem ich über den sonderbaren Anfang hinweg war, ließ sich das Buch ganz gut lesen. Judit erzählt flüssig und durch meist kurze Sätze und kurze Kapitel kommt schnell Tempo in den Lesefluss. Später lockern die Passagen mit den Filmaufnahmen noch zusätzlich auf, weil sie drehbuchartig geschrieben sind. sie sind erst recht kurz und knackig gehalten.

Der Look des Buchs gefällt mir nachwievor sehr gut! Ich mag einfach Darstellungen von Wasser. Am liebsten so schön wild wie hier. Natürlich gefallen mir auch die verschiedenen Grün- und Blautöne.

Fazit:  Der Mittelteil der Geschichte hat mir gut gefallen, zumal er richtiggehend gruselig ist. Davon abgesehen konnte mich die Geschichte leider nicht begeistern. Der Anfang wurde mir durch Judits seltsame Ansichten und ihren eigenartigen Humor verleidet. Das Ende dadurch, dass die schaurige Atmosphäre vom Mittelteil dahin war sobald die Freunde heraugefunden hatten, mit wem sie “ihr Land” teilen. Am meisten hat es mich aber frustriert, dass ich beim besten Willen keinen Sinn oder eine Botschaft in der Geschichte entdecken konnte.


Titel: Am Anfang war das Ende
Autor: Stefan Casta
Seiten: 432
Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737350808
Preis: € 16,99 (Broschiert)

Ostfriesenblut (Klaus-Peter Wolf)

ostfriesenblutEin Unbekannter legt Ann Kathrin Klaasen eine Leiche vor ihr ostfriesisches Einfamilien-haus. Die Tote, Regina Orth, ist keines natürlichen Todes gestorben, obwohl im Totenschein „Tod durch Herzversagen“ angegeben wurde. Doch noch während Kommissarin Ann Kathrin Klaasen im Umfeld der Toten ermittelt, erhält sie Hinweise auf das nächste Opfer des Mörders. Offenbar ist sie Teil eines Spiels, dessen Regeln sie noch nicht kennt.

Nachdem mir der erste Band von Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis gefallen hatte, war es klar, dass ich der Reihe treu bleiben würde. So zog recht schnell “Ostfriesenblut” ein, das mir ebenfalls prima gefallen hat. Einmal mehr hat diese Serie für mich alles richtig gemacht.
Der Fall ist nicht allzu komplex und man bekommt es auch nicht mit zahllosen Figuren zu tun. So geht die Handlung geradlinig vonstatten und man kann sich ganz auf das Geschehen konzentrieren und sich hineindenken. So hat vor allem die Härte, mit der der Täter vorgeht, bei mir immer mal wieder für ein wohliges Schaudern gesorgt. Die wird in Szenen, in denen er seine Opfer traktiert besonders deutlich. Und auch in den Passagen, die Einblick in seine Gedanken und Planung geben, gibt es gut Anlass zum Grausen. So sollte es bei einem guten Krimi sein. Zudem ist der Täter alles andere als dumm. Er geht mit viel Intelligenz vor, was bei mir immer Pluspunkte bringt. Intelligent und dennoch verrückt. Diese Kombination gefällt mir!
Ein solch ernsthaftes Thema wie die Arbeit sozialer Einrichtungen und der Einblick in die Welt geistig behinderter Menschen in “Ostfriesenkiller” findet man in “Ostfriesenblut” nicht. Jedenfalls nicht so ausgeprägt und handlungsbestimmend. Bei ihren Nachforschungen stoßen Ann Kathrin und ihre Kollegen aber auf ein Buch zum Thema “Schwarze Pädagogik”, das sie eine Zeitlang beschäftigt.  Davon hatte ich bislang noch nie etwas gehört und so habe ich danach gegoogelt. Das ist immer schön, wenn ein Buch so etwas bewirkt. Und das Thema ist ebenso interessant wie erschreckend. Gewissermaßen ist also doch wieder ein Element dabei, das einen ernsten Hintergrund hat.
Besonders gefallen hat mir an diesem Band, dass das Geschehen Ann Kathrin selber direkt betrifft. Der Killer scheint es auf sie bzw Personen um sie herum abgesehen zu haben. Nicht dass ich es ihr gönnen würde ;), aber schließlich kennt man sie nun schon ganz gut. Ihre Ansichten, ihre Familiensituation mit den Problemen mit Exmann und Sohnemann…ich jedenfalls konnte mich daher gut in sie hineinversetzen und war empört darüber, was dieser Verrückte ihr antut. Das funktioniert nur mit einer gewissen Nähe zur Hauptperson, und die hat Klaus-Peter Wolf gut und schnell geschaffen.
Dieser Fall hat sogar sehr viel Einfluss auf Ann Kathrins Familienleben, und so grausig das Geschehen ist, abschließend führt es doch dazu, dass man für das Verhältnis zu ihrem Exmann und Sohn Eike wieder etwas Hoffnung schöpfen darf. Ohne sich Illusionen hinzugeben natürlich. Ich für meinen Teil brauche Hero nicht zurück, ganz ehrlich.
Dafür fand ich es auch einfach zu schön zu verfolgen, wie Ann Kathrin Interesse an einem anderen Mann findet und mit ihm anbandelt. So ganz ohne jeden Kitsch, dafür umso authentischer. Ich denke, da findet sich mancher Leser / manche Leserin ein Stück weit drin wieder, und auch solch eine Liebelei kann eindeutig schön sein.

Kapitel gibt es in diesem Band nicht. Dafür aber eine Menge Absätze, sodass man sich leicht eine Stelle für eine Pause suchen kann. Wenn man möchte. Ich war viel zu gespannt, wie die Geschichte ausgeht und habe es auf einer Bahnfahrt in einem Rutsch gelesen. Durch die Wechsel zwischen Ann Kathrin und ihren Kollegen, dem Täter und den Opfern ist für Abwechslung gesorgt. Da fliegen die Seiten nur so dahin.

Hach ja, Joggen auf dem Deich…das würde ich auch gerne mal. Schon deshalb mag ich das Motiv. Aber auch, weil es einen direkten Bezug zur Geschichte hat. Außerdem ist das Cover krimimäßig düster gehalten. Eine freine Kombination also. Und nebeneinander ergeben die beiden Bände in meinem Regal auch ein schönes “Serienbild”. Ich freue mich schon darauf, die Reihe zu erweitern.

Fazit:   Ein wirklich spannender Krimi, der mich speziell deshalb so gepackt hat, weil ich Ann Kathrin inzwischen sehr mag. Da habe ich immer mit ihr und um sie gebangt. Zudem bekommt man es mit einem intelligenten, aber natürlich auch grausamen Täter zu tun. Ich mag die Cleveren einfach lieber! Womit einmal mehr bewiesen wäre, solche Killer können durchaus auch in Deutschland umgehen 😉 Ann Kathrins Flirt hat dann noch für eine gewisse, schöne Würze gesorgt.


Titel: Ostfriesenblut
Autor: Klaus-Peter Wolf
Seiten: 327
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596166688
Preis: 8,95 (TB)

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