Fluch

Betula Krummnagel – Der Fluch des fröhlichen Sargtischlers (Birgit Bestvater)

betulaDie Sommerferien sind für die zehnjährige Betula langweilig, weil der Großvater seine Zeit nur in der Tischlerwerkstatt verbringt. Aber durch einen alten Fluch gerät die Familie Krummnagel mächtig aus dem Häuschen. Wenn Großtanten es satt haben, allein verflucht zu sein, können sie ziemlich gemein werden. Das erkennt Betula sehr schnell. Auch, dass Rotzblasen heulen nicht weiter hilft, wenn der Großvater plötzlich Holzwürmer reden hört. Dabei wollte Betula doch nur ihre Großtante Martha kennenlernen. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sie durch eine List zur Komplizin rund um den alten Familienfluch wird. Ausgestattet mit einer Taschenlampe, einem verrosteten Wecker und einer großen Portion Mut begibt sich Betula in das alte Sarglager des Großvaters. Sie ist entschlossen, den Fluch zu bannen. Doch das geht gründlich schief.

Ab und an lese ich sehr gerne mal ein Kinderbuch. Erst recht, wenn das Buch einen so vielversprechenden Titel hat, der gleichermaßen auf eine spannende und witzige Geschichte hoffen lässt.
Am Anfang war ich allerdings zunächst etwas verwirrt. Man wird direkt in eine Situation mit mehreren Personen hineingeworfen, in der Behauptungen und Vermutungen aufgestellt werden, aus denen ich erstmal gar nicht schlau wurde. Wer hat die Karte geschrieben? Wer ist tot? Und wer nicht? Ich war in Sorge, ob ich das demnächst auf die Reihe bekommen würde.
Diese Sorge war zum Glück unbegründet. Nach diesem turbulenten Beginn nimmt die Geschichte sich die Zeit, die Situation so zu beschreiben, dass man problemlos durchsteigt.
Betula -an diesen Namen musste ich mich erst gewöhnen, doch als seine Bedeutung erklärt wurde, gefiel er mir sogar richtig gut- mochte ich sofort. Sie wirkt aufgeweckt, neugierig und mutig. Kein Wunder, dass sie ihre Ferien bei ihrem Großvater ziemlich langweilig findet. Doch mit der Postkarte kommt dann durchaus Schwung in ihre Ferien. Sie lernt ihre ziemlich schräge Großtante kennen, erfährt von dem verhängnisvollen Fluch und seinen Kosequenzen und muss schließlich mit ein paar vorwitzigen Holzwürmern zusammenarbeiten.
Ich fand die Geschichte wirklich spannend! Es ist keine von diesen Kindergeschichten, die gerne spannend wären, aber schon nach einer Handvoll Seiten durchblicken lassen, wohin der Hase läuft. Die Handlung entwickelt sich nach und nach mit einem stimmigen Maß an Ruhe und Tempo. Mal ermittelt Betula zuhause in der Schreinerei, dem Schuppen und Büchern, dann wieder geht es im Heim der Großtante rund. Und als der Fluch plötzlich auf Betulas Großvater übergreift, da ist guter Rat teuer! Es macht Spass, Betula bei ihren Nachforschungen zu begleiten und was die Hintergründe des Fluchs angeht, da kann man sogar ein wenig mitknobeln. So etwas gefällt mir immer.
Die Geschichte lebt außerdem von ihren Figuren, die oft herrlich schrägt daherkommen. Mir hat es speziell Betulas Großtante angetan. Anfangs fand ich sie zwar nicht gerade sympathisch, aber sie ist schlagfertig und über einige ihrer Bemerkungen musste ich grinsen. Als sich später herausstellte, was mit ihr los ist, konnte ich ihre Kratzbürstigkeit dann gut nachvollziehen. Witzig ist auch die Nachbarin von Betulas Großvater: die ewig häkelnde Frau Zwirnfitz, von der ich anfangs nicht gedacht hätte, dass sie nochmal eine größere Rolle spielen würde.
Und dann sind da natürlich noch die Holzwürmer aus dem alten Sekretär im Schuppen von Betulas Großvater. In diese ungewöhnlich WG war ich sofort verliebt. Die Truppe ist zum Kaputtlachen komisch und ich habe mich immer gefreut, wenn Betula sie besucht. Und selbst die Holzwürmer sind vom Wesen her -sagen wir mal- auf sonderbare Weise liebenswert.
Das muss man Birgit Bestvater lassen. Sie hat eine blühende Phantasie, einen tollen Sinn für Humor und obendrein noch eine spannende, gar nicht mal so einfach gestrickte, Detektivgeschichte für junge Leser erdacht.

Betulas Abenteuer liest sich prima! Es ist locker leicht, humorvoll, aber auch spannend geschrieben. Das hält ebenso bei Laune wie die vielen Dialoge. Die Kapitel haben eine schöne Länge, nicht zu kurz und nicht zu lang, und außerdem immer Titel, die sofort neugierig darauf machen, was darin passiert. So liest man schnell auch mal eines (oder zwei oder drei ;)) mehr als ursprünglich geplant. Eine Reihe Illustrationen macht das Gelesene anschaulich und lockert auf. Davon hätte es gerne noch mehr geben dürfen.

Wie es sich für eine Detektivgeschichte gehört, ist ds Covermotiv düster gehalten. Und Betula mit ihrer Taschenlampe passt ebenfalls zu solch einer Geschichte. Viele Elemente auf dem Cover finden sich in der Geschichte wieder und spielen dort eine wichtige Rolle. Ich muss gestehen, dass ich ausgerechnet den Baum erst spät wirklich wahrgenommen habe. Aber in Betulas Abenteuer dreht sich so Vieles um Bäume und Holz, dass er natürlich auf das Cover gehört. Er bildet gewissermaßen einen Rahmen.

Fazit:  Mir hat Betulas Abenteuer gefallen und viel Spass gemacht. Die Geschichte ist spannend und keineswegs so einfach gestrickt wie viele andere Detektivgeschichten für Kinder. Hier kann man gut mitknobeln und es ist immer etwas los. So hat Langeweile keines Chance. Dass man spätestens beim Auftritt der Holzwürmer auch noch so richtig lachen kann, setzt dem noch die Krone auf. Ich würde mich freuen, wenn es nicht Betulas erstes und auch letztes Abenteuer gewesen wäre.


Titel: Betula Krummnagel – Der Fluch des fröhlichen Sargtischlers
Autor: Birgit Bestvater
Seiten: 231
Verlag: Pepperbooks Verlag
ISBN: 978-3943315103
Preis: € 12,95 (HC)

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Die drei ??? Kids (37) – Der Fluch der Indianer

Titel: Die drei ??? Kids (37) – Der Fluch der Indianer / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 72 min / Sprecher: Tommi Piper, Guido Zimmermann, Abelardo Decamilli,  Klaus Dittmann ua

ddfkids37Inhalt: Die Bewohner von Rocky Beach sind geschockt: Ein fremder Indianer prophezeit ihnen großes Unglück. Doch was hat der merkwürdige Fluch zu bedeuten? Welches Rätsel steckt hinter dem Erscheinen des Mannes?


Ich habe im ersten Moment schon gestutzt als ich das “Indianer” im Titel gelesen habe. Wo doch mancher das als diskriminierend einstuft. Für mich ist es das nicht und bei einem Kinderhörspiel stört es mich erst recht nicht, deshalb behalte ich diese Bezeichnung hier bei.
Da taucht also ein Idianer in Rocky Beach auf und macht eine unheilvolle Ankündigung. Diesen Anfang fand ich ja -alleine wegen des Gesangs- schon ein wenig albern.
Doch darüber konnte ich angesichts der folgenden Story ganz gut hinwegsehen. Denn natürlich beginnt mit diesem seltsamen Indianer ein neuer Fall für die drei Detektive, und bei dem muss man vor lauter Jacken wirklich gut den Kopf zusammenhalten, sonst endet man völlig verwirrt mitten in der Geschichte. So ging es mir beim ersten Hören jedenfalls. Die drei ??? Kids ermitteln fleißig, geraten dabei in manche gefährliche Situation und enden mitunter sogar im Hafenbecken. Langeweile kommt bei dieser Folge zu keiner Sekunde auf, und als Hörer kann man prima mitknobeln.
Letzten Endes geht es zwar einmal mehr um eine geheimnisvolle Karte (nichts so Außergewöhnliches also), aber mir hat die Idee sehr gut gefallen, wo sich diese Karte verbirgt. Darauf muss man erstmal kommen!
Und so ganz nebenbei erfahren die jungen Hörer hier auch noch, wie mit den Indianern zur früheren Zeiten umgegangen wurde. Das schadet sicher auch nicht und bleibt in eine Geschichte verpackt bestimmt eher hängen als wenn man es in einem Schulbuch liest.

Kann mir bitte jemand erklären, wieso Abelardo Decamilli den Indianer mit einem spanischen Akzent spricht? Ich habe mal gegoogelt, aber kein indianisches Völkchen gefunden, das Spanisch spricht. Jedenfalls nicht in Nordamerika. Falls jemand da etwas weiß, dann lasse ich mich gerne belehren. Mich hat das hier jedenfalls sehr gewundert, und passend fand ich es auch nicht. Dafür gibt Guido Zimmermann einen überzeugenden Bösewicht.

Musikalisch geht es schön abwechslungsreich zu. Neben lebendigen Stücken, sind zu den entsprechenden Szenen auch immer leisere, eindringlichere Stücke zu hören, die der Spannung auf die Sprünge helfen. Eine feine Geräuschkulisse rundet den guten Eindruck in diesem Bereich schließlich ab.

Das Cover zeigt den Indianer bei seiner Ansprache auf dem Marktplatz von Rocky Beach. Zusammen mit dem wolkenverhangenen Himmel und den erschrockenen Gesichtern der drei Leute wirkt die Szene schon ganz schön bedrohlich. Das macht neugierig auf die Geschichte.

Fazit:  Eine spannende Geschichte, bei der man aufmerksam bei der Sache sein sollte, wenn man sich nicht verfransen möchte. Die Idee mit der Karte fand ich cool. So wird auch aus einer Idee, die an sich nicht so neu ist, noch etwas Besonderes. Eine schöne Folge.

Hühner Voodoo (Hortense Ullrich)

huehnervoodooGwendolyn Herzog, ewige 59 Jahre jung, passionierte Hochstaplerin, hat sich selbst zur Psychologin ernennt und eine Praxis für therapeutische Gespräche eröffnet. Ihr Lieblingspatient ist Frederick Ackermann, Enddreißiger und Leichenbestatter als Leidenschaft. Er würde gerne heiraten, allerdings gibt es da ein Problem: seine Heiratsanträge sind tödlich.
Gwendolyn schätzt den hohen Unterhaltungswert dieser “Therapie Sitzungen”. Bis sie feststellen muss, dass Frederick ncht übertreibt.  Und eine weitere Mitteilung sie alarmiert: ihre Nichte Britta hat den Mann fürs Leben gefunden und hofft auf einen Heiratsantrag. An sich erfreulich – wäre der Auserwählte nicht Frederick Ackermann.

Auf dieses Buch hatte ich mich unheimlich gefreut. Ich kenne Hortense Ullrichs Jugendromane, die ich sehr witzig finde und hoffte entsprechend auch bei diesem Buch darauf, dass es viel zum Lachen geben würde. Der Klappentext stimmt da ganz optimistisch und das Cover schon mal lange. Da musste ich alleine beim Anblick schon grinsen.
Allerdings dauerte es nur ein paar Seiten und mein Enthusiasmus erhielt einen derben Dämpfer, und der ist ausgerechnet Hauptperson Gwendolyn. Und Hauptpersonen haben es nun mal so an sich, dass man meist die ganze Geschichte lang mit ihnen zu tun hat. Keine allzu schöne Aussicht so wie sich Gwendolyn gleich am Anfang gebärdet. Ich habe ja noch eingesehen, dass die Hiobsbotschaft vom Anfang jemanden wie sie wahrlich umhauen kann, und ich habe auch die anfängliche Hilflosigkeit nachvollziehen können. Aber wie sie dann darauf reagiert, das hat sie mir total unsympathisch gemacht. Arbeiten? Guter Witz! Da eröffnet man doch lieber eine Pseudo-Praxis für Psychotherapie. Da zahlen die Patienten und man hat obendrein noch Unterhaltung. Und weil die Patienten anfangs nicht gerade Schlange stehen (zum Glück! Es wäre noch viel unglaubwürdiger gewesen, man hätte Gwendolyn direkt die Bude eingerannt) und man dennoch etwas essen muss, schleicht man sich halt in Hotels ein und sackt Leckereien von Buffets ein! Nichts gegen schräge Charaktere, aber mit solchen Figuren kann ich nicht. Absahner und Faule sind nicht Meins.
Schließlich erweitert Gwendolyn ihr Praxisteam um Bernadette, die das titelgebende Hühner Voodoo praktiziert und zudem leidenschaftlich gerne Marmorkuchen backt. Und leider ganz schön leichtgläubig ist, sodass Gwendolyn von nun an auch noch ihre Taxifahrten und Einrichtungsgegestände bezahlt bekommt. Ich fand es unmöglich!
Dabei ist Bernadette mit ihrem Hühner Voodoo eine echt liebe Person! Überhaupt sind nahezu alle Charaktere außer Gwendolyn wirklich liebenswert. Frederick, Britta, Bernadette und auch Ernst Lehmann und Ewa, ich mochte sie alle. Deshalb hat es mich in erster Linie interessiert, wie es mit ihnen weitergeht. Vor allem mit Frederick und seinem Fluch und Britta, die sich frisch in ihn verliebt hat. Natürlich glaubt man als Leser nicht wirklich an einen Fluch, aber es sieht schon verdächtig danach aus. Da darf man also gespannt sein, ob er sich auch bei Britta und ihm einstellen wird. So ein gewisser Zweifel bleibt halt, wenn man bisher nur die fatalen Enden von Fredericks Partnerinnen so anschaut.
Dieser “Fluch” sorgt auf ungewöhnliche Weise für ein an sich ganz gewöhnliches Liebeschaos. Britta möchte, Frederick eigentlich auch, nur hat er Angst und einen Hang zu Fettnäpfchen, Gwendolyn möchte die Beziehung aus naheliegenden Gründen vereiteln, da geht es schon ordentlich rund. Das gehört sich für eine ordentliche Lovestory schließlich so. Einfach sind die nie! Ich habe gerne für Britta und Frederick gehofft, und das Ende hat mich dann tatsächlich überrascht. Auch, weil mich Gwendolyn da überrascht hat und endlich mal sowas wie Herz durchblicken lässt.

Glücklicherweise liest die Geschichte sich wirklich leicht und zügig. Der Schreibstil ist gelungen und flüssig und hier und da gibt es mal Gelegenheit zum Schmunzeln.  Die Kapitel sind zwar objektiv gesehen relativ lang, aber das kam mir beim Lesen gar nicht so vor. Ich glaube, wäre das Buch obendrein noch anstrengend zu lesen gewesen, hätte ich es dank meiner Abneigung Gwendolyn gegenüber schnell abgebrochen.

Das Cover ist der Hammer! Darüber kann ich noch immer lachen. Ich finde dieses aufgehängte und gerupfte Huhn einfach total witzig. Hinten beim Klappentext ist das noch ein Hühnerknochen abgebildet. Um zu erfahren, was es damit auf sich hat, muss man allerdings erst das Buch lesen.

Fazit:  Ich habe eigentlich ein Faible für solch schräge Geschichten. Diese hier wurde mir allerdings leider durch die unsympathische Hauptperson gründlich versalzen. Wenigstens konnte ich bei der Liebesgeschichte mitfiebern. Die ist dank des Fluchs ungewöhnlich, dabei aber auch sehr schön und ein wenig romantisch.
Ab und zu darf geschmunzelt werden, aber so lustig wie bei Hortense Ullrichs Jugendromanen geht es längst nicht zu. In Summe hat mich “Hühner Voodoo” also enttäuscht.


Titel: Hühner Voodoo
Autor: Hortense Ullrich
Seiten: 288
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3805250535
Preis: € 14,95

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Anna und die flüsternden Stimmen (Sabine Städing)

Zusammen mit ihrer Familie muss die 15-jährige Anna ausgerechnet in einem Kaff namens Qual Urlaub machen. Wenn der Name mal nicht Programm ist – Doch dann lernt sie den süßen Tjark kennen und da ist Herzklopfen angesagt! Aber auch sonst sind die Ferien alles andere als langweilig: Anna wird nachts von flüsternden Stimmen geweckt und im Gewitter begegnet ihr ein unheimlicher alter Mann, der urplötzlich wieder verschwindet. Kann es sein, dass es in Qual spukt? Tjark erzählt Anna, dass sich merkwürdige Geschichten rund um das Gelände neben dem Ferienhaus ranken, auf dem früher eine Lungenheilanstalt untergebracht war. Ein Arzt namens Hasselreuther hat dort Kinder behandelt, die an Tuberkulose erkrankt waren, und wird seitdem im Ort geradezu verehrt. Doch dann entdeckt Anna, dass es eben jener Dr. Hasselreuther war, der ihr im Gewitter begegnet ist! Anna stellt Nachforschungen an und findet Erstaunliches über den Arzt heraus. Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto stärker gerät sie in den Sog eines uralten Fluchs.

Nachdem ich “Magnolia Steel” von Sabine Städing so toll fand, war ich sehr gespannt auf diesen neuen Roman von ihr.
Während “Magnolia Steel” mehr eine Fantasygeschichte war, verbirgt sich zwischen den Deckeln von “Anna und die flüsternden Stimmen” eine romantisch angehauchte Schauergeschichte.
Auch dieses Buch hat es mir wieder sehr leicht gemacht, mich einzufinden. Anna mit ihrer frechen Klappe hatte mir sofort gefallen, und auch ihre Familie mitsamt dem nervigen kleinen Bruder war mir soforty sympathisch. Und ich konnte Anna mit ihren Vorbehalten gegenüber den Ferien in Qual nur zu gut verstehen. An ihrer Stelle wäre ich auch sauer gewesen.
Doch kaum hat Anna sich deshalb beim Leser ausgeschimpft, nimmt die eigentliche Geschichte Anlauf. Zunächst in Gestalt des gutaussehenden Tjark, der Anna ihren Urlaub gleich etwas entspannter sehen lässt. Nach und nach entspinnt sich zwischen ihnen eine wirklich schöne Liebesgeschichte, die aus verschiedenen Gründen niemals im Kitsch versinkt.
Zunächst einmal sind da natürlich die unheimlichen Ereignisse, die Anna schon in der ersten Nacht widerfahren und die bald ungeahnt weitreichende Folgen nach sich ziehen. Dazu muss man schon sagen, dass “Anna und die flüsternden Stimmen” durchaus seine schaurigen bis wirklich gruseligen Szenen hat. Speziell Friedhofsgeist Goedeke Hein hat mir die eine oder andere Gänsehaut beschert. Aber auch andere Elemente steuern ihren schaurigen Teil zur Geschichte bei. Welchen besserne Ort könnte man sich für eine Gruselgeschichte vorstellen als ein altes, verfallenes Klinikgebäude? Wo wäre eine Seance noch stimmungsvoller als nachts in einem Moor? Es gelingt Sabine Städing wirklich ausgezeichnet, die jeweile Atmosphäre heraufzubeschwören, so dass man sofort von diesen Szenen gefangen genommen wird.
Mir hat aber auch allgemein die Atmosphäre von “Anna und die flüsternden Stimmen” prima gefallen. Auch wenn es “nur” die Ostsee ist, an der Anna ihren Urlaub verbringt, die anschaulichen Schilderungen beschwören sofort eine Szenerie mit rauher See herauf. Vielleicht gelingt es dem Buch ja so, junge Leser für einen vermeintlich langweiligen Ostsee-Urlaub zu begeistern 😉
Spannend genug dafür ist es auf jeden Fall und ich habe mich bei manchen Szenen ehrlich gefragt, ob ich in dem Moment so tapfer gewesen wäre wie die beiden, oder ob ich Qual nicht schleunigst verlassen hätte. Zunächst beschränkt sich die Spannung auf die Handlung im Hier und Jetzt, auf Annas und Tjarks Nachforschungen. Doch bald schon führen diese Nachforschungen sie in die Vergangenheit, in die Zeit, als die Klinik noch als solche genutzt wurde. Und so wird es auch in der Vergangenheit spannend, denn natürlich möchte man wissen, was sich damals dort zugetragen hat. Obwohl ich sonst kein Fan von Geschichten bin, die so weit zurück in der Vergangenheit spielen, so hat mir diese Mischung hier prima gefallen.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass “Anna und die flüsternden Stimmen” auch immer mal wieder sehr witzig ist. Anna hat -wie gesagt- eine ziemlich große Klappe, und auch über die Streitereien zwischen ihr und ihren Bruder Joschi habe ich manches Mal herzlich gelacht.

Da Anna selbst die Geschichte erzählt, liest sich das Buch jugendlich locker und zügig weg. Mir hat dieses Teenager-Ton gefallen, der typisch für diese Altergsgruppe ist, und damit wohl auch für die Mehrheit der Leser. Sie werden sich in vielen Aussagen und manchen Sprüchen sicher wiederfinden und so Spass beim Lesen haben und sich in Anna hineinversetzen können. Eine durchweg gleichmäßige und angenehme Kapitellänge lädt zum “häppchenweisen” Lesen ein.

Das Cover mit diesem Blau, den Lichtspielereien und den feinen Ornamenten im Hintergrund gefällt mir ebenfalls. Es hat etwas sehr Märchenhaftes und verspricht eine spannende und phantasievolle Geschichte.

Fazit:  Mir hat “Anna und die flüsternden Stimmen” sehr gefallen. Eine spannende, schaurig-romantische Geschichte mit einer dichten und wunderschönen Atmosphäre, die mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Meine Empfehlung für junge Leserinnen, die solche Geschichten mögen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Anna und die flüsternden Stimmen
Autor: Sabine Städing
Seiten: 253
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414821140
Preis: € 12,99 (HC)

Die drei ??? (148) – und die feurige Flut

Titel: Die drei ??? (148) – und die feurige Flut / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 66 min / Sprecher: Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck, Andreas Fröhlich, Dagmar Dreke, Kathrin Fröhlich u.a.

InhaltEin schwerer Fluch lastet auf Allie Jamison, einer alten Bekannten der drei ???. Jedenfalls ist sie davon überzeugt. Schon in der nächsten Vollmondnacht soll etwas Schlimmes geschehen. Es gibt nur einen Ausweg: Justus, Peter und Bob müssen ein alchemistisches Rätsel lösen – in nur 24 Stunden.


Hoppla! Wer kommt denn da eines Tages in die Zentrale der drei Detektive gestürmt? Allie Jamison, die man schon seit mehr als über 100 Folgen nicht mehr in der Reihe gehört hat. Das nenne ich mal eine Überraschung! Und was bringt Allie mit? Einen Fluch, eine WG voller “übersinnlich talentierter” schräger Gestalten und einen Fall, der einen bisweilen zurück in den Chmieunterricht versetzt. Man kann sagen, was man will, aber Flüche, Rätsel ein unheimliches Haus, das sind Zutaten, die man aus der Serie kennt und die sich meistens auch bewährt haben. Das gilt im Großen und Ganzen auch für diese Episode. Auch wenn mir die WG-Mitbewohner teilweise schon vor lauter Abgedrehtheit in den Ohren schmerzten und ich mich für sie fremd geschämt habe. Da wäre etwas weniger schrill auch noch okay gewesen. Und auch den Fall hätte man -ohne dass ihm etwas gefehlt hätte- etwas abspecken können. Mir war das mit dem Rätsel, einem gläsernen Tresor, der Mafia halt etwas sehr vollgestopft. Da hätte man die Zeit dann lieber in die titelgebende feurige Flut investieren sollen, denn dafür, dass sie den Titel stellt, kommt sie mit ein paar Minuten so kurz, dass sie kaum nennenswert auffällt. Trotzdem, das Hören war ganz vergnüglich und insgesamt lasse ich die Folge mit “kann man sich gut anhören” durchgehen. Da gab’s schon Schlimmeres zu hören.

Mit Allie Jamison ist natürlich auch Katrin Fröhlich wieder mit von der Partie und ich habe sie als erfrischende Abwechslung empfunden. Auch wenn sie inzwischen natürlich deutlich erwachsen klingt. Von mir aus dürfte Allie gerne häufiger mal mitmischen. Mit Peter Weis als Carl Parsley ist einer meiner Lieblingssprecher mit dabei, der auch in dieser Rolle wieder überzeugen kann. Und Comedian Tetje Mierendorf ist in einer kleineren Rolle zu hören, die er gut meistert. Zu den drei Hauptsprechern bleibt nichts weiter zu sagen. Sie sind in gewohnt guter Form, was mich nach dieser Menge an Hörspielen immer wieder beeindruckt.

Die Untermalung fällt sehr dezent aus, nur zwischen den Szenen zeigt sie sich mal dominanter. Mir hat das so ganz gut gefallen, die Geschichte kommt gut ohne viel musikalische Schnörkel aus. Die Geräusche sind gut gewählt und eingesetzt, eben wie man es von der Serie bzw von Europa kennt.

So dramatisch wie das Covermotiv wirkt, ist der Fall nun wirklich nicht. Außerdem hat man da eine Szene aufs Cover gebannt, die Hörspiel -wie schon erwähnt- bemerkenswert kurz ausfällt. Trotzdem, mit solchen Motiven erregt man beim Hörer Neugier, also bitte.

Fazit:  Eine unterhaltsame Folge, die zwar ruhig etwas kürzer hätte ausfallen dürfen, die mich aber auch nicht wirklich gelangweilt hat. Die kann man sich als ???-Fan gut anhören.

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