Flucht

Escape (Jennifer Rush)

7516-01_escape.inddWer sind die vier jungen Männer, die im Keller von Annas Haus gefangen gehalten werden? Tag für Tag führen Anna und ihr Vater im Auftrag der Sektion medizinische Tests mit ihnen durch. Und Nacht für Nacht schleicht sich Anna in den Keller, um sich heimlich mit Sam, dem Anführer, zu treffen. Denn in ihn ist sie verliebt. Niemand weiß, warum die vier für diese Versuche ausgewählt wurden. Am wenigsten sie selbst, denn ihre Erinnerung reicht nur exakt fünf Jahre zurück. Als sich für Sam und die anderen die Gelegenheit zur Flucht ergibt, schließt Anna sich ihnen an. Es beginnt eine atemlose Jagd quer durch die Vereinigten Staaten, immer auf der Suche nach der wahren Identität der vier Jungen. Und die einzige Spur, die sie haben, ist ein rätselhaftes Tattoo auf Sams Rücken.

Über dieses Buch hatte ich irgendwann so viel gehört, dass ich es mir doch zugelegt habe. Obwohl ich -in der Angst, es könne Fantasy oder eine Dystopie sein- das bis dahin nicht vorgehabt hatte.
Anfangs habe ich mich mit der Geschichte etwas schwer getan, was mich selber überrascht hat. Denn eigentlich sind Geschichten, die sich um Versuche und Exeperimente an Menschen drehen, genau mein Fall. Vermutlich hatte ich mir einfach etwas mehr Dramatik und sogar etwas Grusel erhofft, was zunächst nicht erfüllt wurde. Denn auf die Experimente wird nur oberflächlich eingegangen.
Man lernt Anna und ihren Vater kennen und erfährt, was sie machen bzw für wen sie arbeiten. Und natürlich lernt man auch die vier Jungs kennen, an denen experimentiert wird. Es hätte ja nicht sein müssen, bereits alles über die Hintergründe zu verraten, aber es wäre schon schön gewesen, wenn mir wenigstens die Personen nahegbracht worden wären. Anna hatte zB so gut wie nichts von einer Jugendlichen an sich und dass sie in Sam verliebt ist, kam bei mir gefühlsmäßig kaum an. So plätscherte die Geschichte zunächst ziemlich vor sich hin und kam mir ziemlich dünn vor.
Doch dann kam die entscheidende Wende, und zwar so richtig! Plötzlich herrschte Action und es wurde spannend. Und kaum ist die turbulente Flucht über die Bühne, da befindet man sich auch schon mit Anna und den Jungs “on the road”.  Von da an hat mir die Geschichte dann wirklich gut gefallen. Endlich war Gelegenheit da um die Charaktere auszufeilen. Anna habe ich für ihren Mut bewundert, einfach mit den Jungs abzuhauen, und die entwickelten sich endlich zu verschiedenen und markanten Charakteren.
Außerdem flieht die Truppe vor den Schergen der Organisation, für die Anna und ihr Vater gearbeitet haben. Das sorgt für Spannung und so manche Konfrontantion, bei denen die Beteiligten alles andere als zimperlich zur Sache gehen. Für Action ist also nicht nur bei der Flucht an sich gesorgt.
Gleichzeitig versuchen Anna, Sam und die drei anderen Jungs natürlich herauszufinden, welches Geheimnis sie umgibt wegen dem man ihnen so auf den Fersen ist.
Die Geschichte hat also auch etwas von einem Krimi, bei dem ein paar Rätsel gelöst werden müssen. Das hat mir so prima gefallen, denn ich bin kein Fan von Action alleine. Dass bei den Rätseln ein paar ganz kreative Idee dabei sind, ist natürlich auch etwas Feines.
Die Geschichte nimmt zwei ganz zentrale Wendungen. Die erste hat mich sehr überascht. Damit hätte ich nicht gerechnet. Schön, dass das Geschehen hier völlig unkitschig geschildert wird. Alles andere hätte zur sonstigen Story auf keinen Fall gepasst.
Die zweite wichtige Wendung hatte ich ab einem Punkt erahnt, das bliebe immerhin noch insofern spannend, dass ich wissen wollte, ob ich richtig liege. Und als sich herausstellte, dass ich richtig vermutete, war es dennoch ein Schrecken.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Sam und Anna kommt auf der Flucht in die Gänge. Endlich waren die Gefühle da, die mir der Anfang leider nicht vermitteln konnte. Natürlich ist auch in dieser Hinsicht alles nicht so leicht, aber das kann es in Sams und Annas Situation nun mal nicht sein, deshalb wirken die Probleme hier nicht gestellt. Und Kitsch sucht man ebenfalls vergebens.
Das Ende hätte für mich gerne wirklich das Ende sein dürfen, auch wenn noch ein paar Fragen offen sind. Trotzdem, man hätte das so stehenlassen können. Aber Bücher mit abgeschlossener Handlung sind gerade halt nicht modern und so hat man mit “Escape” einmal mehr den ersten Teil einer Trilogie in Händen.

Nach dem ziemlich anstrengenden Anfang ließ sich “Escape” gut und leicht lesen. Der Ton ist zwar insgesamt eher ernst, doch die Dialoge zwischen Anna und den Jungs klingen oft schön jugendlich und dank einem Witzbold in der Truppe darf ab und zu auch mal gegrinst werden.

Über das Covermotiv habe ich mich lange gewundert, doch schließlich ergab es Sinn. Es passt also ganz gut zur Geschichte. Allerdings muss ich ehrlicherweise sagen, dass es schönere und wirkungsvollere Motive gibt. In meinen Augen zumindest.

Fazit:  Der Start mit “Escape” war schwierig, weil mir die Story zu dünn und die Charaktere zu blass erschienen. Das änderte sich ab der Flucht aber grundlegend. Von da an geht es actionreich, spannend und rätselhaft zu und auch die Liebesgeschichte nahm an Fahrt auf.  So hätte ich mir das seit Anfang her gewünscht. Wie gesagt, hätte die Geschichte nach diesem Buch auch beendet sein können. Von daher bin ich noch unsicher, ob ich de nächsten Bände lese.


Titel: Escape
Autor: Jennifer Rush
Seiten: 319
Verlag: Löwe Verlag
ISBN: 978-3785560723
Preis: ab € 12,95 (Broschiert)

Artikel 5 (Kristen Simmons)

artikel5Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen. Religiöser Fanatismus hält Einzug in die Vereinigten Staaten: Wer gegen die strengen Statuten der Moralmiliz verstößt, dem stehen öffentliche Demütigung, Haft und sogar der Tod bevor. Die 17-jährige Ember lebt mit ihrer Mutter allein und versteckt. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war. Ember wird in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen. Sie weiß, sie muss ihre Mutter retten, koste es was es wolle. Und dazu braucht sie Hilfe des Mannes, der ihre Mutter verhaftet hat: Embers große Liebe, Chase.

Ich weiß nicht mehr genau, was mich neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Bekanntlich bin ich mit Dystopien kaum bis gar nicht mehr zu begeistern. Vermutlich war es das Cover, das mir auch jetzt noch gut gefällt. Und dass Ember wegen ihrer Liebe zu Chase in ein großes Dilemma gerät.  Da hatte ich wohl auf etwas Romantik gehofft, was mich durchaus über eine sonst arg deprimierende Zukunftsvision hinwegtrösten kann.
So leid es mir tut, das zu sagen, aber “Artikel 5” hat mich (wegen meiner Erwartungen, die nicht erfüllt wurden?) insgesamt einfach nur enttäuscht. Die Ahnung, dass ich mir jegliche Romantik -selbst wenn es nur ein Funken wäre- offenkundig abschminken kann, kam mir schon nach wenigen Seiten. Und damit war dann nichts mehr da, was mich über die schaurige Zukunftsvision hätte hinwegtrösten können. Es ist ganz einfach so: ich kann diese finsteren Blicke in die Zukunft nicht mehr ab! Auch wenn die Geschichten das Thema von verschiedenen Warten aus angehen, prinzipiell ist es immer das Gleiche.
Da konnten mich hier weder die Moral Miliz, noch gewaltätige Anstaltsleitungen oder eine hartgesottene Putzfrau mehr schrecken.
Entsprechend wollte bei mir auch nur ganz selten Mal so etwas wie Spannung aufkommen. Wenn, dann hielt sie nur wenige Sätze lang an.
Das größte Manko war für mich Ember selber. Ich habe sie einfach nicht verstanden! Ich habe nicht verstanden, wieso sie in einer solchen Welt noch an der uns bekannten Moral festhält. Immerhin geht es um nichts Geringeres als ihr eigenes Leben. Und das ihrer Mutter natürlich auch. Wenn einem doch Gewalt angetan wird, wenn man geschlagen wird, wenn sich immer wieder Waffen auf einen richten und man für jede überlebte Minute dankbar sein kann, da muss man doch schon eine Heilige sein um noch an dieser verstaubten Moral festzuhalten. Das fand ich unglaubwürdig.
Genauso habe ich dieses Hin und Her mit Chase nicht verstanden. Einerseits träumt sich Ember oft zurück in ihre glückliche Vergangenheit mit Chase. Da spürt man schon, wie sehr sie ihn mal geliebt hat.  Und auch während ihrer gemeinsamen Flucht und Suche nach Embers Mutter gibt es immer mal wieder ruhige Momente, wo es zwischen ihnen knistert, aber Ember hat nichts Besseres zu tun als diese Momente zu ruinieren und Chase von sich zu weisen. Ja, ihn sogar richtig hassen zu wollen.
Mir ist schon klar, dass Kristen Simmons die Liebesgeschichte rauszögern will, weil es wohl einer der Ansporne ist, sie Trilogie zu verfolgen, aber dieses kindische Hin und Her hat zumindest mich arg genervt.
Und es hat mein Bild von Ember so verwackelt, dass ich nicht mal wusste, wie ich sie letztlich einstufen soll. Die abgebrühte, harte Tochter habe ich ihr nicht abgenommen, genauso wenig aber auch das einfach traurige und enttäuschte Mädchen, das seine Mutter retten möchte. Ich hatte stattdessen immer den Eindruck, dass Ember selber nicht weiß, wer sie ist und was sie will. Dabei ist ihre Leben eigentlich schon mistig genug, auch ohne dass sie es durch ihre unstete Art noch schlimmer macht.

Dass ich mich ganz schön durch das Buch gequält habe, hatte also in erster Linie inhaltliche Gründe. Es lag aber auch daran, dass es sehr viele erzählenden Passagen und im Verhältnis eher wenige Dialoge gibt. Und wenn in diesen Passagen noch etwas geschildert wird, für das man sich nicht erwärmen kann, fällt es eben schwer. Die Kapitel sind zudem nicht gerade kurz. Das geht dann eben nicht so sonderlich zügig voran.

Das Cover gefällt mir noch immer. Ich finde, es sieht geheimnisvoll aus. Zudem schön düster. So kann ich auch mit dem x-ten Gesicht auf einem Buchcover ganz gut leben.

Fazit:  “Artikel 5” war die letzte Dystopie für mich. Egal, welchen Aufhänger diese Geschichten haben, letztlich bleibt es bei einem Blick in eine sehr finstere Zukunft. Entsprechend bot mir auch dieses Buch nichts Neues. Hier war es halt die sogenannte Moralmiliz und lebensbedrohliche Gesetze. Das Ergebnis war das gleiche wie bei allen anderen Dystopien. Außerdem war ich von Ember genervt, die einfach nicht weiß, was sie will, und die sich offenbar gar nicht wirklich im Klaren darüber ist, in welcher Situation sie steckt. Sonst würde sie nicht alle naselang die Heilige geben wollen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Artikel 5
Autor: Kristen Simmons
Seiten: 432
Verlag: Egmont Schneiderbuch
ISBN: 978-3492702867
Preis: € 16,99

Ins Nordlicht blicken (Cornelia Franz)

nordlichtGrönland im Jahr 2020: Eine immer grüner werdende Insel, das ewige Eis dramatisch geschmolzen. Der junge Bildhauer Jonathan Querido macht sich von Deutschland auf in seine alte Heimat – und muss sich dabei seinem eigenen dunklen Geheimnis stellen. Das, was damals vor neun Jahren passiert ist und zum Bruch mit seinem alten Leben führte, lässt noch heute Panik in ihm aufkommen. Was ist aus seinem Vater, seinen alten Freunden und seiner ersten Liebe Maalia geworden, nachdem ihn alle für vermisst und tot erklärt hatten? Was ist damals wirklich geschehen, auf dem Kreuzfahrtschiff MS Alaska von Grönland nach Hamburg?

Dieses Buch war eine echte Überraschung! Das Cover sprach mich sofort an, aber aus dem Klappentext wurde ich nicht so richtig schlau. Irgendwie konnte ich davon nicht ableiten, in welche Richtung die Geschichte gehen würde: Krimi, Thriller, Lovestory, eine weitere Zukunftsvision oder doch etwas ganz anderes? Ich war daher auch ganz schön verunsichert, ob es was für mich sein würde. Am meisten hoffte ich, hier einen Krimi anzutreffen.
Auf seine ganz eigene Art ist es das auch! Genau wie es auch eine Liebesgeschichte ist und etwas noch ganz anderes.
Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Da ist einmal der jungen Bildhauer Jonathan, der im Jahre 2020 mit dem Schiff nach Grönland reist um seiner Vergangenheit nachzuspüren. Und da ist Pakku, der neun Jahre zuvor in Grönland lebte, gemeinsam mit seinem alkoholkranken Vater, und dort ein alles andere als schönes Leben hatte.
Beide Handlungsstränge sind auf ihre Art spannend und interessant. Bisher hatte mich Grönland nicht so wirklich interessiert und entsprechend wusste ich auch so gut wie nichts über dieses Land. Sehr kalt, das wusste ich, und damit schon defintiv nicht mein Land 😉 Hier habe ich nun mehr über Grönland erfahren und weiß nun, dass es sicher auch sehr schöne Ecken hat, die man mal gesehen haben sollte ehe es sie so nicht mehr gibt. Denn im Jahre 2020 ist Dank der Erderwärmung Grönland längst nicht mehr so, wie Pakku es noch 2011 kannte. Insofern kann man die Geschichte schon auch als Blick in die Zukunft bezeichnen. Außerdem bekommt man einen Blick auf das Leben der Menschen heute dort gewährt, und das ist teilweise doch ganz schön erschreckend. Das hätte ich so niemals vermutet!
Jonathans Suche nach seiner Vergangenheit, nach seinen Wurzeln ist spannend wie ein Krimi. Das habe ich allerdings erst so empfunden, nachdem ich mich damit abgefunden hatte, hier keinen Krimi im klassischen Sinne zu lesen. Das hatte mich erst ziemlich enttäuscht, aber wenn man sich auf die Handlung wie sie ist einlässt, dann wird man mangelnden Spannung beim besten Willen nicht beklagen können. Ich habe Jonathan gerne begleitet und einige seine Entdeckungen haben mich ganz schön betroffen gemacht. Ich fand aber auch Pakkus Entwicklung spannend. Ich konnte mich so gut in seine Unzufriedenheit hineinversetzen als ich las, welches Leben er führt! Seine Entscheidung zur Flucht, die von diesen Umständen herrührt, konnte ich daher gut nachvollziehen. Und diese Flucht selber bringt nochmal so viele Gefahren mit sich, dass man um ein gelegentliches Nägelknabbern nicht herumkommt.
Und auch ein Funken Liebesgeschichte kann man “Ins Nordlicht blicken” guten Gewissens bescheinigen. Keine romantische, kitschige Liebesgeschichte, das würde der Geschichte nicht stehen. Sie ist aus vielerlei Gründen, die man nicht in jedem Liebesroman antrifft, etwas ganz Spezielles.
Welche Verbindung zwischen Jonathan und Pakku besteht, das verrate ich hier jetzt mal nicht (falls es sich irgendwer noch nicht denken kann ;)). Denn es ist genau diese Verbindung, die die Geschichte so reizvoll macht, die ständige Frage: wie konnte es dazu kommen?

“Ins Nordlicht blicken” ist kein Buch, das sich im Nullkommanichts runterlesen lässt. Jedenfalls habe ich dafür länger gebraucht als für andere Bücher mit dieser Seitenanzahl. Das lag nicht am Schreibstil, denn der ist sehr flüssig. Die Geschichte ist auch nicht sonderlich komplex und die Kapitel haben eine schöne Länge. Das lag hauptsächlich daran, dass es häufig auch längere erklärende und erzählenden Passagen gibt. Die lesen sich nun mal nicht so flott wie Dialoge. Und manches, was man da liest, das muss man auch mal erst sacken lassen ehe man weiterliest. Diese Zeit habe ich dem Buch aber gerne eingeräumt und rate deshalb auch dringend dazu. Es lohnt sich!

Wie schon gesagt war ich als erstes vom Cover begeistert! Diese schönen Farben! Ich bin ja ein Fan von Blau und Lichtspielereien wie hier. Der Blick auf den dargestellten Teil der Erde hat außerdem neugierig gemacht, denn ich hatte so überhaupt keine Idee, was ich da eiegentlich sehe.

Fazit: Nachdem ich meine Enttäuschung, dass es kein Krimi im klassischen Sinne ist, überwunden und mich auf die Geschichte eingelassen hatte, war ich sehr davon angetan. Auch wenn es kein Krimi ist, ist “Ins Nordlicht blicken” doch sehr spannend und gewährt einen Blick auf ein Land und seine Menschen, mit denen zumindest ich mich bisher nicht befasst hatte. Das war so ausgesprochen interessant und es ist mir einige Male wirklich schwer gefallen das Buch nach dem berühmten “Ach komm, ein Kapitel nur noch, ist schon spät!” wieder aus der Hand zu legen.

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Ins Nordlicht blicken
Autor: Cornelia Franz
Seiten:  240
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249393
Preis:  € 12,90 (broschiert)

Mole

Titel: Mole / Verlag: hoerspielprojekt.de / Spielzeit: ca. / Sprecher: Jamie Leaves, Sven Matthias, Christiane Marx, Paul Conrad, Marco Rosenberg ua

Inhalt: Wir schrieben das Jahr 1899, als sie das erste Mal auftauchten. Ganz plötzlich, niemand hatte sie zuvor gesehen. Durchbrachen das Erdreich, raubten unsere Kinder, danach die Frauen und die Männer und hinterließen nichts weiter als große, fast mannshohe Erdhügel. Daher bekamen sie ihren Namen: Mole.


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“Mole” auf youtube hören *klick*

Heikel! Eine Geschichte anno 1899 und ich, das klappt in den seltensten Fällen. Entsprechend misstrauisch bin ich “Mole” gegenüber getreten. Doch die Bedenken legten sich schnell. Einfach, weil es nicht heraussticht, wann die Geschichte spielt. Weder die Sprache ist übermäßig altmodisch, noch kommt die Szenerie mit einer Kutsche nach der anderen daher. Was auch kein Wunder ist. Muss man ja zu Abbys Zeiten ständig fürchten, dass man samt Gefährt wortwörtlich im Boden versinkt und ins Reich der Mole geschleppt wird, wo ein grausiges Ende auf einen wartet. Nein, übermäßige Altertümlichkeit sucht man hier vergebens, was mir sehr entgegenkam. Dafür mutet die Szenerie endzeitlich an. Verlassene Gehöfte, Patienten eines Sanatoriums, die auf sich gestellt sind, und überall Menschen auf der Flucht. Mitten darunter Abby, Finn und Lissy, die sich bei einem Onkel von Abby Hilfe erwarten. Doch der Weg ist lang und gefährlich. Nicht nur wegen der Mole. Nachdem man also am Anfang direkt einen blutrünstigen Mole-Überfall miterlebt hat, begibt man sich mit den Freunden auf die spannende Reise. Mir war sie etwas zu lang, so nach dem Motto: ‘welche Steine können wir ihnen denn noch in den Weg legen?’, da man aber abwechslungsreich bei Laune gehalten wird, ist es mir nicht wirklich langweilig geworden. Etwas kürzer wäre aber schön gewesen. Ich frage mich nun , ob es eine Fortsetzung geben wird. Denn ich würde gerne wissen, woher die Mole kommen, was sie sind und was die Freunde in ihrer Zuflucht erleben. Zudem, was wird aus England? Kann doch nicht sein, dass die Moles es völlig untergraben…immerhin ist Mr. Llloyd ja noch kampfbereit dort…?

Als Abby ist Jamie Leaves zu hören. Sie spricht diese Rolle in der Geschichte, übernimmt mit ihr aber auch gelegentlich den Part einer Erzählerin. Man hört ihr die Traurigkeit, Angst und die Bedrücktheit über die Ereignisse deutlich an,was gut zu Abby passt, die bereits einiges erlebt hat. Hier und da klang sie mir zu “abgehackt”, nicht flüssig, doch das ist selten und fällt so insgesamt kaum ins Gewicht.  Deutlich munterer gibt sich Christiane Marx alias Lizzy. Beim ersten Satz hatte ich noch Sorge, ob mir diese hohe Stimme nicht zuviel werden würde, aber Christiane Marx haucht Lizzy so freches, burschikoses und sympathisches Leben ein, dass mir das später gar nicht mehr auffiel. Paul Conrad spricht den Finn mit für einen 15jährigen sehr viel Ernsthaftigkeit, so ergänzt er das Trio mit einem weiteren markanten Charakter. Sehr gut hat mir auch Sven Matthias als hilfsbereiter Mr. Lloyd gefallen. Seine Stimme passt sehr gut zu dieser Figur, und hat auch mir vermittelt, dass die drei Jugendlichen von ihm nichts zu befürchten haben.

Ich kann mich an keine Szene erinnern, die nicht mit Musik unterlegt ist oder durch Geräusche das Geschehen anschaulich gemacht wird. Da ist sehr gründlich und gewissenhaft gearbeitet worden, was sich auch ausgezahlt hat. Die düsteren, bedrückenden Stücke lassen Szenen mal schauerlich, dann spannend, und immer bedrohlich wirken. Die Geräusche können sich ebenfalls hören lassen. Sollte es eine Fortsetzung geben, würde ich aber gerne mal dem “Mahl” eine Moles lauschen…so richtig schön blutig 😉

Das altertümliche Schriftstück als Hintergrund passt gut zur Zeit der Geschichte, und der Maulwurfshügel mit den Pranken natürlich auch. Dafür wird nicht groß verraten, in welche Richtung die Story geht. Sonderlich schauerlich wirkt das Motiv nicht.

Fazit:  “Mole” hätte für meinen Geschmack etwas kürzer sein dürfen, dann hätte noch mehr Schwung drin gesteckt. Davon abgesehen aber eine unterhaltsame und zum Teil auch gruselige Geschichte mit Endzeitflair. Ich würde sie nicht vor dem Einschlafen im Dunklen hören…oder?

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