Frankreich

John Sinclair Classics (16) – Der Gnom mit den Krallenhänden

Titel: John Sinclair Classics (16) – Der Gnom mit den Krallenhänden / Verlag: Lübbe Audio / Spielzeit: / Sprecher: Dietmar Wunder, Nadine Wrietz, Bodo Wolf, Jens Bohnsack, Boris Tessmann ua

sinclairclassics16Inhalt: Frankreich, Anfang des 18. Jahrhunderts. Der Magier und Scharlatan Sourette wird von einer wütenden Dorfmeute hingerichtet. Fast 300 Jahre später stirbt in der Mühle des Dorfes der missgebildete Junge Cascabel…ein böses Vorzeichen? John Sinclair ahnt nichts von diesen Ereignissen der Vergangenheit, als er den Auftritt eines Zauberkünstlers im renommierten Savoy-Theater in den London besucht. Der Name des Magiers: Sourette. Der Name seines entstellten Assistenten: Sourette.


Ich bin kein regelmäßiger Hörer dieser Reihe, aber diese Folge sprach mit vom Titel und Cover her sofort an. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Das Hörspiel beginnt mit einem Rückblick auf die unheilvolle Nacht, in der Cascabel um’s Leben kam. Mit dem Gewitter und einigen Andeutungen hängt über dem Geschehen sofort ein schaurige Atmosphäre.
Und die legt auch nur eine kurze Pause ein bis sie sich bei der Zaubershow wieder so richtig schön entfaltet. Ich fand die Show mit ihren illustren “Stars” klasse in Szene gesetzt. Das kann man sich wirklich sehr gut vorstellen und entsprechend dabei schaudern. Am Ender Show kommt dann erstmals Schwung in das Geschehen und kurz darauf führt sie Sinclair auf die Spur des Magiers und seines Helfers. Das ist spannend und obwohl ich wahrlich kein Frankreich-Fan bin, hat mir der Teil der Geschichte, der dort spielt, mit am besten gefallen. Zudem gibt es bei Sinclairs Nachforschungen immer mal wieder auch etwas zum Grinsen, wenn man Sinn für etwas böseren Humor hat.
Gefallen hat mir auch die Jagd der Dörfler auf Sinclair. Das hat sowas von einem mittelalterlichen Mob, der auf der Jagd ist. Ich habe sie direkt vor mir gesehen, die Dörfler, bewaffnet mit Mistgabeln und Schrotflinten, und so habe ich dabei trotz allen Mitfieberns mit Sinclair auch noch ein wenig grinsen können.

Dietmar Wunder gibt einen herrlich coolen und abgebrühten Sinclair, bei dem mir vor allem der Humor gefällt, der immer mal wieder durchblitzt. Sei es von der Betonung her oder in Gestalt von bösen Sprüchen. Ein großes Lob gebührt natürlich auch Bodo Wolf in der Rolle des Sourette und vor allem Jens Bohnsack alias Cascabel, die einem mit ihrer Darbietung schon das Gruseln lehren können. Nadine Wrietz habe ich ihre Begeisterung für die Zauberer nicht so recht abgenommen, dafür konnte sie mich später überzeugen. Ich habe ihr ihre Angst und Panik sofort abgenommen.

Die Untermalung ist gut gewählt und passt zur Geschichte. Sie verleiht speziell den schaurigen Szenen zusätzliches Flair und hilft der Spannung zusätzlich auf die Sprünge. Genauso sollte ein gruseliges Hörspiel klingen, das etwas auf sich hält.

Natürlich ist der Gnom auch auf dem Cover zu sehen, gemeinsam mit einem wunderschönen Raubvogel. Unter einem Gnom hatte ich allerdings eine andere Vorstellung, auch wenn die Krallenhände stimmen. Der hier sah mir doch noch zu menschlich aus. Deshalb war ich so neugierig auf die Geschichte. Ich wollte unbedingt wissen, was es damit auf sich hat.

Fazit: Eine spannende und szenenweise wirklich herrlich gruselige Folge, die mir sehr gut gefallen hat. Hier geht es abwechslungsreich zu und es macht Spass zu verfolgen, wie sich die einzelnen Puzzleteile später zu einem sinnigen Ganzen zusammenfinden.

Galerie der Phantasten – Unheimliche Geschichten aus Frankreich

Titel: Galerie der Phantasten – Unheimliche Geschichten aus Frankreich / Verlag: Comic Culture Verlag / Spielzeit: ca. 43 min / Sprecher: Iris Artajo, Gundi Eberhardt, Thomas Schmuckert

phantasten01Inhalt: Ähnlich wie in die ursprüngliche Reihe „Galerie der Phantasten“ ist auch die vorliegende Hörbuchserie eine Klammer für Perlen phantastischer Literatur. Der Schwerpunkt liegt auf Frankreich und auf einer Zeit, die fast überall in Europa von fundamentaler Veränderung und Verunsicherung geprägt war: Die Folgen der industriellen Revolution waren längst überdeutlich, und die phantastische Literatur spiegelte ab der Jahrhundertwende die Ängste vor der neuen industriellen Umwelt wider, später kündigte sich das Unheil des ersten Weltkriegs, danach die Weltwirtschaftskrise an. Die Phantastik verarbeitete das Abgründige ihrer Zeit oft in Form von morbiden Untergangs- und Todesentwürfen. Auch die beiden Geschichten dieser CD – „Das Rendezvous“ von Maurice Renard aus dem Jahr 1909 und „Das Haus“ von André Maurois von 1931 – haben den Tod zum Thema.


Die “Galerie der Phantasten” war für mich eine Neuentdeckung. Von der Reihe hatte ich noch nicht gehört, aber gruselige Geschichten gehen bei mir fast immer. Wobei mit der Titel “Unheimliche Geschichten aus Frankreich” schon zusetzte, so als total frankophobe Person die ich bin. Aber Bangemachen gilt ja bekanntlich nicht.
Auf der CD sind zwei Geschichten, einmal “Das Rendezvous” von Maurice Renard und “Das Haus” von André Maurois.
“Das Rendezvous” hat mich an die Geschichten aus der Reihe “Gruselkabinett” erinnert. Eine eher ruhige Schauergeschichte um eine verschmähte Liebe, die schlimme Folgen hat. Dabei konnte ich mich gut in hineinversetzen und ich bin der Geschichte entsprechend neugierig gefolgt. Natürlich wollte ich wissen, was aus dieser gefährlichen Liebe werden würde. Geschmunzelt habe ich darüber, wie leicht man sich  um 1909 als die Geschichte geschrieben wurde, die Sache mit der Hypnose vorstellte. Das ist aber eben dem Alter der Erzählung geschuldet. Gegen Ende erlebt man dann eine Wendung, die mich überrascht hat. Dass man damals bereits die Idee der zurückgekehrten Toten kannte…das hätte ich nicht gedacht. Ein ganz schöner Kontrast zum romantisch-schaurigen Geschehen zuvor, das auch ein paar Längen hat.
“Das Haus” hat mir allerdings einen Tacken besser gefallen. Es ist wesentlich kürzer und Längen sucht man dementsprechend vergeblich. Außerdem ist es nicht so offensichtlich, dass die Geschichte anno Neunzehnhundert spielt, was ja bekanntlich nicht mein Fall ist. Die Erzählung ist eine zeitlose Spukgeschichte. Sie konnte mich mit ihrer Auflösung zwar nicht überraschen, aber die Idee an sich ist schön, denn sie läst dazu ein, als Hörer vielleicht noch ein wenig daran weiterzuspinnen.

Drei Sprecher teilen sich die Aufgabe, die beiden Geschichten vorzutragen. Iris Artajo und Gundi Eberhard haben mir mit ihren weichen Stimmen und dem gelegentlich verträumten Ton gut gefallen. Das passt für mich gut zu solchen romantisch-schaurigen Geschichten. Und auch die altertümliche Ausdrucksweise bereitet ihnen keinerlei Schwierigkeiten, was ich besonders bewundere. Thomas Schmuckert hat mich damit überrascht, dass er auch so ganz anders klingen als in “Dorian Hunter”. Nach der Reihe hätte ich ihn als letztes in der Rolle eines verzweifelt-verliebten Franzosen erwartet. Doch auch ihm gelingt es spielend, auf einen solchen Part umzusatteln. Eine tolle Ergänzung zu Iris Artjao und Gundi Eberhard.

Den Löwenanteil in Sachen verträumter und schauerlicher Atmosphäre verdanken die beiden Geschichten der begleitenden Klaviermusik von Vera Claus. Sie steht den Erzählungen ganz ausgezeichnet.

Das Cover ist angemessen finster gehalten mit schattenhaften Figuren im Hintergrund. Das sagt zwar über die Geschichten auf der CD nichts aus, aber bei einem geheimnisvollen Titen darf man interessierte Hörer auch mal im Ungewissen lassen.

Fazit:  Zwei romantische Schauergeschichten aus Frankreich um Neunzehnhundert herum, die eine gute Dreiviertelstunde lang zu unterhalten wissen. Vor allem “Das Rendezvous” hat mich an das “Gruselkabinett” erinnert.

Wenn es dunkel wird (Manuela Martini)

dunkelwirdMelody und ihre Freunde wollen einfach nur entspannte Sommerferien an der französischen Mittelmeerküste verbringen. Doch die zunehmende Hitze und unausgesprochene Gefühle zwischen ihnen heizen zusehends die Stimmung auf. Es kommt zur unausweichlichen Katastrophe – ein Jugendlicher stirbt. Mel weiß: Nur wenn sie alle schweigen, wird niemand die Wahrheit je erfahren.

Nachdem ich von meinem ersten X-Thriller “Röslein stach” so begeistert war, war ich neugierig auf weitere Bücher dieser Reihe. Dieses hier klang ganz vielversprechend, auch wenn Frankreich nun wirklich nicht mein Lieblingsschauplatz ist. Aber ansonsten hörte sich der Klappentext nicht übel an.
Die Geschichte begann auch ganz prima und holte sich gleich einen dicken Pluspunkt damit ab, dass sie so modern startet. Mel berichtet nämlich in youtube-Videos von diesem verhängnisvollen Sommer. Ich mag es immer, wenn Geschichten für Jugendliche Elemente mitbringen, die einfach zu deren Leben dazu gehören. Wie das Internet und eben youtube.
Anfangs hat mich das hier wirklich gefreut. Im Nachhinein sehe ich aber genau darin auch den Haken, der im Wesentlichen dazu beigetragen hat, dass mit “Wenn es dunkel wird” dann doch nicht gefallen hat. Denn diese Erzählweise schafft unweigerlich eine gewisse Distanz . Ich hatte immer das Gefühl, ich schaue der Clique zu, statt mich quasi bei ihnen zu fühlen. Ich habe mir ihre Gefühle immer erklären lassen müssen, selber mitfühlen, sich in sie einfühlen, ging dagegen nicht. Das sind aber Dinge, die eine Geschichte mir ermöglichen muss, damit ich in sie eintauchen kann. Entsprechend war mir das hier kaum möglich. Bei Mel ging es wenigstens ab und zu, aber wirklich ganz selten.
Und diese Distanz führt außerdem dazu, dass sowas wie Atmosphäre kaum eine Chance hat. Mit dem Abstand, den Mel gewonnen hat in diesem einen Jahr, sieht sie die Dinge anders und so kann sie einfach die Stimmung nicht so intensiv rüberbringen als wenn sie just im Moment des Erlebens davon erzählen würde. Unglücklicherweise spricht sie einen als Leser hier und da direkt an, und das just in den Szenen, in denen sowas wie eine spannende oder schaurige Atmosphäre gerade Anlauf nimmt. Das ist dann ein Bruch und die Stimmung verpufft.  Bei einem Thriller ist das natürlich dann natürlich sehr schade. Dieses Genre lebt ja nun mal auch ganz wesentlich von Atmosphäre.
Ich denke, es liegt ebenfalls an dieser Distanz, dass ich mit keinem aus der Clique wirklich warm wurde. Nicht einmal mit Mel, die mir als Erzählerin eigentlich am nächsten sein sollte. Aber schon gar nicht mit Claas, Tammy und Julian. Melody hat von Anfang an Vorbehalte Tammy und Julian gegenüber, gibt sie einem als Leser weiter und mit einer Ich-Erzählerin hat man dann kaum Chancen, seine Meinung noch zu ändern. Claas dagegen fand ich einfach nur komisch.
Die Hauptproblematik, das Drama in dieser Geschichte, taucht erst ziemlich spät auf. Bis dahin ahnt man eigentlich überhaupt nicht, in welche Richtung es mal gehen wird. Plözlich kommt dann das Thema Tarot auf den Tisch, was mich wirklich überrascht hat. Denn zuvor ist überhaupt keine Rede davon, dass Mel sich dafür interessiert. Irgendwie wirkte das gezwungen auf mich. Als hätte ein Element her gemusst, am besten ein mysteriöses, das den zentralen Dreh- und Angelpunkt darstellt, aus dem dann das große Drama folgt.
Was darauf folgt erinnert dann sehr an “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast”. Was nichts Schlechtes heißen muss! Ich habe gar nichts dagegen, wenn eine Idee in mehreren Geschichten auftaucht. Wenn das Drumherum gut gemacht ist, bin ich dafür immer zu haben. Nur war es das hier für mich eben leider nicht.
Die Auflösung dann…tja, ich hatte es mir so nicht gedacht. Aber auch nur, weil mir das zu einfach vorgekommen war.

Zumindest lies sich “Wenn es dunkel wird” gut lesen. Geschichten, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind, lesen sich für mich immer besonders leicht. Deshalb mag ich diese Perspektive auch sehr gerne. Die Kapitel sind recht kurz, da kann man auch mal ein paar mehr hintereinander lesen.

Optisch hat mir das Buch sofort gefallen. Mit den kräftigen rot-, Rosa-, und Pinktönen fällt es im Regal sofort auf. Und die Schmetterlinge kann man sicher mit einem Sommer in Frankeich in Verbindung bringen.

Fazit:   Für mich war diese Distanz, aus der Melody von diesem Sommer erzählt, das Hauptproblem an “Wenn es dunkel wird”. So kam keine düstere oder schaurige Atmosphäre auf und ich konnte mich dadurch auch nicht in die Charaktere hineinfühlen, mich zu ihnen hinfühlen. Zudem wirkte der Aufhänger zum eigentlichen Drama in meinen Augen total gezwungen und passte gar nicht in die Szenerie und die Situation. Somit hat mich mein zweiter X-Thriller ziemlich enttäuscht zurückgelassen.


Titel: Wenn es dunkel wird
Autor: Manuela Martini
Seiten: 357
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401066080
Preis: € 12,99 (Broschiert)

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Sherlock Holmes (58) – Das letzte Problem

Titel: Sherlock Hlmes (58) – Das letzte Problem / Verlag: Maritim / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Peter Groeger, Christian Rode, Melanie Fouche, Joachim Kerzel u.a.

Inhalt:  Sherlock Holmes ist auf der Jagd nach dem Napoleon des Verbrechens: Professor Moriarty.
Als Holmes Moriartys Londoner Verbrecherorganisation auffliegen lässt, wird der Meisterdetektiv selbst zum Gejagten.
Zusammen mit Watson flieht er auf den Kontinent und versteckt sich in den Schweizer Bergen. Dort kann Moriarty ihn unmöglich finden. Oder vielleicht doch?


Holmes letzter Fall? Da bekommt man als Fan ja direkt am Anfang des Hörspiels einen Schrecken! Wenn man es denn glaubt. Für mich ist erstens die “58” eine zu krumme Zahl für einen Abschluss und zweitens weiß man ja…na, vorläufig erst mal egal. Es kommt aber auch noch dazu, dass die Geschichte keine würdige Abschluss-Story wäre. Wobei ich ja sagen muss, dass es mir gefallen hat, dass Holmes und Watson hier mal richtig unterwegs sind. Raus aus der Baker Street, raus aus England. Die beiden wirken in der Schweiz und Frankreich direkt exotisch. Das hat was! Die Ankündigung, Holmes bekomme es hier mit seinem Erzrivalen zu tun, klang auch vielversprechend. Und den genialen Detektiven mal nicht nur als den stets Überlegenen zu erleben, das hat ihn mir gleich einen Schlag sympathischer gemacht. Hinter all dem lauert allerdings auch das eine oder andere Aber. Denn so viel Holmes und Watson auch auf Achse sind, Tempo und Schwung sucht man bei der Folge vergebens. Vielleicht hätte man es bei der gängigen runden Deiviertelstunde Spielzeit belassen sollen. Da wäre es wohl zügiger zugegangen. Mit über 60 Minuten fällt die Folge zu lang aus um Tempo aufkommen zu lassen. Dann wäre da auch noch Erzrivale Moriarty persönlich, der mir alles andere als böse und wie der Kopf einer mächtigen Verbrecherorganisation vorkam. Und zuletzt noch: ich war überrascht auf wie viele Arten man den Namen “Moriarty” aussprechen kann. Ich glaube, hier bekommt man alle Möglichkeiten zu hören. Konnte man sich nicht einigen? Und es gab auch noch zwei andere Worte, die sonderbar ausgesprochen wurden, so dass ich gestutzt habe. Das muss ja nun wirklich nicht sein.

Womöglich liegt es an Joachim Kerzel, dass mir Moriarty nicht mindestens Respekt eingeflößt hat. Er klingt für diesen Part einfach zu nett und sympathisch. Peter Groeger und Christian Rode liefern die gewohnte, ordentliche Leistung ab. Jedenfalls wenn man von der Uneinigkeit über die Aussprache des Namens “Moriarty” absieht. Kleinere Rollen übernehmen Jürgen Thormann, Melanie Fouche, David Riedel und Marcus Pfeiffer.

Gewohnte Kost auch was Untermalung und Geräusche angeht. Vertraute Klänge, an Geräuschen das Nötigste, das aber ganz ordentlich eingesetzt. Ich kenne die Reihe gar nicht anders, von daher stört mich das gar nicht mehr. Das gehört so dazu.

Minimalistisch auch das Covermotiv. Ebenfalls etwas, was man von der Serie kennt. Wobei ich ja finde, diese Geschichte hätte zumindest ein etwas markanteres Motiv hergegeben.

Fazit:   Die Folge hat ein paar nette Eigenschaften. Dafür dass Holmes es hier aber mit DEM Verbrecher-König zu tun bekommt, geht es allerdings zu wenig dramatisch und zu schleppend zu. Gut, dass das mit dem letzten Fall… 😉

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