Fünf Freunde für alle Fälle

Fünf Freunde für alle Fälle (01) – Rückkehr zur Felseninsel / Auf der Spur der Pflanzendiebe

Titel:   Fünf Freunde für alle Fälle (01) – Rückkehr zur Felseninsel / Auf der Spur der Pflanzendiebe  / VerlagEuropa
/ Laufzeit: ca. 62 min  / Sprecher:   Esra Vural, Julien Haggege, Michael Wiesner, Sonja Spuhl, Gerald Schaale, Almut Zydra, Steffen Krause u.A.

Inhalt: (1) Tante Georges Haus wird von einem umgestürzten Baum stark beschädigt. Wie konnte das passieren? Die 5 Freunde, die bei George an der Küste ihre Ferien verbringen, finden schnell heraus, dass der Baum nicht von alleine umgestürzt ist. Wie es scheint, steckt Georges Erzfeind Ed dahinter. Doch was bezweckt Ed damit? Und können die Kinder mit Hund Timmys Hilfe beweisen, dass der Halunke an dem Unfall die Schuld trägt?

(2) George ist eine weltweit einmalige Pflanzenzüchtung gelungen: der Bambuzu. Eine Kreuzung aus Bambus und Kudzu – die am schnellsten wachsende Pflanze weit und breit. Doch eines Nachts wird das Gewächs gestohlen. Die 5 Freunde entdecken am Tatort Kosmetikglitter. Und kommen so der eitlen Daine Dunston auf die Spur. Hat sie den Bambuzu?


Zwei Dinge muss man sich stets vor Augen halten.
Erstens: Fünf Freunde für alle Fälle sind nicht die Fünf Freunde!
Zweitens: Fünf Freunde für alle Fälle sind O-Ton-Hörspiele nach einer Cartoon-Fernsehserie.

Namentlich sind die Fünf Freunde für alle Fälle: Max (netter, sportlicher Typ), Allie (verwöhnt, Mode- und Kosmetikfreak), Dylan (der helle Kopf der Truppe, Computerfan und für seine 11 Jahre ziemlich auf Geld fixiert), Jo (die heimliche Anführerin, sportlich, helle) und Jos Hund Timmy (naja, der Hund eben, sehr schlau und verfressen)
Ich denke, schon bei den Charakteren merkt man, dass da von den Fünf Freunden nichts geblieben ist, außer der Anzahl der Kinder und der Hund mit dem vererbten Namen. Alles hat einen coolen, trendy Anstrich bekommen.
Das trifft auch auf die beiden Abenteuer zu. Grundsätzlich sind sie gar nicht so schlecht. Wer hat dafür gesorgt, dass der Baum auf das Haus fiel und warum? Wer hat die Pflanze gestohlen?
Als ganz normales Kinderabenteuer-Hörspiel hätte da schon etwas Ordentliches draus werden können.
Doch hier hält man sich eben absolut an die Vorlage aus dem Fernsehen.
Alles ist typisch Cartoon-Stil, hektisch, grell und die Handlung rutscht -besonders in Auf der Spur der Pflanzendiebe– ins Absurde ab.
Da wird die vermisste Pflanze wild, wedelt und schlägt mit den Ranken um sich und Jo muss sich daran wie an Lianen hin und her schwingen…
Die Charaktere bleiben sehr eindimensional und gerade bei den “Nebenrollen” habe ich mich doch gefragt, welche Altersgruppe man mit Fünf Freunde für alle Fälle anpeilt.
Denn wenn ein Baumarktbesitzer Balduin Backstein bzw Zacharias Ziegel heißt, dann fühle ich mich an Serien wie Benjamin Blümchen erinnert, und Vierjährige werden wohl kaum die Zielgruppe sein.
Andererseits muss der junge Hörer sich etwas unter Begriffen wie “Hypochondrie”, “präpariert” und “Maniküre” vorstellen können um die Handlung zu verstehen. Und über Handys und Notebooks sollte man auch halbwegs Bescheid wissen.
Sehr paradox
Nun sollte man bei einer Cartoon-Vorlage wenigstens eine gewisse Komik erwarten, aber weit gefehlt. In der zweiten Geschichte gibt es zwar einige wenige lustige Stellen, aber sonst bleibt es in Sachen Humor bei ziemlich dummen und möchtegern-witzigen Sprüchen.
Interessanterweise greift Rückkehr zur Felseninsel auf Folge 18 der Fünf Freunde zurück (…auf geheimnisvollen Spuren), doch das wirkt hier einfach nur deplatziert.

Die Sprecher können sich hören lassen, sie alle haben schon massig Erfahrung in Sachen Synchronarbeit, haben ihre Stimme Charakteren von der Cartoonfigur, über Serienhelden bis hin zu Filmschauspielern geliehen. Da gibt es nichts dran auszusetzen, einzig Sonja Spul alias Allie klingt etwas sehr schrill.
Wirklich gestört hat mich die Sprechweise von Jos Vater Ravi. Gesprochen wird er von Stefan Krause, der auch Hui Buh in der Serie Hui Buh – Die neue Welt seine Stimme leiht.
Der Akzent, mit dem er Jos Vater spricht, klingt nicht indisch, sondern dümmlich.
Als Erzähler ist Hans-Georg Panczak zu hören und er erzählt wirklich, viel und oft. Die Hörspiel-Passagen sind dagegen sehr kurz und wirken einfach eingeschoben.

Das Titellied ist ziemlich kurz, der Text hat eigentlich gar keine Aussage und vom Stil her würde ich es in Richtung Hip-Hop oder Rap einsortieren.
Während des Hörspiels gibt es reichlich Musik, im Hintergrund dudelt immer irgendwas, allerdings nichts, was einem im Kopf bleibt.
Die Effekte sind logischerweise typisch Cartoon, oft völlig überzogen, unpassend und alles, nur nicht authentisch.
Hier muss man auch Timmys Bellen erwähnen. Das Bellen von Timmy Nr. 1 damals mag ja immer gleich gewesen sein, aber es klang wenigstens nach einem richtigen Hund.

Das Cover gefällt mir ganz gut. Es hilft, sich die Kinder vorzustellen, wo das Hörspiel es schon nicht schafft, dass man sich ein Bild von ihnen machen kann.
Auf der Innenseite findet man Zeichnungen der fünf Freunde und je einen kleinen Text dazu, in dem man lesen kann, welche Hobbys und Interessen sie haben.

Fazit:   Die Fünf Freunde für alle Fälle haben in keinster Weise etwas mit den Fünf Freunden gemeinsam. Man hätte der Serie problemlos einen anderen Titel geben können, es wäre sicher nicht mal groß aufgefallen, dass da fünf Kinder unterwegs sind und der Hund zufällig auch Timmy heißt. So hätte ich die Reihe sogar akzeptieren können. Aber sich den Namen Enid Blyton und den Titel einer Kult-Serie zu “leihen” um diese Detektiv-Serie auf dem Markt zu etablieren, das ist schon ziemlich dreist.
Davon mal abgesehen läuft die Serie Fünf Freunde ja noch und das gar nicht mal so schlecht, denke ich. Die Kinder sind da noch nicht mal Teenager. Es fühlt sich einfach seltsam an, nun schon Geschichten von ihren Kindern zu hören.
Wer die TV-Serie mag, der wird aber bestimmt auch an den Hörspielen Spaß haben.

Fünf Freunde für alle Fälle (02) – Das Ungeheuer von Darkhyde / Affenchaos

Titel:   Fünf Freunde für alle Fälle (02) – Das Ungeheuer von Darkhyde / Affenchaos / VerlagEuropa / Laufzeit: ca. 60 min  / 12 Tracks / Sprecher:   Esra Vural, Julien Haggege, Michael Wiesner, Sonja Spuhl, Christel Merian, Dirk Petrick, Almut Zydra u.A.

Inhalt:   (1) Die 5 Freunde fahren nach Darkhyde, einer Moorlandschaft, die sie mit ihren Räders erforschen wollen. Doch Goldgräber Pete macht den Kindern Ansgt.
Er erzählt ihnen von dem Ungeheuer Mogow-Ki, das in Darkhyde sein Unwesen treibe. Die nette Mrs. Downey, bei der die Freunde übernachten, sieht das mit dem Mogow-Ki gelassen. Was ist nun wirklich dran an der Geschichte vom Ungeheuer?

(2) Was ist bloß in Falcongate los? Überall wird eingebrochen. Auch bei Mrs. Klucks. Die 5 Freunde statten ihr einen Besuch ab. Und entdecken dabei, dass Mrs. Klucks Hund ein neues Halsband trägt. Sie hat er vom Tierarzt bekommen. Die Kinder suchen Dr. Prudelock auf. Und kommen mit einem Affen nach Hause. Was Hund Timmy gar nicht gefällt.


Der Titel Das Ungeheuer von Darkhyde ließ mich trotz meiner Enttäuschung über Folge 1 der Serie wieder etwas hoffen, nämlich auf eine wenigstens einigermaßen gruselige Geschichte.
Allerdings wurde mir schnell klar, dass ich diese Hoffnung begraben konnte. Dabei sind ansatzweise sogar Tendenzen ins Gruselige hin zu erkennen, aber leider kann sich keine entsprechende Atmosphäre entwickeln. Das scheitert ganz einfach am rasanten Handlungsverlauf, der selbst einem gespenstischen Wolfsgeheul keine Gelegenheit lässt, seine unheimliche Wirkung zu entfalten, und am abstrusen Verlauf der Ermittlungen der Freunde. Ich hätte ihre Erforschungen noch durchgehen lassen, immerhin erahnt man hier eine gewisse Detektivarbeit.
Doch wenn die Freunde dann mit BMX-Rädern durchs Moor rasen und damit Saltos schlagen, oder wenn Allie mit Pfeil und Bogen um sich schießt und ihr Ziel entweder gar nicht bzw erst über fünf andere Gegenstände trifft oder eine wohlbeleibte Dame mittels Flic-Flacs flieht, dann ist dieses Detektiv-Feeling gleich zum Teufel.

Affenchaos spielt dann wieder zuhause bei Jo in Falcongate und wie der Titel es schon vermuten lässt (und ich hätte es nie für möglich gehalten) wird hier eine noch rasantere, hektischere Geschichte geboten. Die Freunde lassen sich vom Tierarzt einen Affen andrehen und damit hält das Chaos in Falcongate Einzug.
Diese Geschichte bietet ein paar gute Stellen und das Niveau des Humors einmal deutlich zu machen: da liegt Jos Vater Ravi beispielsweise unter einem Oldtimer -er schraubt gerne an solchen Gefährten- und dieser Oldtimer heißt Rolls-Rubbel-die-Katz. Sekunden später taucht Jos Mutter mit einer merkwürdigen Maske auf, die ihr zufolge von den Holterpolter-Inseln stammt, wo mit ihr Schluckauf und Wadenkrämpfe  behandelt wurden. So platt geht es in der Serie oft zu, nur selten verirrt sich mal ein wirklich guter Spruch in die Dialoge.

In den Nebenrollen trifft man in Folge 2 überraschend auf Sprecher, die man auch aus bekannten anderen Serien kennt.
Mrs. Downey wird von Christel Merian gesprochen, die man von kleineren Rollen z.B. in Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen und auch Elea Eluanda kennt. Ich finde, man hört ihr sofort an, dass sie auch in Hörspielen spricht, die eben kein O-Ton nach einer Zeichentrickserie sind. Sie klingt viel echter und nicht so überzogen.
Gleiches gilt für Edith Werth alias Mrs. Kluck, die Fans als Bibis Lehrerin Frau Müller-Riebensehl kennen.

Ich muss der Folge Das Ungeheuer von Darkhyde anrechnen, dass man anfangs wenigstens versucht, durch einige Effekte (Wolfsgeheul, Messerwetzen) , für gruselige Atmosphäre zu sorgen. Wie oben bereits erwähnt bleibt den Effekten allerdings keine Zeit um zu wirken.
Ansonsten hört man auch in Folge 2 immer wieder Musik im Hintergrund, jedenfalls wenn man genau hinhört, ansonsten entgeht sie einem auch schon mal, denn markant sind die Musiken allesamt nicht, das Titellied eingeschlossen.

Das Cover geht auch hier wieder in Ordnung, so stellt man sich die 5 Freunde vor, wenn man das Hörspiel hört und so kennen die kleinen Hörer sie aus der Fernsehserie. Schön bunt, vom Zeichenstil her ein wenig an den Manga-Stil angelehnt, modern eben, wie es bei den jungen Leuten heute angesagt ist.
Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Titel der Folgen auf der Vorderseite zu lesen wären.

Fazit:  Diese Serie ist das reine Hörspiel-Fastfood: schnell konsumiert ohne aber in irgendeiner Form vorzuhalten. Ich nehme allerdings an, dass diese Art Hörspiel genau den Geschmack der Kids von heute treffen wird, denn Geschichten solcher Machart werden im TV alle naselang gezeigt, damit werden sie groß. Wem die Reihe also im Fernsehen gefällt, der kann es ja mal mit den Hörspielen versuchen…

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