Gabriella Engelmann

Leipziger Buchmesse – Dritter Tag

Am Samstag ging es nach dem Frühstück noch einmal auf die Messe.

Eine Halle hatten wir am Freitag ja ausgelassen. Die wollten wir uns nun am Samstag ansehen. Außerdem wollten wir nochmal an ein paar Ständen vorbeischauen, die wir am Freitag irgendwie ausgelassen bzw übersehen hatten.

Wir starteten wieder in der Manga-Halle, in der es noch voller war als am Vortag. Aber die Musik war dieses Mal besser.
Ein Schlumpf stand zur Begrüßung bereit 😉

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An einem Stand entdeckte ich den Comic zu dem Schlumpf-Plakat, das ich freitags fotografiert hatte. Und als sich dann noch herausstellte, dass der Zeichner gerade am Stand war, habe ich mir den Comic gekauft. Solch eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Am ARD Forum hatten wir an diesem Tag gleich zwei besondere Erlebnisse.

Als wir dort vorbeikamen, hielt gerade Literaturkritiker Denis Scheck Hof. Das ist der Herr, der über Sebastian Fitzeks “Passagier 23” gesagt hat, wenn man dieses Buch mag, dann wäre man entweder tot oder mit dem Autoren verwandt. Also wir sind weder das eine, noch das andere und mögen das Buch trotzdem. Herr Scheck dagegen ist seither nicht gerade ein Sympathieträger für uns…

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Etwas später fand im ARD Forum eine Lesung aus “Biene Maja” statt. Dass wir dabei stehenblieben war eher ein Zufall, aber das Gehörte haute zumindest mich echt um. Ich glaube, ich muss das Buch unbedingt mal lesen. Bisher kenne ich nur die Friede-Freude-Eierkuchen-TV-Serie von früher, in der alles immer so schön ist. Die “Biene Maja”, von der wir auf der Messe hörten, hätte mit Fug und Recht eine FSK 16 verdient gehabt. Wahnsinn!

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Nach ein paar weiteren Besuchen an kleineren Ständen und dem Ausflug in Halle 4, die wir am Vortag ausgelassen hatten, machten wir uns auf den Weg in Halle 5 zur Autorenbuchhandlung. Dort würde Ursula Poznanski eine Signierstunde veranstalten.
Wahnsinn, was für ein Andrang! Locker eine halbe Stunde konnten wir den Signiertisch vorne noch nichtmal sehen, geschweige denn Ursula Poznanski!
Aber wir wurden prima unterhalten von der Menschenmasse am Signiertisch nebenan. Welch ein Gedränge, Gekreische, Handygeknipse! Wofür? Für zwei halbwüchsige Jungs, die letztlich auf den Signiertisch stiegen um Fotos von sich und der Masse zu machen. Wer bitte war das? Zwei Youtuber, mehr erfuhren wir nicht.

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Am Signiertisch angekommen

Danke für das signierte Buch, die beeindruckende Ruhe und das offene und sympathische Lächeln, Ich glaube, mir wäre beides in Ursula Poznanskis Situation längst vergangen gewesen.

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Zwei Tische weiter signierte gerade Krimi-Autor Horst Eckert.

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Als wir vom Signiertisch kamen, wurden gerade die beiden Youtube-Jungs quasi zur Hintertür herausgeführt. Einer von ihnen musste das Mädchen neben uns versehentlich berührt haben, woraufhin es zu Boden sank…
Wer zum Henker waren diese Youtuber?!

DSC08206An diesem Plakat machten wir uns kundig

Es waren also Taddl & Ardy.
Das half uns auch nicht weiter, also machten wir uns auf zum Ullstein Verlag um das Buch der beiden zu besichtigen. Doch das war restlos ausverkauft. Man hatte nur ein Präsentationsexemplar, in das wir einen kurzen Blick werfen durften.
“Wenn Sie sich beeilen, treffen Sie die beiden noch in der Buchhandlung Ludwig. Oder Sie schauen einfach auf Youtube!” riet man uns.
Beeilt haben wir uns nicht, aber abends bei Youtube geschaut.
Wer nun auch neugierig ist: schaut wirklich am besten auf Youtube. Mehr sage ich dazu nicht.

Da wir am Abend noch zu einer Veranstaltung wollten, zu der man sehr früh vor Ort sein msusste, neigte sich der zweite Messetag langsam seinem Ende zu. Noch ein Spaziergang zur und in die Glashalle…

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Und das eine oder andere Foto mit flauschigen Gesellen…

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Cool, oder? Also, die Kuh und der Hund!

DSC08223Und der auch!

Ein Blick bei Droemer Knaur lohnt einfach immer. Als wir auf dem Rückweg dort entlang kamen, wurde gerade Autorin Gabriella Engelmann interviewt.

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Auch der zweite Tag auf der Messe war rundum gelungen. Über gewisse Dinge ärgere ich mich inzwischen gar nicht mehr. Da staune ich dann nur noch. Das ist so sicher viel gesünder…

Im Pyjama um halb vier (Gabriella Engelmann / Jakob M. Leonhardt)

impyjamaLulu macht sich bei Facebook auf die Suche nach dem Ben, den sie auf der letzten Party kennengelernt hat. Sie findet … einen anderen, mit dem sie von nun an jeden Tag chattet. Sie erzählen sich Dinge, die sie sonst niemandem erzählen würden. Dinge, die unter normalen Umständen unausgesprochen bleiben. Und plötzlich entstehen Gefühle, gegenüber diesem Fremden, den man eigentlich gar nicht kennt.

Gabriella Engelmann hat eine große Fan-Gemeinde. Ich kenne einige ihrer modernen Märchen und sie gefallen mir auch ganz gut, aber als Fan würde ich mich deshalb nicht bezeichnen. Trotzdem bin ich immer neugierig auf Bücher von ihr, und so habe ich mich bei diesem Buch ziemlich von der Begeisterung der Fans mitreißen lassen. Zudem versprach mir der Klappentext eine schöne Liebesgeschichte (dafür bin ich immer mal zwischendurch zu haben) und es gefiel mir auch, wie modern die Geschichte ist mit diesem Chat, mit dem alles seinen Anfang nimmt.
Für die angepeilte Leserschaft gefällt mir das ebenfalls ganz gut. Im Teenageralter ist man viel im Internet und auch bei Facebook unterwegs, da ist eine Geschichte, die alleine dort spielt sicher attraktiv. Außerdem beantwortet diese Geschichte durch den ständigen Wechsel zwischen Lulu und Ben und ihren jeweiligen Problemen mit dem anderen Geschlecht, den jugendlichen Lesern sicher auch die eine oder andere Frage in dieser Richtung. Ich denke, es werden überwiegend weibliche Leser sein, und die lernen durch Ben sicher auch etwas darüber, wie Jungs ticken. So gesehen dürften aber auch Jungs gern mal reinlesen, sie könnten von Lulu sicher auch eine Menge lernen.
Meine Begeisterung hält sich allerdings doch in Grenzen. Das liegt vor allem an den beiden Hauptcharakteren Lulu und Ben. Ich mochte die beiden zwar recht bald, trotzdem war mir ihr Wesen irgendwie zu unausgewogen. Will heißen, mal ist Lulu zB wahnsinnig naiv, dann wieder schreibt sie erstaunlich tiefgründige Nachrichten. Das passt einfach nicht zusammen. Genauso wenig passt es, dass der gerade mal siebzehnjährige Ben sich oft ausdrückt als wäre es gut und gerne mindestens zehn Jahre älter. Ich habe wahrlich nichts dagegen, wenn Teenager in Büchern keine Hohlbirnen sind, aber dieser Eindruck sollte dann auch durchgängig vorhanden sein. Das schließt ja Späße und einen lockeren Ton nicht zwangsläufig aus! Aber das war er hier eben nicht.
Die Handlung um die mal mehr, mal weniger gut laufenden Liebesbeziehungen fand ich an sich ganz unterhaltsam. Ich habe ein Faible für Teenie-Lovestorys und entsprechend habe ich die Handlung vergnügt verfolgt. Anlass zum Schmunzeln gibt es auch immer mal wieder, so macht das einfach Spass. Außerdem habe ich mich wirklich lange gefragt, wann, ob und wie Lulu und Ben zu einander finden würden. Denn danach klingt es lang eigentlich gar nicht. Erst ab einem bestimmten Punkt wird deutlich, dass sich da doch bei beiden etwas angesponnen hat, und ich fand es wirklich süß, wie sich es sich und einander so ganz vorsichtig eingestehen.
Doch natürlich läuft das alles nicht ganz so glatt ab, wie man es sich wünscht. Für Ben gibt es schon realtiv früh den ersten “Schlag ins Gesicht”, und schon da dachte ich, dass die beiden das nicht packen würden. Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass sie mit dieser Krise doch klarkommen. Später erlebt dann Lulu ein ganz böses Erwachen! Und auch wenn das somit ausgewogen ist, es wirkte auf mich auch ein wenig erzwungen. Ich hätte das eigentlich nicht noch gebraucht und wäre schon früher mit einem glücklichen Pärchen zufrieden gewesen 😉 Doch es gibt diese Wendung nun einmal und immerhin führt sie zu einem wirklich schönen Ende, das vielversprechend für die beiden ist und Hoffnung macht.

Ben und Lulu unterhalten sich in Chats und Kurznachrichten. Das sieht man den Seiten des Buches auch an. Mir hat das so gefallen mit den Icons, den Trennlinien und Smilies hier und da. Sowas liest sich einfach runter wie nix! Und es ist mal etwas anderes.

Ich mag keine Füße! Davon abgesehen gefällt mir das Cover aber gut. Schön hell mit fröhlichen Farben und einem Titel, der sofort neugierig macht. In den Inneklappen der vorderen Broschur kann man schon mal probelesen, was einen im Buch erwartet.

Fazit:  Ich muss leider sagen, dass ich mir von diesem Buch mehr versprochen hätte. Obwohl mir die Idee einer so modernen Liebesgeschichte im WWW durchaus gefällt. Ich hab’ meinen Freund auch aus dem Netz gfischt ;), das ist heutzutage sicher etwas völlig normales für die junge Leserschaft. Es gab viele Details, die ich einfach süß fand und speziell als Lulu und Ben merken, dass da mehr ist, wurde es doch schön kribbelig. Allerdings hatte ich große Probleme mit den unausgewogenen und oft wenig glaubhaft gestrickten Hauptcharakteren. Das hat mir die Freude an der Geschichte dann doch ziemlich getrübt.


Titel: Im Pyjama um halb vier
Autor: Gabriella Engelmann
Seiten: 237
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067933
Preis: € 12,99 (Broschiert)

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Küss den Wolf – Rotkäppchens zauberhafte Lovestory (Gabriella Engelmann / Josefine Preuß)

Titel: Küss den Wolf – Rotkäppchens zauberhafte Lovestory / Verlag: Der Audio Verlag / Spielzeit: ca. 189 min (3 CDs) / Buch: Gabriella Engelmann / gelesen von: Josefine Preuß

Inhalt: Pippa ist verliebt! In Leo, den attraktivsten Gartenbaustudenten, den die Welt je gesehen hat. Glücklich wie noch nie macht sie sich auf den Weg zu ihrer Oma. Doch in deren idyllischem Waldhäuschen geht irgendetwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zu. Dort passiert eine unerklärliche Katastrophe nach der anderen. Ob der mysteriöse Marc etwas damit zu tun hat?


Nachdem mir “100 Jahre ungeküsst – Dornröschens bittersüße Liebesgeschichte” bereits gefallen hatte, war ich natürlich auch auf “Küss den Wolf” neugierig. Dieses Mal hat Gabriella Engelmann das Märchen von “Rotkäppchen” ins Heute geholt und es in einer modernen Geschichte für junge Hörerinnen verarbeitet. Das Märchen trifft man dabei in seinen wesentlichen Merkmalen wieder an. So trägt die 16jährige Pippa zwar keine rote Kappe, hat aber feuerrote Haare. Sie hängt sehr an ihrer Großmutter, die in einem kleinen Waldhaus lebt. Dort gehen seit Kurzem seltsame Dinge vor sich. Unter Pippas Freunden scheint der böse Wolf zu stecken, der hinter diesen Vorfällen steckt. Doch wer ist der Wolf? Hier mischen dann Krimielemente ganz ordentlich mit. Ist es Pippas große Liebe Leon, der ihre Oma und andere alte Leute terrorisiert? Muss Pippa sich bedroht fühlen? Oder steckt jemand anderes dahinter? Das ist spannend, und auch wenn ich mich für in Sachen Krimi recht geübt halte, war ich doch -genau wie Pippa- bis zum Ende hin im Zweifel darüber, wer der Wolf im Schafspelz ist. Glücklicherweise ist Pippa aber nicht alleine in diesem Drama. Sie hat gute Freundinnen und zudem noch Unterstützung von weniger irdischen Geschöpfen. Was habe ich über Holla gelacht! Eine der genialsten Ideen und Namensschöpfungen der ganzen Geschichte! Ein wenig Fantasy ist also ebenfalls gegeben.

Mit Josefine Preuß als Sprecherin hat man eine gute Wahl getroffen. Mit ihrer jugendlichen Stimme passt sie gut zu Pippa. Sie lässt sie sehr sympathisch, aufgeweckt und auch ein wenig frech klingen. Beeindruckt hat sie mich damit, wie schnell ihre fröhliche Stimme ins Gegenteil, ins Düstere und Bedrohliche wechseln kann, wenn sie die Passagen aus Sicht des Wolfes liest.

Auf dem Cover findet man den Wald wieder und die Farbe Rot natürlich auch. Wenn auch bei Stiefeln und Tüten, statt bei Haaren oder einer Kappe. Trotzdem passt es gut zum Titel. Und immerhin die Leckereien hat dieses Rotkäppchen dabei, allerdings modern in einer Einkaufstüte und nicht in einem Korb. Ein schönes und freches Motiv.

Fazit: Ich habe “Küss den Wolf” mit dem größten Vergnügen gehört. Eine schöne moderne Version des “Rotkäppchen”, in der sich ein waschechter Krimi verbirgt, gewürzt mit einfallsreichen und witzigen Fantasyelementen. Fans von Gabriella Engelmanns modernen Märchen dürfen hier wieder unbesorgt zugreifen!

100 Jahre ungeküsst – Dornröschens bittersüße Liebesgeschichte (Gabriella Engelmann / Marie Bierstedt & Sven Hasper)

Titel: 100 Jahre ungeküsst – Dornröschens bittersüße Liebesgeschichte / Verlag: Der Audio Verlag / Spielzeit: ca. 199 min / Buch: Gabriella Engelmann / gelesen von: Marie Bierstedt, Sven Hasper

Inhalt: Rosalie Dorn ist glücklich! Sie ist von zu Hause ausgezogen, hat ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau angefangen und sich Hals über Kopf in René Prinz verliebt. Doch es gibt ein Problem: Auf Rosalie lastet ein Fluch, der besagt, dass ihr siebzehnter Geburtstag in einer Katastrophe enden wird. Aber Rosalie glaubt nicht an Märchen zumindest bis zur Nacht vor ihrem Geburtstag, als sie das verbotene Turmzimmer des Schlosshotels betritt.


Nach Alex Flinns “Beastly” und “Kissed” haben wir hier eine Märchen-Adaption einer deutschen Autorin. Wie der Titel verrät, hat sich Gabriella Engelmann “Dornröschen” vorgeknöpft und ins Heute transferiert. Sehr zimperlich ist sie dabei nicht zu Werke gegangen. Schon die Namen “Rosalie Dorn” und “René Prinz” lassen einen schnell erahnen, wohin der Hase läuft. Und so realitätsnahe die Story sonst ist, dass da plötzlich eine Tante zur Taufe der jungen Rosalie auftaucht und im Wohnzimmer mal so eben einen Fluch auspricht, das muss man dann halt einfach so akzeptieren. Danach allerdings ist bis auf wenige Elemente wie z.B. ein Turmzimmer im Hotel nicht mehr viel von der märchenhaften Grundlage zu spüren. Vielmehr bekommt man eine so richtig typische Teenie-Lovestory zu hören. Mit allen Irrungen, Wirrungen, Missverständnissen, Turbulenzen, leidenschaftlichen Küssen und Tränen, die einfach dazu gehören. Man sollte schon eine gewisse Toleranz gegenüber Kitsch mitbringen um die Geschichte so richtig genießen zu können. Für meinen Geschmack hätte es gerne eine Spur witziger zugehen können, mehr als ein Schmunzeln hier und da war leider nicht drin. Aber vergnüglich ist “100 Jahre ungeküsst” auf jeden Fall.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Rosalie und René erzählt. Dabei leiht Marie Bierstedt Rosalie ihre Stimme, während Sven Hasper René zum Leben erweckt. Marie Bierstedt steht der Part von Rosalie sehr gut. Sie trifft genau den richtigen Ton für das Mädchen: symapthisch, pfiffig und verliebt-kitschig. Sven Hasper hat mir als René ebenfalls gefallen. Auch er klingt symapthisch und hin und wieder auch eine Spur vornehm, wie es sich für einen “Prinzen” ja auch gehört.

Ich mag ja solche Schattenriss-Designs für Cover unheimlich gerne. Das war auch das Erste, wodurch mir dieses Hörbuch auffiel. Dieser Look zieht sich durch das gesamte Booklet und selbst die CDs sind so gestaltet. Mit den Dornenranken und den Schlössern wird dem Märchen Rechnung getragen, während die halbe Mädchengestalt doch sehr modern wirkt. Eine schöne Mischung.

Fazit:   Eine unterhaltsame Märchen-Adaption mit relativ hohem Kitschfaktor. Wer slche Geschichten mag, sollte hier ein Ohr riskieren.

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