Gefühle

Das Seelenleben der Tiere (Peter Wohlleben / Peter Kaempfe)

Titel: Das Seelenleben der Tiere / Verlag: der Hörverlag / Spielzeit: ca. 327 min, 2 ,p3-CDs / Buch: Peter Wohlleben / gelesen von: Peter Kaempfe

seelenlebenInhalt: Fürsorge bei Eichhörnchen, treue Liebe bei Kolkraben, Mitgefühl bei Waldmäusen und Trauer bei Hirschkühen – sind das nicht Gefühle, die allein dem Menschen vorbehalten sind? Der passionierte Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben lehrt uns das Staunen über die ungeahnte Gefühlswelt der Tiere. Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und anschaulicher Geschichten nimmt er uns mit in eine kaum ergründete Welt, zeigt die komplexen Verhaltensweisen der Tiere im Wald und auf dem Hof, ihr emotionales und bewusstes Leben. Und wir begreifen: Tiere sind uns näher, als wir je gedacht hätten.


Es gibt Themen, da frage ich mich ernsthaft, muss es dazu wirklich noch Bücher / Hörbücher geben? Das müsste doch eigentlich jedem vernünftig denkenden Menschen glaskar sein. Dazu zählt zweifellos auch dieses Hörbuch. Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass Tiere ein Seelenleben, Gefühle und ihren eigenen Charakter haben!
Peter Wohlleben belegt diese These hier noch einmal mehr als deutlich. Als Förster hat er nicht nur einen Bezug zu Haustieren, sondern auch zu zahlreichen Wildtieren. Damit hat er die besten Möglichkeiten, alle möglichen Tiere zu beobachten. Entsprechend geht es hier auch nicht nur um Hund, Katze und Maus, sondern auch um beispielsweise Eichhörnchen, Kolkraben und Hirschen. Er schildert ihr Verhalten in verschiedenen Situationen und belegt damit, inwiefern die Tiere in diesen Momenten Gefühle zeigen.
Alleine von daher wären für mich alle Zweifel daran schon aus der Welt, doch für die großen Zweifler werden Peter Wohllebens Erklärungen noch wissenschaftlich untermauert. Es ist also eindeutig kein Hokuspokus, den er hier behauptet. Alles ist verständlich, nachvollziehbar und logisch.
Mich hat das Hörbuch trotzdem nochmal richtig beeindruckt. Obwohl ich vorher schon vom Seelenleben der Tiere überzeugt war. Vor allem, weil man sich mit Wildtieren allgemein ja doch nochmal weniger befasst als mit Haustieren. Schande über mich!
Ich denke, dieses Hörbuch wird auch die größten Skeptiker zumindest beeindrucken und zum Nachdenken anregen. Es ist wirklich eindringlich und einfühlsam erzählt, sodass man sich sogar in die Tiere einfühlen kann, von denen hier erzält wird. Wirklich beeidruckend!

Gelesen wird das Hörbuch von Peter Kaempfe. Ich habe seiner angenehm tiefen Stimme gerne gelauscht. Er bringt die Emotionen, die in dieser Erzählung stecken, ebenso gut an den Hörer, wie auch den feinen Funken für Humor, mit dem Peter Wohlleben berichtet. So fällt das Zuhören angenehm leicht, was bei einem solch langen Hörbuch sicher nicht schaden kann.

Wenn man das Reh auf dem Cover betrachtet, mit diesem neugierig-vorsichtigen Blick, dann dürften eigentlich niemandem Zweifel daran kommen, dass es eine Seele und Gefühle hat. Eben wie ein Mensch auch. Daher gefällt mir das Motiv zu dieser Erzählung wirklich gut. Und schön ist es obendrein, dass kein Hauster für das Cover ausgewählt wurde.

Fazit:  Für Tierfreunde ein Pflicht-Hörbuch! Aber wie ich finde, auch ein tolles Geschenk für die Zweifler am Seelenleben und den Gefühlen von Tieren. So schön einfühlsam und eindringlich erzählt, so logisch und wissenschaftlich untermauert und so unterhaltsam, dass nach dem Hören alle Zweifel ausgeräumt sein müssten.

Ich und die Menschen (Matt Haig)

ichundiemenschenIn einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

Bis ich dieses Buch auf der Buchmesse zufällig entdeckte, hatte ich noch nichts davon gehört. Und das, wo mir Matt Haigs “Die Radleys” doch so ausnehmend gut gefallen haben! Da war es natürlich keine Frage, dass ich auch “Ich und die Menschen” lesen würde.
Für mich teilt sich die Geschichte ziemlich genau in zwei Teile. Im ersten Teil lernt man Professor Andrew Martin kennen, der nackt eine Autobahn entlang und durch die Stadt wandert. Das tut er, weil er gar nicht mehr Andrew Martin ist. Er wurde nämlich von einem Außerirdischen übernommen, der von einem weit entfernten Stern kommt und von überragender Intelligenz ist. Insbesondere Letzteres macht eigentlich klar, dass er von den Menschen nicht viel halten kann.
Tut er auch nicht! Ganz entschieden nicht! Mir hat dieser Teil der Geschichte richtig gut gefallen. Der neue Andrew Martin hat ein wunderbar feines Auge für all die kleinen Eigenarten und Schwächen, die die Menschen auszeichnen, und er bringt sie gekonnt und höchst amüsant auf den Punkt. Ich habe wirklich oft Tränen gelacht. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man so den Spiegel vorgehalten bekommt, denn natürlich findet man sich selber hier und da auch wieder. Wenn man so etwas mit Humor nehmen kann, dann ist dieser Teil der Geschichte das reinste Vergnügen.
Doch der echte Andrew Martin hatte natürlich auch eine Familie: Frau und pubertierenden Sohn, und mit ihnen muss sich nun auch der neue Andrew Martin arrangieren. Auch das fand ich oft sehr witzig, aber ebenso oft tat er mir leid, wenn er wegen etwas aufläuft, dass er schlichtweg als Außerirdischer nicht richtig einschätzen kann. Doch nach und nach findet er sich ein und es war schön und nahezu rührend zu verfolgen, wie er eine Beziehung zu der Familie und ein paar Familienfreunden aufbaut.
Darüber hätte ich beinahe vergessen, dass der echte Andrew Martin keineswegs willkürlich übernommen wurde. Der Außerirdische hat einen klaren Auftrag, was er auf der Erde als Andrew Martin zu erledigen hat. Und das ist alles andere als erfreulich für Frau und Sohn. Zwischen den Kapiteln erinnern Gespräche zwischen dem Außeriridischen und seinen Leuten konsequent daran, doch irgendwann konnte ich mir nicht mehr vorstellen, dass er es durchziehen würde.
Etwa an diesem Punkt kam für mich der Bruch. Plötzlich war die bisherige Leichtigkeit der Geschichte fast komplett verschwunden. Gewitzte Kommentare gab es kaum noch. Natürlich ist es klar, dass es nicht mehr so lustig zugehen kann, wenn durch den Auftrag etwas so Wichtiges auf dem Spiel steht und auch von Seiten seiner außerirdischen Leute an Andrew Martin gezerrt wird, aber ganz ehrlich: ein paar Mal mehr hätte ich auch in diesem Teil gerne noch gelacht.
Dafür wird es aber wenigstens spannend, denn alsbald muss Andrew Martin einsehen, dass er keine eigene Handhabe mehr über seinen Auftrag hat. Er gerät in Lebensgefahr, und ich habe mich ehrlich gefragt, wie diese Sache noch jemals gut würde enden können.

Anfangs las sich das Buch weg wie nichts. Alleine deshalb, weil ich solchen Spass damit hatte und so über Andrew Martins Ansichten lachen musste. Die Kapitel lockten obendrein mit Titeln, die neugierig machten. Da flogen die Seiten nur so dahin. Nach besagtem “Bruch” wurde es dann schwieriger. Die plötzliche Ernsthaftigkeit hat mein Lesetempo ganz schön ausgebremst. Und so habe ich dann doch länger für das Buch gebraucht als eingangs gedacht.

Das Cover finde ich einach wunderschön mit den tollen Blautönen, dem riesigen Erdball und darunter die schlanke Gestalt mit Schirm und Hund auf einem anderen Planeten. Das Motiv strahlt Ruhe aus und wirkt sehr stilvoll. Ein schöner Blick auf die Erde.

Fazit:  In der ersten Hälfte war ich restlos begeistert von der Geschichte, weil sie so herrlich lustig ist, dass ich mehrmals Tränen darüber gelacht habe. Die außerirdischen Ansichten über die Menschen sind ja leider oft so wahr! Und auf diese humorvolle Art lasse ich mir immer gerne den Spiegel vorhalten. In der zweiten Hälfte geht leider ein Großteil des Humors verloren, dafür wird die Geschichte hier dramatischer und spannender. Ich hätte dennoch auch hier gerne noch gelacht, wenigstens ab und zu. Deshalb lag mir dieser Teil nicht so sehr.

Vielen Dank an den DTV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Ich und die Menschen
Autor: Matt Haig
Seiten: 352
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260145
Preis: € 14,90 (Broschiert)

amazonbutton

Wild (Lena Klassen)

wildGezähmte Gefühle. Eine Welt ohne Krankheit und Kummer. Kein Leid und keine Leidenschaft. Einmal wöchentlich bekommt jeder in “Neustadt” seine Glücksinjektion. Trotzdem ist die siebzehnjährige Pi nicht so glücklich wie alle anderen. Stimmt etwas nicht mit ihr? Oder warum darf sie nicht mit Lucky zusammen sein, ihrem besten Freund? Anders zu sein ist gefährlich, denn hinter dem Zaun, der “Neustadt” umgibt, liegt die Wildnis. Dort herrschen noch Krankheit und Gewalt – und dorthin werden alle verbannt, die aus der Reihe tanzen. Dann geschieht etwas Unfassbares: Die Glücksdroge versagt. Und plötzlich steht Pi vor der Entscheidung ihres Lebens: Liebe oder Freiheit?

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung. Mit seinem schönen Cover hat es mich sofort aufmerksam und neugierig gemacht. Ich bin zwar für Dystopien kaum mehr zu haben, doch “Wild” war mir eine Ausnahme wert.
Quasi der erste Teil belohnte mich für diese Ausnahme. Pis Welt und die ihrer Freunde gefiel mir gut. Sie ist schön modern und oft sogar sehr fututristisch. So nutzen die Kids zB sogenannte “Toms”, eine Art supermodernes Handy. Und sie fahren Autos, denen man nur noch sagen muss, wohin man möchte. Das sind Elemente einer Zukunft nach meinem Geschmack. Zudem leben die Kids nicht wesentlich anders als heute. Freunde, Partys und die Schule spielen die wichtigsten Rollen für sie. Man liest genau genommen eine weitgehend normale Teenager-Geschichte. Das ist etwas, das ich mag.
Das Besondere an Pis Welt ist, dass jeder regelmäßig etwas gespritzt bekommt, dass die “Welle” genannt wird. Eine Substanz, die die Menschen glücklich macht. Andere Empfindungen gibt es dadurch nicht. Keine Trauer, keine Angst, keine Zweifel. Ich muss gestehen, dass mir das zunächst gefallen hat. Mir sind auf unechte Weise glückliche Charaktere allemal lieber als solche, die niedergeschlagen im Elend leben. Solche trifft man in diesem Genre ja viel häfuiger an.
Doch bald ereignen sich einige grausige Unfälle. Und wenn man dann mitbekommt, wie gelassen die meisten Menschen dank der “Welle” darüber hinweg gehen, kommt man doch ins Grübeln und kann ein Schaudern kaum verhindern.
Das größte Problem ist jedoch, dass die “Welle” bei Pi nicht wirkt. Das ist gefährlich, das sie deshalb auffällig werden könnte. Dann würde man sich in die Wildnis schicken. Die waldige Gegend jenseits des Zauns, der die Stadt umgibt. Dorthin werden beispielsweise auch Verbrecher gebracht.
Und auch wenn man in der Stadt das Geüfhl der Angst nicht kennt, weiß man doch, dass es dort gefährlich ist. Da aber nicht nur Pi Gefühle an sich entdeckt, sondern auch einige ihrer Freunde, und da sie erkennen müssen, dass Gefühle auch schön sein können, planen sie ihre Flucht in die Wildnis.
Das ist gefährlich und waghalsig. Daher gibt es gleich mehrere spannende Szenen, deren Verlauf schlicht grausig und brutal ist.
Letztlich verschlägt es nur Pi und ihren Kumpel Orion in die Wildnis.
Ich muss gestehen, dass ich mich ab diesem Punkt schwerer mit der Geschichte getan habe als noch zu Beginn. Leben im Wald, Menschen auf der Flucht, die ihre Nahrung erst erlegen müssen und Kräuter zur Heilung sammeln…das ist einfach nicht mein Ding. Schon mal lange nicht, wenn man eine solche Moderne wie in der Stadt noch in Erinnerung hat.
Da aber Pis Freund Lucky in der Stadt geblieben ist, bestand zum Glück noch eine Verbindung dorthin. Zudem ist es interessant zu verfolgen, wie Pi und Orion sich mit ihren Gefühlen arrangieren und anfreunden. Manchmal ist das schier unglaublich, wenn man liest, wie schwer sie sich mit Empfindungen tun, die für uns völlig normal sind. Beispielsweise die Liebe, die Pi für Lucky empfindet. Wobei ich ihre Entscheidungen in dieser Hinsicht oft nicht nachvollziehen konnte. Ja, sie liebt ihn, aber von seiner Seite kam für mich so gut wie gar nichts von diesem Gefühl rüber. So ging mir Pi mit ihren “Lucky hier, Lucky da” schnell auf die Nerven. Vor allem weil sie in der Wildnis nicht das schlechteste Leben hat, so schlicht es auch ist.
Doch Gefühle folgen ihrer eigenen Regie und so kommt es zu einem spannenden Finale, bei dem ungeahnte und erschreckende Tatsachen ans Licht kommen. Da kann man nur ungläubig und fassungslos den Kopf schütteln. Und sich freuen, dass man heute alle nur denkbaren Gefühle haben darf und glücklich, traurig oder wütend sein darf, wann man möchte. Ich habe mir darüber noch nie Gedaken gemacht, aber eine Welt ohne Gefühle kann ehrlich gefährlich und grausig sein. Das führt einem “Wild” gut vor Augen.

Anfangs lässt sich “Wild” zügig lesen. Doch als die Unfälle geschehen und waährend der Zeit in der Wildnis sollte man sich Zeit dafür nehmen. Nur so entfaltet die Geschichte ihre volle Wirkung. So erschreckend diese oft auch ist.

Ich mag das Düstere mit den leuchtenden Farben besonders an diesem Cover. Aber auch der geheimnisvolle blick des Mädchens, der zwischen Schüternheit und Aufbegehren schwankt, zieht sofort Aufmerksamkeit auf sich. Er gibt Pis Gefühlswelt gut wider.

Fazit: Mir hat “Wild” gut gefallen, das es in einer futuristischen Welt spielt und zunächst eine recht normale Teenager-Geschichte ist. Zudem fand ich die Problematik mit den Gefühlen interessant und unerwartet erschreckend. Gerade, weil Gefühle für uns so normal sind. Erstaunlich welch ein Chaos Gefühle bei jemandem verursachen können, der sie nicht kennt. Das hat mich über die “Wildnis”-Kapitel hinweggetröstet, die nicht so Meins waren.

Vielen Dank an den Drachenmond Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Wild
Autor: Lena Klassen
Seiten: 384
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3931989798
Preis: 14,90 (Broschiert)

amazonbutton

Glits (Robert Wolfe)

glitsWie aus dem Nichts ist es da. Dieses Wesen, das sie den Glits nennen. Mit einer Stimme, die an die Gesänge von Walen erinnert. Und einer Kraft, die jeden verändert. Von Grund auf. Für immer. Auch Jay, den Eigenbrötler. Und Rachel, die stets kurz vorm Explodieren ist. Als die Staatsmacht den Geheimdienst aktiviert, um den großen Unbekannten auszuschalten, und die Presse eine Jahrhundertsensation wittert, starten Jay und Rachel zu einem Roadtrip quer durchs Land. Mit dem Glits an ihrer Seite.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung und irgendwie machte der Klappentext mich neugierig.
Allerdings war ziemlich schnell klar, dass “Glits” nicht mein Buch sein würde. Der erste Grund dafür ist sprachlicher Natur. Dazu aber später.
Grund Nummer 2 sind die Charaktere. An sich mag ich Charaktere wie Jay: ruhig, schüchtern und anderen Menschen gegenüber nicht sonderlich offen. Aber Jay hat auch Angewohnheiten, mit denen ich gar nicht klarkam bzw die ich in diesen Momenten nicht logisch fand. Vor allem aber gingen seine Gedanken für mein Empfinden sehr oft unerklärliche Weg. Ich habe häufig gar nicht verstanden, wie er gerade auf diesen Gedanken kommt.
In dieser Hinsicht kam mir Rachels Wesen eher entgegen. Bei ihr wusste ich wenigstens immer, woran ich war! Dafür ist Rachels großes Manko ihre ewig schlechte Laune und dass sie stets auf Krawall gebürstet ist. Keine Charakterzüge, mit denen ich warm werde. Jedenfalls nicht, wenn sie sich durch die komplette Geschichte ziehen. Das zieht runter und hat mir selber ebenfalls schlechte Laune beschert.
Ich schätze aber mal, dass die beiden Charaktere ganz bewusst so angelegt sind (was es für mich aber weder besser noch leichter machte), denn nur mit solchen Persönlichkeiten kann eine Geschichte wie “Glits” funktionieren. Denn der Glits, dieses wundersame Wesen, nimmt Einfluss auf Menschen und ihre wie auch immer gearteten seelischen Querelen.
Auf solch ein Wesen sind selbstverständlich auch die Presse, Wissenschaftler und Geheimdienste scharf. In erster Linie um ihn auszuschalten. Denn niemand von ihnen kann mit ihm kommunizieren, ihn verstehen. Das können nur Jay, Rachel und eine Handvoll anderer Kids. Und was einem Verein wie dem Geheimdienst nicht geheuer ist, das ist per se erstmal gefährlich und muss weg.
So beginnt für Jay und Rachel eine gefährliche Flucht mit dem Glits. Das könnte an sich eine spannende Angelegenheit sein. Allerdings haben mir einige Dinge solche Probleme bereitet, dass Spannung bei mir keine Chance hatte.
Das fing schon beim Glits selber an, der als zwergenhaft klein beschrieben wird, mit einem durchsichtigen Körper wie flüssiges Glas, das in ständiger Bewegung ist. Bitte, wie soll man sich das vorstellen? Vor allem den fließenden Körper? Mir ist das unglaublich schwer gefallen und schließlich sah der Glits in meiner Vorstellung aus wie ein farbverirrter, durchsichtiger Slimer (Ghostbusters). Und ich gehe mal schwer davon aus, dass das so nicht gedacht war. Aber ich brauche an einer wie auch immer gearteten Figur etwas, mit dem ich mir eine Vorstellung machen kann. Mit der Beschreibung vom Glits konnte ich das nicht, so kam es zu Slimer 😕
Der zweite wensentliche Grund waren die ganzen  geradezu surrealen Szenen, beispielsweise in einem Gang, der wie ein Gang aussieht, aber doch kein Gang im eigentlichen Sinne ist, oder auch ein Raum, der aufgrund gewisser Vorgänge darin seine Farbe wechselt. Ich habe das gelesen und auch verstanden, was ich da lese, aber es ergab schlichtweg keinen Sinn für mich. Dafür war es zu abgedreht und ich habe lange nicht mal ansatzweise geahnt, welche Botschaft sich  hinter dieser abgedrehten Erzählung verbirgt.
Die habe ich erst sehr spät erkannt, wobei ich jetzt mal einfach davon ausgehe, dass ich sie richtig erkannt habe. Dafür spricht Jays Wandlung im Laufe der Geschichte. Auf Rachel trifft meine “Vermutung” wiederum kaum bis gar nicht zu, was meine Vermutung schon wider Lügen straft. Genau deshlab erwähne ich sie hier lieber nicht. Nicht dass ich  falsche Erwartung an das Buch in die Welt setze.
Sollte ich richtig liegen, finde ich aber wenigstens, dass es eine schöne Botschaft für ein Jugendbuch ist. Immerhin ist die Pubertät eine schwierige Zeit, das wird kaum jemand bestreiten. Und besser als gute Ratschläge von Eltern sind sicher Tipps, die sich in einer Geschichte verbergen und denen somit -wie hier, das muss ich zugeben- zum Glück der mahnende und pädagogische Zeigefinger fehlt. Das regt wohl eher zum Nachdenken an.

Für mich las sich “Glits” ganz schön mühselig, und mehr als fünf Kapitel je Abend habe ich das nicht ausgehalten. Seltsame kurze Sätze, die an sich gar keine richtigen Sätze sind. Eigenartige Formulierungen. Aussprüche, deren Sinn sich mir erst nach wiederholtem Lesen erschlossen, wenn überhaupt. Es war ein sehr holpriger Lesefluss. Ob das an der Übersetzung liegt, kann ich nicht sagen. Aber an sich kann ich es mir nicht vorstellen.

Der orangefarbene Look ist sehr auffällig, und ich kann mir dehalb gut vorstellen, dass man beim Stöbern im Buchladen deshalb schnell mal nach diesem Buch greift. Die Optik gibt ja auch so gar nichts über den Inhalt her. Der Name des Autors ist so gedruckt, dass man den Eindruck hat, die Buchstaben wären in Bewegung und würden verschwimmen. Vermutlich muss man es sich so vorstellen, wenn man den Glits anschaut. Mir würde dabei im Nu übel werden.

Fazit: Wenn meine Vermutung über die Botschaft dieser Geschichte stimmt, dann finde ich sie für ein Jugendbuch wirklich gut gewählt. Ganz ohne Frage! Mir war das Geschehen trotzdem oft zu surreal, zu abgedreht und somit kaum wirklich greifbar. Mit Rachel bin ich gar nicht warm geworden, mit Jay höchstens so lau. Und vom Glits selber konnte ich mir den Beschreibungen nach einfach kein auch nur ansatzweise klares Bild machen, sodass ich die ganze Zeit mit einem völlig falschen “herumgelaufen” bin. Deshalb war “Glits” nicht mein Fall.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Glits
Autor: Robert Wolfe
Seiten: 288
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201735
Preis: € 13,95 (HC)

amazonbutton

© 2019 Frontier Theme