Genre Krimi & Thriller

Kaiserschmarrndrama (Rita Falk)

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen ›Mona‹ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Auf einen neuen Eberhofer freue ich mich immer schon Monate im Voraus. Ich habe die ganze Reihe verschlungen und natürlich musste da auch dieser neue Band her.
Es fällt mir wirklich schwer und ich sage es auch sehr, sehr ungern, aber zum ersten Mal hat mich eine Geschichte mit Eberhofer, seiner Familie und seinen Freunden mehr enttäuscht als begeistert.
Fangen wir bei dem neuen Fall für Eberhofer an. Der ist an sich gar nicht schlecht. In Niederkaltenkirchen scheint ein Serienmörder umzugehen. Innerhalb kürzester Zeit finden sich gleich mehrere gewaltsam getötete junge Frauen. Eine Spur führt geradewegs ins Internet, wo eine von ihnen einen mit höchst pikanten Videos ihr Geld verdient hat. Und obendrein stehen ausgerechnet der Simmerl und der Flötzinger ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Eberhofers besten Freunde lso. Brisanter geht es an sich nicht.
Mein Problem dabei besteht darin, dass ich rückblickend den Eindruck habe, dass Eberhofer zu den Ermittlungen am wenigsten beiträgt. Entweder scheucht er die armen Socken vom LKA durch die Gegend oder sein Kumpel Rudi wird eingespannt. Eberhofer selber habe ich gefühlt am seltensten bei irgendwelchen Nachforschungen erlebt. Das finde ich erstens schade und zweitens von der Figur einfach nur unverschämt. Ständig tönt er herum, welch hohen Posten er bekleidet, aber gerecht wird er dieser Position kaum. Er nutzt sie viel mehr aus.
So kam es dann auch, dass ich gar nicht mal Eberhofers Arbeit spannend fand, sonder mehr die, die zB der Rudi leistet. Auch wenn er sich bei Eberhofer & Co. anbiedert, wehleidig ist und auch mal nervt, aber er versteht seinen (ehemaligen) Job und kriegt darin etwas auf die Reihe.
Zum anderen kam es mir dieses Mal auch so vor als stehe der Fall fast kompeltt hintenan zum Geschehen in Eberhofers Privatleben. Natürlich war ich geschockt und traurig über die Sache mit dem Ludwig, gar keine Frage. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen ich Eberhofer absolut verstehen konnte.
Aber was den Hausbau auf dem Grundstück angeht, da konnte ich über ihn immer nur den Kopf schütteln. Dass er seine Macken hat, das weiß man, wenn man die Reihe kennt. Dass er an gewissen Gewohnheiten und Dingen unglaublich hängt, das ist auch bekannt und geht klar. Aber hier ist er dermaßen verbohrt, stur, boshaftund rücksichtslos, das hält man kaum aus. Das war das erste Mal, dass ich ihn überhaupt nicht mehr mochte. Ähnlich ging es mir auch mit der Oma. Zum ersten Mal fand ich sie absolut unmöglich mit ihren Faible für Sonerangebote, Coupons und Rabatte. Und die komplette Familie steht hinterher und applaudiert (bildlich gesprochen). Da für mich die größte Komik immer von Eberhofers Privatleben ausging, gab es dieses Mal auch nicht besonders viel zu lachen.
Ähnliches gilt für Erberhofers Umgang mit einigen Dingen, die seine Arbeit betreffen. Wenn man sich sonst alles andere als übernimmt und sich gerne mal durchschnorrt um zum Erfolg zu kommen und dann stolz die Lorbeeren einheimst, dann ist es sicher nicht angenehm zu sehen, wie Polizeiarbeit eigentlich aussieht. Aber dass er sich gebärdert wie ein bockiges kleines Kind und sich nicht anders zu helfen weiß als mit Rumschnauzerei, das ist schon wirklich sehr arm.

Wie gewohnt ist die Geschichte im dicksten Dialekt geschrieben, was mir nachwievor gefällt. Einige Redewendungen habe ich schon übernommen, weil ich sie so gerne mag. Außerdem liest es sich  wunderbar flüssig und locker, sodass man nur so durch das Buch fliegt. Viele Dialoge tragen ebenfalls dazu bei. Die Kapitel haben genau die richtige Länge. Nicht zu kurz, nicht zu lang. In dieser Hinsicht ist auch dieses Mal wieder alles top in Ordnung.

Das Covermotiv gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vor allem wegen dem Ludwig natürlich. Aber der Blick durch das Fenster verrät auch, dass der Hausbau voranschreitet. Und natürlich ist auch eine Pfanne mit Kaiserschmarrn zu sehen. Auf einem typisch bayerisch gemusterten Tischtuch, versteht sich.

Fazit:  „Kaiserschmarrndrama“ war für mich die erste Enttäuschung in der Reihe. Der Fall hat so gute Ansätze, steht aber hinter dem Geschehen in Eberhofers Privatleben sehr zurück. Und es sollte auch nicht so sein, dass ich die Arbeit anderer an dem Fall spannender und interessanter finde als Eberhofers Beitrag. Absoluter Knackpunkt ist aber er selber. Ich habe ihn trotz seiner Macken immer gemocht, aber hier ist er in vielerlei Hinsicht einfach nur unterträglich. Kauzig zu sein, ist eine Sache. Ein A**** zu sein, eine ganz andere. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, dann steige ich aus der Reihe aus. Ich hätte nie, nie, niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde.

——————————————————————-

Titel: Kaiserschmarrndrama
Autor: Rita Falk
Seiten: 301
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261920
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Der Tod stickt mit (Tatjana Kruse)

todsticktmitKommissar a. D. Siggi Seifferheld beobachtet verdächtige Gestalten in der Kunsthalle Würth zu Schwäbisch Hall. Sofort wittert er Kunstraub! Der Galerist, den er im Verdacht hat, wird allerdings kurz darauf ermordet. Während alle Welt an eine Beziehungstat glaubt und die Geliebte des Galeristen ins Visier der Polizei gerät, ermittelt Seifferheld auf eigene Faust, was ihn arg in die Bredouille bringt. Und das alles, während er erneut Großonkel wird, er fleißig an seinem Aufstieg zum bekanntesten stickenden Mann Deutschlands arbeitet und zusammen mit einer rassigen Ghostwriterin seine Autobiographie schreiben soll.

Obwohl ich die Seifferheld-Krimis bislang wirklich gerne mochte, hat dieses Buch doch unverzeihlich lange auf dem SUB geschlummert. Nun habe ich es endlich gelesen. Zugegeben: vor allem, weil ich Sehnsucht nach meinem Liebling Onis hatte 😉
Ich muss allerdings sagen, dass ich mich mit „Der Tod stickt mit“ lange eher schwer getan habe. Denn der eigentliche Krimi braucht ewig, ehe er endlich greifbar wird und wenisgtens ein bisschen in Schwung kommt. Obendrein fühlte er sich für mich gezwungen an. So nach dem Motto „Eigentlich könnte auch nur die Familiengeschichte das Buch füllen, aber die Leser kennen die Reihe als Krimirehe, also mus da irgendwie auch noch ein Krimi mit rein“.  Und das kann es in meinen Augen einfach nicht sein.
Das darf nun bitte nicht falsch verstanden werden! Ich mag die Handlung um Seifferheld und seine bunt zusammengewürfelte Familie wirklich gerne, aber sie darf den Krimi bzw den jeweiligen Fall nicht an den Rand der Geschichte drängen. Genau das ist hier leider geschehen. Ich war richtig froh als der Fall endlich mehr ins Zentrum gerückt wurde. Doch das geschieht erst wirklich sehr spät, quasi bereits zum Ende hin. Das ist einfach zu spät. Ein Krimi sollte bereits vorher spannend sein. Hier aber sabotiert das ganze Familiengedöns jegliche Krimispannung.
Dabei hätte der Fall meiner Meinung nach einiges an Potenzial gehabt. Ein ermordeter Galerist, verdächtige Personen, allerlei interessante Verbindungen zwischen ihnen. Das hätte alles an sich gehabt um Spannung aufkommen zu lassen und den Leser zum Mitknobeln zu ermuntern.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass mich dieses Mal auch jenes Familiengedöns nicht völlig begeistern konnte. Natürlich gibt es witzige Ideen wie zB der „Ausbruch“ der Trommler, Seifferhelds barfüßiges Gespräch mit seiner Ghostwriterin oder auch Onis‘ kleines Zipperlein. Es gibt aber eben auch Momente, die ich entweder eher peinlich oder aber viel zu überzogen bis albern empfunden habe. Den Anschlag auf die Küche beispielsweise oder auch Mariannes mehr als nervige Eifersuchtsanfälle und Klaus‘ sexuell desorientierte Eskapaden. Obendrein dreht sich hier für mich viel zu viel um die Kinder im Hause Seifferheld. So leid es mir tut, ich habe für ein dauerschreiendes Baby nichts übrig, geschweige denn, dass ich es witzig fände.

Wie gewohnt liest sich auch dieser Seifferheld-Band fix weg wie nichts. Ich mag Tatjana Kruses gewandte Art zu erzählen und ihren gewitzten Sinn für Humor. Die Kapitel haben genau die richtige Länge und verlocken mit Zitaten, Sprüchen und Artikeln aus dem Polizeibericht, eben doch noch eines mehr zu lesen. Obwohl man das Buch eigentlich für den Abend hatte beiseite legen wollen.

Einmal mehr ist auf dem Cover ein Gartenwerg zu sehen. Allerdings in eher unspektakulärer Pose und mit wenig krimimäßigem Hintergrund. Da haben mir die düster angehauchten vorigen Cover besser gefallen. Niedlich ist das Motiv aber auf jeden Fall. Und ein Hingucker ebenfalls. Nur einen Krimi würde ich dahinter auf Anhieb nicht erwarten.

Fazit: Leider ein für mich eher enttäuschender Band der Reihe, die ich sonst so gerne mochte. Der Krimi braucht ewig bis er in die Pötte kommt und wird im weiteren Verlauf leider immer wieder vom Seifferheld’schen Familienleben so weit an den Rand gedrängt, dass Spannung erst kurz vor Ende aufkommt. Und auch das Geschehen in der Familie konnte mich dieses Mal nicht so gut unterhalten. Einige Szenen waren mir zu übertrieben. So konnte ich darüber einfach nicht lachen. Schade. Ich hoffe, der nächsten Band ist wieder besser.


Titel: Der Tod stickt mir
Autor: Tatjana Kruse
Seiten: 288
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426514290
Preis: € 9,99

Die Flut (Arno Strobel)

Die Flut (Arno Strobel)Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist.

Es war bei mir schon immer so, dass Arno Strobels Psychothriller ein stetiges Auf und Ab waren. Einer richtig gut, dann einer nicht so dolle, dann wieder ein echter Hammer, dann wieder ein Schwächerer.
Entsprechend war ich natürlich neugierig auf „Die Flut“, denn trotz allem ist Arno Strobel ein Autor, von dem ich jedes Buch lesen möchte. Der Klappentext klang ja schon mal ganz nach meinem Geschmack.
Und damit hat er mir nicht zu viel versprochen!
Ich liebe solche super intelligenten Killer. Und je kranker ihre Mordmethoden, desto begeisterter bin ich. Da ich außerdem ein ziemlicher Wasserangsthase bin, habe ich die Idee dieses Mörders hier als besonders grausig empfunden. Und auch wenn es mich dabei so richtig schaudert und gruselt, ich liebe das! Das ist genau das, was ein (Psycho)thriller bei mir schaffen muss, damit er mir so richtig gut gefällt. Somit hatte „Die Flut“ bei mir schon mal direkt einen Stein im Brett.
Ferner gefiel mir die recht überschaubare Anzahl an wichtigen Figuren. Das hält mir eine Geschichte so manches Mal schön übersichtlich. Ich mag es gar nicht, wenn ich mich immer wieder fragen muss, wer das denn nochmal ist, über den ich gerade lese. Das Problem hatte ich hier gar nicht. Die beiden Pärchen bestehen aus vier sehr verschiedenen Charakteren, wodurch man sie nochmal alle gut unterscheiden kann. Und wodurch sich mancher auch verdächtig macht.
Zunächst hatte ich aber so ziemlich jede andere Person im Verdacht, die auf der Bildfläche erschien. Arno Strobel schickt eine Figur nach der anderen ins Rennen, und jede einzelne ist gleich nochmal verdächtiger als die anderen. So kann man wirklich sehr gut mitknobeln, wer der Täter sein könnte. Das hat „Die Flut“ für mich wirklich sehr spannend gemacht. Später scheint es dann auch noch möglich, dass jemand bei den beiden Pärchen falsch spielt…ich habe bis zuletzt hin- und her überlegt.
Und wäre sicher niemals auf die Idee gekommen, die die Auflösung dann präsentiert. Mir stand da wirklich vor Staunen der Mund offen. Auch das macht für mich einen guten (Psycho)thriller aus: wenn ich am Ende eine echte Überraschung geboten bekomme. Das hat „Die Flut“ absolut hinbekommen.
Lobenswert ist ebenfalls, dass hier das Inselflair und eine gewisse Urlaubsstimmung sehr gut rüberkommen. Ich habe mich manches Mal an den Strand von Amrum versetzt gefühlt und nun auch Lust darauf, wieder einmal ans Meer zu fahren. Es muss keine Insel sein, aber eben an die See. Und weil ich weiß, wie schön es dort ist, fand ich es umso schlimmer, was in der Geschichte dort vor sich geht. Ich empfinde es immer als besonders schrecklich, wenn so etwas Grausiges an einem so schönen Ort geschieht, wohin die Menschen fahren um dort eine gute Zeit zu verbringen.
Falls sich nun jemand fragt, wieso ich das „Psycho“ bis hierher immer in Klammern gesetzt habe, das hat natürlich einen guten Grund. Nämlich, dass ich die Geschichte mehr als einen richtig guten Krimi -meinetwegen auch Thriller- empfunden habe, aber das gewisse Etwas, das für mich einen Psychothriller ausmacht, hat mir doch gefehlt. Die Auflösung war zwar eine echte Überraschung, aber doch zu geradlinig. Für einen Psychothriller hätte sie nicht so leicht nachvollziehbar sein dürfen. Das ist schwer zu erklären. Ich hoffe, irgendwer versteht es.

Ich hatte „Die Flut“ innerhalb von drei Abenden ausgelesen. So lange habe ich auch nur gebraucht, weil ich am nächsten Morgen zeitig raus musste und deshalb das Buch früh beiseite gelegt habe. Es liest sich nämlich eigentlich so gut, dass man es auch in einem Rutsch auslesen kann. Die Kapitel sind angenehm kurz, es gibt viele Dialoge und der Wechsel zwischen den Sichtweisen sorgt obendrein für Abwechslung.

Das Cover reiht sich nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein. Thrillermäßig düster, mit einem großen Titelschriftzug in einer kontrastreichen Farbe, und darunter ein Bildausschnitt, der zur Handlung passt. Hier der Kopf der Frau, der tatsächlich so aussieht, als sein sie bis zum Hals eingegraben.

Fazit:  „Die Flut“ ist für mich ein rundum gelungener und durchweg sehr spannender Krimi, meinetwegen auch ein Thriller. Ein intelligenter Killer mit grausamen Mordmethoden, reichlich verdächtige Figuren und somit massig Gelegenheit, immer mal jemand anderen zu verdächtigen. Das hält die Spannung problemlos hoch. Die Auflösung hat mich außerdem wirklich überrascht. Aber ein Psychothriller war „Die Flut“ für mich nicht. Dafür fiel die Auflösung, so überraschend sie war, zu geradlinig aus.


Titel: Die Flut
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596198351
Preis: 9,99 (TB)

Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern (div. Autoren / div. Sprecher)

Titel: Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern  / Verlag: Audiomedia / Spielzeit: ca. 255 min / Buch: Jörg Maurer, Nicola Förg ua. / gelesen von: Michael Schwarzmaier, Philipp Moog ua

heiligerzornInhalt: Trügerische Idylle in Oberbayern: Ungewöhnliche und überraschende Morde erschüttern das Voralpenland. In bitterbösen, spannenden, beklemmenden, literarischen, aber auch witzigen und skurrilen Kurzgeschichten beleuchten die Autoren Deutschlands beliebteste Urlaubsregion aus einem mörderischen Blickwinkel.


Bekanntlich bin ich ein großer Fan von Regionalkrimis. Da führte an dieser Sammlung natürlich kein Weg vorbei. Zumal darin auch Krimis  von einigen meiner Lieblingsautoren zu finden sind.

„Heiliger Zorn“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Dieser Krimi spielt leider anno Schnee (1692), weshalb er bei mir schon nach wenigen Sekunden einen Minuspunkt kassiert hat. Ich mag Geschichten aus dem Heute einfach lieber. Davon abgesehen ist es aber ein ganz spannender Krimi, bei dem man gut miträtseln kann. Und mit einem Maler ist mal ein erfreulich außergewöhnlicher Ermittler am Werk.

„Tegernseer Wasserleichen für Anfänger“ (Tatjana Kruse / Solveig Duda)

Da ist auch schon der erste Krimi von einem meiner Lieblingsautoren. Die Geschichte ist zwar außer vom Schauplatz her wenig bayerisch, dafür aber auf ihre ganz eigene Art spannend und voll bösen Humors. Speziell das Ende hat es in dieser Hinsicht ordentlich in sich.

„Die Leitlinie“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

Der nächste Lieblingsautor! Und obendrein noch mit einem meiner Lieblingsgkrimis in dieser Sammlung! Erzählt wird dieser Krimi aus einer wirklich ungewöhnlichen Perspektive. Das ist einserseits herrlich schräg, andererseits geht es oft direkt philosophisch zu. Eine rundum tolle Idee!

„Keep Smiling“ (Jochen Senf / Michael Schwarzmaier)

Bei diesem Krimi weiß man zwar sofort, wohin der Hase läuft, aber es ist dennoch spannend zu verfolgen, wie es dazu kommt. Und die bisherigen Taten des Mörders sind für ein Schaudern gut. Michael Schwarzmaier liest mit einem unüberhörbaren, breiten Grinsen, was toll zur Story passt. Auch, weil es durchaus irre klingt.

„Tegernseer Breitmaul“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

In diesem Krimi geht es um einen Mord, der mit einem wirklich außergewöhnlichen Instrument verübt wurde. Man ahnt zwar bald, welches es sein könnte, aber es wirkt so abwegig, dass man nicht recht dran glauben will. Eine witzige Idee, gespickt mit Seitenhieben an Tierfreunde.

„Traumhochzeit“ (Sabine Thomas / gelesen von der Autorin)

Die Idee dieses Krimis ist zwar ganz schön schräg und hier und da musste ich auch mal schmunzeln, aber so richtig überzeugen konnte er mich nicht. Das Motiv der Täterin erschien mir einfach zu dünn für das, was sie deshalb anrichtet.

„Der Kopist“ (Nicola Förg / Philipp Moog)

In diesem Krimi treffen Fans von Nicola Förg zwei der Hauptcharaktere aus ihren Alpenkrimis wieder. Das hat mir gut gefallen. Der Fall an sich dagegen war nicht so mein Ding. Mit Agatha Christie habe ich es nicht. Deshalb habe ich mich mit der Kombination aus Christie und Gerhard Weinzierl schwer getan.

„Der Fall Ludwig“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Oliver Pötzschs Krimi spielt im Jahre 1911. Damit ist er der zweite Krimi in dieser Sammlung, der nicht unebdingt meinen Geschmack trifft. Jedenfalls nicht von der Zeit her, in der er spielt. Das macht viel aus bei mir. Wer damit besser klarkommt, der findet hier einen recht spannenden Krimi mit klassisch detektivischem Verlauf an.

„Gmundener Alibi“ (Henrike Heiland / Marisa Burger & Marina Köhler)

Mein zweites Highlight in dieser Sammlung. Ein ganz böser Krimi, in denen zwei Damen versuchen, den Mord zu vertuschen, den eines von ihnen begangen hat. Beziehungsweise, ihn jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Das ist auf fiese Art sehr böse, aber dank des polnischen (oder russischen?) Akzents einer der Sprecherinnen auch unglaublich witzig.

„Toter Mann“ (Philipp Mog / gelesen vom Autor)

Ein weiterer Krimi, erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nämlich von dem, der dem Krimi seinen Titel gab. Die Idee hat mir gefallen. Außerdem liegt eine unglaubliche Ruhe über den Geschehen. Da fragt man sich leicht, ob man in der Situation des Mannes tatsächlich eine solche Ruhe empfindet.

„Die stille Nacht“ (Andreas Föhr / gelesen von Michael Schwarzmaier)

Hier treffen Fans von Andreas Föhr das Original seiner „großen“ Krimis an: Kreuthner. Das bürgt für eine äußerst unterhaltsame Geschichte. Er hat allerdings erst spät seinen Auftritt. Zuvor entwickelt sich ein feiner Krimi mit gewitzten Wendungen und einer Prise bösen Humors. Sehr schön!

„Mörderwinkel“ (Jörg Steinleitner / gelesen vom Autor)

Wer die Krimis um Anne Loop mag, der wird sich freuen, sie hier wiederzutreffen. Ich werde nach diesem Krimi-Snack sicher mal einen ihrer „großen“ Fälle lesen. „Mörderwinkel“ ist spannend, humorvoll und man kann gut mitknobeln. Das hat mir gefallen! Und Jörg Steinleitner liest toll! Der bayerische Dialekt sorgt für Flair.

„Kreuthner Geschnetzeltes“ (Harry Luck / gelesen von Alexander Duda)

Ein weitere Krimi, bei dem mir die Idee gefallen hat. Ein ordentlicher Seitenhieb auf „Bauer sucht Frau“ mit ganz, ganz bösem Verlauf. Da sieht man gewisse Kandidaten sofort vor sich. Die Story ist zwar vorhersehbar, aber Spass macht sie auf jeden Fall.

Bei den Sprechern kannte ich bisher nur Michael Schwarzmaier und Jörg Maurer. Insgesamt haben mir die Sprecher aber durch die Bank ganz gut gefallen. Einigen hätte ein deutlicherer bayerischer Akzent allerdings nicht geschadet. Das hätte noch mehr Flair riengebracht.

Ein Covermotiv ganz nach meinem Geschmack. Mit Filzhut, Lebkuchenherz und dem Blick in die Berge herrlich urig. Ein blutiges Messer weist aber doch ganz deutlich darauf hin, dass die Idylle trügt. Und der Hund ist sowieso goldig.

Fazit: Insgesamt eine schöne Bayernkrimi-Sammlung, mal mehr, mal weniger bayerisch. Dafür aber fast ausnahmslos voller schräger und witziger Ideen. Wer Regionalkrimis mag, sollte bei dieser Sammlung ein Ohr riskieren.

 

 

Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

flavia01Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist.

Als ich mir damals die Bücher dieser Reihe zulegte, hatte ich mich wirklich darauf gefreut. Trotzdem haben sie eine Weile Staub angesetzt, aber dann habe ich mich doch voll Vorfreude an den ersten Band gewagt.
Das böse Erwachen kam schnell.
Das begann bereits damit, dass die Reihe anno Schnee spielt. Das geht bei mir per se gar nicht. Hätte ich das gewusst, hätte ich auf Flavias Bekanntschaft verzichtet. Ich lebe heute und in der Zukunft (hoffentlich), aber 1950 ganz sicher nicht. Ich mag unsere heutige, moderne Welt, und so sollen auch die Geschichten sein, die ich lese. Das gab den ersten Minuspunkt. Allerdings einen, der sicher Geschmackssache ist.
Den zweiten verdankt das Buch seiner Hauptperson. Ich habe nichts gegen 11jährige Helden und Heldinnen, aber sie sollten mir sympathisch sein. Und wenn sie das nicht von Anfang an sind, dann sollten sie es im Laufe der Geschichte noch werden. Flavia hat dies nicht geschafft. Das liegt vor allem an ihrer unglaublich naseweisen Art! Sowas kann ich nicht ab! Speziell bei Kindern und Jugendlichen als Hauptperson. Alle anderen sind blind und dumm, selbst die Polizei, aber die Elfjährige ist voll im Bilde. Na klar doch! Genauso klar wie Flavias Wissen in Sachen Chemie. Viel Zeit, viele Bücher, wenig Kindheit hin oder her, aber die Lütte ist ja auf dem Stand eines Professors! Gute bis sehr gute Kenntnisse hätte ich ja noch hingenommen, aber das ist doch zuviel.  Da ist es auch kein Wunder, dass sie total von oben auf ihre Schwestern und sogar den Vater herabschaut. Im Gespräch mit ihm, oder wenn sie ihn beschreibt, könnte man glatt meinen, er sei das Kind in der Familie.
Blieb noch der Fall selber, auf den ich hoffen konnte. Vielleicht würde er das Ruder noch rumreißen. Leider tat er es nicht. Er fängt mit der Leiche ausgerechnet im Gurkenbeet der Familie de Luce zwar ganz amüsant an, aber diese heitere Note verflüchtigt sich zügig. Vermutlich hat sie die Spannung dabei überrannt, die sich Richtung Story schleppte. Denn die kam niemals bei mir an. Dafür hat mich Flavia zu sehr mit ihren Ausführungen gelangweilt. Sei es über historische Hintergründe ihres Dorfes oder Beschreibungen der Landschaft, seien es ihre Ansichten in Sachen Literatur, ihre Einschätzungen ihrer Mitmenschen oder oder oder…ganz ehrlich, darüber macht sich eine Elfjährige doch keine Gedanken! Schon mal lange nicht in solcher Ausführlichkeit. Und nur höchst selten führt das zu nennenswerten Erkenntnissen für den Fall. Es kann ja gut sein, dass man als Chemiker auf jedes noch so kleine Detail achten muss, aber Flavia seziert jeden Gedanken in diesem Maße!
Das hat bei mir dazu geführt, dass ich keinen Fluss in ihren Nachforschungen gesehen habe. Da hat sie einen Hinweis, eine Idee, geht der nach, dann verfranst sie sich wieder in irgendwelchen nebensächlichen Gedanken, wodurch ich bei den Ermittlungen raus war. Aufkeimende Spannung, adé! Da blieb dann nichts weiter übrig als darauf zu warten, dass Flavia einen weiteren Geistesblitz hat und dem dann vielleicht ohne solche Ausschweifungen nachgehen würde. Tat sie aber nicht.
Den Humor habe ich wirklich angestrengt gesucht. Denn wenn ich bei einem Buch auch mal grinsen oder gar lachen kann, rettet das schon ungemein viel. Flavia hat mich mir nicht einmal ein Schmunzeln abgerungen. Wie auch mit ihrer neunmalklugen Art und ihrer Arroganz?

Ich habe mich wortwörtlich durch dieses Buch gequält. Und ich bin sicher, wenn ich die Passagen übersprungen hätte, bei denen ich es gerne getan hätte, ich hätte dem „Krimi“ trotzdem folgen können und das Ende trotzdem verstanden. Dabei sind die Kapitel gar nicht mal so lang. Normalerweise kein Problem. Aber Flavias Gedankengänge sind einfach anstrengend zu lesen, ihre Schilderungen langatmig und oft schlichtweg öde. Mehr als zwei Kapitel habe ich das nicht ausgehalten.

Das Cover hatte mich damals sofort begeistert. Ich mag es immer noch, auch wenn ich Flavia nun ganz anders sehe. Sie erinnert mich sehr an Wednesday Addams, und so hatte ich sie mir auch vorgestellt. Hübsch, clever, aber böse und finster, mit einem Hang zum Makabren und einem fiesen Humor. Da hat mich das Cover schwer in die Idee geführt.

Fazit:  „Mord im Gurkenbeet“ wird mein letzter Krimi mit Flavia sein. Ich fand ihn einfach sterbenslangweilig. Viel zu viel Drumherum, das von Flavia lang und breit beschrieben wird, sodass ich beim Krimi immer wieder raus war. Hinzu kam noch, dass ich mit neunmalklugen und arroganten Hauptfiguren, speziell wenn es Kinder oder Jugendliche sind, einfach nicht kann. Und der Humor…welcher Humor?


Titel: Flavia de Luce (01) – Mord im Gurkenbeet
Autor: Alan Bradley
Seiten: 400
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442376247
Preis: € 8,99

© 2019 Frontier Theme