Geschichte

Falsche Nähe (Alexandra Kui)

falschenaeheDer frühe Unfalltod der Eltern hat Noa und ihre große Schwester Audrey zusammengeschweißt. Durch deren Erfolg als Krimiautorin konnten die beiden gerade in die schicke Hamburger Hafencity ziehen, als plötzlich eine unveröffentlichte Romanidee als reale Mordserie in der Tageszeitung auftaucht. Noa bekommt Zweifel, wie gut sie ihre Schwester eigentlich kennt. Was geschah wirklich an dem Tag, als ihre Eltern starben? Je mehr Noa herumschnüffelt, desto klarer wird: Es gibt jemanden in ihrem Umfeld, der nichts Gutes im Sinn hat, und diese Person ist hochgefährlich.

An Jugendthrillern komme ich nur selten vorbei, also musste ich natürlich auch “Falsche Nähe” lesen. Der Klappentext klang ganz interessant. Vor allem wegen der Idee, eine Mordserie aus einer Geschichte in die Realität zu holen.
Allerdings habe ich mich lange Zeit schwer mit der Geschichte getan. Mir war das Leben von Audrey und Noa einfach zu weit weg, teilweise geradezu abgehoben. Mit der schicken Wohnung in der edlen Hafencity, einem Wochenendtrip nach Mallorca und teuren Weinflaschen, die einfach mal so im Streit gegen ein Fenster geschleudert werden.
Gut, Audrey ist eine berühmte Autorin, aber ich mag es einfach nicht, wenn jemand seine wohlhabendes Leben raushängen lässt. Irgendwo färbt das natürlich ab, so auch auf Noa und Audrey. Will heißen, ich habe lange eine gewisse Distanz zu den beiden empfunden. Aus Audrey wurde ich gar nicht schlau und Noa habe ich den normalen 17jährigen Teenager nur in Maßen wirklich abgenommen. Zudem ging sie mir mit ihrem widerspenstigen Benehmen dem Freund ihrer Schwester und dessen Sohn gegenüber ganz schön auf die Nerven. Über solch kindisches Verhalten sollte man -schwesterliche Verbundenheit in allen Ehren- in diesem Alter wohl hinaus sein. Entsprechend bin ich mit Noa und Audrey zunächst nicht recht warm geworden.
Es dauert eine ganze Zeit ehe das Rätsel um die Morde beginnt, die ein Abbild der Morde sind, die Audrey in ihrem neuen Buch beschreibt. Die Idee finde ich wie schon geschrieben wirklich gut. Ich denke aber, man hätte da noch mehr rausholen können. Die Entdeckung mag für Noa ein Schrecken sein, aber mir hat sie keine Gänsehaut beschert, und das erwarte ich nun mal von einem guten Jugenthriller. Das hängt ebenfalls mit dieser Distanz zusammen, die ich zu Noa empfunden habe. Alexandra Kui hält den Leser hinsichtlich der Gefühle ihrer Charaktere nämlich ganz schön kurz. Wäre sie etwas intensiver auf Noas Gefühle bei der Entdeckung der Ähnlichkeit zwischen den fiktiven und den realen Morden eingegangen, hätte es mich wahrscheinlich mehr geschaudert.
Damit soll es nun mit Kritik aber genug sein. Denn als sich Noa daran macht, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, da schlägt die Geschichte eine Richtung ein, die ganz klar mein Geschmack ist. Endlich wird es richtig spannend und ich habe mächtig geknobelt, wer der Mörder sein könnte. Da es regelmäßig Kapitel aus Sicht des Täters gibt (die seine Identität jedoch nicht verraten), sucht man dort nach Anhaltspunkten und vergleicht mit den Figuren, die in der Geschichte auftauchen.  Speziell der Teil, der auf Sande spielt, hat es wirklich in sich. Noa kommt nicht nur dem Geheimnis um ihre Familie auf die Spur, sondern läuft dem Mörder direkt in die Arme. Da war sie dann endlich: die erwartete Gänsehaut.
Die Auflösung hat mir gefallen. Sie ist schön schlüssig und war für mich eine ganz schöne Überraschung. In diese Richtung hatte ich bis dahin noch gar nicht gedacht. Muss mir durchgegangen sein, denn es mangelt ja auch sonst beim besten Willen nicht an Verdächtigen. Da kann einem schon mal jemand durchrutschen.

“Falsche Nähe” ist in der Gegenwartsform geschrieben. Diese Erzählweise hat für mich immer automatisch ein gewisses Tempo mit an Bord. Das schlägt sich stets  auf mein Lesetempo nieder. Da die Geschichte auch sonst schön flüssig geschrieben ist, flogen die Seiten nur so dahin. Die Kapitel aus Sicht des Täters sorgen zudem noch für ein wenig Abwechslung.

Das Cover ist schön dunkel, wie es mir für einen Thriller gefällt, und das zusammengeknüllte Blatt Papier macht neugierig.

Fazit:  Ich habe mich lange schwer getan mit “Falsche Nähe”, weil mir Noas recht luxuriöses Leben zu weit weg war und weil mir ihre Gefühle nicht intensiv genug beschrieben wurden. Beides führte zu einer großen Distanz zu Noa, und so kann ich nicht mit einer Figur mitfiebern und mich in sie einfühlen. Als Noa ihre Nachforschungen anstellt, wird die Geschichte dann aber wirklich sehr spannend und rasant, und damit war es für mich dann endlich der ersehnte Thriller mit Gänsehauteffekt. Nochmal gut die Kurve gekriegt!


Titel: Falsche Nähe
Autor: Alexandra Kui
Seiten:  288
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162569
Preis:  € 9,99 (TB)

August der Starke – Der sächsische Sonnenkönig

Titel: August der Starke – Der sächsische Sonnenkönig / Verlag: Zeitbrücke / Spielzeit: ca. 95 min / Sprecher: Gunther Emmerlich, Ines Deinert, Johannes Steck ua

Inhalt: August der Starke (1670 bis 1733) liebte die Macht, die Frauen und rauschende Feste. Er gilt als einer der schillerndsten Monarchen seiner Zeit. Ihm ist es zu verdanken, dass Dresden zu einer prunkvollen Barockmetropole wurde. Seine Lebensgeschichte liegt nun erstmals in einer spannenden Hörbuch-Dokumentation vor.


Nach dem sächsischen “Robin Hood” nimmt sich die Reihe nun August, den Starken vor und vermittelt interessierten Hörern Wissenswertes über diese historische Person. Ich bin noch immer der Auffassung, dass diese Serie eher etwas für ältere interessierte Hörer ist. Weite Teile enthalten so viele Fakten, dass es mich durchaus an Geschichtsunterricht erinnert hat. Damit dürfte man die junge Hörerschaft eher weniger begeistern können, und auch ich -jemand der mit Geschichte nichts groß am Hut hat- würde wohl nach kurzem Hören abwinken, wenn diese informativen Passagen nicht so lebendig und hörspielartig dargeboten würden. Zwei “Erzähler” wechseln sich ab, das alleine hält die Sache schon abwechslungsreich. Zudem sind immer wieder gespielte Szenen zu hören, die zusätzlich auflockern. So bleiben die erwähnten Personen so nicht so distanziert wie sie einem beim Lernen erscheinen, sondern werden als Menschen vorstell- und greifbar. Auch das macht es mir leichter, diesen zwei CDs zu lauschen. Neben historischen Kapiteln, geht es gelegentlich auch zB ins Dresden von heute. Dabei wird deutlich, welche Auswirkungen der Ereignisse um 1600 herum man dort noch heute finden kann. Diese Abschnitte waren für mich am interessantesten.

Weite Teile des Wissensfeatures werden von Gunther Emmerlich erzählt, der mit seiner tiefen und warmen Stimme den Geschichtsunterricht-Eindruck noch mal ein Stück weit ausbremst. Ihm kann man gut lauschen. Gleiches gilt für Erzählerin Ines Deinert, die besagte Passagen erzählt, die mit Fakten gespickt sind. Sie stellt schon einen Kontrast zu Emmerlichs Part dar, erzählt aber ganz lebendig, so dass es auch nicht allzu schwer fällt, ihr zuzuhören. Ihre Abschnitte sind außerdem auch meist recht kurz.

Wie auch bei “Robin Hood” hat mich die Musik- und Geräuschkulisse wohl am meisten beeindruckt. Imposante Musikstücke, sehr zeitgenössisch angehaucht, lassen die Atmosphäre des 16. Jahrhundert mit Leichtigkeit aufkommen. Das ist schon filmreif zu nennen, was man hier zu hören bekommt. Für die Geräusche gilt dies ebenso, auch sie sorgen dafür, dass sich das Kino im Kopf schnell einschaltet.

Das Boklet umfasst stattliche 24 Seiten und beeinhaltet neben informativen Texten vor allem zahlreiche Bilder und Zeichnungen von August, dem Starken, Schlössern und diversen Damen aus Augusts Umfeld. Da macht das Blättern Spass.

Fazit: Für junge Hörer in meinen Augen immer noch zu sehr Geschichtsunterricht. Für ältere Hörer, die sich für August, den Starken interessieren, aber ein rundum gelungenes Wissensfeature.

Abenteuer! Maja Nielsen erzähtl – Vampire – Die wahre Geschichte von Graf Dracula

Titel: Abenteuer! Maja Nielsen erzähtl – Vampire – Die wahre Geschichte von Graf Dracula / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 77 min / Sprecher: Bernd Rumpf, Martin Stelzle, Stefan Kaminski, Jürgen Uter u.a.

Inhalt: Vlad III. (1431-1476) gilt als das historische Vorbild für den berühmten Graf Dracula, der bis heute Millionen fasziniert. Was verbirgt sich hinter dem Mythos des berüchtigten transsilvanischen Herrschers? Worauf beruht Vlads zweifelhafter Ruf? Und wie lässt sich die Popularität der Figur Dracula erklären? In ihrem Abenteuerfeature begibt sich Maja Nielsen auf eine spannende Spurensuche zwischen Dichtung und Wahrheit und bringt mit Hilfe eines echten Vampirologen die wahre Geschichte über den Fürst der Finsternis ans Licht.


Nach “Faust” und “Rätsel der Erde” habe ich mit dieser Folge die dritte Wissens-Hörbuchreihe kennengelernt. Eingestiegen bin ich mit dieser Folge, da mich das Thema noch am ehesten interessiert. Bislang habe ich mit solchen Wissens-Features durchweg gute Erfahrungen gesammelt, was mich jedes Mal überrascht hat. Und auch über dieses Feature lässt sich grundsätzlich nichts Schlechtes sagen. Es beleuchtet den Werdegang von Vlad III. , einer wahren historischen Person, hin zu dem Dracula, den Bram Stoker erdachte und der heute noch Pate für Vampire in Film, Literatur, Hörspiel usw. steht. Neben erklärenden Passagen wird diese Geschichte auch immer wieder in gespielten Szenen veranschaulicht, so dass der Eindruck eines Hörspiels entsteht. In meinen Augen die beste Art Wissen zu vermitteln, denn so wirkt es nicht wie Schulunterricht. Aber es gibt wie gesagt auch erklärende Passagen, in denen Historisches berichtet wird, inklusive Jahreszahlen. Bei “Dracula” hat mich das jetzt nicht besonders gestört, da mich das Thema halt interessiert. Ich ahne allerdings, dass bei anderen Folgen, für deren Themen ich mich vielleicht nicht so sehr begeistern kann, genau das die Momente sein werden, wo ich wohl schnell abschalten werde. Denn bei aller Lebendingskeit in der Erzählweise bleibt es direkte Fakten-Vermittlung. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei jungen Hörern ankommt. Wünschenswert wäre es natürlich.

Mit Bernd Stephan, Sonja Szylowicki und Dietmar Wunder sind gleich drei Erzähler am Start, die abwechselnd durch die Geschichte des berühmtesten Vampirs führen. Durch diesen Wechsel wirkt das Feature sehr lebendig und die Eintönigkeit, die mit Wissensvermittlungs oft einhergeht, hat hier keine Chance. Die Rollen in den Hörspielpassagen sind ebenfalls größteinteils mit bekannten Stimmen besetzt. So sind beispielsweise Stefan Kaminski, Martin Sabel, Jürgen Uter und Robert Missler zu hören. Entsprechend können sie die Hörspiel-Szenen auch hören lassen. Lediglich für Vlad III. hätte ich mir eine eindrucksvollere Stimme gewünscht.

Eine vielfältige Musik- und Geräuschkulisse begleitet die Erzählungen. Dabei kommen sowohl düstere und spannungsfördernde Stücke zum Einsatz, wie auch muntere Stücke und Melodien, die dem Schauplatz der jeweiligen Szenen gerecht werden. So sind beispielsweise auch orientalisch klingende Musiken zu hören. Ausgefeilte Geräusche ergänzen den wirklich sehr guten Eindruck, den das Feature in diesem Bereich bei mir hinterlassen hat.

Das Cover lässt mit dem Porträt einerseits durchblicken, dass den Hörer auf dieser CD Historisches erwartet, mit der nebligen Burgszene bürgt es aber auch dafür, dass dieses historische Wissen spannend und schaulich vermittelt wird. Im Inneren des Digipaks finden sich Fakten über Maja Nielsen, sowie über Hand Meurer, den Dracula-Experten, der als Interviewpartner im Hörspiel ebenfalls auftaucht. Das Booklet hält dann noch mal einen ganzen Schwung an Informationen rund um die Geschichte von Vlad III. bis hin zu Graf Dracula bereit. Zudem findet man hier eine Chronik dieses Werdegangs.

Fazit:   Ich habe etwas Bedenken, dass sich die jungen Hörer für die Jahreszahlen- und Erläuterungspassagen erwärmen können. Da sie aber den kleinsten Teil des sonst wirklich rundum gelungenen Features ausmachen, sollten sie nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Ansprechend gestaltete und mit tollen Sprechern besetzte Wissensvermittlung, die Spass macht.

TimeShift (01) – Same Day – Different Shit

Titel: TimeShift – Same Day Different Shit /Spielzeit: ca. 78 min / Sprecher: Lars Conrad, Günter Jakoby, Bernhard Schlax u.a.

Inhalt: Shaun arbeitet am CERN Institut als Systemintegrator und wird durch ein missglücktes Experiment durch Raum und Zeit geschleudert. Wenn Gegenwart und Vergangenheit aufeinander treffen kann das nur eins zur Folge haben: Chaos. Und genau das ruft die Revisoren der Zeit auf den Plan, die gegenüber Änderungen an der Zeitlinie nicht gerade liberal eingestellt sind.


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Zeitreisen sind seit eh und je ein beliebtes Thema, und daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern. Der Gedanke ist einfach faszinierend, spätestens seit “Zurück in die Zukunft”. Und schon immer gab es auch einen Haken an der Sache. Etwas, das die Zeitreisen zu keinem entspannten “Urlaub” anno irgendwann macht. Vorzugsweise der Gedanke, dass eine in der Vergangenheit vollzogene Tat üble Auswirkungen auf das Raum-Zeit-Gefüge haben wird. Kennt man auch aus “ZidZ” und später noch aus “Donnie Darko”. Und als eine Kreuzungs aus diesen beiden Geschichten haben ich “Time Shift” auch empfunden. Glücklicherweise scheint auch den Machern der Bezug vor allem zu “ZidZ” klar gewesen zu sein, denn es gibt gelegentliche Seitenhiebe in diese Richtung. Alles in allem also eine unterhaltsame Story, die mit einem beliebten SF- oder Fantasy-Thema spielt. Wer sich dafür begeistern kann, der wird “Timeshift” mögen. Weiterhin ist es von Vorteil, auch ein Faible für Geschichte zu haben, denn in dieser Hinsicht stützt sich das Hörspiel auf wahre, historische Begenbenheiten.  Mir fehlt dieses Faible allerdings komplett, weshalb ich einige Male fast -geistig- abgeschaltet hätte.

Zu Gehör gebracht wird “Timeshift” von einer munteren, gemischten Truppe an Sprechern, die mir hier allesamt zum ersten Mal begegnet sind. Und gerade deshalb muss ich ein Kompliment vorweg schicken: obwohl ich niemanden von ihnen kannte und auch keiner eine super markante Stimme hat, habe ich immer gewusst, welcher Charakter gerade das Wort ergriffen hat. Das bereitet mir sonst immer Schwierigkeiten, hier fiel es mir sehr leicht. Davon abgesehen muss man aber sagen, dass unüberhörbar keine Profis am Werke sind. Weite Passagen klingen arg bemüht und hölzern. Zwischendurch geht es dann aber auch mal wieder. Daher schiebe ich diese abgelesene Redeweise mal frech auf die oft sehr, sehr langen Sätze, die genauso oft irgendeinen wissenschaftlichen Inhalt haben. Mit wieviel Enthusiasmus kann man schon physikalische oder historische  Erläuterungen und Schilderungen an den Hörer bringen?

Die Untermalung klingt je nach Szenerie mal futuristisch, dann mal etwas altmodisch und klassisch, das geht in Ordnung. Amüsiert habe ich mich über einige Stücke und Klänge, die mich total an Spiele auf dem C64 erinnert haben. Das ist spaßig. Die Geräusche können sie ebenfalls hören lassen, auch wenn einem nicht dauernd welche um die Ohren fliegen. Sie sind zu hören, wo sie hingehören, machen das Gehörte anschaulich und klingen vor allem authentisch.

Der Cover kann man mit etwas Phantasie einen gewissen futuristischen Stil attestieren. Was genau dargestellt wird, ist mir zwar nicht klar, aber das Universum birgt eben vielerlei Geheimnisse. Vielleicht sind es ja die Verwirbelungen im Raum-Zeit-Gefüge?

Fazit:  “Timeshift” bringt keine sonderlich neue Story zu Gehör, aber da die Idee von Zeitreisen -wie schon gesagt- irgendwie jedes Mal aufs Neue interessant ist, ist es ganz unterhaltsam anzuhören. Jedenfalls mit etwas Toleranz gegenüber weniger professionellen Sprechern und etwas geschichtlichem Interesse.

Rätsel der Erde – Der Panama-Kanal – Ader zwischen Atlantik und Pazifik

Titel:  Rätsel der Erde – Der Panama-Kanal – Ader zwischen Atlantik und Pazifik / Verlag:  Headroom / Spielzeit: ca. 81 min / Sprecher:  Matthias Haase, Edda Fischer, Bobo Primus, Gregor Höppner u.a.

InhaltEs war ein kühner Plan, den Kaiser Karl V. im Jahr 1532 fasste: eine künstliche Wasserstraße zwischen atlantischem und pazifischem Ozean. Damit hätte er die Kontrolle über Zentralamerika und vor allem leichten Zugang zu den Reichtümern des sagenumwobenen Perlen- und Goldlands, das Abenteurer und Glücksritter aus ganz Europa magisch anzog. Doch es dauerte noch vierhundert Jahre, bis das Mammutprojekt in die Tat umgesetzt werden konnte. Denn der wilde, von dichtem Regenwald überwucherte und von geheimnisvollen Völkern bewohnte Landstrich forderte einen hohen Tribut. Tausende Menschen ließen beim Bau des Panamakanals ihr Leben, bis ihn schließlich am 15. August 1914 das erste Schiff durchqueren konnte. Robert Steudtner erzählt die spannende Geschichte des Panamakanals – von der Entdeckung des Pazifiks durch Vasco Núñez de Balboa, über das spektakuläre Scheitern des Suez-Kanal-Erbauers Graf Ferdinand de Lesseps bis zur offiziellen Einweihung durch US-Präsident Woodrow Wilson im Jahr 1920.


Der Panama-Kanal. Ein gewaltiges Projekt, dessen Vorgeschichte, Entstehung und Auswirkungen weit über Atlantik und Pazifik hinaus in diesem Feature beleuchtet wird. Dabei kommt erneut das Prinzip zum Einsatz, Hörspielszenen mit Erzählpassagen abzuwechseln. So bleibt es dynamisch und das Lernen vollzieht sich praktisch unbemerkt. Zudem sind beide Aspekte spannend gehalten, was speziell bei den Erzählpassagen bemerkenswert ist. Dafür gelingt es den Hörspielszenen ausgesprochen gut, einem die Ereignisse wirklich nahezubringen. Diese sonst so typische Diatanz zu so lange vergagenen Ereignissen, kommt hier niemald auf. Diese Reihe ist nicht nur Jugendlichen zu empfehlen, hier können auch Erwachsene noch eine ganze Menge lernen.

Zwei Erzähler scheinen Standard in Headrooms Wissens-Features zu sein. Dieses Mal sind Matthias Haase und Edaa Fischer zu hören, die ihre Parts so mitreißend und spannend klingen lassen, dass man gar nicht anders kann als ihnen vom ersten Moment an gebannt zu lauschen. In den Hörspielpassagen sind beispielsweise Mogens von Gadow, Martin Bross und Wolf Aniol zu hören, denen es ebenfalls gelingt, jegliche Distanz zu ihren historischen Charakteren zu vermeiden. Sie lassen sie im Gegenteil sehr menschlich klingen, so dass man Meinungen und Entscheidungen eher nachvollziehen kann.

Der Soundtrack dieses Features ist eine abwechslungsreiche und sehr gelungene Mischung aus zahlreichen authentischen Geräuschen, die das Geschehen greifbarer machen, und Musiken, die je nach Szenen für die passende Stimmung und Atmosphäre sorgen. Insgesamt also eine ausgesprochen dichte Musik- und Geräuschkulisse, die eher nach Abenteuer klingt als nach Lehrstunde.

Der bunte Look des Digipaks ist nicht nur ein Hingucker, in diesem farbenfrohen Design verbergen sich Zeichnungen, Schemata und Fotos rund um das Thema “Panama-Kanal”. Außerdem findet man auch hier wieder die angepinnten Info-Zettelchen, die noch mal bestimmte Elemente des Themas aufgreifen.

Fazit:  Ebenso genial wie die “Inka”-Folge. Es ist verblüffend wie man eine solche Fülle an Wissen so spannend und unterhaltsam vermitteln kann, während sich Schüler tagtäglich durch staubtrockene Geschichtsbücher quälen.

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