Gespenst

Mit Pauken und Trompeten – Das Gespenst von Canterville

Titel: Das Gespenst von Canterville / Verlag: Headroom / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Stefan Kaminski, Laura Maire, Peter Fricke

Inhalt: Es spukt auf Schloss Canterville! Ein altehrwürdiger Geist heult schon seit hunderten von Jahren in dem Gemäuer. Trotzdem zieht Familie Otis auf dem Schloss ein. Das Gespenst spukt, was das Zeug hält, es rasselt mit den Ketten und verteilt Blutflecken – aber ohne Erfolg, denn die aufgeklärte amerikanische Familie ist durch nichts zu erschrecken. Einzig Tochter Virginia empfindet Mitleid mit dem verzweifelten Geist und versucht, ihn zu erlösen. Ob es gelingt?


Ich muss zugeben, dass ich den Titel der Geschichte natürlich kannte, den Inhalt jedoch nur sehr grob. Also musste ich mir das Fehlende anlesen und kann somit sagen, dass dieses Hörspiel trotz seiner nur knappen Stunde Spielzeit doch das Wesentliche der ursprünglichen Story aufgreift.
Es ist eine wirklich schöne Geschichte und da es sich um ein Kinderhörspiel handelt, ist das Gespenst auch nicht wirklich gruselig, geschweige denn seine Spukversuche. Sie verleiten eher zum Schmunzeln. Genauso wie die Attacken der Zwillinge auf den Geist oder der Dialog zwischen ihm und Mr. Otis über die Behandlung von quietschenden Rasselketten.
Als Virginia herausfindet, wie unglücklich das Gespenst ist und beschließt, ihm zu helfen, wird es noch ein bisschen spannend. Immerhin hat man es mit einem Gepenst zu tun. Was kann man da schon über die Ehrlichkeit eines solchen Wesens sagen? Und die Suche der Familie nach Virginia macht einen noch zusätzlich unruhig.

Die Sprecherliste ist sehr übersichtlich. Als Erzähler ist Peter Fricke zu hören, der gekonnt und mit angenehmer Stimme durch die Geschichte führt. Ab und zu unterhält er sich mit Virginia, gesprochen von Laura Maire. Das lockert auf. Laura Maires junge Stimme passt prima zu Virginia und hat mir ein gutes Bild von dem aufgeweckten Mädchen vermittelt. In den weiteren Rollen wie zB Mr. Otis, dem Gespenst, den Zwilligen ist nur ein Sprecher am Werke: Stefan Kaminski. Wer sonst könnte so glaubhaft dafür sorgen, dass man meint, mehreren Sprechern zu lauschen? Darin ist er einfach ungeschlagen, was er hier wieder einmal beweist.

Es handelt sich hier um ein Orchesterhörspiel. Melodien des SWR Rundfunkorchesters Kaiserslautern begleiten und untermalen aufwändig das Geschehen. Und was der Handlung als Gruselfaktor fehlt, das gleichen diese Klänge zu einem gewissen Teil aus. Ich finde jedoch nicht, dass es dadurch zu schaurig für Kinder ab 6 Jahren wird. Genau das habe ich in anderen Besprechungen mehrfach gelesen. Es sind aber widerum auch keine Stücke und Klänge, die speziell auf Kinder ausgerichtet sind! Keine Melodien zum Mitsummen oder etwas in dieser Richtung. Deshalb bin ich unsicher, ob es die junge Hörerschaft ansprechen wird. Wieder andererseits sind Kinder für Neues ja oft weit offener als Erwachsene, deshalb kann es doch gut möglich sein. Da wird es nur helfen, es auszuprobieren.

Auch das Cover vermittelt keinen schaurigen Eindruck. Das Gespenst sieht im Gegenteil sehr witzig aus. Auf der Rückseite begenet man ihm noch einmal, ebenso im Booklet. Dort findet man außerdem noch einen informativen Text über das Instrument Geige. Schön kindgerecht geschrieben, sodass es sich leicht liest.

Fazit:  Die Geschichte selber ist nicht wirklich schaurig, sondern eher lustig. Es gibt mehrere Szenen, die zum Schmunzeln einladen. Für etwas gruseliges Flair sorgt allenfalls die aufwändige musikalische Untermalung. Das Hörspiel wird ab 6 Jahren empfohlen. Da muss man vielleicht als Eltern vorher selber mal antesten, ob das zu viel für den Nachwuchs ist. Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Mir hat das Hörspiel jedenfalls sehr gut gefallen! Es ist mal etwas anderes, für das man offen sein sollte. Dann kann hier wenig schief gehen.

Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein

Titel: Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein / Verlag: Karussell / Spielzeit: ca. 47 min / Sprecher: Santiago Ziesmer, Anna Thalbach, Hans Jürgen Schatz ua

gespenstInhalt: Es geht turbulent zu, denn das kleine Gespenst wirbelt im Burgmuseum von Burg Eulenstein ordentlich Staub auf und richtet ein prächtiges Durcheinander an. Das bringt den Burgverwalter an seine Grenzen und er will das kleine Gespenst verhaften lassen. Doch die Beamten können weder einen Einbruch feststellen ,noch glauben sie an Gespenster. So legt sich der verzweifelte Burgverwalter Finsterwalder zur Geisterstunde selbst auf die Lauer und will das kleine Gespenst endlich dingfest machen. Ob ihm das gelingt? Immerhin: Der verschwundene goldene Taschenwecker von General Torsten Torstenson taucht wieder auf. Der Burgverwalter ist überzeugt, das kleine Gespenst für immer verjagt zu haben. Da hat er sich aber getäuscht, denn auch nicht das sicherste und größte Türschloss auf Burg Eulenstein wird fü rdas kleine Gespenst je ein Hindernis sein!


Nachdem mir “Der kleine Wassermann” so gut gefallen hatte, hatte ich mich auf das kleine Gespenst wirklich gefreut.
Leider sind wir aber keine Freunde geworden. Das liegt gar nicht mal an der Geschichte an sich. Die ist für die abgepeilte sehr junge Hörerschaft sicher genau richtig. Zunächst lernt man die wichtigsten Figuren kennen und erst dann nimmt die eigentliche Story erst ihren Lauf. Gespenst hin oder her, gruselig wird es dabei nie. Dafür aber durchaus spannend, kindgerecht spannend eben, und turbulent. Und auch zum Lachen gibt es so manche Situation und so manchen pfiffigen Ausspruch. Bei Letzterem können sich sicher auch bereits ältere bzw erwachsene Hörer ein Schmunzeln nicht verkneifen. Jedenfalls ging es mir so.
Der Grund, weshalb ich mich trotzdem nicht mit dem Gepenst anfreunden konnte, ist einfach, dass mir das Hörspiel viel zu schrill und überdreht vorkam. Dieses ständige Gekreische und diese grelle Stimme vom Gespenst zerrte doch immens an meinen Nerven. Für Kinder mag das in Ordnung sein. Allerdings frage ich mich, ob das Hörspiel so dazu taugt, die Kids vor dem Einschlafen zur Ruhe zu bringen. Das kann ich mir nur schwerlich vorstellen.

Die Stimme des kleinen Gespenst stammt von Anna Thalbach, die hier einmal mehr beweist, welch eindruckvolle Stimmen sie auf Lager hat. Nichtsdestotrotz, wie oben schon erwähnt, mich hat gerade diese Stimme und die Tonlage schnell genervt. Dafür hat mir Santiago Ziesmer in der Rolle des Uhu Schuhu umso besser gefallen. Er führt auch als Erzähler durch die Geschichte. Und seine Stimme passt prima zu dem älteren, weisen Eulerich.

Musikalisch legt sich das Hörspiel so richtig ins Zeug. Jede Szene ist mit Musiken unterlegt, die für die nötige Stimmung sorgen. Und eine ganze Reihe wirklich toller Geräusche veranschaulichen das Geschehen. Das ist für ein Kinderhörspiel schon richtig großes Kino (für die Ohren). Ich persönlich allerdings kann auf Gesinge jeder Art gut verzichten. Aber ich passe ja eigentlich altersmäßig auch nichts ins Hörerkonzept.

Das Gespenst auf dem Cover ist sehr niedlich geraten und gar nicht gruselig. Die Burg ebenso wenig. Und da ich Nachtszenen ohnehin immer am liebsten mag, gefällt es mir so wirklich richtig gut.

Fazit: Für Kinder ein rundum gelungenes Hörspiel mit einer schönen, leicht spannenden Geschichte, liebenswerten Figuren, die ihre Stimmen von echten Könnern geliehen bekommen, und viel Musik und zahlreichen Geräuschen. Als erwachsener Hörer fand ich es nur mäßig, da es mir oft zu schrill und überdreht war.

 

Gespensterjäger – Das Hörspiel zum Film

Titel: Gespensterjäger – Das Hörspiel zum Film / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 114, 2 CDs / Sprecher: Anke Engelke, Milo Parker, Bastian Pastewka, Karoline Herfurth ua

gespensterjaegerInhalt: Der elfjährige Tom ist oft verträumt und fürchtet sich vor vielen Dingen. Am meisten fürchtet er sich vor dem dunklen, feuchten Keller im Haus – nicht ganz grundlos, denn genau dort begegnet er eines Tages einem giftgrünen, schleimigen Gespenst namens Hugo. Hugo ist ein MUG – ein Mittelmäßig Unheimliches Gespenst – und hat ein ernsthaftes Problem: Ein sehr gefährliches Urzeitliches Eisgespenst (UEG) hat ihn aus seiner alten Villa verjagt und treibt dort sein Unwesen. Gemeinsam mit der Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft versucht Tom dem schleimigen Hugo zu helfen.


Als ich zum ersten Mal von der filmischen Umsetzung von Cornelia Funkes Geschichte hörte bzw die ersten Bilder davon sah, habe ich das Thema direkt für mich abgehakt. Ein glibberiger Geist und Schauspieler wie Anke Engelke, besten Dank auch!
Nun habe ich mir das Hörspiel zum Film aber doch angehört und ganz bestimmt war das die richtige Entscheidung. Denn so musste ich weder den Geist, noch gewisse Schauspieler sehen. Anhören lässt sich die Gechichte aber ganz gut, das muss ich zugeben. Mit Tom hatte ich schnell Mitleid. Er ist mit seiner Familie wirklich geschlagen. Nur weil er ruhiger ist und sich häufiger mal vor etwas fürchtet, gilt er als seltsam und sogar als Freak. Dabei ist er eigentlich total mutig, wie man es über die Geschichte hinweg erlebt. Ich habe ihn oft richtig bewundert!
Gemeinsam mit der frisch entlassenen Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft versucht er, einen bösen Geist zu verjagen, der die Stadt nach und nach mitten im Sommer in die Eiszeit zurückversetzt. Und der den glibberigen Geist Hugo aus desen Villa verjagt hat. Das Unternehmen ist ganz witzig, zumal Tom und Hedwig anfangs alles andere als gute Freunde sind. Von Hedwigs Meinung zu Hugo ganz zu schweigen! Da gibt es einige witzige Dialoge, bei denen ich grinsen musste.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls. Schließlich möchte man ja wissen, ob es gelingen wird, das UEG (Urzeitliches Eisgespenst) zu verbannen. Hedwig und Tom stellen sich einige Schweirigkeiten in den Weg, die sie meistern müssen. Und am Ende wird es dann wirklich so richtig eng für die Gespensterjäger und vor allem für Hugo.
Und zuletzt ist “Gespensterjäger” noch eine schöne Geschichte um das Thema Freundschaft. Tom und Hugo sind einfach goldig zusammen. Und der verkorksten Hedwig zeigen sie nach und nach immer deutlicher, was Freundschaft bedeutet und wie wichtig sie sein kann.

Anfangs habe ich das Hörspiel als extrem erzählerlastig empfunden. Das ist zwar nicht weiter erstaunlich, immerhin muss jemand erzählen und beschreiben, was man im Kino sonst sieht, aber es fällt zu Beginn wirklich deutlich auf. Ich höre Robert Missler aber gerne, deshalb fiel mir das Zuhören nicht obendrein auch noch schwer. Milo Parker gibt einen pfiffigen und liebenswerten Tom. Und Anke Engelke mimt die resolute und verschrobene Geisterjägerin ebenfalls ganz prima.
Als Hugo ist Bastian Pastewka zu hören und es gelingt ihm spielend dafür zu sorgen, dass man Hugo mag. Ich würde nur ehrlich gerne wissen, wieso Gespenster neuerdings alle so nasal sprechen müssen. Der neue Hui Buh klingt so und Hugo auch. Warum? Was ist das Besondere an dieser Art zu sprechen? Was macht sie so typisch für Gespenster?

Der Musik hört man an, dass sie aus dem Film stammt. Die Stücke sind aufwendig, komplex und klingen einfach durch und durch nach Film. Das gleiche gilt für die Geräusche. Es wäre aber auch ungünstig, wenn man das Hörspiel anders untermalt hätte. So stimmt das Gesamtbild.

Das Cover zeigt Tom und Hedwig Kümmelsack zusammen mit Hugo im Auto. Tom gefällt mir, bei Hugo und Hedwig weiß ich, dass es besser war, die Geschichte zu hören als den Film anzusehen. Wer Anke Engelkes Grimassen witzig und Hugo niedlich findet, wird das sicher anders sehen.

Fazit:  Als Hörspiel hat mir die Geschichte prima gefallen. Sie ist spannend, rasant und witzig und schickt einige schräge Figuren ins Rennen. Rein vom Hören her mag ich Hugo und sein Abenteuer wirklich gerne. Als Film muss ich sie nachwievor nicht haben.

Die Otfried Preussler Hörspiel-Box – Der kleine Wassermann / Die kleine Hexe / Das kleine Gespenst

Titel: Die Otfried Preussler Hörspiel-Box – Der kleine Wassermann / Die kleine Hexe / Das kleine Gespenst / Verlag: Karussell / Spielzeit: ca. 380 min / Sprecher: Anna Thalbach, Femke Jovy, Michael Habeck, Peter Striebeck ua

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Inhalt: Der kleine Wassermann, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst – Endlich gibt es alle Hörspiele in einer Box!

Otfried Preußler gilt als der große Geschichtenerzähler der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur. Seine Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt.
Gleich drei seiner ersten Bücher – Der kleine Wassermann (1956), Die kleine Hexe (1957) und Das kleine Gespenst (1966) – wurden zu generationsübergreifenden Klassikern. Zu allen drei Geschichten entstanden auch wundervolle Hörspiele – u.a. mit Anna Thalbach und Stefan Kaminski – die nun erstmalig zusammen in einer Sammlung erhältlich sind.


Die Titel der drei Geschichten sagen sicher jedem etwas, auch wenn man sie vielleicht nicht näher kennt. So wie ich. Den kleinen Wassermann habe ich in letzter Zeit in Einzelhörspielen kennengelernt, aber weder von der Hexe, noch vom Gespenst hatte ich bisher etwas gehört.
Die Abenteuer mit dem kleinen Wassermann haben mir auch in dieser Sammlung sehr gut gefallen. Es sind schöne und fröhliche Geschichten. Mal witzig, mal ein wenig spannend und immer voller Leben und liebenswerter Figuren.
Auch die Geschichten der kleinen Hexe habe ich gerne gehört. Ich mochte die kleine Hexe und ihren Raben Abraxas sofort. Die beiden sind ein tolles Gespann und sie erleben viele spannende Abenteuer. Bei der kleinen Hexe merkt man am deutlichsten, wie alt die Geschichten bereits sind. Und obwohl ich mich damit oft schwer tue, hat es mich hier gar nicht gestört. Außerdem verbergen sich in einigen Geschichten ganz wichtige Botschaften, die man bereits Kindern mit auf den Weg geben sollte.
Die Geschichten vom kleinen Gespenst sind ebenfalls ein reines Hörvergnügen. Inhaltlich zumindest (zum Rest später). Auch sie sind spannend und witzig und überhaupt nicht gruselig. Da dürften sich nicht einmal die jüngsten Hörer gruseln.
Ich bin mir sicher, dass auch die Kinder von heute leicht Freunschaft mit den drei Figuren schließen werden. So gesehen sind die Geschichten wirklich zeitlos und finden überall ihren Platz.

Als Erzähler ist in allen Geschichten Peter Striebeck zu hören, dem ich sehr gerne gelauscht habe. Er hat eine angenehme Stimme und eine Erzählweise, die einen im Nu gefangen nimmt. Femke Jovy ist als kleiner Wassermann zu hören. Sie erweckt ihn mit klarer, heller Stimme und lebendigem Ton zum Leben. Anna Thalbach übernimmt die Rolle der kleinen Hexe, die ihr mit ihrer markanten Stimme wie auf den Leib geschneidert ist. Auch wenn sie die kleine Hexe hörbar jung klingen lässt, so wirkte die kleine Hexe auf mich eine Spur älter als der kleine Wassermann. Das kleine Gespenst wird von Michael Habeck gesprochen. Mit ihm konnte ich mich in dieser Rolle nicht anfreunden. Keine Frage, er spricht die Rolle prima, lebendig und liebenswert, aber seine Stimme ist mir zu erwachsen für ein kleines Gespenst.

Bei allen Geschichten hat man unüberhörbar viel Wert auf die Musik gelegt. Es sind zahlreiche Stücke zu hören, die allesamt prima zu den Erzählungen passen und im Nu die nötige Stimmung aufkommen lassen. Oft wird auch gesungen, was ich sonst eigentlich gar nicht mag. Doch hier haben es mir vor allem die Lieder vom kleinen Wassermann angetan.

Sechs CDs sind in dieser Box enthalten. Jeweils zwei zu jeder Figur. Die CDs stecken in schön gestalteten Papphüllen und natürlich in einem hübschen Schuber. Auf seinem Cover sind alle drei Figuren abgebildet. So hat man sofort ein Bild zu den Hörspielen und ihren Charakteren im Kopf.

Fazit:  Eine wirklich sehr schöne Geschichten-Sammlung um die drei Helden von Otfried Preussler. An dieser Box werden nicht nur die inzwischen erwachsenen Fans von Wassermann, Hexe und Gespenst ihre Freude haben, sondern auch Kinder, die den Dreien mit diesen Hörspielen zum ersten Mal begegnen.

Friedhofstraße 43 – Ein Gespenst kommt selten allein

Titel: Friedhofstraße 43 (03) – Ein Gespenst kommt selten allein / Verlag: Audiolino / Spielzeit: ca.100 min, 2 CDs / Buch: Kate Klise / Sprecher: Rolf Becker, Anne Moll, Eike Onyamvu, Jona mues, Peter Kaempfe ua

friedhofstr43-3Inhalt: Severin ist überglücklich: Ein riesiger, zotteliger Hund ist ihm nach Hause gefolgt. Der Junge hatte sich schon immer einen Hund gewünscht! Gespenst Olivia und die Nachbarn sind von dem neuen Bewohner weniger begeistert – sein Gebell könnte Tote wecken! Das Tier gehörte dem kürzlich verstorbenen Schauderburger Millionär Noah Schmöller, einem Mann mit Humor. Noch über den Tod hinaus bringt er die ganze Stadt mit rätselhaften Limericks auf Trab. Kurz vor der Eröffnung des Testaments taucht dann plötzlich ein weiteres Gespenst auf, denn: Ein Gespenst kommt selten allein!


Willkommen zurück in der Friedhofstraße 43! Ich hatte mich sehr auf meinen dritten Besuch bei dieser etwas ungewöhnlichen Familie gefreut. Ich mag den vielleicht etwas grummelig erscheinenden, aber herzensguten Ignaz B. Griesgram, das energische und nicht weniger liebenswerte Gespenst Olivia und ihren cleveren Sohn Severin inzwischen richtig gerne. Doch Gespenst hin oder her, auch eine solch ungewöhnliche Familie plagen wie hier mitunter ganz normale Familienprobleme: Severin möchte einen Hund behalten, der ihm nach der Schule gefolgt ist. Olivia als Katzenliebhaberin ist wenig angetan. Ignaz ist nich abgeneigt, besteht aber darauf, dass Severin sich erstmal schlau macht, ob Hund Heimlich nicht irgendwo ein Zuhause hat. Und Severin findet das alle ziemlich daneben. Dieser Anteil der Geschichte ist also eine fast normale Familiengeschichte, die den jungen Hörern nebenbei vermittelt, dass Ehrlichkeit und die Familie ganz wichtig sind. Und dass Lügen ganz verschiedene Facetten haben können. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Kids da in einigen Belangen wiedererkennen und einige Erkenntnisse für sich übernehmen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.
Hund Heimlich steht allerdings im Zusammenhang mit einem anderen Geschehen in Schauderburg. Der in der Stadt sehr beliebter Millionär ist ist gestorben und seine raffgierigen Kinder Mietze und Bello (ich liebe diese Reihe für ihre genialen Einfälle was die Namen der Charaktere angeht) sind hinter seinem Geld her. Leider hat der verstorbene Vater es ihnen nicht ganz leicht gemacht, sich daran zu bereichern. Und so beginnt eine gleichermaßen spannende wie äußerst witzige Jagd auf das Erbe und ein paar sehr wertvolle Münzen. Und Dank Hund Heimlich geraten bald auch Severin, Ignaz und Olivia mit in die Jagd nach dem Erbe und meistern diese Situation mit ihrem ganz eigenen Charme, der mich immer wieder begeistert und grinsen lässt. Ausgerechnet ein weiterer Geist bringt letztlich Licht in die Sache. Nicht nur in die Erbschaftsangelegenheiten, sondern auch in die zerstrittene Familie aus der Friedhofstraße 43. Ich hoffe sehr, dieses neue Gespenst kommt mal wieder vor. Ich mochte es sofort! Es hat Humor, aber auch viele schlaue Gedanken. Und die dürften oft auch ältere und erwachsene Hörer  zum Nachdenken anregen.

Selbstverständlich verständigt man sich in dieser Serie weiterhin in Briefform, und jeder Briefeschreiber hat seinen eigenen Sprecher. Anne Moll lässt Olivia meist wirklich liebenswert klingen, aber sie kann sie auch -wenn nötig- ausgesprochen energisch werden lassen. Eike Onyambus kräftige, helle Stimme bringt sofort Schwung in das aktuelle Geschehen, und gerade in dieser Folge kommt Severin häufig zu Wort. Und Rolf Becker vermittelt mit tiefer Stimme und einem etwas brummigen Ton das Bild eines gemütlichen Schriftstellers. Marie Kienecker gibt eine wunderbar hochmütige und zickige Mietze Schmöller. Und Bruder Bello, gesprochen von Julian Hreyseck, steht ihr da kaum nach. Wären Mietze und Bello nicht so lustig, sie wären direkt unsympathisch. so kann man wenigstens über sie lachen.

Musikalisch hat die Reihe für mich inzwischen ihren ganz typischen Klang. Die Stücke klingen gelegentlich etwas altmodisch, dann wieder etwas moderner, ganz so wie die Szenen es erforderne. So kommt immer die passende Stimmung auf. Eine ganze Reihe Geräusche ist ebenfalls wieder zu hören. Das lockert auf und veranschaulicht schön das Geschehen.

Das Covermotiv ist dieses Mal tatsächlich etwas schaurig ausgefallen. Aber das darf bei einer Reihe um die Friedhofstraße und Gespenster so sein. Mir gefällt besonders, dass es eine Szene darstellt, die in der Geschichte sehr wichtig ist und die neugierig macht, ohne dabei gleich zuviel zu verraten.

Fazit:  Auch “Ein Gespenst kommt selten allein” hat mir wieder sehr gut gefallen. Eine spannende und witzige Geschichte, die nicht nur prima unterhält, sondern jungen wie älteren Hörern unaufdringlich auch ein paar Denkanstöße in Sachen Familie, Ehrlichkeit und Vertrauen an die Hand gibt. Denn trotz Gespenst, soweit ist die Story von einer normalen Familie in vielen Belangen gar nicht weit weg.

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