Goya Libre

Nicht Chicago, nicht hier (Kirsten Boie / Philipp Baltus & Bernd Stephan)

Titel: Nicht Chicago, nicht hier / Verlag: Goya Libre / Spielzeit: ca. 105 min, 2 CDs / Buch: Kirsten Boie / gelesen von: Philipp Baltus, Bernd Stephan

Inhalt: Eine Stadt wie viele andere, irgendwo hier und heute. Niklas, dreizehn, wird von einem Mitschüler terrorisiert. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Zeugen gibt es nicht. Niklas ist verzweifelt. Er weiß nicht, wie er sich zur Wehr setzen soll. ‘Wir sind doch nicht in Chicago!’, sagt sein Vater und geht zur Polizei. Er droht mit Klage. Das seien doch alles nur Bagatellen, sagt die Polizei. Und eine Klage hätte sowieso keine Aussicht auf Erfolg. Niklas’ Vater reicht es. Er erstattet Anzeige.


Diese Besprechung fällt mir schwer. Die Geschichte fasst ein sehr ernstes Thema an: Mobbing an Schulen / unter Jugendlichen. Wie ich finde, müsste es von dieser Sorte mehr geben. In genau dieser Art: dass sich Jugendliche darin wiederfinden und wenigstens ab und zu überlegen, welche Folgen gewisse Handlungen haben können. Und auch dass sich Eltern Gedanken dazu machen und auf Anzeichen achten. Sie können hier dann auch gleich lernen, dass Sprüche wie “Das klären wir mit den Eltern, so machen zivilisierte Menschen das!” alles nur noch schlimmer machen können. Ich habe jedes Mal bei diesem Spruch gehofft, Niklas Eltern würden das letztlich doch lassen, weil sie damit für ihn gleich die nächste, noch schlimmere Schikane heraufbeschwören. Wie gerne hätte ich sie mal so richtig durchgeschüttelt!
Niklas selber tat mir natürlich leid, viel mehr aber noch konnte ich mit ihm fühlen. Denn ich weiß, wie man sich in seiner Situation fühlt. Und das hat mich an der Geschichte so beeindruckt, betroffen gemacht und mitgenommen: dass Niklas Situation so absolut authentisch geschildert wird. Diese Hilflosigkeit, diese Hoffnungslosigkeit, diese unbändige Wut und die Angst. Ich glaube Kirsten Boies Anmerkung im Booklet, dass nichts an der Geschichte ausgedacht ist. Denn Niklas Gefühle sind eins zu eins die eines Jugendlichen in seiner Situation in der Realität.
Das Ende fand ich dann leider doch etwas schwach. Es gibt Andeutungen in der Geschichte, von denen her ich gedacht hatte, dass Niklas sich am Ende doch wehrt, und zwar auf dramatische Weise. Aber irgendwie endet die Story dann nicht viel anders als mehrere Szenen in der Geschichte auch.

Philipp Baltus liest aus Niklas Perspektive und klingt angemessen jung. Er bringt Niklas’ Gefühle sehr gut zum Ausdruck. Als Erzähler ist Bernd Stephan zu hören, dessen tiefe Stimme dazu einen ordentlichen Kontrast bildet. Natürlich klingt er älter und  auch abgeklärter.

Auf dem Cover soll wohl Niklas zu sehen sein. Alles andere wäre unlogisch. Der junge Mann schaut auch passig traurig und müde aus. Eben so traurig und müde, wie Niklas in der Geschichte (wird).

Fazit:  Eine Geschichte über Mobbing, die die Gefühlwelt eines betroffenen Kindes / Jugendlichen absolut authentisch rüberbringt. Das verfehlt seine Wirkung nicht, macht betroffen und beeindruckt auf unangenehme Weise. Hier können sich sowohl Kinder / Jugendliche, als auch Erwachsene / Eltern einiges mitnehmen. Das Ende allerdings fand ich doch sehr schwach.

Ich hätte es wissen müssen (Tom Leveen / Leonie Landa)

Titel: Ich hätte es wissen müssen / Verlag: GoyaLibre / Spielzeit: ca. 269 min, 3 CDs / Buch: Tom Leveen / gelesen von: Leonie Landa

Inhalt: Seit drei Monaten ist die 16-jährige Victoria von der Außenwelt abgeschnitten: Ihre Eltern haben den Laptop und das iPhone konfisziert, der Kontakt zu ihren Freunden ist untersagt und ihr Bruder ignoriert sie konsequent. Victoria ist verzweifelt. Sie trägt doch keine Schuld daran, dass ihr ehemaliger Freund Kevin Selbstmord begangen hat! Die ganze Welt sieht das aber anders. Noch eine Nacht bis sie sich wegen ihrer
Mobbing-Attacken auf facebook vor Gericht verantworten muss. Und es kommt noch schlimmer: Ein unbekannter Anrufer droht Victoria damit, sich umzubringen, wenn er keine Hilfe von ihr bekommt.


Eine Geschichte über Cybermobbing und seine Folgen. Das klang interessant, auch wenn ich bei Storys zu solchen Themen immer skeptisch bin, weil ich nichts mehr hasse, als wenn mich Geschichten belehren wollen oder die ganze Zeit mit dem moralischen Zeigefinger winken.
Anfangs erfährt man noch nicht sofort, was vorgefallen ist, wieso in der Familie solch eine gereizte Stimmung herrscht und wieso Reporter das Haus belagern. Damit hat mich die Geschichte schon mal auf Anhieb gepackt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, was vorgefallen ist. Und es ist ehrlich erschreckend.
So richtig hatte mich “Ich hätte es wissen müssen” aber erst am Haken als Victoria den Anruf von Andy bekommt, der sie um einen Grund bittet, weshalb er keinen Selbstmord begehen soll. Ich fand das Gespräch -auch wenn es sich hier und da etwas zieht- einfach super spannend. Wer ist Andy? Heißt er wirklich so? Meint er es ernst? Wie wird sich Victoria entscheiden? Und wie kam es eigentlich zu den Vorfällen in ihrer eigenen Vergangenheit?
Geichzeitig habe ich diesen Teil als sehr eindringlich empfunden. Er regt schnell dazu an, sich Gedanken über das eigene Verhalten im Internet zu machen. Sich klar darüber zu werden, welch weitreichende Folgen vermeintlich flapsige Sprüche oder auch so ein scheinbar harmloses ‘Gefällt mir’ haben können. Was man mit Fotos eigentlich gestattet und anrichten kann. Und wie einfach all das im Internet fatalerweise ist.
Die Geschichte regt allerdings wirklich in erster Linie zum Nachdenken an. Der von mir so gefürchtete moralische Zeigefinger kommt hier kaum bis gar nicht zum Einsatz. Alles an Botschaften ist sorgfältig in die Geschichte verpackt und erreicht auch so problemlos den Hörer.

Leonie Landa habe ich hier zum ersten Mal gehört und sie hat mir für diese Geschichte wirklich gut gefallen. Ihre klare, helle und junge Stimme passt prima zu der sechzehnjährigen Victoria und bringt deren Gefühlslagen gut rüber. Die Chatverläufe, die immer mal wieder eingefügt sind, liest sie mit eher neutraler Stimme. Für die übrigen Figuren hält sie ebenfalls den passenden Ton bereit.

Das Covermotiv zeigt sich in gedeckten Farben, was stimmig ist. Fröhliche Farbtöne wären hier fehl am Platze gewesen. Das Mädchen wirkt traurig und in Gedanken versunken, so wie man Victoria auch meistens antrifft. Ich bin an sich kein Fan von Frauen- und Mädchengesichtern auf einem Cover, aber dieser Story steht das gut.

Fazit:  Eine spannende und dramatische Geschichte um ein sehr aktuelles Thema, die den Hörer zum Nachdenken über eigenes Onlineverhalten anregt und mit Victoria und Andy mitfiebern lässt.

Nachtblauer Tod (Klaus-Peter Wolf / Jacob Weigert)

Titel: Nachtblauer Tod / Verlag: Jumbo, Goya Libre / Spielzeit: ca. 224 min / Buch: Klaus-Peter Wolf / gelesen von: Jacob Weigert

Inhalt: Nach einer Party ist für Leon nichts mehr wie zuvor. Seine Mutter wurde ermordet aufgefunden. Als dann auch noch Leons Vater unter Mordverdacht gerät, stürzt seine Welt ins Chaos. Er findet Unterschlupf bei der Familie seines besten Freundes Ben. Da der Kommissar sein Urteil schon gefällt zu haben scheint, ist Leon fest entschlossen, die Unschuld seines Vaters zu beweisen und begibt sich auf Spurensuche. Der Stiefvater seines Freundes, Maik, unterstützt ihn dabei. Doch dann geschieht etwas Unfassbares


Nachdem mit “Todesbrut” von Klaus-Peter Wolf so gut gefallen hat, war ich auf “Nachtblauer Tod” sehr neugierig. Vor allem, weil es ein Jugendthriller ist, für die ich bekanntermaßen ein Faible habe.
Leider muss ich sagen, dass mich diese Geschichte längst nicht so überzeugt hat wie “Todesbrut”. Das liegt nicht einmal unbedingt am Fall. Teenager Leon findet seine ermordete Mutter und plötzlich stehen er selber und vor allem auch sein Vater ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Leon beginnt mit eigenen Nachforschungen um das Gegenteil zu beweisen. Dabei macht er ungeheuerliche Entdeckungen über seine Eltern. Diese Suche nach dem wahren Täter fand ich ganz spannend und es hat mir ebenfalls gefallen, wie nach und nach das Image der “heilen Familie” untergraben wird. Es ist immer interessant zu verfolgen, wie sich Personen wie Leon angesichts solcher Entdeckungen verändern.
Mein Problem waren in erster Linie gleich eine ganze handvoll Charaktere. Allen voran der Kommissar, der dermaßen voreingenommen und selbstverliebt ist, dass es schon wieder unglaubwürdig wirkt. Dann Leon selbst. Natürlich ist er empört über den Verdacht gegen seinen Vater und sich, natürlich verstehe ich sein Aufbegehren, aber irgendwann muss doch ein Teenager seines Alters merken, wann Renitenz nichts bringt. Ich habe so oft gedacht, er soll endlich die Klappe halten und heimlich weitermachen. Auch Macho und “ich bin dein bester Kumpel”-Mike ging mir oft gegen den Strich mit seiner klugschwätzerischen Art.
Und zuletzt sei noch das abrupte Ende erwähnt. Ich habe wirklich nachgeschaut, ob da nicht doch noch eine vierte CD in der Box steckt. Während man im Buch einen Hinweise darauf bekommt, dass die Geschichte fortgesetzt wird, lässt einen das Hörbuch unwissend stehen. Ich habe es mir dann zusammengereimt. Anders kann es eigentlich bei diesem Ende nicht sein. Es wirkt aber dermaßen mitten aus einer Situation herausgerissen, dass ich es nicht als einen guten Cliffhanger empfunden habe. Und ganz ehrlich: so komplex und ausgefallen ist die Story nicht, dass ich sie mir als Mehrteiler vorstellen kann.

Jacob Weigert habe ich schon einige Male in Kinder- und Jugendhörbüchern gehört. Er gefällt mir auch hier gut. Speziell Leons jugendlich-aufmüpfigen Ton bekommt er gut hin, aber auch den übrigen Charakteren verleiht er durch gewisse Variationen in der Stimme und dem Tonfall markante Stimmen. So kann man die Charaketre immer gut erkennen, was ich bei einem Hörbuch sehr wichtig finde.

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Es war für mich ein echter Blickfang. So schön düster mit dem Titel in einer Art Leuchtschrift und darunter Schattenrisse einer Hafengegend. Das passt gut zu einem Thriller.

Fazit: An sich eine Story mit Potenzial. Leider habe zu keinem der Charaktere Zugang gefunden, da mir alle auf irgendeine Art zu extrem dargestellt wurden. Und wenn ich mit den handelnden Personen nicht klarkomme, kann ich mich auch mit der Geschichte nicht anfreunden. Außerdem habe ich mich über das Ende wirklich geärgert. Da wäre auch beim Hörbuch ein Hinweis sinnig gewesen, dass “Nachtblauer Tod” der erste Teil einer Reihe ist und es eine Fortsetzung geben wird.

Die Legende der Wächter (01) – Die Entführung (Kathryn Lasky / Stefan Kaminski)

Titel: Die Legende der Wächter (01) – Die Entführung   / Verlag:   Jumbo Verlag / GoyaLibre / Laufzeit:   ca. 210 min / 3 CDs / Buch:   Kathryn Laskyt / gelesen von:  Stefan Kaminski

InhaltUnheimliches geht im Walde von Tylo vor. Eulenkinder werden entführt und Eier verschwinden aus den Nestern. Als der Eulenjunge Soren eines Nachts aus seiner Baumhöhle fällt, wird auch er Opfer der geheimnisvollen Häscher. Er wird in ein Internat für Eulenwaisen verschleppt. Hier herrschen strenge Regeln: den jungen Eulen wird Fliegen unter Strafe verboten, sie sollen zu gehorsamen Arbeiten erzogen werden. Doch Soren spürt in seinem Inneren einen unwiderstehlichen Freiheitsdrang und so plant er mit seiner Freundin Gylfie die Flucht.


Die Legende der Wächter” ist so ein Phänomen, das ganz offenkundig den großen Wurf gelandet hat. Vom Buch über das Hörbuch bis hin -und ganz aktuell- zum Kinofilm. Nach dem ersten Hörbuch-Teil nun kann ich sagen, dass dieser Erfolg verdient ist. Kathryn Laskys Saga nimmt hier ihren Anfang, stellt die wichtigsten Charaktere vor, nimmt den Hörer mit in die Baumwipfel, in denen die Eulen leben, und natürlich startet hier die Handlung, die die Saga auch weiterhin bestimmen wird. Den Vergleich beispielsweise mit der “Warrior Cats” – Serie müssen sich die “Wächter” gefallen lassen, die Ähnlichkeit ist unbestreitbar vorhanden.

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