Gruppe

Die Mühle (Elisabeth Herrmann)

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus.

Auch dieses Buch habe ich noch 2016 gelesen. Elisabeth Herrmanns Jugendthriller haben mir im Schnitt immer ganz gut gefallen und auch wenn bei diesem Buch von einem All Age-Thriller gesprochen wird, die Hauptfiguren sind für mich noch jung genug um es als Jugendthriller zu verstehen.
Ich muss gestehen, dass ich Lana anfangs nicht wirklich verstanden habe. Wie kommt man dazu, solch eine Einladung einfach anzunehmen? Das ist doch so schon von vorne bis hinten seltsam und undurchschaubar. Außerdem stand sie nie in sonderlich guter Beziehung zu ihren alten Schulkollegen, und da nimmt sie einfach so diese Einladung an und fährt mit ihnen in Wald und Berge? Ich weiß ja nicht. Aber klar, würde sie sich nicht darauf einlassen, hätte die Story keinen Aufhänger. Alleine durch diese Entscheidung wurde ich mit Lana sehr lange nicht richtig warm.
In der kleinen Reisegruppe musste ich mich erst zurechtfinden, wer welche Position hat, wem welche Rolle zukommt und wer welche Charaktereigenschaften mitbringt und was all das für die Gruppe für eine Rolle spielt. Erfreulicherweise ist die Gruppe nicht allzu groß, so ging das Zurechtfinden ziemlich fix. Ich bin ja bekanntlich gar kein Fan davon, mich bei einer ganzen Schar Figuren einfinden zu müssen. Eine gewisse besonders gefährliche Situation bringt das Wesen der einzelnen Figuren außerdem so klar ans Tageslicht, dass man sich spätestens dann klar über die Charaktere ist.
Das Setting mit der alten Mühle entsprach ganz meinem Geschmack. Sie wird wunderbar düster und unheimlich beschrieben, aber genau deshalb auch irgendwie schön und geheimnisvoll. Anfangs fühlte ich mich dort -genau wie die Gruppe- sogar noch auf urige Weise wohl, doch dann geschehen die ersten seltsamen Vorkommnisse. Zunächst sind sie nur eher seltsam, nehmen dann aber schnell an Bedrohlichkeit zu. Als einer der jungen Leute verschwindet, ist der erste Höhepunkt erreicht.
Aber schon vorher gibt es einige Anlässe zum Wundern und auch zum Schaudern. Und natürlich fragt man sich recht schnell, was oder wer dahinterstecken könnte, und warum eigentlich. Ich habe schon in der Gruppe viel herumspekuliert. Es gibt da so manche Gestalt, die ich mir gut als Täter hätte vorstellen können. Doch dann steckte eben genau diese Person wieder in lebensgefährlichen Schwierigkeiten und ich habe ich wieder umorientieren müssen. So blieb es bis zum Schluss wirklich spannend.
Elisabeth Herrmann schont ihre Figuren nicht. Sie geraten in einige wahrlich haarsträubende und gefährliche Situationen, die mehr als einmal schier auswegslos wirken und den Leser an den Fingernägeln knabbern lässt vor Aufregung. Der Gruselfaktor ist dabei mitunter auch recht hoch und ich bin manches Mal bei Geräuschen beim Lesen aufgeschreckt. So gehört sich das für einen Thriller!
Es gibt aber auch den einen oder anderen Punkt, der nicht so nach meinem Geschmack war. Einmal sind es diese häufigen, ausschweifenden Beschreibungen. Geraden wenn es um Gegenden wie einen Wald geht, kann ich damit nichts anfangen und es bremst mich beim Lesen aus. Auch Lanas Gedanken / Erinnerungen fielen mir manches Mal zu ausführlich aus. Weiterhin muss Lana ja wirklich hunderte von Schutzengeln haben. Ja, auch das muss für die Story wohl so sein, aber so richtig glaubhaft wirkte es nicht auf mich.
Insgesamt gesehen sind das jedoch nur Kleinigkeiten, die mir den Spass an der Geschichte nicht nehmen konnten.

Es hat etwas länger als gewöhnlich gedauert bis ich “Die Mühle” ausgelesen hatte. Wie schon erwähnt haben mich die weitschweifigen Beschreibungen und Gedanken immer mal wieder ausgebremst. Allerdings gibt es auch sehr viele Dialoge, was bei so vielen Figuren ja auch kaum ausbleibt und die widerum ließen sich für mich wunderbar lesen. Die Kapitel sind durchweg ziemlich kurz, was schnell dazu verleitet, dass man sich denkt ‘ach, eines schaffst du noch ehe du schlafen musst’ und dann war es bei mir doch wieder mehr als eins und ziemlich spät geworden.

Das Cover finde ich einfach genial. So schön finster und so unheimlich irgendwie mit der nur angedeuteten Mühle und den schwarzen Vögeln. Für mich ein echter Blickfang im Regal und ein Motiv, das eine spannende, düstere und unheimliche Story verspricht.

Fazit:  Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir “Die Mühle” sehr gut gefallen. Eine durchweg spannende Story, die ihre Figuren in wahrlich lebensbedrohliche Situationen bringt. Da kann man mehr als einmal mit den Charakteren bangen. Gleichzeitig fand ich die Frage unsagbar spannend, wer warum hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Ich habe wirklich bis zur Auflösung gegrübelt, zu kombinieren versucht und verdächtigt. So hat mir “Die Mühle” wirklich Spass gemacht.


Titel: Die Mühle
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 448
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570164235
Preis: € 17,99 (Broschiert)

Schneeweiss, blutrot (Susanne Mischke)

schneeweissblutrotFrüher haben Milena und ihre Clique die Regeln gemacht. Doch während eines Ausflugs in die Berge, in völliger Isolation, ohne Handys und umgeben von nichts als Schnee, kommen Geschichten ans Licht, die Milena am liebsten vergessen hätte. Schreckliche Wahrheiten nehmen ihren Platz ein. Und Milena ahnt nicht: Die Spielregeln von damals gelten längst nicht mehr.

Seit meinem Arena X-Thriller Highlight “Röslein stach” laufe ich hinter den Thrillern von Susanne Mischke her. Immer in der Hoffnung, noch einmal solch eine geniale Geschichte lesen zu dürfen.
Als dann dieser X-Thriller von ihr erschien führte kein Weg daran vorbei. Rein von Klappentext her klang die Geschichte voll nach meinem Geschmack. Ich mag spannende und gruselige Geschichten, die an einem von der Außenwelt abgeschnittenen Ort spielen, und an denen nur wenige Personen beteiligt sind. Darin steckt in meinen Augen sehr viel Potenzial
Also begann ich guter Dinge mit “Schneeweiss, blutrot”.
Große Vorreden werden nicht geschwungen. Die Idee von dem gemeinsamen Ausflug in die Berge kommt schon nach nur drei Seiten zur Sprache, und sehr bald ist die Clique unterwegs in die Schweiz. In dieser Zeit hat Gelgenheit, sich die Charaktere vertraut zu machen. Mit einigen habe ich mich sofort anfreunden können, andere waren mir etwas supekt. So richtig unsympathisch fand ich aber niemanden und es hat mir gefallen, dass die Jugendlichen so schön verschieden sind. Bei solch unterschiedlichen Charakteren würden über kurz oder lang quasi Welten aufeinanderprallen. Das konnte würde sicher zusätzlichen Zündstoff liefern.
DerSchauplatz der Geschichte hat mir ebenfalls gefallen. Eine alte Jagdhütte weit oben in den verschneiten Bergen und fernab von jeder Zivilisation. Als Winter-Hasser lief mir alleine bei der Vorstellung eine Gänsehaut über den Rücken. Außerdem fand ich das Bild, das sich mir bei der Vorstellung der Hütte vor Augen schob, ganz schön unheimlich.
Bis dahin war also alles in bester Ordnung. Leider muss ich aber sagen, dass die Geschichte ihr Potenzial nicht wirklich ausschöpft. Trotz Einsamkeit der Hütte, den schroffen Bergen und dem verschneiten Klettersteig, wollte sich bei mir dieses Gefühl der Isolation den der übrigen Welt nicht so intensiv einstellen wie ich es mir gewünscht hatte. Dafür stand der Gruppe noch immer zuviel Raum zur Verfügung. Der Wald beispielsweise, die Möglichkeit zumindest bis zum Klettersteig gehen zu können, Höhlen. Natürlich, überall lauern Gefahren was für spannende Szenen sorgt. Aber das hätte noch mehr Isolation ebenfalls geschafft. Und so sehr mir diese ominöse Truppe aus dem Ort, der Landstreicher und die Gruselgestalten gefallen haben, auch sie brachten mir zu viel Verbindung nach draußen rein.
Ähnlich ist es mit der Gruppendynamik in der Hütte. Ich fand es durchaus interessant, was man über die Kids noch so alles erfährt. Vor allem unter den gegebenen Umständen. Und es gibt mehr als eine Szene, die für Schrecken sorgen und auf manchen der “Freunde” ein bedenkliches Licht wirft. Dabei geht es dramatisch und sogar äußerst blutig zu. Trotzdem habe ich es zwischen diesen Szenen nie so empfunden als spitze sich die Situation wirklich dramatisch zu. Jedenfalls nicht für die Gruppe. Ein oder zwei der Jugendlichen geraten durchaus mal in gefährliche Situationen, aber gerade durch dieses Auseinandersplittern der Gruppe ging für mich das Gefühl verloren, dass da etwas auf sie alle lauert. Durch diese Trennung kam immer wieder “Ruhe” rein, wodurch bei mir Spannung verloren ging.
Das Ende fand ich überraschend, das hatte ich so nicht erwartet. Allerdings fand ich es ziemlich einfach gestrickt. Da hätte ich mir eine tiefgehendere Auflösung gewünscht. Eine mehr so auf der psychologischen Schiene. Klar, der Täter ist zweifelsohne krank im Kopf, aber das hätte gerne noch eindringlicher dargestellt werden dürfen.

“Schneeweiss, blutrot” liest sich gut. Die Geschichte handelt von einer Gruppe Jugendlicher und passend dazu ist der Ton recht jugendlich. Es gibt zwar längere beschreibende Passagen, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber zahlreiche Dialoge lockern das dann wieder auf. Die Kapitel sind vergleichsweise lang, aber so macht man mit jedem Kapitel zumindest einen guten Schritt in der Geschichte voran. Das hat mir so gefallen und ich denke, die Jugendlichen, an die sich das Buch in erster Linie richtet, werden damit gut klarkommen.

Passend zur Szenerie wirkt der Look des Buchs schön frostig. Die roten Beeren bilden einen tollen Kotrast dazu. Diese Kombination passt prima zum Titel.

Fazit:  Ich fand “Schneeweiss, blutrot” zwar schon spannend und das Setting gefiel mir ebenfalls sehr gut, aber ich bin überzeugt, dass man daraus noch mehr hätte machen können. Die Isolation der Gruppe und die sich zuspitzende Situation unter Jugendlichen hätte ich mir noch intensiver dargestellt gewünscht. Ein weniger einfach gestricktes Ende wäre ebenfalls nicht übel gewesen.


Titel: Schneeweiss, blutrot
Autor: Susanne Mischke
Seiten: 376
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068459
Preis: 12,99 (Broschiert)

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