Gruselkabinett

Gruselkabinett (128) – Der Streckenwärter

Titel: Gruselkabinett (128) – Der Streckenwärter / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Bodo Primus, Matthias Lühn, Rolf Berg, Timmo Niesner

Inhalt: Das Leben eines Streckenwärters im viktorianischen England war hart, entbehrungsreich und einsam. Die Verantwortung, die diesen Männern übertragen wurde, war jedoch sehr groß. Aber erklärt das wirklich, warum sich der Streckenwärter dieser Geschichte von einer grauenhaften Erscheinung heimgesucht fühlt?


Manchmal gibt es Geschichten, an denen ich alleine aufgrund des Titels nicht vorbei komme. Wenn dann noch eine Lok auf dem Cover zu sehen ist, ist es ganz vorbei. So hatte mich diese Folge des Gruselkabinetts schon für sich gewonnen, ohne dass ich auch nur den Klappentext kannte.
Aber mir hat die Geschichte dann auch tatsächlich gefallen. Sie ist quasi eine Geschichte in einer Geschichte. Einmal berichtet eine Reisender von seiner Begegnung mit dem Bahnwärter, später erzählt ihm dieser dann seine eigene Geschichte. Das ist geschickt ineinander geschachtelt und ich habe beiden neugierig gelauscht und konnte mich gut in beide hineinfühlen. In den Streckenwärter noch ein bisschen mehr als in den Reisenden. Und das, obwohl keiner hier auch nur einen Namen hat. Jedenfalls wird keiner erwähnt.
Die Geschichte des Bahnwärters ist zwar ein Stück weit vorhersehbar, aber immer noch spannend genug. Es ist eine stimmungsvolle Schauergeschichte ohne echten Grusel, aber doch mit einigen gelungenen Gänsehautmomenten, die vor der Kulisse des einsamen Streckenwärterhäuschens, des Tunnels und der vielbefahrenen Strecke besonders intensiv ausfallen. Alleine die Vorstellung von einer Person auf den Gleisen und einer monströsen Lok samt Zug in der Anfahrt, zum Schaudern.
Das Ende ist konsequent, das muss ich zugeben. Dennoch tat es mir wirklich sehr leid und ich hätte es mir anders gewünscht. Andererseits schwingt vorher nicht gerade viel Hoffnung mit. Somit bin ich mit dem konsequenten Ende doch zufrieden.

Ganze vier Sprecher bestreiten diese Geschichte, wovon klar Matthias Lühn als Reisender und Bodo Primus als Streckenwärter den Löwenanteil übernehmen. Matthias Lühn lässt den Reisenden freundlich und sympathisch klingen. Bodo Primus (ich wusste doch, ich kenne die Stimme woher: „Faust, die Wissensdetektei“) gibt dem Streckenwärter eine markante Stimme und einen rauhen Ton. Anfangs wenig sympathisch, später dann umso mehr. Er bringt die Angst des Mannes gut und intensiv rüber.

Wie man es von dieser Serie kennt, bringt auch diese Episode eine üppige musikalische Klangkulisse mit. Überwiegend leise und dezent aus dem Hintergrund heraus, was der Stimmung und dem Gänsehautfaktor überaus zuträglich ist. Geräusche gibt es nicht allzu viele, aber die, die es gibt, sind wirkungsvoll eingefügt.

Der Tunnel auf dem Cover sieht wirklich beeindruckend und schön aus. So einen Eisenbahnunnel würde ich ja gerne einmal sehen. Wie schon erwähnt, als Eisenbahn-Fan kriegt man mich mit einer Lok immer. Entsprechend gefällt mir das Motiv wirklich sehr gut.  Der Totentkopf im Dampf der Lok deutet an, dass hier Schauriges vor sich geht.

Fazit:  Eine schöne Geschichte in der Geschichte, der man auf Anhieb gespannt lauscht. Sie ist zwar an einigen Stellen etwas vorhersehbar, das tut der düsteren Athmosphäre aber keinerlei Abbruch. Mir hat „Der Streckenwärter“ prima gefallen.

Gruselkabinett (113) – War es eine Illusion?

Titel: Gruselkabinett (113) – War es eine Illusion? / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 56 min / Sprecher: Patrick Bach, Jannik Endemann, Bernd Rumpf ua

gk113Inhalt: Ein Schul-Inspektor reist zu einer ländlichen, von Sumpfland umgebenen Schule und hat dort Erlebnisse, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen.


Auf diese Folge hatte ich mich gefreut, denn der Inhalt klang nach meinem Geschmack. Seltsame Ereignisse an einer Schule in einem Moor.
Trotzdem bin ich im Nachhinein eher enttäuscht davon. Warum? Beispielsweise, weil sie nicht eine Minuten lang unheimlich oder gar gruselig ist. Aus den zwei Szenen mit entsprechendem Potenzial wird nicht, aber auch gar nichts gemacht. Eine spätere Entdeckung ist zwar grausig, aber eher im Stil eines Krimis, nicht in dem einer Schauergeschichte. Und auch am Ende, an dem ich mittlerweile verzweifelt auf DEN Knalleffekt gehofft hatte, gab es nichts in der Richtung. Dramatisch ist das Ende bzw die Auflösung, aber beim besten Willen nicht unheimlich.
Verzweifelt habe ich deshalb gehofft, weil zwischen erwähnten zwei Szenen und dem Ende nichts Besonderes geschieht. Nichts Gruseliges (mal wieder), nichts Dramatisches, nicht Trauriges, nichts Schönes…alles plätschert so sehr vor sich hin, dass sich die knapp 56 Minuten für mich zogen wie Kaugummi.
Die Auflösung kam -was den „Täter“ anbetrifft- nicht sonderlich überraschend. Seine Geschichte dagegen hat es dann schon mehr in sich. Aber halt auch wieder eher im Stil eines Krimis. Da ist nicht Übersinnliches, Gespenstisches dran.

Die Sprecher trugen auch dazu bei, dass ich mit der Geschichte nicht warm wurde. Schulinspektor Frazer blieb mir sehr fern, da ich bei ihm immer irgendwie eine gewisse Distanz und Kühle herausgehört habe. Sogar in den Momenten, in denen er sich zB fürchtet. Jannik Endemann lässt Frazers Freund meist so arrogant klingen, dass er mir einfach nicht sympathisch werden wollte. Dagegen konnte mich Bernd Rumpf gänzlich von sich überzeugen.

Endlich eine Folge dieser Reihe ohne durchgängige Musikkulisse. Die eingesetzten Stücke sind gut platziert und unterstreichen die Stimmung und Amtosphäre der Szenen. Weniger kann halt auch mehr sein. Die Geräusche sind einmal mehr gut, da gibt es nichts.

Die neblige Szenerie auf dem Cover passt gut zur Geschichte. Man rätselt gleich, wer diese Person in den Schemen sein könnte.

Fazit:  Mehr ein Krimi als eine Schauergeschichte. Aber für einen guten Krimi in der Mitte einfach zu sehr in die Länge gezogen.

Gruselkabinett (112) – Der Ebenholzrahmen

Titel: Gruselkabinett (112) – Der Ebenholzrahmen / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 58 min / Sprecher: Herbert Schäfer, Beate Gerlach, Eva-Maria Werth, Daniela Bette ua

gk112Inhalt: London 1923: Philipp Devigne ist nicht wenig erstaunt, von seiner reichen Tante ein altes viktorianisches Haus im Londoner Nobel-Stadtteil Chelsea zu erben. Über dem Kamin im Speisezimmer hängt in dem ansonsten erlesen möblierten Haus ein billiger Druck in einem aufwändigen Ebenholzrahmen. Wie sich herausstellt, hat es damit eine unheimliche Bewandtnis?


Die „Gruselkabinette“ und ich, es ist und bleibt so eine Sache für sich. Diese Folge hier ließ sich ganz vielversprechend an. Philipp, Mildred und deren Mutter waren mir schnell sehr sympathisch. Und ein Haus bzw später Spukhaus in Chelsea klang ebenfalls nicht übel.
Allerdings muss ich sagen, dass ich es gar nicht als Spukhaus empfunden habe. Genau genommen habe ich nicht eine Minute des Hörspiels auch nur ansatzweise als unheimlich oder gruselig empfunden. Dafür sind die entsprechenden Szenen zu selten und zu kurz gehalten. Außerdem triefen sie eher vor Schmalz als schaurig zu sein.
Spannung kam bei mir auch erst kurz vor Ende mal auf, jedoch nicht für sehr lange.
Auch diese Magie, die von der Frau vom Gemälde ausgeht, kam bei mir gar nicht an. Aber da muss doch etwas sein, wenn man den an sich ganz vernünftigen Philipp zum Liebestrottel macht!
Und nicht zuletzt: natürlich weiß ich, dass das Hörspiel 1923 spielt und über diese Zeit weiß ich so ziemlich gar nichts. Aber war es damals wirklich normal, dass man zB die Frau, der man einen Antrag machen möchte, vorher noch siezt? Und überhaupt, ein bisschen mehr Gefühl hätte da schon dabei sein können. Angeblich lieben sie sich doch!

Herbert Schäfer ist eine gute Wahl für die Rolle des Philipp. Ich mochte Philipp sofort. In der Geschichte lässt er ihn noch recht jung klingen, als Erzähler dagegen schon älter und weiser. Daniela Bette gibt die Frau aus dem Gemälde (was hätte es der Story eigentlich genommen, wenn sie einen Namen gehabt hätte?) und gibt ihr einen geheimnisvollen Ton.

Musik ist hier wieder an allen Ecken und Enden zu hören. Und mir war es -wieder mal- einfach zu viel. Außerdem hat auch die Musik ist nicht geschafft, für Grusel und / oder Spannung zu sorgen. Die Geräuschkulisse ist fein, da gibt es nichts auszusetzen.

Das Bild mit dem Rahmen ist natürlich auch auf dem Cover zu sehen. Gerade in dem Moment als die schöne Fremde heraussteigt. Rundherum züngeln die Flammen, was dem Bild eine gewisse Dramatik verleiht.

Fazit: Weder spannend, geschweige denn gruselig. Bis auf das Ende für mich eigentlich sogar eine generell wenig aufregende Folge der Reihe.

Gruselkabinett (108) – Der Kapitän der Polestar

Titel: Gruselkabinett (108) – Der Kapitän der Polestar / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 70 min / Sprecher: Louis Friedemann Thiele, Matthias Lühn, Claus Thull-Emden ua

gk108Inhalt: Im Eismeer 1884: Das Walfänger-Schiff Polestar liegt im Packeis fest. Zur Besatzung gehört auch der Medizinstudent John McAllister Ray, der auf der Polestar als Schiffsarzt angeheuert hat. Unheimliche nächtliche Ereignisse lassen die Mannschaft zunehmend nervöser werden. Hat der Kapitän womöglich seinen Verstand verloren?


Dann machen wir mal weiter mit dieser Reihe, die es mir irgendwie mit keiner Folge leicht macht. Auch bei dieser habe ich mehrere Anläufe gebraucht um sie einmal aufmerksam durchzuhören und dabei nicht abzudriften.
Denn dieser Gefahr besteht durchaus, und zwar nicht zu knapp. Action, echte Schreckmomente und große Dramatik darf man von dieser Geschichte nicht erwarten, sonst wird man enttäuscht.
Trotzdem hat sie mir nach dem aufmerksamen Hören ganz gut gefallen. Ich mag die Atmosphäre, die so kühl und düster daherkommt wie es die Szenerie ist, in der die Geschichte spielt. Wie das Eismeer halt. Abgesehen davon hasse ich Kälte und Eis, daher hatte das für mich schon irgendwo seinen ganz eigenen Grusel.
Der eigentliche Schrecken kündigt sich hier zurückhaltend an und so hat man zunächst gut Gelegenheit, die Figuren kennenzulernen. Vor allem den rauhen Kapitän Craigie und den Medizinstudenten McAllister. Dass der Kapitän ein dunkles Geheimnis hütet, erkennt man schnell und wird so neugierig, was es wohl sein könnte. Und dann dem rational eingestellten McAllister hat man immer auch einen Zweifler dabei, der einen unsicher macht, ob man an einen Spuk glauben soll.
Allerdings gab es einen Punkt, an dem ich mir recht sicher war, was dort auf und um die Polestar herum vor sich geht. Dafür muss man lediglich bereits die eine oder andere Schauergeschichte dieser Art kennen, dann kommt man der Sache fix auf die Spur.
Das Ende wurde mir dann zu schnell abgehandelt angesichts einer so stattlichen Spielzeit. Da hätte man zuvor hier und da gut sparen können, dann hätte man am Ende vielleicht noch ein wenig Dramatik einbringen können.

Matthias Lühn ist in der Rolle des Kapitäns zu hören. Mit seiner markanten Stimme lässt er ihn rätselhaft und mal mürrisch, mal aufbrausend und mal sehr menschlich klingen. Als Mediziner McAllister ist Louis Friedemann Thiele zu hören. Die Wandlung dieser Figur vom abgeklärten Medizinstudenten hin zu einer Person, die Übersinnliches akzeptieren muss, ist ihm prima anzuhören. Claus Thull-Emden kommt eine ebenfalls größere Rolle zu. Er übernimmet den Part des Steuermanns und hat für ihn genau die richtige rauhe Stimme eines Seemanns auf Lager.

Einmal mehr gibt es einiges an Musiken zu hören, allerdings durchweg sehr zurückhaltend. So wirkte die Folge auf mich nicht so sehr mit Musik überladen wie viele andere. Und es sorgt dabei auch noch für eine wirklich stimmige Atmosphäre. Besonders gut haben mir die Geräusche gefallen: das Knarren des Schiffs, der Wind, top!

Ich liebe das Blau-Lila des Covermotivs. Gemeinsam mit dem vereisten Schiff transportiert es so genau den richtigen, eisigen Eindruck von der Geschichte. Und man fragt sich sofort, wieso jemand an Deck eines solchen Schiffs steht.

Fazt: Von Action, Dramatik und echtem Grusel keine Spur. Dafür konnte die Geschichte bei mir aber mit seinem Schauplatz und der düsteren Atmosphäre punkten.

Gruselkabinett (106) – Das Traktat Middoth

Titel: Gruselkabinett (106) – Das Traktat Middoth / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Constantin von Jascheroff, Cathlen Gawlich, Bernd Rumpf ua

gk106Inhalt: Unheimliche Dinge ereignen sich in einer der berühmtesten Bibliothek des Landes. Der junge Mr. Garrett versucht, Licht in die mysteriösen Vorkommnisse zu bringen.


Bei dieser Reihe darf ich gar nicht genau hinschauen, wie viele Folge ich hinterherhänge. Weit genug jedenfalls, dass die edle Spenderin langsam unegduldig wird und die geliehenen CDs zurück möchte. Also fangen wir mal an.
Es mag aber auch an eben dieser Folge liegen, dass ich die Reihe weit von mir geschoben habe. Ich habe sie unzählige Male angefangen, den Anfang auch wirklich gut und schaurig gefunden und mich wenig später wie rausgerissen aus dieser Stimmung gefühlt.
Denn plötzlich geht es gar nicht mehr um das Buch, das den jungen Bibliothekar zunächst so auf Trab gehalten hat. Stattdessen gerät er auf einer Erholungsreise an ein Mutter-Tochter-Gespann und wird von diesem in eine rätselhafte Erbschaftsangelegenheit verwickelt. Dass das widerum etwas mit dem Buch vom Anfang zu tun hat, das ahnt man maximal. Ersichtlich ist es aber aus der Handlung heraus lange Zeit erstmal nicht. Stattdessen hält man sich mit endlosen Dialogen und Rückblenden auf.
Wäre mir Bibliothkar Garret nicht so unglaublich sympathisch gewesen, hätte ich der Folge nicht so viele Chancen eingeräumt. Aber ihn mochte ich wirklich, daher habe ich die CD nicht nach zweimaligem Hören zurückgegeben, sondern es wieder und wieder versucht.
An meiner Gesamteinschätzung hat sich jedoch nichts geändert.

Dass mir Garret so sympathisch wurde, ist natürlich Sprecher Constantin von Jascheroff zu verdanken, dessen markante und angenehme Stimme einene sofort für diese Figur einnimmt. Er lässt ihn engagiert klingen und bringt auch alle anderen Gefühlslagen seiner Figur glaubhaft rüber. Herma Koehn und Cathlen Gawlich haben mir ebenfalls prima gefallen, sie bringen Schwung in die teilweise doch sehr einschläfernde Handlung.

Musikalisch zeichnet sich auch diese Folge mal wieder dadurch aus, dass man der Musik kaum entkommen kann. Fast ständig ist irgendein Stück zu hören, selbst wenn es nur leise im Hintergrund vor sich hin dräut. Ich persönlich neige dazu, bei solcher Dauerberiselung eben diese irgendwann auszublenden. Ich bin nicht sicher, ob das so gewünscht ist.

Das Cover mag ich wirklich gerne, denn es verheißt eine gruselige Geshichte um eine scheußliche, monsterartige Gestalt. Weit gefehlt!

Fazit:  Die Folge beginnt vielversprechend, erlebt dann jedoch einen Bruch, in dem sie sich so ausgiebig ergeht, dass die Rückkehr zum Anfang mehr als schwer fällt und entsprechend unglaubwürdig daherkommt.

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