Hamburg Krimis

Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (09) – Todesengel Reeperbahn

Titel: Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (09) – Todesengel Reeperbahn / Verlag: vitaphon / Spielzeit: ca. 63 min / Sprecher: Jasmin Wagner, Simona Pahl, Haye Graf, Gustav Peter Wöhler ua

Inhalt: Hamburg 1962. Der Star-Club öffnet seine Pforten als eine Beatband aus Liverpool, bestehend aus John, Paul, George und Pete, von sich reden macht. Aufsehen erregt der neue Beat und der freche Lebensstil der vier Pilzköpfe. In allernächster Umgebung tummelt sich die Mädchenband She Bees, deren Gitarristin Tina sich in John verliebt hat. Als ein Star-Club-Kellner ermordet wird und die Kriminalpolizei ermittelt, wird es richtig mulmig. Johns Verhaftung kann nicht verhindert werden, die beiden Bands verstricken sich im Reeperbahngeflecht. Es geht um Opium, um die Chinesenmafia, um Geldschiebereien. Wann schlägt der Serienkiller wieder zu …? Ähnlichkeiten zu Lebenden oder bereits Verstorbenen sind nicht ganz zufällig!


Wo könnte ein echter Hamburg Krimi besser spielen als auf dem Kiez? Na eben! Genau dorthin führt diese Geschichte den Hörer. Allerdings auch zurück ins Jahr 1962, was mich -als es klar wurde- erstmal skeptisch machte. Alles vor den 80ern ist halt nicht mein Fall. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Geschichte gut gefallen hat. Vor allem, weil hier eine namentlich zwar nicht genannte, aber durch die Beschreibung schon sehr eindeutige Band eine Rolle spielt. Das verleiht der Story einen Gutteil des 60er-Jahre-Anstrichs, denn ansonsten hört man das -außer durch die Musik- nicht so deutlich heraus. So aber hat es ganz klar Charme! Der Krimi um den Mörder, der auf der Reeperbahn umgeht, ist auch recht spannend und wartet mit allem auf, was man von einem Krimi aus dem Milieu erwarten darf. Mord, Drogen, die Mafia und dunkle Geschäfte im Allgemeinen. Die auf dem Backcover versprochene “kribbelnde Atmosphäre” kam bei mir allerdings nicht auf. Dafür kommt die Geschichte durch die Mädels und die viele Musik einfach zu locker daher.

Jasmin Wagner und Simona Pahl alias Tina und Gina von der Mädels-Band “She Bees” haben mir von den Sprechern dieses Hörspiels am besten gefallen. Unglaublich wie locker und frei sie ihre Rollen sprechen. Da macht das Zuhören Spaß und ich würde dieses Gespann gerne noch mal zusammen hören. Gestört habe ich mich etwas an den Stimmen einiger Nebencharaktere, die mir zu typisch, ja, sogar etwas überzogen klangen. Ernie beispielsweise habe ich seine rauchige Stimme nicht abgenommen. Und der Scherge von Vegas Willi klingt so glaubwürdig wie eine Cartoonfigur.

Die Geschichte spielt in den 60er-Jahren und der Soundtrack passt sich da absolut an. Wer Musik aus dieser Zeit mag, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Auch die Geräuschkulisse ist prima und macht das Geschehen wunderbar anschaulich.

Im Booklet verbirgt sich -wie üblich- ein Spielplan mit Figuren, so dass man den Fall nachspielen könnte. Wenn man denn das Booklet zerschneiden möchte. Hier findet man aber auch zahlreiche Informationen über die Sprecher und die Autorin der Geschichte. Als Gimmick liegt dieses Mal ein Rabatt-Gutschein für das “Beatle Mania” in Hamburg.

Fazit:  Ich mag lieber die Folgen aus dem Heute, aber Spass hat diese Episode trotzdem gemacht. Vor allem durch die beiden Hauptsprecherinnen, die ich gar nicht genug loben kann.

Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (05) – Das Phantom vom Fischmarkt

Titel:   Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (05) – Das Phantom vom Fischmarkt / Verlag:   Vitaphon / Laufzeit:   ca. 52 min, /  1 CD / Buch:   Anke Cibach / Sprecher:   Monty Arnold, Susanne Ulke, Michael Lott, Robert Missler, Claudia Schmerutzki u.A.

Inhalt:   Die Angst geht um auf dem Hamburger Fischmarkt. Zwei Menschen sind ermordet worden, wohne erkennbares Motiv: ein Hamburger Familienvater und ein Tourist. Ist ein Serienkiller unterwegs? Oder ein Irrer? Kommissar Bär und seine Assistentin Sylvia ermitteln, während der Täter seine nächsten Opfer bereits aussucht und richtet…


Nun hat es also den berühmten Fischmarkt erwischt und er darf als Schauplatz des neuen Hamburg Krimis dienen. Ohne Zweifel ist der Fischmarkt ein Tummelplatz für allerlei  gemischtes und auch zwielichtiges Volk. Ideal also, aber bei mir wollte trotzdem kein Krimi-Feeling aufkommen. Hauptsächlich, weil es zwar einen roten Faden gibt -die Handlung um den gesuchten Mörder-, man die aber leicht aus den Augen verliert angesichts der verschiedenen Charkatee und deren Gerede drumherum, das so direkt mit dem Fall gar nichts, oder nur wenig zu tun hat.

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Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (04) – Grüne Hölle Hagenbeck

Titel:   Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (04) – Grüne Hölle Hagenbeck / Verlag:   Vitaphon / Laufzeit:   ca. 52 min, /  1 CD / Buch:   Frank göhre / Sprecher:   Till Demtroder, Claudia Schermutzki, Jens Wawrczeck, Robert Missler, Susanne Ulke u.A.

Inhalt:   Eine Mordanzeige auf dem Kommissariat bringt Fedder ins Grübeln. Richtig interessant wird es für ihn während des rauschenden Sommerfestes des Hamburger Privatfernsehsenders RAW im Tierpark Hagenbeck. Zuerst verschwindet der fünfjährige Sohn des TV-Bosses Heinze und dann dessen Assistentin. Die wird schnell gefunden: nackt und tot, bei Vollmond…ein Ritualmord? Das Rätsel löst sich überraschend auf…


Die Fortsetzung der Hamburg Krimis ist da. Für diese Folge hat man sich den berühmten Zoo als Schauplatz ausgeguckt. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Ort für eine glatt ein wenig unheimliche Atmosphäre sorgen könnte, denn immerhin ist ein Zoo ja ein Ort der Vergnügens und der Entspannung. Aber es funktioniert tatsächlich und von dieser leicht schauerlichen, dschungelartigen Atmosphäre lebt diese Folge im Wesentlichen. Hier spielt sich der größte Teil der Geschichte ab, die ich trotz aller krimineller und boshafter Energien als frisch und unterhaltsam empfunden habe. Mal eine ganz andere Art Krimi, wie es diese Serie ja gerne beweist.

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Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (01) – Todesfalle Speicherstadt

Titel:   Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (01) – Todesfalle Speicherstadt / Verlag:   Vitaphon / Laufzeit:   ca. 72 min, /  1 CD / Buch:   Michael Koglin / Sprecher:   Christian Stark, Robert Missler, Douglas Welbat, Annette Gunkel, Andreas Gärtner, Ansgar Döbertin, Rolf Schmieding

Inhalt:   “Schwarzer Pfeffer aus Indonesien – jetzt bloß nicht niesen, sonst knallt mir der Typ ohne Vorwarnung das Kantholz auf die Birne. Keine rosigen Aussichten.”
Che sitzt in der Klemme. Hinter ihm die Wand im Gewürzspeicher, vor ihm ein Typ, der es nicht gut mit ihm meint. Das hatte sich Che vor Monaten in der Südsee, bevor er auf dem Frachter anheuerte, ganz anders vorgestellt. In Hamburg wollte er ein neues Leben beginnen und nicht sein altes aushauchen. Einigen Leuten wird er zu gefährlich. Leuten, die miese Geschäfte betreiben. Da helfen nur Tricks. Und gute Freunde…


Eifel-Krimis, Allgäu-Krimis, Köln-Krimis, wieso also nicht eine Reihe von Hamburg-Krimis? Und Tatort Speicherstadt legt am Anfang auch direkt gut los in Sachen Krimi, denn Che sieht sich in einem Gebäude des Speicherstadt plötzlich einem bewaffneten Mann gegenüber, der es höchstwahrscheinlich auf ihn abgesehen hat. Dabei wird ihm klar, dass er sich einen neuen Start in Hamburg so sicher nicht vorgestellt hat. Und er beginnt zu erzählen, wie er nach Hamburg gekommen ist und wie er überhaupt in diese Misere hineingerutscht ist. Allerdings erzählt er das auf eine solch liebenswert augenzwinkernden und flapsige Art, dass ich die Bedrohung durch den bewaffneten Kerl ziemlich flott vergessen hatte und stattdessen manches Mal wirklich lachen musste. Und so ist es auch über den Rest des Hörbuchs hinweg geblieben. Der Fall um den ominösen Container, seinen grässlichen Inhalt und die Jagd auf Che, weil er etwas gesehen hat, was er niemals hätte sehen dürfen, war wohl interessant. Hauptsächlich aber, weil er Che in ein nur noch größeres Chaos stürzt als das, in dem er seit seiner Ankunft ohnehin schon lebt. Und eben diese sympathisch naive und humorvolle Art davon zu erzählen, einfach zu schön.  Es mag vielleicht kein Aushängeschild für einen Krimi sein, wenn der Fall hinter der gewitzten Erzählweise zurücksteht, aber auf jeden Fall macht es richtig Spaß. Und genau das erwarte ich in erster Linie von einem Hörspiel / Hörbuch: dass es mich unterhält. Tatort Speicherstadt hat das geschafft, über die volle Spielzeit hinweg.

Che, der uns von seinem turbulenten Start in Hamburg erzählt, wird von Christian Stark gesprochen. Wie gesagt, ich hätte ihm noch Stunden zuhören können, so locker weg und überzeugend pfiffig meistert er diesen Part. Ich habe den mikronesischen Bengel wirklich vor mir gesehen. Gelegentlich aber, wenn Che das Geschehen im Hafen beschreibt oder voller Andacht vor dem Denkmal von Klaus Störtebeker steht, gibt Christian Stark ihm auch einen recht wehmütigen oder andachtsvollen Ton, der einen ab und zu wirklich zu Tränen rühren kann. Robert Missler übernimmt die Rolle von Ches bestem Freund Charles. Der hat nicht nur einen Goldzahn quasi als Sterbeversicherung im Mund, sondern redet auch in einem solch verqueren Mix aus Deutsch und Englisch, dass ich Robert Missler dafür nur meine Bewunderung aussprechen kann. Das muss man auch erst mal hinbekommen. Die dritte große Rolle geht an Douglas Welbat, der den Consorten spricht (der heißt nicht wirklich so, aber er sieht bei der Firma Mattheusen & Consorten nach dem Rechten und kommst so zu diesem Namen). Er ist eine Seele von Mensch und genau das hört man ihm vom ersten Moment auch an.

Ein dickes Lob verdienen auch Untermalung und Geräuschkulisse. An Musik ist von karibischem Klängen bis zu absolut krimitauglichen Stücken alles dabei und stets so passend eingesetzt, dass sie sofort für die jeweilige Atmosphäre sorgen. Was die Geräusche angeht, da hege ich den Verdacht, dass die Herrschaften von Vitaphon wirklich durch Hamburgs Straßen gezogen sind um sie vor Ort aufzunehmen. Das könnte wirklich sein, ich habe selten so eine authentische Geräuschkulisse gehört.

Die Aufmachung des Hörbuchs bzw der szenischen Lesung kann sich ebenfalls sehen lassen. Die düstere Coverfront mit dem Ausblick auf Hamburg, im Vordergrund der Rettungsring und die Vorratssäcke und dazu die kräftig gefärbte Schriftzug, das macht sich gut. Doch dabei bleibt es nicht, denn man kann dieses Cover auch noch auf zwei Arten entfalten. Aufgeschlagen wie ein Buch hält es Bilder und Infos zu den Sprechern und dem Autoren bereit, außerdem einen interessanten Text über Vitaphon und eine zusätzliche Zusammenfassung der Geschichte. Doch man kann das Cover auch wie einen Stadtplan entfalten und hat dann tatsächlich einen solchen Plan in Händen. Genau den Ausschnitt von Hamburg, in dem Tatort Speicherstadt spielt. Und wie einst bei dem berühmtem Spiel Scotland Yard kann man mit Spielfiguren von Che, Charles und Consorten in diesem Ausschnitt herumlaufen und die Geschichte “nachspielen”.  Bleibt zuletzt nur noch das Beutelchen Schwarzer Pfeffer zu erwähnen, der passenderweise vorne auf der Hülle klebt. Ein klasse Gag!
Fazit:   Tatort Speicherstadt ist amüsant, spannend, rührend, irgendwie sogar süß und Unterhaltung pur!

Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (02) – Fegefeuer am Grindel

Titel:   Hamburg Krimis – Für Sie um die Ecke gebracht (02) – Fegefeuer am Grindel / Verlag:   Vitaphon / Laufzeit:   ca. 72 min, /  1 CD / Buch:   Michael Koglin / Sprecher:   Nina Petri, Andreas Pietschmann, Marlen Diekhoff, Robert Missler, Douglas Welbat, Andreas Gärtner u.a.

Inhalt:   Vier Menschen sollen dran glauben, das hat Marina sich vorgenommen. Sie weiß nämlich, dass sie sterben muss, und will sich vorher rächen: an ihrem Geliebten in der Unibibliothek, am Stiefvater, ihr Erzeuger wird folgen und schlussendlich Dr. Kleineidam, ihr Arzt. Noch sind winzige Details zu klären, z.B. kann man mit E605 wirklich töten? Braucht jeder Mord eine neue Methode?


Nachdem mir der erste Hamburg-Krimi so gut gefallen hat, ist natürlich direkt die zweite Folge in den Player gewandert. Marina ist der Meinung, sie müsse bald sterben  und beim Schreiben diverser Abschiedsbriefe erkennt sie plötzlich, dass es für sie damit nicht getan ist. Sie sinnt auf Rache an den Menschen, die ihr -wie es ihr immer vorgekommen ist- das Leben schwer gemacht haben. Die Liste ist schnell erstellt und schon geht es ans Eingemachte. Doch bald stellt sich heraus, dass Morden gar nicht so einfach ist, wenn man entweder schlicht handwerklich ungeübt darin ist, oder sich einem unerwartet das Gewissen in den Weg stellt. Mir hat es Spaß gemacht, Miranda bei ihren Plänen zu lauschen und zu verfolgen, wie kolossal ihre Mord-Bemühungen jedes Mal scheitern. Dabei geht es zwar recht vorhersehbar zu und auch was Mirandas Todesahnung angeht hatte ich seit Anfang an einen leisen Verdacht, der sich am Ende dann als richtig entpuppte, aber das Hörvergnügen hat das keinen Abbruch getan. Schön, dass es auch in dieser Folge ein wenig humorvoll zugeht.

Einen Mann als Sprecher bei einer Geschichte, die von einer Frau handelt, habe ich anfangs als nicht so günstig eingestuft. Aber Andreas Pietschmann macht das dann doch wieder so gut, dass sich der Eindruck sehr schnell verflüchtigt hat. Außerdem hat Nina Petri alias Miranda ja durchaus auch eine ganze Menge zu sagen und dieser Kontrast zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme hat es mir dann sehr leicht gemacht, Mirandas Part und den des Erzählers zu trennen. Bei zwei Frauenstimmen wäre mir das sicher nicht so gut gelungen. Nina Petri mit ihrer sympathischen Stimme und dem gewitzten Humor darin macht einem Miranda jedenfalls sehr schnell sympathisch.
Marlen Diekhoff fällt die Rolle von Trudchen zu, der zweiten Frau von Mirandas Stiefvater, und spricht die dröge Trudchen sehr überzeugend. Wenn man ihr so lauscht, kann man Miranda schon irgendwie verstehen. Aber für etwas wird Trudchen ja dann doch noch gut sein…

Die Untermalung kann sich auch bei der zweiten Folge durchweg hören lassen. Die Musiken sind sehr gut gewählt und die Geräusche klingen authentisch und sind immer passend eingesetzt. So ergibt sich insgesamt eine sehr stimmungsvolle Musik- und Geräuschkulisse.

Genau wie die Vorgängerfolge bringt auch Fegefeuer am Grindel wieder ein kleines Gimmick mit. Dieses Mal ist es ein Kartenspiel im Format eines Daumenkinos. Den Bezug zur Geschichte erkennt man aber erst nach dem Hören. Das Cover kann man erneut voll entfalten und im Inneren ist auch wieder ein Stadtplanausschnitt von Hamburg zu finden, samt Spielfiguren um die Geschichte “nachspielen” zu können. Diese Idee hat einfach was, da gibt es nichts.

Fazit:   Zwar recht vorhersehbar, aber die Idee der Story weiß zu gefallen und unterhaltsam ist sie ebenfalls.

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