Haus

Der Gesang des Blutes (Andreas Winkelmann)

gesangblutEs ist im Keller. Und bald kommt es herauf. Die eigenen vier Wände auf dem Land: für Kristin und Tom geht ein Traum in Erfüllung. Doch die junge Mutter beschleicht von Anfang an ein ungutes Gefühl. Das alte Haus ist ihr unheimlich. Als Tom kurz nach dem Einzug überraschend stirbt, werden Kristins Ängste von Tag zu Tag schlimmer. Sie hört Stimmen, und nachts träumt sie von einer Gestalt, über die man im Dorf spricht: von einem Scherenschleifer, der hier vor langer Zeit eine Frau getötet haben soll. Kristin glaubt, langsam verrückt zu werden. Die Dorfbewohner raten ihr, das neue Heim so schnell wie möglich zu verlassen. Sie entschließt sich, zu bleiben.

Mit Andreas Winkelmanns Thrillern habe ich bislang keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht. Manche waren zwar besser als andere, aber das ist wohl normal. Entsprechend musste “Der Gesang des Blutes” unbedingt mit als ich es im Buchladen entdeckte. Der Klappentext klang absolut nach meinem Geschmack!
Die Geschichte ließ sich nicht übel an. Ein junges Pärchen zieht in ein abgelegenes, altes Haus auf dem Lande. Der Frau, Kristin, ist zwar nicht ganz wohl dabei, vor allem wegen des Kellers, aber sie weiß, dass sie eine blühende Phantasie hat und lässt sich deshalb trotzdem darauf ein. Als Leser ahnt man da natürlich, dass an ihrer Vorahnung womöglich doch etwas dran sein könnte und auch die Geheimniskrämerei im Dorf lässt darauf schließen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Das macht Hoffnung auf eine spannende und geheimnisvolle Story.
Allerdings wechselt der Schauplatz bald und es kommen weitere Figuren ins Spiel und mit ihnen ein Handlungsstrang, der sowas von überhaupt nicht mein Fall war. Ganz ehrlich: hätte auf dem Klappentext etwas von einem Bankräuber gestanden, der von zwei Typen verfolgt wird, die ihn schließlich umbringen, was sich dann aber als Irrtum herausstellt und die nun selber gejagt werden, dann hätte ich das Buch definitiv auf seinem Büchertisch liegen lassen. Was ist daran bitte Thriller? Sowas tischt einem so mancher “Tatort” am Sonntagbend auf! Ich konnte mir zudem üebrhaupt nicht vorstellen, wo sich da ein Zusammenhang mit dem Teil der Handlung bei Kristin, Tom und Lisa ergeben sollte.
Deren Part gefiel  besser. Das Haus und sein Keller blieben für mich geheimnisvoll und ich habe stetig  versucht, die Einblicke in die Vergangenheit mit Kristins Heute in Verbindung zu bringen. Sowas mag ich. Den Keller selber hätte man aber noch etwas gruseliger in Szene setzen können, da fehlte mich quasi der letzte Pfiff. Und  Kristin ging mit manchmal auf die Nerven. Wie kann man alles rund um den Alltag dem Mann überlassen und sich auf diese Weise so unfähig für das Leben machen lassen? Und nicht mal als Kristins Probleme wirklich bedrohlich werden, kriegt sie so richtig den Hintern hoch! Trauer hin oder her, aber wenn man bereits mit einem Bein auf der Straße steht, sollte man schon aufwachen. Ich hätte sie schütteln mögen!
Das Ende und die Auflösung selbst waren auch so eine Sache. Zwar ergab sich irgendwann tatsächlich ein Zusammenhang mit der Handlung um die beiden Bankräuberjäger, aber glaubwürdig sieht anders aus. Ausgerechnet bei dem abgebrühtesten der beiden bricht am Ende der Wohltäter durch. Ich dachte, ich lese nicht richtig! Hallo, Robin Hood, was machst du denn in einem Thriller?
Obwohl, ist “Der Gesang des Blutes” überhaupt ein Thriller? Für mich mischt hier dafür zu viel Übersinnliches mit. Von in mehrere Prsönlichkeiten gespaltene Menschen habe ich in Thrillern schon einiges gelesen. So etwas gibt es. Aber dieses Hineinschlüpfen in Menschen von anno Schnuff ist eine ganz andere Nummer. Dass Kristin im Haus Stimmen hört, habe ich anfangs noch auf ihre überreizte Phantasie geschoben, doch dann hören auch noch andere diese Stimmen. Körperlose Stimmen? Das ist doch keine Gruselgeschichte, sondern ein Thriller! Und ich war so neugierig gewesen, wie die Ereignisse am Ende realistisch erklärt werden würden!

Ich habe mich noch nie durch einen Thriller von Andreas Winkelmann hindurchkämpfen müssen. Dann kam “Der Gesang des Blutes”. Vor allem die Kapitel um die beiden Verfolger des Bankräubers hätte ich gerne übersprungen. Die lasen sich unheimlich zäh. Der Part um Kristin dagegen flog eher dahin. Immerhin haben die Kapitel eine feine Länge um doch noch eins (oder zwei oder drei) zu genehmigen.

Ein Thriller mit einem leuchtend gelben Cover! Das fällt auf dem Büchertisch natürlich auf. Und das Blut passt so prima zum Titel. Dahinter ist die Kellertreppe zu sehen, die ich aber erst auf den zweiten Blick erkannt habe. Das Gelb und Rot lenkt davon ganz schön ab.

Fazit:  In Summe hat mich mit “Der Gesang des Blutes” zum ersten Mal ein Thriller von Andreas Winkelmann enttäuscht. Vor allem weil es zur Häfte überhaupt nicht um das geht, wovon im Klappentext die Rede ist! Den ganzen Part um den Bankraub und seine Folgen hätte man für mich gerne erheblich kürzer fassen dürfen. Diese Ausführlichkeit wäre für das wenig glaubhaften Ende überhaupt nicht nötig gewesen. Außerdem hatte mir die Story einen zu deutlichen Einschlag hin zu einer Gruselgeschichte. Ein Thriller sollte für mich aber realistisch bleiben. Und Kristin mit ihrer Kopf-in-denSand-Mentalität nervt ganz ordentlich.


Titel:  Der Gesang des Blutes
Autor:  Andreas Winkelmann
Seiten:  336
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499266669
Preis:  € 9,99 (TB)

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Gruselkabinett (86) – Die Kreatur

Titel: Gruselkabinett (86) – Die Kreatur / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 60 min  / Sprecher: Hasso Zorn, Jannik Endemann, Manfred Lehmann ua

gk86Inhalt: Eine Kleinstadt in denSüdstaaten der USA 1935:
Die Suche nach Bozo, dem spurlos verschwundenen Malteser Kater seiner Freundin Marjory, lässt den jungen Michael Strang in der Dämmerung
in einem einsam gelegenen Haus am Ende der Straße die Bekanntschaft des geheimnisvollen neuen Besitzers machen.


Es hat sich irgendwie eingebürgert, dass “Gruselkabinett”-Folgen bei mir nicht unbedingt in Reihe besprochen werden. Einfach weil ich nach dem Titel entscheide, in welcher Reihenfolge ich sie höre.
Diese Geschichte startet zwar nicht gruselig, dafür aber spannend und auch ganz interessant. In einer Kleinstadt verschwinden seit einiger Zeit immer wieder Haustiere, was ich persönlich als besonders schlimm empfunden habe, tierversessen wie ich bin. Mir tat Marjory unheimlich leid. Auf seiner Suche nach dem Kater trifft Marjorys Freund Michael auf einen eigenbrötlerischen Mann, der neu in die Stadt gezogen ist. Jeder, der enigermaßen erprobt ist in Sachen Gruselgeschichten, wird natürlich sofort einen Zusammenhang zwischen dem Einsiedler und der verschwunden Tieren herstellen. Jedenfalls ging es mir so. Allerdings bekam ich keine Vorstellung davon auf die Reihe, was da in dem alten Landhaus hausen könnte. Ich hatte den alten Mann im Verdacht, aber dazu passten weder seine Behinderung, noch die Geräusche, die Michael in dem Haus hört. Somit fand ich es also ganz spannend zu verfolgen, wie die Geschichte sich entwickelt. Speziell als sie gegen Ende an Dramatik ordentlich zulegt. Denn nach einer Weile verschwinden auch Kinder und schließlich ist sogar Marjory wie vom Erdboden verschluckt.
Die Auflösung hat mir dann leider nicht so gut gefallen. Ich fand sie schlichtweg zu einfach. Da hätte man mehr draus machen können. Und Täter, die im Angesicht des Höhepunkts ihrer kranken Karriere, eine Lobeshymne über ihre Leistungen abliefern, sind ebenfalls nicht mein Ding.

Gerade mal fünf Sprecher sind in dieser Folge zu hören. In der Hauptsache ist es Jannik Endemann, der einerseits als Erzähler im Einsatz ist, andererseits aber natürlich auch den jungen Michael spricht. Mit seiner angenehmen Stimme hat er mir Michael schnell sympathisch gemacht. Manfred Lehmann ist als John Stark zu hören. Wenn man ihm so lauscht, dann möchte man eigentlich gar nicht glauben, dass sich hinter dieser netten Fassade etwas Böses verbirgt. Anfangs jedenfalls nicht. Später klingt das schon ganz anders! Den dritten größeren Part übernimmt Maximiliane Häckel, die Marjory gekonnt jugendliches Leben und viel Gefühl einhaucht. Kleinere Rollen fallen Traudel Haas und Hasso Zorn zu.

Einmal mehr gibt es in einer Folge dieser Reihe kaum einen Moment, der nicht musikalisch begleitet wird. Die Stücke sind schön und sorgen schnell für ein geheimnisvolles Flair, dennoch höre ich bei dieser Masse an Musik -so leise sie auch ist- irgendwann einfach weg. Mir ist es lieber, wenn die Musik Akzente setzt, statt allgegenwärtig zu sein.

Das Covermotiv gefällt mir und es fügt sich nahtlos in die Reihe der bisherigen Cover ein. Mit dem unheimlichen Haus und den knorrigen Bäumen wirkt es angemessen schauerlich. Bei der Gestalt in der Tür fragt man sich leicht, ob sie die Kreatur ist, und wenn nicht, ob sie zumindest etwas mit ihr zu tun hat. So macht das Motiv Lust auf die Folge.

Fazit:  Die Geschichte lässt sich spannend und interessant an und spitzt sich im weiteren Verlauf deutlich zu. Dennoch hatte ich schnell eine Theorie, was in dem Städtchen vor sich gehen könnte. Und auch wenn ich nicht 100%ig richtig lag, die stimmte doch die Richtung. Eine gewisse Vorhersehbarkeit kann man der Story also nicht absprechen. Für die Auflösung wurde -meiner Meinung nach- die einfachste Möglichkeit gewählt. Das hat mich enttäuscht.

Ich, Lilly und der Rest der Welt (Alexandra Maxeiner / Diana Wolf)

Titel: Ich, Lilly und der Rest der Welt / Verlag: USM Audio / Spielzeit: ca. 69 / Buch: Alexandra Maxeiner / gelesen von: Diana Wolf

ichlilly01Inhalt: Demokratie ist etwas sehr Gutes vor allem, wenn die Kinder der Familie in der Überzahl sind. Also beschließen Hannah und ihre Schwestern, das neue Haus lila zu streichen. Außerdem haben die Schwestern viel Spaß auf dem Flohmarkt. Nur vor der neuen Nachbarin ist Vorsicht geboten, denn die alte Frau ist bestimmt ein Vampir.


Von dieser Reihe hatte ich zuvor noch gar nichts gehört. Aber der Titel klang ganz witzig, das Cover gefiel mir auch, also nichts wie angehört.
Auf dieser CD findet man neben der Vorstellung von Hannas Familie noch drei weitere Geschichten: “Was man alles auf einem Flohmarkt verkaufen kann”, “Was Demokratie mit unserem neuen Haus zutun hat” und “Von der neuen Nachbarin, die garantiert ein Vampir ist”.
Hanna und ihre Familie fand ich schnell sympathisch. Eine Familie mit vier Kindern, das konnte doch nur chaotisch und witzig werden.
Das stimmt auch! Ich habe über Hannas und Lillys Verkaufsaktion schon sehr grinsen müssen. Genauso über ihre Vampirtheorie und die etwas peinliche Gegenüberstellung mit dem “Vampir”. Bei der Geschichte um das neue Haus kann man nicht nur schmunzeln, sondern auch noch etwas lernen. Nämlich was Demokratie ist.
Soweit eine ganz ordentliche Mischung, die den Geschmack junger Hörer treffen dürfte. Sicher stören die sich auch nicht an den Zickereien zwischen Hanna und Lilly. Die gingen mir ab und zu doch etwas auf die Nerven. Vor allem, Hannas Art mit verschiedenem Maß zu messen. Benimmt sich Lilly Hannas Meinung nach daneben, fällt ihr das sofort auf und wird angeprangert! Verhält sie sich später kaum anders, nur in einer anderen Situation, dann ist das klar etwas ganz anderes! Da hätte ich Hanna gerne mal gesteckt, dass sie kein Stück besser ist. Kindern wird das auf diese Weise aber sicher nicht auffallen. Ich gehe sogar davon aus, dass sie sich darin wiederfinden werden. Vor allem, wenn sie vielleicht selber Geschwister haben. Da sind die drei Geschichten sehr nah dran.

Auf dem Cover steht “Hörspiel”, es ist aber klar ein Hörbuch. Gelesen von Diana Wolf, die ich hier zum ersten Mal gehört habe. Ich bin hin- und hergerissen. Ihre Stimme gefällt mir gut für diese Geschichten. Jung und klar. Und sie liest schön locker, sodass das Zuhören leicht fällt. Außerdem hat sie für die Figuren verschiedene Stimmen bzw Stimmlagen auf Lager. So erkennt man gut, wer gerade zu Worte kommt. Der kindliche Tonfall liegt ihr ebenfalls. Allerdings zieht sie an Satzenden oft die Betonung hoch, was für micht nicht zu einer Sechsjährigen passt. Dadurch geht oft auch etwas von der Komik der sonst eigentlich gewitzten Sprüche verloren.

Die Titelmusik macht Spass und lädt sofort zum Mitsummen und Rumhüpfen ein. Das macht Spass und Laune auf die Geschichten, die danach folgen.

Auf dem Cover steht Hanna im Mittelpunkt. Sie sieht frech und lustig aus. Das gefällt mir. Um sie herum sind Bilder von Personen und Dingen zu sehen, die zu ihrem Leben dazu gehören. Das passt gut zum Titel, denn all diese Dinge ergeben schließlich ihre kleine Welt.

Fazit:   Die drei Geschichten dieser ersten Folge sind witzig und bei einer kann man sogar etwas lernen. Hannas Familie ist liebenswert chaotisch, da werden sich Kinder im Nu wohlfühlen und sich hier und da bestimmt auch wiederfinden. Diana Wolf liest locker und fröhlich. Auch das dürfte den Kids gefallen. Ich fand ihre Betonung für eine Sechsjährige teilweise nicht passend. Und Hannas und Lillys Gezicke…nun ja.

Der Nachtwandler (Sebastian Fitzek)

nachtwandlerIn seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit.

Auf dieses Buch von Sebastian Fitzek hatte ich mich noch einen Tacken mehr gefreut als sonst schon auf jedes seiner Bücher. Ich bin nämlich seit je her fasziniert von den Themen Schlaf, Träume, Schlafwandeln etc. Und ich finde, es ist ein großartiges Gebiet um darin einen Psychothriller anzusiedeln.
Tja, was soll ich sagen? Ich bin vom “Nachtwandler” schlicht begeistert. Wobei ich schon sagen muss, dass es sich in einigen Punkten von seinen bisherigen Büchern unterscheidet.
Das fängt schon damit an, dass die Geschichte mit vergleichsweise wenigen Charakteren auskommt. Man lernt außer Leon und den wenigen anderen Hausbewohnern kaum weitere Personen kennen. Beispielsweise den Psychiater oder Leons Kumpel. Allerdings kommen mir Romane immer entgegen, bei denen ich mir nicht drei Dutzend Charaktere merken muss. Zweitens sorgte diese geringe Anzahl Personen im Falle des “Nachtwandler” dafür, dass sich bei mir ziemlich schnell ein beklemmendes Gefühl einstellte. Leon und die paar Leute um ihn herum wirken isoliert vom Rest der Welt. Auch das gefällt mir immer gut, wenn eine Handlung auf solch beschränktem Raum spielt, und sich dann obendrein dort noch seltsam Unheimliches und Gefährliches tut. Das wirkt gleich nochmal bedrohlicher.
Nach einer überstürzten Flucht seiner offensichtlich verängstigten Freundin aus der gemeinsamen Wohnung, fürchtet Leon, dass er -wie schon als Kind- schlafwandelt ist. Womöglich ist er ihr gegenüber in diesem Zustand sogar gewalttätig geworden. Mittels Kopflampe mit Kamera filmt er daraufhin, was er im Schlaf anstellt.
Nun ist man es von Sebastian Fitzeks Psychothrillern ja gewöhnt, dass man oft nicht weiß, was man glauben soll. Was Realität ist und was nicht. Hier wird in dieser Hinsicht noch ein ordentliches Schippchen nachgelegt, so dass vor allem seine ersten Entdeckungen geradezu surreal auf mich wirkten. Das war so einfach kaum vorstellbar und mir war völlig unklar, was das soll und wie das am Ende schlüssig aufgelöst werden würde. In dieser Form ist mir das in diesem Fitzek-Roman zum ersten Mal begegnet. Das war faszinierend und sehr spannend zu lesen.
Nach diesem surrealen Start geht es dann bodenständig, aber  tierisch spannend weiter. Denn  es bleibt nicht bei diesen ersten Entdeckungen. Bei Leons weiteren Nachforschungen reihen sich die eigenartigen und bedrohlich wirkenden Entdeckungen quasi aneinander. Sie haben mich sowohl entsetzt als auch begeistert. Immer waren da die Fragen im Hinterkopf: was soll das? wohin führt das? was steckt dahinter? Dass es nichts Gutes sein würde, das ahnt man von Anfang an ganz automatisch. Manche Szenen dabei waren richtiggehend gruselig, so dass für eine Gänsehaut auf jeden Fall auch gesorgt ist.
Aufgefallen ist mir, dass es in dieser Geschichte in gewisser Hinsicht mehr “zur Sache” geht. Einige Passagen und auch einige Aussprüche wirkten auf mich roher und effektheischender  als ich das aus Fitzeks Geschichten kenne. Daran habe ich mich etwas gestoßen, denn ich weiß ja, dass er auch ohne solche Mittel für Spannung und Grauen sorgen kann. Glücklicherweise hielten diese Momente sich in Grenzen. Ich hoffe nur, das wird jetzt keine Mode bei seinen weiteren Büchern.
Ganz wichtig ist es, die ganze Geschichte hindurch aufmerksam zu sein. Sonst verheddert man sich im Geschehen in Leons Wach- und Schlafzuständen. Vor allem gegen Ende sollte man dringend gut bei der Sache sein, sonst steigt man durch die letzten Seiten wohl nur schwerlich durch. Es lohnt sich aber. Hier wird die Grenze zwischen Schlaf und Wachsein nochmal gründlich verwischt.  Bleibt man dabei, erlebt man erst eine ehrlich schockierende Erkenntnis und bekommt anschließend eine tatsächlich schlüssige Erklärung für all die eigenartigen Vorkommnisse und Entdeckungen geboten. Ich fand sie cool, auch wenn ich das Gefühl hatte, ihr hier nicht zum ersten Mal begegnet zu sein ;).  Mir gefällt schon alleine die Vorstellung, jemand würde sowas tatsächlich mal ausprobieren…das findet man kleines, böses Ich ausgesprochen reizvoll 😉  Zudem wird einem die Auflösung quasi auf dem Silbertablett serviert. Fragen bleiben da keine übrig.

Das Buch liest sich weg wie nichts. Die Kapitel sind relativ kurz und enden jedes Mal mit einem fiesen Cliffhanger, der einen zum Weiterlesen verleitet. Das bringt Spannung in die Geschichte und sorgt dafür, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.

Auch der Look des Buches hat mich sofort begeistert. Da gibt es einiges zu entdecken. In der vorderen Klappe findet man ein kurzes Interview mit Sebastian Fitzek zu dieser Geschichte. Es hat allerdings auch eine rückwärtige Klappe, die den seitlichen Schnitt verdeckt. Und darauf ist etwas abgebildet, das man erst einordenen kann, wenn man das Buch gelesen hat. So ganz nebenbei lässt diese Klappe sich auch prima als Lesezeichen verwenden 😉

Fazit:  Super spannend, teilweise geradezu surreal, rasant und mit einigen Gänsehautmomenten. Sebastian Fitzek mal ein wenig anders als man es aus seinen vorigen Büchern kennt. Allerdings noch mal der dringende Tipp: unbedingt gut und konzentriert bei der Sache sein, und das nicht erst am Ende! Sonst besteht die Gefahr, dass man sich verzettelt, nicht mehr durchsteigt und verwirrt zurückbleibt.


Titel: Der Nachtwandler
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten: 320
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426503744
Preis: € 9,99 (TB)

Nightlife

Titel: Nightlife / Verlag: Ohrenkneifer / Spielzeit: ca. 55 min / Sprecher: Horst Kurth, Dirk Hardegen, Karen Schulz-Vobach, Martin Sabel ua.

Inhalt: Ein einsames Jagdhaus.
Zwei junge Studenten.
Sie wollen in Ruhe lernen.
Doch jemand will ihnen eine Lektion erteilen…


Zwei Studenten in einem abgeschiedenen Haus im Wald, seltsame und unheimliche Ereignisse in er Nacht, die für stetig ansteigende Anspannung und Aggressivität sorgen…das ist ein Szenario, das man bei “Nightlife” nicht zum ersten Mal antrifft. Es ist aber einer, dass mir -wenn es gut gemacht ist- immer wieder gefällt. Auch “Nightlife” hat mich dementsprechend gut unterhalten. Es ist spannend bis zum Schluss und hat seinen unheimliche Szenen. Im Dunklen vor dem Einschlafen gehört, sorgt es für manche Gänsehaut. Als gruselig habe ich es allerdings nicht empfunden, da es keinerlei übersinnliche Szenen bzw Vorkommnisse gibt. Unheimlich also im Sinne von beängstigend spannend, da den beiden Studenten offenbar eine ganz reale Gefahr droht. Ein bitterböses Ende, das Raum für Spekulationen über einige Charaktere lässt, rundet den positiven Eindruck von der Story schließlich ab.

Der Sprechercast fällt relativ klein aus. Gerade mal neun Sprecher sind am Werk. Die beiden Studenten werden von Andreas Hegewald und Horst Kurth gesprochen. Sie lassen die beiden ganz authentisch klingen. Schön locker, dabei aber dennoch überzeugend darin, dem Hörer die kippende Stimmung in der Hütte deutlich zu machen. Lediglich an ihrer Ausdrucksweise habe ich mich auf Dauer gestört. Unterhalten sich Studenten von heute wirklich so? Mit so vielen “coolen” Ausdrücken möglichst in jedem Satz? Wenn ja, will ich nichts gesagt haben. Mir war es aber doch zu viel. Karen Schulz-Vobach bringt zum Ende hin überraschende weibliche Abwechslung rein. Sie klang mir allerdings nicht dem Alter ihrer Rolle entsprechend, sondern bereits älter.

Musikalisch hält man sich bedeckt, was einer solche Geschichte immer gut steht. Es sind vorwiegend leise und düstere Stücke zu hören, die der Atmosphäre der Story gut tun und dem Gänsehautfaktor nochmal zusätzlich auf die Sprünge helfen. Gut gefallen hat mir außerdem, dass man offenbar viel Wert auf den “Raumklang” gelegt hat. Dadurch wird die Hütte gut vorstellbar. Ich finde das deshalb gut, weil mir das noch mal zusätzlich deutlich gemacht hat, wie verlassen und fernab jeglicher Hilfe die beiden Studenten dort sind. Lediglich sie beide, die sich in diesem Haus im Wald aufhalten…oder? 😉

Das Cover ist recht schlicht gehalten. Mich hat es aber durch das Licht- und Farbenspiel angesprochen. So wirkt es neblig wie eine dunkle Nacht im Wald. Das passt ebenso gut zur Geschichte wie die beiden flüchtenden Jungs.

Fazit: Die Story ist nicht neu, aber spannend gemacht und sie jagt einem schon so manchen wohligen Schauer über den Rücken. Mir hat “Nightlife” so gefallen und ich empfehle es wärmstens, dieses Hörspiel im Dunklen anzuhören. Es lohnt sich!

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