Heide

Schnucken gucken (Andrea Hackenberg

Schnucken gucken (Andrea Hackenberg)Sie stand immer auf der Seite der Schwachen und Entrechteten. Jetzt steht sie knietief im Dispo: Billi Sander, Umweltaktivistin und frisch gefeuerte Enthüllungsreporterin, landet da, wo sie nie wieder hinwollte: zu Hause in der Heide. Um wieder zu Geld zu kommen, heuert Billi im Feuilleton der Lokalzeitung an. Unter Laienschauspielern, Freizeit-van Goghs und korrupten Landespolitikern stellt sie schließlich fest: Die Heide ist tatsächlich eine Kulturlandschaft. Und ihr Exfreund sieht besser aus, als sie ihn in Erinnerung hatte.

Dieses Buch gehört eigentlich nicht zu meinen bevorzugten Genres. Aber solchen niedlichen Cover und Titeln falle ich ab und zu halt doch mal zum Opfer.
So ging es also für mich mit der frisch entlassenen Billie von Berlin zurück nach Hause in die Heide. Die kommt Billie natürlich im Vergleich stinklangweilig vor, was ich gut nachvollziehen konnte. Überhaupt mochte ich Billie ganz gerne. Vor allem, weil sie ihren eigenen Kopf hat, resolut zu Werke geht und keines dieser Weiber ist, die jedem gutaussehenden Typen hinterherschmachten.
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass es in der Heide keineswegs so langweilig ist, wie gedacht. Billie heuert notgedrunken beim ortsansässigen Provinzblatt an und ist dort für den Bereich Kultur zuständen. Und was die Heide in kultureller Hinsicht bietet, das ist mitunter schon sehr sonderbar. Was habe ich über den vermeintlich ertrunkenen Künstler gelacht! Einfach herrlich!
Doch nach einer Weile muss Billie erkennen, dass es auch in der Lokalpolitik die eine oder andere Sauerei gibt. Das gibt der Geschichte und Billies Job dann doch noch einen gewissen ernsthaften Hauch und sorgt durchaus für Spannung. So richtig hatte sie mich aber erst mit der ersten echten Leiche am Haken. Ich sage es ja immer: eine Leiche tut einem Buch einfach gut!
Plötzlich hat Billie -zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester- ein ganz ernstes Problem an den Hacken. Und selbstverständlich muss man herausfinden, wer den Mann warum umgebracht hat! Ein bisschen Krimi schwingt hier also ebenfalls mit.
Ein Schuss Liebe bzw Romantik mischt ebenfalls nocht mit, jedoch erfreulich dezent. Kitsch hat man hier nicht zu befürchten, was ich sehr gut finde! Dafür ist es aber arg vorhersehbar wie die Sache ausgehen wird. Naja, ein Happy End hier und da, warum eigentlich nicht? Schließlich hat man mit “Schnucken gucken” keinen Thriller vor der Nase.
Das Flair des kleinen Orts kommt gut rüber. Und auch wenn ich -genau wie Billie anfangs- dort nicht tot über den Zaun hängen wollen würde, so kann ich mir eine Stippvisite in Heide irgendwann gut vorstellen. Auch um die Schnucken mal live zu sehen.
Was mich vor allem in der ersten Hälfte aber wirklich gestört hat, das sind die rasanten Dialoge. Vielleicht bin ich in Sachen Schlagfertigkeit ja wirklich nur sehr mäßig talentiert, das kann gut sein. Aber wer ist denn bitte so schlagfertig wie die Figuren in dieser Geschichte? Und dabei noch wortgewandt und intelligent? Ich möchte keine platten Gags lesen, so meine ich das nicht. Aber dass es so schlagfertige Menschen gibt, das kann ich einfach nicht glauben. Das war mir eine ganze Spur zu heftig.

Schwuppdiwupp, dann ist ein solches Buch auch schon ausgelesen. Temporeich, auch ein wenig spannend und amüsant dank viel Situationskomik, so etwas liest man gerne und schnell.

Das Cover fällt mit dem Pink sofort auf, und das muss ein Buch heutzutage wohl auch um im Ladenregal auf sich aufmerksam zu machen. Ich mag natürlich speziell die süße Schnucke. Das wollige Geschöpf möchte man sofort knuddeln. Schön übrigens, dass es gezeichnet ist und kein Bild einer echten Schnucke. Nicht dass ich die Cover mit den Bilden von echten Tieren auf dem Cover nicht goldig finde, aber so heben sich die Schnucken nochmal deutlich vom Rest solcher Bücher ab.

Fazit:  Eine vergnügliche Lektüre, die vor allem mit viel Situationskomik und dem ländlichen Flair des Orts in der Heide punkten kann. Ich habe die selbstbewusste Billie gerne dorthin begleitet und mochte sie wirklich gerne. Die Liebesgeschichte ist zwar vorhersehbar, dafür aber wenigstens nicht kitschig. Lediglich an die Schlagfertigkeit der Figuren konnte ich nicht glauben. Das hat mir den Anfang leider ein wenig verleidet. Später konnte ich dann darüber hinwegsehen und somit hat mir “Schnucken gucken” doch ganz gut gefallen. Ein schönes Buch, wenn einem nach leichter Lektüre zumute ist.


Titel: Schnucken gucken
Autor: Andrea Hackenberg
Seiten: 336
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3426514269
Preis: € 8,99 (TB)

Hexenheide (Mariette Aerts)

“Karim und Lenne wissen genau, dass sie nicht über die Heide gehen sollen, wenn sie von der Schule kommen, auch wenn der Weg viel kürzer ist. Denn auf der Hexenheide, irgendwo zwischen den Mooren, lauert ein dunkles Geheimnis. Aber Karim und Lenne haben Fragen. Was ist mit dem Mädchen Rinnie passiert, die im letzten Sommer plötzlich verschwunden ist? Was ist wahr an der Geschichte von der weißen Hexe? Welches Geheimnis umgibt die alte Wassermühle? Und überhaupt: wer ist die Frau mit den langen weißen Haaren und den merkwürdigen Augen, die ihnen begegnet? Eines Tages erscheint ein unheimliches Gesicht im Wasser, und nachts wandern Lichter über die Heide. Ein Spuk? Karim und Lenne erhalten mehr Antworten, als ihnen lieb ist.”

Dieses Buch und ich hatten keinen guten Start. Es beginnt bei drei Hexen, die über ihre Zukunft sinnieren, Diffuses planen und sich einfach so typisch präsentieren wie man es schon x-mal irgendwo gelesen oder gehört hat. Es ist zudem bis hierher nicht ersichtlich, wann die Geschichte spielt. Es hätte auch anno Schnnee sein können. Alles keine guten Voraussetzungen für mich. Daher wanderte das Buch beim ersten Versuch schnell wieder zurück ins Regal.
Im zweiten Anlauf habe ich dann aber durchgehalten bis zu Karim und Lenne und bin auch nicht mehr von ihnnen losgekommen. Ich habe “Hexenheide” in einem Rutsch gelesen.
Denn Karim und Lenne mochte ich sofort und es hat mich schwer beeindruckt und begeistert, wie fest und innig ihre Freundschaft ist.
Außerdem hat mir die Szenerie sehr gut gefallen. Ich mag Geschichten um so unheimliche, verlassene Orte wie diese Heide vor Karims und Lennes Ort. Und auch das Städtchen wird wunderbar urig beschrieben, so dass ich gerne dort war.
Doch das Idyll wird für Karim und Lenne dank der Pläne der Hexen aus der Heide -an die bisher eigentlich niemand glaubte- jäh zerstört. Es tut sich Seltsames im Ort. Nachts leuchten Lichter in der Heide und in der Stadt tauchen seltsame Frauen auf, die speziell Lenne faszinieren.
Dazu sei gesagt, dass das Buch völlig zu Recht ab 12 Jahren empfohlen wird. Der Gruselfaktor ist sehr genau auf dieses Alter abgestimmt, so dass keine schlaflosen Nächte zu befürchten sind.  Dazu trägt auch ein Funken Humor mit. Es gibt immer mal wieder Anlass für ein Schmunzeln.
Mich hat die Geschichte in einigen Punkten an den Film “Hexen hexen” erinnert, den ich wirklich gerne mag. Damit hatte sie bei mir schnell die ersten Punkte gute.
Trotz aller Spannung habe ich “Hexenheide” aber doch als recht lang empfunden. Speziell, wenn ich mir vorstelle, dass es für junge Leser gedacht ist. Selbst ich habe mich beim Anblick der noch zu lesenden Seiten gefragt, was Karim und Lenne noch alles erleben werden.
Zum Glück wird es trotz aller Länge niemals langweilig, und so hat sich jede weitere Seite klar gelohnt.

Wie gesagt habe ich einen (langen) Abend für “Hexenheide” gebraucht, was auch daran liegt, dann es sich gut und flüssig lesen lässt. Die Sprache und Erzählweise orientiert sich am Alter der angepeilten Leserschaft, ohne dabei aber je kindisch zu sein. Deshalb denke ich, dass auch ältere Leser gut mit dem Buch zurechtkommen werden.

Das Cover gefällt mir sehr gut, auch wenn ich sonst nicht auf solche Motive mit Gesichtern stehe. Aber ich finde den Blick aus diesen auffallend grünen Augen durch das Blätterdickicht schön geheimnisvoll. Eine Ähnlichkeit mit dem Cover des ersten “Die Tribute von Panem”-Bandes ist aber unverkennbar.

Fazit: Mir hat “Hexenheide” gefallen. Eine spannende und ab und zu schaurige Geschichte, in der Freundschaft eine große Rolle spielt. Empfehlenswert für junge Fantasy-Einsteiger!

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Hexenheide
Autor: Mariette Aerts
Seiten: 320
Verlag: Baumhaus by Lübbe
ISBN: 978-3833938740
Preis: 12,99 (HC)

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