Herz

Dark Mysteries (05) – Narbenherz

Titel: Dark Mysteries (05) – Narbenherz / Verlag: Winterzeit: / Spielzeit: ca. 56 min / Sprecher: Tanya Kahana, Corinna Dorenkamp, Michael Lott, Bert Stevens ua

dm05Inhalt: 13. Januar 1993: Er hat mir sein Herz geschenkt – wie schon sechs vor ihm. Jetzt brauche ich nur noch drei – dann erfüllt sich mein Schicksal.


Das nenne ich doch mal einen kurzen Klappentext. Da ich mich aber gefragt habe, wie man Herzen tatsächlich als Gegenstand sammeln kann und welches Schicksal gemeint ist, habe ich doch mal ein Ohr riskiert.
Grundsätzlich ist hier alles ganz nach meinem Geschmack. Ich mag gruselige Geschichten, die in amerikanischen Kleinstädten spielen. Ich mag es, wenn dort seltsame Morde geschehen und Teenager quasi im Mittelpunkt stehen und die wichtigsten Rollen einnehmen. All das ist hier gegeben und so hat mir “Narbenherz” auch ganz gut gefallen. Es ist spannend, vor allem Dank einiger “Zwischenspiele” zB in der Vergangenheit, und ein paar nette Schreckmomente gibt es ebenfalls. Außerdem habe ich hier und da durchaus selber gegrübelt, was hinter den Ereignissen stecken könnte und dabei auf eine angemessen blutige Auflösung gehofft. Der Wunsch wurde mir dann auch erfüllt. Ich hätte mir nur irgendeinen anderen Aufhänger gewünscht als Voodoo. Es ist schwer, mich mit diesem Thema noch zu begeistern. Das gibt also einen ganz persönlichen Punkt Abzug.

Die Sprecherriege hat mich positiv überrascht. Bei den bisherigen Folgen war ja immer mal einer oder eine dabei, die mich nicht überzeugen konnte. Hier war das durch die Bank nicht der Fall! Tanja Kahana und Corinna Dorenkamp geben ein aufgewecktes Teenager-Duo ab. Vor allem Tanja Kahana hat mir gefallen. Sie erinnerte mich stellenweise sehr an Dorette Hugo, die der Nancy in “A Nightmare on El Street” ihre Stimme leiht. Und das passte wegen der Kleinstadt und den Morden so prima in dieses Hörspiel. Helgo Liebig trifft für den Sheriff den passenden, brummigen und herrischen Ton. Und die Rolle des fast ständig besoffenen Vaters war mal etwas, in der ich Michael Lott sicher nicht erwartet hatte.

Die Untermalung leistet sich so gut wie nie eine Pause. Fast immer sind Klänge zu hören, die für Atmosphäre sorgen. Mal dezent und leise, aber eindringlich aus dem Hintergrund, zwischendurch aber auch laut und effektheischend. Die Geräusche sind sorgfältig eingesetzt und klingen durchweg authentisch.

Das Cover gibt auch nicht gerade viel über den Inhalt des Hörspiels preis. Aber immerhin wirkt es mit der kindlichen Gestalt und dem Messer in deren Hand schön gruselig.

Fazit:  Mit Voodoo lockt man mich nur noch ganz schwer hinter dem Ofen vor, da hätte ich mir eine andere Idee gewünscht. Ansonsten aber eine feine, spannenden und blutige Folge, die für mich eine der besten der Reihe ist.

Das Herz der Puppe (Rafik Schami / Stefan Kaminski)

Titel: Das Herz der Puppe / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 160 min (2CDs) / Buch: Rafik Schami / gelesen von: Stefan Kaminski

Inhalt: Widu stammt vom Flohmarkt und ist die tollste Puppe der Welt. Sie kann sprechen, auf Ninas Zehen Fußflöte spielen, sie weiß die schönsten Geschichten. Und wenn man sie fest in den Arm nimmt, kann sie sogar jede Angst wegsaugen. Und für alle schwierigen oder komplizierten Situationen im Leben eines kleinen Mädchens weiß sie Rat! Doch hin und wieder ist Widu bedrückt: Zum ersten Mal in ihrem langen Puppenleben spürt sie die Sehnsucht, so zu sein wie das Menschenmädchen. Dazu fehlt ihr, was alle Menschen haben: ein Herz. Wenn sie es sich ganz stark wünscht, gibt es vielleicht trotzdem einen Weg


Dieses Hörbuch hat mich mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen. Einerseits finde ich die Idee dieser Sammlung kurzer Geschichte über die Abenteuer, die Nina mit Widu erlebt, wirklich gut. Wohl fast jedes Kind hat eine Puppe oder ein Kuscheltier, das ihm in bestimmten Situationen die Angst nimmt, mit dem sie reden, wenn sie etwas beschäftigt und das ihnen -nur hörbar für sie- auch antwortet. Genauso geht es Nina mit Widu. Widu tröstet, Widu macht Späße, Widu erzählt Geschichte und ist immer für Nina da. Das ist einfach eine schöne Vorstellung mit der Kinder etwas anfangen können und die sie spannend, lustig und interessant finden. Darin bestand auch gar nicht mein Problem mit dem “Herz der Puppe”. Ich frage mich nur, wie Kinder Widus Art aufnehmen? Wenn mir jemand etwas vermitteln möchte, dann bin ich umso offener dafür, wenn mir dieser Jemand auch sympathisch ist. Widu fand ich allerdings alles andere als sympathisch. Für Nina ist sie die beste Freundin, aber Widu ist eben auch manchmal zickig, nervig, klugschwätzerisch und boshaft. Auf diese Art erringt man bei mir aber keine Sympathie. Deshalb wüsste ich gerne, wie Kinder diese Art auffassen. Ich jedenfalls wäre nicht gerne mit Widu befreundet und dieser Eindruck hat sich bis zum Ende des Hörbuchs gehalten. Nina dagegen ist ein klasse Mädchen und ja, auch sie kann frech sein. Dagegen habe ich auch nichts. Es gibt aber einen Unterscheid zwischen symapthisch frech und einfach nur frech. Und den hört man hier sehr heraus.

Eine Mitschuld daran trägt auch Sprecher Stefan Kaminski, denn er hat für Widu auch eine recht schnippische Stimme aus seinem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Stimmen ausgewählt. Ohne Frage ist es auch bei diesem Hörbuch wieder verblüffend, welch eine Vielfalt an Stimmen er auf Lager hat, nur die für Widu hätte er gerne anders wählen dürfen. Zumindest vom Tonfall her.

Das Covermotiv ist schlicht gehalten und wirkt wie ein Bild aus einem Bilderbuch. Das passt gut zu den Geschichten, die sich ja auch an Kinder richten. Da sollte man Motive ohnehin nicht überfrachten. Nina und Widu sind zu sehen, und ich denke in der Darstellung können sich die jungen Hörer auch selber finden.

Fazit: Diese Geschichten sollen trösten, mutig und selbstbewusst machen, Moral und auch Spass vermitteln. Das ist an sich eine wirklich schöne Idee für Kindergeschichten. Nur ist Widu leider vom Wesen niemand, den ich mir als Freund für ein Kind wünschen würde. Sie blieb mir bis zum Ende unsympathisch und hat mir so das Hörvergnügen leider sehr verleidet.

Mein böses Herz (Wulf Dorn / Laura Maire)

Titel: Mein böses Herz / Verlag: cbj audio / Spielzeit: ca. 327 min (5 CDs) / Buch: Wulf Dorn / gelesen von: Laura Maire

Inhalt: Was tust du, wenn du nicht mehr weißt, was Realität ist und was Fantasie?
Seit dem Tod ihres Bruders wurde Doro von Halluzinationen verfolgt, aber eigentlich dachte sie, das in den Griff gekriegt zu haben. Doch als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht, scheint die neue Umgebung erneut etwas in ihr auszulösen. Stimmen verfolgen sie. Und eines Nachts sieht Doro in ihrem Garten einen Jungen: verstört, abgemagert, verzweifelt. Der Junge bittet sie um Hilfe – und ist dann verschwunden. Wenig später erfährt Doro, dass er schon vor ihrer Begegnung Selbstmord begangen hat. Doro kann nicht glauben, dass sie sich den Jungen nur eingebildet hat. Doch die Suche nach der Wahrheit wird schnell zum Albtraum. Und tief in Doros Seele lauert ein dunkles Geheimnis …


Ein Psychothriller für Jugendliche? Nein, wie “Mein böses Herz” beweist, ist das keineswegs ein Widerspruch. Denn auch wenn Wulf Dorn hier eine Jugendliche in den Mittelpunkt stellt, nämlich Doro, so kann er ansonsten offenbar nicht aus seiner Haut. Und das ist gut so! “Mein böses Herz” ist eine Geschichte, die einen einfach nicht mehr loslässt. Mit Doro wird man schnell warm und es fällt leicht, sich in sie einzufühlen wie sie sich bemüht, ihre Vergangenheit in den Griff zu bekommen. Umso erschreckender ist es, wenn man -an sich von ihrer Glaubhaftigkeit überzeugt- plötzlich doch zu zweifeln beginnt. Gemeinsam mit ihr und ihren Freunden begibt man sich auf die Suche nach der Wahrheit, und die führt einen in so manche finstere Ecke. In der Wirklichkeit, sowie in Doros Seele. In beiden Fällen gibt es slch düstere Geheimnisse zu entdecken, dass diese Passagen tatsächlich das Zeug dazu haben, einem das Einschlafen zu erschweren. Mir jedenfalls war die Dunkelheit abends nicht ganz geheuer. Wie leicht man doch bei gewissen Urängsten zu packen ist. Wenn einer Geschichte das gelingt, dann ist sie einfach gut. Lediglich das Ende, die Auflösung, hätte gerne etwas komplexer ausfallen dürfen. Da merkt man dann doch, dass es eine Geschichte für jüngere Hörer / Leser ist, wie ich finde.

Laura Maire hat mir für “Mein böses Herz” prima gefallen. Mit ihrer jungen Stimme passt sie sehr gut zu Doro. Zudem gelingt es ihr, Doros Stimmungen gut rüberzubringen. Das stetige Schwanken zwischen Hoffen, Wut und Verzweiflung. Und obwohl ihre Stimme während der erzählenden Passagen meist recht ruhig und sanft ist, so sorgt sie trotzdem für manche Gänsehaut.

Das Coverbild wurde vom Buch übernommen. Was es mit diesem fingegeschriebenen Schriftzug in der Feuchtigkeit auf sich hat, versteht man allerdings erst, wenn man die Geschichte gehört hat. Da es einer Schlüsselszene entstammt, finde ich es gut gewählt. Mit dem kräftigen Rot ist das Cover auch sonst sehr augenfällig.

Fazit: Ein spannender und teilweise auch gruseliger Psychothriller, der einen bis zum Ende gekonnt immer wieder an der Nase herumführt. “Mein böses Herz” braucht sich eindeutig nicht hinter den “erwachsenen” Genrevertretern verstecken.

Rezension – Mein böses Herz (Wulf Dorn)

Was tust du, wenn du nicht mehr weißt, was Realität ist und was Fantasie?
Seit dem Tod ihres Bruders wurde Doro von Halluzinationen verfolgt, aber eigentlich dachte sie, das in den Griff gekriegt zu haben. Doch als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht, scheint die neue Umgebung erneut etwas in ihr auszulösen. Stimmen verfolgen sie. Und eines Nachts sieht Doro in ihrem Garten einen Jungen: verstört, abgemagert, verzweifelt. Der Junge bittet sie um Hilfe – und ist dann verschwunden. Wenig später erfährt Doro, dass er schon vor ihrer Begegnung Selbstmord begangen hat. Doro kann nicht glauben, dass sie sich den Jungen nur eingebildet hat. Doch die Suche nach der Wahrheit wird schnell zum Albtraum. Und tief in Doros Seele lauert ein dunkles Geheimnis …

Da ich alle bisher erschienenen Bücher von Wulf Dorn gelesen und sehr gut gefunden habe, kam ich natürlich auch an seinem ersten Jugendbuch unmöglich vorbei. Wobei ich mir schon ein wenig Sorgen gemacht hatte, denn ich glaube, ich wäre zutiefst enttäuscht gewesen, wenn er mit diesem Buch seine gewohnten Pfade verlassen hätte.
Aber wie es scheint, kann Wulf Dorn da nicht aus seiner Haut, und das ist auch gut so! Ich behaupte sogar, dass “Mein böses Herz” durchaus auch für erwachsene Psychothriller-Fans ein Vergnügen sein wird. Denn an so mancher Stelle im Buch habe ich mir wirklich gedacht, dass das für ein Jugendbuch schon sehr gewagt ist.
Die Geschichte hatte mich jedenfalls innerhalb der ersten beiden Seiten am Haken und am liebsten hätte ich das Buch nicht aus der Hand gelegt ehe es ausgelesen gewesen wäre. Aber ich habe mich beherrscht und diesen Genuss “portioniert”. Allerdings auch nur in zwei “Häppchen”.
Wie gesagt hat es mir gefallen, dass bei dieser Geschichte kein Gang runtergeschaltet wurde. Mit langen Vorreden hält “Mein böses Herz” sich nicht auf. Schon auf den ersten Seiten liest man von Ereignissen, die einen erschrecken und auch bereits einen ersten Verdacht sähen, so unglaublich er auch erstmal erscheinen mag.
In diesem Stil geht es allerdings dann auch das ganze Buch weiter. Mehr als eine oder zwei ruhige Seiten bekommt man als Leser nicht zugestanden. Meint man gerade noch, nun kehre mal etwas Ruhe in Doros Leben ein, steht schon der nächste Schrecken in den Startlöchern. In Gestalt von Erinnerungen, Träumen, Visionen und auch mehr als einmal in Gestalt ganz realer Ereignisse…möchte man jedenfalls meinen 😉 So klar ist das aber oft gar nicht, wenn man sich Doros Krankengeschichte vor Augen hält. Die Geschichte vermischt Realität, Traum und Halluzination oft so gekonnt, dass man an dem bis eben noch für völlig real Gehaltenen bereits in dem Moment wieder zweifelt, in dem Doro es tut. Ich habe Doro trotzdem immer geglaubt. Das bleibt wohl auch gar nicht aus, wenn einem die Hauptperson so oft und eindringlich und überzeugend beteuert, dass eine Situation genau so und so war. Man wird hier wirklich durchgehend hin- und hergerissen gehalten.
Diesem Buch ist ausserdem etwas gelungen, das bisher kaum ein anderes Buch geschafft hat: ich habe mich beim Lesen in meinen eigenen vier Wänden, unter der gemütlichen, kuscheligen Decke unwohl gefühlt, und habe für jeden Weg durch die Räume sämtliche Lichter eingeschaltet. Und ich habe meinen Freund ganz schön auf Trab gehalten, weil mir der Gedanke nicht behagte, zum Schlafen das Licht auszumachen 😳
Ja, “Mein böses Herz” ist auch gruselig, und wie! Die Gestalt, in der Doro ihr böses Herz sieht, rührt an eine -möglicherweise überwiegend weibliche- Urangst. Scheußlich und beängstigend. Zudem gibt es einige Szenen, die einen schaudern lassen, und so mancher Schauplatz wird so anschaulich beschrieben in seinem unheimlichen Aussehen, dass man ihn sich viel zu gut vorstellen kann.
Man merkt es sicher, ich bin begeistert von diesem Buch. So sehr, dass ich mit dem Ende ganz gut leben kann, denn das hat mich leider nicht so überzeugt. Nach dieser spannenden und gruseligen Geschichte, die so toll mit dem Realitätsempfinden spielt, war es mir zu “einfach” in der Auflösung und auch zu schnell abgewickelt. Gerade am Ende hätte ich mir gewünscht, dass man noch mal ein wenig an der Nase herumgeführt wird, dass Fragen offen bleiben , über die man sich als Leser seine Gedanken machen kann. Vielleicht ist das dem Genre “Jugendbuch” geschuldet, dass es hier etwas arg Friede, Freude, Eierkuchen-mäßig zugeht.

Wie erwähnt: hätte ich nicht am Tag darauf arbeiten müssen, hätte ich “Mein böses Herz” sicher an einem Abend und in der darauf folgenden Nacht durchgelesen. Trotz des ganzen Verwirr-Spiels, das die Geschichte mit dem Leser betreibt, ist sie nämlich sehr gut und leicht zu lesen. Das liegt sicher auch daran, dass Doro sie in der Ich-Perspektive erzählt. Zwar stets auch mit ernsthaften Gedanken, aber doch auch jugendlich locker und modern. Zudem sind die Kapitel so kurz gehalten und enden stets so gemein, dass man sich immer wieder denkt: ach, na los, das eine noch!

So rot fällt das Buch im Ladenregal natürlich auf, und es gibt keinen Schnickschnack, der vom Titel ablenken könnte. Weshalb “Mein böses Herz” allerdings so wie geschmiert geschrieben ist und wieso im Hintergrund alles Luftblasen zu sehen sind, das versteht man erst ab einer bestimmten Stelle im Buch. Ich fand das eine sehr clevere Idee!

Fazit: Jugendliche Hauptpersonen hin oder her, mit diesem Buch machen auch erwachsene Fans von Wulf Dorn und anderen Psychothriller-Autoren sicher nichts falsch. Eine sehr spannende Geschichte, die einen stetig im Zweifel hält, was Realität und was Traum bzw Halluzination ist.  Wegen gewisser Verdächtigungen Doro gegenüber kann man sich nicht mal darüber sicher sein, dass man der Hauptperson vertrauen kann. Das ist schön gemein! Und “Mein böses Herz” ist so gruselig, dass ich nicht dazu rate, es abends bzw nachts zu lesen.
Oder?
Doch, ich rate dazu! Es lohnt sich und macht so besonders viel Spass! Angenehme Gänsehaut!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Mein böses Herz
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 416
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160954

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