Hobby

Jäger des versteckten Schatzes (Ingo Oschmann)

allesgeoDie neue Massenbewegung Geocaching beweist, dass draußen sein nicht nur gesund ist, sondern auch richtig Spaß machen kann: Allein hierzulande liegen etwa 300.000 ungehobene Schätze, sogenannte Caches, die es mithilfe von GPS-Gerät und Online-Hinweisen zu fi nden gilt. Egal, ob allein, mit der ganzen Familie oder dem Kegelclub, der passionierte Outdoor- Schatzsucher Ingo Oschmann zeigt auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie noch aus dem letzten Couch-Potato ein echter Indiana Jones wird.

Was habe ich mich gefreut als dieses Buch endlich im Buchladen lag. Es war ja lange angekündigt, aber irgendwie nie erschienen und dann plötzlich doch. Warum ich es haben musste, dürfte klar sein: Geocaching gehört auch zu meinen Hobbys, schon lange sogar. Der zweite Grund war, dass ich mit Hoeckers “Schnitzeljäger” so unheimlich viel Spass hatte. Und da lässt es sich leider nicht vermeiden, dass man beim Lesen vergleicht. Vielleicht einer der Gründe, wieso ich mit Ingo Oschmanns Buch nicht so recht warm geworden bin.
Ein weiterer dürfte sein, dass ich nicht mehr am Anfang stehe bei diesem Hobby. Denn Ingo Oschmann beginnt die Thematik wirklich quasi beim Urschlamm. Der Anfänger bekommt hier wirklich ausführlich alles an die Hand gegeben, was er wissen muss. Das finde ich für Anfänger auch wirklich richtig toll. Und wenn ich daran denke, wie ich mich damals am Anfang mühselig eingefuchst habe, dann kann ich das Buch jedem Anfänger wärmstens ans Herz legen. Es wird ihm vieles erleichtern.
Für mich allerdings bot das Buch so zunächst nahezu gar nichts Neues. Und entsprechend hat es mich durchaus ein bisschen gelangweilt. Und da steht dann der erste Vergleich mit dem “Schnitzeljäger” an: auch Hoecker erklärt alle Elemente des Hobbys, , auch super für Anfänger, aber eben anders. Nicht so ganz kleinschrittig (aber es fehtl trotzdem nichts) und vor allem erheblich witziger. Ich kenne Ingo Oschmanns Darbietung als Komiker, Kabarettist usw nicht, denke aber nach dem Buch, dass ihn ihn in der Hinsicht auch nicht weiter kennenlernen muss. So richtig unterhaltsam und spaßig fand ich im Buch nur seine Cacher-Weisheiten, ansonsten reichte es nicht mal für ein Schmunzeln.
Weiterhin haben mich die teilweise wirklich ausufernden Beschreibungen von Caches bzw Cacherabenteuern gestört. Das ist aber zweifelsfrei Geschmackssache. Ich habe persönlich zB gar nichts gegen einen Multicache mit einer guten Story dazu, ganz im Gegenteil. Es muss aber nach meinem Geschmack sein. Und dazu gehören weder Wikingergeschichten, noch solche aus Gandalfs Universum und schon lange keine mit irgendwelchen Rechnereien (dafür bin ich eh zu dusselig 😉 ). Von daher packte mich Ingo Oschmann auch damit nicht.
Fairerweise muss ich sagen, dass das Buch mich im letzetn Drittel mehr begeistern konnte. Da geht es beispielsweise um Events (noch nie mitgemacht), besondere Cachetypen (Lost Places, um meinen Favoriten zu erwähnen, T5 – Caches, speziell Klettercaches (ich möchte bei Gelegenheit dafür gerne einen Kurs machen) und die dafür nötige Ausrüstung usw. Hier habe ich eben doch noch interessantes Neues erfahren. Für Ingo Oschmanns Humor habe ich aber wohl trotzdem keine Antenne, jedenfalls ist mir keiner aufgefallen.

Was mich auch gestört hat, Ingo Oschmanns Art, den Leser direkt per “Du” anszusprechen. Nichts gegen das “Du”, das geht in Ordnung, aber von der Art her ist mir das einfach eine Ecke zu persönlich direkt. Hin und wieder, okay, aber hier taucht diese direkte Ansprache für meinen Geschmack zu oft auf. So oft, dass ich es fast aufdringlich fand. Abgesehen davon liest sich das Buch aber leicht und locker weg. Die Kapitel sind angenehm kurz und locken mit cleveren Titeln.

Das Cover gefällt mir. Ingo Oschmann kommt sympathisch rüber und mit Landschaft und GPS sind zwei der wichtigsten Elemente dieses Hobbys vorhanden.

Fazit: “Es ist das erste Buch […], mit dem jeder direkt loslegen und sofort selbst einen Geocache finden kann”. So steht es am Ende des Klappentextes, und das stimmt auf ganzer Linie. Hier finden absolute Anfänger alles, was sie brauchen um loszulegen. Das ist toll. Geht man dem Hobby jedoch schon länger nach, bietet der erste Teil des Buchs wenig bis nichts Neues, wodurch es durchaus öde werden kann. Der zweite Teil hat dann auch mir besser gefallen, weil es dort auch für Cacher Neues zu entdecken gibt, die schon länger dabei sind. Mit Ingo Oschmanns Humor konnte ich kaum etwas anfangen, leider. für Anfänger also ein Top-Buch zum Einstieg, für “ältere Hasen” nuchr teilweise.


Titel: Jäger des versteckten Schatzes
Autor: Ingo Oschmann
Seiten: 368
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453615076
Preis: € 9,99

Neues aus Geocaching – Geschichten von draußen (Bernhard Hoëcker, Tobias Zimmermann & andere Geocacher)

neuesgeocachingSchauspieler und Comedian Bernhard Hoëcker sowie Freund und Mitautor Tobias Zimmermann sind bekennende Geocacher. Ihre karge Freizeit fristen sie regelmäßig vor Kälte oder Angst zitternd an fremden und unbekannten Orten irgendwo da draußen. Der Comedy- und Fernsehpreisgewinner liebt romantische Kinofilme, züchtet Chihuahuas und designt in seiner Freizeit Damenhandtaschen für Versace. Das ist natürlich gelogen und soll nur diejenigen Frauen (und Männer) in unseren Bann ziehen, die bei dem Wort „Geocacher“ noch nicht gleich zugegriffen haben. Tatsächlich berichten Bernhard und Tobi in diesem Buch, wie sie für ihre „Schatzsuche” alpine Höhen erklimmen, in Schurkenstaaten reisen, die Welt mit Kreuzfahrtschiffen umrunden und lange verlassene Industrieanlagen, sogenannte „Lost Places“, erkunden.

Als ich erfuhr, dass es ein weiteres Buch von Bernhard Hoëcker um das Thema Geocaching geben würde, war klar, dass ich es haben musste. Seine “Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers” haben mir damals sehr gut gefallen. Was habe ich gelacht dabei! Es war eines der beiden Bücher, die mich zu diesem tollen Hobby brachten. Ich freute mich riesig auf viele weitere so vergnügliche Lesestunden und spannendes Geocaching-Abenteuer.
Leider muss ich nun sagen, dass das nicht so wirklich geklappt hat. Das liegt in erster Linie daran, dass Hoëcker und Zimmermann hier von Geocaching-Touren berichten, die der Otto-Normal-Dosensucher wohl kaum mal erleben wird. Einfach, weil ihm der Promi-Bonus fehlt. Welcher Geocacher kann sich schon Kreuzfahrten auf den Giganten der Meere leisten, sich eine Einreisegenehmigung für Turkmenistan beschaffen oder die Soldaten in Afghanistan besuchen? Eben!
Uninteressant fand ich diese Geocaching-Touren nicht gerade, zumal man auch ein wenig dabei über Land und Leute erfährt, aber es ist einfach viel zu weit weg um sich selber darin wiederzufinden.
Ich hätte es keineswegs langweilig gefunden, mich durch weitere Abenteuer ums Dosensuchen im Stil des “Schnitzeljägers” zu lesen. Ihre Schauplätze waren zwar nicht halb so exotisch, aber dafür wesentlich greifbarer. Und ich bin mir sicher, dass es auch in Deutschland noch viele weitere interessante, lustige, abenteuerliche oder sonstwie besondere Caches gibt. Auch damit hätte man sicher ein weiteres Buch füllen können, ohne dass der Leser sich gelangweilt hätte.
Zudem habe ich diese Jagd nach “Länderpunkten” schnell als befremdlich empfunden. Natürlich freue ich mich auch, wenn ich im Urlaub in einem fremden Land einen Cache finde und mit dem Log zB ein Souvenir bekomme, aber solch eine Jagd veranstaltet man wohl nur, wenn man deutschlandweit schon fast alles abgegrast hat. Als normaler Cacher kann man dann allenfalls neidvoll und / oder bewundernd dasitzen, weil man -wie schon gesagt- eben nicht so leicht in jedes noch so kleine Land am Arm der Welt gelangt. Das fand ich sehr schade. Das hatte ich von diesem Buch nicht erwartet.
Zum Glück gibt es auch einige Kapitel, die von anderen, “normaleren” Geocachern geschrieben wurden. Was war ich froh, dass einige von ihnen noch keine vierstellige Summe an Funden zu vermelden haben. Und dass sie in längst nicht so ausgefallenen Gegenden Dosen suchen wie Hoëcker und Zimmermann. In ihren Erzählungen habe ich mich bzw gewisse Situationen, in die man als Geocacher schon mal geraten kann, wenigstens teilweise wiedererkannt und sie haben mir Lust auf einen Geocaching-Besuch in gewissen Gegenden Deutschlands gemacht. Hier kam für mich noch die echte Freude an diesem Hobby rüber, statt dem Ehrgeiz, möglichst ausgefallene Caches zu finden und möglichst exotische Länder dafür zu bereisen.

So ganz leicht liest sich das Buch nicht. Vor allem die Kapitel von Hoëcker und Zimmermann. Die beiden haben mitunter eine arg umständliche Art zu erzählen, an die man sich erst gewöhnen muss. Hat man sich daran gewöhnt, kann man hier und da auch mal schmunzeln, gelacht habe ich aber nur ganz selten. Das war beim “Schnitzeljäger” ganz anders! Die anderen Geocacher, die zu Wort kommen, erzählen mal mehr, mal weniger amüsant. Dafür lesen sich ihre Kapitel leichter.
Ausgeschmückt ist das Buch mit vielen Fotos und einigen wirklich witzigen Cartoons rund um das Thema Geocaching.

Karten und ein Travelbug gehören zu diesem Hobby, und dass Hoëcker selber mit auf dem Cover sein musste, das ist klar. Auch Tobias Zimmermann ist zu sehen, wie er mit seiner Kamera auf etwas zielt. Ich muss allerdings sagen, dass ich in seiner Haltung und der Kamera nach dem Lesen etwas grundsätzlich anderes erkannt habe. Dafür haben insbesondere die Kapitel in Afghanistan gesorgt. Das hat dem Motiv für mich etwas von seinem sonst so lockeren Charakter genommen.

Ich habe das Buch als Taschenbuch. Es gab aber in begrenzter Anzahl auch eine Premium Edition. Dazu gehörte neben dem Buch als signiertes Harcover noch eine Clip & Close Dose, ein Logbuch und ein Travelbug, den man auf die Reise schicken kann. Ein cooles Set, da gibt es nichts! Damit kann man direkt in’s neue Hobby starten!

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Fazit:  Ich bin leider ein wenig enttäuscht von “Neues aus Geocaching”. Bernhard Hoëckers und Tobias Zimmermanns Touren in fremde Länder sind zwar nicht uninteressant, für mich als ganz normalen Geocacher aber schlicht zu weit weg und zu wenig greifbar. Ohne Promi-Status wird kaum jemand mal an diese Orte gelangen, und ich hatte mir das Buch nicht zugelegt, nur um bewundernd von den Geocaching-Reisen der beiden zu lesen. Zum Glück gibt es noch die Kapitel der anderen Geocacher, in denen ich mich und gewisse Situationen dann doch ab und zu wiedererkannt habe. Damit hat das Buch zumindest etwas Boden gutmachen können.

Vielen Dank an traveldiary für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Neues aus Geocaching – Geschichten von draußen
Autor: Bernhard Hoecker, Tobias Zimmermann und andere Geocacher
Seiten: 216
Verlag: traveldiary
ISBN: 978-3944365299
Preis: € 9.95 (TB), Liebhaberpreis (Limited Premium Edition)

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