Hörgespinste

Hörgespinste (06) – Suici.de

Titel: Hörgespinste (06) – Suici.de / Verlag: Pandora’s Play / Spielzeit: ca. 75 min / Sprecher: Marco Göllner, Dagmar Bittner, Katharina von Daake, Jan Langer, Katja Behnke ua

Inhalt: Leonard und Beate Heidel sind entsetzt. Als sie in der Nacht von einem Theaterbesuch nach Hause kommen, finden sie ihre Tochter Fiona ohnmächtig vor ihrem Computer, auf dem Schreibtisch eine leere Flasche Alkohol und aufgebrauchte Packungen Aspirintabletten. Ein Selbstmordversuch. Wie konnte das passieren? Fiona hatte doch nie depressiv gewirkt, war immer ausgeglichen, fröhlich und hatte viele Freunde. Leonard Heidel kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur. Auf der Internetseite www.suici.de verabreden sich Jugendliche, Selbstmord zu begehen. Doch der Tod ist kein Ende: auch nach ihrem Ableben posten die Dahingeschiedenen noch Beiträge, schwärmen begeistert von der anderen Seite. Steckt der geheimnisvolle Anderland dahinter? Leonard beginnt Nachforschungen anzustellen. Kann er seine Tochter noch retten?


Endlich wieder eine neue Folge in dieser Reihe! Der Inhalt klang ganz nach meinem Geschmack und tatsächlich hat mir die Story wirklich gut gefallen. Der Selbstmordversuch von Fiona gibt ihren Eltern Rätsel auf und gemeinsam mit der Polizei und Freunden versuchen sie, Antworten auf ihre Fragen zu finden. Speziell Fionas Vater unternimmt aber auch mal alleine gewisse gefährliche Extratouren. Das sorgt genauso für Spannung wie die Sorge und die Angst um Fiona. Ich habe genau wie ihre Eltern so sehr gehofft, dass sie es trotz dramatischer Vorfälle schaffen wird. Und ich konnte ihren Eltern ihre Sorge gut nachfühlen. Ihre Sprecher bringen ihre ins Chaos gestürzten Gefühlswelten gut an den Hörer. Das reißt einen schnell mit.
Es hat Spass gemacht und es war spannend zu verfolgen, welche Entdeckungen Fionas Vater, sein Freund Mario und die Polizistin Saskia im Laufe der Geschichte machen. Dabei geht es lange Zeit wenig bis gar nicht übersinnlich zu. Als eine Theorie in diese Richtung auftaucht, kommt sie einem daher total unrealistisch vor. So unrealistisch, dass ich ehrlich darauf gewartet habe, dass mir die Story letztlich eine Figur präsentiert, welche hier falsch spielt und die Strippen hinter suici.de zieht. Daher war ich am Ende bei der Auflösung irgendwie auch etwas enttäuscht, denn dabei besinnt man sich wieder ganz auf den übersinnlichen Einschlag, der die Serie auszeichnet. Für mich war es bis dahin einfach zu übzeugend ein Thriller um so eine Auflösung gut zu finden. Ihren Reiz hat sie aber schon. Nur hätte ich es der Episode nicht übel genommen, wenn sie auch thrillermäßig geendet und man nur zuvor hier und da mit übersinnlich angehauchten Ideen dem Grundtenor der Reihe Rechnung getragen hätte.

Marco Göllner und Dagmar Bittner, die als Fionas Eltern zu hören sind, nimmt man ihre Sorgen und Ängste schnell ab. Der Vater stürzt sich oft in (teilweise blinden) Aktionismus und Marco Göllner verleiht ihm dafür eine raue Stimme und eine hier und da fast aggressiven Ton, bringt an anderen Stellen aber auch die Verzweiflung dieser Figur rüber. Dagmar Bittner schlägt wesentlich ruhigere Töne an, was einem beim Zuhören sofort traurig stimmt. Man fühlt sofort mit der Mutter mit. Dass sie aber auch lauter kann, beweist sie im Finale der Story.

Musikalisch hält sich die Folge zurück, versteht es aber mit ruhigen, eher leisen Stücken für Atmosphäre und Stimmung zu den einzelnen Szenen zu sorgen. Die Geräuschkulisse ist ebenfalls in Ordnung, da gibt es nichts.

Das Covermotiv rückt das Thema der Geschichte mit der Webseite und ihrem Titel und den Selbstmordutensilien klar in den Mittelpunkt. Man versteht sofort, womit man es bei der Story zu tun hat. Das ist toll. Leider sieht die Gestalt vor dem Rechner für mich aus wie eine Holzmarionette und nicht mal im Ansatz echt.

Fazit:  Eine coole und interessante Geschichte, die lange Zeit wie ein Thriller daherkommt. Spannend, düster, eben alle, was man von diesem Genre erwarten darf. Für mich hätte es ruhig dabei bleiben können, doch am Ende besinnt die Story sich auf das Übersinnliche, das diese Reihe eigentlich auszeichnet. Das hat durchaus seinen Reiz, aber etwas enttäuscht war ich doch.

 

Hörgespinste (05) – Kuckuckskind

Titel: Hörgespinste (05) – Kuckuckskind / Verlag: Pandora’s Play / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Katja Behnke, Dagmar Bittner, Sabine Kuse, Andy Suess ua

gespinste05Inhalt: Julia und Alice sind Schwestern Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch gibt es einen Grund für diese Unterschiede? Auf einem Ausflug nach Chicago entdeckt Alice ein Vermisstenplakat: mit dem Foto von ihrer Schwester Julia. Aber das vermisste Mädchen hat einen anderen Namen: Bess Hargrowe. Ist Julia vielleicht gar nicht die Schwester von Alice? Alice kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur.


Endlich geht es mit einigen meiner Lieblingsserien weiter. Beispielsweise mit den “Hörgespinsten”. Pandora’s Play wird bei mir immer per se einen Stein im Brett haben. Bielefeld ist nicht weit weg und mir gefällt es einfach, dass mehrere ihrer Hörspiele in unserer Gegend spielen. Deshalb habe ich Bauklötze gestaunt als ich feststellte, dass “Kuckcuckskind” in den USA spielt. Bitte, was soll das? Zahlreiche Autoren beweisen immer wieder, dass Krimis, Thriller und gruselige Geschichten auch problemlos funktionieren, wenn sie in Deutschland spielen. Und die Handlung von “Kuckuckskind” hätte hier genauso gut spielen können, da bin ich sicher. Das war der erste kleine Dämpfer für meinen Enthusiasmus.
Die Story an sich ist nicht übel. Ich habe schnell mitgerätselt, was mit Julia nicht stimmen könnte. Und auch wenn sie sich für mein Empfinden teilweise etwas in die Länge zogen, so fand ich Alice’ Nachforschungen doch ganz spannend. Allerdings hätte es sich für mich ruhig früher andeuten können, dass etwas Übersinnliches hinter all den Rätseln steckt. Das wird erst kurz vor Ende deutlich, dann aber so richtig. Gut, irgendwie rechnet man damit, wenn man die Reihe kennt, aber so ein bisschen Grusel zuvor hier und da hätte nicht geschadet. Ohne solche Elemente kann man auch einfach auf eine krimi- oder thrillermäßige Auflösung schließen, sodass man bei dem tatsächlichen Ende vor Überraschung wie vom Donner gerührt dasitzt. Das hätte man für mich zuvor gerne schon mal durchblicken lassen dürfen.

Dagmar Bittner gibt eine aufgeweckte und selbstbewusste Alice. Und Sabine Kuse in der Rolle von Alice’ Freundin Suzie steht ihr da in nichts nach. Maria Tzankow klang mir eine ganze Spur zu jung für eine Mutter von zwei Teenagern. Katja Behnke lässt Julia ernsthaft und ruhig klingen, was einen guten Kontrast zu ihrer pfiffigen Schwester bildet.

Musikalisch klang diese Folge für mich typisch nach Pandora’s Play. Die Hörspiele haben ihren eigenen Klang, das ist in meinen Ohren halt so. Aber der kann sich hören lassen. Es sind stimmige Melodien zu hören, die gut zu den jeweiligen Szenen passen.

Was mir das Covermotiv sagen soll, das habe ich mich schon gefragt als ich es zum ersten Mal sah. Es sieht zwar geheimnisvoll und mystisch aus, doch ein Zusamenhang zur Geschichte kann ich in keinem Element finden. Außer halt, dass es um ein Mädchen geht.

Fazit: Leider konnte mit das Kuckuckskind nicht so recht von sich überzeugen. Die Idee ist gut, aber die Story zieht sich teilweise schon sehr, und dass es mal in Richtung Übersinnliches gehen wird ist bis zum Finale nicht mal zu erahnen. Ein paar schaurige Momente zuvor wären nett gewesen, die hatten die vorigen Folgen auch. Und dann diese Sache mit dem Schauplatz. Wieso musste man dafür in die USA gehen?

Hörgespinste (02) – Der Geisterfahrer

Titel:   Hörgespinste (2) – Der Geisterfahrer / Verlag Pandoras Play / Laufzeit:   ca. 57 min / 20 Tracks / Sprecher:  Ulrike Müller, Jan Felski, Konrad Halver, u. A.

Inhalt:   Seit einiger Zeit häufen sich auf einem Autobahnabschnitt durch Geisterfahrer verursachte Unfälle. Die Verkehrswacht tappt im Dunklen, an den beteiligten Fahrzeugen sind keine Manipulationen zu finden. Die Kripo setzt die Kommissare Nelli Tarna und Thomas Gebel von der Mordkommission auf den Fall an, doch jede noch so kleine Spur führt am Ende wieder nur in eine Sackgasse…wieso rasen so viele Fahrer in den sicheren Tod?


Mit Der Geisterfahrer legt Pandora’s Play nach langer Pause nun den zweiten Teil der Hörgespinste– Reihe vor.
Nach der eingeschneiten Skihütte ist nun eine ganz normale deutsche Autobahn Ort des unheimlichen Geschehens.
Da dieser Handlungsort aber im Allgemeinen nicht allzu gruselig ist, wurde er mit Aspekten der griechischen Mythologie verknüpft.
Sicher eine ungewöhnliche Mischung, die in Der Geisterfahrer aber stimmig umgesetzt wurde.
Das Hörspiel hält sich nicht lange mit großen Vorreden auf, schon nach wenigen Minuten ist der Hörer direkt mitten im Geschehen und Zeuge einer verheerenden Karambolage.
Danach verläuft das Hörspiel sehr geradlinig, es fällt leicht, der Handlung zu folgen, was nun aber nicht heißen soll, dass es an überraschenden Wendungen oder Spannung mangelt. Beides zieht sich kontinuierlich durch das gesamte Hörspiel.
Ein wesentlicher Teil der Spannung wird dabei durch die beiden verschiedenen Blickwinkel erzeugt, aus denen der Hörer die Geschichte „erlebt“: einmal direkt aus dem Jetzt der Kripobeamten, einmal aus der Sichtweise der mythologischen Figur des Charon…
Gegensätzlicher könnte es eigentlich gar nicht sein, und doch harmoniert es hier sehr gut miteinander.
In der Rolle der Kommissarin Nelli Tarna hören wir Ulrike Müller, die Schattensaiten – Fans sicher als Perales bekannt sein dürfte.
Mit ihrer ruhigen, aber festen Stimme vermittelt sie dem Hörer einen guten Eindruck der selbstbewussten Kommissarin; ihre Erfahrung im Kripo – Dienst nimmt man ihr sofort ab.
Ihr zur Seite steht Kommissar Thomas Gebel, gesprochen von Konrad Halver und mit dieser Besetzung kann eigentlich gar nichts schief gehen.
So spricht er auch den von Nelli als „Bügelfaltenträger“ bezeichneten Kommissar sehr souverän, mal dienstbewusst, mal menschlich und immer genauso wie es die Situation gerade erfordert.
Die Rolle des Charon wird von Jan Felski gesprochen, und damit hat er sicher den schwierigsten Sprecherpart des Hörspiels inne. Er meistert ihn jedoch mit Bravour und trifft genau den Ton, den man von einer weisen, mythologischen Figur erwarten würde, wenn sie eine Stimme hätte.
In den Nebenrollen sind mehrere der Schattensaiten – Sprecher zu hören, die sich allesamt nicht hinter den Hauptsprechern verstecken müssen.
Besonders positiv ist mir hier Walter Blohm aufgefallen, der Erzähler der Schattensaiten.
In Der Geisterfahrer hat er eine eigene kleine Rolle und spricht sie sehr gut und absolut glaubhaft.
Man sollte ihn unbedingt auch in zukünftigen Hörspielen zu Wort kommen lassen.

Musikalisch hat das Pandoras Play – Team für den Geisterfahrer tief in die Trickkiste gegriffen.
Von Klaviermusiken, über ungewöhnliche Xylophonklänge bis hin zu harten Gitarrenstücken ist alles vertreten.
Mal laut zu den Actionszenen, mal leise an spannenden Stellen, und immer wunderbar mystisch, wenn Charon das Wort ergreift.

Das Cover zeigt eine Szene aus dem Hörspiel, düster und bedrohlich, umrahmt vom vertrauten „Hörgespinste“ – Artwork. Wie auch am Anfang des Hörspiels, ist man mit dem Cover sofort mitten in der Geschichte.

Fazit: Griechische Mythologie – deutsche Autobahnen…eine gewagte Kombination, aber wieso eigentlich nicht?
Der Geisterfahrer jedenfalls beweist, dass diese Kombination funktionieren kann.
Dabei herausgekommen ist ein spannender und unterhaltsamer Grusel-Krimi mit klasse Sprechern und einer interessanten Musikkulisse.

Hörgespinste (01) – Klirrende Kälte

Titel:   Hörgespinste (1) – Klirrende Kälte / Verlag Pandoras Play / Laufzeit:   ca. 76 min / 14 Tracks / Sprecher:  Marco Göllner, Katja Behnke, Klaus Brandhorst, Maria Tzenkow, Matthias Felling, Walter Blohm u.A

Inhalt:   Autounfall. Wir stecken in einer Hütte fest und brauchen dringend Hilfe. Bitte melde sich doch jemand….wir sind in Gefahr. Da draußen…Geräusche im Schnee….nicht allein…Gefahr…ihr müsst….Hilfe!


Das Rauschen ist so stark, dass Lisa, Tina, Markus und Julius die Worte aus dem Funkgerät kaum verstehen können. Das ist doch die Stimme ihres Freundes Michael! Erleichtert atmen alle auf. Dann ist er also am Leben. Aber wovor wollte er sie warnen?
Eingeschneit in einer einsamen Hütte tief in Wäldern sitzen sie ohne Aussicht auf Hilfe fest. Und dann dieses unheimliche Geräusch, das immer wieder aus den Wäldern ertönt. Eines ist den Freunden klar: da draußen lauert etwas. Und sie müssen in jedem Fall zusammenhalten, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance haben wollen, dieser tödlichen Gefahr zu entrinnen.

Zugegeben, die Story klingt nicht gerade neu. Ohne mich großartig anstrengen zu müssen, fallen mir aus dem Stehgreif mindestens drei Horror- / Gruselfilme ein, die ganz ähnlich beginnen. Junge Leute, die sich irgendwo im Nichts verirren und nichtsahnend in ihr Unheil laufen sind eben immer beliebt.
Als Hörspiel war mir eine solche Geschichte bis zu meinem Kauf noch nicht begegnet und ich war entsprechend neugierig, ob es möglich ist, eine solche Story auch ohne Bilder gelungen umzusetzen.
Kurz gesagt: ja, es geht tatsächlich.
Schon während der ersten Minuten liegt eine gereizte Stimmung über den vier Freunden als sie mit dem Auto mitten im Schneesturm irgendwo in den Wäldern liegenbleiben und beschließen, sich zu Fuß auf die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht zu machen.
Schon während dieses Marsches wird durch die Dialoge und Geräusche deutlich, wie tief der Schnee und wie kalt die Luft ist.
Als die Freunde die verlassene Skihütte entdecken, ist man zunächst genau wie sie erleichtert.
Aber kaum dort angekommen stellen sie die ersten Ungereimtheiten fest und von diesem Zeitpunkt an, steigert sich die Spannung alle paar Minuten.
Mit Michaels Verschwinden ist der erste Höhepunkt erreicht, aber es dauert gar nicht lange bis man begreift, dass das Ende der Fahnenstange damit noch lange nicht erreicht ist.
Über das Ende gehen die Meinungen auseinander. Ich persönlich finde es gut, dass nicht alles bis ins Letzte aufgelöst wird, dass vieles im Dunklen bleibt.
Auf der anderen Seite hätte ich aber auch gerne genauer erfahren, was es mit dem merkwürdigen Geräusch auf sich hat.
Das Ende ist deshalb eher Geschmackssache, aber keinesfalls schlecht.

Zugegeben, die Sprecher waren zur Erstveröffentlichung im Jahre 2000 keine Profis und das hört man auch.
Dennoch schaffen sie es, ihren Figuren Charakter zu verleihen.
Besonders erwähnen möchte ich Maria Tzankow, die Tina spricht. Ihr gelingt es, so viel Panik in ihre Stimme zu legen, dass man alleine schon deswegen eine Gänsehaut bekommt.
Eine wirklich ganz tolle Leistung.

Die Musik des Hörspiels kann problemlos mit jedem Profi-Hörspiel mithalten. Sie sorgt ihrerseits für Spannung, was auch hervorragend gelingt.
Das Geräusch im Schnee…nun, da hat sicher jeder schon mal gehört, so ungewöhnlich ist es nicht. Aber in der angsterfüllten Atmosphäre jagt es einem trotzdem einen Schauer über den Rücken.

Das Cover ist überwiegend in eisigen Blautönen und Weiß gehalten, was gut zu einem Hörspiel passt, das in Schnee und Kälte spielt.
Zu sehen ist die einsame Hütte, hinter der ein unförmiger Schatten aufragt, der sich drohend darüber beugt.
Was für ein Geschöpf das ist, ist nicht zu erkennen, aber freundlich sieht es eindeutig nicht aus.

Fazit: Ein sehr spannendes Grusel-Hörspiel mit unglaublich dichter Atmosphäre. Gänsehaut pur. Nicht geeignet um es zum Einschlafen zu hören.

Hörgespinste (3) – Auf dem Campus mit Ctulhu

Titel:   Hörgespinste (3) – Auf dem Campus mit Ctulhu / Verlag Pandoras Play / Laufzeit:   ca. 73 min / 24 Tracks / Sprecher:  Nils Hensel, Katja König, Uwe Schönpflug, Stephan Globisch, Horst Kurth

Inhalt: Als Simon Zann sein Auslandsseminar an der Miskatonic University in Arkham, Massachusetts antritt, freut er sich in erster Linie auf Parties und den American Way of Life. Jedoch muss er sehr schnell feststellen, dass hinter der düsteren Fassade der Universität ein noch düsteres Geheimnis lauert.
Und noch bevor das Semester richtig begonnen hat, steckt Simon mittendrin in einer Geschichte um verbotene Bücher, zyklopische Städte auf dem Grund des Ozeans und uralte Götter mit unaussprechlichen Namen, die jenseits von Raum und Zeit darauf warten, in unsere Welt zurückzukehren.


Lange angekündigt, nun endlich im CD-Player: der dritte Teil der Hörgespinste.
Wie der Titel es vermuten lässt, hat man sich für diese Folge kräftig beim Cthulhu-Mythos bzw Lovecrafts Geschichten bedient und versucht, dies mit einer College-Story zu kombinieren.
Grundsätzlich hat mir diese Idee ganz gut gefallen, wobei ich zugeben muss, dass ich mich mit Lovecraft kaum auskenne und mit seinen Geschichten noch viel weniger. Nachdem seine Werke jedoch überall gelobt werden, war ich sehr gespannt.
Das Hörspiel lässt sich ganz gut an, Simon trifft in Arkham ein und wird von seinem Kommilitonen Randolph Carter III. in Empfang genommen, mit dem er zur Universität fährt.
Dort angekommen staunt Simon nicht schlecht über die unheimlich wirkenden Gebäude und so wie er den Campus beschreibt, taucht vor dem Auge des Hörers auch ein ziemlich genaues Bild davon auf, passenderweise tobt oben drüber ein Gewitter, das klingt insgesamt schon sehr unheimlich. Und genau da liegt mein Problem: es klingt gespenstisch, es “fühlt” sich aber leider nicht so an, da fehlt einfach die entsprechende Atmosphäre.
Und das bleibt bedauerlicherweise auch über das gesamte Hörspiel hinweg so. Dabei hat man sich hörbar Mühe gegeben, solch ein Atmosphäre zu erzeugen. Mit Gewittern, der kleinen Hexengeschichte, den undurchsichtigen Charakteren Helen und Randolph, dem Necronomicon, dem Zombie und erst recht beim dramatischen Ende.
Ein wesentlicher Grund dafür, dass eine Gänsehaut einfach nicht aufkommen will, sehe ich in dem bemerkenswert ahnungslosen, ja oft geradezu trotteligen Simon Zann. Da schreibt sich jemand für ein Semester an der Miskatonic Universität in Arkham ein und ahnt nicht ansatzweise, was davon zu halten ist? Soweit sollte man seinen Lovecraft nun doch schon kennen.
Da Simon als Erzähler durch das Hörspiel führt und wie gesagt nicht den Hauch einer Ahnung hat, erzählt er die Geschichte auch genau so. Locker, lässig, mit vielen Sprüchen und zig Versprechern beim Wort Cthulhu (nach dem dritten Versprecher ist das nicht mehr lustig!).
Ein außenstehender Erzähler hätte dem Hörspiel viel besser zu Gesicht gestanden, einer, der beim Erzählen für etwas Atmosphäre hätte sorgen können…Simon geht das viel zu flapsig an.
Gefallen haben mir dagegen die Traum-Szenen, hier stimmt die Atmosphäre. Simon schildert seinen Traum sehr anschaulich, in bildhaften Worten und in einem Ton als wäre er in Trance, darüber liegt der dumpfe Klang von Geräuschen unter Wasser. Doch, diese Szenen sind klasse.

Die Sprecherliste ist kurz, gerade mal mit fünf Sprechern hat man es in diesem Hörspiel zu tun.
Im Vordergrund steht ein Sprechergespann, das Fans von Pandora’s Play bereits aus der Serie Grüße aus Gehenna kennen: Nils Hensel in der Rolle des Simon Zann und Katja König alias Helen Armitage.
Nils Hensel macht seine Sache prima, da gibt es nichts. Den jungen, lässigen und ahnungslosen Studenten nimmt man ihm sofort ab, aber auch wenn er die Szenen seiner schaurigen Träume beschreibt, kann er überzeugen.
Katja König gefällt mir seit je her, sie kann noch so lockere Passagen sprechen, ihre Stimme klingt trotzdem auch immer undurchsichtig und mysteriös. Dieses Talent wird auch in Auf dem Campus mit Cthulhu deutlich.
Stephan Globisch übernimmt die Rolle des Randolph Carter III. Er ist mein Favorit unter den Sprechern, man weiß tatsächlich bis zum Ende hin nicht, was von Carter zu halten ist, er spricht ihn herrlich kühl und unnahbar, beinahe schon abweisend.
Uwe Schönpflug als Kyle Danforth konnte mich dagegen nicht sonderlich überzeugen, am ehesten noch als bekiffter Student, aber z.B. in der Szene als er auf dem Dach eines Gebäudes steht und vor Angst durchgedreht zu sein scheint, da fehlt einfach die entsprechende Panik in der Stimme
Die eher kleinere Rolle des Wachmanns Legrasse spricht Horst Kurth von der Hörfabrik.

Über die Musikkulisse kann man nichts Schlechtes sagen, sie kommt düster und bedrohlich daher, so muss das klingen in einem gruseligen Hörspiel. Leider kann auch eine noch so gelungene Musik nicht alleine alles an Atmosphäre rausreißen, für sich alleine gesehen ist sie aber top. Wäre die Handlung gespenstischer, wäre die Musik das Tüpfelchen auf dem i.
Auch die Effekte gehen in Ordnung, besonders gelungen sind hier die schon erwähnten Traum-Szenen, aber auch sonst können sie sich hören lassen.

Das Cover bleibt dem vertrauten Hörgespinste-Stil treu und weiß mit dem düsteren Motiv zugefallen. Jeder Lovecraft-Fan wird sich bei diesem Anblick heimisch fühlen.
Solche Leute wie ich, die von Lovecraft nicht viel Ahnung haben, macht es aber auf jeden Fall neugierig auf das Hörspiel.

Fazit:   Bislang hat mir die Reihe Hörgespinste immer den Eindruck vermittelt, eine gruselige, unheimliche Serie zu sein, doch bei Auf dem Campus mit Cthulhu bin ich nun ins Zweifeln gekommen. Unterhaltsam ist die Folge zweifellos, aber gruselig eben nicht. Dabei hatte man mit dem Cthulhu-Mythos dafür wirklich das beste Handwerkszeug zur Verfügung. Man hat das Potenzial darin nur leider quasi an den flapsigen College-Aspekt verschenkt. Lovecraft-Verehrer werden sich freuen, Bekanntes wieder zu treffen, doch wer sich gruseln möchte, der halte sich besser an Hörgespinste 1.

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