Hühner

Gänsehaut Doppelschocker 15 – Hühnerzauber / Wenn das Morgengrauen kommt (R.L. Stine)

gaensedoppelschocker15Durch unbedachtes Verhalten haben Crystal und Cole den Zorn einer Zauberin auf sich gezogen. Als diese einen Zauberspruch murmelt, nimmt eine zunächst kaum wahrnehmbare Verwandlung der Geschwister in Hühner ihren Lauf. Die beiden suchen Hilfe bei den Erwachsenen, doch bekannt dafür, dass sie sich immer wieder gerne einen Scherz erlauben, will ihnen keiner glauben. Was bleibt ihnen übrig, als sich heimlich in das Haus der Zauberin zu schleichen und selbst zu versuchen, dem Spuk ein Ende zu bereiten?

Warum nur darf Matt nicht im Gästezimmer schlafen? Er selbst sieht keinen vernünftigen Grund, noch dazu, wo sein eigenes Zimmer so klein und das Gästezimmer so groß ist. Heimlich schleicht er sich eines Nachts zum Schlafen hinein. Als er am nächsten Morgen aufwacht, stimmt nichts mehr: Er selbst ist um Jahre gealtert und in der Küche sitzen ihm völlig fremde Menschen, die vorgeben, seine Eltern zu sein.

“Gänsehaut” im Doppelpack, warum nicht? Bisher hatte ich ja nur die Einzelbände gelesen, aber zwei auf einen Streich sind natürlich eine feine Sache.

“Hühnerzauber” hat mir mal wieder sehr gut gefallen. Harriet und Harold mochte ich bald, fand es aber trotzdem absolut richtig, dass sie dafür bestraft werden als sie eine als Hexe verschriene Frau aus ihrem Städtchen ärgern. Die Strafe ist dabei schon sehr speziell, aber irgendwie auch ganz witzig. Die Vorstellung, wie die beiden Kinder sich nach und nach in Hühner verwandeln, hat eindeutig auch eine amüsante Seite an sich. Ganz abgesehen davon, dass ich eine Verwandlung in Hühner als arg schräg empfunden habe. Hühner sind für solche Szenarien ja nun nicht die üblichen Tiere. Schräg also, aber im positiven Sinne. Gewundert hat es mich lediglich, dass die Eltern der Kinder davon gar nichts mitbekommen. Merken Eltern es ehrlich nicht, wenn ihrem Sohn plötzlich Federn wachsen und die Tochter mit klapperndem Schnabel spricht? Aber vielleicht ist das auch eine typische Frage für einen Leser, der nicht mehr zur anvisierten Leserschaft gehört. Kinder sehen darüber womöglich leichter hinweg. Und natürlich macht es die Handlung zusätzlich spannend, denn wenn man nicht mal von den Eltern Hilfe erwarten kann, dann steht man in Harolds und Harriets Alter total verlassen da. Ich habe mich ständig gefragt, wie die Geschwister aus der Hühnernummer jemals herauskommen würden
Das Ende der Geschichte lässt einen zunächst hoffen, kommt dann aber nochmal mit einer ganz fiesen Wendung daher. Sehr fein!

“Wenn das Morgengrauen kommt” ist ebenfalls eine gelungene “Gänsehaut”-Geschichte, aber sie ist in anderem Fahrwasser unterwegs. Als Matt verbotenerweise im Gästezimmer schläft, wacht er am folgenden Morgen um Jahre gealtert auf und trifft am Frühstückstisch auf völlig fremde Menschen, die behaupten, seine Eltern zu sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass das für Kinder ein ziemlich erschreckendes Szenario ist. Ich habe mich vor allem gewunder, was das soll. Denn die Geschichte geht genauso weiter: jeden Morgen erwacht Matt in einem anderen Alter und einem anderen Leben. Das ist abwechslungsreich und bietet zahlreiche turbulente und spannende Szenen. Zunächst dachte ich, die Story will damit aufzeigen, dass Matts eigentliches Leben trotz bescheuerter Geschwister und Rumpelkammerzimmer gar nicht so übel ist, doch das war es nicht.
Des Rätsels Lösung ist dann für junge Leser schon ganz schön hoch gegriffen, wie ich finde. Sie wird zwar recht einfach beschrieben, sodass sie es verstehen können, aber das Thema findet sich auch in diversen Büchern und Filmen für Erwachsene wieder.

Auch diese beiden Geschichten sind kindgerecht leicht geschrieben. Da schmökert man sich schnell hindurch. Die Kapitel sind schön kurz und viele Dialoge sorgen für zusätzliche Auflockerung.

Ich muss gestehen, ich finde das Covemotiv schon ziemlich schaurig. Die Vorstellung, dass man im Bett liegt und plötzlich kommt unter dem Bett eine Hühnerkralle hervor und greift nach einem…das möchte ich möglichst nicht erleben.

Fazit:  “Gänsehaut” macht auch im Doppelpack Spass. Diese beiden Geschichten sind spannend, ein wenig schaurig und drehen sich um schräge und gewagte Ideen. So stimmt man den Nachwuchs prima auf eine Karriere als Grusel-Fan ein 😉


Titel: Gänsehaut Doppelschocker 15 – Hühnerzauber / Wenn das Morgengrauen kommt
Autor: R.L. Stine
Seiten: 122
Verlag: cbj / Random House
ISBN: 978-3570215036
Preis: gebraucht ab € 0,01

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Chicken Dance (Jacques Couvillon / Martin Baltscheit)

Titel: Chicken Dance / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 281 min / Buch: Jacques Couvillon / gelesen von: Martin Baltscheit

Inhalt: Herzlich willkommen in Horse Island, Louisiana, wo Hühnerkompetenz der Schlüssel zur Beliebtheit ist und Eier wertvoller sind als Geld. Don Schmidt wächst hier in den 1970er Jahren auf einer Hühnerfarm auf. Beliebt ist er nicht gerade, weder zu Hause noch in der Schule. In Ermangelung an Alternativen freundet sich Don mit den Hühnern an, und so kommt es, dass er eines Tages beim Hühner-Wissens-Wettbewerb den ersten Preis gewinnt und als jüngster Gewinner aller Zeiten in die Geschichte des Festivals eingeht. Plötzlich ist Don der berühmteste und beliebteste Junge im Ort. Und er stößt auf ein Familiengeheimnis …


Obwohl mir die Geschichte immer schon ganz interessant vorkam, habe ich mich doch recht lange davor gescheut. Sie spielt halt in den 70er-Jahren und damit ein Jahrzehnt zu früh für meinen Geschmack. Im Nachhinein tut es mir fast leid, das Hörbuch so lange umgangen zu haben. Denn die Zeit, in der sie spielt, tritt hinter der Geschichte völlig zurück. Mir hat speziell der Charme der Geschichte sehr gut gefallen. Natürlich, Dons Leben und ein Ereignis wie ein Hühner-Wissens-Wettbewerb, das klingt schon sehr provinziell und weit weg. Aber es hat seinen Reiz und natürlich auch eine gewisse Komik. Es macht Spass zu verfolgen, wie der Sieg bei diesem Wettbewerb Dons Leben gründlich auf den Kopf stellt, denn plötzlich ist der der Held der ganzen kleinen Ortschaft. Und das hat ungeahnte Folgen, die bei einem Ansturm auf die Eier seiner Hühner erst anfangen und bei einem Geheimnis um ihn und seine Familie erst aufhören. Von so etwas geht man zu Anfang überhaupt nicht aus und es ist immer wieder eine Überraschung, was dem jungen Hühner-Fachmann als nächstes passiert. Die Story ist allerdings -auch wenn sie so klingt- nicht immer heiter, locker, unbeschwert und humorvoll. Es klingen hier gleich mehrere ernste Themen an, die halt dadurch nicht so bierernst rüberkommen, dass Don sie aus seiner Sicht, der Sicht eines Kindes, erzählt. Das klingt zwar meist recht naiv, aber als Hörer begreift man durchaus, was dahinter steckt.

Martin Baltscheit hat mir als Sprecher hier prima gefallen. Er trifft diese Mischung aus kindlicher Naivität und cleverer Gewitzheit sehr gut. Wenn er erzählt, dann kann man sich Don richtig gut vorstellen. Und so sollte das bei einer Geschichte, die aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird, auch sein. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat ist, die Betonung des Wortes “sagte”. Da muss man allerdings in erster Linie wohl dem Übersetzer einen Vorwurf machen. In “Chicken Dance” sagen die Leute alle nur, wenn es hochkommt,  dann fragt auch mal jemand. Das hat mich gestört und entsprechend auch, dass Martin Baltscheit dieses sich ewig widerholende Wort auch noch auffällig betont.

Das Covermotiv ist schon irgendwie witzig mit dem Eierkarton. Das macht den Humor der Geschichte deutlich. Und die bunten Laser und die Discokugel stehen wohl für die Zeit, in der sie spielt. Eine schöne Mischung, die sicher Aufmerksamkeit erregt.

Fazit:  Eine sehr charmante Geschichte um einen liebenswerten Jungen, dessen Leben durch ein provinzielles Großereignis auf den Kopf gestellt wird. Außerdem ein amüsanter Blick durch die Augen eines Kindes auf so manches gar nicht so amüsante Ereignis.

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