Humor

Hummeln im Herzen (Petra Hülsmann)

U1_Huelsmann-RD4.indd“Von der Liebe darfste dich nich feddich machen lassen!” – diesen weisen Rat hört Lena gleich mehrmals von Taxifahrer Knut. Aber leichter gesagt als getan, wenn der Verlobte eine Niete und der Job wegen eines äußerst peinlichen Fehlers plötzlich ein Ex-Job ist. Für Selbstmitleid bleibt Lena aber sowieso kaum Zeit. Ihr Leben muss dringend generalüberholt werden, und außerdem zieht ausgerechnet sie als Ordnungsfanatikerin in die chaotische WG ihrer besten Freundin. Vor allem Mitbewohner Ben nervt! Der ist nämlich nicht nur unglaublich arrogant, sondern auch ein elender Womanizer. Umso irritierter ist Lena, als ihr Herz beim Gedanken an ihn immer öfter auffällige Aussetzer hat.

Es gibt sie noch die absoluten Überraschungen im Bücherregal. Denn ohne dieses süße Cover hätte ich das Buch wohl gar nicht gelesen. Solche Mädels-Herz-Schmerz-Romane sind nämlich eigentlich gar nicht mein Fall.
Dann begann ich mit “Hummeln im Herzen” und war sofort hin und weg. Wieso? Aus so vielen Gründen, dass ich gerade gar nicht weiß, wo ich mit dem Loben anfangen soll.
Vielleicht bei den Charakteren, allen voran Lena. Ich mochte sie durch die Bank alle! Die gutmütige Lena mit de Hang zu Fettnäpfchen, die resolute Juli, den lieben Michel, den Frauenhelden Ben und sogar den knurrigen Otto und den verschrobenen Jan. Mir fällt spontan kein Buch ein, in dem ich jede einzelne Figur im Nullkommanix so sehr mochte wie hier. Und unter Leuten, die man mag, fühlt man sich halt wohl. Es war jedes Mal wie ein Nachhausekommen, wenn ich das Buch aufgeschlagen habe. Das war nach einem langen Arbeitstag genau das, was ich dann brauchte.
Die nächste Schippe Lob bekommt die Realtätsnähe ab. Nicht in der Hinsicht, dass es alltäglich wäre, was Lena mit ihren Freunden erlebt. Das ist sicher in dieser Aneinanderreihung nicht ganz so realistisch. Aber es geht in Lenas Leben stetig auf und ab, und das geht sicher den meisten Menschen so. Ich denke, deshalb kann man sich beim Lesen so schön mit ihr freuen, aber auch mal mit ihr ärgern und traurig sein. Wer nimmt es denn einer Geschichte ab, wenn es darin ständig rosarot und glücklich zugeht? Das mag zwar hin und wieder gut tun, so als Ablenkung vom Alltag, und zum Träumen einladen. Aber ich finde es immer schön, wenn sich bzw sein eigenes Leben irgendwo in der Geschichte wiederfindet. Und das klappt mit diesem Auf und Ab in Lenas Leben wirklich gut.
Weiterhin ist “Hummeln im Herzen” etwas gelungen, das ein Buch bei mir nur selten hinbekommt: ich habe dabei wirklich Tränen gelacht. Es hat genau meinen Sinn für Humor getroffen ohne dabei je ins Alberne und Übertriebene abzudriften. Vor allem über Bens und Lenas Dialoge habe ich gelacht. Die beiden sind einfach herrlich, wenn sie sich streiten. Aber auch Lenas Blick auf die Welt und die Menschen um sie herum ist immer für einen Lacher gut.
Und trotzdem hat es die Geschichte auch geschafft, dass ich zum Ende hin gleich mehrmals geheult habe. Das Leben hat halt nicht immer nur Gutes im Gepäck, was mir hier ganz besonders leid tat. Aber dann kommt eben halt doch wieder etwas Schönes, worüber man sich so sehr freut, dass dann widerum Freudentränen fließen.

Die Kapitel haben tollte Titel, die sofort neugierig machen. Sei es, dass Lena darin verkündet, dass sie ein Mischlingsköter ist oder dass sie nicht aussieht wie Olivia Jones. Da muss man dann einfach weiterlesen und heraufinden, was es damit auf sich hat. Dank Lenas lockerer Erzählweise flogen bei mir die Seiten nur so dahin. Das Buch ist herrlich leicht geschrieben, versteht es aber dennoch zu gegebenem Anlass auch mal ernsthaftere Töne anzuschlagen.

Die Hummel ist ja so süß! Sie war der entscheidende Grund dafür, dass ich es doch mal mit einem Buch versucht habe, das eigentlich nicht meinem sonstigen Buchgeschmack entspricht. Gut, dass es das niedliche Tierchen gibt, sonst wäre mir eine richtig tolle Geschichte entgangen. Das Schwarze an der Hummel ist übrigens plüschig weich. Das fühlt sich toll an. Man möchte sie immer streicheln.

Fazit: “Hummeln im Herzen” hat mir von vorne bis hinten super gut gefallen! Turbulent und witzig, aber auch mal ernsthaft, wenn es das Geschehen erfordert, erfreulich unkitschig und durch und durch menschlich. Mit allen Höhen und Tiefen die zum Leben dazu gehören. “Von der Liebe darfste dich nicht feddichmachen lassen!” Und auch sonst von nichts, was einem im Leben so passiert. Dafür ist Lena der beste Beweis.


Titel: Hummeln im Herzen
Autor: Petra Hülsmann
Seiten: 397
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3404171682
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Kuhfladenwalzer (Sonja Kaiblinger)

kuhfladenwalzerAls Caros Mutter verkündet, sie werde heiraten, ist Caro nicht gerade begeistert – und dann soll sie die Hochzeit auch noch organisieren! Als Überraschung auf einer Wellnessalm in den Alpen! Ein Gutes hat es aber, denn ihr Schwarm Adam bietet ihr seine Hilfe an. Und nichts ist besser für eine Romanze geeignet als eine idyllische Alm und eine Hochzeit. Aber das Leben ist keine Soap! Die Wellnessalm entpuppt sich als kleine Berghütte mit viel zu vielen Kühen, Adam knutscht mit der Austauschsennerin herum und der Sohn der Almbäuerin Leo ist das größte Ekel auf Gottes Erden. Das kann ja nur schiefgehen! Oder?

Bei diesem Titel und dem Cover war es unvermeidlich, dass ich das Buch lesen würde. Außerdem kannte ich Sonja Kaiblinger bisher nur von ihren “Scary Harry”-Geschichten, die sich an eine jüngere Leserschaft richten. Da war ich gespannt, was Sonja Kaiblinger für die Leserschaft im Teenageralter in petto hat.
Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte erst kaum gepackt hat. Ich mochte Caro zwar ganz gerne und ja, ihre Familie ist durchaus etwas schräg drauf, aber so richtig vom Hocker gehauen bzw zum Lachen gebracht hat sie mich erstmal nicht. Außerdem habe ich beim besten Willen nicht verstanden, was Caro an Adam findet. Außer gut aussehen und kochen kann der doch offenkundig kaum etwas! Außerdem, Caro ist nicht dumm! Wieso merkt sie nicht, dass von ihm längst nicht das zurückkommt, was sie ihm gefühlsmäßig entgegenbringt! Und sich wegen eines solchen Typen auf DSDS-Rockröhre stylen? Naja, mit sechzehn ist das vielleicht tatsächlich eine Option…
Als Caro die Hochzeit ihrer Mutter ausrichten soll, ausgerechnet auf einer einsam gelegegen Alm, kommt ein wenig mehr Schwung in das Geschehen. Als Caro und ihre Freunde zum ersten Mal dort eintreffen und erkennen müssen, dass von Wellness wenig bis gar nichts zu sehen ist, habe erstmals wirklich gelacht. Vor allem über die herrlich kauzige Frau, die sie in Empfang nimmt. Es ging also aufwärts!
So richtig gepackt hat mich die Story dann als sich Caro und ihre Freundin Esther immer mehr auf der Alm einleben, den Reiz der Gegend und der Gebräuche dort erkennen und so nach und nach in ihre Aufgabe als Hochzeitsplaner hineinwachsen. Selbst an einem so wenig luxuriösen, dafür aber rustikalen Ort. Mir ging es beim Lesen ganz ähnlich. Anfangs fand ich die Alm wenig einladend und hielt die Hochzeitsplanung für hanebüchen, doch allmählich gefiel mir dieses Urige und oft Kauzige immer besser. Gerade für jemanden, der so vernarrt in Tiere ist wie ich, gibt es eine ganze Reihe Szenen, die einem eine solche Alm wie das Paradies vorkommen lassen.
Es ist aber nicht nur die anstehende Hochzeit, die Caro auf Trab hält. Da ist natürlich noch Adam, der mit auf der Alm ist, und Leo, der dort mit seiner Mutter lebt. Caro und er haben zunächst überhaupt nichts für einander übrig, doch wer sich ein bisschen in diesem Genre auskennt, der ahnt bald, dass das so nicht stimmt bzw sich bestimmt noch ändern wird. Ich mochte den burschikosen Leo vom ersten Moment an. Und als Caro und er notgedrungen miteinander auskommen müssen und dabei oft genug aneinander geraten, hatte die Geschichte mich endgültig am Schafittchen gepackt. Was habe ich über ihre Wortgefechte gelacht! Außerdem fand ich es lustig zu verfolgen, wie sie um einander herumschleichen, sich nicht eingestehen wollen, dass sich doch mögen und wie sich dabei das in solchen Situationen übliche Chaos entspinnt. Die beiden sind dabei so goldig, dass es mich kein Stück gestört hat, dass der Verlauf nicht der Allerneueste ist.
Als es schließlich mit der Hochzeit in den Endspurt geht, gab es noch mehr zum Lachen. Beispielsweise, wie sie den völlig verkaterten und total ahnungslosen Bräutigam ausstaffieren oder der Braut statt Abnehmpulver gemahlenes Mastfutter unterjubeln um die durch die Diät aufgekommenen Depressionen zu heilen. Oder später bei der Hochzeit die Band…zum Totlachen komisch, ehrlich! Und dabei so liebenswert, dass es mir richtig leid tat als ich das Buch ausgelesen hatte. Ich wäre gern noch länger auf der Alm und bei der schrägen Truppe geblieben.

Caros jugendlich lockerer Erzählstil hat mir das Lesen sehr leicht gemacht. So macht Lesen Spass und die Seiten fliegen dahin. Die Titel der Kapitel machen außerdem so neugierig, dass man immer wieder beschließt, dass ein Kapitel mehr das Aufstehen am nächsten Morgen auch nicht so sehr erschweren wird.  Und dann ist man plötzlich durch mit dem Buch, es ist zwei Uhr nachts und das Aufstehen am Morgen fällt doch ganz schön schwer. So ging es mir.

Ich finde die Kuh ja allerliebst, wie sie da schleckend und breit grinsend um die Ecke schaut. Bei diesem Titel gehört einfach eine Kuh auf das Cover. Die gepunkteten Gummistiefel sehen lustig und süß aus und die Wand mit den karierten Vorhängen rechts und links erinnern an eine Bühne. Dieser Eindruck wird durch die Rückseite dann nochmal bestätigt. Da in der Geschichte ebenfalls eine Bühne eine wichtige Rolle spielt, passt das prima.

Fazit:  “Kuhfladenwalzer” hat mich nicht sofort gepackt. Caros Familie und Freunde sind zwar allesamt etwas schräg, ich mochte sie durchweg auch alles, aber Caro war mir anfangs doch eine Spur zu dusselig in ihrer Schwärmerei für den schönen Adam. Als es dann auf die Alm ging, Leo auf der Bildfläche auftauchte und die Hochzeit immer näher rückte, ging es dann aber zum Glück aufwärts und ich habe wirklich oft gelacht. Gleichzeitig sind mir die Alm und die Leute dort immer mehr ans Herz gewachsen. So hat mir “Kuhfladenwalzer” dann doch noch richtig gut gefallen!


Titel: Kuhfladenwalzer
Autor: Sonja Kaiblinger
Seiten: 272
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785578773
Preis: € 7,95 (Broschiert)

bestellamazon

Darm mit Charme (Giulia Enders)

darmAusgerechnet der Darm! Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unangenehm war. Aber dieses Image wird sich ändern. Denn Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einer gestörten Balance der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen, länger leben und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Das zumindest legen die neuesten Forschungen nahe. In diesem Buch erklärt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders vergnüglich, welch ein hochkomplexes und wunderbares Organ der Darm ist. Er ist der Schlüssel zu einem gesunden Körper und einem gesunden Geist und eröffnet uns einen ganz neuen Blick durch die Hintertür.

Nein, bei diesem Buch war es mal nicht das Cover, das mich neugierig machte. Auch das Thema rund um den Darm reizte mich nicht sonderlich. Und obendrein ist es kein Roman, sondern ein Sachbuch. Ganz schlechte Voraussetzungen. Eigentlich. Denn ich mag durchaus Sachbücher. Sofern sie ihr Thema unterhaltsam bis lustig behandeln. Und darauf deutete der Titel “Darm mit Charme” ziemlich eindeutig hin. Das seltsame Männeken mit dem grinsenden Darm tat ein Übriges dazu.
In dem Buch dreht sich nicht gleich von Anfang an alles um den Darm. Es beginnt mit dem Thema “Verdauung”, und die beginnt nicht erst im Darm. Man könnte sagen, es beginnt mit dem, was vorne reingeht und endet bei dem, was hinten wieder rauskommt.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich überrascht war, wie interessant ich das Thema von Anfang an fand. Über viele Dinge habe ich mir im Alltag noch nie Gedanken gemacht. Höchstens, wenn es irgendwo mal wehtat. Wieder andere wusste ich gar nicht. Und noch andere wären in geselliger und gemütlicher Runde besprochen höchstwahrscheinlich arg unangenehm oder peinlich.
Nachdem ich dieses Buch nun gelesen habe, habe ich eine Menge gelernt, kann einige Anzeichen meines Körpers besser deuten, und weiß, dass die Themen Darm und Verdauung kein Stück peinlich sind, wenn man einen genaueren Blick darauf wirft. Ganz im Gegenteil habe ich häufig mit einem “Wow!” auf den Lippen dagesessen.
Mir hat Giulia Enders genauerer Blick sehr gut gefallen. Man liest unverkennbar heraus, dass sie sich auf dem Gebiet auskennt. Man liest aber ebenso deutlich heraus, dass sie keinen medizinischen Ratgeber im klassischen Sinn schreiben wollte, sondern einen Ratgeber, den jeder versteht. Und das finde ich richtig gut! Mancher mag vielleicht einige Vergleiche und Beschreibungen ein wenig kindisch finden, aber sie sind vorstell- und nachvollziehbar. Mich hat das oft ein wenig an “Es war einmal…der Mensch” erinnert. Die Sendungen habe ich als Kind sehr gerne gesehen und ich habe viel dabei gelernt. Warum sollte ich etwas ähnliches heute als Erwachsener verurteilen, wenn es doch immer noch genauso gut funktioniert?
Einen weiteren Pluspunkt bekommt das Buch von mir dafür, dass ich beim Lesen so oft geschmunzelt und sogar gelacht habe. Ein schöner Humor ist etwas ganz Wichtiges und etwas, das ich in Büchern immer wieder toll finde. Da lese ich gleich nochmal lieber und kann mir vieles viel besser merken. Das ist bei einem Buch wie “Darm mit Charme” natürlich doppelt gut

Diese Komik ist ganz klar ein wesentlicher Grund dafür, dass ich mir mit dem Buch eine lange Nacht um die Ohren gehauen habe. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. “Darm mit Charme” ist so amüsant geschrieben, dass ich nicht mehr davon loskam. Ich wollte einfach immer wissen, was Giulia Enders noch auf so witzige und interessante Art erklären und beschreiben wird.

Wie schon gesagt, war es nicht das Cover, das mich sofort ansprach. Ich finde es insgesamt sogar eher unspektakulär. Dahinter hätte ich sicher kein solch amüsantes Buch über ein so interessantes Thema vermutet. Trotz des seltsamen Männekens da unten und der hübschen Giulia Enders. Für mich wird das Cover dem Inhalt nicht gerecht.
Dafür haben mir die zahlreichen Illustrationen im Buch umso besser gefallen.

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Fazit: “Darm mit Charme” hat mich genauso gefesselt wie ein richtig guter Krimi oder Thriller. Das Thema stellte sich im Nullkommanix als unerwartet interessant heraus. Und auf solch unterhaltsame und oft auch witzige Art wie hier lerne ich immer gerne etwas dazu. Vor allem bleibt es bei mir dann auch besser und länger hängen. Eine klare Empfehlung also von mir!

Verkaufen Sie auch Bücher? – Kuriose Kundenfragen in Buchhandlung (Jen Campbell)

TB.inddNicht selten führen Buchhändler absurd-komische Kundengespräche. Dieses Buch gewährt einen lustigen und amüsanten Einblick in den Buchhandelsalltag und ist ein absolutes Muss für alle Fans von Zitatesammlungen und Humorbüchern. Kostprobe gefällig?
“Haben Sie auch Pop-up Bücher zum Thema Aufklärung?“
Kunde (hält ein Jamie Oliver Kochbuch hoch): “Würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich dieses Rezept fotokopiere?”
“Haben Sie Taliban und Liebe?” (gemeint ist: Kabale und Liebe)
“Ich suche das Buch Nazis in Dortmund!” (gemeint ist: Narziß und Goldmund)

Jeder, der in seinem Job mit Kunden zu tun hat, wird wissen, mit welch absurden Fragen sie einen immer wieder konfrontieren. Über einige kann man lachen, anderen lassen einen verblüfft oder verärgert zurück, wieder bei anderen ist es vorzuziehen, nicht näher darüber nachzudenken.
Dass es dabei auch Buchhändler treffen kann, ist nicht weiter verwunderlich. Genau solche Fragen und Unterhaltungen findet man in diesem Büchlein. Hübsch sortiert nach verschiedenen Buchhandlungen.
Das ist ganz vergnüglich zu lesen. Man kann schmunzeln, den Kopf schütteln oder verblüfft dasitzen über so viel geballten Irrsinn. Und wer nicht mit Kunden zu tun hat und sich nicht vorstellen kann, dass es solche Fragen und Dialoge geben kann, dem sei versprochen: es ist tatsächlich so! Ich bin nach der Lektüre solcher Bücher immer auch ein wenig erleichtert. Erstens, weil es beweist, dass nicht nur  unsereins immer mal wieder solche “Verrückten” vor sich stehen hat. Zweitens, weil ich mich darüber noch amüsieren kann. Also haben mich meine Kunden wohl doch noch nicht ganz geschafft. Zum Glück!
Ich muss allerdings doch sagen, dass das Buch nicht so der Lacher war, den ich erwartet hatte. Die meisten Dialoge haben mir lediglich ein Schmunzeln entlockt, viele habe ich auch einfach so ohne größere, amüsierte Regung gelesen. Ich schiebe das darauf, dass die meisten Sprüche aus Buchhandlungen in England stammen und für das Buch entsprechend übersetzt wurden. Da ist bei der Übersetzung -meiner Einschätzung nach- viel Authentizität flöten gegangen. Untermauert wurde dieser Eindruck durch das Kapitel mit Dialogen aus deutschen Buchhandlungen, die selbstverständlich nicht übersetzt werden mussten. Die Sprüche klingen wesentlich glaubhafter. Da bin ich mir sehr sicher, dass sie den Buchhändlern genau so vor den Latz geknallt wurden. Sie klingen flapsiger und lockerer.
Oder aber in England haben selbst die dusseligsten Kunden noch Stil. Kann ja auch sein.

Die 144 Seiten lesen sich weg wie nichts. Ich hatte das Buch in kaum mehr als einer Stunde ausgelesen. Die Dialoge sind meist sehr kurz, zwischen zwei und fünf Zeilen. Nur wenige gehen mal über eine ganze Seite. Solche Häppchen hat man einfach schnell gelesen. Zwischen diesen Häppchen sind häufig auch noch größere Lücken mit Illustrationen. Es ist also auch nicht so, dass die Seiten komplett mit Sprüchen bedruckt sind.

Das Cover ist farbenfroh und stellt eine Situation mit einer verrückten Kundenfrage dar. Die Figuren sind ganz witzig gezeichnet. Nur das Bücherregal im Hintergrund finde ich zu lieblos dargestellt. Es nimmt den Großteil des Covers ein, da hätte man die Bücher auch etwas detailreicher zeichnen können.

Fazit: Leider fand ich “Verkaufen Sie auch Bücher?” nicht so lustig wie erwartet. Ich denke, das liegt daran, dass die meisten Dialoge ins Deutsche übersetzt wurden. Da geht das Lockere solcher Unterhaltungen schon mal flöten. Dennoch war das Buch mal wieder ein schöner Trost, dass es solche Kunden überall gibt. Manchmal denkt man ja doch, nur man selber sei damit geschlagen 😉

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Verkaufen Sie auch Bücher? – Kuriose Kundenfragen in Buchhandlungen
Autor: Jen Campbell
Seiten: 144
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3404607679
Preis: € 8,99 (TB)

Haben Sie diese Pille auch in Grün? – Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin (Pharmama)

pillegruenAbsurdes aus der Apotheke – garantiert mit Lachnebenwirkungen Ältere Damen, die eine rotweiße Kapsel vorzeigen und «die gleiche in Grün» möchten, oder Mütter, die Hustenbonbons mit Fieberzäpfchen verwechseln: Apotheker sind für ihre Kunden eine Mischung aus medizinischem Notdienst, wandelndem Lexikon und seelischem Mülleimer. Die Pharmama steht seit vielen Jahren hinterm Tresen und hat schon unzählige skurrile, witzige und auch sehr seltsame Geschichten in ihrer Apotheke erlebt. Und sie weiß: Hustensaft gehört nicht ins Badewasser und Herztabletten nicht in die Mikrowelle!

Bei diesem Buch fand ich erstens das Cover und den Titel witzig und niedlich. Und zweitens lese ich immer gerne darüber, dass andere Berufsgruppen, die ebenfalls mit Kunden zu tun haben, auch nicht besser dran sind als ich. Denn Kunde bleibt halt doch Kunde! Ganz egal, wo er als solcher auftritt.
Schon bei Pharmamas Vorstellung ihrer Kolleginnen und sich selber sind Erlebnisse mit Kunden in der Apotheke eingestreut. Und bereits hier gibt das ordentlich Anlass zum Schmunzeln. Oft genug habe ich sogar lauthals lachen müssen.
Genauso ging es dann auch weiter. Ich habe lange nicht mehr so gelacht wie bei diesem Buch. Es ist gewissermaßen in Rubriken aufgeteilt, beleuchtet mal die Arbeit allgemein in der Apotheke, wobei die Komik vom Miteinander mit den Kollegen, Vertretern usw herrührt, dann wendet es sich einer Reihe Spezialfälle an Kunden zu und macht auch vor Themen wie Sex und Verhütung nicht halt.
Als Leser aus Deutschland muss man sich in ein paar Punkten umstellen, denn die Autorin hinter dem Pseudonym “Pharmama” ist Schweizerin. Und in der Schweiz wird in den Apotheken und im Gesundheitswesen sonst wohl einiges anders gehandhabt als bei uns. Das stört aber keineswegs. Ich fand es sogar ganz interessant zu erfahren, wie es im Lande von Ricola in einer Apotheke zugeht.
Und die Kunden dort sind ohnehin keinen Deut besser als bei uns. Kunde-Sein ist wohl international. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Leute, die nicht im direkten Kundenkontakt arbeiten und dieses Buch lesen, alle paar Seiten ungläubig den Kopf schütteln. So nach dem Motto: ‘das kann doch nicht wahr sein, so kann sich doch kein Mensch aufführen!’ Und ie es schlichtweg nicht glauben! Es sei euch versichert: es ist so, glaubt es ruhig! Kunden sind ein sehr spezieller Fall! Mit reichlich Nebenwirkungen! Für alle Beteiligten übrigens! Mich beruhigt es immer irgendwie, dass ich darüber -wenn ich davon lese- doch noch lachen kann.
Hin und wieder finden sich auch mal Abschnitte mit ernsteren Themen, und da schwenkt auch der Erzählton dann spürbar um. Das hat mir das Gefühl und die Gewissheit gegeben, dass es Pharmama nicht nur darum geht, von ihren schrägen Erlebnissen in der Apotheke zu erzählen, oder sich lustigmachen zu wollen, sondern dass sie genauso aufzeigen möchte, wie ernst Apotheker ihren Job nehmen (sollten. Es gibt nämlich auch ein Kapitel, in dem es um die lieben Kollegen in anderen Apotheken geht). Dass sie Ahnung von ihrem Metier hat, das ist ohnehin von Anfang an unverkennbar. Ich finde, das gibt Sicherheit darüber, dass hinter dem witzigen Pseudonym tatsächlich ein Apothekerin steckt. Und nicht etwa eine Komikerin, die es mal mit solch einem Buch versuchen möchte.
Und zuletzt weckt ein solches Buch bei mir immer auch die Hoffnung, dass gewissen Leuten damit ein Spiegel vorgehalten wird, sie selber nicht glauben können, wie sie sich in gewissen Situationen geben, und daran dann arbeiten. Hach, wäre das schön!

Ich habe das Buch häppchenweise gelesen. Immer mal zwischendurch einen Abschnitt. Denn die Kapitel -13 an der Zahl- sind noch einmal in Abschnitte mit eigenen Titeln unterteilt. Das lässt sich gut nach und nach lesen. Und da die Abschnitte für sich abgeschlossen sind, muss man sich nach einer eventuellen Pause auch nicht erst groß wieder einfinden. Und natürlich liest es sich super leicht, wenn man solch einen Spass dabei hat, schmunzeln und lachen kann.

Wie gesagt, ich finde diese freundlich lächelnde Pille einfach niedlich. Und ein sehr passendes Motiv für ein Buch mit Erzählungen einer Apothekerin. Das sieht so direkt nach Spass aus.

Fazit:  Kunde bleibt Kunde. Egal ob im Supermarkt oder in der Apotheke. Egal ob in Deutschland oder in der Schweiz. Das hat mir dieses Buch mal wieder gezeigt. Irgendwie ist das beruhigend zu wissen. Unsereins ist nicht alleine! Ich habe “Haben Sie diese Pille auch in Grün?” mit allergrößtem Vergnügen gelesen und oft Tränen dabei gelacht. Meine Empfehlung für alle Leute, die in ähnlichen Jobs arbeiten. Eine ausgesprochen spaßige Lektüre voll Wahrheit!


Titel: Haben Sie diese Pille auch in Grün? – Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin
Autor: Pharmama
Seiten: 336
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499630316
Preis: 9,99  (TB)

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