Intrigen

Raum 213 – Gefühlvolles Grauen (Amy Crossing)

Lily ist glücklich, sie versteht sich super mit ihrer besten Freundin Ava und ist frisch verliebt in den süßen Travis. Dann taucht Kendra auf der Bildfläche auf. Sie freundet sich mit Ava an, flirtet unverhohlen mit Travis und drängt Lily zunehmend aus ihrem eigenen Leben. Oder ist Lily einfach nur eifersüchtig? Als sie eines Morgens Kendra in den Raum 213 gehen sieht, könnte das ihre Chance sein … Sie müsste nur die Tür zum verfluchten Raum schließen und wäre Kendra für immer los.

Dieser dritte Teil der Reihe lässt sich Zeit ehe die Sprache auf den titelgebenden Raum kommt. Zunächst lernt man Lily, ihre beste Freundin Ava und ihren Freund Travis kennen. Lily ist glücklich mit den beiden und mit ihren Leben und über ihre Begeisterung für Travis habe ich mitunter schmunzeln müssen. Sehr süß!
Doch dann taucht die rothaarige Kendra an der Eerie High und in Lilys Leben auf und stellt es wortwörtlich auf den Kopf. Lily wird angegriffen und fühlt sich fortan von Kendra bedroht. Genau wie sie weiß man auch als Leser nicht, was Kendra antreibt. Da sorgt schon mal für eine gewisse Spannung. Ich fand aber auch, dass Lilys Angst sehr gut rüberkommt. Ich konnte mich leicht in die einfühlen und ihre zunehmende Panik daher nachvollziehen.
Nichtsdetotrotz ist die Story geraume Zeit nichts anderes als eine mit Intrigen und Gemeinheiten gespickte High School Geschichte. Geheimnisvoll ist hier zunächst gar nichts. Da aber zumindest immer etwas los ist, Lily und Travis ein ganz goldiges Paar sind und Ava die ideale beste Freundin, hat mich das nicht sonderlich gestört. Langeweile kommt nie auf und man weiß ja außerdem, dass der große “Knall” noch kommen wird, wenn die Geschichte endlich auf den unheimlichen Raum zu sprechen kommt.
Wie ich finde, lohnt es sich in diesem Falle, auf den großen Moment etwas warten zu müssen. Das gruselige Klassenzimmer bringt sich mit einer düsteren Szene ins Spiel, die typisch für für Reihe und die Ereignisse in diesem Raum sind. Da bekommt man durchaus eine feine Gänsehaut.
Doch damit ist es natürlich nicht getan. Die Attacken auf Lily nehmen zu, entfremden sie von Menschen, die ihr lieb sind und letztlich wird sie mit Raum 213 erpresst. Ich habe so gehofft, dass sie sich nicht darauf einlassen würde und hatte ehrlich Angst um sie.
Es kommt zu einem dramatischen Finale in der Schule, bei dem ich nicht nur um Lily gebangt habe, sondern bei dem ich auch ungeduldig auf die Erklärung für Kendras Verhalten gewartet habe. Es ist eine schlüssige Erklärung, auch wenn man sich natürlich fragen darf, ob ein Teenager tatsächlich so weit gehen wird. Aber Raum 213 verändert die Menschen halt, daher ist es gut möglich.
Das Ende selbst wurde mir allerdings etwas zu schnell abgehandelt. Dafür dass die Story sich anfangs so viel Zeit nimmt um den Stein ins Rollen zu bringen, geht am Ende kurz und knackig zu.

Genauso knackig liest sich dieser dritte Band. Für mich sind die “Raum 213”-Thriller immer wieder schöne Thrillerhappen für zwischendurch. Sie sind spannend und flüssig geschrieben und lesen sich angenehm leicht. Die Kapitel haben genau die richtige Länge: mit jedem kommt man ein gutes Stück voran, aber sie sind nicht so lang, dass es anstrengend wird.

Das Cover dieses Bandes präsentiert sich in leuchtendem Gelb. Eine Farbe, die auffällt. Das gefällt mir, denn in meinen Augen hat die Reihe hat sie das Recht, auf sich aufmerksam zu machen. Sie lohnt sich. Den Sinn des Klecks-Musters habe ich aber immer noch nicht erkannt . Ich muss im ersten Moment immer noch jedes Mal an Blumen denken, was für mich nicht thrillertypisch ist.

Fazit: Raum 213 kommt bei diesem Band erst recht spät ins Spiel. Bis dahin ist die Geschichte eher eine High School Story voller Intrigen und Gemeinheiten. Aber schon das ist recht spannend und niemals langweilig. Als das unheimliche Klassenzimmer dann zum Thema wird, legt die Geschichte noch ein Schippchen Spannung nach und hat auch ihre schaurigen Momente. Die Auflösung ist sinnig, das Ende aber im Vergleich zum Anlauf sehr schnell abgehandelt. Das hat mich etwas enttäuscht.


Titel: Raum 213 (03) – Gefühlvolles Grauen
Autor: Amy Crossing
Seiten: 176
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785578735
Preis: € 7,95 (Broschiert)

Rezension – Das kalte Herz der Schuld (Anna Jarzab)

»Ein Mädchen, das ich liebte, war gestorben, war kaltblütig erschossen worden.
Und ihr Tod verfolgt mich immer noch.«
Es waren vier Schüsse mitten ins Herz, die Carly töteten. Ein Jahr ist seit dem Mord vergangen und der vermeintliche Täter sitzt im Gefängnis. Doch es gibt zwei Menschen, die an dieser allzu leichte Wahrheit zweifeln: Neily, Carlys damaliger Exfreund, und Audrey, ihre beste Freundin und – Tochter des Mörders! Die beiden beginnen Fragen zu stellen und entblättern nach und nach die düsteren Geheimnisse, die Carlys Tod umgeben – eine Spirale von Schuld, Schweigen und Selbstzerstörung tut sich auf. Alle Spuren erzählen von den ungeahnten Abgründen, in die ihre Freundin sich stürzte … und führen zu ihrer Clique an der Eliteschule von Brighton. Was wusste Carly? Und wer wollte sie zum Schweigen bringen?

Dieses Buch habe ich aus dem Produkttester-Programm von amazon und ich hatte mich dafür entschieden, weil ich einfach mal wieder einen Krimi bzw Thriller für Jugendliche lesen wollte statt immer nur Fantasy. Die Inhaltangabe klang ganz interessant und so habe ich einfach mal blind zugegriffen.
Zumindest was die Geschichte anbetrifft, habe ich diese spontane Entscheidung zu keiner Seite je bereut. Es ist spannend und interessant zu verfolgen, wie sich diese Geschichte entwickelt. Denn zunächst ist ja “nur” von dem Mord die Rede und wie sehr Carlys Exfreund Neily darunter leidet. Noch nichts sonderlich Spektakuläres. Doch als sich Neily und Audrey zusammentun, weil Audrey nicht glaubt, dass ihr Vater Carly umgebracht hat, und raufinden möchte, wer wirklich dahinter steckt, wird es Kapitel für Kapitel immer interessanter. Denn nach und nach dröselt sich da ein ganzes Netz an Zusammenhängen, Beziehungen, Schicksalen und Intrigen auf, die sich um den Mord an Carly ranken.
Außerdem kann man ganz prima mit Neily und Audrey zusammen ermitteln, denn weite Teile der Geschichte sind in Dialogen erzählt. Da kann man kombinieren und eigenen Schlüsse ziehen, überlegen ob Neilys und Audreys Schlüsse sinnig und richtig sind, und so dem Täter auf die Spur kommen.
Ich bin mir sicher, man könnte sich eine Liste mit den Charakteren neben das Buch legen, nach und nach zu jedem dazu schreiben, ob und warum er der Täter sein könnte, oder ob und weshalb eben nicht. Mit besonders vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun, so dass es nicht unübersichtlich wird. Auch wenn die Geschichte durchaus komplex ist, bleibt durch diese relativ wenigen Charaktere eine geradlinige Handlung erhalten.

Soweit so gut. Ich hatte aber auch ein großes Problem mit diesem Buch. Ich fand es unheimlich anstrengend zu lesen.
Das fängt mit der Textform schon an: Blocksatz. Ich mag das an sich sehr gerne und verwende es selber auch, aber auch im Blocksatz kann es mal einen Absatz geben. Bei diesem Buch guckt man aber meist einfach auf massigen Text und das lädt zumindest mich nicht gerade ein.
Zudem wirkten mir die Charaktere durch ihre Sprache und Wortwahl einfach zu erwachsen. Und wenn sie hundertmal hochintelligent sind, so unterhalten sich siebzehnjährige Jugendliche einfach nicht. Will heißen: Bandwurmsätze und absolut unlocker, und entsprechend schwierig zu lesen. Daran hatte ich mich bis zum Ende noch nicht gewöhnt.
Das sind so die beiden wesentlichen Gründe, weshalb ich für das Buch -für meine Verhältnisse- sehr lange gebraucht habe. Mit 448 Seiten ist es außerdem auch nicht eben dünn.

Das Mädchen auf dem Cover soll wohl Carly sein, wie sie tot im Schnee liegt. Ansonsten kann ich keinerlei Zusammenhang zwischen Geschichte und Cover herstellen. Das sieht nicht nach Thriller aus und auch der Schriftzug des Titels lässt nicht auf dieses Genre schließen. Nein, dieses Cover konnte mich nicht begeistern

Fazit:  Ein sehr spannender Thriller mit interessantem Verlauf, der einen rein inhaltlich nicht mehr loslässt. Mir hat es außerdem gefallen, dass man so gut mitknobeln kann, wer der Mörder ist. Aber ich habe “Das kalte Herz der Schuld” als sehr antsrengend zu lesen empfunden, was das Lesevergnügen dann doch ein wenig getrübt hat.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms.


Titel:  Das kalte Herz der Schuld
Autor:  Anna Jarzab
Seiten:  448
Verlag: cbt Random House
ISBN: 978-3570307670
Preis:  € 8,99 (TB)

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