Keller

Der Gesang des Blutes (Andreas Winkelmann)

gesangblutEs ist im Keller. Und bald kommt es herauf. Die eigenen vier Wände auf dem Land: für Kristin und Tom geht ein Traum in Erfüllung. Doch die junge Mutter beschleicht von Anfang an ein ungutes Gefühl. Das alte Haus ist ihr unheimlich. Als Tom kurz nach dem Einzug überraschend stirbt, werden Kristins Ängste von Tag zu Tag schlimmer. Sie hört Stimmen, und nachts träumt sie von einer Gestalt, über die man im Dorf spricht: von einem Scherenschleifer, der hier vor langer Zeit eine Frau getötet haben soll. Kristin glaubt, langsam verrückt zu werden. Die Dorfbewohner raten ihr, das neue Heim so schnell wie möglich zu verlassen. Sie entschließt sich, zu bleiben.

Mit Andreas Winkelmanns Thrillern habe ich bislang keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht. Manche waren zwar besser als andere, aber das ist wohl normal. Entsprechend musste “Der Gesang des Blutes” unbedingt mit als ich es im Buchladen entdeckte. Der Klappentext klang absolut nach meinem Geschmack!
Die Geschichte ließ sich nicht übel an. Ein junges Pärchen zieht in ein abgelegenes, altes Haus auf dem Lande. Der Frau, Kristin, ist zwar nicht ganz wohl dabei, vor allem wegen des Kellers, aber sie weiß, dass sie eine blühende Phantasie hat und lässt sich deshalb trotzdem darauf ein. Als Leser ahnt man da natürlich, dass an ihrer Vorahnung womöglich doch etwas dran sein könnte und auch die Geheimniskrämerei im Dorf lässt darauf schließen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Das macht Hoffnung auf eine spannende und geheimnisvolle Story.
Allerdings wechselt der Schauplatz bald und es kommen weitere Figuren ins Spiel und mit ihnen ein Handlungsstrang, der sowas von überhaupt nicht mein Fall war. Ganz ehrlich: hätte auf dem Klappentext etwas von einem Bankräuber gestanden, der von zwei Typen verfolgt wird, die ihn schließlich umbringen, was sich dann aber als Irrtum herausstellt und die nun selber gejagt werden, dann hätte ich das Buch definitiv auf seinem Büchertisch liegen lassen. Was ist daran bitte Thriller? Sowas tischt einem so mancher “Tatort” am Sonntagbend auf! Ich konnte mir zudem üebrhaupt nicht vorstellen, wo sich da ein Zusammenhang mit dem Teil der Handlung bei Kristin, Tom und Lisa ergeben sollte.
Deren Part gefiel  besser. Das Haus und sein Keller blieben für mich geheimnisvoll und ich habe stetig  versucht, die Einblicke in die Vergangenheit mit Kristins Heute in Verbindung zu bringen. Sowas mag ich. Den Keller selber hätte man aber noch etwas gruseliger in Szene setzen können, da fehlte mich quasi der letzte Pfiff. Und  Kristin ging mit manchmal auf die Nerven. Wie kann man alles rund um den Alltag dem Mann überlassen und sich auf diese Weise so unfähig für das Leben machen lassen? Und nicht mal als Kristins Probleme wirklich bedrohlich werden, kriegt sie so richtig den Hintern hoch! Trauer hin oder her, aber wenn man bereits mit einem Bein auf der Straße steht, sollte man schon aufwachen. Ich hätte sie schütteln mögen!
Das Ende und die Auflösung selbst waren auch so eine Sache. Zwar ergab sich irgendwann tatsächlich ein Zusammenhang mit der Handlung um die beiden Bankräuberjäger, aber glaubwürdig sieht anders aus. Ausgerechnet bei dem abgebrühtesten der beiden bricht am Ende der Wohltäter durch. Ich dachte, ich lese nicht richtig! Hallo, Robin Hood, was machst du denn in einem Thriller?
Obwohl, ist “Der Gesang des Blutes” überhaupt ein Thriller? Für mich mischt hier dafür zu viel Übersinnliches mit. Von in mehrere Prsönlichkeiten gespaltene Menschen habe ich in Thrillern schon einiges gelesen. So etwas gibt es. Aber dieses Hineinschlüpfen in Menschen von anno Schnuff ist eine ganz andere Nummer. Dass Kristin im Haus Stimmen hört, habe ich anfangs noch auf ihre überreizte Phantasie geschoben, doch dann hören auch noch andere diese Stimmen. Körperlose Stimmen? Das ist doch keine Gruselgeschichte, sondern ein Thriller! Und ich war so neugierig gewesen, wie die Ereignisse am Ende realistisch erklärt werden würden!

Ich habe mich noch nie durch einen Thriller von Andreas Winkelmann hindurchkämpfen müssen. Dann kam “Der Gesang des Blutes”. Vor allem die Kapitel um die beiden Verfolger des Bankräubers hätte ich gerne übersprungen. Die lasen sich unheimlich zäh. Der Part um Kristin dagegen flog eher dahin. Immerhin haben die Kapitel eine feine Länge um doch noch eins (oder zwei oder drei) zu genehmigen.

Ein Thriller mit einem leuchtend gelben Cover! Das fällt auf dem Büchertisch natürlich auf. Und das Blut passt so prima zum Titel. Dahinter ist die Kellertreppe zu sehen, die ich aber erst auf den zweiten Blick erkannt habe. Das Gelb und Rot lenkt davon ganz schön ab.

Fazit:  In Summe hat mich mit “Der Gesang des Blutes” zum ersten Mal ein Thriller von Andreas Winkelmann enttäuscht. Vor allem weil es zur Häfte überhaupt nicht um das geht, wovon im Klappentext die Rede ist! Den ganzen Part um den Bankraub und seine Folgen hätte man für mich gerne erheblich kürzer fassen dürfen. Diese Ausführlichkeit wäre für das wenig glaubhaften Ende überhaupt nicht nötig gewesen. Außerdem hatte mir die Story einen zu deutlichen Einschlag hin zu einer Gruselgeschichte. Ein Thriller sollte für mich aber realistisch bleiben. Und Kristin mit ihrer Kopf-in-denSand-Mentalität nervt ganz ordentlich.


Titel:  Der Gesang des Blutes
Autor:  Andreas Winkelmann
Seiten:  336
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499266669
Preis:  € 9,99 (TB)

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Der dritte Keller

Titel: Der dritte Keller / Verlag: RRR Akustik / Spielzeit: ca. 46 min / Sprecher: René Rausch, Hendrik Röhrs, Tobias Hentze, Timo Wussow, Steffen Röhrs

drittekellerInhalt: Es spukt im Hause Konrad von Gölzenstocks: Ein aufgebahrter Totenkopf beginnt vor Eiter zu triefen, mysteriöse Klopfgeräusche dringen durch das Gemäuer. Auf Bitte des Hausherrn reist sein Freund Karsten an, um mit ihm zusammen den Hintergründen der seltsamen Vorkommnisse in einem Experiment auf den Grund zu gehen. Der Schlüssel dazu scheint in den Kellergewölben unter dem eigentlichen Keller zu liegen. Und in diesen wird Petrich Boll die Nacht verbringen. Nicht nur für ihn wird es eine Nacht des Grauens.


Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch: die freudigen kleinen Überraschungen unter den neuerschienenen Hörspielen. Eine solche Überraschung war für mich “Der dritte Keller”, von dem ich noch nichts gehört hatte bis es mir fix und fertig begegnete.
Bei 46 Minuten Spielzeit kann man sich nicht mit Vorreden aufhalten und so dauert es nur wenige Minuten -in denen man einen groben Überblick über den Schauplatz und die wichtigsten Figuren erhält- bis es erstmals schauerlich wird. Das lässt hoffen und nimmt Längen und / oder Langeweile jegliche Chance.
Kaum ist Karsten im Haus seines Freundes Konrad eingetroffen und dieser wieder nüchtern, geht es in diesem Stil weiter. Konrad erzählt von der Geschichte seines Hauses, welches ebenfalls ihre grausigen Zeiten erlebte. Und dann gibt es noch ein Überbleibsel der ehemaligen Hausherrin, das ein unheimliches Eigenleben führt. Dagegen ist ein Geist kaum der Rede wert. Aber um den geht es eigentlich, denn ihm wollen die beiden auf die Spur kommen. Irgendwie scheinen die gruseligen Ereignisse im Haus mit einem bestimmten Keller im Zusammenhang zu stehen. Da weder Konrad, noch Karsten selber dort hinuntersteigen wollen, hat Konrad Petrich engagiert, der das Versuchskaninchen gibt. Ichch mag Geschichten, in denen Experimente mit Menschen stattfinden. Entsprechend angetan war ich.
Als es an das Experiment geht, entfernt sich die Story vom klassischen Grusel des Anfangs. Es wird moderner mit der Versuchsanordnung, den Kameras und Geräten zur Überwachungs Petrichs. Schon wenig später kehrt das Grauen zurück als Konrad und Karsten Petrich beobachten. Ich weiß nicht genau, was ich unheimlicher fand: Petrichs Beschreibungen wie er sich fühlt, oder Konrads und Karstens Kommentare zu ihren Beobachtungen. Auffallend dabei ist ihre Kaltschnäuzigkeit. Sie bleiben unglaublich cool, selbst als Petrich an den Rand des Wahnsinns gelangt. Dabei gibt es wirklich Momente, bei denen weniger abgebrühte Menschen sich vor Unbehagen winden würden.
Ein turbulentes und dramatisches Finale setzt der unheimlichen Ruhe, die lange über dem Hörspiel liegt, schließlich ein Ende und ihm letztlich die Krone auf.

In der Hauptsache bestreiten vier Sprecher dieses Hörspiel. Als Karsten ist Hendrik Röhrs zu hören. Anfangs spricht er für meinen Geschmack zu schnell und nuschelt häufig, sodass man genau hinhören muss. Zum Glück kommt er später zur Ruhe und hat mir dann ein gutes Bild von Karsten vermittelt. René Rausch übernimmt Konrads Part und verleiht ihm einen leicht überheblichen, aber nicht unbedingt unsympathischen Ton. Konrad ist der Herr im Haus und das hört man. Timo Wussow leiht dem armen Petrich seine Stimme und bringt vor allem dessen Panik wunderbar rüber als er im Keller auf sich gestellt ist. Tobias Hentze alias Diener Hannes hält sich lange im Hintergrund. Sein großer Einsatz kommt erst gegen Ende und da war er für mich die Stimme der Vernunft. In Summe machen alle Sprecher ihren Job top! Womit bewiesen wäre: es braucht nicht immer die Sprecher-Prominenz!

Der Soundtrack hält sich meistenteils zurück und zeigt sich recht altmodisch. Will heißen, hier klingt es aus den Boxen wie man es zuletzt auf den Gruselklassikern der 70er und 80er gehört hat. Dabei kommt auch heute noch im Nu eine unheimliche Amtosphäre auf. Besonders gelungen finde ich den unterschiedlichen Klang zwischen Petrichs Parts und denen von Konrad und Karsten. Da hört man die die Scheibe bzw die Kamera, die beide Parteien trennen. Karsten und Konrad kühl, distanziert und im Hier, Petrich in dem unehimlichen und Rentier150-1hallenden Keller.

Ich gestehe, den Keller habe ich mir anders vorgestellt als auf dem /der/ Cover. Und diese grausigen Skelette sind mir irgendwie auch nicht begegnet. Trotzdem ist es ein schönes Motiv, das einem gleich klar macht, auf dieser CD geht es gruselig zu.

Fazit:  Die Geschichte setzt zu Beginn auf klassische Gruselelemente, wird dann aber mit dem Experiment moderner. An Grusel büßt es dabei nichts ein. So wird es sowohl den Fans der 70er und 80er-Gruselhörspiele gefallen, als auch denen, die lieber moderne Schauergeschichten hören. Mir hat es sehr gut gefallen! Schön, dass es solche Überraschung noch gibt.

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