Killer

Ragdoll – Dein letzter Tag (Daniel Cole)

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes.

Inzwischen hat er sich schon wieder gelegt, aber vor gar nicht allzu langer Zeit, gab es um dieses Buch einen gewaltigen Hype. Die positiven Bewertungen häuften sich, und manchmal lasse ich mich damit eben doch ködern. Obwohl ich von Anfang an Bedenken hatte, denn -wie schon mehrfach erwähnt- locken mich Krimis und Thriller, die außerhalb von Deutschland spielen, eigentlich nicht mehr.
Hier habe ich dann aber doch zugegriffen.
Was soll ich sagen? Ich kann die allgemeine Begeisterung über “Ragdoll” nicht nachvollziehen, und das liegt nicht nur am Schauplatz. Der ist zwar durchaus auch ein Grund, aber er gehört nicht zu den wesentlichen Gründen.
Dabei gefiel mir die Idee mit der Flickenpuppe, zusammengestückelt aus Körperteilen von sechs Leichen erstmal wirklich richtig gut. Das ist so die Art von kaputter Idee, mit der man mich leicht und schnell begeistern kann. So legte “Ragdoll” zunächst einen recht guten Start bei mir hin.
Allerdings blieb es dabei auch. Ich habe etwas darüber nachdenken müssen, wieso mich die nachfolgende Story nicht gepackt hat, und es lag haputsächlich .an mangelnder Spannung.
Ich konnte mich beispielsweise mit kaum einer Figur wirklich anfreunden. Sei es mit der  ständig herumbrüllenden ach-was-bin-ich-doch-für-ein-harter-Hund – Ermittlerin Baxter, noch mit dem reichlich verkommenen Wolf, oder den anderen im Team, das sich mit den Ragodll-Morden beschäftigt. Und es ist immer schlecht, wenn es keine Figur gibt, zu der ich eine Beziehung aufbauen kann. Denn diese Art “Nähe” brauche ich, um mit einer Figur mitzufiebern, mit ihr zu hoffen, zu bangen und  dem Geschehen um diese Figur gebannt zu folgen. Lediglich Edmunds gefiel mir wirklich gut und über seine Nachforschungen habe ich wirklich gerne gelesen. Und es hat mich tierisch geärgert, wie die anderen Ermittler mit ihm umgehen.
Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt, weshalb “Radgoll” bei mir nicht punkten konnte. Was ist das denn bitte für ein Umgang untereinander in diesem Team? Jeder hetzt irgendwann mal gegen jeden, man schnauzt sich an, ignoriert gute Denkansätze, nur weil sie von dem Neuen bei Scotland Yard kommen und haut sich mitunter gegenseitig ordentlich in die Pfanne. Natürlich, das Team steht unter gewaltigen Druck, aber das rechtfertigt für mich noch lange keinen solch assigen (sorry für den Ausdruck) Umgang im Team. Wenn es bei Scotland Yard wirklich so zugeht, dann gute Nacht! Das kann ich mir irgendwie kaum vorstellen.
Leider sind Edmdunds Passagen zumindest anfangs eher selten und kurz. Später werden sie zum Glück ausführlicher, weshalb bei ihnen auch ein bisschen Spannung bei mir aufkam. Generell gab es für mich aber erheblich zu viele Wechsel zwischen den Schauplätzen und / oder Charakteren. Zum einen habe ich dabei oft die zahlreichen Namen durcheinander gebracht bzw nicht sofort zuordnen können, zum anderen dämpften auch diese Wechsel die Spannung erheblich. Sobald sich ein Funken andeutete, ging es schon wieder an anderer Stelle weiter und die Spannung hatte keine Chance, sich weiter aufzubauen.
Weiterhin fehlte es mir an neuen thrillermäßig grausigen Ideen während der Handlung. Die Ragdoll fand ich cool und wunderbar schaurig und eklig. Doch dabei bleibt es auch. Jemand verbrennt, okay, das lasse ich auch noch durchgehen. Aber sonst? Einer stürzt sich vom Dach, doch erstens ist diese Idee nicht sonderlich innovativ und zweitens war derjenige sowieso ein Unsympath auf ganzer Linie, also für mich kein großartiger Verlust. All das konnte absolut nicht mit dem Aufhänger mithalten.
Daran änderte es auch nichts, dass Wolf selber auf der Todesliste des Killer steht.
Und das, was vermutlich als die große Überraschung am Ende hin gedacht war, hat mich kein Stück überrascht. Nicht, dass ich es geahnt hätte, nein, aber es hat einfach nichts bei mir ausgelöst. Keine Überraschung, keinen Schrecken, kein Staunen. Ich habe es einfach hingenommen, und das ist für ein Thriller-Finale schlichtweg zu wenig.

Ich habe für das Buch ungewöhnlich lange gebraucht, weil ich es zwischendurch tatsächlich mal für zwei Wochen einfach beiseite gelegt habe. Dabei liest es sich wunderbar leicht und flüssig, dank zahlreicher Dialoge, vergleichsweise kurzen Kapiteln und einer recht einfachen Erzählweise. Daniel Coles Schreibstil ist an sich ein Garant dafür, ein Buch mal eben so wegzulesen. Aber es haperte an der Story selber.

Das Cover hat mir sofort gefallen. Düsterer geht es kaum. Die Krähe schimmert und wird erst so richtig sichtbar, wenn man das Buch im Licht betrachtet und dreht. Der Titelschriftzug ist geprägt, was edel aussieht.

Fazit:  Leider habe ich mich be “Ragdoll” von der begeisterten Masse an Lesern anstecken lassen. Der Aufhänger mit der “Flickenpuppe” war auch ganz nach meinem Geschmack, doch dann häuften sich die Punkte, die mir die nachfolgende Story verleidet haben. Überwiegend unsympathische Figuren und keinerlei weitere Ideen, die auch nur ansatzweise mit der Ragdoll mithalten konnten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und die “große Überraschung” gegen Ende hat mir lediglich ein Schulterzucken abgeluchst.


Titel:  Ragodll – Dein letzter Tag
Autor: Daniel Cole
Seiten:  480
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548289199
Preis:  € 14,99 (Broschiert)

Die Flut (Arno Strobel / Sascha Rotermund)

Titel: Die Flut / Verlag: Argon / Spielzeit: ca. 511 min / Buch: Arno Strobel / gelesen von: Sascha Rotermund

flutInhalt: Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Wahnsinniger ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die “perfekte Mordserie” zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Poller in der Nähe fest, so dass er dabei sein muss, wenn seine Frau bei ansteigender Flut langsam ertrinkt. Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg.


Es gibt nicht wenige Geschichten  bzw Autoren, die ich mir im Buch-, und auch im Hörbuchformat zu Gemüte führe. Einfach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Geschichten so recht verschieden wirken können. Arno Strobels Thriller gehören jedenfalls dazu.  Und ich muss sagen, dass das Hörbuch auf mich düsterer, bedrohlicher gewirkt hat als das Buch.
An der Geschichte selber ändert sich ja nichts. Erst recht nicht, weil das Hörbuch ungekürzt ist. Da ist nichts verloren gegangen. Und genau wie bei Buch hat mir die Story prima gefallen. Die verschiedenen Charaktere unter den Pärchen, diverse verdächtige Einheimische auf der Insel, da ist für Zündstoff, Spannung und Mitknobeln bestens gesorgt. Ich mag es immer, wenn ich bei einem Krimi / Thriller miträtseln kann, und so war “Die Flut” ganz nach meinem Geschmack. Auf die Auflösung wäre ich allerdings so schnell nicht gekommen. Die war eine echte Überraschung für mich.
Auch der Killer und seine Methoden entsprachen genau meinen Vorlieben. Ja, was er da mit den Menschen anstellt, das ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Aber genauso mag ich es. In einem Thriller darf (und muss!) es für mich genauso heftig zugehen.
Somit habe ich der Geschichte nichts vorzuwerfen und kann sie jedem Krimi- und / oder Thrillerfan wärmstens ans Herz legen. Den Fans von Arno Strobel sowieso! Seine Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab, doch “Die Flut” ist ganz klar auf “Auf”.

Beim Buch habe ich bemängelt, dass “Die Flut” auf mich mehr wie ein guter Krimi wirkte. Vor allem das Ende erschien mir zu geradlinig. Und sonderlich düster hatte die ganze Story auf mich da nicht gewirkt. Das war beim Hörbuch anders und das ist ganz klar Sascha Rotermund zu verdanken. Je nach Passage -und vor allem in denen des Täters- liest er mit so düsterer, unheilvoller Stimme, dass man eine Gänsehaut bekommt. Aber auch für die übrigen Figuren hält er passende Stimmen und Tonlagen bereit.

Fazit:  Ein sehr spannender neuer Thriller von Arno Strobel mit einem wunderbar grausamen Killer. Miträtseln kann man hier von Anfang bis zum Ende. Und dank Sascha Rotermund wirkt die Story hier genauso düster wie es sich für einen Thriller gehört. Diese Stimmung hatte mir ja beim Selberlesen leider gefehlt.

Blutsommer (Rainer Löffler)

blutsommerEine Dunstglocke liegt über der Stadt. Die Hitze ist unerträglich. Und dann der Geruch, dieser furchtbare Geruch! Der Picknickausflug von Familie Lerch nimmt ein grausiges Ende, als sie im Wald auf einen dunklen Haufen stößt, von Fliegen und Maden bedeckt: Der «Metzger» hat wieder zugeschlagen. Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Keiner kann sich so gut in die Gedankenwelt von Serienmördern hineinversetzen wie er: eine Gabe, die einsam macht. Abel glaubt, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben. Doch das hier – das ist eine neue Dimension.

Es ist wahrlich eine Schande, welche Perlen oft monatelang (bei diesem Buch war es sogar über ein Jahr!) auf dem SUB vor sich hin stauben. Nach “Blutsommer” habe ich mir vorgenommen, es nicht mehr so weit kommen zu lassen.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Sie beginnt mit einem Familienausflug an einem wunderschönen Sommertag, der mit einem grausigen Fund ein abruptes Ende findet. Genau wie die Familie hat man bereits hier Gelegenheit für ein leichtes Ekeln.
Es ist nicht der erste Zwischenfall, der auf das Konto des sogenannten “Metzgers” geht, doch in Köln tappt man leider noch ziemlich im Dunklen. Deshalb werden zwei Fallanalytiker aus Stuttgart zu Rate gezogen. Darunter der Martin Abel, der Beste seines Fachs. Allerdings ist er als Mensch mindestens gewöhnungsbedürftig. Ich war geraume Zeit unsicher, ob ich ihn nun mag, oder doch eher nicht. Ich habe mich schließlich dafür entschieden. Irgendwie gefiel mir seine Andersartigkeit, sein bissiger Humor und natürlich seine Cleverness. Ich habe nichts gegen Ermittler, die ein wenig aus der Reihe tanzen. Seine aufgeräumte und jüngere Kollegin Hannah bildet einen schönen und reizvollen Kontrast.
Am Krimi selber hat mir besonders gefallen, dass er schön kleinschrittig gehalten ist was die Ermittlungen anbetrifft. Man ist stets dabei, wenn Abel Nachforschungen anstellt, wenn die SOKO Erkenntnisse zusammenträgt oder auch wenn es zu Auseinadersetzungen zwischen Abel und seinen Kölner Kollegen kommt. So bekommt man ein gutes und detailliertes Bild vom Fall “Metzger”, das nie unübersichtlich wird. So kann man leicht selber Überlegungen anstellen und kombinieren. Da in dieser Geschichte immer etwas passiert, wird es trotz dieser Kleinschrittigkeit auch niemals langweilig.
Ab einer ganz bestimmten Stelle war ich mir dann sicher, wer der Killer ist. Das fand ich schon sehr offensichtlich. Vielleicht auch, weil einem ein Element dieser Szene vertraut ist, wenn man bereits den einen oder anderen einschlägigen Horrorfilm gesehen hat. Geschüttelt hat es mich trotzdem. Und vor allem -trotzdem ich mir wirklich ganz sicher war- ist es Rainer Löffler am Ende doch noch gelungen mich zu leimen bzw in meiner Überzeugung zu verunsichern. Aber ich lag trotzdem richtig 😉
Als gelungen habe ich es auch empfunden, wie Rainer Löffler seinen Killer angelegt hat. Er ist grausam, menschenverachtend und unsagbar brutal. Oft bekommt man Einblick in sein Handeln und seine Gedanken, und beides kann man nur als krank bezeichnen. Da wird einem schon mulmig, wenn man sich vorstellt, dass es bestimmt auch in der Wirklichkeit solch gestörte Menschen gibt. Und trotzdem habe ich es nie so empfunden, als koste Rainer Löffler es aus, als genieße er es, einen solchen Wahnsinnigen loszulassen. Er treibt es zwar bis genau an die Grenze des Abscheulichen, aber niemals auch nur ein Stück weit darüber hinaus. Dabei liegt sowas wie Splatter hier gar nicht weit entfernt. Für mich hat das die Story glaubhaft gemacht.

Das Buch ließ sich prima und zügig lesen. Es ist immer etwas los, Langeweile kam bei mir niemals auf und viele Dialoge haben zusätzlich für Auflockerung gesorgt. Außerdem enden viele Kapitel mit ganz fiesen Cliffhangern, sodass ich das Buch nur ganz schwer aus der Hand legen konnte. Deshalb war es dann wohl auch nach nur zwei Abenden ausgelesen.

Hauptsächlich war es wohl das Cover, weshalb das Buch so lange auf dem SUB lag. Das Motiv mit der feurig glühenden Sonne und der schattigen Landschaft gefällt mir ganz gut, aber ich mag den weißen Rand oben nicht. Irgendwie sah das Cover für mich dadurch unfertig aus. So wie die Leseexemplare, die man manchmal bekommt und die noch kein richtiges Cover haben. Außerdem ist Weiß für mich nicht gerade die Farbe für einen Thriller.

Fazit:  Mir hat “Blutsommer” sehr gut gefallen! Ein durchgängig spannender Thriller mit einem Ermittler, der ganz klar nicht “von der Stange” kommt. Und mit einem wunderbar kranken Killer, der einem eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Einfach rundum top! Ich freue mich schon jetzt auf “Blutdämmerung”, das bestimmt nicht über ein Jahr auf dem SUB versauern wird.


Titel:  Blutsommer
Autor:  Rainer Löffler
Seiten:  491
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499257278
Preis:  € 9,99 (TB)

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Das Rachespiel (Arno Strobel)

rachespielFrank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert.
Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten.

Mit “Das Rachespiel” begab ich mich auf eine neue Runde in der Berg- und Talfahrt, die Arno Strobels Thriller für mich bislang waren. Mit “Der Sarg” war diese Fahrt ja wieder aufwärts gegangen. Mit “Das Rachespiel” verläuft die Fahrt nun genau zwischen Berg und Tal.
Ich fange mal mit dem an, was mir an “Das Rachespiel” gefallen hat. Das ist ganz einfach: ich mag Geschichten um Killer, die kranke Spiele mit ihren Opfern spielen. Das ist zwar spätestens seit “Saw” nichts Neues mehr, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mich für dieses Schema immer wieder begeistern. Entsprechend angetan war ich von “Das Rachespiel”, wo ebenfalls ein ziemlich kranker Killer seine Spielchen mit den vier Hauptcharakteren treibt. Dass es bei diesen Spielchen ganz gut zur Sache geht, ist noch ein feiner Pluspunkt obendrein.
Genauso gut hat mir der Schauplatz gefallen, an dem die vier durch ihre persönliche Hölle gehen. Solch einen verlassenen Bunker stelle ich mir schon schaurig vor, und dieser hier wird so anschaulich, düster und beängstigend beschrieben, dass es einem beim Lesen das Gruseln lehrt.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich übersichtliche Stories mag. Eine Handvoll Charaktere reicht mir meist voll und ganz. Da habe ich schnell den Überblick und kann mich ganz auf das Geschehen konzentrieren, statt mir erst Massen von Namen merken zu müssen. Schauplatzwechsel muss ich ebenfalls nicht haben. Beide Vorlieben hat mir “Das Rachespiel” bestens erfüllt. Das hat es mir gleichzeitig leicht gemacht, selbst zu knobeln, wer womöglich hinter dem Grauen steckt, das die Freunde in dem Bunker erleben. Außer ihnen kommt lediglich eine weitere Person dafür infrage. Da kann man leicht Für und Wider der einzelnen Figuren gegen einander abwiegen, und das macht Spass. Hier vor allem, weil man regelmäßig Einblick in die Jugend der vier Freunde erhält. Aus den Ereignissen damals und dem Verhalten der Kinder kann man gut Vermutungen für die Handlung im Jetzt ableiten.
Soweit bin ich mit “Das Rachespiel” also wirklich zufrieden. Inhaltlich habe ich daran nichts weiter auszusetzen.
Doch so gut ich damit leben kann, einer alten Idee im soundsovielten Aufguss zu bgegnen, es bleibt dabei: diese Idee ist nicht neu und mittlerweile im Thriller- und Horrorgenre mindestens an jeder dritten Ecke anzutreffen. Da bin ich von Arno Strobels Thrillern innovativere Ideen gewöhnt, und das hat mich doch gewundert. Und schade finde ich es -so gesehen- auch. Da wird mancher Strobel-Fan enttäuscht aus der Wäsche gucken, da bin ich sicher.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wieso ich plötzlich einen Strobel-Thriller mit einer Idee von der Stange lese. Ich würde vermuten, dass die Pause seit “Der Sarg” einfach zu lang geworden wäre, wenn nun erst das Jugendbuch im März erschienen wäre. “Der Sarg” erschien im Januar 2013. Bis zum “Rachespiel” hat es also schon ein komplettes Jahr gedauert. Wäre nun erst das Jugendbuch gekommen, wäre diese Pause noch länger geworden. Und ob das akzeptabel gewesen wäre? Für die Leser ebenso wie für den Fischer Verlag? Denn das Jugendbuch erscheint obendrein in einem anderen Verlag, obwohl Fischer ebenfalls eine Jugendbuchabteilung hat.
Wie gesagt: das ist meine ganz persönliche Vermutung und sie ist womöglich völlig falsch. Aber für mich klingt sie ganz sinnig.

Es wäre kein Problem gewesen, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es ist leicht und locker geschrieben, das liest sich weg wie nichts. Langweilig wird es auch nicht wirklich und der Wechsel zwischen der Handlung im Jetzt und dem Geschehen damals in der Kindheit der vier Freunde bringt noch Abwechslung rein. Knackig kurze Kapitel helfen dem Tempo ordentlich auf die Sprünge.

Vom Cover her reiht sich “Das Rachespiel” nahtlos in die Serie der Strobel-Thriller ein. Einmal mehr wird das Cover vom auffälligen und erhaben geprägten Titelschriftzug beherrscht. Der gebeugt sitzende Mann fällt da erst auf den zweiten Blick auf, macht dann aber doch neugierig.

Fazit:  Ich mag kranke Killer, die ebenso kranke Spielchen mit ihren Opfern treiben. Ich mag solch gruselige Schauplätze und eine überschaubere Anzahl Figuren, bei denen man gut mitknobeln kann. Trotzdem, die Idee der Geschichte ist alles andere als neu. Die liegt auf dem Grabbeltisch mit Thriller-Ideen seit “Saw” und Co. ganz oben. Und da bin ich von Arno Strobel einfach einfallsreichere Thriller gewöhnt. Deshalb wirkt “Das Rachespiel” auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Als hätte dringend ein Erwachsenenthriller hergemusst, damit die Zeit seit “Der Sarg” nicht zu lang wird. Und das hat mich erstaunt und auch etwas enttäuscht.


Titel: Das Rachespiel
Autor: Arno Strobel
Seiten: 352
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596196944
Preis: 9,99 (TB)

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Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder. (Allen Zadoff)

boynobodyMit 12 Jahren wurde er rekrutiert, um tödliche Missionen zu „erledigen“. Mit 16 ist BOY NOBODY einer der Besten. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Weil er seine Zielobjekte schnell und effektiv aus dem Weg räumt. Seine aktuelle Mission ändert jedoch alles: Denn die Zielperson ist ganz und gar nicht, was sie scheint. Und sie kommt ihm gefährlich nahe. Zu nahe. Aber BOY NOBODY wird auch diesen Auftrag erfolgreich zu Ende bringen. Weil er einer der Besten ist. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Oder etwa nicht?

Bei diesem Buch lockte mich das Cover, aber auch die Geschichte klang dem Klappentext nach nicht verkehrt. Immerhin mal wieder ein Jugendbuch, das nicht in irgendeiner fernen Zukunft und im Elend spielt.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist direkt bei einem von Bens Job dabei. Dabei lässt die Story einen zunächst im Dunklen tappen. Es sieht alles nach einer ganz normalen Szene unter Kumpels aus. Doch lange lässt der Schrecken nicht auf sich warten und dann wird deutlich, worin Bens Job besteht. Dieser unmittelbare Einstieg hat mir gut gefallen. Anschließend erfährt man dann von Ben, wie seine Vorgeschichte aussieht, wie er zu seinem Job kam, was mit seinem früheren Leben passierte. Da ich kein Fan ausschweifender Erklärungen bin, hat es mich gefreut, dass Ben stets präzise auf den Punkt genau erzählt, nicht mehr als nötig um den Leser in’s Bild zu setzen.
Ansonsten hatte aber ich ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu Ben. Einerseits fand ich ihn und seinen Job schon ganz cool. So eiskalte Auftragskiller haben für mich halt stets einen gewissen Reiz. Andererseits habe ich oft einen ganz normalen, durchschnittlichen Sechzehnjährigen vor mir gesehen und mich gefragt, ob es möglich ist, aus so jemandem einen Killer wie Ben zu machen. Ich habe da so meine Zweifel, ehrlich gesagt. Trotzdem habe ich es hingenommen. Auch weil man sich darüber bei so einer Geschichte keine Gedanken machen darf. Jugendliche Leser werden das eh nicht tun und an sie richtet sich das Buch schließlich in erster Linie. Die werden Ben cool finden, und das war er auch für mich.
Allerdings konnte ich mich trotzdem nicht richtig mit ihm anfreunden. Ich habe ihn zwar gerne bei seinen Aufträgen begleitet, aber mitfiebern konnte ich zB nicht. Wie auch, wenn jemand so kalt und gefühllos ist, wie Ben? Stets berechnend und nie ängstlich? Wie soll ich mit einer Figur mitfiebern, wenn mir reglmäßig gesagt wird, dass sie allem und jedem gewachsen ist? Um mich mit einer Figur anzufreunden, muss ich mich an irgendeiner Stelle in sie hineinfühlen können, und das ging hier sehr, sehr lange gar nicht.
Ich hatte gehofft, Bens Begegnung mit seinem neuen Zielobjekt Sam würde daran etwas ändern. Dass in diesem Moment wenigstens ein paar Gefühle reinkommen würden, doch selbst das war nicht der Fall. Ben kommen zwar Zweifel an gewissen Faktoren seines Lebens, aber Gefühle? Kaum der Rede wert! Und Sam steht ihm in Sachen Coolness und Abgebrühtheit kaum etwas nach. So blieb es dabei, dass ich spürbar von außen auf das Geschehen geblickt habe, es mich aber nicht gefangenen nehmen konnte.
Erst zum Ende hin kam dann auch bei mir Spannung auf. Zwar nicht, weil ich plötzlich so dicke mit Ben und Sam gewesen wäre, aber das Ende hält immerhin eine rasante Verfolgungsjagd  und ein paar unerwartete Wendungen bereit, die die Handlung zuvor in ganz anderem Licht dastehen lassen. Das hat Spass gemacht. Außerdem ist das Ende sehr konsequent.
Leider lässt es viel Raum für eine Fortsetzung. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist dieser Band der Auftakt zu einer Reihe. Das wusste ich zuvor nicht und hatte mich auf einen Jugendroman gefreut, der endlich mal wieder für sich steht. Daher hat mich das offene Ende hier enttäuscht.

336 Seiten hat das Buch, aber es kam mir überhaupt nicht so vor. Ben erzählt in kurzen, klaren Sätzen ohne unnötiges Gequatsche drumherum. Das passt, weil es so militärisch klingt, und es bringt Tempo in den Lesefluss. Richtige Kapitel gibt es nicht. Alle drei, vier Seiten beginnt ein neuer Abschnitt  mit einem fettgedruckten ersten Satz. Weil diese Abschnitte so schön kurz sind, habe ich oft gedacht ‘ach komm, einen mehr noch, ist ja nicht viel’ und plötzlich waren wieder 100 Seiten dahin. Sowas mag ich.

Beim Cover finde ich vor allem die schattige Darstellung der Stadt im Hintergrund toll. Und mit dem Fadenkreuz und dem leuchtend roten Fadenkreuz ist es auch noch ein echter Hingucker. Schön auch, dass sogar die Buchdeckel ein wenige gestaltet sind. So hat man nicht einfach nur ein nacktes Buch in Händen, wenn man -wie ich- beim Lesen den Umschlag entfernt.

Fazit:   Die Idee von “Boy Nobody” hat mir richtig gut gefallen, und Ben fand ich wirklich cool! Allerdings konnte ich mich durch seine kühle, abgeklärte und gefühllose Art nicht in ihn hineinversetzen und somit nicht mit ihm fiebern. Dafür brauche ich einen gefühlsmäßigen “Kontakt” zu einer Figur. Entsprechend hat es mir zwar Spass gemacht, ihm bei seiner Arbeit zuzusehen, aber spannend fand ich es nicht. Das änderte sich erst ganz zum Schluss. Erst da kamen Tempo und Spannung auf, was letztlich von einem erfreulich kompromisslosen Ende gekrönt wurde.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.
Autor: Allen Zadoff
Seiten: 336
Verlag: Bloomoon Verlag
ISBN: 978-3845800059
Preis: € 16,99

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