Kirmes

Herzblut – Kluftingers neuer Fall (Klüpfel & Kobr)

herzblutKluftinger ist sich sicher: Bei einem anonymen Handyanruf, der ihn ausgerechnet während einer der gefürchteten Pressekonferenzen seines Chefs erreicht, wird er Zeuge eines Mordes. „Alpträume von zu viel Schweinsbraten“, tun seine Kollegen diesen Verdacht ab. Kluftinger ermittelt auf eigene Faust und findet am vermeintlichen Tatort jede Menge Blut, aber keine Leiche. Da überschlagen sich die Ereignisse: Mehrere brutale Mordfälle, anscheinend ohne Zusammenhang, erschüttern das Allgäu. Als dann doch noch der Großteil des abgängigen Toten auftaucht und Kluftinger endlich herausfindet, was all die Verbrechen verbindet, ist es fast schon zu spät. Dabei steht er auch privat unter Druck: Seit Tagen leidet er unter heftigem Herzstechen und befürchtet sofort das Schlimmste.

Als großer Kluftinger-Fan stand ich natürlich gleich am VÖ-Tag im Buchladen, und ebenso selbstverständlich wurde es direkt gelesen.
Nun zeichnen sich die Kluftinger-Krimis immer durch zwei wesentliche Elemente aus. Erstens natürlich durch den jeweils neuen Fall für den Kommissar und seine Leute, zweitens aber auch durch seine kauzige Art und sein oft amüsantes Privatleben.
Der Fall in diesem neuen Buch hat mit ausnehmend gut gefallen. Ein Serienmörder in einem solch beschaulichen Landstrich kann man sich zwar vielleicht nur schwer vorstellen, aber die Welt wird nun mal immer schlechter. Wieso also eigentlich nicht? Immerhin entspinnt sich um diese Idee eine wirklich spannende Geschichte, die zwar durchaus komplex ist, bei der man aber dennoch nie den Überblick verliert. Ich habe es sicher schon öfters geschrieben, aber das ist für mich immer ein großer Pluspunkt an Krimis.
Auch, weil es einen quasi dazu einlädt, mitzuermitteln. Das hat hier viel Spass gemacht. Man bekommt nach und nach immer mehr Informationen, Details und Denkanstöße, so dass man gut eigene Vermutungen anstellen und sich ein eigene Bild vom Fall schaffen kann. So hatte ich zumindest hier und da im Laufe der Geschichte einige Ideen, die sich nachher auch als soweit richtig herausstellten, aber natürlich längst nicht in dem Maße, dass ich die genaue Auflösung parat hatte. So bleibt der Überraschungsmoment am Ende erhalten, und gerade hier hat das Ende es schwer in sich!
So ganz nebenbei dreht es sich in diesem Fall durchaus um ein ganz ernstes Thema, das hier natürlich bis zum Äußersten -den ganz schön brutalen Morden- ausgereizt wird, das aber auch zwischendurch Passagen mit sich bringt, bei denen man mal ins Nachdenken kommt.
Spannend ist es auch zu verfolgen, wie es dem Kommissar hier geht. Denn er plagt sich seit Längerem mit stechenden Schmerzen in der Brust herum, und vermutet selbstverständlich gleich das Schlimmste! Als Leser ist man da ziemlich hin- und hergerissen. Klar, ich habe die ganze Zeit gehofft, dass es nichts Ernstes ist, konnte es mir auch nicht vorstellen für den Weiterverlauf der Reihe, aber die Zweifel waren ebenso immer gegenwärtig.
Schon in den Buchpassagen, die bei Kluftinger und Co. im Büro spielen, gibt es immer mal wieder spaßige Szenen. Vor allem um seinen neu erwachten Fimmel mit der gesunden Ernährung. So richtig witzig wird es aber erst, wenn Kluftinger mit seiner Familie zusammen ist. Was habe ich über sein Skype-Telefonat mit dem Vater seiner angehenden Schwiegertochter gelacht! Oder über dieses Abendessen gemeinsam  mit Kluftingers Eltern! Wo doch seine Mutter Erikas Kochkünste als nicht gut genug für ihren Sohn empfindet.
Und selbstverständlich gibt es auch wieder einige erheiternde Zusammentreffen mit Doktor Langhammer. Da ist mir besonders der Yoga-Kurs im Kopf geblieben. Kluftinger und Langhammer, diese Kombination bringt mich jedes Mal auf’s Neue zum Schmunzeln.
Ich muss aber auch sagen, dass es hier und da Momente gab, wo es für mein Empfinden nah am Klamauk war. Wo des  Kommissar Intelligenz, die er im Job immer wieder beweist, infrage gestellt wird. Ich denke dabei an den Moment als er mit dem Begriff “Rifle” so gar nichts anfangen kann. Dabei hat er im Job doch durchaus auch mit Waffen zu tun. Und auch gewisse Dialoge wie zB das “Durchbumsen lassen” im Autoscooter senkten das Niveau für mich so beträchtlich, dass es unter der geschlossenen Tür durchgepasst hätte.
Bisher ging es in den Kluftinger-Krimis doch auch ohne diese platte Komik, also bitte!

Wie gewohnt ließ sich auch “Herzblut” wieder sehr gut und flüssig lesen. Da stellt auch der Dialekt, der immer mal mitmischt, kein Hindernis dar. Die Kapitel sind mal recht lang, mal kürzer, je nach dem was sich am jeweiligen Tag alles tut. Ein Tag, ein Kapitel. So lässt sich der Krimi gut tageweise lesen, wenn man nicht so kluftingerverrückt ist wie ich und ihn in einem Rutsch liest.

Ich weiß nicht, ob es mit dem Wechsel von Piper zu Droemer zusammenhängt. Mir ist an sich auch egal, wo die Kluftinger-Krimis erscheinen, Hauptsache sie erscheinen irgendwo. Aber ich finde es unheimlich schade, dass auf dem Cover kein Verkehrsschild mehr zu sehen ist. Das war für mich das Aushängeschild dieser Krimis, die sie von anderen auf Anhieb unterschieden, und entsprechend enttäuscht bin ich nun auch. Ansonsten ist man dem Look der Reihe zum Glück aber treu geblieben. Das reißt die Sache mit den Schildern aber auch nicht raus.

Fazit:   Mir hat “Herzblut” insgesamt sehr gut gefallen! Ein schöner und spannender Fall um ein durchaus ernstes Thema, bei dem man als Leser gut mitknobeln kann. In Sachen Humor und Komik sollte man allerdings demnächst aufpassen, dass man nicht in Slapstick und Albernheiten abrutscht oder das Licht des Kommissars unter den Schffel stellt.


Titel:  Herzblut – Kluftingers neuer Fall
Autor: Volker Klüpfel & Michael Kobr
Seiten:  394
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426199374
Preis:  € 17,99 (HC)

Gewitterfische (John Halliday)

Alles beginnt in einer schwülen Augustnacht. In dieser Nacht schlägt der Blitz in Westlake ein, obwohl es dort um diese Jahreszeit eigentlich nie Gewitter gibt. Es ist die Geburtsstunde von Josh und Rainy, die sich elf Jahre später in der 5. Klasse zum ersten Mal begegnen. Josh -so prophezeit seine Tante- wird die Geschicke der kleinen Stadt nachhaltig verändern. Rainy, Bigfoot, Kate und der Goldfisch Elvis spielen dabei eine entscheidende Rolle…

Ich weiß nicht mehr, wo ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, aber ich weiß noch genau, dass ich sofort in das Cover verliebt war und es deshalb haben musste. Der Klappentext klang auch nicht übel  und so zog das Buch bald ein.
Zunächst mal sollte man wissen, dass es ein Kinderbuch ist und für etwa 10- bis 12jährige empfohlen wird. Das ist bei mir kein KO-Kriterium, denn ich lese gerne mal ein Kinderbuch. Ich frage mich nur, ob man Kids dieses Alters mit dieser Geschichte packen und begeistern kann. Ich denke eigentlich eher, dass man angehenden Teenies schon etwas bieten muss um sie für ein Buch zu begeistern. Und dann frage ich mich, womit “Gewitterfische” das schaffen will?
Zugegeben, am Anfang war ich noch ganz guter Hoffnung und fand es auch ganz spannend, dass da auf der Kirmes ein Kind geboren wird, dem Großes prophezeit wird.
Wenn doch danach nur auch etwas Großes passiert wäre! Stattdessen geschieht in dieser Geschichte eigentlich gar nicht viel. Es geht immer ausgesprochen ruhig zu und man begleitet lediglich Josh und seine Freunde bei ihren Erlebnissen in ihrer kleinen Stadt.  Da wird eine Halloweenparty gefeiert, ein Goldfisch versehentlich in der Kanalisation ausgesetzt, ein Klärwerk besichtigt, Schach gespielt und geschwommen.
Das ist zwar nicht  uninteressant und auch nicht wirklich langweilig, aber spannend sieht anders aus. Ich glaube, wenn ich das Buch mittendrin abgebrochen hätte, ich hätte mich nicht gefragt, wie die Geschichte wohl weitergeht. Und das ist kein allzu gutes Zeichen.
Ich habe es nicht abgebrochen und so sind mir nach dem Lesen dann wenigstens noch zwei Dinge eingefallen, die ich an “Gewitterfische” gut fand. Das sind einmal die teilweise wirklich schrägen Charaktere. Beispielsweise Kate, die an den Fingern gern Pflaster trägt, weil sie deren Geruch verfallen ist. Oder auch Rainys Bruder Sunny, der sich dauernd auszieht. Und eben auch Josh, der bei den wesentlichen Fragen seines 11jährigen Lebens auf ein defektes Ouija-Brett vertraut. Phantasie hat John Halliday zweifellos.
Das Zweite, das mir gefallen hat, ist die Freundschaft, die zwischen den Kinderm im Verlauf der Geschichte entsteht. Anfangs mögen sie einander nicht so sehr bzw sind sich egal, aber irgendwie schweißt ihre kleine Stadt und ihre gemeinsamen Erlebnisse sie doch zusammen.
Dennoch: ich hätte mir einfach etwas mehr Spannung, irgendetwas Besonderes gewünscht.

Wie es sich für ein Buch für diese Altersgruppe gehört, lässt sich “Gewitterfische” wirklich leicht und flott weg lesen. Die Kapitel haben eine schöne Länge, die jungen Lesern sicher entgegenkommen, und tragen Titel, die neugierig auf das jeweilige Kapitel machen.

In das Cover bin ich verliebt wie eh und je. Ich finde den Goldfisch ja so goldig 😉 und finde, dass er irgendwie ein wenig entgeistert und skeptisch zu dem hinausschaut, was sich auf der anderen Seite des Plastikbeutels tut. Mit der Nacht und dem Riesenrad im Hintergrund passt das so gut zur Geschichte.

Fazit:  Leider hat mich “Gewitterfische” nicht überzeugen können. Ich habe sicher nicht wunders was an Ereignissen erwartet, aber zumindest doch irgendwas, das für Spannung sorgt. Das habe ich hier nicht finden können. Da haben auch die schrägen Charaktere nichts rausreißen können.


Titel: Gewitterfische
Autor: John Halliday
Seiten: 192
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570128626
Preis: € 12,90

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