Kleine Fische

Kleine Fische (01) – Rumdackln

Titel:   Kleine Fische (01) – Rumdackln / Verlag: Alogino / Laufzeit:   ca. 43 min / Sprecher:  Gerhard Acktun, Matthias Schreiner, Lukas Beyerle, Hansi Kraus, Werner Zeussel u.a.

Inhalt:   Zwei junge Münchner Männer, die sich nach nächtlichen Begegnungen mit der Exekutive auf einer Polizeiwache kennenlernen, gründen eine Zwei-Mann-Wohngemeinschaft und erleben im Alt-Münchner Milieu so manch unterhaltsame Geschichte.


Es gibt Hörspiele, die hätte ich ohne diese Seite vermutlich nie in die Hände, geschweige denn zu hören bekommen. Dieses hier gehört zweifelsfrei dazu.
Der Rückentext gibt ziemlich genau wieder, was die rund 43 Minuten Laufzeit dann auch bieten. Da lernen sich zwei junge Männer kennen, gründen eine Mini-WG und leben so vor sich hin, mit allen Abenteuern, die das ganz normale Leben eben bereithält. Beispielsweise eine ganz ausversehen eingerissene Wohnungswand, die bei den Nachbarn für Furore sorgt, oder auch die Suche nach einem vermeintlichen Enkelkind, das der Oma entwischt ist, sich nachher aber keineswegs als Zweibeiner entpuppt, oder auch manch durchzechte Nacht voll tiefsinniger (?) Gespräche. Beim ersten Hören habe ich etwa auf der Hälfte gedacht: sechstes Kapitel, aber eine echte Handlung fehlt immer noch. Doch beim zweiten und dritten Hören ist mir dann klar geworden, dass die Macher hinter dem Hörspiel wohl auch keine besonders spannende, actionreiche, tiefgründige oder sonst wie besonders geartete Story erzählen wollen. Ich habe das Gefühl, es geht ihnen eher darum, den Hörer mit dieser Alltagsgeschichte, die mal turbulent, mal ruhiger ist, einfach zu unterhalten. Ihnen die urige und herzliche Atmosphäre zu vermitteln, die sich durch die gesamte Geschichte zieht. Und das ist auf ganzer Linie gelungen.

Die Namen auf der Sprecherliste sagten mir durchweg gar nichts, also habe ich erst mal ein wenig im Netz geforscht. Insgesamt hat man hier eine Mischung aus Schauspielern und Synchronprechern ans Mikrofon geholt, die sich hören lassen kann. Eines sollte aber klar sein: wer sich nicht auf einen Dialekt einlassen und bei vielen Begriffen nicht mal eben „um die Ecke“ denken kann, der sollte flugs seine Einstellung ändern. Denn hier spricht schlichtweg niemand reines Hochdeutsch. Irgendwie hat mich das ab und zu an die Pumuckl-Hörspiele erinnert. In kleineren Nebenrollen hakt es dann aber doch schon mal. Petra Umlauf alias Sandra ist ein solcher Fall. Aber so viel haben diese Personen dann doch nicht zu sagen, darüber kann man hinweg hören.

Die Geräuschkulisse geht in Ordnung. Es ist jetzt nicht so, dass man da dauernd irgendwas im Hintergrund hört, aber wo Geräusche hingehören, da sind sie auch und machen die jeweiligen Szenen anschaulich. Musikalisch sieht es ganz ähnlich aus. Zwischen manchen Szenen sind Melodien zu hören, die zusätzlich zur bayerischen, gemütlichen Atmosphäre beitragen. Nein, keine Sorge, hier haut es einem keine Oktober Fest – Kapelle um die Ohren, aber es klingt doch sehr typisch.

Das Layout zeigt diverse Ausblicke auf die Münchner Dachlandschaft und auch hier habe ich mich an diesen verrückten kleinen Kobold erinnert gefühlt, wie er im Intro der TV-Serie auf dem Dach auftaucht. Zum Thema München passt das gut, ist aber doch ein eher schlichter Anblick. Vor allem die große weiße Fläche auf dem Cover mit nichts als dem Schriftzug, macht nicht gerade viel her.
Fazit:   Immer wieder schön, wenn solche Hörspiel-Überraschungen dann doch so viel Spaß machen. Die knappe Dreiviertelstunde ist wie im Flug vergangen und ich habe mich prima unterhalten gefühlt. Spaßig, gemütlich, einfach schön eben.

Kleine Fische (02) – Des neie Radl

Titel: Kleine Fische (02) – Das neie Radl / Laufzeit: ca. 55 min / Sprecher: Gerhard Acktun, Matthias Schreiner, Lukas Beyerle, Hansi Kraus, Werner Zeussel u.a.

Inhalt:   Jaro und Fonse benötigen ein neues Radl, doch die finanziellen Mittel fehlen. Während sie sich bei ihren Kunden durchfragen, ob jemand eines übrig hat, kommt man auf die Idee, einen Flohmarkt zu veranstalten, um das Fahrrad finanzieren zu können. Kaum ist das Radl gekauft, macht sich Jaro rar. Irgend etwas stimmt nicht…


Nachdem ich bei Folge 1 schon so viel Spaß hatte, habe ich mir die zweite Folge direkt auch gegönnt. Auch hier hat man wieder mit den Bewohnern der Mini-WG Jaro und Fonse zu tun, deren Leben sich inzwischen nicht sonderlich verändert hat. Sie leben halt so vor sich hin, jobben ein wenig und haben meist Spass an ihrem Leben. Doch nun tauchen dunkle Wolken am Himmel auf: sie brauchen ein neues Fahrrad, allerdings erst mal auch das nötige Geld dafür. Dieses Mal gibt es sogar das, was ich bei Folge 1 beim ersten Hören noch reklamiert hatte: eine Handlung. Der erste Teil des Hörspiels beschäftigt sich mit der Beschaffung des Zweirads. Es macht Spaß, Jaro und Fonse dabei zuzuhören, wie sie sich ins Zeug legen um an ein Rad zu kommen und als die Idee mit dem Flohmarkt geboren ist, da geht es erst richtig los, denn das erfordert ja schließlich einiges an Vorbereitung. Er hat schon was, zu hören wie sie bei den Nachbarn und Bekannten um Flohmarktzeug bitten und sich auf den Tag einrichten. Das hat wenigstens Charme. In anderen Geschichten hätten die beiden sicher alles auf Ebay verkloppt und schon wäre das ganze etwas altmodische Flair der Story zum Teufel gewesen. Und bei dem „Flohmarkt“, den sie veranstalten, da habe ich ehrlich Tränen gelacht. Im Nu steht nämlich die Nachbarschaft, Freunde und auch die Polizei auf der Matte und sorgen für Situationskomik und höchst amüsante Dialoge.
Der zweite Teil der Geschichte befasst sich mit dem Rätsel um Jagros ständiges Verschwinden und hier geht es sogar ein klein wenig spannend zu, aber in jeden Fall menschelt es auch hier sehr und der Witz kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Auf der Sprecherliste tummeln sich erneut zahlreiche bayerische Fernseh- und Bühnenschauspieler, die auch in diesem Hörspiel glänzen können. Mit dabei ist z.B. Hansi Kraus, den man von den „Lausbubengeschichten“ kennt, um mal den für mich prominentesten Namen hervorzuheben. In den Rollen von Jagro und Fonse geht es mit Matthias Schreiner und Lukas Beyerle weniger bekannt, aber nicht weniger gut und unterhaltsam zu. Die beiden ergänzen sich toll. Am besten finde ich aber immer noch „Frau Maurer“, ich kenne diese Stimme, sie ist einfach sowas von markant, dass man sie wohl nie mehr vergisst, wenn man sie einmal gehört hat. Ich habe nur noch nicht herausgefunden, woher ich sie kenne. Ich habe allerdings mal wieder eine Pumuckl-Folge im Verdacht.

Eine ordentliche Musik- und Geräuschkulisse begleitet die Geschichte. Das sorgt für zusätzliches Flair. Außerdem passt es zum Ansinnen der Autoren, dem Hörer mit diesen Hörspielen das „alte München“ nahebringen zu wollen. Wo die Leute noch beim Kramer einkaufen statt beim Discounter, da gehört auch kein imposanter, moderner Soundtrack hin. Da haben ausgewählte und gut eingesetzte Geräusche und bayerisch anmutende Melodien zwischen den Szenen absolut ihre Berechtigung.

Das Cover zeigt neben dem Schriftzug erneut nur die Dachlandschaft von München, dafür bekommt man im Inneren des Booklets noch ein paar Ansichten von Münchner Straßen und Hinterhöfen geboten, die zwar allesamt nicht schick und modern aussehen, dafür aber irgendwie charmant wirken. Das hat was!
Fazit:   Noch immer gilt: ein paar Brocken Bayerisch sind von enormen Vorteil bei diesen Hörspielen. Wer darüber verfügt und einfach schöne, unterhaltsame und gemütliche Geschichten hören mag, der sollte hier ein Ohr riskieren.

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