Knaur

Nummer 25 (Frank Kodiak)

Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.

In einer der vorigen Besprechungen hatte ich ja erwähnt, dass ich Andreas Winkelmanns Bücher meist direkt nach Veröffentlichung lese. Das schließt auch Bücher ein, die er unter Pseudonym schreibt. So wie “Nummer 25”. Ich verstehe zwar nie, was Pseudonyme eigentlich sollen / nutzen, aber das muss ich vielleicht auch gar nicht. Jedenfalls hatte ich auch dieses Buch sehr fix am Wickel.
Was ich an der Geschichte wirklich sehr interessant fand ist, dass sie sich um einen sehr eigenbrödlerischen Schriftsteller dreht, der abgeschieden in einem Haus am Waldrand wohnt, mit Menschen wenig am Hut hat und sich selbst als Psychopathen bezeichnet. Da darf man sich dann ja schon mal fragen, wieviel von Frank Kodiak bzw Andreas Winkelmann in dieser Figur steckt. Es ist nicht das schönste Bild, das er von dieser Figur malt. Und ich hoffe deshalb sehr, dass Frank Kodiak nicht so geartet ist wie sein Andreas Zordan. Nette Namensspielerei übrigens, oder? Die Figur mit dem realen Vornamen des Autoren hinter dem Pseudonym.
Anfangs fand ich Zordan selber auch noch ganz interessant. Ich habe nichts gegen einzelgängerisch veranlagte und etwas seltsame Figuren (und Menschen) und ich fand auch keineswegs, dass er wie ein Psychopath wirkt.
Das änderte sich dann aber schlagartig nach dem Fund der Leiche und dem ersten Treffen mit der Journalistin Greta. Es tut mir wirklich leid, aber so wie er sich danach und ihr gegenüber aufführt, das geht teilweise echt gar nicht. Und an Gretas Stelle hätte ich diesen Kerl -große Story hin oder her- binnen kürzester Zeit samt seinem Irrsinn einfach stehenlassen. Von da an geht der Typ sowas von überhaupt gar nicht, das kann man kaum beschreiben. Wenn das beabsichtigt war bei der Gestaltung dieser Figur, dann ist es auf ganzer Linie gelungen. Bei mir hat es allerdings dazu geführt, dass mich Zordan in erster Linie tierisch genervt hat.
Greta hat mir jedoch genauso wenig gefallen. Ja, sie hat Mut, ist hartnäckig, lässt sich nich unterkriegen, aber ich hatte trotzdem ständig das Bild von einem dummen, naiven Blondchen und Helene Fischer Double vor Augen. Und was sie später an Zordan gefressen hat, das habe ich auch nicht verstanden. Das sprach für mich ebenfalls dafür, dass sie beim besten Willen nicht die Hellste ist.
Das Rätsel um die Leiche und die weiteren Entführungen fand ich insgesamt ganz spannend, aber auch nicht unbedingt überragend. Irgendwie scheine ich ein Problem damit zu haben, wenn die Ermittler nicht wirklich Polizist oder Kommissar sind. Es ist zwar ganz interessant zu verfolgen, wie Zordan und Greta der Sache auf den Grund zu gehen versuchen, es hat auch seine düsteren und spannenden Momente, aber dieser professionelle Schliff fehlte mir einfach. Ohne den kann ich nicht so richtig mitfiebern. Daher habe ich mich immer gefreut, wenn Lewandowski einen Auftritt hatte. Sobald der Oberkommissar mitmischte, war ich sofort ganz bei der Sache. Und über weite Teile war mir die Story auch zu vorhersehbar.
Ein dickes Lob gibt es für die Szenen mit dem Täter. Herrlich grausam und schaurig, genauso wie ich es mag. Das ist tatsächlich nichts für zartbesaitete Leser und vielleicht bin ich da ein bisschen kaputt, aber ich mag sowas eben einfach total gerne.
Nachdem die Handlung größtenteils erfreulich geradlinig verlief, gibt es zum Ende hin nochmal einen Dreh. Der hat mich zwar nicht unbedingt überrascht, aber er bringt doch nochmal eine zusätzliche Würze ins Finale und sorgt für weitere Dramatik an einem Punkt, an dem man eigentlich schon damit rechnet, dass die Story nun zum Ende kommt.

Mal liest man von Zordan, dann von Greta, dann wieder ist man bei Lewandowski, es geht abwechslunsgreich zu und das liest sich dementprechend gut und flott weg. Ich habe nur zwei Abende für das Buch gebraucht. Betitelte Kapitel gibt es nicht, aber immer wieder größere Absätze, an dem man eine Pause einlegen kann.

Ich bin einfach kein Fan von solch hellen Covermotiven bei Thrillern und Krimis wie hier. Die Sicherheitsnadeln und die blutroten Fäden passen widerum ganz gut dazu und stimmen neugierig, aber insgesamt ist mir das Motiv zu hell für einen Thriller. Da fehlt mir das Düstere und Unheimliche.

Fazit:  Mich hat “Nummer 25” trotz seines Killers mit seinen abstoßenden Ideen nicht vom Hocker gerissen. Die Hauptfiguren haben mich schnell vor allem genervt und von solchen Figuren lese ich schlicht nicht gerne. So habe ich ihre Nachforschungen in diesem an sich wirklich interessanten Fall (mit einem herrlich abartigen Killer) nur mäßig gespannt verfolgt. Vieles war mir auch zu leicht zu durchschauen, was ebenfalls zu Lasten der Spannung ging.


Titel:  Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten:  384
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426520093
Preis:  € 9,99 (TB)

AchtNacht ( Sebastian Fitzek)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich totaler Fitzek-Fan bin. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich fast (dieses Kinderbuch kommt mir nicht ins Haus!) alles lese und dessen Bücher ich monate vorab bestelle und meist auch in einem Rutsch lese.
Bei “AchtNacht” hat es mich außerdem gefreut, dass es bei Knaur erschienen ist. Ich habe nie verstanden, was das Lübbe-Intermezzo sollte, und die dort erschienen Bücher passten auch nicht ganz in mein Beuteschema.
Entsprechernd habe ich auf “AchtNacht” hingefiebert wie wild. Zumal es vom Klappentext her genau mein Fall zu sein schien. Das war es dann zum Glück auch. Da kann man mich nun für verrückt oder meinetwegen auch krank halten, ich liebe die Idee dieser Todeslotterie. Und es hat mir riesigen Spass gemacht, zu verfolgen, was sich daraus alles entwickelt. Ja, ich stehe auf solch kranke Ideen! Hat schließlich nicht jeder schnell jemanden im Kopf, von dem er meint, dass sich die Welt auch ohne diese Person gut weiterdrehen würde? Darüber kann man dann beim Lesen nochmal gründlich nachdenken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, dass einer verrückten Person sowas einfallen könnte, sondern auch für äußerst wahrscheinlich, dass ein solches Spiel solche Folgen haben würde. Ich traue es der Spezies Mensch zweifellos zu. Und was sich hier ereignet ist durchaus erschreckend. Gerade, weil es so glaubhaft wirkt.Da kommt man dann eben doch nochmal ins Grübeln.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls, meistens jedenfalls. Ich war schon neugierig, ob Ben es schaffen würde, seinem Schicksal zu entkommen. Ob er aufdecken würde, wer eigentlich warum auf die Idee dieser Lotterie gekommen ist. Ob er seine Tochter retten würde. Welche Rolle Arezu eigentlich spielt. Und wie all die anderen größeren und kleineren Begebenheiten letztlich zusammenhängen würden. Der Weg zu all diesen Antworten ist rasant, meistens jedenfalls.
Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere, wie es zu dieser Einschränkung “meistens” in den Punkten Spannung und Tempo kommt.  Das ist ganz einfach zu erklären. Für mich hatte die Story einfach auch einige Längen, zu ausführliche Szenen und vor allem auch Sequenzen, bei denen ich beim besten Willen nicht verstanden habe, wieso sie sein mussten. So eine wahnsinnige Bedeutung haben sie später nämlich wirklich nicht. Überhaupt hatte ich im Ganzen das Gefühl, dass die Story sich etwas zog. Ich bin mir sicher, das wäre hier und da auch kürzer gegangen, ohne dass einem etwas gefehlt hätte. Da bleiben Spannung und Tempo halt schnell mal auf der Strecke.
Das Ende bzw die Auflösung von “AchtNacht” fiel mir dann obendrein auch noch zu wenig clever und gewandt aus. Das kenne ich von anderen Fitzek-Thrillern anders und auch besser. Sie kommt zwar überraschend, ist auch erschreckend und lässt einen nochmal ins Grübeln über gewisse eigene Verhaltensweisen kommen, aber irgendwie hat mir dieser besondere Dreh, das gewisse Etwas gefehlt.
Was meinen allgemeinen Eindruck vom “AchtNacht” verstärkt hat. Nämlich, dass es wie mit der heißen Nadel gestrickt wird.

Vom Schreibstil her unterscheidet es sich nicht von seinen “Kollegen”. Sebastian Fitzeks Art zu schreiben, fesselt mich immer innerhalb von Sekunden und auch hier hat das -bis auf besagte Längen- wieder einwandfrei funktioniert. Die meisten Seiten flogen nur so dahin und die Kapitel sind meist so knackig kurz, dass man einfach jedes Mal denkt: ach, eines noch! Und dann ist man plötzlich schon am Ende angekommen.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Es ist ein Hingucker mit dem Schwarz und dem kräftigen Rot. Man fragt sich sofort, was es mit der Acht auf sich hat, die ja auch im Titel vorkommt. Auch die Innenseiten der Broschur sind düster und schwarz-rot gestaltet und machen erst recht neugierig auf die Story.

Fazit:  Diese Todeslotterie war absolut nach meinem Geschmack, sowas (mancher mah vielleicht sagen “Krankes”) liebe ich. Zu weiten Teilen fand ich “AchtNacht” auch spannend und atemlos rasant, aber es hatte auch seine Längen. Und das kenne ich von Fitzek-Thrillern bislang gar nicht. Für mich gab es einiges, was man getrost hätte weglassen können. Ncht weil ich es zu grausig fand, sondern weil es der Geschichte im Weiteren kaum bis gar nicht gedient hat. Und insgesamt wirkte die Geschichte auf mich aus wie mit der heißen Nadel gestrickt, zu wenig ausgefeilt.  Als hätte jemand gesagt, man brauch Füllstoff zum nächsten Buch und in Sebastian Fitzeks Schublade habe eben noch “AchtNacht” gelegen.


Titel:  AchtNacht
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  416
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426521083
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

Der Tod stickt mit (Tatjana Kruse)

todsticktmitKommissar a. D. Siggi Seifferheld beobachtet verdächtige Gestalten in der Kunsthalle Würth zu Schwäbisch Hall. Sofort wittert er Kunstraub! Der Galerist, den er im Verdacht hat, wird allerdings kurz darauf ermordet. Während alle Welt an eine Beziehungstat glaubt und die Geliebte des Galeristen ins Visier der Polizei gerät, ermittelt Seifferheld auf eigene Faust, was ihn arg in die Bredouille bringt. Und das alles, während er erneut Großonkel wird, er fleißig an seinem Aufstieg zum bekanntesten stickenden Mann Deutschlands arbeitet und zusammen mit einer rassigen Ghostwriterin seine Autobiographie schreiben soll.

Obwohl ich die Seifferheld-Krimis bislang wirklich gerne mochte, hat dieses Buch doch unverzeihlich lange auf dem SUB geschlummert. Nun habe ich es endlich gelesen. Zugegeben: vor allem, weil ich Sehnsucht nach meinem Liebling Onis hatte 😉
Ich muss allerdings sagen, dass ich mich mit “Der Tod stickt mit” lange eher schwer getan habe. Denn der eigentliche Krimi braucht ewig, ehe er endlich greifbar wird und wenisgtens ein bisschen in Schwung kommt. Obendrein fühlte er sich für mich gezwungen an. So nach dem Motto “Eigentlich könnte auch nur die Familiengeschichte das Buch füllen, aber die Leser kennen die Reihe als Krimirehe, also mus da irgendwie auch noch ein Krimi mit rein”.  Und das kann es in meinen Augen einfach nicht sein.
Das darf nun bitte nicht falsch verstanden werden! Ich mag die Handlung um Seifferheld und seine bunt zusammengewürfelte Familie wirklich gerne, aber sie darf den Krimi bzw den jeweiligen Fall nicht an den Rand der Geschichte drängen. Genau das ist hier leider geschehen. Ich war richtig froh als der Fall endlich mehr ins Zentrum gerückt wurde. Doch das geschieht erst wirklich sehr spät, quasi bereits zum Ende hin. Das ist einfach zu spät. Ein Krimi sollte bereits vorher spannend sein. Hier aber sabotiert das ganze Familiengedöns jegliche Krimispannung.
Dabei hätte der Fall meiner Meinung nach einiges an Potenzial gehabt. Ein ermordeter Galerist, verdächtige Personen, allerlei interessante Verbindungen zwischen ihnen. Das hätte alles an sich gehabt um Spannung aufkommen zu lassen und den Leser zum Mitknobeln zu ermuntern.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass mich dieses Mal auch jenes Familiengedöns nicht völlig begeistern konnte. Natürlich gibt es witzige Ideen wie zB der “Ausbruch” der Trommler, Seifferhelds barfüßiges Gespräch mit seiner Ghostwriterin oder auch Onis’ kleines Zipperlein. Es gibt aber eben auch Momente, die ich entweder eher peinlich oder aber viel zu überzogen bis albern empfunden habe. Den Anschlag auf die Küche beispielsweise oder auch Mariannes mehr als nervige Eifersuchtsanfälle und Klaus’ sexuell desorientierte Eskapaden. Obendrein dreht sich hier für mich viel zu viel um die Kinder im Hause Seifferheld. So leid es mir tut, ich habe für ein dauerschreiendes Baby nichts übrig, geschweige denn, dass ich es witzig fände.

Wie gewohnt liest sich auch dieser Seifferheld-Band fix weg wie nichts. Ich mag Tatjana Kruses gewandte Art zu erzählen und ihren gewitzten Sinn für Humor. Die Kapitel haben genau die richtige Länge und verlocken mit Zitaten, Sprüchen und Artikeln aus dem Polizeibericht, eben doch noch eines mehr zu lesen. Obwohl man das Buch eigentlich für den Abend hatte beiseite legen wollen.

Einmal mehr ist auf dem Cover ein Gartenwerg zu sehen. Allerdings in eher unspektakulärer Pose und mit wenig krimimäßigem Hintergrund. Da haben mir die düster angehauchten vorigen Cover besser gefallen. Niedlich ist das Motiv aber auf jeden Fall. Und ein Hingucker ebenfalls. Nur einen Krimi würde ich dahinter auf Anhieb nicht erwarten.

Fazit: Leider ein für mich eher enttäuschender Band der Reihe, die ich sonst so gerne mochte. Der Krimi braucht ewig bis er in die Pötte kommt und wird im weiteren Verlauf leider immer wieder vom Seifferheld’schen Familienleben so weit an den Rand gedrängt, dass Spannung erst kurz vor Ende aufkommt. Und auch das Geschehen in der Familie konnte mich dieses Mal nicht so gut unterhalten. Einige Szenen waren mir zu übertrieben. So konnte ich darüber einfach nicht lachen. Schade. Ich hoffe, der nächsten Band ist wieder besser.


Titel: Der Tod stickt mir
Autor: Tatjana Kruse
Seiten: 288
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426514290
Preis: € 9,99

MUC (Anna Mocikat)

mucMünchen, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia. Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz. Aber MUC ist kein Ort des Wissens und der Freiheit mehr, sondern eine ­gnadenlose Diktatur. Pia muss sich entscheiden, ob
sie auf der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten stehen will.

Eigentlich kann man mich mit Dystopien mittlerweile jagen bis sonst wohin. Es gibt in meinen Augen einfach zu viele davon, die alle irgendwie gleich sind. Bei “MUC” habe ich es aber doch riskiert, weil ich hoffte, bei einem Erwachsenenbuch eben nicht diesen Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen.
Tatsächlich hat mir “MUC” gut gefallen. Allerdings aus einem Grund heraus, den viele Fans dieses Genres vermutlich mit “Man kann es sich auch einfach machen!” kommentieren werden. Das weiß ich, aber es ist halt so.
Mir hat “MUC” gefallen, weil es weiß, wie man Maß hält! Alles wird gerade so ausführlich beschrieben wie es nötig ist um dem Leser einer Vorstellung davon zu vermitteln. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man mir über weite Teile eines Buchs erst erläutert, was zu der derzeitigen Situation geführt hat. Ich habe etwas dagegen, wenn mir über mehrere Kapitel hinweg das Ränkespiel einer Regierung in allen Einzelheiten erläutert wird. Ich kriege zu viel und überspringe Absätze, wenn mir seitenweise die zerstörte Szenerie geschildert wird. Und bei allzu ausführlichen Kampfszenen verdrehe ich schnell die Augen, wenn mir jeder einzelne Schlag eines Schwerts oÄ beschrieben wird.
Genau das tut “MUC” nicht, und trotzdem konnte ich mir alles problemlos vorstellen. Außerdem hat Langeweile so keine Chance, denn es ist einfach immer etwas los, wenn man sich nicht erst durch ewig lange Beschreibungen ackern muss. In “MUC” steckt Abwechslung und Tempo, es ist nie so niederschmetternd depressiv wie so viele andere finstere Zukunftsvisionen, und hat trotzdem alles, was zu einer Geschichte dieser Art gehört. Das fand ich toll!
Pia mochte ich auf Anhieb und ich fand es spannend, wie sie sich nach MUC durchkämpft. Sie beweist dabei Mut und Durchhaltevermögen. Solche Eigenschaften gefallen mir. Ihre Erlebnisse auf der Reise sind aufregend und manchmal auch ein wenig gruselig. Man spürt dabei schon, dass etwas ganz Schreckliches vorgefallen sein muss, damit die Welt nun so aussieht. Ich war neugierig, was passiert sein könnte, und die Erklärung später war ganz nach meinem Geschmack.
Natürlich entspricht MUC keineswegs Pias Vorstellungen, das ahnt man als Leser bereits von Anfang an. Die Stadt ist lebensgefährlich und die Schilderung lässt einen manches Mal schaudern. Wie es Geschichten dieses Genres an sich haben, steckt hinter all dem Elend natürlich eine diktatorische Regierung. Das ist nichts Neues, das gehört in diesem Genre schon quasi zum guten Ton.
Doch erstens wird sich damit nicht unnötig ausführlich befasst und zweitens ist Pias Leben und das ihrer neuen Freunde in MUC durchaus nicht so schlecht. Zwar müssen sie um vieles kämpfen und sich ab und zu als Dieb betätigen, aber allzu viel Anlass zum Jammern gibt es für das Völkchen meist nicht. Da mir dieses Gejammere in so vielen anderen Geschichten dieser Art einfach nur auf den Keks geht, hat mich das hier ehrlich gefreut. Man weiß doch, dass es trotzdem kein Luxusleben ist. Da muss man nicht noch ewig drauf rumreiten.
Wird sich Pia in MUC zurechtfinden und einleben? Und wird sie ihren Bruder finden, der vor Jahren dorthin aufgebrochen ist? Das verrate ich hier natürlich nicht. Aber es macht Spass, mit ihr in MUC unterwegs zu sein und zu verfolgen, wie sie versucht, sich mit der Situation zu arrangieren. Gewisse Vorfälle sorgen für Spannung und auch auf eine kleine Lovestory muss man nicht verzichten. Wie das vor all dem Elend möglich ist, das müsst ihr dann schon selber nachlesen.
Mir jedenfalls hat das Ende -nicht nur das der Lovestory- wirklich prima gefallen, und das will etwas heißen, weil ich sonst mit solchen Geschichten nichts mehr anfangen kann. Beeindruckend, dass es da doch noch eine Geschichte geschafft hat, mich zwei Abende so gut zu unterhalten!
Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört: wieso muss Aela so einen Elfennamen haben?! Kaum fiel dieser Name zum ersten Mal, da brach meine “Herr der Ringe”- und Elfenallergie voll aus. Wenn mich etwas daran erinnert, dann ist es einfach vorbei bei mir.

Anfangs liest sich das Buch nicht ganz so leicht wie später. Das liegt einfach daran, dass Pia sich halt nicht unbedingt mit sich selber unterhält. Aber man sollte sich nicht von den dicht beschriebenen Seiten abschrecken lassen. Die Geschichte ist auch hier schon angenehm leicht und unterhaltsam geschrieben. Es wird nie anstrengend. Als Pia später auf Menschen trifft und Dialoge geführt werden, da fällt das Lesen dann ganz wunderbar leicht. So möchte ich lesen.

Dass es im Jahre 2120 nicht gerade rosig auf der Welt aussieht, dass verraten schon die dunklen Wolken auf dem Cover. Ein düsterer Blick in die Zukunft, ein düster gehaltenes Cover. Das passt zusammen. Auf München weisen die Kirchtürme hin. So weiß jeder, um welche Stadt es sich hier dreht. Auch jemand, der mit dem Kürzel für die Stadt sonst nichts anzufangen weiß. Beonders gut gefällt es mir, dass auch die Innenseite des Covers und der rückwärtigen Deckels in diesem Stil gestaltet sind.

Fazit:  Ich hatte es ehrlich nicht erwartet, aber diese Dystopie hat mir von vorne bis hinten gut gefallen. Sie bringt alles mit, was eine Geschichte dieser Art braucht, ohne dass man sich dabei in irgendeiner Hinsicht durch ewig lange Erläuterungen und Schilderungen quälen muss. Und trotzdem ist “MUC” interessant, spannend und unterhaltsam. Gäbe es mehr Bücher mit finsteren Zukunftsvisionen dieser Art, wäre mir das Genre sicher nicht dermaßen verleidet worden, wie es den üblichen Verdächtigen gelungen ist.


Titel:  MUC
Autor: Anna Mocikat
Seiten:  368
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426515402
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

So finster, so kalt (Diana Menschig)

sofinstersokaltAls Merle Hänssler nach dem Tod ihrer Großmutter in deren einsam gelegenes Haus im Schwarzwald zurückkehrt, findet sie im Nachlass ein altes Dokument. Darin berichtet ein gewisser Johannes, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte, über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta. Merle tut diese Geschichte zunächst als Aberglaube ab. Doch dann passieren im Dorf immer mehr unerklärliche Dinge: Kinder verschwinden, und auch das alte Haus selbst scheint ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Langsam, aber sicher beginnt Merle sich zu fragen, ob an Johannes’ Erzählung mehr dran ist, als sie wahrhaben wollte.

Mit diesem Buch habe ich eine Überraschung erlebt, die mich kalt erwischt hat. Der Klappentext klang sehr interessant und auf dem Cover steht lediglich “Roman”. Anhand dieser Kombination hätte ich nie darauf getippt, dass sich eine Fantasygeschichte zwischen den Deckeln verbirgt. Entsprechend groß war mein Erstaunen auf der Lesung. Zumal Fantasy nicht mein liebstes Genre ist. Doch so leicht lasse ich mich nicht abschrecken. Ab und zu klappt es schließlich auch mit der Fantasy und mir.
Das Buch beginnt ungewöhnlich mit einem Auszug aus dem Märchen “Hänsel und Gretel” und einen Rezpt für Lebkuchenmännlein (ich konnte mich die ganze Geschichte nicht mit den “Männlein” anfreunden. Für mich heißt das “Lebkuchenmännchen”. Das ist regional scheinbar sehr verschieden.) Anschließend lernt man Merle kennen, und ich stellte fest, dass weibliche und erwachsene Hauptfiguren etwas sind, an das ich mich erst gewöhnen musste. Dafür bin ich wohl zu oft im Jugendbuchbereich unterwegs. Merle wurde mir aber leicht sympathisch. Ich mochte ihre direkte und selbstbewusste Art und die realistische Sichtweise, wodurch Übersinnliches bei ihr zunächst überhaupt keine Chance hat.
Kaum macht die Nachricht vom Tod von Merles Großmutter die Runde, werden bereits die ersten verdächtigen Bemerkungen laut. Beispielsweise, dass man das alte Haus der Großmutter nicht alleine lassen dürfe! Ein Haus? Das klingt seltsam, geradezu bedrohlich. Als ginge von dem Haus eine Gefahr aus! Das hat mich dann schon neugierig gemacht.
Merles erste Nachforschungen rund um ihre Großmutter, das Haus und das Dorf fand ich ganz spannend. Auch wenn Merle es nicht wahrhaben will, so spürt man recht schnell, dass es mit diesem Haus tatsächlich etwas Besonderes auf sich hat. Außerdem kommen Begebenheiten aus der Vergangenheit ans Tageslicht, die einen durchaus schaudern lassen. Das verstärkt sich dann nochmal, als auch im Hier und Heute Kinder aus dem Dorf verschwinden, und selbst bei großangelegte Suchaktionen nicht aufgefunden werden.
In der Geschichte gibt es regelmäßig Kapitel, die weit in der Vergangenheit spielen. So um Fünfzehn-, Sechzehnhundert herum. Sie drehen sich um Hans, dessen Leben -dem Märchen “Hänsel und Gretel” gemäß- schon recht unerfreulich begann. Doch das Unglück seiner Kindheit verfolgt ihn bis ins Erwachsenenalter hinein und bringt so manch schaurige Ereignisse mit sich.
Ich habe durch diese Kapitel schnell versucht, Zusammenhänge mit dem Geschehen im Dorf im Heute herzustellen. Als Leser ist man Merle da ein Stückweit voraus. Sowas macht mir normalerweise immer Spass, allerdings stand mir hier dabei meine Abneigung gegenüber allem von anno Schnuff im Wege. Mir liegen Geschichten einfach nicht, die so weit in der Vergangenheit spielen. Daher war es nicht ganz so vergnüglich wie es bei Krimis oft ist. Nichtsdetotrotz ist es natürlich eine klasse Idee, Hänsels Leben auch nach dem Knusperhäuschen näher zu beleuchten. Man kennt es ja sonst nur bis zu diesem Punkt bzw kurz danach. Obendrein sorgt es noch für manche gruselige Szene!
Das Ende schöpft fantasymäßig dann aus dem Vollen. Kinder pflücken quasi. Mir ging das schon wieder eine Spur zu weit in Sachen Fantasy, aber wer Fan dieses Genres ist, der dürfte sich bestens unterhalten fühlen. Eine tolle Idee ist es ja, daran gibt es keinen Zweifel.

Dadurch dass die Kapitel bei Hans nicht so mein Fall waren, zogen sich diese Teile für mich ziemlich. Das hat meinen Lesefluss oft ausgebremst und ich habe an einem Abend nicht so viel gelesen wie ich hätte lesen können, wenn die Handlung stets bei Merle geblieben wäre. Die Kapitel mit Merle dagegen lasen sich flüssig und vergnüglich. Diesen Teil habe ich gerne gelesen.

Vom Cover war ich auf den ersten Blick angetan. So schön düster und geheimnisvoll mit dem Häuschen dort im Wald und der nebligen Szenerie. Das verheißt eine spannende und schaurig-schöne Geschichte. Das beleuchtete Fenster lässt vermuten, dass dort jemand wohnt, und ich war sofort neugierig, wer das sein könnte.

Fazit:  Dass “So finster, so kalt” eine Fantasygeschichte ist, hat mir ziemlich überrascht. Fantasy ist nicht gerade mein Genre. Das habe ich auch hier wieder gemerkt. Dennoch fand ich die Geschichte spannend und sie hat ihre gruseligen Momente. Zudem ist es generell eine klasse Idee, ein Märchen in solch einer Story nochmal aufzubereiten und mit allerlei Grauen anzureichen. Wer also mit Fantasy mehr anfangen kann als ich, der dürfte von dem Buch restlos begeistert sein. Von mir gibts wegen der Fantasyelemente einen Punkt Abzug.


Titel: So finster, so kalt
Autor: Diana Menschig
Seiten: 384
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426514931
Preis: 8,99 (TB)

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