Krieg

Sherlock Holmes – Die neuen Fälle (21) – Der ehrlose Löwe

Titel: Sherlock Holmes – Die neuen Fälle (21) – Der ehrlose Löwe / Verlag: Romantruhe Audio / Spielzeit: ca. 66 min / Sprecher: Christian Rode, Michael Pink, Bern Vollbrecht ua

newholmes21Inhalt: Emily Napier weiß nicht mehr ein noch aus und sucht Hilfe in der Baker Street 221b. Diesmal jedoch gilt der Ruf nicht Sherlock Holmes, sondern dem überraschten Dr. Watson. Als er hört, dass das Leben von Miss Napiers schwer verletztem Bruder am seidenen Faden hängt, zögert er keine Sekunde. Doch wie kann das sein? Immerhin wird der Verunglückte vom Chefarzt des St. Thomas Hospital höchstpersönlich behandelt. Während Dr. Watson sein ganzes Können in die Waagschale werfen muss, erkennt Holmes, dass hinter der Sache weit mehr steckt als zuerst angenommen.


Heute wenden wir uns einer ebenfalls schwer vernachlässigten Reihe zu. Dabei mag ich diese Holmes-Reihe sogar gerne, was ich wirklich nicht von jedem Holmes sagen kann.
Überraschenderweise ist hier jedoch nicht Holmes derjenige, der gefragt ist, sondern Watson! Da er mir ohnehin meist zu kurz kommt, hat mir das schon mal sehr gut gefallen! Immerhin ist er mehr als Holmes’ Chronist und derjenige im Team, dem der Meister ständig etwas erklären muss. Watson ist Arzt und auf diese Tatsache stützt sich dieser neue Fall. Nach Watsons Diagnose an Miss’ Napiers Bruder ist man genau wie er entsetzt und empört. Und schon hat einen die Geschichte am Schlafittchen.
Dass es damit aber nicht getan ist, dürfte klar sein. Schon bald wittert Holmes, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Er und Watson nehmen die Fährte auf und geraten dabei in manch gefährliche Situation. Und die Erkenntnisse, die sie nach nach erlangen, deuten auf eine wirklich ganz große Schweinerei hin. Das erfordert dann auch mal Maßnahmen, die nicht mehr ganz so legal sind. Da kann man nun geteilter Meinung sein, ob einem Holmes so etwas steht, oder nicht. Ich fand es gut. Es bringt frischen Wind hinein und das kann einer Story um den Meisterdetektiv niemals schaden!

Bei den Sprechern ist mir besonders Michael Pink aufgefallen. Er lässt Inspektor Dash sehr sympathisch und umgänglich klingen und legt auch eine feine Spur Humor in seine Stimme. Lena Taege habe ich -soweit ich mich erinnere- hier zum ersten Mal gehört und auch sie hat mir gefallen. Die Verzweiflung der jungen Miss Napier bringt sie glaubhaft an den Hörer. Und Bernd Vollbrecht versteht es, den Arzt Valentine passend arrogant und aufbrausen rüberkommen zu lassen.

Die Musik hält sich in dieser Reihe ja meistens eher dezent im Hintergrund und fällt mir oft nur dadurch auf, dass sie den Szenen das nötige Flair verleiht. Und damit gelingt ihr auf zurückhaltende Art und Weise genau das, was ihr Sinn ist.

Aus dem Covermotiv werde ich nicht schlau, auch nicht beim x-ten Anschauen. Ein blutender Mann, okay. Aber wieso hängt der in der Luft? Und soll das Feuer sein am Rand? Wer mir das erklären kann, darf das gerne in den Kommentaren tun. Da hätte es klar eindeutigere Szenen in der Geschichte gegeben, die man als Motiv hätte nehmen können.

Fazit: Eine sehr spannende Geschichte, die mal auch Watson klar ins Zentrum rückt. Das hat mir ganz besonders gut gefallen. Das dürfte gerne häufiger vorkommen. Es rückt Holmes keineswegs in die zweite Reihe. Aber es zeigt, dass Watson deutlich mehr ist als des Meisters Freund und Chronist.

Skulduggery Pleasant (09) – Das Sterben des Lichts (Derek Landy / Rainer Strecker)

Titel: Skulduggery Pleasant (09) – Das Sterben des Lichts / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: / Buch: Derek Landy / gelesen von: Rainer Strecker

pleasant09Inhalt: Der Krieg der Sanktuarien ist beendet. Doch der Kreis der Freunde um Skulduggery ist kleiner geworden und Walküre ist verschwunden. An ihrer Stelle kämpft ihr Spiegelbild an Skulduggerys Seite. Aber es hat etwas entwickelt, das ein Spiegelbild niemals verspüren darf: Gefühle. Derweil steht die ganze Zaubererwelt unter Spannung, denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Darquise zurückkehrt.


Oh, wie habe ich mich vor diesem letzten Band dieser grandiosen Reihe gefürchtet! Ich habe mich an das Hörbuch lange nicht herangetraut aus Angst, meine Befürchtungen bestätigt zu bekommen. Nun habe ich es aber doch endlich gehört.
Und im Nullkommanichts waren meine Sorgen wie weggepustet. Denn eines muss man diesem Band lassen: an Tempo, Action und Spannung setzt er gegenüber seinen Vorgängern nochmal eine ganze Schippe obendrauf. Ständig passiert etwas, tun sich neue Erkenntnisse und Wendungen auf und ständig muss man um seine Lieblingsfiguren bangen. Immerhin wäre es ja nicht das erste Mal, dass Derek Landy beliebte Charaktere über die Klinge springen lässt. Ich hatte also gar keine Zeit und Gelegenheit, mir die ganze Zeit Gedanken um meine eine ganz große Angst zu machen.
Hin und wieder gibt es natürlich auch hier wieder etwas zum Lachen. So ganz ohne Humor wäre eine Pleasant-Geschichte für mich kaum denkbar. Das lockert dann wieder ein bisschen auf, was hier ehrlich gut tut. Denn soviel ist klar, an Kämpfen herrscht hier keinesfalls ein Mangel. Und die sind mitunter wirklich sehr brutal und blutig.
Als besonders bemerkenswert empfinde ich es, dass es Derek Landy  tatsächlich gelungen ist, jegliche Handlungsstränge und Ereignisse in diesem finalen Band schlüssig zusammenlaufen zu lassen. Bei einer solch komplexen Handlung, so einer vielseitigen Welt und solch illustren und verschiedenen Figuren ist das wahrlich eine reife Leistung.
Ob sich meine Angst bestätigt hat, werde ich hier jetzt natürlich nicht verraten. Einige meiner Leser hier kennen mich gut genug um alleine von einem “Ja” oder “Nein” schon etwas ableiten zu können 😉

Rainer Strecker brilliert natürlich auch in diesem Teil der Reihe. Er verleiht der Erzählung die nötige Düsternis und hat für jede Figur eine markante Stimme auf Lager. Bei der Vielzahl an Charakteren eine beeindruckende Leistung, die trotzdem nie bemüht klingt. Es fällt mir nach dieser Serie wirklich schwer zu glauben, dass ich mich nochmal auf ein anderes Hörbuch mit ihm als Sprecher werde einlassen können. Für mich ist er einfach die Stimme der Pleasant-Reihe.

Wie schon die vorigen Bände zieht auch das Finale in einer schicken und edlen Box ins Regal ein. Das Covermotiv lässt sehr viel Raum für Spekulationen. Ich finde, es wirkt wirklich endgültig. Einerseits gefällt mir das, weil ich voll und ganz dafür bin, dass Reihen -selbst wenn sie noch so gut laufen- ein festes Ende haben. Andererseits hat mir das Motiv auch wirklich Angst gemacht.

Fazit: Rundum ein würdiges Finale für diese großartige Reihe! Hier wird wieder alles geboten, was bisher so gut gefallen hat: Spannung und Action, dass man sich beim Fingernägelknabbern erwischt. Humor, dass man Tränen lachen muss. Und ein absolut schlüssiges Ende, was einfach nur beeindruckend ist. Diese Serie wird immer zu meinen absoluten Favoriten gehören.

Skulduggery Pleasant (08) – Die Rückkehr der toten Männer (Derek Landy / Rainer Strecker)

Titel: Skulduggrey Pleasant (08) – Die Rückkehr der toten Männer / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: 840 min, 10 CDs / Buch: Derek Landy / gelesen von: Rainer Strecker

pleasant08Inhalt: Es herrscht Krieg! Doch diesmal ist es der Hohe Rat selbst, die Vereinigung aller Sanktuarien der Welt, der sich gegen die Iren wendet. Denn Irland ist eine Quelle der Magie und das weckt Begehrlichkeiten. Und so kämpfen nun Zauberer gegen Zauberer in einem sinnlosen Bruderkrieg, während im Verborgenen Hexen und Warlocks nur darauf warten, die Zauberergemeinschaft an ihrer verwundbarsten Stelle zu treffen. Aber Irland hat eine Geheimwaffe – die Toten Männer. Jene unerschrockene Truppe von Helden um Skulduggery Pleasant, die schon gegen Mevolent gekämpft haben. Und mitten unter ihnen ein neues Mitglied: Walküre Unruh, Skulduggerys erwachsen gewordene Gefährtin. Niemand ahnt, dass Walküre selbst die größte Zerstörung bringen wird .


Die Serie befindet sich auf der Zielgeraden. Diese Folge ist der vorletzte Teil. Ich finde es zwar bedauerlich, weil ich die Reihe einfach total genial finde, andererseits bin ich aber auch froh. Jede Serie sollte ein Ende finden, statt -wie so viele- ewig fortgesetzt zu werden bis sie letztlich nur noch vor sich hin dümpeln.
Walküre ist über die einzelnen Bände hinweg älter und reifer geworden, und genau wie sie ist die Reihe Band für Band spürbar erwachsener geworden. Ich habe diesen Band als merklich ernsthafter und noch einen ganzen Tacken düsterer und unheimlicher empfunden als seine Vorgänger. Und die waren auch nicht von schlechten Eltern. Doch das gehört zu dieser Geschichte, denn die ist nun mal alles andere als ein magischer Spielplatz. Da dürfen viele Szenen mit Recht drastisch ausfallen. Es herrscht nun mal Krieg in der magischen Welt und im Krieg wird nicht mit Federkissen geworfen. Das ist halt so.
Action wird also einmal mehr massig geboten und auch für Spannung abseits der Kampfplätze ist gesorgt.
Ich wusste manchmal gar nicht mehr, wem ich überhaupt noch trauen kann. Immer wieder offenbaren bisher als “gut” eingeschätze Figuren eine dunkle Seite, und umgekehrt natürlich auch. Man muss hier schon sehr fein aufpassen, ansonsten ist man schnell raus. Ich bewundere es, wie Derek Landy es geschafft hat, in einem Universum mit so vielen Figuren einen so guten Überblick zu behalten, und wie er selbst im achten Band noch an Ereignisse aus vorigen Bänden anknüpft um ein neues Bild davon zu gestalten. Was die Charaktere angeht, ist man mit den Hörbüchern übrigens klar im Vorteil, denn hier gibt es ein Glossar der Figuren. Das wäre bei den Büchern ebenfalls schön gewesen.
Ich weiß, oben habe ich noch geschrieben, dass Krieg nun mal nichts Lustiges ist, trotzdem hat mir der typische Humor der Serie in diesem Band etwas gefehlt. Er gehört für mich zu Skulduggery und Walküre, daher schmerzt es schon etwas, dass man ihn hier nicht im gewohnten Maße antrifft.
Nun bin ich auf das Finale gespannt. Es fällt schwer zu glauben, dass alles noch zu einem wirklich guten Ende finden wird. Und irgendwie habe ich auch ein paar Zweifel an der Schlüssigkeit des Endes. Doch insgesamt vertraue ich Derek Landy, dass er die Fans nicht mit einem halbgaren letzten Teil abspeisen wird.

Rainer Strecker greift die düstere Stimmung dieses Teils sehr gut auf. Alles andere hätte mich auch gewundert, wo er uns doch bereits sieben Bände mehr als gekonnt vorgelesen hat. Er ist eine gute Hilfe, sich im Figuren-Dschungel zurecht zu finden. Ohne die “Pleasant”-Reihe hätte ich wohl nie so viele Hörbücher mit ihm gehört. Daher ist er inzwischen die Stimme, die mich sofort zu Skulduggery, Walküre und den anderen versetzt.

Gäbe es nicht schon das Cover zum neunten Band (auf Englisch), dann wäre wohl das Covermotiv dieses Teils das Schlimmste und Beängstigendste der ganzen Serie. Man macht sich sofort Sorgen, was mit Walküre los ist, so wie sie in Pleasants Armen liegt. Und er schaut auch nicht gerade fröhlich auf sie herab. Im Hintergrund steht etwas in Flammen, was ebenfalls Unheil erahnen lässt. Auch dieses Mal ziehen die CDs in einer super schönen Box ins Regal ein.

Fazit:  Speziell nach diesem Band fällt es schwer, noch an ein gutes Ende der Reihe zu glauben. Es tut sich unglaublich viel. Mancher ist nicht mehr der, für den man ihn gehalten hat, liebgewonnene Figuren sterben und die Atmosphäre ist durchgängig düster, bedrohlich und beängstigend. Ich fiebere auf das Finale hin!

Mark Brandis – Raumkadett (04) – Hinter den Linien

Titel: Mark Brandis – Raumkadett (04) – Hinter den Linien / Verlag: Folgenreich / Spielzeit: ca. 49 min / Sprecher:

brandisjunior04Inhalt: Zwischen der neugegründeten Union und den asiatischen Republiken herrscht Kalter Krieg. Der junge Mark Brandis bekommt die Gelegenheit, bei einem Grenzpatrouillenflug dabei zu sein. Alba Bravo, die Pilotin des Zweimannjägers, ist schnell und furchtlos. Als sie verfolgt werden, glaubt Mark noch, alles sei unter Kontrolle. Doch plötzlich versagen die Systeme, und die beiden müssen abspringen 50 Kilometer hinter der Grenze.


Kaum hat Mark Brandis Junior den unfreiwilligen Sprung aus was weiß ich wie vielen Metern Höhe verkraftet, muss er schon wieder von einem Fluggerät abspringen. Das scheint in Brandis Ausbildungszeit wohl sein Schicksal gewesen zu sein. Allerdings stürzt er dieses Mal nicht ins Meer, sondern hinter die Grenze zum Feindesland.
Man könnte denken, dass es dort nun so richtig rund geht und Brandis und die Pilotin gleich mehrfach in lebensgefährliche Situationen geraten, doch davon ist hier reinewegs nichts zu spüren. Wirklich spannende Momente sucht man vergebens. Hier und da wird es zwar mal brenzlig, aber ich hatte nie das Gefühl von Dramatik. Vielleicht, weil mir Pilotin Alba Bravo eine Spur zu abgebrüht und cool vorkam. Bei solch einer Figur geht man halt nicht davon aus, dass ihr irgendwas ernsthaft etwas anhaben könnte. Und so jemand passt natürlich auch noch problemlos auf einen Kadetten wie Brandis auf. Was soll das schiefgehen?
Auf die politischen Hintergründe des Krieges wird hier nicht nennenswert eingegangen. Ich bin zwar absolut kein Fan von Politik, aber es hätte der Story womöglich zu mehr Tiefgang verholfen und Interesse an den Vorgängen zwischen der Union und den Republiken geweckt. Vielleicht hätte man über diese Schiene noch etwas rausholen können.
Das Ende hat dann zum Glück noch eine schöne Wendung in petto, die ich absolut nicht hatte kommen sehen. Das hat ein kleines bisschen Boden gut gemacht für die Geschichte.
Übrigens beweist eine Szene gegen Ende nur zu gut, dass in Mark Brandis bereits als Jugendlicher ein kleiner Heiliger gesteckt hat. Der ist offenkundig mit ihm mitgewachsen und zu dem großen Heiligen geworden, über den ich beim erwachsenen Brandis gerne mal genervt stöhne.

Den Sprechern kann man nichts vorwerfen. Manja Doerings markante und kräftige Stimme vermittelt ein gutes Bild der energischen Pilotin. Und auch Daniel Claus kann einmal mehr als junger Brandis glänzen. In dieser Folge beweist er vor allem, dass er dem Hörer verschiedenste Gefühle glaubhaft vermitteln kann.

Die eingesetzte Musik ist wie gewohnt sehr gut ausgewählt und verleiht gewissen Szenen quasi den letztem Schliff. Die Geräusche können sich ebenfalls hören lassen und haben mir speziell das Geschehen im Dschungel anschaulich gemacht.

Das Covermotiv verspricht ganz klar mehr Spannung und Action als die Geschichte sie nachher bietet. Dennoch, beim Kauf weiß es so auf sich aufmerksam zu machen, da bin ich sicher. Die felsige Landschaft und die finsteren Gestalten macht schon etwas her.

Fazit:  Da wäre mehr drin gewesen, da bin ich mir sicher. Langeweile kommt zwar nicht gerade auf, aber echte Spannung eben leider auch nicht. Während man in Sachen Sprecher und Musik / Geräusche gut mit der erwachsenen Brandis-Reihe mithalten kann, dürfte in Sachen Story gerne noch ein Schippchen draufgelegt werden. Eine eher mäßige Folge der Reihe.

Partials 01 – Aufbruch (Dan Wells)

partials01Den Krieg gegen die Partials, künstlich erschaffene Menschen, haben nur wenige tausend echte Menschen überlebt. Die 16-jährige Kira begibt sich mit einer Gruppe Verbündeter nach Manhattan, ein Gebiet, das die übermächtigen Partials beherrschen. Und dabei entdeckt sie, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Partials vor dem Untergang stehen – und beide mehr gemeinsam haben, als sie ahnten. Die letzten Menschen haben sich nach einer verheerenden Katastrophe nach Long Island, vor die Tore Manhattans, zurückgezogen. Die Partials, übermächtige Krieger, die einst von den Menschen erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten, bedrohen die Überlebenden. Und eine unheilbare Seuche fordert ihre Opfer. Die sechzehnjährige Kira setzt alles daran, einen Weg zu finden, die Krankheit zu heilen. Doch dieser Weg führt sie nach Manhattan, mitten in das Gebiet der unheimlichen Partials. Und was sie dort entdeckt, wird nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal aller Geschöpfe auf unserem Planeten verändern.

Obwohl ich nicht mehr allzu viel für Dystopien übrig habe, war ich auf diese hier seit dem ersten Sehen neugierig. Dabei könnte ich nicht mal sagen, weshalb eigentlich. Am ehrlichsten wäre noch zu sagen, wegen dem schönen Cover. Was ja auch ein guter Grund ist 😉
Insgesamt hat mich mein Riecher für gute Bücher auch in diesem Falle nicht getäuscht. “Partials 01” hat mir gefallen, hat aber auch ein paar Schwächen. Doch der Reihe nach. Zum Ersten haben mir die Rahmenbedingungen zugesagt. Natürlich, es ist irgendwann in der Zukunft, die Welt wie wir sie kennen existiert nicht mehr, es gab einen Krieg und ein Häuflein Menschen versucht angestrengt so etwas wie ein normales Leben zu führen. Und ein Regime mit radikalen Regeln darf selbstverständlich auch nicht fehlen bei einem Buch dieses Genres. Es ist also alles da, wo ich normalerweise abwinken würde. ABER diese Menschen führen tatsächlich so etwas wie ein normales Leben. Sie wohnen in Häusern, sie müssen ihr Essen nicht erst erlegen und es gibt immer noch -wenn auch verfallen- Erinnerungen an die Welt, wie sie vorher war. Beispielsweise an Einkaufszentren. So halte ich solche Geschichten gut aus. Und Kira und ihre Freunde sind zwar erwachsener als Teenger heute, aber es gibt immer wieder Szenen, in denen sie eben genau das sind. Teenies mit einem Faible für Partys und Klamotten. Eine Dystopie, die nicht in der neuen Steinzeit spielt. Davon war ich ehrlich begeistert!
Mit den Charakteren wurde ich ebenfalls schnell warm. Eben weil sie immer noch ein Stück weit ganz normal sind. Andererseits zwingt ihr Leben sie, früh erwachsen zu werden. Und so haben bereits einige von ihnen richtige Jobs. Die einen beim Militär, manche als Assistentin der Regierung, und Kira und ihr Freund Marcus gehören zur Sanitätsgruppe. Zudem arbeitet Kira als Praktikantin im Krankenhaus. Und da hat sie echt schon was auf dem Kasten! Ich habe mich allerdings schon gefragt, woher sie alle ihre Kenntnisse hat. Sie wirkt häufig wie eine ausgebildete Wissenschaftlerin / Medizinerin. Das erschien mir etwas unwahrscheinlich. Da ich aber für Medizinisches in Büchern ein ausgeprägtes Faible habe, konnte ich das gut verdrängen. Und es gibt einige Passagen, in denen es medizinisch zugeht. Übrigens auch in dieser Hinsicht doch recht modern was die Technik und die Methoden angeht! Wie schön: keine medizinischen Maßnahmen mit selbstgepflückten Kräutern, oder sowas! Da habe ich mich nochmal verstanden gefühlt!
Es gibt aber natürlich ein großes Problem in Kiras kleinem Ort. Kein Kind, das geboren wird, überlebt länger als ein paar Minuten. Sie fallen sofort einem Virus zum Opfer, das unweigerlich tötet. Es stammt von den Partials, die die Menschen einst als Arbeiter selbst erschufen, die sich dann aber gegen sie wendeten. Sie setzten den Virus aus. Die einzige Gegenmaßnahme der Regierung besteht darin, die Mädchen schon möglichst früh dazu zu verdonnern, Kinder zu bekommen. Immerhin könnte ja doch mal eines überleben und dann ginge es wieder bergauf. Als Kiras Freundin schwanger wird, reicht Kira das Warten nicht mehr! Sie hat eine Idee, wie man dem Virus auf den Grund gehen kann. Und die führt aus der Stadt hinaus in’s fast verlassene Manhattan. Das Gebiet, in dem es Partials gibt.
Auch bei dieser “Expedition” hat Dan Wells einen Spagat geschafft, der dafür sorgte, dann ich gut mit den Schilderungen der endzeitlichen Gegend klar kam. Einfach, weil zB Manhattan erwähnt wird, das es heute ja gibt. Oder auch, weil gelegentlich mal ein Laden erwähnt wird. Der ist zwar in Kiras Welt verfallen, aber er bietet eine Verbindung ins Heute. Und das brauche ich in solchen Geschichten.
Ab dieser Expedition legt die Geschichte merklich an Spannung, Action und Tempo zu. Ich fand es spannend, mit der Truppe durch Manhatten zu streifen, mir haben auch die Szenen mit den Kämpfen und Schießereien gefallen (Jugendbuch hin oder her, immerhin herrschte Krieg zwischen den Menschen und Partials) und zuletzt -und in erster Linie- hat mir der Erfolg der Gruppe zugesagt. Sie bringen nämlich einen Partial mit in die Stadt, und Kira soll ihn untersuchen. Da ich mir die Partials bis dahin als so eine Art Roboter vorgestellt hatte, gefiel es mir, als was dieser eine sich herausstellt. An ihm ist etwas Besonderes, mit dem niemand gerechnet hätte. Jedenfalls gab es wieder viele Untersuchungen, medizinische Überlegungen und Theorien, dafür nehme ich dann auch ein paar Kapitel in einer halbtoten Welt in Kauf. Und die Entdeckung, die Kira an “ihrem” Partial macht, war ebenfalls nach meinem Geschmack. Und nein, keine Sorge, es ist nichts Romantisches! Wobei, wenn es nach mir gegangen wäre…naja 😉
So ingsesamt hat mir die Geschichte also prima gefallen. Knackpunkt war eben einmal  die Glaubwürdigkeit von Kiras Können, wo sie doch gerade erst drei Monate als Praktikantin im Krankenhaus arbeitet, zum Zweiten fand ich aber auch, dass ihr Vieles zu leicht fällt. Egal, welche Ideen sie hat, nach recht kurzem Protest zB der Regierung, setzt sie letztlich ihren Willen durch. Hallo? Kira ist gerade mal sechzehn Jahre alt! Früher erwachsen werden, hin oder her! In dieser Hinsicht ließ meine Spannung also schnell nach. Es war eh klar, dass sie letztlich alles erlaubt bekommt.
Ohne einen kleinen Schuss Romantik kommt aber kaum ein Jugendbuch aus. Der ist also auch hier vorhanden. Kira hat einen Freund, Marcus, und ihr Miteinander ist oft nicht leicht, dann aber auch wieder schön. Aber es kommt halt ohne jeglichen Kitsch aus.

Ich hatte das Buch an drei Abenden ausgelesen. Es ist leicht geschrieben. Zwar gibt es immer mal wieder ausführlichere erklärende Passagen, aber sie sind nie zu lang und so bestand keine Gefahr, dass ich abschaltete. Dafür gibt es immer wieder auch Dialogszenen, die auflockern und sich einfach flotter lesen lassen. Die Kapitel haben eine ordentliche Länge. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Da schmökert man sich schnell mal durch mehrere Kapitel hindurch.

Wie gesagt gefällt mir das Cover unheimlich gut. Ich mag die kräftigen Farben total gerne, und ich bin hocherfreut, mal nicht einfach ein Frauengesicht als Motiv zu sehen. Die Skyline der düsteren Stadt erinnert sehr an das heutige Manhatten, und das Mädchen dreht dem Leser den Rücken zu, statt ihn geheimnisvoll anzuschauen. Auf der Rückseite wendet sie einem das Gesicht zwar zu, doch der Blick ist nach oben gerichtet. Und wenn man so will, dann trägt es eine äußerst moderne Jacke! Es könnte also ein Mädchen aus dem Heute sein.

Fazit: Ich fand es recht unglaubwürdig, was Kira als Praktikantin so alles auf dem Kasten hat. Und was ihre Pläne angeht, war für mich schnell die Spannung raus, weil sie letztlich doch immer ihren Willen durchsetzt. Davon abgesehen hat mir dieser erste Teil aber gefallen, weil Kiras Welt zwar vor dem Abgrund steht, vieles aber doch noch sehr modern wirkt, und es sogar Bezüge zu unserer Welt heute gibt. Das liegt mir einfach mehr als diese Steinzeit-Dystopien! Ich fand Kiras Entdeckungen und Nachforschungen interessant (kleiner Medizin-Thriller-Fan, der ich bin) und auch spannend. Und so bin ich schon sehr neugierig darauf, wie es mit der Reihe weitergeht.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Aufbruch – Partials 01
Autor: Dan Wells
Seiten: 512
Verlag: Piper ivi
ISBN: 978-3492702775
Preis: € 16,99 (HC)
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