Lauren Oliver

Panic – Wer Angst hat, ist raus (Lauren Oliver)

PANIC verändert alle(s). Heather hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. Dodge war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

Vor längerer Zeit hatte mir Lauren Olivers “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” so gut gefallen, dass ich “Panic” einfach lesen musste. Natürlich in der Erwartung, noch einmal so begeistert zu sein.
Gelungen ist das “Panic” nur so semigut. Zunächst fand (und finde ) ich  die Idee, dieses Spiels wirklich genial. Natürlich, das Spiel ist lebensgefährlich und über jede einzelne Aufgabe für die Spieler kann ein vernünftig denkender Mensch nur entsetz den Kopf schütteln. Doch genau solche Extreme machen für mich oft das Besondere an einer Geschichte aus. Im Jugendbuchgenre ist das dann noch mal eine andere Liga und gewagt, aber im Vergleich zu “WDSZDGLADVSS” finde ich es nicht heikler. Darin geht es immerhin um ein sehr junges Mädchen, das stirbt. Das ist auch nicht ohne.
Spannung zieht “Panic” also einmal aus dem Spiel und den Aufgaben,  Da fiebert man schnell mit und ein bisschen Sensationsgier (wenn man es so nennen möchte) spielte bei mir da auch immer mit rein. Ich hatte immer die gespannte Frage im Hinterkopf, ob die nächste Aufgabe noch eine Schippe drauflegen würde.
Spannend ist aber auch das Leben der einzelnen Figuren und wie PANIC es beeinflusst. Keiner der Jugendlichen, die am Spiel teilnehmen, hat es leicht. Keiner von ihnen lebt im Luxus, ganz im Gegenteil. Viele haben alles andere als ein gutes Elternhaus. Jeder hat seine persönlichen Geheimnisse und Probleme. Und bei jedem einzelnen kann man nur allzu gut nachvollziehen, dass sie sich erträumen, mit dem Geldgewinn aus PANIC ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg dorthin ist mehr als steinig, denn je weiter es zum Ende hin geht, umso gefährlicher wird die Sache. Irgendeiner der Mitspieler scheint obendrein falsch zu spielen und bringt die anderen damit umso mehr in Gefahr.
Soweit war die Geschichte durchaus nach meinem Geschmack. Es gab dann aber doch zwei Knackpunkte, die dafür gesorgt haben, dass ich von “Panic” nicht allzu angetan bin. Diese Punkte sind sicher ein Stück weit Geschmackssache, aber das ändert die Sache an sich ja nicht.
Erstens bin ich mit keiner der Figuren richtig warm geworden. Dafür waren es zu viele und die Wechsel zwischen ihnen zu häufig. In der recht kurzen Zeit, die man für jede quasi bekommt, konnte ich mich mit keiner anfreunden. Natürlich, das Hauptaugenmerk liegt auf Heather, doch ich mochte sie deshalb nicht mehr als die anderen. Auch mit ihr bin ich nicht besonders gut Freund geworden. Und ich brauche bei einer Geschichte einfach mindestens eine Figur, die für mich etwas Besonderes ist.
Zweitens gefiel mir einfach das Umfeld der Kids nicht. Es ist mir klar, dass “Panic” in einer normalen oder gar guten Gegend und mit Jugendlichen, die keine echten Probleme im Leben haben, nicht funktionieren würde. Aber ab einem gewissen Maß Elend ist bei mir Schluss. Wenn alles nur noch traurig, trostlos, hoffnungslos istund die Figuren alle in Armut, Elend und zerrütteten Familien leben, dann ist das nicht mein Fall. Ich brauche wenigstens ab und zu einen Lichtblick oder wenigstens eine Figur, deren Leben nicht meilenweit von meinem eigenen entfernt ist.  Das macht es mir leichter, mich mit ihr zu identifizieren.
Ein kleiner Punkt noch zum Schluss: es gibt ein Element, das ich für absolut unglaubwürdig halte. In den USA ist sicher vieles möglich, aber das sich jemand diese speziellen Tiere dort auf einem Hof hält / halten kann, das bezweifele ich doch sehr

Mit fast jedem Kapitel springt man zwischen den Figuren hin und her. Das sorgt für Abwechslung und bringt Schwung ins Lesetempo. Sonderlich lang sich die Kapitel meistens auch nicht. So hat sich “Panic” trotz meiner Schwierigkeiten mit der Story und ihren Figuren doch ganz gut und fix lesen lassen.

Das Cover gefällt mir nachwievor richtig gut. Ich mag das kräftige Rot-Orange und dass man den Schemen des Mädchengesichts erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt. Es gibt also auch Möglichkeiten, ein Cover nicht mit einem Mädchengesicht quasi zu erschlagen. Das Schattenrissbild der Klippenspringer verrät bereits, weshalb die Spieler von PANIC sehr viel Mut brauchen.

Fazit: Die Idee des Spiels finde ich  genial und so (lebens)gefährlich die Aufgaben auch sind, cool fand ich sie doch. Weil Lauren Oliver damit im Jugendbuchgenre einiges wagt. Spannend sind die Aufgaben natürlich auch. Genauso wie die Frage, ob die Kids mit PANIC ihr Leben in neue, bessere Bahnen lenken werden. Mir war es aber in Summe zu viel Elend, zu viel Hoffnungslosigkeit. Ab einem gewissen Maß habe ich darauf irgendwann keinen Nerv mehr. So war es auch hier. Und durch die vielen Figuren und die schnellen Wechsel zwischen ihnen, konnte ich mich leider auch mit keinem wirklich anfreunden.

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Titel: PANIC – Wer Angst hat, ist raus
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 268
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551583291
Preis: €  8,99 (Broschiert) / € 17,99 (HC)

Rezension – Delirium [amor deliria nervosa] (Lauren Oliver)

Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals. Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll.

Ich stand diesem Buch zunächst sekptisch gegenüber. Einfach weil ich fürchtet damit entweder die x-te Dystopie oder eine kitschtriefende Erzählung (oder im schlimmsten Falle beides) in Händen zu halten. Allerdings hatte mir “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” von Lauren Oliver sehr gut gefallen. Deshalb bekam “Delirium” doch seine Chance.
Ganz sicher habe ich nicht damit gerechnet, dass ich das Buch innerhalb zweier (langer) Abende ausgelesen haben würde, weil es mich von der ersten Seite an nicht mehr losließ. Man muss dazu sagen, dass Lauren Oliver ihre düstere Zukunftsvision von einer neuartigen und ungewöhnlichen Warte aus startet.
Natürlich gibt es auch hier eine herrische Regierung, die über ihre Schäfchen wacht. Doch halten sie sie nicht mit Kämpfen oder Kriegen in Schach und stürzen sie so auch nicht in Hungersnöte oder absolute Armut. Nein, der Regierung in Lenas Welt ist sehr daran gelegen, zufriedene Bürger zu haben. Um dies zu erreichen haben sie den Grund für jegliche Unzufriedenheit ausgemacht: die Liebe, und sie haben sie zur  ernsthaften Krankheit erklärt.  Es ist also dringend erforderlich, diese Krankheit aus der Welt zu schaffen, damit die Menschheit im zufriedenen Miteinander leben kann. Dank intensiver Forschung haben sie die Region im Gehirn lokalisiert, in der diese Empfindung ausgelöst wird, und mittels einer OP um die Volljährigkeit herum wird eine OP durchgeführt um diese Region zu entfernen.
Für Lena ist dieser Vorgang völlig normal. Ja, sie fiebert sogar auf ihre Evaluierung hin, nach der sie geheilt sein wird von dieser Krankheit, die in ihrem Blut lauert und die -laut Regierung und zahlreichen Büchern- unweigerlich zum Tode führen wird.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Alleine die Idee, die Liebe als eine Krankheit zu betrachten, ist schon schockierend und eigentlich unvorstellbar. Wenn man diesem Gedanken weiter folgt, ergibt sich genau das Bild, das Lena beschreibt. Familien leben eher in Zweckverbänden zusammen, in relativer Gleichgültigkeit und ohne jegliche Nähe. Die Auswahl der Lebenspartner obliegt der Regierung. Die Menschen bekomen nach einer Voruntersuchung für die OP Partnerempfehlungen gestellt. Tiere werden wie Müll behandelt.
Trotzdem, dies ist Lenas Welt, und für die aufrührerischen Gedanken und Unternehmungen ihrer Freundin Hana hat sie keinerlei Verständnis.
Bis zu einer Begegnung bei ihrer Voruntersuchung der Evaluierung. Denn dort trifft sie auf -wie könnte es auch anders sein?- einen Jungen. Alex. Natürlich ausgesprochen gutaussehend, rührend bemüht und…ein Invalide. So werden die Unbehandelten Menschen genannt, die damals aus der Stadt in die Wildnis hinter dem Absperrzaun flohen um der Operation zu entgehen.
Es kommt, was kommen muss. Lena verliebt sich in Alex und plötzlich ist es für sie unvorstellbar, dass dieses Gefühl eine Krankheit sein soll. Glücklicherweise hat sie aber trotzdem noch oft genug Angst. Ich hätte es nicht gut gefunden, wenn Lena sich alleine durch ihre Verliebtheit zur großen Rebellin entwickelt hätte. Das hätte nach ihrer früheren Überzeugung unglaubwürdig gewirkt.
Wo keine Liebe, da keine Romantik, da kein Kitsch. Mit Alex Auftritt hält dann aber doch beides Einzug in diese Geschichte. Vor allem auch, weil Lena eine sehr bildhafte, blumige Art zu erzählen hat. Das vermittelt zwar gut ihre Gefühlswelt und die Stimmung unter den Menschen, aber es driftet hier und da durchaus Richtung Kitsch ab. Allerdings gönnt man es ihr auch, denn man weiß ja, dass dieses Gefühl und das damit verbundene Glück früher undenkbar für sie gewesen war. Das hilft. Und wer ist gegen ein gewisses Maß an Romantik schon immun? Die jungen Leserinnen ganz sicher nicht!
Und es bleibt ja auch trotzdem spannend. Immerhin rückt Lenas Evaluierung mit jedem Tag näher. Wird sie sich der OP unterziehen (müssen)? Wohin führen die “aufständischen” Gedanken sie und Alex schließlich? Wird jemand ihr Doppelleben durchschauen? Denn ich fand, es fällt Lena schon sehr leicht, ihre Familie an der Nase herumzuführen. Zu leicht, für meinen Geschmack und unter den gegebenen Bedingungen.  Werden Lena und Alex schließlich glücklich zusammen sein, und wenn ja (oder auch wenn nicht), wie kommt es dazu?
Auch das Ende stimmt mit manch “gefühlsduseliger” Szene versöhnlich, denn ob es ein Happy End ist, lässt sich nicht so leicht sagen. Auf eine Art ja, auf die andere nein. Aber “Delirium” ist ja auch der erste Band einer Trilogie. So wäre es ja auch wieder schade, am Ende schon alles aufgelöst zu haben.

Wie gesagt habe ich zwei -lange- Abende für “Delirium” gebraucht. Dadurch, dass es im Verhältnis gesehen nur wenige Dialoge und entsprechend überwiegend erzählende Passagen gibt, liest es sich schon etwas langsamer. Aber es lohnt sich! Jedem Kapitel sind Zitate aus (für Lena) zeitgenössischen Gesetzestexten, dem Buch Psst (kurz für Persönliches Sicherheits- und Schutztraktat), in dem die Entwicklung der Krankhet Liebe und ihre Auswirkungen beschrieben werden, und oft auch Kinderreime vorangestellt. Alle samt und sonders für sich alleine schon schockierend. Unbedingt also alles lesen und diese kurzen Texte nicht überspringen!

Das Covermotiv reiht sich mit dem Mädchengesicht dann allerdings doch wieder in den Mainstream ein. Dafür gefällt mir die Idee, das Gesicht hinter einem “Netz” aus dem Wort “Liebe” darzustellen. Ohne den Umschlag ist das Buch in einem glänzenden, tiefen Rot gehalten, was sehr schön aussieht. Ein Lesebändchen gibt es auch. Selbstverständlich in der Farbe die Liebe.

Fazit: Mich hat “Delirium” nicht mehr losgelassen. Eine sehr schöne und reizvolle Idee, eine Dystopie auf einer auf den ersten Blick undramatisch anmutenden Idee aufzubauen: die Liebe als Krankheit. Das hat mich mehr beeindruckt als die vielen anderen finsteren Zukunfstvisionen mit ihren Kämpfen, Kriegen und dem mittelalterlichen Leben. Ein gewisser Kitschfaktor ist “Delirium” nicht abzusprechen. Wenn man allerdings Lenas Leben vor Alex berücksichtigt, ist das gut nachvollziehbar, und obendrein wunderschön beschrieben. Einzig, dass Lena einige Dinge zu leicht fallen bzw gelingen, hat mir nicht gefallen. Das kann so eigentlich nicht laufen in einer Welt wie ihrer. Das ist das einzige kleine Manko, das ich gefunden habe. Ansonsten kann ich “Delirium” nur wärmstens empfehlen!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms.


Titel: Delirium [amor deliria nervosa]
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 416
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582324

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Lauren Oliver / Anna Thalbach)

Titel: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie / Verlag: Hörbuch Hamburg / Silberfisch / Laufzeit: ca. 7 Std 26 min / Buch: Lauren Oliver / gelesen von: Anna Thalbach

InhaltWas wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten?
Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen, diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte …


Nachdem mir das Buch so gut gefallen hat, hat mich auch die Hörbuch-Umsetzung interessiert. An der Geschichte hat sich dabei natürlich nichts geändert. Lauren Oliver geht hier ein schwieriges Thema auf sehr jugendgerechte Art an. Mit Sam steht ein Mädchen im Mittelpunkt, das einem anfänglich -sicher von der Autorin auch so gewollt- recht oberflächlich erscheint. Durch ihren plötzlichen Tod und das siebenmalige Durchleben ihres letzten Tages, bekommt sie eine Chance zu erkennen, was in ihrem Leben falsch gelaufen ist. Dabei ist es interessant zu verfolgen, wie sich der Prozess der Erkenntnis bei Sam entwickelt. Natürlich ist sie zunächst entsetzt, weiß gar nicht, was das Schicksal ihr damit sagen möchte, doch nach und nach kommt sie dem Sinn auf die Schliche. Hauptsächlich handelt es sich dabei um zwischenmenschliche “Fehler” im Umgang mit Sams Eltern, ihrer Schwester, ihren Freundinnen, gewissen Jungs und einem Mädchen, das ihr nie wichtig erschien. Lauren Oliver geht sehr einfühlsam auf diese Themen ein, verliert dabei aber nie aus den Augen, dass Sam die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, d.h. der Ton ist meist teenagermäßig. Gelegentlich -vor allem zum Ende hin- wird er aber auch schon mal ernsthafter, was mit Sams Entwicklung zusammenhängt und somit nie überraschend, sondern immer schlüssig tiefgründig wirkt. Eine Liebesgeschichte ist natürlich ebenfalls Teil dieser Geschichte, und zwar eine, die einen schlichtweg verzaubert, ohne dass dabei sowas wie Kitsch aufkäme.

Anna Thalbach bringt diese nicht ganz einfache, aber doch auch wieder erstaunlich leichte Geschichte zu Gehör. Ihr gelingt es, sowohl den teilweise oberflächlichen Ton Sams und ihrer Freundinnen zu treffen, schafft es aber auch, ihm nach und nach mehr Tiefe zu geben. Sie liest sehr lebendig und so fällt es einem nicht schwer, der Geschichte über längere Zeit hinweg zu folgen, was bei einer Laufzeit von mehr als sieben Stunden beachtlich ist. Hätte ich nicht Pausen machen müssen, hätte ich das Hörbuch womöglich in einem Rutsch gehört.

Optisch orientiert sich das Hörbuch ganz an der Buchvorlage. Ich bin da immer noch hin- und her gerissen. Das Schlichte macht einerseits deutlich, dass mit dieser Geschichte ein durchaus ernstes Thema angegangen wird. Und auffällig ist es dadurch selbstverständlich auch. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob es für die angepeilte Altersgruppe von 12 bis 16 Jahren interessant genug wirkt.

Fazit:  Eine sehr schöne Geschichte, die auf jugendliche und frische Art ein ernstes Thema behandelt, und zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert!

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Lauren Oliver)

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten? Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte …

Das Buch hatte mich lange gereizt, aber irgendwie konnte ich mich dann doch nicht dazu durchringen, es zu lesen.
Ich weiß nicht einmal genau, was mich abhielt, denn die Idee an sich klang wirklich gut.
Nun habe ich es aber doch gelesen und bin sehr froh darüber. Wobei ich anfangs nicht wusste, ob ich Sam -die Hauptperson- nun sympathisch finden sollte, oder nicht. Denn einerseits ist sie diese Sorte Mädchen, die ich normalerweise als Tussi bezeichnen würde: nur Aussehen, Klamotten, Jungs und Party im Kopf. Und manchmal spukte mir auch die Bezeichnung “Schlampe” im Kopf herum, gerade weil das Thema Jungs und Sex so wichtig ist, und auch weil Sam und ihre Freundinnen mitunter Sprüche auf Lager haben, die man eher den Kerlen zutraut.
Allerdings blickt auch immer wieder durch, dass Sam eben doch nicht nur Stroh im Kopf hat und dass sie nur zu gut weiß, wie es als Außenseiter mal war. Damit konnte sie bei mir dann wieder punkten.
Jetzt nach dem Lesen denke ich, dass Lauren Oliver Sams Charakter bewusst so angelegt hat. Denn dadurch, dass Sam in erster Linie oberflächlich wirkt, lässt sich natürlich ihre Entwicklung über die sieben Tage hin umso deutlicher aufzeigen.
Ich war anfangs besorgt, dass es langweilig werden könnte, siebenmal über den gleichen Tag zu lesen, doch diese Sorge war unbegründet. Dadurch, dass zumindest Sam sich an jeden der Tage erinnern kann, hat sie natürlich die Möglichkeit, das Geschehen am nächsten Tag zu beeinflussen. So bleibt es abwechslungsreich, obwohl man eigentlich über den gleichen Tag liest. Zudem kommt Sam ja nach und nach dahinter, um was es eigentlich dabei geht, was das Schicksal mit diesem ewigen neuerlichen Aufwachen bezwecken möchte. Auch dieser Gesinnungswandel, der sich kaum merklich einschleicht, aber trotzdem immer erkennbar ist, hält die Geschichte sehr interessant.
Erfreulicherweise gelingt Lauren Oliver dabei eine sehr schöne Mischung aus nachdenklichen, spaßigen und traurigen Passagen, so dass man bei der Geschichte mal nachdenklich wird, dann wieder darüber lachen oder auch mal weinen kann. Keine dieser Emfpindungen wird je überstrapaziert, so dass es insgesamt ein vergnüglicher und interessanter Lesestoff bleibt, der aber Wirkung zeigt.
Wie schon erwähnt sind Jungs ein wichtiges Thema für Sam und ihre Freundinnen, entsprechend hält “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” auch eine Liebesgeschichte bereit. Und auch wenn ich sie schon in dem Moment gewittert hatte als der Name des Typen zum ersten Mal fiel, habe ich den Weg dorthin so gespannt verfolgt, dass sie mir zum Ende hin beinahe wichtiger war als der Rest der Geschichte.
Sams Schwarm ist aber auch hinreißend, wie ich finde 😉 Alleine deswegen hatte ich tatsächlich darauf gehofft, dass Sam am Ende doch wieder lebendig sein würde…ganz gleich, wie das Schicksal das geschafft hätte. Schließlich ist es das Schicksal. Wenn das keine Möglichkeiten hat, wer denn dann?

“Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” lässt sich gut und leicht lesen, zumal es durchweg in recht jugendlichem Ton geschrieben ist. Da Sam die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, passt das so sehr gut. Außerdem ist es Lauren Oliver gelungen, einer Jugend-Geschichte genau das richtige Maß Tiefgang beizumischen. So bleibt sie für die jugendlichen (und den einen oder anderen erwachsenen ;)) Leser immer interessant und greifbar. Auch das trägt dazu bei, dass man sich mit Vergnügen hindurch liest.

Der Umschlag ist zwar mit der großen Schrift und dem weißen Hintergrund sehr auffällig, aber so richtig gefällt er mir nicht. Vor dem Lesen dachte ich noch, dass es vielleicht einen direkten Zusammenhang mit der Geschichte gibt, doch das stimmt nicht. Somit finde ich die Gestaltung etwas einfallslos. Mr gefällt das Buch “nackt” viel besser, denn da gibt es nur auf dem Rücken den Titelschriftzug. Ansonsten sind die Deckel dunkel gehalten, glänzen und zeigen lediglich helle Lichtpunkte, die sich zu bewegen scheinen, wenn man das Buch kippt. Ein Pluspunkt bei der Ausstattung ist das Lesebändchen.

Fazit:  “Wenn du sirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” hat mich zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken gebracht. Was kann man von einem Buch mehr verlangen? Eine sehr schöne Geschichte, die sich auf frische und jugendliche Art mit heiklen Themen beschäftigt. Empfehlenswert!


Titel:  Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
Autor: Lauren Oliver
Seiten:  448
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582317
Preis:  € 19,90 (HC)

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