Lauscherlounge

Das Lufer Haus

Titel: Das Lufer Haus – Die verschollenen Aufnahmen / Verlag: Lauscherlounge / Spielzeit: / Sprecher: Oliver Siebeck, Uve Teschner, Gabriele Blum, Vera Molitor und Christian Martin Schäfer

Inhalt: Im Jahr 2008 verbringt ein parapsychologisches Forscherteam einige Tage im legendären Spukhaus der Familie Lufer und verschwindet dort spurlos. Lediglich die kürzlich aufgefunden Tonaufnahmen der Expedition liefern ein verstörendes Zeugnis der Geschehnisse.


Ich habe ja eine kleine große Schwäche für Geschichten um Spukhäuser. Und mir gefällt auch eine Erzählweise in einzelnen Tondokumenten wie hier, denn das verleiht -wenn es gut gemacht ist- nochmal zusätzlich gruseliges Flair und lässt das Gehörte real authentisch erscheinen. Gut gemacht ist das “Lufer Haus” auf jeden Fall. Es vermittelt tatsächlich den Eindruck, man sei bei der Planung und Durchführung einer Forschung einer Gruppe von Wissenschaftlern und technischen Assistenten mit dabei. Durch die Erzählweise mittels einzelner Tondokumente, gibt es zudem immer mal wieder scharfe Schnitte, was durchaus für Schreckmomente Grusel sorgt. Mir hat das “Lufer Haus” manche Gänsehaut beschert. Nicht zuletzt auch dadurch, welche Geheimnisse aus seiner Geschichte aufgedeckt werden, und welche bedenkliche Geschichten einzelne Charaktere der Gruppe mitbringen. Nein, mir fiele partout nichts ein, was ich an der Geschichte und der Umsetzung auszusetzen hätte. Nur neu ist beides halt nicht. Spukhäuser geistern 😉 durch zahlreiche Hörspiele, und es gibt auch bereits Hörspielreihen, die diese Umsetzung in Form von authentisch wirkenden Tondokumenten gewählt haben.

Mit Oliver Siebeck, Uve Teschner, Gabriele Blum, Vera Molitor und Christian Martin Schäfer sind hier Sprecher zu hören, die mir bislang unbekannt waren. Im Anbetracht ihrer Leistung im Hörspiel war aber sofort klar, dass es sicher keine unbeschriebenen Blätter sind. Google hat mir dies dann auch bestätigt 😉 Mir hat durchweg gefallen, was ich von ihnen zu hören bekommen haben. Vor allem wie locker sie ihre Parts sprechen, hat mich beeindruckt. Das untermauert noch mal den Eindruck von echten Aufnahmen mit echten Wissenschaftlern und Technikern. Klasse!

Das Hörspiel lebt ganz wesentlich auch von den eingesetzten Geräuschen. In erster Linie durch die Geräusche der Schnitte zwischen den Szenen, den Geräuschen einiger Geräte, die im Einsatz sind, aber auch den Geräuschen, die halt entstehen, wenn eine Gruppe Leute in einem alten Haus zusammensind und dort arbeiten und leben. Vom Stühlerücken über das Türenschlagen bis hin zum Raumklang, man hat das Gefühl, man stehe direkt daneben. So ist die Handlung auch durchgängig gut vorstellbar.

Die beiden CDs stecken in einem ordentlich gestalteten Digipack, bei dem man auf den meisten “Seiten” gegen die Wände des Lufer Hauses schaut. Schlicht, aber doch düster. Im Booklet finden sich zahlreiche Bilder von den Aufnahmen, den Sprechern und Mitwirkenden, und den Örtlichkeiten an denen die Aufnahme stattfand. Da macht das Blättern Spaß!

Fazit:  Die Idee einer Spukhaus-Story ist genauso wenig neu wie die der Umsetzung in Tondokumenten. Trotzdem: “Das Lufer Haus” ist klasse gemacht und hat mich sogar ein wenig das Gruseln gelehrt. Gut, dass ich es nicht im Dunklen gehört habe. Und wenn einem Hörspiel das gelingt, dann kann ich sehr gut damit leben, dass hier nicht das Rad neu erfunden wird.

Diner des Grauens – Wir servieren Armageddon mit Pommes Frites

Titel:   Diner des Grauens – Wir servieren Armageddon mit Pommes Frites / Verlag:   Lauscherlounge / Laufzeit:   ca. 455 min. / 6 CDs / Buch:   A. Lee Martinez / gelesen von: Oliver Rohrbeck

Inhalt: Willkommen im Diner des Grauens, wo Zombie-Angriffe an der Tagesordnung sind und du niemals weißt, was im Kühlschrank lauert!
Als die beiden Kumpels Earl und Duke mit ihrem uralten Pickup bei dem Imbiss Halt machen, trifft es sie hammerhart: Zombie-Kühe, eine monströse Bardame und singende Yucca-Palmen.
Doch Earl und Duke sind nicht umsonst der coolste Vampir und der fetteste Werwolf der Welt…


Ich bin immer sehr skeptisch, wenn mir ein (Hör)buch lustige Fantasy oder lustigen Grusel bzw Horror verspricht, denn nur zu oft driftet das dann ins Platte ab und / oder verwurstet nur zum x-ten Mal all das, das man von diesen Genres schon kennt.
Diner des Grauens habe ich  nur gekauft, weil ich den kleine Nebensatz mit der singenden Yucca-Plame lustig fand (die aber nur einmal kurz erwähnt wird).
Im Nachhinein musste ich alle meine “Vorurteile” über Bord werfen, schon nach den ersten Minuten.
Denn A. Lee Martinez schlachtet zwar wirklich alles aus, was das Horror-Genre an Büchern und Filmen hergibt.
Dabei kommt so eine wunderbar schräge und zum Totlachen komische Geschichte mit sehr liebenswert-schauerlichen Charakteren heraus, dass man von dem Hörbuch kaum loskommt.
Natürlich wird es auch immer wieder ordentlich blutig, wie man es von einem Horror-Hörbuch erwarten darf, aber das Augenzwinkern in der Geschichte ist auch an diesen Stellen einfach nicht zu überhören.
Die Handlung spielt…na, wo wohl? Natürlich in den USA, und dort in einem hinterwäldlerischen Kaff. Anderswo hätte man die Geschichte auch nicht hin verpflanzen können, dann hätte sie nicht mehr funktioniert. Aber hier passt sie wunderbar her: in eine so scheinbar öde und verlassene Gegend, wo aber alle paar Nächte das Grauen aus den Gräbern steigt und Teenies böse Dämonen beschwören.
Worauf man sich einlassen können muss, das ist die teilweise schon sehr deftige Sprache, die mit Kraftausdrücken nicht spart.
In dieser Hinsicht bin ich eigentlich sehr heikel, aber man kann angesichts der Geschichte schon gut darüber hinweg sehen.
Irgendwie passt das sogar.

“Ach, das sind ja zwei…ähm, nein…das ist nur ein Sprecher, oder? -Na, das ist dann wirklich die hohe Kunst des Hörbücher-Lesens, oder?”
So sprach mein “Mithörer” als ich das Hörbuch einlegte.
Und damit ist eigentlich schon alles gesagt, denn Oliver Rohrbeck macht seinen Job hier wirklich meisterlich und man hat tatsächlich sehr oft das Gefühl, man höre da ein Hörspiel und kein Hörbuch. Sogar die helle Stimme eines weiblichen Teenagers klingt echt. Einfach top!

Die Box, in der die 6 CDs untergebracht sind, gehört für mich zu den schönsten Boxen, die ich je gesehen habe.
Vorne ist das Diner von innen zum Zeitpunkt einer Zombie-Attacke zu sehen, auf der Rückseite findet man die Außenansicht von  Gil’s all fright diner.
Beides ist klasse gezeichnet, die abgebildeten Charaktere sehen genauso nett-gruselig aus, wie man sie sich beim Hören vorstellt, und der Comic-Stil passt prima zu der skurrilen Geschichte.
Ein Booklet gibt es nicht, lediglich einen “Beipackzettel” mit einigen Informationen über die Produktion und Werbung für weitere Hörbücher der Lauscherlounge.

Fazit:   Eine herrlich lustige Horror-Komödie mit rauhem, aber unwiderstehlichem Charme. Hier wurden Horror und Humor gekonnt gemischt und jeder, der es vertragen kann, wenn das Horror-Genre mal ordentlich durch den Kakao gezogen wird, der sollte hier zugreifen.

Der Prinzessin

Titel:   Der Prinzessin / VerlagLauscherlounge / Laufzeit:   ca. 75 min / Sprecher:  Katja Brügger, Franz-Josef Steffens, David Nathan, Wolfgang Kaven, Patrick Bach u.A.

Inhalt:   Mitten in der Nacht wartet Fabian alleine an einer einsamen Haltestelle auf den Bus.
Plötzlich hört er es im Wald knacken und eine seltsame Gestalt taucht zwischen den Bäumen auf: ein alter Mann in einem rosa Tüllkleidchen, mit einem goldenen Krönchen auf dem Kopf…
Vier Geschichten über das Leben.
Und das Überleben.
Im Beichtstuhl. An der Bushaltestelle. Beim Zahnarzt. Zuhause.


Der Prinzessin gehört zu den Hörspielen, die ich mir trotz der vielen guten Kritiken sicher nicht gekauft hätte, weil ich mir nur schwer bis gar nicht vorstellen kann, dass es möglich ist, Thriller-Atmosphäre per Hörspiel rüberzubringen.
Allerdings hat mich dieses Hörspiel eines Besseren belehrt.
Auf der CD sind vier verschiedene Geschichten, bei der es jede für sich speziell in sich hat.

Zu den Geschichten:

Der Prinzessin

Beim ersten Hören bin ich aus der Geschichte überhaupt nicht schlau geworden, fand, dass sie sich ewig lang hinzieht…und war dann umso entsetzter als die Sache endlich aufgelöst wurde. Hier hat man ein sehr heikles Thema gewählt und es hat mich umso mehr beeindruckt, weil daran “nur” zwei Sprecher beteiligt sind und dass diese beiden alleine so viel Spannung aufbauen können.

Der Zahnarzt

Ja, es geht tatsächlich: man kann sich beim Anhören einer Geschichte vor Unbehagen krümmen, ich habe es kaum für möglich gehalten.
Schauer-Geschichten aus der Zahnarztpraxis sind zwar nicht unbedingt etwas Neues, aber bemerkenswert, wie eindrucksvoll man Qual im Hörspiel rüberbringen kann.
Bisher ist das wohl nur dem Film-Genre so gut gelungen.

Der Hausmeister

Einer meiner beiden Favoriten auf der CD.
Zwar fand ich die Geschichte von Anfang an sehr durchschaubar, aber vielleicht hat gerade dieses Wissen für die Gänsehaut gesorgt. Denn wenn man die Gefahr kennt -und sei es auch nur im Ansatz- und dann hört, wie arglos die Frau sich in dieser Gefahr bewegt, dann rutscht man schon unruhig auf dem Stuhl hin und her.

Der Fremde

Die Geschichte ist aufgeteilt, beginnt am Anfang der CD, dann folgen die drei übrigen Geschichten und zum Schluss wird Der Fremde dann fortgesetzt.
Nach Der Hausmeister ist diese Geschichte mein zweiter Favorit. Besonders das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Man muss sich die Sprecherliste nur ansehen, dann weiß man: hier kann gar nichts schief gehen.
Genau so ist es auch.
Passend zu vier wirklich tollen Thriller-Storys haben auch die Sprecher hier ihr Bestes gegeben.
An dieser Stelle nochmals das Lob an Patrick Bach (Fabian) und Wolfgang Kaven (Prinzessin), denen es so brillant gelingt, die Spannung und die unheimliche Atmosphäre der Geschichte aufzubauen und auch zu halten.
Ein wenig aus dem Rahmen fiel nur Katja Brügger, die sich doch leicht hölzern anhörte. Außerdem kenne ich sie aus zahlreichen Kinderhörspielen und verbinde mit der Stimme entsprechend nicht unbedingt das Thriller-Genre.

Mit der Musik hat man sich hörbar zurück gehalten, doch das tut den Geschichten nur gut.
Hier wird mehr mit Geräuschen und Effekten gearbeitet und das verlieht jeder der Storys ihre eigene, unheimliche Atmosphäre.

Das Cover hat mich jetzt nicht so besonders angesprochen, aber das Digipack ist schon schick gestaltet.
Und das Motiv greift auch das Thema der titelgebenden Story auf, von daher passt es auch gut dazu.

Fazit:   Dieses Hörspiel ist in jeder Hinsicht schlichtweg ein Knaller. Sehr lobenswert, dass an eine Altersemfehlung (ab 16 Jahren) gedacht wurde, denn für Kinder ist es ganz sicher nichts.
Und auch als Erwachsener sollte man schon einiges vertragen können.

Plan B

Titel:   Plan B / Verlag:   Lauscher Lounge / Laufzeit:   ca. 65 min / Sprecher:   Hans-Werner Bussinger, Simon Jäger, Gerrit Schmidt-Foß, Udo Schenk, Katja Brügger, Luise Helm

Inhalt:  “Ich hab’s tatsächlich geschafft – den perfekten Mord!”

Finn Jorgensen, ein junger Student, plant den perfekten Mord. Dafür hat er alles bis ins kleinste Detail vorbereitet. Und zum Beweis seiner Perfektion will er seine Tat auf Video dokumentieren. Doch dann trifft sein Opfer ein und alles läuft plötzlich völlig anders als geplant.


Mit Plan B kommt man als Hörspiel-Fan nun in den Genuss eines weiteren Thriller-Hörspiels aus der Feder von Ivar Leon Menger. Nach Der Prinzessin und dem Darkside Park bürgt dieser Name mittlerweile für spannende und oft auch düstere Geschichten.
Plan B präsentiert sich im Stil eines Kammerspiels, will heißen mit wenigen -fünfen an der Zahl plus Erzähler- Charakteren und lediglich einem, eigentlich sehr unspektakulären Handlungsort.
Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn der Geschichte gelingt es von ersten Moment an, einen zu fesseln. Schon in den ersten Minuten ist unterschwellig die Anspannung der Charaktere zu spüren und man ahnt hier bereits, dass da noch etwas ganz Schreckliches auf die kleine Gruppe wartet.
Eine sehr spannende Handlung, die mit einer Reihe absolut unerwarteter Wendungen aufwartet, zwar grundverschiedene, aber allesamt recht undurchschaubare Charaktere, deren Handlungen und Reaktionen sich nie voraussagen lassen, eine Prise schwarzen Humors und schließlich ein absolut überraschendes Ende, das alles macht Plan B zu einem reinen Hörvergnügen.
Wie es dem Booklet zu entnehmen ist, lag das Manuskript zu Plan B zehn Jahre in Mengers Schreibtisch ehe es als Hörspiel zu neuen Ehren kam. In dieser Zeit hat sich in Sachen Technik schon eine Menge getan und so hat man das Ende ein wenig “aufgepeppt”. Mir hat gerade das ganz besonders gefallen, dass man heute nach dem Hören zu einer bestimmten Internetseite gehen und dort nach Finns perfektem Mord suchen kann. Der Bogen aus der Geschichte heraus und in die Realität hinein ist hier gekonnt geschlagen worden, und das ganz ohne aufdringlich oder bemüht zu wirken.

Wie bereits erwähnt, sind hier nur wenige Sprecher am Werke. Als Erzähler führt Hans-Werner Bussinger durch die Geschichte, der leider noch vor der VÖ von Plan B verstarb. Mit seiner ruhigen, weichen Stimme versteht er es wunderbar die Spannung der Geschichte und die allgegenwärtige Gefahr einzufangen und an den Hörer “weiterzureichen”.
Als Student Finn Jorgensen ist Simon Jäger zu hören, ein Sprecher also, der bereits reichlich Erfahrung auf dem Thriller-Sektor hat, und das hört man hier deutlich. Mal spricht er Finn ruhig und abgeklärt, dann wieder bedrohlich unstet und gefährlich. Der Wechsel dazwischen gelingt ihm binnen Sekunden.
Seinen Gegenspieler, seinen Stiefvater und Innenminister, spricht Udo Schenk, ein Garant für herrlich böse Charaktere. Auch hier schafft er es, dass man bei jedem seiner Sätze angespannt da sitzt und wartet, welche Gemeinheit er nun wieder auf Lager hat.
Finns Kumpel “Mad” wird von Gerrit Schmidt-Foß gesprochen und für mich ist er der heimliche Star der Geschichte. Gerrit Schmidt-Foß haucht Mad, der stets zwischen nervöser Ruhe und Hysterie schwankt, sehr glaubhaft Leben ein.
Abgerundet wird die Besetzung durch Luise Helm in der Rolle der Maja Breuer und Katja Brügger alias Maria Jorgensen, Finns Mutter und Arnolds Ehefrau. Auch die Damen können hier überzeugen.

Die musikalische Untermalung fällt mager, aber sehr eindrucksvoll aus. Hier sind nur wenige Gitarrenklänge zu hören, die aber sehr gut zu der spannenden Geschichte mit der bedrohlichen Atmosphäre passen. Genau wie bei der Geschichte hat man auch bei der Musik stets das Gefühl, dass der große “Knall” noch folgen wird und so harmoniert beides prima miteinander.
Geräusche gibt es wenige zu hören, was aber kein Wunder ist bei einer Geschichte, die sich in wenigen Räumen abspielt. Die nötigen “Allerweltsgeräusche” sind aber selbstverständlich vorhanden und wirken sehr authentisch.
Als Abschlusssong ist der Titel Tree von Tobias Hundt zu hören, der nach der Geschichte unerwartet frisch und leicht daher kommt und einem im Ohr bleibt.

Die CD steckt in einem schicken Digipack. Im Inneren findet man noch ein mehrseitiges und sehr informatives Booklet. Somit ist das Hörspiel auch in Sachen Optik und Ausstattung rundum gelungen.

Fazit
:   Und es geht doch! Plan B ist eines dieser kleinen Wunder, die beweisen, dass spannende Geschichten kein wildes Gemetzel und Blutspritzen brauchen um zu funktionieren. Auf psychologischer Ebene -so könnte man das hier schon beinahe nennen- lässt sich mindestens ebenso viel Spannung aufbauen, die obendrein nachhaltiger wirkt als mancher Splatter. Thriller-Fans sollten hier unbedingt zugreifen, sie werden sicher nicht enttäuscht werden!

© 2019 Frontier Theme