Leben

Gruselkabinett (129) – Manor

Titel: Gruselkabinett (129) – Manor  / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 47 min  / Sprecher: Peter Weis, Monica Bielenstein, Tom Raczko, Timmo Niesner, Louis Friedemann Thiele ua

Inhalt: Auf einer der windumtosten Färöer-Inseln fassen Har und Manor zur heidnischen Zeit eine tiefe Zuneigung zueinander, die auch über den Tod hinaus noch fortbestehen wird.


Hach ja, die Färöer Inseln. Eine Ecke der Erde, die mich schon so lange reizt. Da kam es mirr natürlich entgegen, dass diese Geschichte genau dort spielt. Und sie setzt diesen wilden, sturmumtosten, einsamen Schauplatz auch wunderbar in Szene. Genauso stellt man sich diese Inseln von Ferne aus vor. Und genau so sind sie der ideale Schauplatz für eine wild-romantische Geschichte.
Diese nimmt sich mit dem Übersinnlichen ordentlich Zeit. Bis es in diese Richtung geht, hat man reichlich Gelegenheit, sich mit Har und Manor anzufreunden und zu verfolgen, wie sie sich über die Zeit immer besser anfreunden und einander immer näher kommen. So freut man sich für die beiden und hofft mit ihnen auf die erträumte Zukunft als Manor auf einem Walfängerschiff anheuert. Mit dieser Reise bzw Manors Rückkehr nimmt dann das Unheil seinen Lauf, und damit wird es dann auch schließlich doch noch unheimlich.
Denn Hars und Manors Freundschaft findet mit dem Tod des Einen noch lange kein Ende, dafür ist sie viel zu intensiv und geht viel zu tief. Wenn es eine Möglichkeit gibt, den geliebten Freund am (un)toten Leben zu halten, dann bietet der andere diese Möglichkeit natürlich. Selbst wenn er selber dabei vor die Hunde geht. Ich konnte beide Seiten so gut verstehen. Manor, dass er nicht von Har und seinem Lebenssaft lassen möchte. Und Har, dass er alles für den Freund tut. Und ich habe selten so sehr gehofft, dass die Sache doch noch irgendwie ein glückliches Ende finden wird. Für alle Beteiligten, denn Manors Rückkehr aus dem Grab und seine nächtlichen Besuche bei Har rufen natürlich auch die Dorfbewohner und vor allem Hars Mutter auf den Plan. Das Ende ist dann einerseits todtraurig, andererseits aber doch glücklich. nur eben nicht für alle. Das packt einen und lässt einen erstmal eine Weile nicht mehr los.
Ach so, ich habe ja ganz vergessen zu erwähnen, dass es hier romantische und erotische Szenen zwischen den zwei Freunden gibt. Wo doch andere ihre ganze Besprechung auf diese Tatsache stützen! Warum? Weil es mir schnurzpiepegal ist, ob sich zwei Männer, zwei Frauen oder eine Frau und ein Mann lieben. Liebe ist Liebe. Punkt! So engstirnig kann man doch gar nicht sein!

Peter Weis als Erzähler meistert hier einen Mammutjob, und das mit Bravour! Er fängt die Stimmung und Atmosphäre der Geschichte wunderbar ein, ebenso wie die Gefühlswelt der beiden Freunde und die Dramatik und Tragik des verhängnisvollen Geschehen. Ich bin ja sowieso ein absoluter Fan von Peter Weis und höre ihn so gerne. Hier noch umso mehr! Tom Raczko und Lous Friedemann Thiele punkten mit jugendlichen Stimmen, denen man die Freude am Leben und aneinander anhört Später haben sie aber eben auch traurigere Töne auf Lager.

Vor allem den Geräuschen ist es zu verdanken, dass einem ein so eindrucksvolles Bild der wilden Faröer Inseln vor Augen gezaubert wird. Wellenrauschen, Möwenschreie, Windheulen, es ist alles da und wunderbar eingesetzt. Aber natürlich wird das gesamte Geschehen auch wieder von ständigen, leisen Musiken im Hintergrund begleitet.

Das Covermotiv ist angenehm schlicht. Manor und Har sind zu sehen und es ist leicht zu erkennen, wie nahe sie einander sind. Der dunkle, nächtliche Hintergrund stellt die beiden Figuren gut heraus in den Vordergrund.

Fazit:  Eine zunächst so glückliche, hoffnungsvolle und später zu tragische und dramatische Geschichte. Selten habe ich bei einer Folge dieser Serie so sehr mitgefühlt wie hier. Toll!

super: Mein Leben (Friedrich Liechtenstein)

superMit seinem Tanz durch den Supermarkt hat Friedrich Liechtenstein im Internet über 20 Millionen Klicks erreicht. »Supergeil« wurde zum Schlagwort der Stunde. Bis hin zur internationalen Presse wie der New York Times und dem Guardian beschäftigt sich die Welt mit Friedrich Liechtenstein. Der vielschichtige Künstler ist Schauspieler, Musiker, professioneller Flaneur und Utopist. Aber wer ist er wirklich? Zum ersten Mal erzählt »Deutschlands berühmtester Eremit« (Die Zeit) sein Leben: von der Zeit, als er sich ohne festes Engagement durchs Leben schlug und von Billigquark auf der Schrippe lebte, über den sagenhaften Erfolg, der mit »Supergeil« über ihn kam, bis hin zu seiner Selbstfindung als Künstler und Mensch. »Die Armut, in der ich lebte, hat mich angstfrei gemacht. Und aus diesem Gefühl entsteht meine Kunst.«

Zugegeben, als ich das Cover sah, wusste ich mit dem bärtigen Herren nichts anzufangen. Der Name sagte mir auch nichts. Erst der Hinweis im Klappentext brachte die Erleuchtung, denn den EDEKA-Spot mit Friedrich Liechtenstein kenne ich natürlich schon. Und damit ich mal ein eine Biographie lese, braucht es schon eine irgendwie ungewöhnlichen Figur. Eigentlich interessiere ich mich für Biographien nämlich herzlich wenig.
Aber Friedrich Liechtenstein fiel in mein Schema, also habe ich mir das Buch geschnappt.
Ich muss allerdings sagen, dass die Begeisterung ausblieb. Natürlich hat Friedrich Liechtenstein ein recht ungewöhnliches Leben geführt. Und es ist auch nicht wirklich uninteressant, davon zu lesen. Aber vom Hocker hat es mich nicht gerissen. Das hatte anfangs damit zu tun, dass mein Interesse an der ehemaligen DDR nicht allzu groß ist, aber auch später als Liechtenstein auch in den Westen konnte, passierte nichts, was mich so richtig fesselte. Ich habe es zwar lange bewundert, wie er mit seiner “Kunst” durch das Leben kam (heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen), aber fortlaufend über Puppentheater und irgendwelche seltsamen Bühnenstücke zu lesen, die kein Mensch kennt, ist der Spannung nicht eben förderlich. Außerdem hatte ich den Part um den EDEKA-Spot als ausführlicher eingeschätzt. Und dass man früh darauf zu sprechen kommen würde. Denn immerhin ist das ja wohl das, was die meisten Leser von diesem Mann kennen. Doch das wird erst gegen Ende zu Thema. Einerseits ist das logisch, denn so lange ist es noch nicht her. Andererseits zieht sich die Erzählung bis dahin immens. Und nichts zuvor ist auch nur annähernd so witzig und schräg.
Erschwerend kam noch hinzu, dass mir Liechtenstein mit seiner Haltung zu seiner Kunst und dem Leben bzw dessen Finanzierung beim besten Willen nicht sympathisch werden wollte. Genau genommen kann man das zusammenfassen mit “Ich möchte nichts anderes machen als meine Kunst und davon gut leben können. Idealerweise muss ich dafür nichts tun. Am besten habe ich immer genug Leute um mich herum, die mir alle eventuellen Schwierigkeiten abnehmen und unliebsame Aufgaben übernehmen. Und warum? Weil ich mich schon bei meiner Geburt nicht anstrengen musste, sondern per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickte. Ich bin also quasi von klein auf darauf gepolt, dass andere die anstrengenden Dinge für mich übernehmen.”
Aber sonst geht’s noch, oder wie? Das ist eine Haltung, mit der ich absolut gar nichts anfangen kann. Und ich habe mir alle naselang an den Kopf gefasst, was Liechtenstein dafür hingenommen hat, um genau mit dieser Haltung sein Leben zu meistern. Vielleicht gibt es Menschen, die ihn dafür bewundern. Die es beeindruckend finden, dass er lieber auf einer Feuertreppe lebt als mit etwas anderem als seiner Kunst Geld zu verdienen um sich wenigstens ein Zimmer leisten zu können. Aber ich gehöre eindeutig nicht zu diesen Menschen. Ich finde das einfach nur verrückt, aber nicht im positiven Sinne. Und es hat für mich auch ein Maß an Arroganz an sich, das meine Toleranz bei Weitem übersteigt.
Als letztes sei noch gesagt, dass das Buch auch kein Stück lustig ist. Nach dem witzigen EDEKA-Spot hatte ich damit schon gerechnet. Aber nichts. Ich habe nicht einmal geschmunzelt geschweige denn, dass ich gelacht hätte. Ein Funken Humor macht mir bei vielen Büchern das Lesen leichter. Das hätte diesem Buch gut zu Gesicht gestanden, weil es sich recht anstrengend liest.

Dass es sich so anstrengend liest, lag für mich vor allem daran, dass es kaum mal Dialoge gibt. Ich meine, selbst ein Herr Liechtenstein muss doch mal Gespräche geführt haben!? Das macht den Text alleine optisch schon sehr wuchtig. Hinzu kommt eine teils lockere, teils aber auch umständliche Erzählweise. Die liegt vor allem an den wunderlichen Blickwinklen, die Liechtenstein auf viele Dinge des Lebens hat. Er schildert sie, wie er sie sieht. Und das sind Bilder, mit denen nicht jeder etwas anfangen kann. Das hat es mir recht schwer gemacht. Das haben auch die Bilder nicht auflockern können, die sich ab und zu im Buch finden.

Auf dem Cover sieht man natürlich Friedrich Liechtenstein. Dekadent in Szene gesetzt im Anzug und mit golden verspiegelter Sonnenbrille. Und in Denkerpose, damit der Betrachter ein wenig Tiefgang vom Buch erwartet. So jedenfalls ging es mir bei diesem Anblick. Hatte ich schon erwähnt, dass ich selbstverliebte Menschen nicht mag? Ich hätte es besser wissen müssen.

Fazit:  Leider war das Buch für mich eine Enttäuschung. Fortan werde ich wohl noch vorsichtiger sein bei Biographien als bisher schon. Ich habe Liechtensteins Leben als wenig interessant und überhaupt nicht aufregend empfunden. Und nichts darin ist auch nur ansatzweise so amüsant wie der EDEKA-Spot. Zudem ihn hat mir seine Haltung und Einstellung zu gewissen Dingen des Lebens schlichtweg unsympathisch gemacht.


Titel: super: Mein Leben
Autor: Friedrich Liechtenstein
Seiten: 277
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492056663
Preis: € 19,99 (HC)

Glits (Robert Wolfe)

glitsWie aus dem Nichts ist es da. Dieses Wesen, das sie den Glits nennen. Mit einer Stimme, die an die Gesänge von Walen erinnert. Und einer Kraft, die jeden verändert. Von Grund auf. Für immer. Auch Jay, den Eigenbrötler. Und Rachel, die stets kurz vorm Explodieren ist. Als die Staatsmacht den Geheimdienst aktiviert, um den großen Unbekannten auszuschalten, und die Presse eine Jahrhundertsensation wittert, starten Jay und Rachel zu einem Roadtrip quer durchs Land. Mit dem Glits an ihrer Seite.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung und irgendwie machte der Klappentext mich neugierig.
Allerdings war ziemlich schnell klar, dass “Glits” nicht mein Buch sein würde. Der erste Grund dafür ist sprachlicher Natur. Dazu aber später.
Grund Nummer 2 sind die Charaktere. An sich mag ich Charaktere wie Jay: ruhig, schüchtern und anderen Menschen gegenüber nicht sonderlich offen. Aber Jay hat auch Angewohnheiten, mit denen ich gar nicht klarkam bzw die ich in diesen Momenten nicht logisch fand. Vor allem aber gingen seine Gedanken für mein Empfinden sehr oft unerklärliche Weg. Ich habe häufig gar nicht verstanden, wie er gerade auf diesen Gedanken kommt.
In dieser Hinsicht kam mir Rachels Wesen eher entgegen. Bei ihr wusste ich wenigstens immer, woran ich war! Dafür ist Rachels großes Manko ihre ewig schlechte Laune und dass sie stets auf Krawall gebürstet ist. Keine Charakterzüge, mit denen ich warm werde. Jedenfalls nicht, wenn sie sich durch die komplette Geschichte ziehen. Das zieht runter und hat mir selber ebenfalls schlechte Laune beschert.
Ich schätze aber mal, dass die beiden Charaktere ganz bewusst so angelegt sind (was es für mich aber weder besser noch leichter machte), denn nur mit solchen Persönlichkeiten kann eine Geschichte wie “Glits” funktionieren. Denn der Glits, dieses wundersame Wesen, nimmt Einfluss auf Menschen und ihre wie auch immer gearteten seelischen Querelen.
Auf solch ein Wesen sind selbstverständlich auch die Presse, Wissenschaftler und Geheimdienste scharf. In erster Linie um ihn auszuschalten. Denn niemand von ihnen kann mit ihm kommunizieren, ihn verstehen. Das können nur Jay, Rachel und eine Handvoll anderer Kids. Und was einem Verein wie dem Geheimdienst nicht geheuer ist, das ist per se erstmal gefährlich und muss weg.
So beginnt für Jay und Rachel eine gefährliche Flucht mit dem Glits. Das könnte an sich eine spannende Angelegenheit sein. Allerdings haben mir einige Dinge solche Probleme bereitet, dass Spannung bei mir keine Chance hatte.
Das fing schon beim Glits selber an, der als zwergenhaft klein beschrieben wird, mit einem durchsichtigen Körper wie flüssiges Glas, das in ständiger Bewegung ist. Bitte, wie soll man sich das vorstellen? Vor allem den fließenden Körper? Mir ist das unglaublich schwer gefallen und schließlich sah der Glits in meiner Vorstellung aus wie ein farbverirrter, durchsichtiger Slimer (Ghostbusters). Und ich gehe mal schwer davon aus, dass das so nicht gedacht war. Aber ich brauche an einer wie auch immer gearteten Figur etwas, mit dem ich mir eine Vorstellung machen kann. Mit der Beschreibung vom Glits konnte ich das nicht, so kam es zu Slimer 😕
Der zweite wensentliche Grund waren die ganzen  geradezu surrealen Szenen, beispielsweise in einem Gang, der wie ein Gang aussieht, aber doch kein Gang im eigentlichen Sinne ist, oder auch ein Raum, der aufgrund gewisser Vorgänge darin seine Farbe wechselt. Ich habe das gelesen und auch verstanden, was ich da lese, aber es ergab schlichtweg keinen Sinn für mich. Dafür war es zu abgedreht und ich habe lange nicht mal ansatzweise geahnt, welche Botschaft sich  hinter dieser abgedrehten Erzählung verbirgt.
Die habe ich erst sehr spät erkannt, wobei ich jetzt mal einfach davon ausgehe, dass ich sie richtig erkannt habe. Dafür spricht Jays Wandlung im Laufe der Geschichte. Auf Rachel trifft meine “Vermutung” wiederum kaum bis gar nicht zu, was meine Vermutung schon wider Lügen straft. Genau deshlab erwähne ich sie hier lieber nicht. Nicht dass ich  falsche Erwartung an das Buch in die Welt setze.
Sollte ich richtig liegen, finde ich aber wenigstens, dass es eine schöne Botschaft für ein Jugendbuch ist. Immerhin ist die Pubertät eine schwierige Zeit, das wird kaum jemand bestreiten. Und besser als gute Ratschläge von Eltern sind sicher Tipps, die sich in einer Geschichte verbergen und denen somit -wie hier, das muss ich zugeben- zum Glück der mahnende und pädagogische Zeigefinger fehlt. Das regt wohl eher zum Nachdenken an.

Für mich las sich “Glits” ganz schön mühselig, und mehr als fünf Kapitel je Abend habe ich das nicht ausgehalten. Seltsame kurze Sätze, die an sich gar keine richtigen Sätze sind. Eigenartige Formulierungen. Aussprüche, deren Sinn sich mir erst nach wiederholtem Lesen erschlossen, wenn überhaupt. Es war ein sehr holpriger Lesefluss. Ob das an der Übersetzung liegt, kann ich nicht sagen. Aber an sich kann ich es mir nicht vorstellen.

Der orangefarbene Look ist sehr auffällig, und ich kann mir dehalb gut vorstellen, dass man beim Stöbern im Buchladen deshalb schnell mal nach diesem Buch greift. Die Optik gibt ja auch so gar nichts über den Inhalt her. Der Name des Autors ist so gedruckt, dass man den Eindruck hat, die Buchstaben wären in Bewegung und würden verschwimmen. Vermutlich muss man es sich so vorstellen, wenn man den Glits anschaut. Mir würde dabei im Nu übel werden.

Fazit: Wenn meine Vermutung über die Botschaft dieser Geschichte stimmt, dann finde ich sie für ein Jugendbuch wirklich gut gewählt. Ganz ohne Frage! Mir war das Geschehen trotzdem oft zu surreal, zu abgedreht und somit kaum wirklich greifbar. Mit Rachel bin ich gar nicht warm geworden, mit Jay höchstens so lau. Und vom Glits selber konnte ich mir den Beschreibungen nach einfach kein auch nur ansatzweise klares Bild machen, sodass ich die ganze Zeit mit einem völlig falschen “herumgelaufen” bin. Deshalb war “Glits” nicht mein Fall.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Glits
Autor: Robert Wolfe
Seiten: 288
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201735
Preis: € 13,95 (HC)

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Rebellen der Ewigkeit (Gerd Ruebenstrunk / Jacob Weigert)

Titel: Rebellen der Ewigkeit / Verlag: Jumbo, GoyaLibre / Spielzeit: ca. 312 min / 4 CDs / Buch: Gerd Ruebenstrunk / gelesen von: Jacob Weigert

Inhalt: Der internationale Konzern Tempus fugit handelt mit Zeit. Jeder kann mithilfe dieser Firma Lebenszeit kaufen und verkaufen. Doch ist die dafür entwickelte Technologie wirklich so ungefährlich, wie Tempus fugit behauptet? Oder gibt es bereits Risse in der Realität, die so verheerend sind, dass sie die Welt über kurz oder lang ins Chaos stürzen, wie es die Geheimorganisation “Rebellen der Ewigkeit” prophezeit? Als der gesamte Zeitvorrat gestohlen wird, beauftragt Tempus fugit die Detektivin Karelia, dem Diebstahl auf den Grund zu gehen. Sie engagiert die beiden 16-jährigen Helfer Willis und Valerie. Bei ihren Recherchen wird ihnen klar, dass sie den Zeithandel gemeinsam mit den Rebellen unterbinden müssen. Doch dazu müssen sie erst einmal die verschollenen Zeitvorräte aufspüren.


Auf Gerd Ruebenstrunk bin ich durch die “Arthur”-Reihe aufmerksam geworden, die mir gut gefällt. Entsprechend neugierig war ich auf die “Rebellen der Ewigkeit”. Diese Geschichte richtet sich an eine etwas ältere Hörerschaft, etwa ab den Teenageralter. Die Idee, dass eine Gesellschaft mit Lebenszeit handelt, sie von Leuten aufkauft, die dringend Geld benötigen, hat mir gut gefallen. Ein wenig erinnert sie mich zwar an Momo und vor allem die Grauen Herren, wirkt in Gerd Ruebenstrunks Geschichte aber professioneller und wissenschaftlicher. Nach dem Hören blieb bei mir das Gefühl zurück, eine sehr einfache Geschichte gehört zu haben. Nicht inhaltlich, denn da ist “Rebellen der Ewigkeit” wirklich spannend, sorgfältig durchdacht und schickt eine ganze Reihe mehr oder minder (je nachdem welche Rolle sie spielen) symapthische Charaktere ins Rennen. Es ist durchgängig was los und Langeweile kommt hier zu keiner Minute auf. Einfach in dem Sinne, dass alle physikalischen und sonstwie wissenschaftlichen Erklärungen absolut verständlich und nachvollziehbar ausfallen. Eben so, dass auch jüngere Hörer sich unter diesen an sich hochkomplizierten Vorgängen leicht etwas vorstellen können. Das finde ich wirklich klasse und es beweist, dass auch anspruchsvolle Themen so aufbereitet werden können, dass jeder sie versteht.

Jacob Weigert hat auch schon die “Arthur”-Hörbücher gelesen, er scheint im Kinder- und Jugendbereich Gerd Ruebenstrunks Stamm-Sprecher zu sein. Ich höre ihn immer wieder gerne, da er eine angenehme Stimme hat und man ihm irgendwie anhört, dass er für junge Leute liest. Er liest schön locker und schafft es dabei gut, die verschiedenen Stimmungen in der Geschichte an den Hörer weiterzugeben. Mit dezent verstellter Stimme verleiht er den Charakteren außerdem markante Stimmen.

Die Zahnräder auf dem Cover passen gut zur Geschichte, denn solche Rädchen findet man in Uhrwerken vor. Das Auge deute ich so, dass jemand die Zeit gut im Blick hat und -jedenfalls in der Geschichte- darüber verfügt. Die beiden Gestalten in der Pupille könnten für die Rebellen gegen diese Zeitverwaltung stehen. Ein ungewöhnlich helles Motiv, aber sonst passend zur Geschichte.

Fazit:  Eine spannende Geschichte, der eine interessante und ausgefallene Idee zugrunde liegt. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass Gerd Ruebenstrunk zahlreiche an sich komplexe Themen und Elemente eingenaut hat, sie aber so beschreibt, dass auch die Kids sie leicht verstehen können.

Painting Marlene (Sabine Ludwig / Tanja Geke / Jona Mues)

Titel: Painting Marlene / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 303 min / 4 CDs / Buch: Sabine Ludwig / gelesen von: Tanja Geke & Jona Mues

Inhalt: Ist nichts, wie es scheint? Extrem spannender Psychothriller von Sabine Ludwig Die 18-jährige Marlene ist mit der Schule fertig, bei ihrer Mutter ausgezogen und wohnt jetzt allein in der Wohnung ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Ihre Freizeit verbringt sie hauptsächlich auf Partys und mit ihren Freunden Rike und Georgie. In der Wohnung ist ein Erinnerungsstück an ihren Vater, einen Maler, verblieben: ein Porträt von Marlene. Eines Tages kommt ihr das Bild verändert vor. Gleichzeitig fühlt sie sich verfolgt. Von wem? Georgie, Jasper, Hausmeister Wedau? Wem kann sie noch trauen?


Ich fange hier mal mit eine Abschlussbewertung an: mir hat “Painting Marlene” sehr gut gefallen.
Warum? Wahrscheinlich weil ich auch ein recht ausgeprägtes Faible für Jugendgeschichten ohne Mystery habe. So habe ich sehr gerne dabei zugehört, wie Marlene versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit eigener Wohnung, selbstbestimmtem Leben, allen Freiheiten, die sich ein junges Mädchen davon erhofft, aber eben auch mit allen Schwierigkeiten, die in dieser Situation auf einen zukommen. Damit geht die Geschichte sehr authentisch und sympathisch um. Und an sich hätte die Geschichte gut bis zum Ende so weiter verlaufen können und wäre alleine schon deshalb interessant und spannend gewesen, weil man wissen möchte, wie Marlene ihre Situation schließlich in den Griff bekommt. Nun möchte die Story aber vermutlich eben auch mystisch und leicht unheimlich sein. Ich habe sie so nicht empfunden. Selbstverständlich gehen seltsame Dinge in der Wohnung bzw auf dem Bild von Marlene vor, aber gruselig wie bei “Das Bildnis des Dorian Grave”, an das sich “Painting Marlene” zweifellos ein wenig anlehnt, geht es nicht zu. Diese Vorkommnisse stellen aber ein weiteres spannendes Element dar, denn man fragt sich automatisch, was da vor sich geht und wer dahinter steckt. Und speziell für diese letzte Frage steht eine ganze Reihe Verdächtiger parat. Das Ende ist schließlich eine sehr große Überraschung. Bei aller Grübelei, wer derjenige Welche ist, darauf wäre ich wohl nie mit Überzeugung gekommen.

Tanja Geke liest den Löwenanteil der Geschichte. Mir hat ihre frische, junge aber doch markante Stimme dafür gefallen. Sie liest locker, wie es einer Geschichte um ein junges Mädchen gut steht, und schafft es auch, das Wesen und die Launen der Charaktere einzufangen und an den Hörer zu bringen.
Jona Mues meldet sich zwar deutlich seltener zu Wort, aber dann hinterlässt er vom ersten Satz an Eindruck. Mit dunkler, eher leise Stimme liest er die Passagen des aussenstehenden Täters. Dabei ist er immer für eine Gänsehaut gut.

Das Cover ist ein Blickfang. Und das obwohl das Motiv nicht ausgefallen ist und außer Schwarz kaum andere Farben beteiligt sind. Genau diese Düsternis hatte mich aber auf das Hörbuch aufmerksam gemacht. Sie vermittelt Spannung. Das Booklet beinhaltet die Tracklist und Fakten zur Autorin und den beiden Sprechern.

Fazit: Gruselig -wie ich es mir wegen der Ähnlichkeit zu “Dorian Grave” vorgestellt / erhofft hatte- ist “Painting Marlene nicht. Aber spannend, sogar sehr spannend, was die seltsamen Veränderungen am Bild, und auch die Entwicklungen in  Marlenes Leben angehen. Mit Letzterem setzt sich die Geschichte sehr realistisch auseinander und macht sich so greifbar. Toll!

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