Loewe Verlag

Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand (Derek Landy)

Er ist kein gewöhnlicher Detektiv. Er ist Zauberer und Meister der kleinen schmutzigen Tricks, und wenn die Umstände es erfordern, nimmt er es mit dem Gesetz nicht so genau. Er ist ein echter Gentleman. Und … er ist ein Skelett. Als Stephanie Skulduggery Pleasant das erste Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm eines ihrer größten Abenteuer erleben wird. Denn um den mysteriösen Tod ihres Onkels aufzuklären, muss sie ihn in eine Welt voller Magie begleiten – eine Welt, in der mächtige Zauberer gegeneinander kämpfen, Legenden plötzlich zu Leben erwachen und in der das Böse schon auf Stephanie wartet.

Diesen ersten Band habe ich bereits vor Jahren einmal gelesen, die Reihe dann aber als Hörbuch weiterverfolgt. Die Bücher habe ich dennoch weiterhin gekauft und nun plane ich, die Reihe nach und nach auch zu lesen. Seit geraumer Zeit bin ich für Fantasy allerdings kaum bis gar nicht mehr zu begeistern, von daher könnte das Unternehmen durchaus scheitern. Wir werden sehen.
Mit diesem ersten Teil und mir lief es aber erstmal ganz gut. Ich mag auch einfach so Vieles an der Serie. Ich finde die Idee mit dem Skelett super genial und Pleasants Humor ist genau mein Fall. Somit habe ich mich mit ihm schnell angefreundet. Mit Stephanie bin ich auch am Ende dieses Buches noch nicht so richtig gut Freund. Sie wirkt mir für eine Zwölfjährige zu erwachsen, zu abgeklärt bis überheblich und ist mir für ein Mädchen diesen Alters auch eine ganze Ecke zu mutig, taff und zu talentiert in einigen Dingen.
Wiederum muss ich zugeben, so eine typische Zwölfjährige hätte Pleasant an seiner Seite auch beim besten Willen nicht brauchen können. Denn es geht durchaus rund in der magischen Welt. Ein bereits ausgeschaltet geglaubter, böser Magier drängt zurück in die Welt und an die Herrschaft darüber. Er hat nicht weniger im Sinn, als die nutzlose Menschheit auszurotten. Und dabei geht er auch häufig gerne mal über Leichen. Das ist hier wörtlich zu nehmen, es gibt mehr als einen Toten in diesem ersten Band. Da ist eine Einstufung der Leserschaft ab zwölf Jahren schon ziemlich gewagt, wie ich finde. Genau das mag ich aber auch so gerne: wenn Jugendbücher sich so etwas Gewagtes trauen.
Auch Pleasant ist nicht gerade zimperlich bei seinen Unternehmungen, jedoch hat das bei ihm halt irgendwie einen gewissen Charme, und nie trifft es bei ihm unbeteiligte, unschuldige Menschen. Da kann man seinem Einsatz in so mancher deftigen Prügelei also kaum übelnehmen. Und man sorgt sich halt schnell auch um ihn, denn zum Glück ist er kein Held, der immer am längeren Hebel sitzt. Zumindest vorübergehend kann man ihm durchaus mal schaden. Das macht seine Figur glaubhafter. Soweit man das bei einem Skelettdetektiv überhaupt sagen kann.
Die Geschichte ist spannend, jedes Kapitel hat für sich schon einen kleinen Höhepunkt, und es geht rasant und actionreich zur Sache. Langeweile hat da rein inhaltlich keine Chance. Während man mit Pleasant, seinen Verbündeten und Stephanie mitfiebert, wenn sie ermitteln oder eben auch handfest kämpfen, fragt man sich gleichzeitig auch, was mal aus Stephanie werden wird. Ob sie es schaffen kann, halb in der realen, halb in der magischen Welt zu leben. Vor allem, weil ihr in beiden häufig nach dem Leben getrachtet wird.
Zuletzt mag ich an der Story (und der ganzen Reihe) einfach, wie einfallsreich und unverbraucht so viele Ideen daran sind. Obwohl es um Zauberer geht, kam mir nie “Harry Potter” in den Sinn. Die Zauberer in Pleasants Gefolge und bei seinen Gegnern sind deutlich anders erdacht. Zum Glück -denn ich kann der Reihe gar nichts abgewinnen- kommt auch nie eine “Herr der Ringe”-Stimmung auf. Dafür spielt Pleasants Reihe viel zu sehr in der realen Welt, was mir immer einen Pluspunkt wer ist. Sämtliche Figuren sind, auch wenn es zig Magier in der Literatur gibt, eben so ganz anders und deshalb so besonders. Und auch die Figuren nebenher, wie Vampire, die Hohlen oder der Troll sind von ihrer Art, ihren Eigenschaften und dem Aussehen her schön weit weg von den gängigen Vertretern ihrer Art. Phantasie hat Derek Landy defenitiv massig, und das zum Glück!
Ach so, ich hab den Humor vergessen. Denn nicht nur Pleasants Sprüche sind oft zum Totlachen, auch zahlreiche Formulierungen haben mich zum Grinsen und Lachen gebracht.

Ich habe das Buch in drei Etappen gelesen, was bei 344 Seiten auch kein Problem war. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, sind weder zu kurz, noch zu lang und haben sehr einladende Titel. Zahlreiche Dialoge machen das Lesen angenehm und lassen schon mal zwei, drei Seiten im Rekordtempo dahinfliegen. Es gibt aber auch Abschnitte, die ich persönlich etwas anstrengend fand. Nämlich die Schilderungen der Kämpfe. Da bräuchte ich weit weniger Details und wäre trotzdem noch zufriden. Das hat mich dann wieder etwas ausgebremst. Ich hoffe sehr, dass solche Passagen in den weiteren Bänden nicht Überhand nehmen.

Das Cover liebe ich einfach heiß und innig. Die Figur Skulduggery Pleasant sieht schlichtweg cool aus und mit dem freundlichen Grinsen kein Stück gruselig. Dazu der düstere Hintergrund mit dem kontrastreichen Orange, das ist ein Hingucker durch und durch. Übrigens: das Buch hat ein ebenfalls orangefarbenes Lesebändchen! Lesebändchen finde ich immer toll.

Fazit: Obwohl ich mit Fantasy nicht mehr viel anfangen kann, so lief es mit diesem ersten Band von Pleasant und mir doch wirklich gut. Ich finde die Idee dieses ungewöhnlichen Detektivs cool und mag seinen Humor total. Die magische Welt wirkt unverbraucht und neuartig, nie hat man das Gefühl solche ähnlichen Figuren irgendwo anders schon mal angetroffen zu haben. Das ist heute auch schon viel wert und echt selten. Die Geschichte hat Spannung, Tempo und Action und schont die (junge) Leserschaft keineswegs! Hier gibt es Mord und Totschlag, das ist einfach so. Das muss man wissen, wenn man dem Nachwuchs das Buch in die Hand geben möchte. Ich mag solch mutige Jugendbücher.


Titel: Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand
Autor: Derek Landy
Seiten: 344
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-5922-2
Preis: € 16,90 (HC)

Ich diss’ dich! (Arno Strobel)

dissdichLisa ist zutiefst erschüttert, als ihre beste Freundin Vanessa Selbstmord begeht. Sie ist sich sicher, dass die Fotos auf Facebook der Auslöser waren! Doch wer hat sie hochgeladen, etwa Vanessas Exfreund Phillip? Lisa versucht die Hintergründe für den Tod ihrer Freundin aufzudecken und tritt dabei eine Lawine los, die sie selbst zu überrollen droht.

Wenn auf einem Buch der Name “Arno Strobel” steht, dann wird es gelesen. So habe ich es immer gehalten und so wird es auch bleiben. Das gilt natürlich auch für eBooks und eShorts.
“Ich diss’ dich!” konnte mich leider nicht ganz von sich überzeugen. Die Thematik ist sicher aktuell, vor allem bei Jugendlichen. Aber auch älteren Lesern hält sie Geschichte einen Spiegel vor was das virtuelle Leben anbetrifft. Vor allem, welche Gefahren es bergen kann. Ich bin an sich kein Fan von Geschichten, die ein solches Thema ins Zentrum stellen, weil dabei schnell mit dem moralischen Zeigefinger gewunken wird, doch hier ist das zum Glück nicht der Fall. Soweit war ich mit “Ich diss’ dich!” also ganz zufrieden.
Ich konnte auch gut nachvollziehen, dass Lisa die Wahrheit über Vanessas Tod herausfinden möchte. Und ich fand es ganz spannend zu verfolgen, was sie herausfindet. Dabei habe ich gerne mitgerätselt.
Leider konnte die Auflösung mich dann nicht überraschen. In diese Richtung hatte ich schon eine ganze Weile gedacht. Deshalb war ich am Ende zwar zufrieden, dass ich recht hatte, aber mir hätte ein überraschendes Ende doch besser gefallen.
“Ich diss’ dich!” ist so eine Art Appetithäppchen für Arno Strobels neuen Jugendthriller, der wohl im März 2016 erscheinen soll. Er trägt den Titel “Die Wahrheit trügt” und greift die Geschichte von “Ich diss’ dich!” wieder auf, allerdings vier Jahre nach dem Geschehen darin.
Ich werde “Die Wahrheit trügt” sicher lesen, zumal mir “Ich diss’ dich!” viel zu schnell abgehandelt war und entsprechend kaum echte  Spannung aufkam.

Fazit:  “Ich diss’ dich!” befasst sich mit einer aktuellen Thematik, mit der sich vor allem Jugendliche einmal gründlich auseinandersetzen sollten. Doch auch älteren Lesern gibt es damit Stoff zum Nachdenken über bestimmte Handlungen. Allerdings wurde mir das Geschehen zu fix abgehandelt um richtig Spannung aufkommen zu lassen. Und die Auflösung kam leider überhaupt nicht überraschend. Somit ein duchwachsenes eShort für mich. “Die Warhheit trügt” werde ich mir deshalb aber sicher nicht entgehen lassen!


Titel: Ich diss’ dich
Autor: Arno Strobel
Seiten: 38 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 1,99

Layers (Ursula Poznanski)

Layers (Ursula Poznanski)Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich recht gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun? In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an und Dorian ergreift die Gelegenheit beim Schopf – denn das ist seine Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo er neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt Dorian recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke – sehr aufwendig versiegelt. Und als Dorian ein solches Geschenk nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt.

Mit Ursula Poznanskis Büchern ist es bei mir ein zweischneidiges Schwert. Ihre Thriller für Erwachsene gefallen mir insgesamt meist wirklich gut. Ihre Jugendromane dagegen nicht, weil ich für Fantasy inzwischen nichts mehr übrig habe. Jedenfalls für die Art Fantasy in ihren bisherigen Jugendbüchern.
Der Klappentext von “Layers” klang allerdings so interessant, dass ich dem Buch eine Chance eingeräumt habe.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist direkt mittendrin in Dorias Leben auf der Straße. Schnell bekommt man ein gutes Bild seiner Situation. Er tat mir leid, gleichzeitig habe ich es aber auch bewundert, wie er sich damit arrangiert und durchschlägt.
Genau wie er war ich schockiert als eines morgens neben ihm ein toter Obdachloser liegt. Dorian fehlt die Erinnerung an den vorigen Abend und so habe ich genau wie er gegrübelt, ob tatsächlich er diese Tat begangen hat. Vorstellen konnte ich es mir nicht, aber die Ungewissheit blieb.
Gemeinsam mit Dorian wunderte ich mich über den Fremden, der ihn kurz nach der Entdeckung anspricht und ihm ein neues Leben in Aussicht stellt. Es war logisch für mich, dass Dorian das Angebot annimmt. Ich war aber auch sehr skeptisch. Denn Dorians Leben in dem Internat ist viel zu gut, als dass es nicht irgendwo eine Schattenseite geben würde. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass das böse Ende noch kommen würde. Das sorgte für Spannung und Ungeduld, weil ich natürlich wissen wollte, ob ich recht hatte. Meine Ungeduld wurde auf eine harte Probe gestellt und die Spannung flachte dann und wann auch ordentlich ab. Für mein Empfinden zieht sich der Part um Dorian in dem Internat und seine Aufgaben dort ganz ordentlich. Das hätte für mich gerne kürzer ausfallen dürfen. Hin und wieder war ich drauf und dran, mal einen Absatz zu überspringen.
Nach einem unerwarteten Zwischenfall bei einer von Dorians Aufgaben legte die Story dann aber zum Glück wieder einen Zahn zu. Fortan ist Dorian auf der Flucht und auf der Jagd gleichermaßen. Daas sorgt die Spannung und vor allem Tempo und Abwechslung. Langweile hatte von da an keine Chance mehr. Und ganz sicher war ich nicht mehr in Versuchung, Absätze zu überspringen.
Das größe Kompliment bekommt die Geschichte von mir allerdings für die Idee. Die hat mir wirklich super gut gefallen! Alleine die Vorstellung ist schon sehr reizvoll. Einerseits würde ich ein solches Gerät wirklich gerne mal ausprobieren. Ich bin halt ein neugieriger Mensch. Und ich kann mir manche positive Seite an so etwas vorstellen. Doch wenn man den Gedanken bzw die Situationen weiterdenkt, dann kommen bald auch die negativen Aspekte zum Vorschein. Und mir kommt eine solche Erfindung gar nicht so abwegig vor, was mir beim Lesen zusätzlich zu denken gegeben hat. Trotzdem, sollte es so etwas jemals geben…einmal würde ich es doch gern nutzen.
Zuletzt noch eine Frage: ist mir anfangs tatsächlich etwas entgangen? Dass man Dorian im Internat eine Dauerkarte für die Busse und Straßenbahnen der Stadt gegeben hat, beispielsweise? Oder fährt er wirklich die ganze Zeit unbehelligt schwarz durch die Gegend?

Mit seinen 448 Seiten ist “Layers” ein stattliches Buch. Weil sich der Teil im Internat für mich so gezogen hat, habe ich dafür recht lange gebraucht. Ich habe mittendrin sogar eine sehr lange Pause gemacht, weil mich die Geschichte da absolut noch nicht gepackt hatte. Das änderte sich danach aber ganz schnell und dann habe ich das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen. Trotz vieler beschreibender Passagen liest es sich prima flott weg. Die Kapitel haben diese gefährliche Länge, bei der man leicht denke ach, eines geht noch! und dann ist man plötzlich beim Ende angekommen.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir das Aussehen des Buchs gar nicht so sehr zusagt. Das Muster gibt zwar Rätsel auf, das war es dann aber auch schon. Die Farben sind mir zu trostlos. Dafür finde ich die Idee mit den mehrmals aufklappbaren Cover wirklich super. Das vordere Cover hat gleich mehrere Schichten. Wie es zu einem Buch mit dem Titel “Layers” eben passt.

Fazit: “Layers” beginnt spannend, erschreckend und rätselhaft. Dann wurde es mir allerdings deutlich zu langatmig mit Dorians Zeit an der Schule. Das hätte für mich gerne kürzer gefasst werden können. Daran ging bei mir ein Großteil der Spannung verloren. Doch nach dem Zwischenfall bei einem von Dorians Jobs tritt die Geschichte das Gaspedal zum Glück so richtig durch. Von da an hatte Langeweile keine Chance mehr. Es ging rasant und spannend zu. Die Idee von “Layers” gefällt mir so gut, dass ich -obwohl ich die Risiken einer solchen Erfindung durchaus erkenne- sie auf jeden Fall einmal ausprobieren wollen würde (sollte es so etwas jemals geben).


Titel: Layers
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 448
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785582305
Preis: € 14,95 (Broschiert)

Finstermoos (02) – Am schmalen Grat (Janet Clark)

Finstermoos (02) - Am schmalen GratGemeinsam mit Basti, Luzie und Valentin macht Mascha sich in der unberechenbaren Bergwelt auf die Suche nach ihrer Mutter. Doch schon kurz nach ihrem Aufbruch stoppt unerwartet der Lift, der sie über eine gefährliche Schlucht bringen soll. Nachdem Mascha und ihre Freunde den Abend über in schwindelerregender Höhe ausharren mussten, setzt sich der Lift nach Sonnenuntergang plötzlich wieder in Bewegung. Aber statt erleichtert zu sein, kann Mascha an nichts anders denken als an das Gespräch, das sie wenige Stunden zuvor belauscht hat und in dem sie und ihre Mutter bedroht wurden. Hat einer der heimtückischen Männer den Lift bedient? Und wartet er womöglich nur, bis sie direkt zu ihm an den Ausstieg gebracht werden?

Band 3 ist bereits erschienen, da wurde es für mich Zeit, endlich diesen zweiten Teil zu lesen.
Dieser Teil setzt genau an der Stelle an, an der der vorigen endete. Das habe ich als gut und praktisch empfunden, denn so ist man direkt wieder mittendrin. Zumal das Ende von Teil 1 auch wirklich ein fieser Cliffhanger war. So etwas vergisst man so leicht nicht. Und falls einem eben doch mal etwas entfallen sein sollte, ist es sofort wieder da, wenn man mit Band 2 beginnt.
Die Handlung um Luzie, Mascha, Basti und Valentin spielt sich hier durchweg in den Bergen ab. Das alleine ist für mich schon eine ziemlich schauerliche Szenerie. So gerne ich die Berge mag und mal dort wandern würde, durch meine Höhenangst ist mir die Gegend widerum nicht gerade geheuer. Von den vielen anderen Gefahren ganz zu schweigen, die einem diese Geschichte vor Augen führt. Ständig hat man mit den Freunden gemeinsam Angst vor Abgründen, Gewittern, Bären usw.
Das alleine sorgt schon für eine gehörige Portion Spannung. Sher bald kommen dazu noch Streitereien und Eiferüschteleien in der Gruppe. Ich habe tatsächlich einige Male an gewissen Personen aus der Gruppe gezweifelt. Ob man ihnen trauen bzw etwas Böses zutrauen kann, wenn sie nur genug gereizt werden.
Soviel zu den Punkten, die “Am schmalen Grat” für mich spannend gemacht haben. Das sind aber nur Punke, die sich auf die Rahmenhandlung beziehen. Ich finde aber, auch der Teil um die seltsamen Vorkommnisse in Finstermoos sollte seinen Teil zur Spannung und Dramatik beisteuern. Und das ist ihm bei mir leider nicht gelungen. Natürlich möchte ich wissen, was da los ist, was unter den Dorfbewohnern totgeschwiegen wird, was sich damals ereignete, aber Spannung haben diese Fragen bei mir nicht aufkommen lassen. Eher Verwirrung. Denn dieser Band beantwortet nicht mal im Ansatz wenigstens eine Frage, die bislang bei mir aufgekommen ist. Ich weiß, die Reihe ist auf vier Teile ausgelegt, ich bin also gerade mal auf der Hälfte. Aber so viel sind vier Teile nun auch wieder nicht. Wenigstens ein kleiner Schubs in die richtige Richtung hätten drin sein dürfen. Damit man einen Anhaltspunkt zum Weitergrübeln hat, die Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln.
Stattdessen kommen säckeweise neue Rätsel dazu, die mich noch verwirrter zurückgelassen haben als es Band 1 getan hat. Bislang kann ich einen Zusammenhang zwischen den Entdeckungen aus Band 1 und Band 2 überhaupt nicht erkennen. Schlimmer noch: für mich wirkt es so als würde die Story mal so komplex, dass man wirklich nur durchsteigt, wenn man am Ende alle Teile aus dem FF auf dem Schirm hat. Und das fällt zumindest mir schon schwer bei den monatelangen Pausen zwischen den Teilen.
Statt auf über 200 Seiten immer neue Fragen aufzuwerfen, hätte man sich in diesem Teil noch mal näher mit einigen Figuren befassen sollen, die keine Hauptrolle spielen, aber doch wichtig zu sein scheinen. Da habe ich nämlich nachwievor meine Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen. Krailinger, Wolferl, Franz, der Becker…da blicke ich teilweise kaum durch und weiß selten, über wen ich gerade lese und welche Rolle bzw Position er im Finstermoos und dem Rätsel innehat. Irgendwie ist es der Geschichte bislang nicht gelungen, mir diese Figuren genug nahezubringen bzw ihnen ausreichend markante Chrakterzüge zu verleihen, dass ich sie auf Anhieb einsortieren könnte. Und ich befürchte, dass mir das am Ende der Reihe zum Verhängnis werden könnte. Allzumal nach der Entdeckung, die die Freunde zum Ende von diesem zweiten Band hin machen.

“Finstermoos” liest sich für mich weiterhin eher anstrengend. Das liegt an den vielen und meist auch sehr langen beschreibenden und erklärenden Passagen. Gerade in Sachen Landschaftsbeschreibungen hätte man sich für mich gern kürzer fassen dürfen. So habe ich mich über jeden Dialog gefreut, denn Dialoge lockern einfach auf und lesen sich nun mal leichter. Die Kapitel sind häufig sehr kurz, daher kann man schon mal mehrere am Abend lesen. Wenn man sich durchbeißt. Ich musste das an manchem Abend leider.

Dieser Band ist in einem hellen Gelb und verwaschenem Grün gehalten und so im Regal ganz auffällig. Mt der Seilbahn steht ein wesentlicher Punkt der Geschichte im Mittelpunkt.

Fazit: Leider rührt der wesentliche Teil der Spannung bisher von dem Rahmengeschehen her. Von den Gefahren in den Bergen und den Streitpunkten in der Gruppe. Die Frage nach der Wahrheit um Finstermoos, dem Geschehen im Dorf, den Geheimnissen bringt bislang für mich keine Spannung ein. Einfach, weil ich null Anhaltspunkt habe und mir stattdessen nur ein Sack weiterer Fragen serviert wurde. Zudem habe ich Angst, dass mir meine Verwirrung bei den Nebenfiguren am Ende der Reihe zum Verhängnis wird.


Titel: Finstermoos (02) – Am schmalen Grat
Autor: Janet Clark
Seiten: 221
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785577493
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Schlusstakt (Arno Strobel)

Schlusstakt (Arno Strobel)Sing um dein Leben! Für Vicki scheint ein Traum wahrgeworden zu sein: Sie hat es bei der neuen Castingshow in die letzte Runde auf einer abgelegenen Südsee-Insel geschafft und hat nun die Chance auf 2 Millionen Euro und einen Plattenvertrag. Aber der Wettbewerb ist nicht nur hart, sondern tödlich. Vickis Mitbewohnerin Carolin wird am Strand gefunden – erschlagen. Wer ist zu so einer Tat fähig? War es einer der Kandidaten, die Carolin in den Fights aus dem Wettbewerb gedrängt hat? Die Anspannung wird zu einem wahren Nervenkrieg, denn der Mörder muss noch auf der Insel sein.

Arno Strobels Thriller für Erwachsene gehören für mich zur Pflichtlektüre, aber er konnte mich auch mit seinem ersten Jungendthriller “Abgründig” überzeugen. Deshalb stand fest, dass ich auch “Schlusstakt” lesen würde.
Natürlich wusste ich vom Klappentext her, dass es sich die Handlung im Rahmen einer Castinshow abspielen würde. Für solche Shows habe ich nullkommanichts übrig. Einfach, weil mir der Gedanken nicht gefällt, dass so viele Kids heute meinen, mittels solcher Shows um normale Arbeit herumzukommen, sich aber trotzdem dumm und sämlich zu verdienen. Allerdings hatte ich Arno Strobel durchaus zugetraut, mir dieses Setting dennoch ganz sympathisch zu machen.
Das ist leider nicht gänzlich gelungen. Ich habe mehrfach den Kopf geschüttelt. Nein, solche Shows werden nie mein Fall werden. Und ich werde nie verstehen, was so sehr gegen normale, ehrliche Arbeit spricht.
Was ich der Geschichte aber in dieser Hinsicht widerum hoch anrechnet ist, dass sie wahrlich kein Leben in Glanz und Gloria beschreibt. Zwar werden die Kandidaten für die letzte Runde der Show auf einer Insel der Malediven (NEID, NEID, NEID!) untergebracht, doch das war es dann auch schon mit paradiesischen Zuständen. Die Bedingungen der Show sind hart, richtig hart. Alles um die Jugendlich auf das eventuelle Leben als Superstar vorzubereiten. Grundsätzlich finde ich das gut, damit die Damen und Herren lernen, dass man sich nach dem Sieg bei einer solchen Sendung nicht nur im Ruhm sonnen wird. Doch natürlich bekommt man hier nochmal eine ganz besondere Härte zu spüren.
Das Schockierendste für mich war daran, dass mir das alles gar nicht mal so unwahrscheinlich erschien. Schon heute gibt es TV-Shows, die offenbar in erster Linie dazu dienen, vor allem die Sensationsgeilheit der Zuschauers zu befriedigen. Die Würde der Teilnehmer? Nebensächlich! Somit kam mir das Format von “Germanys Next Superstar” eher so vor wie eine unausweichliche Steigerung aktueller Sendungen.
Das Rätsel und die Nachforschungen nach dem ersten Mord fand ich ganz spannend. Man hat ja einen eher kleinen Kreis an Verdächtigen, da kann man leicht mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Immer wieder tun sich neue Abgründe rund um die Show auf, die fassungslos machen und ab und zu weiß man wirklich nicht, wem man hier überhaupt noch trauen kann. Der Täter war für mich eine Überraschung, und das gefällt mir immer sehr an Thrillern und Krimis.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vor allem Vicky, Maike, Ivana und Carolin. Ich fand sie durchweg ganz in Ordnung und sympathisch. Die eine früher, die andere später. Aber so richtig warm bin ich mit ihnen nich geworden. Erstens wird bei den Charakteren nicht so sehr in die Tiefe gegangen, dass ich eine echte Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Zweitens haben sie eben alle ein Ziel, für das ich weder ihr Engagement, noch ihre Begeisterung nachvollziehen konnte.
Der Schauplatz widerum war genau nach meinem Geschmack. Ich würde sonstwas dafür geben, auf die Malediven zu reisen. Sie sind seit je her mein Traumziel und gewisse Beschreibungen in dieser Geschichte haben mich darin noch bestärkt. Aber natürlich als ganz normale Reise 😉

Genau wie alle anderen Thriller von Arno Strobel las sich auch “Schlusstakt” für mich wunderbar leicht und flüssig. Viele Dialoge lockern auf, die Kapitel sind nicht zu lang und durch gelegentliche Kapitel, die bei einer unbekannten Person spielen bzw ihren Gedanken, kam nochmal Abwechslung und Tempo ins Geschehen und damit in mein Lesetempo.

So ein wunderschönes Cover, oder eher: was für eine wunderschöne Gestaltung des ganzen Buchs. Denn auch die Klappen der Broschur und das rückwärtige Cover zeigen diese kleine Insel in diesem traumhaft türkisfarbenen Meer. Ich könnte das Buch ewig lange anschauen und mich dorthin träumen…

Fazit:  Eine ganz spannende Geschichte an einem wirklich traumhaft schönen Schauplatz, die sich um ein sehr aktuelles Thema dreht. Ich bin mir sicher, es wird nach und nach immer mehr dieser Castingshows geben. Vielleicht stimmt “Schlusstakt” manche jugendliche Leserin etwas nachdenklich und kritisch gegenüber solcher Zukunftsvorstellungen. Ganz konnte die Geschichte mich aber nicht überzeugen, dafür habe ich einfach zu wenig Verständnis für die Begeisterung für solche Shows bei Jugendlichen. Aus dem Grunde bin ich auch mit den Figuren nicht  warm geworden. An “Abgründig” reicht “Schlusstakt” für mich also nicht heran. Kann man lesen, ist aber in meinen Augen keine Pflichtlektüre für Strobel-Fans.


Titel: Schlusstakt
Autor: Arno Strobel
Seiten: 222
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785578650
Preis: € 9,95 (Broschiert)

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