London

Gespenster-Krimi (13) – Das Erbe der Blutbestie

Titel: Gespenster-Krimi (13) – Das Erbe der Blutbestie / Verlag: Contendo Media, Audionarchie  / Spielzeit: 51 min / Sprecher: Mark Bremer, Anke Reitzenstein, Sven Plate, Otto Strecker ua

Inhalt: Höchste Gehemdienstkreise arbeiten am „Projekt Dury“, doch die Ergebnisse lösen bei den Verantwortlichen Unbehagen aus. Denn das, was aus der Bestien-DNA erschaffen wurde, scheint nur schwer kontrollierbar zu sein. Als der unsichtbare Killer durch einen Verrat befreit wird, versetzt er die britische Hauptstadt in Angst und Schrecken. Der Profiler Dave Donovan muss sich erneut seinem schlimmsten Alptraum stellen. Zusammen mit Caren Fellows, einer Agentin des MI-6, folgt er der Spur des Blutes, bei der die Jäger bald Gejagte werden.


Die verflixte dreizehnte Folge präsentiert den dritten Teil um die Blutbestie und ich muss schon gestehen, dass ich mich gefragt habe, wieso es noch eine Episode um Dury geben muss. Mit Fortsetzungen ist und bleibt es so eine Sache, daher bin ich davon nur in engen Maßen ein Fan.
Was also bietet dieser dritte Part um die Blutbestie? Vor allem auf jeden Fall eine knackig kurze Spielzeit von rund 52 Minuten, die vollgepackt ist mit Action und Blutbädern, die auf das Konto der Bestie geben. Langweilig wird es also schon mal nicht, allerdings graust es mich nicht mehr vor Dury und seinen Taten. Was mich in Teil 1 defintiv und in Teil 2 immerhin noch mehrmals schaudern ließ, ließ mich hier eher kalt. Der Gruselfaktor ist für mich mittlerweile dahin. Zum Glück habe ich aber noch ein Faible dafür, wenn es blutig zugeht. Und Blut fließt und spritzt hier immer noch reichlich, was mich ein bisschen entschädigte.
Dass die Bestie die ganze britische Hauptstadt in Angst und Schrecken versetzt, ist etwas übertrieben. Es gibt Zwischenfälle natürlich, aber das Gefühl, dass ganz London unter Schock steht, kommt nicht auf. Das schiebe ich mal auf besagte knappe Spielzeit.
Die Jagd auf Dury ist gewohnt spannend und wird durch Agenten des MI-6 aufgepeppt. Donovan macht nicht alleine Jagd auf die Bestie, sondern hat neue Komplizen mit dabei. Und in England gehen die Uhren eben doch etwas anders auf jenseits des großen Teiches. Das stellt Donovan schnell fest, was für manchen gepfefferten Dialog und auch ein Schmunzeln dann und wann sorgt. Die Jagd, die zunächst geplant abläuft, erlebt einige Wendungen, die für neue Brisanz sorgen und mich durchaus auch überrascht haben. Soweit alles fein aus dieser Richtung.

Mark Bremer ist einmal mehr als Donovan zu hören. Mit klarer Stimme und entschiedenem Ton vermittelt er einem ein deutliches Bild seiner Figur und macht sie einem sympathisch. Und irgendwie vermittelt dieser Ton auch Vertrauen darauf, dass mit ihm gegen die Bestie nichts schief gehen kann. Anke Reitzenstein höre ich immer wieder gerne. Ihre makante Stimme gefällt mir einfach und sie passt gut zu der abgebrühten Agentin.

Was Musik und Geräusche anbetrifft, geht es eine Spur ruhiger zu als bei den beiden Vorgängern. Es sind aber nachwievor düstere Klänge zu hören. Die Stücke zwischen den Szenen sind oft von durchdringenden Geräuschen durchsetzt, was top zu einer Gruselgeschichte passt.

Auf dem Cover ist London mit dem Tower zu sehen, natürlich im Regen, und darüber schweben die blutroten Augen der Bestie. So wird auf Anhieb klar, womit Dury und seine Jäger es dieses Mal zu tun bekommen.

Fazit:  Eine rasante, spannende und teilweise auch actionreiche dritte Episode um die Blutbestie. Für mich bleibt inzwischen aber der Gruselfaktor auf der Strecke, weshalb ich nicht böse wäre, wenn die Trilogie hiermit ihren Abschluss fände.

Bibi Blocksberg (118) – Die Austauschschülerin

Titel: Bibi Blocksberg (118) – Die Austauschschülerin / Verlag: Kiddinx / Spielzeit: ca. 43 min / Sprecher: Bodo Wolf, Nicole Hannak, Susanna Bonasewicz ua

bibi118Inhalt: Familie Blocksberg erwartet eine Austauschschülerin: Emily aus London. Bibi freut sich schon sehr auf sie. Doch leider entpuppt sich das englische Mädchen schnell als absolutes Gegenstück zu ihr selbst. Sie scheint eingebildet, verwöhnt und pingelig zu sein. Der erste Eindruck kann aber leicht täuschen. Ob die beiden Mädchen Freundinnen werden?


Leider passiert es bereits automatisch, wenn ich von neuen Folgen der Reihe höre: erstmal bin ich skeptisch, oft genug auch absolut pessimistisch.
In diesem Falle erfreulicherweise völlig unbegründet! Zugegeben, die große Spannung sucht man hier vergebens, aber es gibt doch genügend Dinge, die die Geschichte interessant halten. Werden Bibi und Emily sich noch anfreunden? Wird die Schulparty doch bei den Blocksbergs stattfinden dürfen? Solche Fragen halten neugierig.
Bei mir hat die Folge in anderen Bereichen gepunktet. Beispielsweise damit, dass mal wieder richtig viel gehext wird. Damit, dass mich die Geschichte irgendwie an die alte Folge „Bibi in Amerika“ erinnert hat. Damit, dass nicht die x-te neue Hexe vorgestellt wird, von der man später aber nie mehr etwas hören wird. Damit, dass es mal ganz ohne Junghexen geht, sondern nur um die Blocksbergs, Bibis Freundinnen und die Schule. Damit, dass die Geschichte mit Bibi und Emily zwar zwei Welten aufeinanderprallen lässt, aber eben auch zeigt, wie man solche Unterschiede überwinden kann. Damit, dass man beide Städte (Neustadt und London) nochmal kennenlernt, Vergleiche anstellen kann. Und zuletzt, dass man sogar ein paar Vokabeln Englisch aufschnappen kann.
Für mich sind das -wenn man es weiter greift- genau die Stärken, die die früheren Folgen auszeichneten. Und dafür nehme ich es mehr als gerne in Kauf, wenn es mal nicht so spannend ist. Dafür ist es unterhaltsam und in einigen Belangen wesentlich lebensnaher.

Die Sprecherliste fällt recht kurz aus. Als Emily ist Nicole Hannak zu hören. Sie lässt Amily anfangs etwas hochnäsig, aber nicht wirklich unsympathisch klingen. Irgendwie mag man die kleine Engländerin trotzdem. Später kann sie überzeugt sie mit fröhlichem und lebendigem Ton. Der englische Akzent ist nicht zu 100% glaubwürdig, aber auch nicht störend und allzu aufgesetzt. Ich würde Emily gerne mal wieder in einer Folge antreffen.
Neben Susanna Bonasewicz sind beispielsweise Eva-Maria Werth, Bodo Wolf und Gabriele Streichhahn mit von der Partie.

An Musik gibt es neben dem Titellied nichts weiter, was mich aber noch nie gestört hat. Dafür ist die Geräuschkulisse ganz prima und vermittelt einem ohne Probleme Bilder vom Geschehen. Das ist in meinen Augen auch völlig ausreichend bei einer Kinderreihe.

Das Cover zeigt den Moment als die Blocksbergs Emily von der Bahn abholen. Im Gegensatz zu den Blocksbergs schaut Emily wenig glücklich drein, was gut die Ausgangssituation der Geschichte rüberbringt.

Fazit:  Eine wirklich schöne Folge, die sich auf die Qualitäten und Themen der frühen Geschichten dieser Reihe besinnt. Es geht um Freundschaft, darum wie man Unterschiede überwinden und dann doch gemeinsam Spass haben kann. Und ein bisschen zu lernen gibt es auch. Dennoch kommt die Geschichte modern daher, ohne dass es gezwungen wirkt. Beides schließt sich also keineswegs aus. Solche Folgen dürfte es für mich gerne häufiger geben.

Fingerhut-Sommer (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Fingerhut-Sommer / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: 266 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

fingerhutsommerTitel: Peter wird in die tiefste Provinz geschickt, wo sich Fuchs, Hase und der Dorfpolizist gute Nacht sagen und wo – oh unaussprechliches Schicksal – die Läden um vier Uhr nachmittags schließen. Aber es werden zwei Kinder vermisst, und ihr Verschwinden erfolgte unter möglicherweise magischen Umständen. Also muss Peter notgedrungen sein angestammtes Biotop verlassen. Im ländlichen England sind die örtlichen Gottheiten und Kollegen zu zähmen und angesichts lebender Kühe die Nerven zu behalten. Erschwerend kommt hinzu, dass Herefordshire direkt an das schon immer für seine magische Geschichte berüchtigte Wales angrenzt. Da ist das Gesetzeshüterdasein kein Zuckerschlecken.


Während ich krank war, habe ich mir einige der längeren Hörbücher vorgeknöpft, die schon länger hier stehen. Darunter auch den „Fingerhut-Sommer“. Für mich hat diese Reihe nach und nach etwas abgebaut, daher war ich unsicher, ob ich überhaupt dranbleibe. Ich habe mich dafür entschieden, denn irgendwie mag ich Peter wirklich gerne.
Entsprechend konnte ich nur zu gut nachvollziehen, wie es ihm mit seiner Versetzung in die Provinz ging. Ich bin selber Stadtkind und hätte mit einer längeren Zeit auf dem Land sicher so meine Probleme. Peter tat mir da ganz schön leid. Allerdings sorgt seine Begegnung mit dem Landleben und seinen zahlreichen Facetten auch für so manche Situation zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen.
Peters Fall dort auf dem Dorf klingt zunächst gar nicht so unspannend. Und ja, ich war durchaus neugierig, wie und wohin die beiden Mädchen verschwunden sind. Doch irgendwie zog sich die Geschichte für mich auch oft. An vielen Ecken fehlt der Schwung, der den Storys der Reihe sonst zu eigen ist. Ob man das nun auf den Schauplatz schieben kann, keine Ahnung. Das möchte ich nicht einfach behaupten. Aber es mischen auch nicht so viele (vertraute) Figuren im gewohnten Maße mit. Das könnte eher ein Grund sein. Und auch in Sachen Magie geht es dieses Mal nicht so hoch her wie sonst.
So ein bisschen wirkte dieser Teil auf mich wie ein Zwischenband, ein Lückenfüller. Wieso auch immer ein solcher notwendig sein sollte. Man hätte auch auf dem Land den bislang so wichtigen Handlungsstrang um den zur dunklen Seite übergelaufenen Magier weiterführen können. Von dem ist hier jedoch nichts zu hören.

Dietmar Wunder macht es mir trotz der schwächer werdenden Geschichten zum Glück trotzdem leicht, der Handlung zu folgen. Ich mag seine verschiedenen Stimmen für die Figuren. Und auch die Leichtigkeit mit der er zwischen einem geheimnisvollen Ton und dem mal lockeren, dann energischen Ton des Polizisten wechselt. Je nachdem, was die Handlung gerade erfordert.

Mit dem Wegweiser nach London weist das Covermotiv bereits darauf hin, dass die Geschichte dieses Mal nicht dort spielt. Stattdessen ist eine Karte der ländlichen Gegend zu sehen. Witzig finde ich dabei die kopfstehende Kuh. Der Blutklecks in der Mitte verrät, dass aber auch hier auf dem Land etwas Böses unterwegs ist.

Fazit:  Ich konnte Peter gut verstehen, dass er mit dem Leben auf Land so seine größeren und kleinere Probleme hat. Dabei gibt es viele witzige Szenen. Spass macht dieser Teil also durchaus. Der Krimi kommt allerdings relativ dünn daher. Die Spannung bleibt öfter mal auf der Strecke und das gewohnte Tempo sucht man ebenfalls vergebens.

Der böse Ort (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Der böse Ort / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 267 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

aaronovitch_der_boese_ort_booklet_3221_8.inddInhalt: Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Skygarden Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Sängern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, der Peter noch in schlechtester Erinnerung ist, ein so eingehendes Interesse an dem Gebäude an den Tag legt.


Dies ist nun bereits Peter Grants viertes Abenteuer als Polizist und angehender Magier. Inzwischen ist es unbedingt erforderlich, dass man die vorigen Teile kennt, sonst ist man binnen kürzester Zeit aufgeschmissen. Für Quereinsteiger ist diese Reihe damit nicht (mehr) empfehlenswert.
Leider muss ich gestehen, dass mich „Der böse Ort“ nicht so recht von sich überzeugen konnte. Das liegt zum einen an den Figuren. Natürlich habe ich Grant und seine Truppe wirklich liebgewonnen, keine Frage, aber so ein bisschen Vorankommen in der Entwicklung wäre schon nicht schlecht. Speziell auch bei Peter selber, der mit seiner Magierausbilung ziemlich auf der Stelle tritt.
Der neue Fall für Grant dagegen lässt sich ganz interessant an und ich freute mich schon auf weitere spannende Ermittlungen. Diese Ermittlungen trifft man aber eher selten an bzw nur wenn man zwischendurch mal gut aufpasst. Vor und nach diesen Szenen bin ich gedanklich gerne mal abgedriftet, wenn Ben Aaronovitch in den Schilderungen Londons ergeht. Es ist unverkennbar, dass er diese Stadt kennt und liebt und sie dem Hörer schmackhaft machen will, allerdings geht dieses Ansinnen hier zur Lasten des Krimis und seiner Spannung. So plätschert die Story oft vor sich hin und hat tatsächlich einige wirklich langweilige Momente, die nicht mal vom tpyischen Humor gerettet werden konnten. Das war ich von den Vorgängern so gar nicht gewöhnt.  Womöglich ist es mir deshalb hier so deutlich aufgefallen. Vielleicht aber auch, weil die Geschichte zum Ende hin plötzlich richtig aufdreht und in Sachen Spannung und Tempo absolut keine Wünsche offen lässt. Da schreckt man dann plötzlich auf und glaubt es kaum. Das Ende hält dann außerdem noch eine ganz ordentliche Überraschung bereit, weshalb ich die Reihe nach diesem vierten Teil doch noch nicht aufgebe und sicher auch noch Teil 5 hören werde. Vielleicht kommt die Reihe da wieder auf Touren. Ich wünsche es mir wirklich sehr!

Dietmar Wunder hat keine Schuld daran, dass mich dieser Band nicht wirklich fesseln konnte. Ich höre ihn immer noch gerne als Peter Grant. Und weil ich seine Stimme und den Ton für diese Geschichten so gerne mag, habe ich die drei CDs auch durchgehört. Bei einem anderen Sprecher, der mir nicht so liegt, hätte ich das Hörbuch womöglich abgebrochen. Aber der stetige Wechsel zwischen dem geheimnisvollen Ton, wenn es um die magische Welt geht, und dem sympathischen, aber doch energischeren Ton sobald es sich um die reale Welt und seine Polizeiarbeit dreht, haben mich bei Laune gehalten.

Auf dem Cover ist einmal mehr ein Ausschnitt aus dem Stadtplan von London zu sehen. Ein Markenzeichen der Reihe. Mit der Schattengestalt und den Spinnen und Totenköpfen wirkt es außerdem eine Spur gruselig und lässt auf eine spannende Geschichte hoffen.

Fazit:  Ben Aaronovitchs Liebe zu London in allen Ehren, aber seine Schilderungen gehen hier häufig zu Lasten des Krimis und der Spannung. So hat die Geschichte bei mir einen recht unspektakulären Eindruck hinterlassen. Am Ende geht es dann zwar nochmal rund und man bekommt eine echte Überraschung geboten, doch vorher plätscherte alles eher so vor sich hin. Das kann Peter Grant besser. Deshalb hoffe ich auf Band 5.

Mind the Gap – Wie ich London packte (oder London mich) [Emmy Abrahamson / Julia Nachtmann)

Titel: Mind the Gap – Wie ich London packte (oder London mich) / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 230 min auf 3 CDs / Buch: Emmy Abrahamson / gelesen von: Julia Nachtmann

mindthegapInhalt: Abitur geschafft – und nun? Nix wie weg aus der heimatlichen Enge! Filippa macht sich auf in die Stadt ihrer Träume: nach London. Dort möchte sie auf die renommierteste Schauspielschule, sich einen »coolen Boyfriend zulegen« und viele Freunde finden. Doch erst mal muss sie sich mit den Tücken des Alltags in einer Großstadt auseinandersetzen: der Zimmerpreis gilt nicht fur den Monat, sondern nur für eine Woche und es ist nur ein Schlafplatz auf einer Luftmatratze. Die Jobsuche hat es in sich und auf der Schauspielschule gibt es nur wenige Plätze für ein Heer von Bewerbern.


Mit „Mind th Gap“ habe ich nach „Wie man eine polnische Mutter überlebt“ die zweite Geschichte von Emmy Abrahamson kennengelernt. Wie das Hörbuch beweist, kennt sie sich in und mit London ebenso aus wie mit den oft absonderlich anmutenden Eigenarten des polnischen Familienlebens.
Ich muss sagen, sie hat mir nicht gerade den sympathischsten Eindruck dieser Stadt vermittelt. Schmuddelige Lokale, verlogene Kerle, schmierige und brutale Vermieter und horrende Lebenshaltungskosten sind nur die wesentlichsten Punkte, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Ich stelle das nicht in Frage, daher bitte nicht falsch verstehen. Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass es so ist, wenn man nicht nur als Tourist dorthin kommt und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gondelt. Aber Werbung macht das Hörbuch für die Stadt so nicht gerade!
Für Filippas Situation hat mir das so aber gut gefallen. Denn wer erstmals auf eigenen Beinen stehen will, noch dazu in einer fremden Stadt, der bemerkt schnell, dass Erwachsensein durchaus seine Schattenseiten hat. Nur selten fällt einem etwas in den Schoß und fast täglich wartet die nächste Herausforderung. Das machte für mich den Großteil der Spannung aus. Was würde Filippa noch alles erleben? Würde sie sich durchbeißen? Wann würde der Moment kommen, an dem London sie packt? Sie tat mir bei diesem Abenteuer oft wirklich leid und ich habe bei jedem noch so kleinen Lichtblick gehofft, dass für sie nun bessere Zeiten anbrechen würden. Doch der Weg bleibt bis zum Schluss holprig. Die Frage, ob sie an der Schauspielschule angenommen werden würde, war für mich dabei schnell gar nicht mehr die spannendste. Dafür spürt man, wie sie mit der Zeit an dieser Herausforderung wächst. Zwischen dem schüchternen Mädchen zu Beginn der Geschichte und der Filippa am Ende liegen Welten.
Das „Urkomische“, das der Geschichte auf dem rückwärtigen Cover bescheinigt wird, habe ich allerdings vergebens gesucht. Gegen Ende habe ich über zwei, drei Formulierungen geschmunzelt, ansonsten gab die Handlung für mich wenig Erheiterndes her. Ich finde aber auch nicht, dass Filippas Erlebnisse lustig sind. Deshalb war das für mich so in Ordnung.

Als Sprecherin ist Julia Nachtmann zu hören, die mir gut gefallen hat. Es liegt sicher auch an ihr, dass ich die Geschichte nicht urkomisch fand, denn sie liest sie nicht so, dass sie witzig wirkt. Auch das finde ich völlig in Ordnung, denn wie schon gesagt: was Filippa alles erlebt ist von lustig meist meilenweit entfernt. Dafür passt Julia Nachtmanns junge und warme Stimme gut zu Filippa. Sie hat vom ersten Moment an dafür gesorgt, dass ich das schwedische Mädchen mit den großen Träumen mochte. Ein bisschen schüchtern, oft entsetzt, aber bei entsprechender Gelegenheit dann auch wieder hoffnungsvoll und begeisterungsfähig. Eben immer genauso wie es Filippas Leben gerade vorgibt.

Dieses Eierschalengelb scheint das Markenzeichen der Cover von Emmy Abrahamsons (Hör)büchern zu sein. So wie man London hier als Silhouette sieht, so stellt sich wohl fast jeder die Stadt vor. Voller aufregender und berühmter Sehenswürdigkeiten. Filippa wirkt ein wenig verloren, aber neugierig. Das passt gut zu dieser Figur, denn in der Geschichte vermittelt sie ebenfalls diesen Eindruck.

Fazit:  Es ist kein Zuckerschlecken erwachsen zu werden und auf eigenen Beinen zu stehen. Erst recht nicht in einer Stadt wie London und mit solchen Zielen, wie Filippa sie hat. Das bringt diese Geschichte prima rüber und holt so vielleicht manchen Teenie, der in ähnliche Richtung denkt, ein wenig zurück auf den Boden der Tatsachen. Mir hat es gefallen, dass hier nicht blinkend und in allen Farben Werbung für die Stadt gemacht wird. Das hätte ich als unglaubwürdig empfunden, denn so wirkt sie wohl nur auf Touristen. So ist es nahe an der Realität mit allen Stolpersteinen und hoffnungsvollen Momenten, an denen man -in diesem Falle Filippa- mit der Zeit wächst. Eine schöne und ehrliche Geschichte! Lediglich den angekündigten Witz habe ich vergebens gesucht.

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