Lübbe Verlag

Rezension – Gregs Tagebuch (01) – Von Idioten umzingelt (Jeff Kinney)

greg01Ein neues Schuljahr hat angefangen. Der 13-jährige Greg Heffley geht jetzt auf die Junior Highschool, und die ist so ungefähr die bescheuertste Idee aller Zeiten. Dort werden Kinder, frisch aus der Grundschule, zusammengeschmissen mit riesigen Gorillas, die sich zweimal täglich rasieren müssen. Und da wundern sich alle, dass es so viele Prügeleien gibt. So ein Leben als Teenager steckt voll ungeahnter Gefahren und komischer Missverständnisse. Also beginnt Greg einfach mal in seinem Tagebuch zu notieren, was er alles erlebt und was ihm tierisch auf die Nerven geht. Allen voran wäre da sein trotteliger Kumpel Rupert, der manchmal ganz schön peinlich sein kann. Doch als Ruperts Popularität in der Schule plötzlich steigt, versucht Greg seinen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

Auf diese Reihe war ich bereits sehr lange sehr neugierig. Allerdings hatte ich nach einer Reihe ähnlicher Art, die ich vor Längerem gelesen habe, ziemliche Bedenken. Der Titel reizte dann aber zu sehr um es nicht wenigstens mal zu versuchen. Denn wer fühlt sich nicht hin und wieder (oder auch öfter ;)) so, wie es der Titel beschreibt?
Diese Bedenken verflüchtigten sich bereits nach den ersten paar Seiten. Ich mochte Greg auf Anhieb und er tat mir auf Anhieb sehr leid wie er sich durch den Start an der Junior High kämpft. Ich fühlte mich stark an meine eigene Schulzeit erinnert und so etwas sorgt automatisch für einen guten Draht zur Figur.
Doch Greg hat nicht nur in der Schule mit allerlei Problemen zu kämpfen. Sein Kumpel Rupert ist zwar eine Seele von Mensch, neigt aber zu Peinlichkeiten. Gregs älterer Bruder Roderick ist ein ausgewachsener Rüpel, der kleine Bruder Manni eine Nervensäge, die für keine Schandtat der Welt mal Ärger von den Eltern bekommt. Und dann sind da natürlich noch die Gemeinheiten eines Teenagerlebens an sich.
Nein, Greg hat es wahrlich nicht leicht. Deshalb hatte ich vollstes Verständnis dafür, dass er oft versucht, sich Unannehmlichkeiten so hinzubiegen, dass er es leichter hat. Oder ihnen nach Möglichkeit schlicht aus dem Weg zu gehen. Dabei kommt es nicht selten zu schrägen Situationen und einer Menge Chaos, wodurch Greg am Ende doch wieder als der Gelackmeierte dasteht. Aber man muss ihm anrechnen: Aufgeben ist niemals eine Option! Daher rührte für mich auch die Spannung der Geschichte. Ich war stets gespannt, ob und wie Greg sich durch das Leben mit all seinen Stolpersteine schlagen würde. Und welche Stolpersteine eben noch auf Gregs Weg liegen würden. Vielleicht würde er ja am Ende doch wenigstens als kleiner Held dastehen.
Ich habe bei diesem Buch wirklich oft und sehr gelacht. Greg hat eine wunderbar gewitzte, lockere Art zu erzählen. Eben ganz so wie ein normaler Zwölfjähriger daher reden würde. Und was er nicht so richtig gut erzählen kann und / oder wovon er meint, dass es dem Leser verdeutlicht werden sollte, das zeichnet er in sein Tagebuch. Speziell die Untertitel dieser Zeichnung haben es gehörig in sich. Da kommt man um ein Grinsen einfach nicht umhin.

Ich habe das Buch an einem Abend ausgelesen. Gregs flapsige Erzählweise liest sich einfach weg wie nix. Außerdem treibt ein solcher Tagebuch-Stil mein Lesetempo ohnehin immer ordentlich an. Kurz und knackig und so rasant, dass man einfach nicht mehr aufhören kann. Die Comiczeichnungen lockern außerdem auf. Es gibt eine ganze Menge dieser Zeichnungen. So bleibt auf den Seiten nicht mehr so viel Platz für Text, weshalb man ihn flott gelesen hat. Für die Zeichnungen sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen. Es lohnt sich, wie ich finde. Sie sind zwar nicht besonders detailreich oder sonstwie aufwendig, aber die wesentlichsten Elemente der jeweiligen Szene oder Person sind unübersehbar vorhanden.

Auf dem Cover ist natürlich Greg zu sehen und er schaut alles andere als begeistert aus der Wäsche. Dann darüber dieser Titel, das macht natürlich neugierig, was da eigentlich los ist. Und mal ganz ehrlich, es gibt Tage, da stehe auch ich -zumindest gefühlsmäßig- so da und frage mich, wer bloß all die Deppen um mich herum rausgelassen hat. Ich habe mich also ein Stück weit auch selber in Gregs Haltung wiedergefunden.

Fazit:  Mir hat der erste Band von „Gregs Tagebuch“ richtig gut gefallen und viel Spass gemacht. Der arme Kerl tat mir oft ganz schön leid und ich habe immer gehofft, dass es vielleicht doch noch mal besser für ihn werden würde. Andererseits gäbe es ohne all die Querelen in seinem Leben weit weniger für den Leser zu lachen. Denn Gregs sämtliche Bemühungen, es sich irgendwie an irgendeiner Ecke leichter zu machen, enden im Chaos. Und das macht widerum so richtig Laune. Außerdem habe ich mich hier und da in ihm widergefunden. Nicht nur im Covermotiv 😉 Schön, dass die ersten Bände inzwischen als Taschenbuch und damit für kleineres Geld zu haben sind. Ich werde Gregs Teenagerleben mit Sicherheit weiter verfolgen.


Titel: Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt
Autor: Jeff Kinney
Seiten: 224
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3833936326
Preis: € 13,99 (HC), 8,99 (TB)

Rezension – Stolperherz (Britta Sabbag)

stolperherzSanny kann ihr Glück kaum fassen: Ausgerechnet Greg, der coole Bassist der Schulband Crystal, lädt sie ein, bei der letzten Probe vor den Sommerferien dabei zu sein. Doch es kommt noch besser: Die Jungs fragen sie, ob sie Lust hat, die Band auf ihrer Tour zu begleiten. Bisher war Sanny immer nur das unscheinbare Mädchen mit dem Stolperherzen, so genannt, weil sie mit einem Herzfehler geboren wurde. Doch Sanny zögert nicht lange – tischt ihrer Mutter kurzerhand eine Lüge auf und steht am nächsten Morgen pünktlich am Treffpunkt. Und einmal unterwegs beginnt für Sanny die aufregendste Zeit ihres Lebens.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Buch gelesen habe und nach dem anschließenden Stichwortenotieren ein Zettelchen voll mit Lob und positiven Punkten vor mir liegt. Leider ist das sehr selten, aber bei „Stolperherz“ hielt ich endlich  wieder ein solches Komplimentezettelchen in der Hand.
Ich weiß gar nicht, wo ich zu loben anfangen soll…
Am besten vielleicht bei Sanni, die ich vom ersten Moment an mochte. Natürlich tat sie mir leid wegen ihrer Krankheit, aber noch viel mehr habe ich sie bewundert. Für ihre guten Nerven, mit denen sie ihre überbesorgte Mutter aushält, für ihren Humor, den sie sich trotz allem bewahrt hat, für ihren Mut, sich über alle Verbote hinwegzusetzen und mit den Jungs auf Tour zu gehen und für ihren Willen, sich nicht von Kira und Michelle ausbooten zu lassen. Außerdem konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen. Es war für mich teilweise erschreckend wie ähnlich sich Sanni und ich (damals mit 15 Jahren) sind. Diese Schüchternheit und diese Unsicherheit, die Angst vor allen möglichen Dingen wie zB dem freien Sprechen vor eine Gruppe Leute usw. Darin habe ich mich so wiedergefunden, dass es ein Leichtes war, mich in Sanni hineinzufühlen.
Den nächsten Kelch Lob schütte ich über der Geschichte an sich aus. Welches Teeniemädel träumt nicht mal davon, mit einer Band auf Tour zu gehen? Sanni hat dieses Glück. Auch wenn sie nicht die Spitzenreiter der Charts begleitet, sondern eine eher lokal berühmte Band. Für sie ist es trotzdem das größte Abenteuer. Unter anderem, weil ein gewisser süßer Bassist natürlich mit von der Partie ist. Von Luxus und Starallüren ist hier weit und breit nichts zu finden. Man stapelt sich zum Schlafen in winzigen Zimmern oder gar dem Tourbus, die Clubbesitzer sind oft reichlich schräg drauf, aber ich habe das so als schön realistisch empfunden. Welche Schülerband darf schon in Luxussuiten nächtigen? Wohl keine.
Gerade weil es oft so unkomfortabel ist, immer wieder Probleme auftauchen und die Clubs meist Räucherbuden sind, kam bei mir beim Lesen dieses Gefühl einer solchen Tour umso besser auf. Das hat viel mehr Charme und Abenteuer als wenn man über eine glitzernde Musikwelt lesen würde. Ich war einige Male wirklich neidisch auf Sanni. Solch ein Abenteuer könnte mir auch gefallen und entsprechend gespannt habe ich es verfolgt.Vor allem auch, weil man dabei die die gleiche Freiheit spürt, die Sanni empfindet. Ich habe es ihr von Herzen gegönnt.
Als ebenso realistisch habe ich es es empfunden, dass Sanni nicht ab dem Moment, in dem sie in den Tourbus steigt, von allem akzeptiert und gemocht wird. Das wäre seltsam gewesen, wo sich fast alle vorher eher über sie lustig gemacht haben. Aber Sanni kämpft. Auf ihre zurückhaltende Art, aber sie kämpft und hält durch. Da ist es schön zu verfolgen, wie sie, die Jungs von der Band und die beiden anderen Mädchen sich allmählich einander annähern. Dabei muss Sanni zwar oft einstecken, doch sie lässt sich nicht beirren. Das fand ich toll! Und es macht sie nach und nach ein ganzes Stücke selbstbewusster und mutiger, ohne dass sie dabei ihr zurückhaltendes Wesen verliert. Sanni bleibt trotz allem ganz sie selbst.
Die Lovestory hier kommt eher dezent daher, was aber gut passt. Das ist süß und wunderschön und es passt zu Sannis Wesen.
Trotz aller Begeisterung habe ich mir ab und zu aber doch Sorgen gemacht, dass dieser Traum schneller endet als es Sanni und mir lieb sein konnte. Immerhin hat sie zuhause eine Lüge aufgetischt um mitfahren zu können und Lügen haben bekanntlich kurze Beine. Außerdem ist da ja immer noch Sannis Herzfehler. Ich habe immer wieder besorgt überlegt, wann ihr eines von beiden zum Verhängnis werden würde. Und ein bisschen schlechtes Gewissen ihrer Mutter gegenüber hatte ich auch.
Dass einer der Auftritte der Band auf dem Manschseefest in Hannover stattfindet, hat mich zusätzlich begeistert. Das Fest ist so klasse, ich war total begeistert als ich letztes Jahr dort war. Es ist immer toll,  wenn man sich beim Lesen alles so gut vorstellen kann.
Am Ende der Geschichte hat man genau wie Sanni eine Menge darüber gelernt, was Mut ist. Dass es manchmal lohnt, etwas Verrücktes zu tun. Dass man immer man selbst bleiben sollte und sich trotzdem weiterentwickeln kann. Dass der erste Eindruck täuschen kann und nicht entscheidend sein sollte. Dass jeder so seine Schwächen hat. Dass Freundschaftenschließen und Erwachsenwerden manchmal gar nicht so leicht ist, es aber lohnt, sich im positiven Sinne „durchzubeißen“. Hach, ich könnte noch ewig weiter schwärmen!

Wenn man so begeistert von einer Geschichte ist, dann liest sie sich selbstverständlich auch weg wie nichts. Speziell Sannis Humor hat mir das Lesen super leicht gemacht. Ich habe oft schmunzeln und sogar lachen müssen und konnte einfach nicht genug davon kriegen. Wen wundert es da, dass ich das Buch an einem Abend ausgelesen habe?

Vom Cover war ich sofort begeistert. So schön bunt und cool mit dem alten VW-Bus! Und dass es um Musik und Liebe geht, das sieht man ebenfalls auf den ersten Blick. Für mich vermittelt allein dieses Motiv irgendwie schon das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Glück.

Fazit:  Eine rundum wunderschöne Geschichte, nicht nur für Teeniemädels. Zum Lachen, zum Weinen, zum Mitfiebern, zum Träumen, einfach zum Wohlfühlen. Meine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Lübve Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Stolperherz
Autor: Britta Sabbag
Seiten: 203
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823816
Preis: € 12,99 (HC)

Rezension – Das wirst du bereuen (Amanda Maciel)

bereuenAlle Welt denkt, dass Emma Putnam sich umgebracht hat, weil wir sie Schlampe genannt haben und nicht weil sie eine Schlampe war. Echt klasse! Sara und ihre beste Freundin Brielle müssen sich vor Gericht verantworten. Sie sind angeklagt, ihre Mitschülerin Emma gemobbt und in den Tod getrieben zu haben. Dabei war es doch Emma, die sich an Saras Freund Dylan rangemacht hat. Ein kleiner Denkzettel über Facebook muss da schon drin sein, finden die Freundinnen. Doch dann verselbstständigen sich die Dinge und plötzlich ist Emma tot.

Über diese Rezension habe ich länger nachgedacht als sonst. Einfach, weil ich nicht recht wusste, wie ich sie angehen soll. Ich habe mich nun dafür entschieden, die beiden Teile, aus denen die Geschichte besteht, einzeln zu betrachten.
Der eine Teil spielt im Zeitraum von Januar bis März. In dieser Zeit lebt Emma noch und als sie sich an Saras Freund heranmacht, beschließen Sara und ihre Freundin Brielle, ihr einen Denkzettel zu verpassen. Wie schon der Klappentext verrät, verselbstständigt sich diese Aktion und am Ende ist Emma tot. Genau das wurde der Geschichte bei mir zu Verhängnis: dass man von vorneherein weiß, wie es mit Emma enden wird. Das hat dafür gesorgt, dass bei mir keine echte Spannung aufkommen wollte. Ich war allenfalls neugierig, was Sara und Brielle sich als nächstes für Emma ausdenken würden. Ja, richtig gelesen: ich war neugierig! Ich habe es mir nicht mit Schaudern ausgemalt. Denn so richtig schocken konnten mich ihre Aktionen nicht. Zwar hat mir der Verstand gesagt, wie grausam sie sind, aber gefühlsmäßig kam das bei mir nicht so an. Das schiebe ich darauf, dass man die Geschichte aus Sicht einer der Täter liest, nämlich aus der von Sara. Und die leidet natürlich kein Stück unter den Grausamkeiten. Entsprechend undramatisch wirkten sie auf mich. Gefühlsmäßig, wie gesagt!
Ich denke, um auch zu spüren, wie schlimm ihre Attacken für Emma sind, hätte ich über Emmas Gefühlswelt lesen müssen. Sara hingegen fühlt sich völlig im Recht mit dem, was sie tut, und ich muss gestehen, dass ich oft sogar Verständnis für sie hatte. Nicht für das, was sie Emma zusammen mit Brielle antut, aber auf jeden Fall für ihren Hass auf Emma. Und so richtig unsympathisch war mir zumindest Sara auch nie. Brielle schon eher, aber eben nicht heftig genug um sie für ihr Tun zu verurteilen.
Der zweite Teil der Geschichte spielt im Zeitraum von Juli bis November. Sara und Brielle wurden angeklagt, Emma mit ihrem Mobbing in den Tod getrieben zu haben. Die Verhandlung ist nicht mehr lang hin, doch für Sara ist das Leben ziemlich gelaufen. Man schneidet sie, verachtet sie und sie pendelt zwischen Anwaltsbüro und der Praxis ihrer Therapeutin.
Zunächst muss ich sagen, dass ich völlig richtig finde, dass mit Sara und Brielle dermaßen hart ins Gericht gegangen wird. Mobbing ist grausam und verdient entsprechend harte Strafen. Gearde heute kann ich mir gut vorstellen, dass es bei den Kids oft eine gefährliche Gratwanderung ist zwischen Streichen und Mobbing, die nur allzu leicht in die falsche Richtung kippt. Da ist es gut, wenn jugendlichen Lesern aufgezeigt wird, was ihnen blühen kann. Das wird hier schön anschaulich, intensiv und bedrohlich beschrieben, sodass eine sehr gedrückte Stimmung über dem Geschehen liegt. So wirkt es bei den meisten jungen Lesern hoffentlich vorbeugend.
Entsetzt hat es mich, dass Sara sehr lange nicht mal im Ansatz Reue für ihr Tun empfindet. Ich finde, spätestens wenn einem eine Haftstrafe droht, ist es an der Zeit zu bereuen. Natürlich konnte ich weiterhin verstehen, dass sie es Emma übelnimmt, dass sie ihr den Freund ausgespannt hat, aber selbst das rechtfertigt solche Taten keineswegs. Auch wenn man erst 16 Jahre alt ist, müsste der Verstand doch so weit reichen um das wenigstens im Nachhinein zu erkennen.
Diesen zweiten Teil fand ich eine Spur spannender als den ersten, weil man hier nicht weiß, worauf es hinauslaufen wird. Als die Gerichtsverhandlung immer näher rückte, konnte ich das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wozu vor allem Sara verurteilt wird. So ganz glücklich bin ich mit dem Urteil zwar nicht -was die Strafe für Mobbing angeht bin ich einfach radikal eingestellt- aber immerhin scheint es Sara endlich aufzurütteln.

Da die Geschichte aus Saras Sicht erzählt wird, ist der Ton jugendlich gehalten. Das liest sich zwar leicht, aber man sollte sich davon nicht täuschen lassen. Die Schrift ist ziemlich klein und so ist es -lockerer Ton hin oder her- massig Text. Ich habe mehr Abende dafür gebraucht als für andere Bücher dieser Dicke. Der jugendliche Erzählstil bringt allerdings auch solche Begriffe wie „Schnalle“, „Schlampe“, „Hure“, „Alte“ usw mit sich.  Das mag auf den Schulhöfen heute üblich sein, auf mich wirkt das einfach nur assig (um in diesem Slang zu bleiben), und so etwas lese ich nicht gerne. Schon lange nicht in dieser Masse und in Gesprächen unter Freundinnen (?!?)

Das Cover gibt über die Geschichte nichts preis. So schwarz wird es dem Schrecken darin aber auf jeden Fall gerecht. Die leuchtend pinkfarben Schrift bildet dazu einen tollen Kontrast, der das Buch zu einem Blickfang macht.

Fazit: Ich fand die Geschichte so „halb gut“. Im Teil vor Emmas Tod fehlte es mir an Spannung. Außerdem wirkten Saras und Brielles Taten auf mich nicht so dramatisch, wie sie sicher gewirkt hätten, wenn man in Emmas Gefühlsleben hätte hineinschauen können. Der Teil nach Emma Tod hat mir eine ganze Ecke besser gefallen, zumal Mobbing hier -in meinen Augen- angemessen geahndet wird. Ich hoffe, es wirkt abschreckend genug. Zudem fand ich es spannend zu verfolgen, was Sara in dieser Zeit erlebt. Weil ich unbedingt wissen wollte, wie der Prozess ausgeht, konnte ich das Buch dann schließlich gar nicht mehr aus der Hand legen.

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Das wirst du bereuen
Autor: Amanda Maciel
Seiten: 297
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414824066
Preis: € 14,99 (HC)

Geheimnisvolle Post!

Als ich heute am Abend nach Haus kam, lag ein Päckchen vom Lübbe Verlag auf der Treppe.
Dabei wartete ich auf gar nichts…sehr seltsam!

Also schnell das Päckchen geschnappt und in der Wohnung ausgepackt.

 

set

„Emma ist tot – und ihr seid schuld!“

Welche Emma? Und wer ist „ihr“?
Nun, ich befürchte, ich gehöre zu diesen „ihr“.
Wie ich darauf komme?
Ganz einfach: der USB-Stick ist mit meinem Namen geprägt… 😯

stick

Ich habe noch nicht auf den Stick geschaut. Bei sowas ist man ja dann doch mal skeptisch 😉
Aber laut dem Buchtitel werde ich wohl bereuen, was immer ich welcher Emma auch immer angetan habe.
Wenn das nicht geheimnisvoll klingt…

 

Inhalt

Alle Welt denkt, dass Emma Putnam sich umgebracht hat, weil wir sie Schlampe genannt haben? und nicht weil sie eine Schlampe war. Echt klasse. Sara und ihre beste Freundin Brielle müssen sich vor Gericht verantworten? angeklagt, ihre Mitschülerin Emma gemobbt und in den Tod getrieben zu haben. Dabei war es doch Emma, die sich an Saras Freund Dylan rangemacht hat. Ein kleiner Denkzettel über Facebook muss da schon drin sein, finden die Freundinnen. Doch dann verselbstständigen sich die Dinge und plötzlich ist Emma tot?

Vielen Dank, lieber Lübbe Verlag, für diese tolle und geheimnisvolle Überraschungspost!
Ich habe mich total darüber gefreut und das Buch wird bestimmt sehr bald gelesen.

Solch schön und aufwendig gemachte Werbung für ein Buch finde ich immer wieder genial!
So weckt man Neugierde!

Rezension – Klammroth (Isa Grimm)

klammroth

Seit Jahren ist der uralte Tunnel stillgelegt. Doch etwas geht um in den Tiefen des Berges. Kinderstimmen wispern im Dunkel, und etwas regt sich in den Schatten.
Einst war Klammroth ein stiller Weinort am Fluss – bis eine Katastrophe die Idylle zerstörte.  Dutzende Kinder starben bei einem verheerenden Unfall im Tunnel, viele weitere wurden entstellt. Nun, sechzehn Jahre später, kehrt eine der Überlebenden nach Klammroth zurück: Anais hat die Qualen des Feuers noch nicht überwunden, als ihr Vater sie zu sich ruft. Etwas Unerklärliches erscheint des Nachts vor den Fenstern. Gespenstisches geschieht – und jemand fordert neue Opfer.
Der Tunnel hat Anais nicht vergessen.

 

Als ich mit „Klammroth“ begann, hatte ich bereits viele Vorschusslorbeeren auf das Buch gelesen. Außerdem klang der Klappentext ganz interessant und vielversprechend. Daher war ich neugierig auf die Geschichte.
Mit Anais wurde ich anfangs allerdings kaum warm. Ich habe wirklich nichts gegen leicht schrullige oder auch extrem angelegte Figuren, aber ihre „Werbung“ für ihr neues Buch hat mich doch den Kopf schütteln lassen. Und so richtig schlau wurde ich aus ihr ebenfalls nicht. Das legte sich dann zumindest ein wenig als sie mit ihrer Tochter Lilly auf dem Weg nach Klammroth ist. Als ganz normale Mutter eines Teenangermädchen gefiel sie mir zwar schon bedeutend besser, aber so wirklich überzeugt hat sie mich auch zu diesem Zeitpunkt nicht. Denn hier erfährt man erstmals mehr oder weniger genau, was vor 16 Jahren in Klammroth geschah, welche Querelen zwischen ihrer verstorbenen Stiefmutter und ihrem Vater bestehen, und wieso Anais eigentlich gar nicht zurück in das Dorf möchte. Ganz ehrlich: sich schuldig fühlen, nur weil man vor 16 Jahren Glück hatte? Für mich ist das Schicksal, so schlimm es für die übrigen Menschen auch ist, die damals nicht überlebten.
Trotzdem war ich gespannt, was Anais in Klammroth erwartete. Immerhin verspricht der Klappentext gruseliges Geschehen, und für sowas bin ich immer zu haben. Das Dorf wird schön anschaulich beschrieben und da es in den paar Tagen, in denen Anias dort ist, quasi im Regen halb ertrinkt, habe ich stets ein sehr finsteres Bild dieses recht einsam gelegenen Ortes vor Augen gehabt. Ideal für eine Geschichte mit schaurigem Geschehen also. Zudem wird um den Tunnel gewissermaßen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, was natürlich erst recht neugierig macht. Insbesondere von diesem Tunnel hatte ich mir viel versprochen!
Doch dann plätscherte die Story nur noch so vor sich hin. Nicht uninteressant zwar, vor allem hinsichtlich Anais und ihrer Beziehung zu Vater und Stiefmutter, aber  wirklich spannend wurde es nur gelegentlich mal für ein paar Seiten. Sicher, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie das alles zusammenhängt und was es mit dem Tunnel auf sich hat, aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich gebannt durch das Buch gelesen habe. Dafür bekommt man halt auch zu viele Dinge an die Hand: Ereignisse aus Anais Kindheit, seltsame Dorfbewohner, ein zwielichter Klinikchef, Anais in sich gekehrter Vater, eine junge verstümmelte Frau, die in purem Elend lebt, die Erbschaftsangelegenheit, Anais unsichere Beziehung zu ihrer Tochter, ein Bezug in die Nazizeit, was ich bekanntlich gar nicht mag und und und. Das war mir alles zu viel um noch spannend zu sein.
Besonders schade fand ich es, dass von Grusel nicht mal ansatzweise etwas zu spüren war. Ein finsterer Tunnel, Kinderstimmen, schemenhafte Bewegungen, kühl Luftzüge…an Handwerkszeug ist ehrlich alles vorhanden, aber es wird nichts Schauriges daraus gemacht. Für mein Empfinden jedenfalls nicht, und das hat mich sehr enttäuscht. Ich kann mich an gerade mal zwei Szenen erinnern, die mir immerhin eine leichte Gänsehaut bereitet haben. Doch mit dem Tunnel haben sie beide so direkt nichts zu tun.
Immerhin hat die Auflösung genau meinen Geschmack getroffen. Solche Wendungen mag ich sehr gerne. Alleine die Vorstellung, dass der menschliche Verstand so etwas zustande bringe, begeistert mich immer wieder. Zugegeben, vielleicht auf etwas kranke Art. Kann sein. In Summe konnte mich aber auch dieser Abschluss nicht von „Klammroth“ überzeugen. Leider. Ich hatte mir so viel davon versprochen!

Ich habe mich schwer getan mit „Klammroth“ und manchen Abend überlegt, erstmal eine Pause mit dem Buch einzulegen. Dabei ist es keineswegs schlecht geschrieben. Wenn ich mich aufgerafft hatte, doch weiterzulesen, dann kam ich auch zügig voran. Aber das rettet einen schwachen Inhalt einer Geschichte halt auch nicht.

Das Cover gefällt mir. Die einsame Schattengestalt inmitten des feurig lodernden Tunnelbogen, das passt gut zur Geschichte. Und sicher ist das Buch auch ein feiner Blickfang im Regal der Buchhandlungen.

Fazit:   Mich hat „Klammroth“ leider enttäuscht. Eine ziemlich überladene Story, wodurch bei mir Spannung nur selten mal aufkam. Dass ich mich frage, wie gewisse Elemente einer Geschichte zusammenhängen, fällt für mich noch nicht unter „Spannung“. Und hier sind es so viele, dass man leicht aufgeben möchte. Am bedauerlichsten fand ich es aber, dass „Klammroth“ vom Klappentext her so schön gruselig klingt, dass es auch alles dafür nötige „Handwerkszeug“ dafür mitbringt, aber letztlich nichts Schauriges daraus macht.

 


Titel: Klammroth
Autor: Isa Grimm
Seiten: 336
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3785761076
Preis: € 14,99 (HC)

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