Lübbe Verlag

Rezension – Final Cut (Veit Etzold)

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und einen Feind.

Die Freunde sind virtuell, der Feind ist real.

Er wird Dich suchen.
Er wird Dich finden.
Er wird Dich töten.

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und keiner wird etwas merken.

Ein Killer, der wie ein Computervirus agiert: unsichtbar und allgegenwärtig. Er nennt sich der Namenlose, und seine Taten versetzen ganz Berlin in Angst und Schrecken. Hauptkommissarin Clara Vidalis und ihr Team sind in der Abteilung für Pathopsychologie ohnehin schon für die schweren Fälle zuständig, aber die Vorgehensweise dieses Verbrechers raubt selbst ihnen den Atem. Perfide und genial, lenkt er die Ermittler stets auf die falsche Fährte. Und erst allmählich begreift die Kommissarin, dass der Namenlose sein grausames Spiel nicht mit der Polizei spielen will, sondern nur mit einem Menschen: mit ihr, Clara Vidalis. Während die Ermittler noch verzweifelt versuchen, die Identität des Killers aufzudecken, startet der Medienmogul Albert Torino eine neue Casting-Show. Und es gibt jemanden, der diese Show für seine eigenen, brutalen Zwecke nutzen wird: der Namenlose.

Auf dieses Buch wurde ich zufällig im Buchladen aufmerksam. Mit dem Bezug zu Facebook war es schnell interessant für mich, da ich dort auch aktiv bin. Dass Facebook ein sehr zweischneidiges Schwert ist, sollte jeder wissen. Einen Thriller um dieses Thema herum konnte ich mir gut vorstellen und war entsprechend neugierig.
Für mich gibt es zwei Punkte, die dieses Buch auszeichnen. Erstens der Bezug zu Facebook bzw auch zu anderen Onlineangeboten wie Foren etc. Ich vertraue darauf, dass Veit Etzold gut für “Final Cut” recherchiert hat und darin keine Märchen erzählt. Wenn man davon ausgeht und liest, wie wenig anonym die angebliche Anonymität im Netz tatsächlich ist, dann ist das erschreckend. Zudem hat mich “Final Cut” so dazu gebracht, (noch mehr als sonst schon) darüber nachzudenken, was man genau mit gewissen Informationen zB auf Facebook der virtuellen Community an Informationen zur Verfügung stellt. Und welche Folgen diese “Großzügigkeit” haben kann.
Wenn vielleicht auch nicht unbedingt in dem Maße wie in der Geschichte. Denn hier treibt ein ebenso intelligenter wie gnadenloser Killer sein Unwesen. Er sucht sein Opfer im Netz und ermordet sie in der Realität. Dabei scheint er niemals Spuren zu hinterlassen, was die Polizei vor eine unlösbar scheinende Aufgabe stellt. Dies ist der zweite Punkt, der mich an dem Buch begeistert hat. Die Härte! Was man hier an Morden, in all ihrer Brutälität und schön detailreich, beschrieben bekommt, das ist nicht ohne! Wer mit solchen Schilderungen nicht klar kommt, der sollte die Finger von “Final Cut” lassen. Fans dieser Art Thriller dagegen werden auf ihre Kosten kommen.
Trotzdem hat mir “Final Cut” insgesamt nicht richtig gefallen. Das liegt an diesem zunächst zweiten Handlungsstrang um diese unsägliche TV-Serie Shebay. In der werden Mädels vom (männlichen!) Publikum und der Jury wahlweise ins Schlammloch oder den TV-Himmel gewählt und der Siegerin winkt eine Nacht im Bett eines Typen aus dem Publikum . In der er freilich mit ihr tun und lassen kann, was er möchte.
Ich bezweifele nicht, dass irgendwelche TV-Bosse auf die Idee einer solch kranken Sendung kommen könnten. Ich bin auch überzeugt davon, es würde sich genug Pöbel zur Publikums-Jury berufen fühlen. Und ich bin ebenfalls sicher, es würden genug sensations- und sonstwie geile Typen vor dem Fernseher oder PC sitzen.
Dennoch, ich brauche so etwas nicht. Nicht mal in einer Geschichte. Ich bin kein Moralapostel, aber mich haben diese Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Kerle alle paar Seiten derbe genervt. Natürlich steht die Sendung bzw die Mädchen im Zusammenhang mit dem Fall, aber auf gewisse Gedanken und Aussprüche der “Herren” (Macher wie Publikum) hätte ich dankend verzichten können. Auch ohne sie hätte der Verknüpfung zwischen Shebay und dem Killer nichts gefehlt.

Entsprechend schwer habe ich mich auch mit dem Lesen getan und häufiger eine Pause gemacht als normalerweise bei einem Thriller. Aber nach dreimal bei-Shebay-hinter-die-Kulissen-gucken war meist Schluss für den Abend. Dabei liest sich “Final Cut” an sich wirklich gut. Es ist spannend und -mal bei den für mich richtigen, oft eben aber auch bei den falschen Szenen- detailgenau geschrieben. So ist man bei der Handlung quasi immer direkt dabei. Die Kapitellänge macht es leicht, das Buch “häppchenweise” zu lesen.

Vom Cover her ist das Buch ein echter Blickfang mit den Schlitzen und dem blutroten Hintergrund dahinter. Cool gemacht! Ansonsten ist der Look sehr dunkel wie es einem Thriller steht und gibt über den Inhalt nichts weiter preis.

Fazit: Wer auf Thriller der härteren Gangart steht, der wird mit “Final Cut” seinen Spaß haben. Es gefällt mir auch, dass die Geschichte trotz ihrer Unterhaltsamkeit auch zum Nachdenken über die eigene Online-Aktivität anregt. Mich hat aber diese niveaulose TV-Sendung und die Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Typen schnell gestört. So etwas muss ich nicht alle paar Seiten haben. Wer sich daran nicht stört: nix wie “Final Cut” besorgt. Denn dann lohnt das Buch erst recht!


Titel: Final Cut
Autor: Veit Etzold
Seiten: 448
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3404166879
Preis: 8,99 (Broschiert)

Rezension – Die Lilienvilla (Karen McQuestion)

Was für ein Schock: Die 16-jährige Angie wird mitten am helllichten Tag auf der Straße überfallen und kann sich nur mit Mühe retten. Kaum zurück aus dem Krankenhaus, erhält sie eine überraschende Einladung: Lillian Bittner, die Mutter des Angreifers, bittet sie zum Abendessen in ihre Villa. Die alte Dame erweist sich als umsichtige Gastgeberin und überredet das Mädchen sogar, über Nacht zu bleiben. Obwohl sie sich unwohl fühlt, willigt Angie ein.

Auf dem Rücken des Buches heißt es “Ein Psychothriller für mutige Mädchen”. Das machte mich auf dieses Buch neugierig. Ich mag Psychothriller und weiß, dass es auch im Bereich “Jugendbücher” gute Bücher dieses Genres gibt.
Die Geschichte hier hat mir gut gefallen. Sie hält sich nicht mit langen Vorreden auf und schon nach wenigen Seiten nimmt das verhängnisvolle Geschehen seinen Lauf. Die 16jährige Angie wird auf der Straße überfallen und dabei schwer verletzt. Wenig später lädt die Mutter des Täters sie in ihre Villa ein um -wie Angie das sieht- gewissermaßen Widergutmachung zu betreiben. Angie nimmt die Einladung widerwillig an und ahnt bereits als sie den ersten Schritt in das düstere Haus macht, dass hier etwas Fürchterliches auf sie wartet.
Als Leser geht es einam ganz ähnlich. Karen McQuestion beschreibt die Lilienvilla ausgesprochen geheimnisvoll und düster, da läuft einem schon mal eine kleine Gänsehaut über den Rücken. Gleiches gilt für die Besitzerin der Villa, Lilian Bittner, und ihre Angestellten Hank und Trudy. Während man bei Hank und Trudy im Nu ahnt, dass sie nichts Gutes im Sinne haben, wird man bei Lilian länger hingehalten. Denn Lilian zeigt sich als geradezu rührende Gastgeberin, stets freundlich und großzügig. Doch in jedem ihrer Sätze und jeder Schilderung ihrer Person schwingt eine gewisse lauernde Bedrohung mit. Auch wenn es nach aussen hin nicht so scheint, man weiß einfach, dass von ihr nichts Gutes zu erwarten ist.
Was es genau ist, war für meinen Geschmack etwas sehr vorhersehbar. Es gibt zahlreiche Andeutungen und Hinweise, die einen auf die Spur von Lilian Bittner bringen, so dass man den Ausgang der Geschichte über kurz oder lang erahnt. Ein paar Kleinigkeiten haben mich aber dennoch überrascht, so dass ich nicht allzu enttäuscht war. Hier muss man auch berücksichtigen, dass sich das Buch an eine Leserschaft im Alter ab 12 Jahren richtet. Da darf man keine Verwirrungen um siebenundsiebzig Ecken erwarten. Für Jugendliche diesen Alters geht es angemessen undurchsichtig zu, so dass für Spannung vom Anfang bis zum Ende gesorgt ist.
Eine kleine Lovestory ist natürlich ebenfalls eingeflochten. Sie drängt sich aber nie in den Mittelpunkt, sondern ist einfach ein schönes und romantisches Detail in diesem Psychothriller. Nur ihren Ausgang habe ich nicht verstanden.
Ich habe allerdings so einiges an Angie nicht verstanden. Wenn es einen Knackpunkt an dieser Geschichte für mich gibt, dann ist sie es. Wirklich sympathisch ist sie mir bis zum Schluss hin nicht geworden. Natürlich ist es schrecklich, was ihr zugestoßen ist. Natürlich hat sie Schmerzen gehabt. Natürlich ist so ein Überfall etwas, das einen noch lange belastet. Mir war es hier trotzdem zu viel. Wie Angie bei jeder Gelegenheit auf  die Dramatik ihres Schicksalsschlages hinweist. Wie sie einzeln betont, welche Verletzungen sie davon getragen hat und dabei mitunter übertreibt. Und auch ihr “alles hört auf mein Kommando, denn ich habe Schreckliches erlebt und da muss doch jeder Rücksicht nehmen”-Gehabe ging mir dann und wann gut auf die Nerven. Entsprechend ungerne habe ich deshalb auch verfolgt, wie jeder aus ihrer Familie letztlich nach ihrer Pfeife tanzt.

Mit nicht mal 192 Seiten ist das Buch nicht besonders dick. In der Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende immer etwas los und es ist spannend und ein wenig schaurig. So liest sich “Die Lilienvilla” zügig und unterhaltsam. Ich habe das Buch -trotz gewisser Ahnungen die Handlung betreffend- nur ungerne aus der Hand gelegt. Da Angie selbst erzählt, liest es sich zudem jugendlich locker. Auch das hilft dem Lesetempo auf die Sprünge.

Die Szene auf dem Cover gibt es in der Geschichte tatsächlich und auch genauso. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich bin kein Fan davon, wenn ein Cover keinen oder nur wenig Bezug zur Handlung hat. Das Motiv wirkt  schön düster und speziell die zwar düsteren, aber doch auch kräftigen Farben haben es mir angetan. Das ist sehr stimmungsvoll und attraktiv anzusehen.

Fazit:  Mit Angie konnte ich mich bis zum Schluss nicht wirklich anfreunden. Aber ihre Geschichte hat mich trotzdem gut unterhalten. Als Erwachsener kommt man dem Geheimnis der Lilian Bittner zwar recht schnell auf die Spur, aber junge Thriller-Fans dürften sich bis zum Schluss auf die Folter gespannt fühlen. Die verheißungsvolle Ankündigung eines “Psychothrillers für mutige Mädchen” unterschreibe ich also ganz klar. Mir hat ja speziell die Düsternis gefallen mit der die Lilienvilla beschrieben wird. Ich hätte dieses Haus sofort genommen 😉

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Die Lilienvilla
Autor: Karen McQuestion
Seiten: 192
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3414822970
Preis: 12,99 (HC)

Rezension – Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse (Zoë Beck)

Edvard ist 15, und eines seiner größten Probleme ist: er ist definitiv noch zu wenig Mann und hat viel zu viel Freiräume. Wie soll er bitte bei so toleranten Eltern pubertäre Proteste äußern? Nichts kriegt er wirklich auf die Reihe. Stattdessen Missverständnisse und Nervenzusammenbrüche. Alles ist einfach nur noch peinlich. Edvard schreibt alles über sein Leben und seine Gedanken in einem privaten Blog im Internet nieder, auch seine heimlichen Leidenschaften und Lieben: Astrophysiker will er werden, und es gibt Constanze… Dann die Hammerkatastrophe: Edvards Blog wird aus Versehen öffentlich – nun kann jeder lesen, was in seinem Leben alles passiert und noch viel mehr.

Von Zoë Beck kannte ich bisher nur ihre Psychothriller, die mir gut gefallen haben. Deshalb war ich auch auf “Edvard” ziemlich neugierig, hatte mir aber -zugegeben- nicht allzuviel davon versprochen. Aber ich mag Teenie-Pubertäts-Stories. Vor allem, wenn sie witzig sind. Wieso also nicht mal antesten?
So habe ich “Edvard” eines Tages mit zum Arzt genommen um im Wartezimmer schon mal etwas darin zu schmökern. Ganz sicher hatte ich nicht erwartet, dass ich schon nach wenigen Seiten Tränen lachend dasitzen würde. Aber genau das ist geschehen!
Ich mochte Edvard vom ersten Satz an, diesen armen 15jährigen, der mitten in der Pubertät steckt und mit den dafür typischen Problemen zu kämpfen hat. Beispielsweise mangelnde Körperbehaarung an bestimmten Stellen, eine zu hohe Stimme, unerwiderte Liebe und Zoff mit den Mitschülern. Doch damit nicht genug! Edvard hat auch noch ein eher ungewöhnliches Problem, an dem sich leider gar nichts ändern lässt, nämlich seine alternativ eingestellten Eltern, die ihm Freiraum ohne Ende einräumen, mit Verständnis überhäufen und ihn außerdem vom vegetarischen Lebensstil überzeugen wollen.
Von alldem berichtet Edvard auf unglaublich witzige Art in seinem privaten Blog im Internet.  Mir haben speziell die Schilderungen der Erlebnisse mit seinen Eltern gefallen. Ihre Art zu leben wäre auch für mich nichts. Da konnte ich Edvards Verzweiflung sehr gut nachempfinden und hätte ihm beispielsweise auf dem Biobauernhof nur allzu gerne eine Scheibe Schinken gereicht.
Aus der Pubertät bin ich (altersmäßig ;)) zwar schon seit ein paar Jährchen heraus, weshalb die anderen Widrigkeiten in Edvards jungen Leben ein ganzes Stück weit weg für mich sind, aber Edvard beschreibt sie so glaubhaft, dass ich sofort mit ihm gefühlt habe. Ich konnte sogar verstehen, dass er sich auf Facebook eine andere “Identität” geschaffen hat, so gebeutelt wie er vom Schicksal ist. Dort ist er nämlich ein cooler amerikanischer Austauschschüler, sehr männlich und vor allem nahe an seinem Schwarm Constanze, die den “Ami” anhimmelt. Dummerweise entwickelt diese Identität bald ein turbulentes  Eigenleben und so geht es für Edvard bald auch online ordentlich rund!
Etwa auf der Hälfte wendet sich die Geschichte dann einem neuen Problem zu. Edvard hat in seinem einst verhassten Nachbarn einen tollen Nachhilfelehrer und Freund gefunden, doch der wird nun von der Besitzerin des Hauses quasi vor die Tür gesetzt. Das muss um jeden Preis verhindert werden. So zettelt man kurzerhand eine Hausbesetzung an, mit allem was dazu gehört.
Das ist zwar auch ganz amüsant, aber ich fand es nicht mehr ganz so witzig wie Edvard vorherige Einträge. So richtig gelacht habe ich in diesem Teil der Geschichte nur noch selten, was ich schade fand. Ich hätte mich auch den Rest des Buches noch mit allergrößtem Vergnügen durch Edvards familiäre und pubertäre Katastrophen gelesen.
Aber okay, anscheinend brauchte die Geschichte noch ein Kernthema, und das ist eben der Kampf darum, dass Edvards Nachbar in seinem Haus bleiben darf. Und der ist wie gesagt immer noch ganz vergnüglich und  auch spannend, denn lange sieht es gar nicht so aus als kämen Edvard und seine “Mitbesetzer” ihrem Ziel näher.
Vom Ende war ich dann inhaltlich leider etwas enttäuscht. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Es lag für mich auch die ganze Zeit quasi “in der Luft”, dass es noch zu einer abschließenden Riesen-Katatstrophe für Edvard persönlich kommen würde, doch nichts dergleichen geschah. Er kommt mit seinem “Online-Theater” tatsächlich durch. Das hatte ich alleine deshalb schon nicht erwartet, weil in der Inhaltsangabe etwas davon steht, dass Edvards Blog öffentlich wird. Denn bis zum Ende hin ist das nur einmal für ganz kurze Zeit geschehen und hat keinerlei böse Nachwirkungen für ihn. Deshalb dachte ich, dass am Ende vielleicht…?

Beim Arzt mit dem Buch begonnen, am selben Nachmittag auch schon ausgelesen gehabt. Früher war es das Tagebuch, heute ist es halt ein Blog. Dieser Stil liest sich einfach sehr leicht und flott. Vor allem, wenn die Einträge so witzig sind wie in diesem Falle. Da kann man einfach nicht anders und muss “ach los, einen noch” weiterlesen. Jedenfalls ging es mir so.

Das Cover passt prima zur Geschichte. Denn Edvard wirkliches Leben ist halt eine Aneinanderreihung von Katastrophen und im Internet, speziell bei Facebook, kann er sich ein Stück heile Welt “bauen”. Daher finde ich die diversen Icons aus dem www sehr passig. Mit gefällt außerdem das Giftgrün der Außenseite der Buchdeckel, das sich wunderbar mit dem Violett der Innenseite und des Vorlageblatts beißt  😉

Fazit:  Anfangs habe ich über “Edvard” wirklich Tränen gelacht. Später hat das Buch in Sachen Komik für mich ein wenig abgebaut, was ich bedauert habe. Für ein Grinsen und Schmunzeln hat es aber bis zum Ende hin immer noch gereicht. Wer also Lust auf eine vergnügliche Teenanger-Pubertäts-Story hat, der kann unbesorgt zu diesem Buch greifen.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse
Autor: Zoë Beck
Seiten: 192
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404166503
Preis: 12,99 (HC)

Rezension – Eisblumen (Walter Wolters)

Im Saarland verschwinden drei Mädchen. Gerüchte über einen Mädchenhändlerring machen die Runde. Als die Ausreißerin Sophie sich verfolgt fühlt, sucht sie Hilfe bei zwei Männern: Privatdetektiv und Ex-Profiboxer Bruno Schmidt und dem schrulligen Einzelgänger Engelbert Bloch. Zu spät merkt sie, dass Bloch etwas verbirgt …

Mein Faible für Regionalkrimis hat mich mit diesem Buch nun auch ins Saarland entführt. Das Verbrechen macht vor keinem Bundesland Halt. Abgesehen von einer ganzen Reihe Sätze in französischer Sprache, habe ich dem Krimi auch nichts vorzuwerfen. Ich mag diese Sprache einfach nicht!
Von dieser Kleinigkeit abgesehen habe ich mit “Eisblumen” aber einen ganz ordentlichen Krimi gelesen.
Zugegeben, die Handlung ist sehr einfach gestrickt. Ex-Boxer Bruno Schmidt, der nun als Privatdetektiv arbeitet, liest eine junge Ausreißerin auf. Kurz darauf kommt es zu einem seltsamen Zwischenfall, einem Angriff auf das Mädchen Sophie, bei dem auch der unscheinbare Engelbert Bloch eine Rolle spielt. Sophie freundet sich mit Schmidt an, doch als sie fürchtet, ihre Flucht könnte ein baldiges Ende finden, macht sie sich auf zu Bloch. Im Gegensatz zu Schmidt mitunter etwas rauhen Sitten, wird sie bei Bloch behandelt wie eine Prinzessin.
Hier laufen also zwei Handlungsstränge parallel, die sich durch die ganze Geschichte hin abwechseln. Da ist einmal der Part mit Schmidt und Sophie, und der mit Engelbert Bloch, in dem Sophie später auch mitwirkt. Sie ist quasi das Bindeglied zwischen den Handlungssträngen.
Der Part mit Schmidt und Sophie ist ausgesprochen unerthaltsam. Hier prallen zwei Generationen aufeinander, da sind freche Dialoge vorprogrammiert. Ich habe dabei einige Male wirklich lachen müssen. Zudem bietet dieser Part auch eine gewisse Abwechslung mit Schmidt Ermittlungen in seinem eigentlichen Fall, dem Kennenlernen seiner beiden Bespitzelten, der Reise durch das Saarland und auch einigen actionreichen Prügel-Szenen, in denen Schmidt mit seinem Boxtalent brilliert. Selbst nach Sophies Flucht ist rund um Schmidt immer noch eine ganze Menge los, was sich vergnüglich liest.
Blochs Part könnte kaum gegensätzlicher ausfallen. Hier wird detailverliebt ein sehr klares Bild dieser Person gemalt. Mit all den Problemen, die sie schon seit Kindheit an quälen, allen Zwangshandlungen, Ticks, (teilweise eingebildeten) Krankheiten und auch ihren krankhaften sexuellen Vorlieben.
Allerdings geschieht dies eben wirklich so deutlich und betont, dass ich relativ schnell Zweifel daran bekam, ob hinter den drei kürzlich im Saarland verschwunden Mädchen wirklich ein Mädchenhändlerring steckt. Bloch ist in dieser Hinsicht einfach ein zu offensichtlicher Verdächtiger.
Da mich einige andere Krimis jedoch gelehrt haben, dass ein solcher Parade-Verdächtige sich später oft als harmlos entpuppt, war ich nie so richtig überzeugt. So leicht macht es doch kein Autor seinem Leser.
Das und die eine oder andere unerwartete Wendung in der Handlung, hielten bei “Eisblumen” die Spannung bis fast zum Ende hoch. Das hat mich dann im Ganzen nicht überraschen können, aber es gab trotzdem einige Details, die ich so nicht vermutet hätte bzw an die ich bis dahin noch nicht allzu viele Gedanken verschwendet hatte.
Wie von anderen Regionalkrimis gewöhnt spielt eine gewisse Prise Humor und Komik auch bei “Eisblumen” mit hinein. Nicht nur in Schmidts und Sophies Wortgefechten, sondern auch in den Schilderungen der Gegend, der Leute und Schmidts Leben. Da gibt es oft Anlass zum Schmunzeln, manchmal habe ich sogar herzlich lachen müssen.

Durch den stetigen Wechsel zwischen der Handlung bei Schmidt und Bloch liest sich das Buch ganz abwechslungsreich. Beide Parts sind auf ihre Art interessant, so dass man sie gerne weiterverfolgt. Hinzu kommt der im Schmidt-Teil lockere Ton, der ebenfalls gut unterhält. Die Kapitel sind nicht zu lang. So liest sich “Eisblumen” leicht und zügig.

Es war das Cover, durch das ich neugierig auf diesen Krimi wurde. Ich fand die Eule so niedlich. Aber ich empfinde das Motiv im ganzen auch sehr passig für einen Regionalkrimi. Ein Einblick wohl in eine Kneipe mit altmodischer Tapete und dunklen Möbeln. Das wirkt so urtümlich, wie ich es von diesem Genre mag.

Fazit: Sicher kein sonderlich komplexer Krimi, aber trotzdem spannend und genretypisch amüsant. Für ein paar vergnügliche kriminelle Lesestunden zwischendurch oder vor dem Schlafen ist “Eisblumen” eine gute Wahl. Ich bin gespannt, ob Walter Wolters noch weitere Fälle für Schmidt parat hat.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Eisblumen
Autor: Walter Wolters
Seiten: 240
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404166503
Preis: 8,99 (TB)

Rezension – Blut und Rüben (Uwe Voehl)

Der Engländer Oliver Dylan Dickens erbt eine Waldschänke im Teutoburger Wald, samt britischem Butler und lippischer Haushälterin – von seinem Großonkel, den er nicht gekannt hat. Der Onkel starb keines natürlichen Todes. Seine Leiche wurde am See ohne Kopf aufgefunden. Der Mord gibt allen Rätsel auf. Kurz darauf taucht die nächste enthauptete Leiche auf … Dickens stürzt sich in die Ermittlungen und stellt nach und nach fest, dass er einer bizarren Verschwörung auf der Spur ist.

Auf dieses Buch hatte ich mich schon lange gefreut. Der Titel klang vielversprechend und vor allem auch amüsant, und auch der Schauplatz weckte sofort mein Interesse. Denn “Blut und Rüben” spielt im Lipperland bzw in der Gegend des Teutoburger Waldes, was quasi in meiner “Nachbarschaft” liegt.  Warum also nicht mal einen Regionalkrimi aus der eigenen Gegend lesen?
Allerdings waren all diese meine Erwartungen bzw Ansprüche wohl zu hoch gesteckt gewesen, oder schlicht falsch.
Einzig dem Kriminalfall kann man keine Vorwürfe machen, denn der geht in Ordnung. Die seltsamen Morde, der Anschlag auf Moritz, seine Nachforschungen, seltsame Firmen, die Interesse an ortsansässigen Hören bekunden um dort genmanipulierte Rüben zu ziehen…das ergibt in Summe eine absolut krimitaugliche Mischung, die an sich sicher spannend ist.
Woran es “Blut und Rüben” für mich jedch fehlt, das ist Unterhaltsamkeit. Eines der wichtigsten Merkmale, die Regionalkrimis für auszeichnen. Dabei sind die Voraussetzungen gegeben. Uwe Voehl schickt durchaus ungewöhnliche, leicht schräge Charaktere auf die lippische “Bühne”, doch dabei bleibt es auch. Bei ausgefallenen Namen, einer Beschreibung, aber ohne große Ausarbeitung ihresWesens und ihrer Eigenarten. So sind die Personen allenfalls bei der ersten Namensnennung amüsant.  In diesem Zusammenhang ist eines der größten Mankos für mich Hauptperson Moritz. Über ihn wird lange nicht verraten, wieso er sich erlauben kann, nicht zu arbeiten, aber trotzdem Miete berappen kann. So war er für mich geraume Zeit eher ein fauler, rumgammelnder Taugenichts mit unbekannter Geldquelle. Und mit solchen Personen werde ich nicht warm.
Es sind ebenfalls genug Möglichkeiten gegeben, das generelle Wesen der Lipper deutlich zu machen, sogar auf humorvolle Weise, aber…nichts! Und wenn, dann in Ein-Satz-Feststellungen, aber eben nichts, was Charme entwickelnd könnte. Da nützen auch die diversen Rüben-Rezepte nichts. Das wirkt eher gezwungen als charmant.

Ich habe freudig und optimistisch mit dem Buch begonnen, doch der Elan wurde bald durch genannte Kritikpunkte ausgebremst. Entsprechend habe ich ungewöhnlich lange für “Blut und Rüben” gebraucht. Dabei ist es keineswegs schwierig zu lesen, weil umständlich geschrieben oder wegen unheimlich komplexer Handlung.

Cover mit Schneidewerkzeugen sind aktuell scheinbar schwer angesagt. Für mich war “Kraut und Rüben” das erste Buch mit solch einem Motiv. Mir hat das sofort gefallen. Es wirkt einerseits bedrohlich, dass das Messer ohne Weiteres auch als Waffe eingesetzt werden könnte, andererseits aber auch harmlos, da es wohl nur zum Zerteilen der Rüben daneben gedacht ist. Diese Gegensätzlichkeit hat was. Auch die Karte mit den eingezeichneten Ortschaften und Schauplätzen ist eine schöne Idee. Ich verstehe nur nicht, wieso man sie gleich zweimal abdrucken musste: im vorderen UND hinteren Buchdeckel.

Fazit:  Ein Buch muss mich auf irgendeine Art unterhalten, damit ich es gerne und mit Vergnügen lese. Das ist “Blut und Rüben” leider nicht gelungen. Da hat auch der recht interessante Kriminalfall nichts retten können. Für einen Regionalkrimi fehlt es hier an Charme und Humor. Aber wir hier sind ja als stur und humorlos verschrien…womöglich hängt das damit zusammen.


Titel:  Blut und Rüben
Autor:  Uwe Voehl
Seiten:  352
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3404160631
Preis:  € 8,99 (TB)

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