Malerei

Welche Farbe hat die Angst? (Barbara Rose)

welchefarbeKatta malt für ihr Leben gern. Als sie einen Kurs bei dem bekannten Maler Josef Wild gewinnt, ist der fasziniert, denn ihr Stil ähnelt auf unglaubliche Weise den Bildern einer ehemaligen Schülerin: Auch Miriam hat vor vielen Jahren bei ihm gelernt, sich aber kurz vor Ende des Kurses das Leben genommen. Durch Zufall findet Katta Miriams Maltagebuch und erkennt schnell: Ein Mädchen, das so viele Pläne hatte, kann unmöglich freiwillig in den Tod gegangen sein. Katta ahnt, dass damals etwas Schlimmes passiert sein muss, doch wie soll sie das beweisen? Während sie immer tiefer in die Vergangenheit eintaucht, häufen sich unheimliche Vorgänge. Katta bekommt anonyme Briefe und ihre Sachen werden durchwühlt. Die Suche nach dem Täter von damals, der immer noch mitten unter ihnen ist, wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Wie gut, dass Katta tatkräftige Unterstützung vom charismatischen Alex bekommt.

Dieses Buch hat lange Zeit auf dem SUB gelegen. Ich hatte es jetzt eigentlich nur ausgesucht, weil ich die im Regal querliegenden Bücher abarbeiten möchte 😉 Und dabei fand ich damals (und finde ich auch heute noch), dass der Klappentext nach einer wirklich spannenden Geschichte klingt! Trotzdem habe ich irgendwie nie den Dreh dazu gefunden.
Das hat sich nun als ausgesprochen schade herausgestellt, denn mir hat “Welche Farbe hat die Angst?” wirklich sehr gut gefallen! Dabei gestaltete sich der Start noch recht holprig. Ich selber kann nicht mal ein akzeptables Strichmännchen zeichnen, geschweige denn irgendetwas malen. Ich habe zum Malen daher keinen nennenswerten Bezug. Somit konnte ich Kattas Begeisterung dafür nicht so wirklich nachvollziehen. Und ich war mir sicher, wenn die Kunst, die Malerei und die Farben weiterhin solch  zentrale Rollen spielen würden wie zu Beginn, dann würde ich an dem Buch scheitern.
Glücklicherweise rückt das Thema Kunst in den Hintergrund als Katta bei ihrem Malkurs ankommt. Nicht falsch verstehen! Natürlich wird dort gemalt, natürlich wird erwähnt, welche Bedeutung die Malerei für Katta hat, natürlich trifft man die Charaktere häufig im Atelier des Malers an, der den Kurs gibt. Aber im Mittelpunkt steht doch ganz klar das Rätsel um Miriams Tod.
Hat Miriam wirklich Selbstmord begangen? So vieles spricht dagegen. Doch wenn nicht, wer sollte das allseits beliebte, fröhliche Mädchen getötet haben? Als Katta Miriams Maltagebuch entdeckt, kommen ihr Zweifel an der Theorie um den Selbstmord. Gemeinsam mit ihrem Freund Alex geht sie der Sache auf den Grund.
Ich habe oft Probleme mit Krimis / Thrillern, in denen viele Charaktere mitmischen. Es fällt mir dann häufig schwer, den Überblick zu haben und jede Figur sofort einordnen zu können, wenn die Sprache auf sie kommt. Und hier spielen durchaus einige Personen eine Rolle. Doch es ist Barbara Rose gelungen, mir jede einzelne so nahezubringen, dass ich sie und ihre Rolle im Geschehen immer präsent hatte. So lässt sich wunderbar miträtseln, kombinieren und verdächtigen. Und das sorgt natürlich für Spannung. Ich habe lange gerätselt und auch wenn mich die Auflösung nicht ganz überraschen konnte (ich hatte zwischendurch schon mal in die Richtung gedacht, es aber für ziemlich unwahrscheinlich gehalten), aber es war für mich doch der unwahrscheinlichste Weg. Somit war trotzdem noch ein Funken Überraschung da.
Beeindruckt hat mich Kattas Entwicklung über die Geschichte hinweg. Von dem schüchternen Mädchen hin zur mutigen Katta, die sich durch nichts dauerhaft unterkriegen lässt. So etwas finde ich immer toll und es ist absolut glaubwürdig umgesetzt. Katta mausert sich immer mehr, hat zwar ab und zu noch einen Durchhänger, aber lange hält das nie an. Das finde ich so deutlich authentischer als wenn sie -kaum dass sie dem Rätsel um Miriam auf den Grund geht- plötzlich zur strahlenden Heldin geworden wäre. Es ist eine Entwicklung und zwar eine wirklich schöne.
Dazu trägt sicher auch Kattas Beziehung zu Alex bei. Auch an einer solche Beziehung kann man wachsen. Und so süß die beiden zusammen sind, sie haben auch ihre Streitereien. So hat Kitsch keine Chance.

“Welche Farbe hat die Anst?” liest sich dank vieler Dialoge wunderbar leicht, ohne dass dabei die Spannung auf der Strecke bleibt. Die Kapitel haben diese Länge, die einen ein gutes Stück voranbringt, aber trotzdem nicht zu lang ist. Zudem machen die Überschriften neugierig, die immer aus einer Farbe und einem Untertitel bestehen.

Ich habe es einfach nicht mit Büchern, die hauptsächlich weiß gestaltet sind. Weiß ist für mich eine ausgesprochen nichtssagende Farbe. Deshalb haut mich das Cover des Buchs nicht gerade um. Der Farbklecks in der Mittel trägt zwar dem Titel Rechnung, sagt aber sonst nichts aus. Und für einen Jugendkrimi / Jugendthriller ist mir das zu hell. Krimis und Thriller müssen sich für mich eher düster präsentieren.

Fazit:  Der Anfang mit der Geschichte war nicht leicht, weil mir dieser Bezug zur Kunst fehlt und ich somit Kattas Leidenschaft dafür nicht recht nachvollziehen konnte. Als sich die Handlung dann aber in erster Linie dem Rätsel um Miriams Tod zuwendet, waren diese Startschwierigkeiten im Nu vergessen. Eine wirklich sehr spannende Geschichte, bei der man wunderbar mitknobeln kann! So mag ich solche Bücher! Dass Kattas außerdem eine wirklich tolle Entwicklung über die Geschichte nimmt, war noch das Sahnehäubchen obendrauf.


Titel: Welche Farbe hat die Angst?
Autor: Barbara Rose
Seiten: 271
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3414824097
Preis: 12,99 (HC)

Die drei ??? (151) – Schwarze Sonne

Titel: Die drei ??? (151) – Schwarze Sonne / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 60 min  / Sprecher: Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich, Jens Wawrczeck, Tilo Schmitz, Klaus Dittmann ua

Inhalt: Bei einem Malkurs lernt Bob den sympathischen und begabten Denzel Hopkins kennen. Der Mann wird plötzlich beschuldigt, ein wertvolles Gemälde gestohlen zu haben. Denzel beteuert, das Bild noch nie gesehen zu haben und unschuldig zu sein. Wie konnte er dann bereits in der Vergangenheit immer wieder ein zentrales Motiv aus diesem Bild malen – die schwarze Sonne?
Die drei ??? müssen ihren gesamten detektivischen Spürsinn aufbieten, um diesen Fall zu lösen.


Wie gut, dass man alles, was nicht augenfällig eine Bedeutung hat, als Kunst bezeichnen kann. So wird es immer Künstler geben. Daher werden die Fälle der “???”, die sich zB um Malereien drehen so schnell wohl auch nicht ausgehen. Hier hat man mal wieder eine solche Folge im CD-Player. Mir hat sie insgesamt ganz gut gefallen, bis auf eine bzw zwei Kleinigkeiten die Auflösung betreffend. Dazu später. Zuvor bekommt man eine ganz unterhaltsame Folge geboten, die nicht allzu komplex ist, bei der man gut auch mal mitermitteln kann und die vor allem -das fehlt mir so oft bei den Folgen von heute- auch eine ganz schön schauerliche Passage hat. Im Dunklen gehört, kommt da durchaus eine kleine Gänsehaut auf.
Besagten Kleinigkeiten sind zum Einen die Erpressung mit dem Hund. Bitte, da geht es um Bilder, deren Wert in die Millionen geht. Und dann lässt sich jemand mit einem Hund unter Druck setzen? Jemand, der sonst ganz schön abgebrüht und voller krimineller Energie steckt? Zum Zweiten kommt der Hinweis auf den Täter schon sehr brachial daher. Da muss man nicht Justus Jonas heißen um zwei und zwei zusammenzuzählen.

Die drei Hauptsprecher sind in gewohnt guter Form und auch in den Nebenrollen hat man sich sprechermäßig nicht lumpen lassen. Hervorzuheben ist hier zweifellos Tilo Schmitz, der Denzel Hopkins spricht. Er lässt den talentierten Maler zwar sympathisch wirken, aber mit seiner tiefen und dunklen Stimme gelingt es ihm auch, dass man trotzdem stets im Zweifel bleibt, ob man ihm tatsächlich trauen kann. In weiteren Rollen mischen unter Anderem Regina Lemnitz, Martin May, Klaus Dittmann und Jürgen Thormann (genial als Greis!) mit.

Seitens der Untermalung gibt es nichts Neues zu vermelden. Die Stücke sind passig eingesetzt und unterstreichen die Stimmung der jeweiligen Szenen. Bei den Geräuschen kam mir -und das heißt was, denn mir ist es an sich völlig egal, ob irgendwo ewig lang ein Hund kläfft- Dorothys Gebell nicht besonders authentisch, ja sogar nervig, vor. Und auch dieses Huhn hat Nervpotenzial.

Ja okay, die schwarze Sonne ist auf dem Cover wiederzufinden. Damit ist allerdings erstens auch der Eindruck flöten, den der Titel eventuell vermittelt: dass die schwarze Sonne auch eine unheimliche Erscheinung sein könnte. Außerdem frage ich mich, wo die Flügel sind? Ansonsten sieht das Motiv Dank der Lichtspielereien gut aus.

Fazit:  Zwei kleine Häkchen gibt es in meinen Augen. Da es aber eine nachvollziehbare und leicht verfolgbare Handlung gibt, sowie einen schön schaurige Passage, und ein wirklich sehr gutes Sprecherensemble, hat mir “Schwarze Sonne” insgesamt sehr gut gefallen.

Painting Marlene (Sabine Ludwig / Tanja Geke / Jona Mues)

Titel: Painting Marlene / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 303 min / 4 CDs / Buch: Sabine Ludwig / gelesen von: Tanja Geke & Jona Mues

Inhalt: Ist nichts, wie es scheint? Extrem spannender Psychothriller von Sabine Ludwig Die 18-jährige Marlene ist mit der Schule fertig, bei ihrer Mutter ausgezogen und wohnt jetzt allein in der Wohnung ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Ihre Freizeit verbringt sie hauptsächlich auf Partys und mit ihren Freunden Rike und Georgie. In der Wohnung ist ein Erinnerungsstück an ihren Vater, einen Maler, verblieben: ein Porträt von Marlene. Eines Tages kommt ihr das Bild verändert vor. Gleichzeitig fühlt sie sich verfolgt. Von wem? Georgie, Jasper, Hausmeister Wedau? Wem kann sie noch trauen?


Ich fange hier mal mit eine Abschlussbewertung an: mir hat “Painting Marlene” sehr gut gefallen.
Warum? Wahrscheinlich weil ich auch ein recht ausgeprägtes Faible für Jugendgeschichten ohne Mystery habe. So habe ich sehr gerne dabei zugehört, wie Marlene versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit eigener Wohnung, selbstbestimmtem Leben, allen Freiheiten, die sich ein junges Mädchen davon erhofft, aber eben auch mit allen Schwierigkeiten, die in dieser Situation auf einen zukommen. Damit geht die Geschichte sehr authentisch und sympathisch um. Und an sich hätte die Geschichte gut bis zum Ende so weiter verlaufen können und wäre alleine schon deshalb interessant und spannend gewesen, weil man wissen möchte, wie Marlene ihre Situation schließlich in den Griff bekommt. Nun möchte die Story aber vermutlich eben auch mystisch und leicht unheimlich sein. Ich habe sie so nicht empfunden. Selbstverständlich gehen seltsame Dinge in der Wohnung bzw auf dem Bild von Marlene vor, aber gruselig wie bei “Das Bildnis des Dorian Grave”, an das sich “Painting Marlene” zweifellos ein wenig anlehnt, geht es nicht zu. Diese Vorkommnisse stellen aber ein weiteres spannendes Element dar, denn man fragt sich automatisch, was da vor sich geht und wer dahinter steckt. Und speziell für diese letzte Frage steht eine ganze Reihe Verdächtiger parat. Das Ende ist schließlich eine sehr große Überraschung. Bei aller Grübelei, wer derjenige Welche ist, darauf wäre ich wohl nie mit Überzeugung gekommen.

Tanja Geke liest den Löwenanteil der Geschichte. Mir hat ihre frische, junge aber doch markante Stimme dafür gefallen. Sie liest locker, wie es einer Geschichte um ein junges Mädchen gut steht, und schafft es auch, das Wesen und die Launen der Charaktere einzufangen und an den Hörer zu bringen.
Jona Mues meldet sich zwar deutlich seltener zu Wort, aber dann hinterlässt er vom ersten Satz an Eindruck. Mit dunkler, eher leise Stimme liest er die Passagen des aussenstehenden Täters. Dabei ist er immer für eine Gänsehaut gut.

Das Cover ist ein Blickfang. Und das obwohl das Motiv nicht ausgefallen ist und außer Schwarz kaum andere Farben beteiligt sind. Genau diese Düsternis hatte mich aber auf das Hörbuch aufmerksam gemacht. Sie vermittelt Spannung. Das Booklet beinhaltet die Tracklist und Fakten zur Autorin und den beiden Sprechern.

Fazit: Gruselig -wie ich es mir wegen der Ähnlichkeit zu “Dorian Grave” vorgestellt / erhofft hatte- ist “Painting Marlene nicht. Aber spannend, sogar sehr spannend, was die seltsamen Veränderungen am Bild, und auch die Entwicklungen in  Marlenes Leben angehen. Mit Letzterem setzt sich die Geschichte sehr realistisch auseinander und macht sich so greifbar. Toll!

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