Mantel

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Titel: Wenn die Gondeln Trauer tragen / Verlag: DAV / Spielzeit: ca. 51 min / Sprecher: Sascha Icks, Stefan Kurt, Christine Oesterlin, Carmen-Maja Antoni, Elfriede Irrall ua

gondelnInhalt: Nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter fahren John Baxter und seine Frau Laura nach Venedig, um Abstand zu gewinnen. Kaum angelangt, deuten jedoch mysteriöse Vorfälle und Zeichen darauf hin, dass der Albtraum noch lange nicht zu Ende ist: Ein ältliches schottisches Schwesternpaar behauptet, mit der Seele ihrer toten Tochter in Verbindung zu stehen. Sie prophezeien John ein schreckliches Unglück. In den verwinkelten Gassen der Stadt wird die Atmosphäre immer bedrückender, eine irrationale Bedrohung liegt in der Luft und als Laura abreist, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.


Ich kann mich noch genau an den Wirbel um den Film dieses Titels erinnern. Da hat man lauernd vor dem Fernseher gesessen und auf diese eine gruselige Szene gewartet! An mehr konnte ich mich kaum erinnern als ich das Hörspiel einlegte. Einen Film von über 100 Minuten in 51 Minuten Hörspiel umzuwandeln, ist sicher nicht einfach. Ich denke daher, dass eingefleischten Fans der Films hier und da doch etwas fehlen könnte. Da ich mich daran nicht mehr erinnere, kann ich aber sagen, dass sich mir die Handlung auch in dieser relativ kurzen Spielzeit erschlossen hat. Schnell ist klar, was das Ehepaar nach Venedig geführt hat, und schon bald nehmen die ersten seltsamen Ereignisse ihren Lauf. Dabei gelingt es gut, gewissen Szenen eine unheimliche Atmosphäre zu verleihen. So fragt man sich schnell, was und woran man eigentlich glauben soll. Und auch, wem man überhaupt trauen kann. Jeder der Hauptfiguren hängt etwas Undurchschaubares an, und so habe ich die Geschichte neugierig und gespannt verfolgt. Oben besagte eine Szene war für mich in Sachen unheimliches Geschehen der Höhepunkt, und der hat auch ohne vorgefertigtes Bild eine Gänsehaut verursacht. Wer die Geschichte noch gar nicht kennt -oder wie ich das meiste wieder vergessen hat-, der wird mit dem Ende eine schöne Überraschung erleben. Auch hier darf gern geschaudert werden. Aber eines muss man ganz klar sagen: irgendwelchen Horror darf man nicht erwarten. Soweit geht es hier nicht. Hier kommt das Grauen auf sehr leisen, aber wirksamen Sohlen daher.

Sascha Icks als Laura und Stefan Kurt als John passen gut zusammen. Sascha Icks bringt die wechselnden und starken Gefühle der Laura gut rüber. Mal leise und traurig in Erinnerung an ihre Tochter, dann wieder euphorisch und hoffnungsvoll als ihr gesagt wird, dass es der Kleinen im Jenseits gut geht. Stefan Kurt lässt John meist verständnisvoll und ruhig klingen, sobald es die Szenen aber notwendig machen, schaltet er leicht in einen energischen Ton um.  Christine Oesterlin und Carmen-Maja Antoni bringen das Geheimnisvolle ihrer Charaktere prima rüber. Für mich hoben sie sich von den übrigen Sprechern deutlich ab. Im guten Sinne! Lediglich Elfriede Irrall konnte mich nicht so recht überzeugen. Was für ein eigenartiger Akzent!

Gemäß der ruhigen Gangart der Geschichte und des Grauens darin, zeigt sich auch der Soundtrack eher ruhig. Sie fallen aber trotzdem auf, einfach weil sie -wie ich finde- schön auf das Geschehen abgestimmt sind. Keine Stücke, die man so oder so ähnlich schon mal in anderen Hörspielen gehört hat. Und auch die Geräuschkulisse kann sich hören lassen und vermittelt ein gutes Bild vom Geschehen.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Ich mag es immer, wenn es eine kräftige und auffällige Farbe gibt, die aus dem sonst düsteren Motiv hervorsticht. Selbst wenn es nur in einem kleinen Teil vom Motiv der Fall ist, wie hier die rote Jacke.

Fazit:  Ich bin nicht gerade ein Fan von Radiohörspielen, doch “Wenn die Gondeln Trauer tragen” hat mir überraschend gut gefallen. Ja, es ist kurz im Vergleich zum Film, und sicher fehlt einem echten Fan gelegentlich etwas, doch für mich ist der stille, aber wirkungsvolle Grusel auch in der Kürze gut rübergekommen. Und auch die Handlung ist trotzdem schlüssig.

 

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