Meister der Angst

Meister der Angst – Der Elefantenmensch

Titel: Meister der Angst – Der Elefantenmensch / Verlag: Random House / Spielzeit: ca. 74 min / Sprecher: Michael Lott, Anne Moll, Peter Hawig, Santiago Ziesmer, Till Hagen ua

mdaelefantenmenschInhalt: Das viktorianische London: Der an einer seltenen, Körper- und Gesicht schwer entstellenden Krankheit leidende John Merrick wird dem Publikum auf Jahrmärkten präsentiert. Als er Zuflucht in einem Hospital findet, ist sein Leidensweg noch nicht vorbei.


Den Begriff “Elefantenmensch” hatte ich schon einmal gehört und auch eine Vorstellung unter dieser Beschreibung. Von einer Geschichte um einen Elefantenmenschen wusste ich aber nichts. Wer mag, darf das nun gerne als Bildungslücke sehen. Ich sehe es nicht so. Vor allem hat es mich davor bewahrt, mit irgendeiner Erwartungshaltung an das Hörspiel zu gehen. Mir hat es ausnehmend gut gefallen.
Vor allem, weil man es hier nicht mit echten Grusel oder Horror, oder einem grausigen Kriminalfall zu tun bekommt. Stattdessen beschreibt es den Leidensweg des entstellten John Merrick, der sein Dasein lange Zeit unter schlimmsten Bedingungen in einer Freak Show fristete bis der Arzt Treves auf ihn aufmerksam wird und zur Untersuchung in seine Klinik holt.
Zugegeben, die Beschreibung Merricks kann einem eine Gänsehaut bescheren, und zunächst fand ich die Vorstellung auch ziemlich abstoßend. Doch als sich herausstellt, dass Merrick trotz allem ein ganz normaler, fühlender, denkender und keineswegs dummer Mensch ist, tat er mir einfach nur noch leid und es hat mich traurig gemacht, mit welcher Ablehnung ihm die Menschen begegnen. Gespannt bin ich seiner Odyssee gefolgt, die ihn von der Freak Show, über die Klinik und das nächtliche London führt, nur um schließlich wieder am grausamsten Ort zu enden. Ich habe so sehr gehofft, nach der Klinik könnte es aufwärts für ihn gehen. Welch ein Irrtum! Und was habe ich Noaks von der Freak Show gehasst. Den hätte meinetwegen gerne jemand erledigen können! Und ich habe Dolorosa bewundert, wie vehement sie ihm Paroli bietet. Diese Geschichte löst ein wahres Gefühlschaos aus. Das hat mir am besten daran gefallen. Und dass sie nicht Mitleid heischend daher kommt. Das Mitleid stellt sich auch so ein.
Pfiffig finde ich die Überkreuzung mit der Folge “Der Doppelmord in der Rue Morgue”. Eine tolle Idee und klasse gemacht.

Mein Kompliment an Peter Hawig, der sich lange Zeit als Merrick durch die Geschichte grunzt und ihm später eine etwas undeutliche, hörbar angestrengte Stimme und Redeweise verleiht. So führt er einem die Entwicklung des Elefantenmenschen gut vor Augen. Michael Lott habe ich in Dr. Treves kaum wiedererkannt. Dass Mark Brandis so anders klingen kann…erstaunlich und gut! So hat man kein vorgefertigtes Bild im Kopf, sondern kann sich den Arzt absolut unabhängig vorstellen. Anne Moll hat mir ebenfalls sehr gut gefallen mit ihrer rauhem, markanten Stimme, die auf herrliche Weise ganz schön verlottert klingt. Aber oft auch hoffnungsvoll, weswegen ich gut mit Dolorosa mitfühlen konnte.

Die Untermalung passt sich der Stimmung der Geschichte an, die alles andere als fröhlich ist. So sind häufig leise, getragene Stücke zu hören, die die Gefühlwelt des Hörers zusätzlich anfeuern. Das passt so prima.

Das Cover macht mir der seltsam gekleideten Gestalt schnell neugierig auf die Geschichte. Zudem ist es schön düster gehalten, was widerum dem Titel “Meister der Angst” Rechnung trägt. Etwas gruselig sieht das Motiv eben doch aus.

Fazit: “Der Elefantenmensch” macht betroffen, wütend und traurig, aber auch glücklich und hoffnungsvoll. Das muss eine Geschichte erstmal schaffen. Deshalb bin ich gar nicht böse, dass mir kein Grusel oder Kriminalfall geboten wurde. Ich habe so mit Merrick mitgefiebert und mit ihm gelitten! Bisher mein Favorit der Reihe!

Meister der Angst – Der Doppelmord in der Rue Morgue

Titel: Meister der Angst – Der Doppelmord in der Rue Morgue / Verlag: Random House / Sprecher: Till Hagen, Sascha Rotermund, Peter Kirchberger, Anne Moll ua

ruemorgueInhaltParis, ausgehendes 19. Jahrhundert. Der Tatort zweier Frauenmorde gibt der Polizei Rätsel auf: Wie kam der Täter in das von innen verriegelte Zimmer und wieder hinaus? Die Ermittlungen treiben C. Auguste Dupin in seine eigene, düstere Vergangenheit und in ein Netz von Intrigen.


Ein Doppelmord ist nun nicht unbedingt die ausgefallenste Idee für einen Krimi mit unheimlichen Einschag. Interessant wird es aber, wenn sich dieser Doppelmord in einem verschlossenen Raum ereignet hat. Wie sollte ein Mörder dort hineingelangt sein? Vor diese Frage werden C. Auguste Dupin und sein Partner Allan Pigott in dieser Folge gestellt.
Über lange Zeit hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen. Der Mord ist schön brutal verübt worden. Da kann man schon mal schaudern. Und die Ermittlungen von Dupin, Pigott und Langrot fand ich ganz interessant. Alleine schon deshalb, weil sie von so unterschiedlichen Standpunkten aus ermitteln. Dupin und Pigott sehr realistisch und detektivisch. Langrot dagegen mit einem Hang dazu, auch übersinnliche Ereignisse in Erwägung zu ziehen, die zu der Bluttat geführt haben könnten. Der vernünftige Teil von mir hat Dupin und Pigott geglaubt. Der Teil von mir, der sich gerne bei Übersinnlichem gruselt, hätte auch an Langrots Auflösung seinen Spass gehabt. Und sie lag sogar ab Dupins erster Theorie weit vorne, denn die kam mir schon reichlich weit hergeholt vor. Daran konnte ich einfach nicht glauben. Und nach seinen logischen Ausführungen über gewisse Mechnismen an Fenstern, war ich sogar etwas enttäuscht. Wie kann jemand so Vernünftiges auf solche Ideen kommen?
Glücklicherweise war Dupins Theorie dann doch nicht der Weisheits letzter Schluss. Stattdessen schlug die Geschichte eine ganz neue Richtung ein, die ein völlig neues Licht auf den Doppelmord warf. Ich hoffte auf eine glaubwürdigere Auflösung. Alerdings wurden die Geschichte bzw die Hintergründe zum Mord nun aber auch deutlich komplexer als bis dahin. Ich hatte schon genug Schwierigkeiten damit, mich mit den französischen Namen zurechtzufinden. Wenn dann einer nach dem anderen fällt und man immer erst überlegen muss, wer das nochmal war, dann wird das anstrengend. Zudem liegen die Hintergründe des Mordes nicht in der Gegenwart, sondern zum Teil in Dupins Vergangenheit. Etwas, was zuvor kaum ein Thema gewesen war. Aus diesen beiden Gründen habe ich das letzte Drittel mehrmals angehört und erst dann wirklich begriffen.

Till Hagens klare und markante Stimme hat mir für Dupin wirklich gut gefallen. Sie passt zu dieser Figur, die mit so viel Vernunft und Intelligenz an die Ermittlungen geht. Neben ihm blieb Sascha Rotermund alias Pigott für mich etwas blass. Gut, Pigott ist natürlich keine solch zentrale Person wie Dupin, aber etwas Spezielles an ihm hätte mir doch gefallen. Und sein es nur eine Stimme, bei der man sofort aufmerksam wird. Annelie Krügel darf sich gleich von zwei Seiten präsentieren. Zunächst als harmlose, ängstliche Frau, die bei Dupin auftaucht. Später dann als abgebrühter Racheengel. Insgesamt frage ich mich, wieso bei einer Geschichte, bei der gleich zu Anfang klar gesagt wird, dass sie in Frankreich spielt, einige Figuren mit entsprechendem Akzent sprecher, andere wiederum nicht.

Die Geschichte wird von einem schönen und ausgefeilten Soundtrack begleitet. Er sorgt bei vielen Szenen maßgeblich für die nötige unheimliche Stimmung und kribbelnde Spannung. Die Geräuschlulisse kann sich ebenfalls hören lassen. Ich musste vor allem bei dem Geräusch grinsen mit dem der Kopf aus dem Topf genommen wird. Herrlich eklig.

Das Cover ist ein Hingucker und macht so neugierig auf die Geschichte.

Fazit:  Zunächst eine spannende Geschichte um einen Mord, der augescheinlich ganz unmöglich ist. Ich fand dabei vor allem die unterschiedlichen Standpunkte interessant, von denen Dupin und die Polizei ihn angehen. Doch dann wurde die bislang geradlinige Handlung plötzlich unerwartet komplex. Das fand ich erstens deshalb nicht so gelungen, weil man es zuvor wirklich nicht erahnen konnte. Zweitens aber auch, weil es mir bei dem Tempo des Finales ehrlich schwer fiel, auf einen Schlag alle Charaktere und ihre Beziehungen zueinander auf der Reihe zu haben.

Meister der Angst – Der seltsame Fall von Dr. Jekyll & Mr. Hyde

Titel: Meister der Angst – Der seltsame Fall von Dr. Jekyll & Mr. Hyde / Verlag: Random House Audio / Spielzeit: ca. 76 min / Sprecher:

Inhalt: London, 1888: Der ehrgeizige Dr. Jekyll experimentiert mit verbotenen Substanzen und verwandelt sich in die bösartige Ausgabe seiner selbst: Mr. Hyde. Plötzlich wird London von bestialischen Mordfällen heimgesucht.


Nach “Jack the Ripper” nimmt sich diese neue Hörspielreihe nun der Geschichte um Dr. Jekyll und sein böses Ich vor. Man muss zwar die “Ripper”-Folge nicht kennen und mit dieser Folge zurecht zu kommen, aber es hat mir auf jeden Fall gefallen, dass es hier und da Zusammenhänge bzw Verbindungen gibt. So werden einige Personen aus der “Ripper”-Folge erwähnt, auf die man so erneut trifft, und mit Abberline bekommt man sogar den gleichen Ermittler an die Hand.
Dafür muss man hier aber schon sagen, dass die Geschichte um den Doktor im Großen und Ganzen genau so erzählt wird, wie die meisten sie sicher schon kennen. Ich schätze, dieser Stoff gibt auch keine großen Experimente her ohne dass sie sich verlieren würde. Deshalb geht das für mich so in Ordnung. Auf große Schreckmomente und ähnliches darf man allerdings nicht hoffen. Der Umsetzung fehlt jedes Reißerische, sie konzentriert sich in erster Linie auf diese beiden so widersprüchlichen Wesen des Dr. Jekyll, und wie ich finde, schreckt das alleine schon ganz gut. Es waren weniger Hydes Taten, die mich schaudern ließen, sondern eher dieser verzweifelte Kampf Hydes gegen sein böses Ich, der hier so absolut auswegslos dargestellt wird. Und so ist es -auch wenn man eigentlich weiß, wie die Geschichte enden wird- doch spannend, ihr hier nochmal zu folgen.

Andreas Fröhlich bereitet die unterschiedliche Darstellung des Jekyll und Hyde keinerlei Schwierigkeiten, auch wenn mir seine Stimme für Hyde nicht gefallen hat. Für meine Abneigung gegen “Herr der Ringe” und damit auch gegen Gollum kann ja niemand was.  Frank Glaubrecht als Abberline steht hier Gabriel Utterson bei seinen Ermittlungen zur Seite. Gesprochen wird er von Peter Weis, was bei mir per se schon einen Pluspunkt einbringt. Mir gefällt seine humorige Art, mit der er den Utterson spricht. Das lockert angenehm auf.

Die Musik wurde auch bei dieser Folge unüberhörbar mit Sorgfalt ausgewählt und ist mit für die dichte und düstere Atmosphäre verantwortlich, was der Geschichte gut steht. Die Geräusche können sich ebenfalls hören lassen und veranschaulichen das Gehörte sehr gut.

Dieses Mal ist Grün die vorherrschende Farbe des Covers und macht es so zum Hingucker im Regal. Außerdem gefällt mir die Darstellung von Hyde und Jekyll so Rücken an Rücken.

Fazit:  Mir hat auch diese Episode der “Meister der Angst” gefallen. Auch wenn ich die Geschichte im Wesentlichen kannte. Sie wirkte hier trotzdem neu auf mich, da es hier weniger um den Schrecken des Mr. Hydes an sich geht, sondern mehr um den Kampf zwischen ihm und Jekyll. Das ist beeindruckend zu hören.

Meister der Angst – Jack the Ripper

Titel: Meister der Angst – Jack the Ripper / Verlag: Random House Audio / Spielzeit: ca. 79 min / Sprecher: Helmut Krauss, Frank Glaubrecht, Kerstin Draeger, Konrad Halver ua

Inhalt: London, 1888: Nachdem Inspektor Abberline sich dem Elend des verhassten East-Ends bereits entkommen sah, ziehen ihn grausame Ritualmorde wieder dorthin zurück. Die Spuren führen bis ins Königshaus…


Ich bin ja an sich kein Fan von Klassikern, doch gibt es ab und zu auch Ausnahmen. Dazu zählt auch die Geschichte um “Jack the Ripper”. Das heißt aber auch, dass ich die Story vom Kern her bereits kannte. Und das dürfte sicher auch auf viele andere Hörer zutreffen. Und vielleicht zweifeln sie genau wie ich, ob sich die soundsovielte Auflage lohnt. Das tut sie aber in jedem Falle. Weniger vom Fall selber her, denn der ist natürlich der gleiche mit dem Rätsel um die Morde an Prostituierten. Doch hinsichtlich des Täters schlägt man hier eine Richtung ein, die ich bislang noch nicht kannte und die einer These des Autoren Stephen Knight folgt und den Arzt William Gull als Täter vorgibt. Und bei der hinter den Morden noch eine ganze Reihe Verschwörungen und Verwicklungen stecken, die letztlich bis ins Königshaus führen. Schön, dass es mal eine nicht so populäre Version der Ripper-Morde ins Hörformat geschafft haben. Das wirkt frisch und nicht minder spannend und schaurig als die bekannten Versionen. Auch wenn man natürlich schnell erfährt, wer der Täter ist. Das ist also nicht der Punkt, aus dem die größte Spannung resultiert. Für mich rührte die vielmehr daher zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Als Sir William Gull ist Helmut Krauss zu hören, der hier einen Killer von der Sorte gibt, die mich noch am meisten schaudern lassen. Keineswegs unüberhörbar irre, sondern bedrohlich ernsthaft und kühl. Wo man heraushört, dass er an seine irren Motive für die Taten wirklich glaubt. Auch Frank Glaubrecht als Inspektor Abberline hat mir gefallen. Anfangs hört man ihm deutlich an, wie ihn die Gegend der Morde anwidert, und wie sehr ihn das gezeichnet hat, was er dort zuvor bereits erlebt hat. Später dann bei den Ermittlungen klingt dann auch der clevere Inspektor durch. Annelie Krügel, Katja Brügger, Charlotta Bjelfvenstam, Ulrike Johannson und Kerstin Draeger geben die Prostituierten, die es nach und nach trifft und finden dafür genau den  schnodderigen Ton. Man hört ihnen an, dass die Frauen zwar bereits sehr heruntergekommen sind, aber immer wieder schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit, der deutlich macht, dass sie sich noch nicht ganz aufgegeben haben. Diese Balance gelingt den Sprecherinnen wirklich gut.

Musikalisch kommt das Hörspiel sehr dezent daher. Untermalung ist vorhanden und sorgt durchaus für Atmosphäre, allerdings ganz leise und aus dem Hintergrund heraus. Stattdessen wird mehr auf die Geräuschkulisse gesetzt, die einen im Nu ins London des Jahres 1988 versetzt mit dem Hufgetrappel von Pferden, dem Klang von Kutschrädern auf löcherigen Straßen und dem Trubel in verkommenen Kneipen.

Ich weiß es nicht, vermute aber dass das Covermotiv dem Comic von Alan Moore entnommen wurde, in dem er diese Theorie über die Ripper-Morde verarbeitete. Mir gefällt das Motiv vor allem wegen der hauptsächlich blutroten Farbe, was gut zu den Morden passt.

Fazit:   Mir hat diese Version von “Jack the Ripper” gut gefallen. Sie folgt mal einer Theorie, die nicht ganz so bekannt ist. Damit hat mich das Hörspiel sehr überrascht und ich bin ihm mit neuer Spannung angesichts einer alt-bekannten Geschichte gefolgt.

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