Michael Tsokos

Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser

tsokosdoppelbandEin Mann, der sich verfolgt fühlt und dann erstochen aus dem Wasser gefischt wird. Ein grausiger Fund in einem Möbelstück. Eine Wasserleiche, gekleidet im Stil des 19. Jahrhunderts. Nahezu täglich hat Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, es mit Toten zu tun, die auf außergewöhnliche Weise ums Leben gekommen sind. Und immer wieder muss er sich die Frage stellen: War es Suizid, war es ein Unfall – oder war es Mord?

Nach einer Lesung mit Sebastian Fitzek und Michael Tsokos stand für mich fest, dass ich über Kurz oder Lang auch eines von Tsokos’ Büchern lesen würde. Als mir dieser Doppelband kürzlich begegnete, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen. Ich war neugierig und für zwei Bücher ist der Preis unschlagbar.
Eigentlich hatte ich geplant, das Buch nebenbei zu lesen. Ein Kapitel wann immer mal ein kurzer Zeitraum zu überbrücken wäre.
Es spricht sicher für sich, dass daraus nichts wurde. Nichts werden konnte! Ich konnte das Buch schon nach dem ersten Kapitel kaum mehr aus der Hand legen.
Die einzelnen Fälle von denen Michael Tsokos berichtet, sind spannender als so mancher Krimi oder Thriller, die ich bisher gelesen habe. Viele sind so außergewöhnlich, dass man unbedingt wissen möchte, was dahinter steckt. Ein Unfall? Oder Mord? Oder gar Selbstmord? Genau dies ist die Frage, die es bei jedem Fall zu beantworten gilt.
Ich habe oft mitgeknobelt (bzw es versucht) und mir dann erklären lassen, was tatsächlich vorgefallen war. Und warum es auch gar nicht anders sein kann.
Dabei fand ich es ausgesprochen interessant, Einblick in die Arbeit von Gerichtsmedizinern zu bekommen. Das ist schon ein spezieller, aber eben auch seltsam faszinierender Job. Wobei manche Schilderungen in diesem Buch sicher nichts für Leser sind, die einen etwas sensiblen Magen haben 😉 Ich denke aber, das dürfte jedem Interessenten im Vorfeld klar sein. Solch ein Buch schlägt man halt auch mit der Hoffnung auf ein Schaudern hier da auf. Und vielleicht auch leicht sensationslüstern. So ging es mir auf jeden Fall.
Gefühlt gibt es für mich einen gewissen Unterscheid zweischen den beiden Bänden.
“Dem Tod auf der Spur” schildert tatsächlich nur die Fälle, berichtet von der Arbeit und den Methoden der Gerichtsmedzin, und beantwortet die Frage nach Mord, Selbstmord oder Unfall. Das ist kurz, knackig und hält so mit Leichtigkeit die Spannung und Neugier bei Laune.
“Der Totenleser” beleuchtet auch mal die Hintergründe, das Drumherum und die einzelnen Dramen um die Fälle genauer. Das fällt natürlich eine Spur ausführlicher, aber nicht weniger interessanter aus. Oft gibt es einem außerdem zu denken, denn ganz gleich ob Selbstmord, Mord oder ein Unfall…viele dieser Taten haben schließlich einen bestimmten Anlass, der auch mal dramatischer sein kann.
Mir hat “Dem Tod auf der Spur” trotzdem etwas besser gefallen. Daran ist wohl besagte Sensationsgier Schuld 😉

So spannend und interessant das Buch ist, es beansprucht seine Zeit. Vor allem die Erläuterungen zu den Untersuchungen und Untersuchungsmethoden lassen sich nicht so leicht runterlesen. Es sei denn, man ist vom Fach. Aber wer nicht vom Fach ist und den Anspruch hat, zu verstehen was da erklärt wird, der braucht halt länger dafür. Ich habe sie mir gerne genommen. So entfalten die Schilderungen auch erst ihre gesamte Faszination, die mich im Nu erfasst hatte.

Ein Buch ganz ohne Mädchengesicht auf dem Cover! Wow! 😉
Zugegeben, vom Inhalt gibt das Cover nichts weiter preis. Zu sehen ist halt genau die Person, die in diesem Buch von seiner Arbeit berichtet. Eigentlich schon unspektakulär. Da könnte ich mir auch deutlich Aufmerksamkeit heischendere Motive vorstellen, die aber gar nicht passen würde. Ich finde den Look des Buches völlig in Ordnung. Und etwas geheimnisvoll dunkel ist es doch.

Fazit:  In Sachen Spannung kann dieser Doppelband es spielend mit den besten Krimis / Thrillern aufnehmen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es wird sicher nicht mein letztes Buch von Michael Tsokos gewesen sein. Dafür fand ich es einfach zu interessant und faszinierend. Die Idee vom perfekten Mord kann man nach dieser Lektüre übrigens getrost begraben 😉


Titel:  Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser
Autor: Michael Tsokos
Seiten:  512
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548374994
Preis:  € 10,00

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Sebastian Fitzek & Michael Tsokos – Lesung aus “Abgeschnitten” in Hannover am 31.10.12

Der Kinofilm “Das Kind” war noch gar nicht so lange her, da stand bereits wieder ein “Fitzek-Termin” auf unserem Plan.

 

Dieses Mal war es die Lesung aus “Abgeschnitten” mit Sebastian Fitzek und Michael Tsokos im Hannoveraner Pavillon!

Der Eingang vom Pavillon einige Stunden vor Beginn der Lesung. Die Türen waren richtig tapeziert mit den Plakaten zur Veranstaltung.

 

Auch Hugendubel war wieder vor Ort und hatte sich ordentlich mit Büchern von Sebastian Fitzek eingedeckt.

Ein Blick ins Publikum. Die Lesung war ausverkauft, was ja nicht weiter überraschend war. Aber schon beeindruckend zu sehen! Wenn ich da an die lauschigen Lesungen in Buchläden denke… 😉

Ja, genau deshalb waren wir alle dort!
🙂

Auftritt Sebastian Fitzek und Michael Tsokos.

Zu Beginn lernten wir (obwohl ich fast sicher bin, jeder im Publikum kannte sie schon ;)) nochmal Linda und Herzberg kennen.

Es wurde nicht nur gelesen. Michael Tsokos gewährte mit Schaubildern auch häufig Einblicke in die moderne Gerichtsmedizin, was sehr interessant war.

Und lesen durfte er auch 😉

Ich meine, das wäre während der Fragerunde am Ende der Lesung gewesen. Wie immer sehr spaßig und interessant!

Die Schlange beim Signieren war wirklich lang, aber das Warten lohnte sich!

Und die Schlange nahm und nahm kein Ende!

Mein “Abgeschnitten”!
🙂

Abgeschnitten (Sebastian Fitzek / Michael Tsokos)

Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert. Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert.

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass auf dem Cover dieses Fitzek-Buches “Thriller” statt “Psychothriller” steht. Das ist wichtig zu wissen, da man sich sonst womöglich eine falsche Vorstellung davon macht und am Ende enttäuscht ist.
Wer es weiß, der kommt mit “Abgeschnitten” auf jeden Fall auf seine Kosten. Denn vom kleinen Genre-Unterschied abgesehen, hat auch diese Geschichte alles, was einen Roman von Sebastian Fitzek für mich auszeichnet.
Wie etwa die Handlung, die nicht zu komplex  und recht geradlinig ist. Hier hat man im Wesentlichen zwei Handlunsstränge mit Herzfeld auf dem Festland und Linda auf Helgoland, die aber beide in einer engen Verbindung zu einander stehen. Es gibt zwar auch eingeschobene Kapitel, die an anderen Orten und bei anderen Personen spielen, doch sie verwirren nicht. Sie laden zum Knobeln ein und man hat auch hier allen Grund zum Schaudern und Mitfiebern, aber sie lenken nicht von der Handlung um Herzfeld und Linda ab.
Doch ganz gleich, wo die Geschichte gerade spielt, spannend ist sie immer. Dadurch, dass Lindas Part zum großen Teil in der Pathologie des Inselkrankenhauses spielt, hat man obendrein auch noch gut Gelegenheit zum Schaudern. Manche Szene kann man guten Gewissens als gruselig bezeichnen. So sehr, dass ich mich den Abend in meiner eigenen Wohnung unwohl gefühlt habe 😉
Es hat bei Linda allerdings eine Weile gedauert bis ich mich mit ihr angefreundet hatte, doch nach ein paar frechen und coolen Sprüchen mochte ich sie dann doch. Da bin ich mit Herzberg deutlich schneller warm geworden. Vielleicht, weil ich bekanntlich immer besser mit männlichen Figuren klarkommen? Dafür gefielen mir die beiden wichtigsten Nebencharaktere so richtig gut: dieses scheinbar so stille Wasser Ingolf von Appen, der sich als dermaßen cool heraustellt, und Ender, den sympathischen Hausmeister der Klinik und Deutschlands Hoffnung auf den Comedy-Thron des nächsten Jahres, der sich so tapfer schlägt.
Sebastian Fitzek hat dieses Roman zusammen mit Michael Tsokos geschrieben, der als Pathologe an der Berliner Charite arbeitet. Er hat unüberlesbar sein Fachwissen beigesteuert. Das ist nicht nur interessant, sondern macht das Gelesene auch glaubhaft.
Gewisse Zweifel habe ich jedoch noch immer, ob eine ferngesteuerte Obduktion durch einen Laien so gut funktionieren kann. Vermutlich ist Linda ein Naturtalent und Herzberg ein begnadeter Lehrer und Pathologe.
Das Ende habe ich ab einem bestimmten Punkt zweimal lesen müssen, weil mich eine -für mein Empfinden- unklar formulierte Passage veriwrrt hatte. Ich weiß aber, dass es anderen Leser nicht so ging, deshalb kann ich sagen, dass das Ende sinnig und nachvollziehbar ist. Jedenfalls kein Psychothriller-Rätsel nach dem Motto: was ist Realität, was ist Wahn?

Ich habe nur zwei Abende für  “Abgeschnitten” gebraucht. Einmal weil es durchweg so spannend ist, aber auch weil es sich sehr leicht und geradezu rasant liest. Da sind im Nu ein paar Kapitel weggelesen und man kann einfach kaum aufhören.

Am Cover gefällt mir dieser leichte 3D-Effekt beim Schnitt durch den Titelzug. Ansonsten bleibt zu dem schlichten Look wohl nicht viel zu sagen. Es ist schon auffällig, sagt aber nicht viel über den Inhalt aus. Das übernehmen die Namen der Autoren aber auch spielend alleine. Dahinter kann nur eine tolle Story stecken!

Fazit: Ich habe mit “Abgeschnitten” zwei tolle Leseabende verbracht. Ich habe vor Spannung an den Nägeln geknabbert, mich wohlig gegruselt und bin fasziniert Lindas Laien-Obduktionen gefolgt. Der neue Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos lässt das Thriller-Herz höher schlagen.


Titel: Abgeschnitten
Autor: Sebastian Fitzek, Michael Tsokos
Seiten: 400
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426199268
Preis: € 19,99 (HC)

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