Mobbing

Nicht Chicago, nicht hier (Kirsten Boie / Philipp Baltus & Bernd Stephan)

Titel: Nicht Chicago, nicht hier / Verlag: Goya Libre / Spielzeit: ca. 105 min, 2 CDs / Buch: Kirsten Boie / gelesen von: Philipp Baltus, Bernd Stephan

Inhalt: Eine Stadt wie viele andere, irgendwo hier und heute. Niklas, dreizehn, wird von einem Mitschüler terrorisiert. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Zeugen gibt es nicht. Niklas ist verzweifelt. Er weiß nicht, wie er sich zur Wehr setzen soll. ‘Wir sind doch nicht in Chicago!’, sagt sein Vater und geht zur Polizei. Er droht mit Klage. Das seien doch alles nur Bagatellen, sagt die Polizei. Und eine Klage hätte sowieso keine Aussicht auf Erfolg. Niklas’ Vater reicht es. Er erstattet Anzeige.


Diese Besprechung fällt mir schwer. Die Geschichte fasst ein sehr ernstes Thema an: Mobbing an Schulen / unter Jugendlichen. Wie ich finde, müsste es von dieser Sorte mehr geben. In genau dieser Art: dass sich Jugendliche darin wiederfinden und wenigstens ab und zu überlegen, welche Folgen gewisse Handlungen haben können. Und auch dass sich Eltern Gedanken dazu machen und auf Anzeichen achten. Sie können hier dann auch gleich lernen, dass Sprüche wie “Das klären wir mit den Eltern, so machen zivilisierte Menschen das!” alles nur noch schlimmer machen können. Ich habe jedes Mal bei diesem Spruch gehofft, Niklas Eltern würden das letztlich doch lassen, weil sie damit für ihn gleich die nächste, noch schlimmere Schikane heraufbeschwören. Wie gerne hätte ich sie mal so richtig durchgeschüttelt!
Niklas selber tat mir natürlich leid, viel mehr aber noch konnte ich mit ihm fühlen. Denn ich weiß, wie man sich in seiner Situation fühlt. Und das hat mich an der Geschichte so beeindruckt, betroffen gemacht und mitgenommen: dass Niklas Situation so absolut authentisch geschildert wird. Diese Hilflosigkeit, diese Hoffnungslosigkeit, diese unbändige Wut und die Angst. Ich glaube Kirsten Boies Anmerkung im Booklet, dass nichts an der Geschichte ausgedacht ist. Denn Niklas Gefühle sind eins zu eins die eines Jugendlichen in seiner Situation in der Realität.
Das Ende fand ich dann leider doch etwas schwach. Es gibt Andeutungen in der Geschichte, von denen her ich gedacht hatte, dass Niklas sich am Ende doch wehrt, und zwar auf dramatische Weise. Aber irgendwie endet die Story dann nicht viel anders als mehrere Szenen in der Geschichte auch.

Philipp Baltus liest aus Niklas Perspektive und klingt angemessen jung. Er bringt Niklas’ Gefühle sehr gut zum Ausdruck. Als Erzähler ist Bernd Stephan zu hören, dessen tiefe Stimme dazu einen ordentlichen Kontrast bildet. Natürlich klingt er älter und  auch abgeklärter.

Auf dem Cover soll wohl Niklas zu sehen sein. Alles andere wäre unlogisch. Der junge Mann schaut auch passig traurig und müde aus. Eben so traurig und müde, wie Niklas in der Geschichte (wird).

Fazit:  Eine Geschichte über Mobbing, die die Gefühlwelt eines betroffenen Kindes / Jugendlichen absolut authentisch rüberbringt. Das verfehlt seine Wirkung nicht, macht betroffen und beeindruckt auf unangenehme Weise. Hier können sich sowohl Kinder / Jugendliche, als auch Erwachsene / Eltern einiges mitnehmen. Das Ende allerdings fand ich doch sehr schwach.

Die Krumpflinge – Egon schwänzt die Schule (Annette Roeder / Stefan Kaminski)

Titel: Die Krumpflinge – Egon schwänzt die Schule / Verlag: derHörverlag / Spielzeit: ca. 66 min / Buch: Annette Roeder / gelesen von: Stefan Kaminski

egon03Inhalt: Egon ist schrecklich aufgeregt: Am nächsten Tag findet in der Krumpflingschule eine Prüfung statt! Um eine gute Note zu bekommen, muss sich jeder Schüler einen krumpflingfiesen Trick ausdenken. Und der wird dann vom Lehrer und der strengen Oma Krumpfling bewertet. Leider hat der freundliche Egon so gar keine Idee! Als er seinen Freund, den Menschenjungen Albi, um Hilfe bittet, schüttelt der eigentlich wohlerzogene Junge die bösen Einfälle nur so aus dem Ärmel. Das passt gar nicht zu Albi!, findet Egon. Könnte es sein, dass ihm jemand üble Streiche spielt? Egon beschließt, seine Prüfung zu schwänzen und Albi in die Schule zu begleiten. Vielleicht braucht sein Freund ja Hilfe.


Die Schulzeit hat so ihre Tücken. Das gilt für Krumpflinge genauso wie für Menschen. Egon muss sich für eine Prüfung krumpflingfiese Tricks ausdenken, womit der eigentlich so gutherzige Kerl so seine Probleme hat. Vor allem, wenn gewisse Mitschüler sich nach Kräften mühen, ihn zu übertrumpfen und zu deckeln. Somit ist schon mal in dem Teil um die Krumpflinge für Spannung und Aufregung gesorgt.
Doch auch Egons Menschenfreund Albi hat in der Schule einige Probleme mit Mitschülern, wie sich herausstellt. Und natürlich ist Albi Artich viel zu artig und sich zu wehren. Was hier irgendwie reichlich harmlos klingt, ist ganz im Gegenteil aber ein an sich ganz ernstes Thema. Mobbing unter Kindern findet bereits in Kindergarten und Grundschule statt. Es hat mir gefallen, dass diese Geschichte das Thema aufgreift. Erwachsene Hörer werden die ernsten Töne schnell heraushören, doch ich denke, dass auch die jungen Hörer verstehen, was vor sich geht. Denn wie üblich in der Reihe wird ein wichtiges Thema ausgesprochen kindgerecht umgesetzt. Und es kann keinesfalls schaden, bereits die Jüngsten für dieses Thema zu sensibilisieren.
Selbstverständlich kommt der Spass auch dieses Mal nicht zu kurz. Trotz des ernsten Themas. Egon hat halt so seine Eigenarten und mehr als einmal enden seine Aktionen in turbulenten und witzigen Szenen. Und dann muss natürlich noch die Freundschaft zwischen ihm und Albi geheim gehalten werden. Auch das ist nicht einfach und kann schnell mal in schrägen Situationen enden.

Stefan Kaminski liest auch diesen dritten Teil der Reihe. Ich könnte mir dafür keinen besseren Sprecher vorstellen. Und das, wo er mir in gewissen anderen Hörbüchern gerne mal tierisch auf den Keks ging. Doch diesen Geschichten stehen seine zahllosen Stimmen ganz hervorragend. Sie sorgen für so viel Lebendigkeit, dass es sich nie wie ein Hörbuch anhört. Eher wie ein Hörspiel. Eine wirklich tolle Leistung!

Dem Covermotiv kann man auf Anhieb entnehmen, dass sich in der Geschichte vieles um die Schule dreht. Und wie Egon und Albi sich anschauen, so verschmitzt, das verspricht eine interessante Handlung. Das Kernthema ist dem Motiv nicht anzusehen, aber man soll mit dem Cover ja auch nicht gleich alles über eine Geschichte verraten.

Fazit:  Diese Folge nimmt sich eines sehr ernsten Themas an, was mir sehr gut gefallen hat. Es ist absolut kindgerecht umgesetzt, sodass selbst die jungen Hörer verstehen können, um was es geht und wie schlimm solches Verhalten ist. Trotzdem geht es auch wieder so witzig zu, wie man es von den ersten beiden Episoden kennt. Das nimmt besagten Thema jedoch nicht die Dringlichkeit. Das ist wirklich gut gelungen!

Ich diss’ dich! (Arno Strobel)

dissdichLisa ist zutiefst erschüttert, als ihre beste Freundin Vanessa Selbstmord begeht. Sie ist sich sicher, dass die Fotos auf Facebook der Auslöser waren! Doch wer hat sie hochgeladen, etwa Vanessas Exfreund Phillip? Lisa versucht die Hintergründe für den Tod ihrer Freundin aufzudecken und tritt dabei eine Lawine los, die sie selbst zu überrollen droht.

Wenn auf einem Buch der Name “Arno Strobel” steht, dann wird es gelesen. So habe ich es immer gehalten und so wird es auch bleiben. Das gilt natürlich auch für eBooks und eShorts.
“Ich diss’ dich!” konnte mich leider nicht ganz von sich überzeugen. Die Thematik ist sicher aktuell, vor allem bei Jugendlichen. Aber auch älteren Lesern hält sie Geschichte einen Spiegel vor was das virtuelle Leben anbetrifft. Vor allem, welche Gefahren es bergen kann. Ich bin an sich kein Fan von Geschichten, die ein solches Thema ins Zentrum stellen, weil dabei schnell mit dem moralischen Zeigefinger gewunken wird, doch hier ist das zum Glück nicht der Fall. Soweit war ich mit “Ich diss’ dich!” also ganz zufrieden.
Ich konnte auch gut nachvollziehen, dass Lisa die Wahrheit über Vanessas Tod herausfinden möchte. Und ich fand es ganz spannend zu verfolgen, was sie herausfindet. Dabei habe ich gerne mitgerätselt.
Leider konnte die Auflösung mich dann nicht überraschen. In diese Richtung hatte ich schon eine ganze Weile gedacht. Deshalb war ich am Ende zwar zufrieden, dass ich recht hatte, aber mir hätte ein überraschendes Ende doch besser gefallen.
“Ich diss’ dich!” ist so eine Art Appetithäppchen für Arno Strobels neuen Jugendthriller, der wohl im März 2016 erscheinen soll. Er trägt den Titel “Die Wahrheit trügt” und greift die Geschichte von “Ich diss’ dich!” wieder auf, allerdings vier Jahre nach dem Geschehen darin.
Ich werde “Die Wahrheit trügt” sicher lesen, zumal mir “Ich diss’ dich!” viel zu schnell abgehandelt war und entsprechend kaum echte  Spannung aufkam.

Fazit:  “Ich diss’ dich!” befasst sich mit einer aktuellen Thematik, mit der sich vor allem Jugendliche einmal gründlich auseinandersetzen sollten. Doch auch älteren Lesern gibt es damit Stoff zum Nachdenken über bestimmte Handlungen. Allerdings wurde mir das Geschehen zu fix abgehandelt um richtig Spannung aufkommen zu lassen. Und die Auflösung kam leider überhaupt nicht überraschend. Somit ein duchwachsenes eShort für mich. “Die Warhheit trügt” werde ich mir deshalb aber sicher nicht entgehen lassen!


Titel: Ich diss’ dich
Autor: Arno Strobel
Seiten: 38 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 1,99

This song will save your life (Leila Sales)

thissongElise war schon immer eine Außenseiterin. Niemand teilt ihren schrägen Kleidungsstil oder ihren Musikgeschmack. Bei einem ihrer notorischen Nachtspaziergänge trifft sie Pippa und Vicky, die sie in den Underground-Musikclub „Start“ mitnehmen – und plötzlich ist Elise unter Menschen, die sie so nehmen, wie sie ist. Außerdem entdeckt sie ihr Talent fürs DJ-ing. Sie wird zu heißesten Newcomerin der Szene und scheint mit einem Mal alles zu haben, was sie sich schon immer gewünscht hat: Freunde, Akzeptanz und vielleicht sogar Liebe. Doch was, wenn das richtige Leben droht, alles wieder zunichte zu machen?

Auf dieses Buch bin ich zufällig aufmerksam geworden. Das Cover gefiel mir und der Klappentext sprach mich auf Anhieb an. Nach zwei Fehlschlägen, habe ich hier mit meinem Bauchgefühl völlig richtig gelegen. Das Buch hat mir sehr, sehr gut gefallen! Deshalb wird dies auch wieder eine eher schwierige Rezension, weil ich unmöglich auf alles eingehen kann, was mir so gut gefallen hat.
Fangen wir mit Elise an, die ich auf Anhieb mochte und in die ich mich problemlos hineinversetzen konnte. Sicher auch deshalb, weil ich selber früher in der Schule auch ein Außenseiter und ein allseits beliebter Fußabreter für alle und jeden war. Somit verstand ich gut, wie Elise sich fühlt, was sie täglich auszustehen hat. Außerdem gefiel mir ihre ehrliche Art, ihr Verstand, ihre Intelligenz und vor allem ihr -manchmal böser- Humor. Ich glaube, ich habe mir noch aus keinem Buch so viele Zitate herausgesucht wie aus diesem. Elise versteht es einfach, gewisse Dinge und Umstände treffgenau auf den Punkt zu bringen. Dass sie bei alldem, was sie zu ertragen hat, noch einen solchen Humor hat, habe ich als bewundernswert empfunden. Ihre Liebe zur Musik konnte ich ebenfalls gut nachvollziehen. Ganz so versessen wie Elise bin ich zwar nicht davon, geschweigen denn, dass ich etwas vom Auflegen verstehen würde, aber ohne Musik könnte ich auch nicht.
Es ist zwar ein arger Zufall, der Elise eines nachts in den Club Start bringt, aber das Leben geht nun mal manchmal ungeahnte Wege. Und dieser hier ist interessant und verheißungsvoll. Ich habe es Elise so sehr gegönnt, dass sie endlich einen Ort und Leute findet, wohin und zu denen sie gehört. Ganz schnell spürt man, dass sie in diesem Club beides gefunden hat.
Ab und zu deutet Elise es an, dass dieses Glück unmöglich von Dauer sein kann. Das war mir auch bald klar, denn meistens leben solche Geschichte halt vom dramatischen Wendepunkt, der dem Glück ein Ende zu setzen droht. Trotzdem habe ich es gemeinsam mit Elise immer wieder verdrängt und einfach mit ihr all die schönen Momente genossen. Es ist spannend zu verfolgen, wie sie ihr Talent als DJ entdeckt, wie sie endlich Freunde gewinnt. Es ist faszinierend, wie sie immer mehr in die Szene hineinwächst und ab und zu endlich so etwas wie Selbstbewusstsen bekommt und auch zeigt. Und es ist schön und romantisch, was sich zwischen Char und ihr anbahnt. Ich glaube, es gibt wenige Figuren, denen ich es je so sehr gewünscht habe, dass für sie alles genauso gut ausgeht, wie es begonnen hat.
Doch natürlich kommt dieser Moment, in dem sich das Blatt wendet. In dem Elises neues, glückliches (Nacht)leben bedroht wird.  Und nein, es geht nicht alles gut für sie aus. Das fand ich zwar schade, aber auf der anderen Seite eben auch sehr realistisch. Es gibt einfach ein paar Dinge, die konnten nicht gutgehen. Ein paar Figuren, bei denen ich schon immer so das Gefühl hatte, dass sie letztlich anders sein würden als sie sich gaben. Und ein paar Dinge, die keine Eltern der Welt hätten durchgehen lassen. So sehr ich es also bedauert habe, dass Elises “Märchen” nicht zu 100% so endet, wie ich es ihr gewünscht hätte, so froh bin ich doch über diesen realistischen Verlauf.
Außerdem spürt man, dass Elise in dieser Zeit eine Menge gelernt hat. Über sich und über andere. Sie wirkt am Ende erwachsener. Ihre Zweifel an sich sind noch nicht ganz verschwunden, aber sie hat sich gemausert, und das fand ich toll. Sie hatte es so sehr verdient!
Musik ist ein wichtiges Thema in dieser Geschichte, immer wieder werden Songtitel genannt, hier und das Textauszüge zitiert. Wer dabei neugierig wird, der kann sich Elises Playlist auf Spotify anhören. Dafür einfach den QR-Code am Ende vom Buch scannen. Alles war nicht mein Fall, aber ein paar coole Songs habe ich in der Playlist doch gefunden.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen, trotz der recht stattlichen 320 Seiten. Aber die Geschichte ist so spannend, interessant und mitreißend. Und Elise erzählt so locker und witzig, dann wieder so ernsthaft und eindringlich, dass Längen absolut keine Chance haben. Solch ein abwechslungsreicher Erzählstil bringt mein Lesetempo im Nu auf Touren. Und die Kapitel haben genau die richtige Länge um immer zu sagen “ach, eines noch”. Und plötzlich ist man auf der letzten Seite angekommen.

Bei dem Covermotiv musste ich zweimal hinschauen um genau zu erkennen, wa sich da sehe. Das Motiv passt sehr gut zur Geschichte, verrät ein bisschen was darüber, wirkt aber trotzdem noch geheimnisvoll. Dankenswerterweise prangt auf den Kopfhörern kein Logo der Herstellerfirma.

Fazit:  “This song will save your life” hat mir durchweg super gut gefallen! Elise ist eine liebenswerte, sympathische Hauptfigur, in die ich mich problemlos einfühlen konnte und für die ich immer und immer gehofft habe, dass sich alles zum Guten weden würde. Die Geschichte entführt in eine geheimnisvolle, faszinierende Welt, für sie sich jeder begeistern wird, der auch nur ein wenig musikverrückt ist. Und auch wenn es ein großer Zufall ist, wie Elise in diese Welt gerät, so verläuft die Handlung doch sehr realistisch. Ich habe mitgefiebert, gehofft, gelacht und geweint bei diesem Buch. Was kann ich mehr von einer Geschichte wollen?


Titel: This song will save your life
Autor: Leila Sales
Seiten:  320
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440146293
Preis: 14,99 (HC)

Dunkles Geheimnis – Ein Svea Andersson Krimi (06) [Ritta Jacobsson]

svea06Svea ist verzweifelt. Auf Facebook läuft eine Hasskampagne, mit der sie aus der Hockeymannschaft gedrängt werden soll. Weil ihr Freund Alex nicht zu ihr steht, bleibt ihr nur der junge Trainer Ted. Aber wer sind die Leute, die plötzlich in Teds verlassenem Haus im Wald auftauchen? Und was verschweigt er ihr? Als sie entdeckt, dass Ted spielsüchtig ist und den falschen Leuten sehr viel Geld schuldet, wird sie plötzlich von etwas viel Schlimmeren bedroht als der Mobbingkampagne ihrer Mitschüler.

Nach dem wirklich starken ersten Band dieser Reihe war sie fortan für mich ein ziemliches Auf und Ab.
Ob “Dunkles Geheimnis” ein Auf oder doch eher ein Ab ist, darüber habe ich vor dieser Rezi ein paar Tage ernsthaft nachgedacht. Dabei ist leider herausgekommen, dass ich es als “Ab” einstufen muss. Denn eines ist dieser Svea Andersson Krimi für mich ganz klar nicht: nämlich ein Krimi!
Mir reicht ein Verbrechen nicht aus um eine Geschichte als Krimi einzustufen. Dafür muss es für mich auch jemanden geben, der ermittelt, den Verbrechern auf der Spur ist und sie am Ende der Geschichte möglichst zur Strecke bringt. In dieser Serie sollte das Svea sein, immerhin heißt es “Ein Svea Andersson” Krimi.
Ein Verbrechen gibt es hier. Der junge Lehrer Ted ist der Spielsucht verfallen und hat sich dabei mit den falschen Leuten eingelassen. Bei ihnen hat er Schulden und um diese einzutreiben, wird er massiv unter Druck gesetzt, verprügelt und für dunkle Geschäfte ausgenutzt. Weil Svea sich mit Ted und vor allem dessen Schwester gut versteht, gerät auch sie ins Visier der Verbrecher. Allerdings ohne, dass sie davon wirklich etwas merkt. Und wenn man etwas nicht bemerkt, wie kann man dann erkennen, dass es falsch ist und dagegen angehen? Eben, gar nicht! Dieser Teil der Handlung ist nicht unspannend. Man hat mehrfach die Gelegenheit, um Ted, seine Schwester oder auch um Svea zu bangen. Man fragt sich auch, wie Ted aus der Misere wieder herauskommen will. Ob er das überhaupt schaffen kann. Aber einen Krimi habe ich mangels Ermittler darin nicht gesehen.
Svea selber hat zudem ganz andere Probleme. Man will sie nicht als einziges Mädchen in der Hockeymannschaft der Schule mitspielen lassen. Seit der Lehrer sie dafür aufgestellt hat, wird sie von einer Gruppe Mannschaftskollegen heftig gemobbt und sogar angegriffen. Und was macht Svea, die immerhin bereits fünf Fälle gelöst hat und es schon mit manchem Verbrecher zu tun hatte? Sie lässt sich davon mürbe machen und unterkriegen! So leid es mir tut -und vesprochen: ich weiß, was Mobbing für die Betroffenen bedeutet und mit ihnen anrichtet- aber das ist nicht die Svea, die ich bis dato kannte. Da hat sie mich ganz schön enttäuscht. Und spannend fand ich diesen Teil der Geschichte auch nicht wirklich. Auf mich wirkte das nur einmal mehr wie ein Mahnmal für die jugendlichen Leser, dass Mobbing etwas ganz Schlimmes ist! Das stimmt natürlich zweifellos, aber was ist daran bitte Krimi? Einmal mehr in dieser Serie finde ich, dass der Krimi hinter einer Moral zurücksteht.
Überhaupt blieb mir Svea in dieser Geschichte seltsam fremd und fern. Was ist bitte mit der coolen Svea passiert? Wann und wieso wirkt sie hier so oft unsicher? Und wieso ist sie oft so kühl ihrer besten Freundin und ihrem Freund Alex gegenüber? Svea und Alex sind auch noch so ein Thema. Sie sind ein Paar! Wieso spürt man das nie? Ich erwarte ja nicht, dass sie dauernd knutschen, händchenhaltend rumlaufen und sich ewige Liebe schwören, aber etwas Gefühl wird man wohl erwarten dürfen, wenn es um zwei verliebte Teenager geht!
Zuletzt: ist das in Schweden so üblich, dass man den geliebten und offensichtlich kranken Hund nicht sofort zum Tierarzt bringt, sondern die Symptome vertuscht und erst zum Tierarzt geht als es wirklich dringlich wird? Und dass man, wenn der Tierarzt zu einer eingehenden Untersuchung in einer Tierklink rät, mit diesem Besuch nochmal so lange wartet bis das Tier plötzlich in Blut gebadet ist? Darüber habe ich mich tierisch aufgeregt.  Bei aller Angst davor, was der Tierarzt herausfinden könnte, aber zum Wohle des Tieres muss man da einfach durch. Das müsste Svea selbst mit ihen vierzehn Jahren klar sein, so sehr wie sie an Wuff hängt. Aber dass nicht mal die Eltern umgehend einen Termin in der Klinik machen, das habe ich nicht fassen können. Was habe ich um Wuff geheult!

Wie schon die vorigen Bände lässt sich auch der hier gut lesen. Kapiteleinteilungen in Tagen sorgt bei mir ohnehin immer für erhöhtes Lesetempo. Eine Handlung über lediglich ein paar Tage hat automatisch Tempo, das sich beim Lesen auf mich überträgt. Svea hat eine angenehme Art zu erzählen. Jugendlich locker und anschaulich. Und Teds Passagen sind zudem noch spannend, die schmökern sich schon alleine deshalb prima.

Das Covermotiv verspricht in meinen Augen eine ganz andere Geschichte als man sie auf den Seiten dahinter findet. Es sieht direkt ein wenig gruselig aus, und das ist “Dunkles Geheimnis” nun mal keine einzige Seite lang.

Fazit:  Zu einem Krimi gehört neben dem Fall für mich auch ein Ermittler. Selbst wenn es eine Hobbydetektivin ist wie es Svea in den bisherigen Büchern war. Davon kann hier keine Rede sein, und ein Verbrechen alleine macht für mich keinen Krimi. Immerhin ist der Part um Ted ganz spannend. Das kann man leider von Sveas Part überhaupt nicht behaupten, Mobbing hin oder her. Das ist nur wieder eine Botschaft an die jugendliche Leserschaft, wie übel Mobbing ist und dass man es nicht dazu kommen lassen sollte. Zweifellos wahr, aber Krimi ist daran nichts. Noch weniger als an Teds Handlungsstrang. Obendrein hatte ich das Gefühl, plötzlich eine ganz andere Svea vor mir zu haben. Gewisse Handlungen von ihr konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich bin ehrlich enttäuscht von diesem Band.

Vielen Dank an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Dunkles Geheimnis – Ein Svea Andersson Krimi (06)
Autor: Ritta Jacobsson
Seiten:  238
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440133255
Preis: 10,95 (TB)

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