Morde

Mindnapping (14) – Blutstern

Titel: Mindnapping (14) – Blutstern / Verlag: Audionarchie / Spielzeit:  ca. 40 min/ Sprecher: Fabian Harloff, Marie Bierstedt, Angela Quast, Friedrich Georg Beckhaus ua

mindnapping14Inhalt: Eine brutale Mordserie hält ganz New York in Atem. Der einzige Hinweis auf die Identität des Täters sind die okkulten Sybole, die er auf den Körpern seiner Opfer hinterlässt – gemalt mit deren Blut. Das FBI steht vor einem Rätsel und wendet sich an einen Kollegen aus Deutschalnd. Der ehemalige BKA-Ermittler Leon Kramer folgt der Spur des Killers in die New Yorker Black Metal-Szene. Ein erster Verdächtiger ist schnell gefunden. Doch Kramer ahnt, dass weitaus mehr dahinter steckt. Der Experte für Ritualmorde und ähnliche Gewaltverbrechen nimmt den Kampf auf und stellt sich in den Straßenschluchten der Millionenmetropole einem übermächtigen Gegner.


Nach dem Crossover mit “Offenbarung 23”  kreuzen sich dieses Mal die Wege von “Mindnapping” und “Leon Kramer”. Erneut eine Reihe, von der ich bislang nur den Namen kannte, aber nie eine Folge gehört habe. Allen, denen es genauso geht, kann ich beruhigend sagen, dass das kein Problem ist. Die wichtigsten Informationen bekommt man gleich zu Beginn an die Hand. So findet man sich schnell zurecht und kann sich auf die Geschichte konzentrieren, die sich mit großen Vorreden nicht aufhält. Für mich klang sie ganz vielversprechend. Ein Thriller mit okkultem Einschlag, gerne!
Der Fall für Kramer und seine amerikanischen Kollegen geht für mich in Ordnung. Er hat ein paar actionreiche Szenen zu bieten und außerdem einen sehr geradlinigen Verlauf. Da fällt das Hören leicht und auch die Auflösung verbirgt sich nicht hinter sieben Ecken, um die man erstmal denken muss um es zu durchschauen. Das kenne ich von der Reihe allerdings anders, weshalb es mich hier doch etwas überrascht hat. Ziemlich einfach gehalten für diese Serie, und ein Psychothriller ist es eben deshalb für mich nicht. Dafür hätten gewisse Elemente auch etwas ernsthafter sein müssen. Dieses Bilderbuch-Klischee eines ersten Verdächtigen konnte ich nicht wirklich ernst nehmen, da musste ich schon grinsen.
Mein Problem mit der Folge besteht ausgerechnet in Kramer selber. Zugegeben, ich weiß nicht, wie diese Figur in ihrer eigenen Reihe angelegt ist. Vielleicht gibt er sich in “Blutstern” ja ganz typisch.. Mir war er jedenfalls eine ganze Spur zu lässig und überheblich. Immerhin hat das FBI ihn zu Rate gezogen (was mich eh gewundert hat: die Amis brauchen einen deutschen Experten?!) und nicht als Lehrmeister engagiert, der dann obendrein noch einen ziemlichen Alleingang hinlegt! Das wirkt gerade so als wären die FBIler absolute Grünschnäbel, und das kann es wohl nicht sein!

Ich mag Fabian Harloffs Stimme an sich wirklich gerne, auch weil man ihn nicht “an jeder Ecke” hört. Nur frage ich mich doch, ob Kramer schon immer so gelangweilt klang? Sympathisch hat Fabian Harloff mir Kramer so jedenfalls nicht gemacht. Etwas mehr Engagement hätte ich von einem BKAler schon erwartet, aber so hat er mich beim besten Willen nicht mitgerissen. Und seine Vorträge klingen lieblos runtergeleiert. Angela Quast habe ich ihren Part dagegen leichter abgenommen. Sie gibt eine glaubhafte Expertin ab und klingt deutlich lebendiger als der Herr BKAler. Marie Bierstedt als FBI-Agentin…nun, da braucht man bei ihrer sanften Stimme schon etwas Phantasie 😉

Von der Untermalung sind bei mir in erster Linie die rockigen Stücke hängengeblieben. Sie sind zwar wahrscheinlich meilenweit entfernt von richtigen Death Metal, aber der Vorstellung der meisten Hörer von diesem Stil kommen sie sicher nahe. Somit eine gute und passende Auswahl. Die Geräuschkulisse braucht sich ebenfalls nichts vorwerfen zu lassen. Das Geschehen ist stets gut vorstellbar.

Mit der Gitarre und dem Pentagramm finden sich auf dem Cover zwei wichtige Elemente der Geschichte, die aber selbst zusammen mit dem Titel kaum etwas darüber verraten. Das macht neugierig und speziell das Pentagramm ist ein kleiner Blickfang.

Fazit:  “Blutstern” tanzt für mich in dieser Serie ganz schön aus der Reihe. Der Fall für Kramer ist erstaunlich einfach gestrickt und konnte mich am Ende nicht überraschen.  Ein Psychothriller ist das sicher nicht. Und Kramer selber hat mich mit seinem gelangweilten Gehabe ganz schön genervt.  Ich würde mir wünschen, die Reihe würde es bei diesen beiden Crossovers belassen und sich wieder auf eigenständige und echte Psychothriller besinnen. Diese Folge kann man hören, schlecht ist anders, aber man kann sie auch guten Gewissens überspringen.

Puppenjungs – Mordakte Hannover

Titel: Puppenjungs – Mordakte Hannover / Verlag: Hörorkan / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Dirk Heinrich, Oliver Rieche, Markus Gabriel, Uwe Grünewald ua

mordhannoverInhalt: Ein pyschopatischer Mörder treibt sein Unwesen auf den Straßen Hannovers. Immer wieder verschwinden junge Männer und wenig später werden fein säuberlich abgeschabte Menschenknochen gefunden. Die Kommissare Braun und Stuckmann machen sich auf die Suche nach dem Täter, der nach dem Muster des Serienmörders Haarmann vorzugehen scheint. Die Spuren führen ins nichts und es gibt zu viele Verdächtige. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Killer kann jederzeit wieder zuschlagen!


Im Dezember wirbelte der Hörorkan sein erstes Hörspiel in die Regale, die “Puppenjungs – Mordakte Hannover”. Mich hatte alleine schon diese explizite Erwähnung der Stadt Hannover im Titel neugierig gemacht, zumal ich Regionalkrimis sehr gerne mag. Meine Erwartung in dieser Hinsicht wurden schnell erfüllt. Sicher ist es für echte Hannoveraner noch interessanter, wenn sie an den erwähnten Orten vielleicht schon mal waren. Mich hat es immerhin zum Googeln gebracht und wie immer finde ich es klasse, wen erwähnte Orte und Gegenden tatsächlich existieren. Und an der Leine war ich zumindest auch schon mal.
Mir hat aber nicht nur dieser regionale Touch gefallen, sondern auch der Fall, mit dem die Kommissare Stuckmann und Braun es zu tun haben. Ein wenig orientiert er sich an den berühmten Haarmann-Morden, hat aber noch genügend Eigenständigkeit um sich darauf nicht ausruhen zu müssen. Und dass das Maß an Brutalität an diese Morde erinnert, kann einem Krimi keinesfalls schaden. Die Ermittlungen verlaufen abwechslungsreich und sind spannend. Vor allem auch durch die Einblicke in den kranken Geist des Täters, die dem Hörer in einigen Passagen gewährt werden. In einer Hinsicht hatte ich einen Verdacht, der sich am Ende dann auch prompt erfüllte. Bis dahin haben mich verschiedene Wendungen aber doch gedanklich ganz gut auf Trab gehalten. Aber man darf sich halt so leicht nicht von einer Idee abbringen lassen. Als kleiner Tipp für krimierfahrene Hörer! 😉 Ein paar witzige Sprüche und Dialoge haben mich dann und wann schmunzeln lassen. Sowas mag ich bei Krimis auch immer gerne!

Knackpunkt an diesem Hörspiel sind für mich die Sprecher. So hat mir Dirk Heinrich als Erzähler gut gefallen. In seiner Rolle als Hauptkommissar Braun klingt er mir oft zu bemüht brummig um mich zu überzeugen. Ich muss aber sagen, dass ich mich daran mit der Zeit gewöhnt habe. Speziell in den Dialogen mit Oliver Rieche, der den Kommissar Stuckmann spricht, fällt es einem schnell nicht mehr so auf. Oliver Rieche konnte mich in dieser Hinsicht eher begeistern und hat mich von der Oberbrummigkeit abgelenkt. Gelacht habe ich über Christine Zienc-Tomczak, die eine fürchterlich arrogante Joggerin gibt. Und Markus Gabriel vermittelt einem ein gutes Bild von Jakowsky: so schön aalglatt, wie man es von einem -wenn auch lokalen- Politiker erwartet. Einen ganz großen Pluspunkt konnte man bei mir auf jeden Fall damit einfahren, dass man hier keine Stimmen hört, die schon x-mal irgendwo verwurstet wurden!

Musikalisch wird eine bunte, aber passenden Mischung geboten. So sind zu Actionszenen schnelle Melodien zu hören, spannende Szenen werden von eher leiser und geheimnisvoller Musik begleitet, und wenn es die beiden Kommissare mal in eine Disco oder einen Club verschlägt, klingen auch Partyklänge ans Ohr. Die witzige Melodien im Hintergrund als Rita von Grabowsky Einzug ins Kommissarenbüro hält, hat mir bei der Szene den Rest gegeben. Genial! Auch in Sachen Geräusche braucht man sich nichts vorwerfen lassen. Sie veranschaulichen das Geschehen gut und ich konnte mir die Szenen immer gut vorstellen.

Möglicherweise ist mir trotz mehmaligem Hören etwas entgangen, aber das Covermotiv erinnert mich nicht an die Geschichte. Es wirkt aber krimimäßig düster und geheimnisvoll, und das Auge dürfte ein Hingucker im Ladenregal sein.

Fazit:  An einige Sprecher muss man sich erst gewöhnen, aber dann bekommt man mit den “Puppenjungs” einen spannenden und gut durchdachten Krimi zu hören. Eine gute Prise Lokalkolorit und einige witzige Sprüche runden den guten Eindruck ab. Ich habe mich prima unterhalten gefühlt und bin auf weitere Hörspiele vom Hörorkan gespannt.

Meister der Angst – Jack the Ripper

Titel: Meister der Angst – Jack the Ripper / Verlag: Random House Audio / Spielzeit: ca. 79 min / Sprecher: Helmut Krauss, Frank Glaubrecht, Kerstin Draeger, Konrad Halver ua

Inhalt: London, 1888: Nachdem Inspektor Abberline sich dem Elend des verhassten East-Ends bereits entkommen sah, ziehen ihn grausame Ritualmorde wieder dorthin zurück. Die Spuren führen bis ins Königshaus…


Ich bin ja an sich kein Fan von Klassikern, doch gibt es ab und zu auch Ausnahmen. Dazu zählt auch die Geschichte um “Jack the Ripper”. Das heißt aber auch, dass ich die Story vom Kern her bereits kannte. Und das dürfte sicher auch auf viele andere Hörer zutreffen. Und vielleicht zweifeln sie genau wie ich, ob sich die soundsovielte Auflage lohnt. Das tut sie aber in jedem Falle. Weniger vom Fall selber her, denn der ist natürlich der gleiche mit dem Rätsel um die Morde an Prostituierten. Doch hinsichtlich des Täters schlägt man hier eine Richtung ein, die ich bislang noch nicht kannte und die einer These des Autoren Stephen Knight folgt und den Arzt William Gull als Täter vorgibt. Und bei der hinter den Morden noch eine ganze Reihe Verschwörungen und Verwicklungen stecken, die letztlich bis ins Königshaus führen. Schön, dass es mal eine nicht so populäre Version der Ripper-Morde ins Hörformat geschafft haben. Das wirkt frisch und nicht minder spannend und schaurig als die bekannten Versionen. Auch wenn man natürlich schnell erfährt, wer der Täter ist. Das ist also nicht der Punkt, aus dem die größte Spannung resultiert. Für mich rührte die vielmehr daher zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Als Sir William Gull ist Helmut Krauss zu hören, der hier einen Killer von der Sorte gibt, die mich noch am meisten schaudern lassen. Keineswegs unüberhörbar irre, sondern bedrohlich ernsthaft und kühl. Wo man heraushört, dass er an seine irren Motive für die Taten wirklich glaubt. Auch Frank Glaubrecht als Inspektor Abberline hat mir gefallen. Anfangs hört man ihm deutlich an, wie ihn die Gegend der Morde anwidert, und wie sehr ihn das gezeichnet hat, was er dort zuvor bereits erlebt hat. Später dann bei den Ermittlungen klingt dann auch der clevere Inspektor durch. Annelie Krügel, Katja Brügger, Charlotta Bjelfvenstam, Ulrike Johannson und Kerstin Draeger geben die Prostituierten, die es nach und nach trifft und finden dafür genau den  schnodderigen Ton. Man hört ihnen an, dass die Frauen zwar bereits sehr heruntergekommen sind, aber immer wieder schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit, der deutlich macht, dass sie sich noch nicht ganz aufgegeben haben. Diese Balance gelingt den Sprecherinnen wirklich gut.

Musikalisch kommt das Hörspiel sehr dezent daher. Untermalung ist vorhanden und sorgt durchaus für Atmosphäre, allerdings ganz leise und aus dem Hintergrund heraus. Stattdessen wird mehr auf die Geräuschkulisse gesetzt, die einen im Nu ins London des Jahres 1988 versetzt mit dem Hufgetrappel von Pferden, dem Klang von Kutschrädern auf löcherigen Straßen und dem Trubel in verkommenen Kneipen.

Ich weiß es nicht, vermute aber dass das Covermotiv dem Comic von Alan Moore entnommen wurde, in dem er diese Theorie über die Ripper-Morde verarbeitete. Mir gefällt das Motiv vor allem wegen der hauptsächlich blutroten Farbe, was gut zu den Morden passt.

Fazit:   Mir hat diese Version von “Jack the Ripper” gut gefallen. Sie folgt mal einer Theorie, die nicht ganz so bekannt ist. Damit hat mich das Hörspiel sehr überrascht und ich bin ihm mit neuer Spannung angesichts einer alt-bekannten Geschichte gefolgt.

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