Mörder

Professor van Dusen (11) – …in der Höhle des Löwen

Titel: Professor van Dusen (11) – …in der Höhle des Löwen / Verlag: Allscore / Spielzeit: ca. 61 min / Sprecher: Peter Weis, Nicolai Tegeler, Christian Rode, Bernd Vollbrecht ua

Inhalt: Richter Max Mallowan staunt nicht schlecht, als er beim Studieren dreier Gerichtsakten erkennt, dass einer der zum Tode Verurteilten unschuldig ist. In seiner Aufregung bittet er Staatsanwalt Kirk zu sich. Doch dieser kommt zu spät, das Haus des Richters ist explodiert. Seitdem beschäftigt Kirk die Frage: Welcher der drei gefährlichen Mörder sitzt zu Unrecht im Gefängnis? Zusammen mit Professor van Dusen wagt er ein außergewöhnliches Experiment: in Begleitung eines Seelsorgers und der drei Mörder begeben sie sich auf eine einsame Insel vor der Küste New Yorks, wo die “Denkmaschine” den Unschuldigen ermitteln soll. Doch dort draußen, fernab jeglicher Zivilisation, entwickeln sich die Dinge plötzlich ganz anders als geplant!


Ich hätte es ja anfangs nie für möglich gehalten, aber  diese Reihe hat sich unmerklich zu einer meiner Favoriten gemausert und ich freue mich über jede neue Folge. Einfach, weil ich den Professor und seine listige und auch ein wenig bissige Art so gerne mag. Davon bekommt man auch dieses Mal wieder eine ganze Menge geboten.
Der Professor soll aus einem Kreis von drei Verbrechern den zu Unrecht verurteilten ermitteln. Auf einer einsamen Insel und somit an einem eher unwirtlichen Ort. Diese Kombination alleine sorgt schon für Spannung, denn die kleine Gruppe um den Professor ist mit den zwei (oder doch drei?) Mördern alleine. Und die sind ihrerseits auch nicht gerade auf den Kopf gefallen und jeder hat so seine List, van Dusen, Hatch und Co. von sich und ihrer Unschuld überzeugen zu wollen. Da kann man man auch gut ein bisschen mitknobeln, wer wohl die Wahrheit sagt und wer eher nicht.
van Dusen geht natürlich einmal mehr auf seine ganz eigene Art an die Sache heran und es gibt mehrere Szenen zwischen ihm und den Ganoven, bei denen man nie genau sagen kann, wer da gerade wen hinters Licht zu führen versucht. Gerade diese Schläue schätze ich an dem Professor so, denn sie macht obendrein auch noch ganz ordentlich Spass. Während ich sont für lange Monologe kaum etwas übrig habe, so lausche ich dem Professor immer wieder mit allergrößtem Vergnügen.

Christian Rode mal in der Rolle eines Verbrechers zu hören, ist eine interessante Abwechslung. Und ja, er hat auch dafür den passenden Ton auf Lager. Da schaudert man auch schon mal. Peter Weis ist als Fiesling ein benso großer Hörgenuss. Marieke Oeffinger vervollständigt das Sprechertrio der Verbrecher und eine Frau bringt da nochmal eine gewisse Würze mit rein. Bern Vollbrecht und Nicolai Tegeler sind wie gewohnt in Bestform und es macht einfach Spass, ihnen zu lauschen.

Wie in dieser Reihe üblich hält sich die Musik sehr zurück. Hier und da sind einige stimmige Klänge zu hören, doch sie fallen kaum auf. So bleibt das Augenmerk auf die Handlung und das Rätsel gerichtet.

Das Cover ist im vertrauten Stil gehalten. Ein Motiv wie eine Bleistiftzeichnung, rot umrahmt. Zu sehen ist eine Szene zu Beginn der Geschichte. Es geht offenkundig stürmisch zu. Von einem Löwen ist natürlich nichts zu sehen, somit fragt man sich automatisch, inwiefern die sprichtwörtliche Höhle des Löwen aus dem Titel gemeint ist.

Fazit:  Ein spannender neuer Fall, der zum Miträtseln einlödt und neben einem bestens aufgelegten van Dusen auch eine super tolles Ganoven-Trio ins Rennen schickt. Eine Folge, die Spass macht. Vom Anfang bis zum Ende.

Die Flut (Arno Strobel)

Die Flut (Arno Strobel)Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist.

Es war bei mir schon immer so, dass Arno Strobels Psychothriller ein stetiges Auf und Ab waren. Einer richtig gut, dann einer nicht so dolle, dann wieder ein echter Hammer, dann wieder ein Schwächerer.
Entsprechend war ich natürlich neugierig auf “Die Flut”, denn trotz allem ist Arno Strobel ein Autor, von dem ich jedes Buch lesen möchte. Der Klappentext klang ja schon mal ganz nach meinem Geschmack.
Und damit hat er mir nicht zu viel versprochen!
Ich liebe solche super intelligenten Killer. Und je kranker ihre Mordmethoden, desto begeisterter bin ich. Da ich außerdem ein ziemlicher Wasserangsthase bin, habe ich die Idee dieses Mörders hier als besonders grausig empfunden. Und auch wenn es mich dabei so richtig schaudert und gruselt, ich liebe das! Das ist genau das, was ein (Psycho)thriller bei mir schaffen muss, damit er mir so richtig gut gefällt. Somit hatte “Die Flut” bei mir schon mal direkt einen Stein im Brett.
Ferner gefiel mir die recht überschaubare Anzahl an wichtigen Figuren. Das hält mir eine Geschichte so manches Mal schön übersichtlich. Ich mag es gar nicht, wenn ich mich immer wieder fragen muss, wer das denn nochmal ist, über den ich gerade lese. Das Problem hatte ich hier gar nicht. Die beiden Pärchen bestehen aus vier sehr verschiedenen Charakteren, wodurch man sie nochmal alle gut unterscheiden kann. Und wodurch sich mancher auch verdächtig macht.
Zunächst hatte ich aber so ziemlich jede andere Person im Verdacht, die auf der Bildfläche erschien. Arno Strobel schickt eine Figur nach der anderen ins Rennen, und jede einzelne ist gleich nochmal verdächtiger als die anderen. So kann man wirklich sehr gut mitknobeln, wer der Täter sein könnte. Das hat “Die Flut” für mich wirklich sehr spannend gemacht. Später scheint es dann auch noch möglich, dass jemand bei den beiden Pärchen falsch spielt…ich habe bis zuletzt hin- und her überlegt.
Und wäre sicher niemals auf die Idee gekommen, die die Auflösung dann präsentiert. Mir stand da wirklich vor Staunen der Mund offen. Auch das macht für mich einen guten (Psycho)thriller aus: wenn ich am Ende eine echte Überraschung geboten bekomme. Das hat “Die Flut” absolut hinbekommen.
Lobenswert ist ebenfalls, dass hier das Inselflair und eine gewisse Urlaubsstimmung sehr gut rüberkommen. Ich habe mich manches Mal an den Strand von Amrum versetzt gefühlt und nun auch Lust darauf, wieder einmal ans Meer zu fahren. Es muss keine Insel sein, aber eben an die See. Und weil ich weiß, wie schön es dort ist, fand ich es umso schlimmer, was in der Geschichte dort vor sich geht. Ich empfinde es immer als besonders schrecklich, wenn so etwas Grausiges an einem so schönen Ort geschieht, wohin die Menschen fahren um dort eine gute Zeit zu verbringen.
Falls sich nun jemand fragt, wieso ich das “Psycho” bis hierher immer in Klammern gesetzt habe, das hat natürlich einen guten Grund. Nämlich, dass ich die Geschichte mehr als einen richtig guten Krimi -meinetwegen auch Thriller- empfunden habe, aber das gewisse Etwas, das für mich einen Psychothriller ausmacht, hat mir doch gefehlt. Die Auflösung war zwar eine echte Überraschung, aber doch zu geradlinig. Für einen Psychothriller hätte sie nicht so leicht nachvollziehbar sein dürfen. Das ist schwer zu erklären. Ich hoffe, irgendwer versteht es.

Ich hatte “Die Flut” innerhalb von drei Abenden ausgelesen. So lange habe ich auch nur gebraucht, weil ich am nächsten Morgen zeitig raus musste und deshalb das Buch früh beiseite gelegt habe. Es liest sich nämlich eigentlich so gut, dass man es auch in einem Rutsch auslesen kann. Die Kapitel sind angenehm kurz, es gibt viele Dialoge und der Wechsel zwischen den Sichtweisen sorgt obendrein für Abwechslung.

Das Cover reiht sich nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein. Thrillermäßig düster, mit einem großen Titelschriftzug in einer kontrastreichen Farbe, und darunter ein Bildausschnitt, der zur Handlung passt. Hier der Kopf der Frau, der tatsächlich so aussieht, als sein sie bis zum Hals eingegraben.

Fazit:  “Die Flut” ist für mich ein rundum gelungener und durchweg sehr spannender Krimi, meinetwegen auch ein Thriller. Ein intelligenter Killer mit grausamen Mordmethoden, reichlich verdächtige Figuren und somit massig Gelegenheit, immer mal jemand anderen zu verdächtigen. Das hält die Spannung problemlos hoch. Die Auflösung hat mich außerdem wirklich überrascht. Aber ein Psychothriller war “Die Flut” für mich nicht. Dafür fiel die Auflösung, so überraschend sie war, zu geradlinig aus.


Titel: Die Flut
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596198351
Preis: 9,99 (TB)

Professor van Dusen (04) – Professor van Dusen jagt einen Schatten

Titel: Professor van Dusen (04) – Professor van Dusen jagt einen Schatten / Verlag: Highscore Music / Spielzeit: ca. 68 min / Sprecher: Bernd Vollbrecht, Peter Groeger, Helmut Krauss, Christian Rode ua

vandusen04Inhalt: In dieser stellt der seltsame Tod des Psychiaters Dr. Montgomery Scott, der in einem von innen verschlossenen Hotelzimmer mitten in der Nacht in Flammen aufgeht, die Polizei vor ein unlösbares Rätsel. Ein neuer Fall für die “Denkmaschine”! Professor van Dusen ist davon überzeugt, es mit einem raffinierten Mord zu tun zu haben. Kurz vor seinem Ableben hatte Dr. Scott ihm anvertraut, telefonisch mit dem Tode bedroht worden zu sein – von dem berüchtigten Chicagoer Massenmörder Thomas Holmes. Scott war sich sicher, die Stimme erkannt zu haben. Allerdings wurde Holmes vor einigen Monaten hingerichtet. Ist der Wahnsinnige aus dem Jenseits zurückgekehrt, um Rache zu nehmen? Und wer steht dann noch auf seiner Todesliste?


Zum Glück habe ich in meinen Besprechungen nie groß auf Objektivität geachtet, sondern darauf, meine Meinung zu einem Hörspiel oder Hörbuch zu schreiben. Denn es gibt einfach Folgen, die mir aus Gründen gefallen, die sonst niemand so teilt. Dazu gehört auch diese Episode. Natürlich gefällt sie mir, weil ich ohnehin ein Faible für den Professor und Hatch habe. Trotz aller Arroganz hier und da mag ich van Dusen. Und seine Diskussionen mit Hatch lassen mich oft grinsen.
Hauptsächlich aber mag ich diese Folge deshalb, weil es um ein Hotel geht, das mir erst kürzlich im Buch “Mörderhotel” begegnet ist. Solch ein Zufall sorgte bei mir direkt für einen großen Stein im Brett. Und weil ich das Geschehen in diesem Hotel so wunderbar grausig finde, kam für mich bei dieser vierten Folge im Nu Interesse an Spannung auf.
Ich habe eine ganze Weile mit van Dusen und Hatch gegrübelt, hatte dann aber auch recht schnell einen ziemlich sicheren Verdacht. Doch würde der stimmen? Diese Frage hält mich immer gut bei Laune. (Er stimmte übrigens 😉 )
Und dann kam die große Auflösung an einem Ort, der absolut nach meinen Geschmack war. Er habe ich ihn für etwas überzogen gehalten im Verhältnis zu der Zeit, in der die Reihe spielt. Doch angesichts dieser genial schrecklichen Szenerie war mir das dann doch sehr schnell ganz egal.

Bernd Vollbrecht und Nicolai Tegeler lausche ich immer wieder gerne. Ich mag sogar den leicht überheblichen Ton des Professors, weil er zu anderen Szenen widerum auch ganz gewitzt und humorvoll klingt. Das macht Bernd Vollbrecht wirklich gut. Überrascht hat mich Tom Deininger, den ich sonst nur aus der Reihe “Monika Häuschen” kenne, wo er den Erzähler gibt. Man hört ihn überall sofort heraus und er hat mir ein klares Bild des Barkeepers vermittelt.

In Sachen Musik muss sich auch dieser Episode nicht verstecken. Es sind stimmungsvolle Stücke zu hören, die das Flair der Zeit van Dusens im Nu heraufbeschwören. Da ich ansonsten kein Fand solch “oller Kamellen” bin, bedeutet ein solches Kompliment von mir schon eine Menge. Ich mag diesen Klang der Reihe wirklich gerne.

Das Covermotiv zeigt van Dusen und Hatch in einer Szene ihrer Nachforschungen. Von der Handlung gibt es so wenig bis nichts preis, aber durch den schattigen, gezeichneten Stil verspricht es dennoch eine spannende Story.

Fazit:  Mir hat diese vierte Folge sehr gut gefallen. Vor allem, weil mir das Hotel und der Mörder um den es hier geht, erst kürzlich in einem Buch begegnet sind. Und weil ich das Geschehen dort so wunderbar grausig finde. So bin ich van Dusens und Hatchs Ermittlungen mit Spannung gefolgt.

Tief im Wald und unter der Erde (Andreas Winkelmann)

tiefimwaldEine einsame Bahnschranke im Wald, dunkle Nacht. Seit an diesem Ort vier ihrer Freunde bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kamen, wird Melanie von panischer Angst ergriffen, wenn sie hier nachts anhalten muss. Denn jedes Mal scheint es ihr, als krieche eine dunkle, schemenhafte Gestalt vom Waldrand auf ihren Wagen zu. Niemand glaubt ihr – bis die junge Jasmin Dreyer verschwindet, und ihr Fahrrad an der Bahnschranke gefunden wird.

Andreas Winkelmann gehört schon länger zu meinen Lieblingsthrillerautoren. Bei diesem Buch hatte ich anfangs allerdings das seltsame Gefühl, Kommissarin Nele Karminter bereits vorn irgendwoher zu kennen. Ich habe kurz nachgeschaut und sie in “Bleicher Tod” gefunden, das ich vor Längerem gelesen habe. Irgendwie habe ich die Sache mit ihr also quasi von hinten aufgezäumt.
Das hatte aber widerum den Vorteil, dass ich sie nicht erst noch kennenlernen musste. Stattdessen habe ich sie im Laufe dieser Geschichte einfach nur noch besser kennengelernt. Es ist also kein Problem, wenn man in die Thriller mit ihr so quer einsteigt wie ich.
Das Buch beginnt mit einem Rückblick in das Jahr vor dem, in dem die eigentliche Handlung spielt. Schon dieser Rückblick lässt einen schaudern und sorgt für eine wohlige Gänsehaut. Ich fand ihn sogar etwas gruselig und war damit gleich gut eingestimmt auf den Rest der Geschichte.
Ich muss gestehen, dass ich Züge irgendwie auch unheimlich finde. Speziell, wenn es dunkel ist und diese Tonnen an Metall in unaufhaltsamem Tempo vorbeirauschen. Das habe ich bisher zum Glück nur in Bahnhöfen erlebt, aber an einer einsamen Bahnschranke, abends im dunklen Wald, muss das noch viel unheimlicher wirken. Entsprechend schauerlich fand ich hier die Szenen an der einsam gelegenen Bahnschranke.
Erschreckend regelmäßig und schnell hintereinander verschwinden an dieser Schranke junge Mädchen. Nele Karminter und ihr Team müssen herausfinden, wer dahinter steckt und wo sich die Mädchen befinden.
Ich fand diese Jagd nach dem Täter durchweg sehr spannend und habe ordentlich mitgefiebert. Dabei hat mir besonders gefallen, dass die Ermittlungen keineswegs immer wie am Schnürchen verlaufen. Lange haben sie gar keinen Anhaltspunkt, fischen praktisch im Trüben und obendrein sitzt ihnen noch die Chefetage im Nacken. Ich kann mir gut vorstellen, dass Polizeiarbeit in der Realität auch manches Mal so aussieht. Daher mag ich es einfach gerne, wenn Ermittler in Büchern keine Überflieger sind, die den Täter im Nu erwischen. Außerdem freundet man sich hier wirklich leicht mit Nele, ihrer Freundin Anou, dem Kollegen Tim usw an. Das macht es umso spannender, denn natürlich sorgt man sich vor allem um Figuren, die man mag.
Genauso gut hat mir der Schlupfwinkel des Täters gefallen. Solch eine Anlage ist irgendwo schon eine coole Vorstellung. Vielleicht ein wenig gruselig und sicher auch gefährlich, aber eben auch so cool, dass ich mich dort gerne mal genauer umschauen würde.
Der Täter selber dagegen hat nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Natürlich ist er grausam, skrupellos und krank im Kopf, somit also absolut nach meinem Geschmack, aber mir fehlte das gewisse Etwas. Das, was ihn besonders macht und von anderen Psychopathen abhebt. Denn außer einer äußerlichen Eigenschaft gibt es keinen nennenswerten Unterschied zu seinen Kollegen. Und die sind schließlich genauso grausam, skrupellos und krank im Kopf. Andererseits sage ich mir, dass 2009 vielleicht noch nicht so viele Thriller in den Regalen der Buchhandlungen standen und entsprechend weniger Psychopathen dort unterwegs waren als heute. Das kann sein.
Ob man das Motiv bzw den Auslöser für seine Taten für überzeugend hält, das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe ja etwas gegen diese Theorie mit der schlimmen Kindheit und finde sie nicht zwangsläufig überzeugend.
Übrigens musste ich ab und zu schmunzeln. Denn man navigiert in dieser Geschichte noch mit Landkarten! Und wenn man Infos über eine Gegend braucht, dann schmeißt man nicht kurz mal google an, sondern fragt bei Ortskundigen nach. Das ist irgendwie niedlich 😉

Das Buch liest sich prima und zügig weg. Andreas Winkelmann gehört für mich zu den Autoren, die beweisen, dass auch ein flüssiger und unterhaltsamer Schreibstil im Nullkommanix für Spannung und eine düstere Atmosphäre sorgen kann. Die Kapitel sind hier recht lang, zumal jedes von einem ganzen Tag erzählt. Das bedeutet aber auch, dass einen jedes ein ordentliches Stück voran bringt.

Bei dem Cover habe ich lange überlegt, ob mir der blutrote Fleck etwas sagen soll. Soll das eine Silhouette von irgendwas sein? Dann habe ich Andreas Winkelmanns “Hänschen klein” daneben gelegt und beschlossen, dass es einfach nur ein blutroter Fleck und wohl ein “Markenzeichen” seiner Thriller aus 2009 / 2010 ist. Das ist auch in Ordnung, Blutrot passt zu einem Thriller. Und ein Wald, wie er im oberen Teil des Motivs zu sehen ist, spielt in der Geschichte eine große Rolle.

Fazit:  Ein spannender Thriller, nach dem ich mich auf den kurzen Wegen in meiner dunklen Wohnung durchaus etwas unwohl gefühlt habe. So müssen solche Bücher bei mir wirken, dann mag ich sie. Außerdem fand ich es schön, Kommissarin Nele Karminter etwas besser kennenzulernen und konnte gut nachempfinden, unter welchem Druck sie und ihr Team bei den Ermittlungen stehen. Der Täter hätte für mich gerne etwas einzigartiger sein dürfen, abe 2009 tummelten sich vielleicht noch nicht so viele Psychopathen in den Bücherregalen, so dass dieser hier damals tatsächlich besonders grausig wirkte.


Titel: Tief im Wald und unter der Erde
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten:408
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442469550
Preis: € 8,95 (TB)

Mord in Serie (16) – Tod über den Wolken

Titel: Mord in Serie (16) – Tod über den Wolken / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 60 min  / Sprecher: Simona Pahl, holger Löwenberg, Katja Brügger ua

mis16Inhalt: Der Drohnenangriff auf einen Talibanführer sorgt nicht nur für politische Spannungen, sondern auch eine erhöhte Terrorwarnung. Ein Routineflug von Berlin nach New York wird für Stewardess Helena Fink zum Albtraum, nachdem einer der einer der Passagiere spurlos verschwindet. Als weitere Fluggäste tot aufgefunden werden, besteht kein Zweifel mehr: an Bord befindet sich ein Killer! Während die Piloten im Cockpit gegen eine schreckliche Unwetterfront ankämpfen, fordert Helena den Mörder zum Duell heraus.


Wenn die Schauplätze auf festem Boden für den Moment ausgeschöpft sind, dann kann man zur Abwechslung mal in die Luft gehen. Sicher ist “Tod über den Wolken” nicht der erste Krimi / Thriller, der in einem Flugzeug spielt, aber für mich ist dies immer noch einer der besten Schauplätze. Alleine, weil Raum und die Anzahl der wichtigsten Personen dort stark eingeschränkt sind. Das dient der Übersichtlichkeit, was ich stets begrüße. Für mich bürgt solch ein Setting immer für Spannung, was auch für diese Folge gilt.
Ohne den Rückentext hätte ich mit der Anfangsszene wenig anzufangen gewusst, daher fand ich den Einsatz des Nachrichtensprechers anschließend gut. So weiß man genau, was vorgefallen ist. Immerhin ist das von Bedeutung für den Verlauf der Geschichte. Obendrein nimmt man sich damit eines seit 2001 sehr präsenten Themas an.
Die Story wird lediglich von einer guten Hand voll Figuren bestritten. Im Flugzeug treibt ein Mörder sein Unwesen. Zwei Stewardessen und ein Flugsicherheitsbegleiter setzen alles daran, ihn zu entlarven. Das ist erstens spannend, denn eine solche Suche bringt natürlich Gefahren mit sich, zweitens lädt es aber auch zum Miträtseln ein. Wer könnte es sein? Und warum? Besteht tatsächlich ein Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Talibanführer? Ich habe ganz gut geknobelt und auf die Auflösung wäre ich im Detail sicher nie gekommen. Ich hatte nur so eine Ahnung, wer es sein könnte…und lag damit auch richtig.
Zusätzliche Dramatik steuert ein recht alltägliches “Problem” auf Flugreisen bei. Ein Sturm mit Gewitter und Hagel! Das dürfte vielen Hörern eine ordentliche Gänsehaut bereiten. Und dann auch noch ein Killer! Da zieht man doch glatt in Erwägung, ab sofort kein Flugzeug mehr zu betreten!
Eine Frage habe ich allerdings: wieso zum Teufel geht Frau Heck nicht selber nach ihrem Kerl schauen, wenn sie sich solch große Sorgen macht? Er durfte ja offenkundig auch rumlaufen! Da hätte sie doch ganz einfach selber mal ihren Allerwertesten…naja, lassen wir das!

Besonderen Eindruck hat bei mir Simona Pahl alias Stewardess Helena Fink hinterlassen. Am Anfang klingt sie noch so aufgeregt und kleinlaut, aber im Laufe der Geschichte wächst Helena über sich hinaus, und das hört man auch. Ihre Stimme wird zusehends fester und entschiedener. Bei Friederike Solak, die Helenas Kollegin Nicole Jahnke spricht, saß mir an zwei, drei Stellen die Betonung an der falschen Stelle. Davon abgesehen bildet sie stimmlich einen schönen Kontrast zu Simona Pahl, indem sie von Beginn an deutlich cooler und spöttischer klingt als Helena. Holger Löwenberg hat man erfreulicherweise keinen pseudoamerikanischen Akzent aufgezwugen. Seine tiefe Stimme klingt beruhigend, was gut zu seiner Rolle des Flugsicherheitsbegleiters passt. Später hört man aber auch das Befehlsgewohnte heraus, was einer Figur mit dieser Funktion ebenfalls steht.

Ich muss gestehen, dass die Musik bei mir keinen allzu großen Eindruck hinterlassen hat. Ich hatte das Gefühl, dass man in dieser Hinsicht hier etwas kürzer tritt als in den vorigen Folgen der Reihe. Es gibt einzelne Stücke, meist bedrohlich ruhig und leise, mehr aus dem Hintergrund heraus, doch bei mir sind eher die Geräusche hängengeblieben. Vor allem das Geräusch eines startenden Flugzeugs, das oft zwischen einzelnen Szenen zu hören ist und einem immer wieder vor Augen führt, wo die Geschichte spielt. Das hat mir so sehr gut gefallen.

Selbstverständlich ist auf dem Cover ein Flugzeug zu sehen. Alles andere hätte mich gewundert. Ich fliege wirklich super gerne, trotzdem finde ich Flugzeuge irgendwo auch eine Spur bedrohlich, so schwer und plump wie sie oft wirken. Dass sowas fliegen kann… Daher macht sich die Maschine auf dem Cover auch so gut. Zusammen mit dem düsteren Himmel und den Blitzen ergibt sich ein Unheil verkündendes Motiv.

Fazit:  Ein weiterer spannender Thriller in dieser Reihe. Bei mir konnte er vor allem mit dem überschaubaren Setting punkten, das geradezu zum Miträtseln einlädt. Die Auflösung war eine echte Überraschung, zumindest was das Motiv anbetrifft. “Mord in Serie” kann auch überiridisch 😉

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