München

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)Der Rudi zieht ins Schlachthofviertel und staunt, als ihm eine riesige Krähe einen abgetrennten Frauenfinger zu Füßen legt. In ihrem sechsten Fall ermitteln der Eberhofer und der Rudi im Münchner Rotlichtmilieu – denn der Finger gehörte einer ermordeten Prostituierten. Während der Wiesn sterben weitere Frauen durch eine rätselhafte Mordwaffe.

Endlich ist er da: der neue Fall für Franz Eberhofer! Es gibt wenige Bücher, denen ich jedes Mal so sehr entgegenfiebere wie Rita Falks Provinzkrimis.
Nun ermittelt der Eberhofer also in München. Ich muss zugeben, dass mir diese Entwicklung anfangs gar nicht gefiel, weil ich Angst hatte, dass so das Geschehen und die Figuren in Niederkaltenkirchen zu kurz kommen könnten. Andererseits sehe ich aber auch ein, dass man ein solches Nest nicht zum Sumpf des Verbrechens machen kann ohne dass es irgendwann unglaubwürdig erscheinen würde. In einer Großstadt wie München passiert einfach mehr. Dass dort mehr Verbrechen verübt werden als in einem Dorf ist klar. Somit ist das so zweifellos glaubhafter.
Außerdem habe ich bei diesem neuen Fall festgestellt, dass diese Trennung zwischen dem Mordfall in München und Eberhofers Familie in Niederkaltenkirchen dem Krimi eindeutig gut tut.
Sobald Eberhofer in München ist, geht es vornehmlich um die Morde und die Ermittlungen. Ging der Krimi in den Fällen aus Niederkaltenkirchen oft hinter dem übrigen Geschehen dort unter, so besteht diese Gefahr nun nicht mehr. In der Handlung in München steht der Krimi im Vordergrund. So kann man sich darauf besser konzentrieren und sogar mitknobeln. Außerdem hinterlassen die grausigen Taten so viel mehr Eindruck. Gemeinsam mit Eberhofer und dem Birkenberger geht man auf die Jagd nach dem Mörder, und was die beiden da abliefern, das kann man problemlos als Ermittlungen durchwinken. Gewürzt natürlich mit den üblichen Zickereien und Wortgefechten, aber man hat das Gefühl echter Nachforschungen. Das war bei den Fällen in Niederkaltenkirchen selten wirklich der Fall. Somit geht es spannend zu und ein Dreh kurz vor Ende sorgt nochmal für zusätzliche Brisanz. Da darf man mit Recht Angst um Eberhofer haben.
Jeden Arbeitstag fährt er morgens nach München und abends zurück nach Niederkaltenkirchen. Somit bekommt auch das Geschehen dort ausreichend Raum und kommt keineswegs zu kurz. Ich war ehrlich froh, dass meine Befürchtung nicht eintraf. Denn ich mag die Niederkaltenkirchener und ohne sie wäre ein Eberhofer-Krimi kein Eberhofer-Krimi.
Dieses Mal geht es auch im Dorf ordentlich rund. Es soll ein Hotel gebaut werden. Während einige Dorfbewohner -meist aus eigennützigen Moitven heraus- durchaus von der Idee angetan sind, so ist die Mehrheit klar dagegen. Und wer die schrägen und oft extremen Charaktere ein wenig kennt, der wird ahnen, dass da ordentlich die Fetzen fliegen. Ich konnte beide Parteien ganz gut verstehen und war entsprechend neugierig, wie der Disput ausgehen würde. Bis zur Auflösung habe ich das Geschehen mit größtem Vergnügen verfolgt und oft lachen müssen über den Einfallsreichtum einiger Niederkaltenkirchener. Da wird echt wortwörtlich bis aufs Blut für die eigene Überzeugung gekämpft. Manchmal tun es aber auch subtilere Mittel. Beispielsweise, wenn es im Dorf plötzlich kein Fleisch und keine Wurst mehr zu kaufen gibt. Wie heißt es so schön? Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt…auch das Aushungern der Gegenseite.
Mit der Liebe steht Eberhofer weiterhin auf Kriegsfuß. Zwischen Susi und ihm ist es aus, doch dann liegt sie plötzlich schwanger im Krankenhaus. Ich kann mir zwar kein bodenständiges Paar mit den beiden vorstellen, aber irgendwie gehören sie für mich einfach zusammen. So habe ich genau wie Eberhofer sehr gehofft, dass mit Susi und dem Kind alles gut wird. Und ich fand es total süß, wie viele Gedanken er sich darüber macht. Ganz so ein ungehobelter Klotz ist er eben doch nicht!

Ich habe mit den Krimi bewusst auf zwei Abende aufgeteilt um länger etwas davon zu haben. Es wäre aber ganz leicht gewesen, ihn in einem Rutsch zu lesen. Eberhofer erzählt wie ihm der bayerische Schnabel gewachsen ist, locker und flockig mit Humor und einem guten Schuss Dialekt. Das liest sich weg wie nichts. Die Kapitel sind dieses Mal ein wenig länger als bei den vorigen Bänden. Jedenfalls war das mein Eindruck. So kommt man mit jedem Kapitel ein ordentliches Stück voran.

Das Covermotiv bietet die von den Vorgängerbänden bekannte Mischung aus typisch bayerischen Elementen wie zB dem Dirndl oder dem Blick auf das Oktoberfest und Krimi-Elementen, beispielsweise die Waffe und die Blutflecken am Ärmel des Dirndls. Die Krähe verheißt ebenfalls nichts Gutes.

Fazit:  Ich hatte Zweifel, muss nun aber zugeben, dass die Trennung München – Kaltenkirchen den Krimis gut tut. Eberhofers Fälle und Ermittlungen stehen im München-Teil ganz klar im Vordergrund. Es gibt nichts, was sie dort zurückdrängt. Entsprechend spannend und grausig geht es zu. Doch Niederkaltenkirchen kommt keineswegs zu kurz, zumal Eberhofer nach Feierabend dorthin zurückkehrt und so noch immer voll mitbekommt, was im Dorf vor sich geht. Und das ist in diesem Krimi fast genauso spannend wie der Mordfall. Mir hat “Zwetschgendatschikomplott” wieder sehr viel Spass gemacht!


Titel:  Zwetschgendatschikomplott
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260442
Preis:  € 14,90 (broschiert)

MUC (Anna Mocikat)

mucMünchen, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia. Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz. Aber MUC ist kein Ort des Wissens und der Freiheit mehr, sondern eine ­gnadenlose Diktatur. Pia muss sich entscheiden, ob
sie auf der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten stehen will.

Eigentlich kann man mich mit Dystopien mittlerweile jagen bis sonst wohin. Es gibt in meinen Augen einfach zu viele davon, die alle irgendwie gleich sind. Bei “MUC” habe ich es aber doch riskiert, weil ich hoffte, bei einem Erwachsenenbuch eben nicht diesen Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen.
Tatsächlich hat mir “MUC” gut gefallen. Allerdings aus einem Grund heraus, den viele Fans dieses Genres vermutlich mit “Man kann es sich auch einfach machen!” kommentieren werden. Das weiß ich, aber es ist halt so.
Mir hat “MUC” gefallen, weil es weiß, wie man Maß hält! Alles wird gerade so ausführlich beschrieben wie es nötig ist um dem Leser einer Vorstellung davon zu vermitteln. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man mir über weite Teile eines Buchs erst erläutert, was zu der derzeitigen Situation geführt hat. Ich habe etwas dagegen, wenn mir über mehrere Kapitel hinweg das Ränkespiel einer Regierung in allen Einzelheiten erläutert wird. Ich kriege zu viel und überspringe Absätze, wenn mir seitenweise die zerstörte Szenerie geschildert wird. Und bei allzu ausführlichen Kampfszenen verdrehe ich schnell die Augen, wenn mir jeder einzelne Schlag eines Schwerts oÄ beschrieben wird.
Genau das tut “MUC” nicht, und trotzdem konnte ich mir alles problemlos vorstellen. Außerdem hat Langeweile so keine Chance, denn es ist einfach immer etwas los, wenn man sich nicht erst durch ewig lange Beschreibungen ackern muss. In “MUC” steckt Abwechslung und Tempo, es ist nie so niederschmetternd depressiv wie so viele andere finstere Zukunftsvisionen, und hat trotzdem alles, was zu einer Geschichte dieser Art gehört. Das fand ich toll!
Pia mochte ich auf Anhieb und ich fand es spannend, wie sie sich nach MUC durchkämpft. Sie beweist dabei Mut und Durchhaltevermögen. Solche Eigenschaften gefallen mir. Ihre Erlebnisse auf der Reise sind aufregend und manchmal auch ein wenig gruselig. Man spürt dabei schon, dass etwas ganz Schreckliches vorgefallen sein muss, damit die Welt nun so aussieht. Ich war neugierig, was passiert sein könnte, und die Erklärung später war ganz nach meinem Geschmack.
Natürlich entspricht MUC keineswegs Pias Vorstellungen, das ahnt man als Leser bereits von Anfang an. Die Stadt ist lebensgefährlich und die Schilderung lässt einen manches Mal schaudern. Wie es Geschichten dieses Genres an sich haben, steckt hinter all dem Elend natürlich eine diktatorische Regierung. Das ist nichts Neues, das gehört in diesem Genre schon quasi zum guten Ton.
Doch erstens wird sich damit nicht unnötig ausführlich befasst und zweitens ist Pias Leben und das ihrer neuen Freunde in MUC durchaus nicht so schlecht. Zwar müssen sie um vieles kämpfen und sich ab und zu als Dieb betätigen, aber allzu viel Anlass zum Jammern gibt es für das Völkchen meist nicht. Da mir dieses Gejammere in so vielen anderen Geschichten dieser Art einfach nur auf den Keks geht, hat mich das hier ehrlich gefreut. Man weiß doch, dass es trotzdem kein Luxusleben ist. Da muss man nicht noch ewig drauf rumreiten.
Wird sich Pia in MUC zurechtfinden und einleben? Und wird sie ihren Bruder finden, der vor Jahren dorthin aufgebrochen ist? Das verrate ich hier natürlich nicht. Aber es macht Spass, mit ihr in MUC unterwegs zu sein und zu verfolgen, wie sie versucht, sich mit der Situation zu arrangieren. Gewisse Vorfälle sorgen für Spannung und auch auf eine kleine Lovestory muss man nicht verzichten. Wie das vor all dem Elend möglich ist, das müsst ihr dann schon selber nachlesen.
Mir jedenfalls hat das Ende -nicht nur das der Lovestory- wirklich prima gefallen, und das will etwas heißen, weil ich sonst mit solchen Geschichten nichts mehr anfangen kann. Beeindruckend, dass es da doch noch eine Geschichte geschafft hat, mich zwei Abende so gut zu unterhalten!
Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört: wieso muss Aela so einen Elfennamen haben?! Kaum fiel dieser Name zum ersten Mal, da brach meine “Herr der Ringe”- und Elfenallergie voll aus. Wenn mich etwas daran erinnert, dann ist es einfach vorbei bei mir.

Anfangs liest sich das Buch nicht ganz so leicht wie später. Das liegt einfach daran, dass Pia sich halt nicht unbedingt mit sich selber unterhält. Aber man sollte sich nicht von den dicht beschriebenen Seiten abschrecken lassen. Die Geschichte ist auch hier schon angenehm leicht und unterhaltsam geschrieben. Es wird nie anstrengend. Als Pia später auf Menschen trifft und Dialoge geführt werden, da fällt das Lesen dann ganz wunderbar leicht. So möchte ich lesen.

Dass es im Jahre 2120 nicht gerade rosig auf der Welt aussieht, dass verraten schon die dunklen Wolken auf dem Cover. Ein düsterer Blick in die Zukunft, ein düster gehaltenes Cover. Das passt zusammen. Auf München weisen die Kirchtürme hin. So weiß jeder, um welche Stadt es sich hier dreht. Auch jemand, der mit dem Kürzel für die Stadt sonst nichts anzufangen weiß. Beonders gut gefällt es mir, dass auch die Innenseite des Covers und der rückwärtigen Deckels in diesem Stil gestaltet sind.

Fazit:  Ich hatte es ehrlich nicht erwartet, aber diese Dystopie hat mir von vorne bis hinten gut gefallen. Sie bringt alles mit, was eine Geschichte dieser Art braucht, ohne dass man sich dabei in irgendeiner Hinsicht durch ewig lange Erläuterungen und Schilderungen quälen muss. Und trotzdem ist “MUC” interessant, spannend und unterhaltsam. Gäbe es mehr Bücher mit finsteren Zukunftsvisionen dieser Art, wäre mir das Genre sicher nicht dermaßen verleidet worden, wie es den üblichen Verdächtigen gelungen ist.


Titel:  MUC
Autor: Anna Mocikat
Seiten:  368
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426515402
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

Dein Blick so kalt (Inge Löhnig)

blickkaltDas Praktikum in München war Lous großer Traum. Dann der Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf. Auch nicht, als sie eine unheimliche Email erhält: Ich bin immer bei dir. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden, doch die Polizei nimmt ihre Angst nicht ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet.

Es war mal wieder an der Zeit für einen Arena Thriller. Da es mir ganz besonders die X-Thriller angetan haben, fiel die Wahl auf “Dein Blick so kalt”. Diese Entscheidung habe ich zu keinem Moment bereut.
Lou gefiel mir mit ihrer selbstbewussten, direkten und mutigen Art auf Anhieb. Ich fand es toll, wie sie sich gegen ihre Eltern durchsetzt und mit Hilfe von ein paar Freunden zum Parktikum in München aufbricht.
Da nun mal nicht allem im Leben auch Gold ist, was glänzt, warten ausgerechnet beim heiß ersehnten Praktikum die ersten Probleme, und die sind von ganz besonders brisanter Art. Anfangs versucht Lou noch, damit klarzukommen, doch das entspricht nun einmal gar nicht ihrem Wesen. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn dieses Mädel sich nicht zur Wehr gesetzt hätte. Da muss man sie für ihre Traute wirklich bewundern.
Doch noch etwas anderes wirft einen Schatten auf Lous als so toll geplante Zeit in München.
In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Mädchen entführt und viel später ermordet aufgefunden. Wo Lou auch geht und steht, immer mal wieder wird sie durch Zeitungen etc darauf gestoßen.
Als Leser ahnt man da schnell, dass höchstwahrscheinlich auch Lou auf der Liste des Täters steht.
Tatsächlich bekommt sie bald unheimliche eMails und sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Ich finde diese Vorstellung an sich schon schaurig. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich fühlt, wenn man solche Nachrichten bekommt und sich in der eigenen Wohnung nicht mehr wohl und sicher fühlen kann, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Entsprechend habe ich Lou zwar bewundert, wie sie zunächst nach logischen Erklärungen sucht, hätte sie aber immer gerne auch gewarnt, dass sie sich das alles keineswegs nur einbildet.
Für einen weiteren gehörigen Schuss Spannung sorgt natürlich die Frage, wer dahinter steckt. Es gibt einige Verdächtige Personen, zum Glück aber nicht zu viele. So behält man gut einen Überblick und kann leicht knobeln, wer der Täter sein könnte. Ich habe meinen Verdacht mehrmals geändert. Mal war ich mir total sicher, dass es nur der und der sein könne, weil es so offensichtlich ist. Dann dachte ich wieder, dass das ein Trick sein könnte. So ein Vorzeige-Täter lenkt schließlich leicht von anderen Charakteren ab, sodass es eine echte Überraschung wäre, wenn es einer der anderen wäre. Andererseits: vielleicht soll man auch wieder genau das denken, sich auf die übrigen Personen stürzen und nachher quasi gesagt zu bekommen: wärst du mal bei deinem ersten Verdacht geblieben! So ging es lange hin und her. Ich musste einfach weiterlesen um zu erfahren, ob ich richtig liege. Ich lag falsch, soviel kann ich verraten.
Was mir an diesem Thriller außerdem richtig gut gefallen hat ist, wie Lous Zeit in München rund um das Verbrechen beschrieben wird. München gehört eigentlich zu den Städten, die ich nicht unbedingt besuchen möchte. Aber hier wird die Stadt so schön anschaulich und vor allem sommerlich schön beschrieben, dass sie mich womöglich doch irgendwann mal reizen könnte. Und diese sommerlich-fröhliche und lockere Atmosphäre kommt wunderbar beim Leser an.
Zweimal habe ich mich allerdings gewundert. Lou ist doch Vegetarierin. Wieso kauft sie sich dann einmal ein Salami-Sandwich? Ein anderes Mal isst sie Scampi mit Risotto. Dem Chef zum Gefallen hin oder her, aber Risotto alleine hätte auch nicht unhöflich ausgesehen.

Obwohl das Buch mit seinen 367 Seiten durchaus stattlich ist, habe ich es an einem langen Abend ausgelesen. Einerseits ist es super spannend, andererseits aber auch so schön flüssig und lebendig geschrieben, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Knackig kurze Kapitel trugen ihren Teil dazu bei, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ach eins noch, na gut, noch eins...ihr kennt das sicher.

Hinter den Sinn der meist so blumigen Cover der Arena Thriller werde ich wohl nicht mehr kommen. Aber durch die kräftigen Farben sind sie auf jeden Fall auffällig im Regal. Hier spielt aber auch ein herrlich blutiges Rot eine Rolle dabei. Das passt schon viel besser zu einem Thriller.

Fazit:  Ich fand “Dein Blick so kalt” super spannend und habe die ganze Zeit geknobelt, wer hinter den Entführungen stecken könnte. Das macht Spass. Außerdem fand ich Lou von Anfang an total sympathisch und habe sie sehr oft für ihren Mut und ihre direkte Art bewundert. Selbst in der brenzligsten Situation lässt sie sich nicht einfach unterkriegen. Toll! Entsprechend habe ich auch um dieses mutige Mädchen gebangt.


Titel: Dein Blick so kalt
Autor: Inge Löhnig
Seiten: 367
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067629
Preis: € 12,99 (Broschiert)

Mord in München – Andrea Mangfall ermittelt – Der Ladykiller vom Oktoberfest

Titel: Mord in München – Andrea Mangfall ermittelt – Der Ladykiller vom Oktoberfest / Verlag: Aurelia by Felicity Media GmbH / Spielzeit: 65 min / gelesen von: Fanziska Ball

mangfallInhalt: Seien Sie dabei, wenn Andrea Mangfall auf dem größten Volksfest der Welt auf Spurensuche geht. Zwei Münchener Damen der High Society werden nach einem exzessiven Oktoberfestbesuch zu Hause ermordet aufgefunden.

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Da haben wir ihn: den dritten Streich von Aurelia. Was fehlte nach Grusel und Mystery noch? Genau, ein Krimi! In diesem Falle ein Krimi, der in den feineren Kreisen der Münchner Gesellschaft spielt. An eine Frau als Ermittlerin muss ich mich immer erst ein wenig gewöhnen, aber das ging bei Andrea Mangfall recht flott, weil sie augesprochen cool und selbstbewusst drauf ist. Das gefiel mir gut.
Ihr Fall nimmt sehr zügig seinen Lauf, sodass Langeweile erst gar nicht aufkommt. Lässt er sich noch vergleichsweise unspektakulär an, so zieht er bald unerwartete und anrüchige Kreise. Man glaubt ja gar nicht, was bei der High Society auf dem Oktoverfest so abgeht! Das Gefühl dieses berühmten Volksfest kam bei mir gut an. Und Anreda Mangfall wirkte inmitten der Schönen und Reichen erfreulicherweise wie der berühmte Elefant im Porzellanladen. Das hat sie mir gleich nochmal sympathischer gemacht. In der Jagd auf den Mörder steckt viel Tempo, und zum Schluss hin wird es nochmal richtig spannend als Andrea Mangfall sich mit ihm direkt auseinandersetzen muss.

Franziska Ball liest die Geschichte wirklich gut und mit unüberhörbar bayerischem Akzent. Das steht einem München-Krimi einfach gut. Sie lässt die Komissarin schön burschikos klingen und hat bei Bedarf  auch den befehlsgewohnten Ton für diese Figur auf Lager.

Auch beim dritten Hörbuch von Aurelia spielt Musik eine wichtige Rolle. Es kam mir aber doch weniger vor als bei “Jack Deveraux” und den “Mystery Diaries”. Einmal mehr wurde viel Wert auf die Auswahl der Stücke gelegt. Sie helfen mal der Spannung, mal dem Tempo auf die Sprünge, dann wieder unterstreichen sie das Flair des Oktoberfests. Eine feine und stimmige Mischung.

Fazit:  Ein spannender und temporeicher Krimi mit einer sympathisch burschikosen Kommissarin, der dem Hörer einen Blick hinter die Kulissen des Oktoberfests im Kreise der High Society gewährt.

Sauerkrautkoma (Rita Falk)

sauerkrautkomaWeil sich der Eberhofer in Niederkaltenkirchen bei der Verbrechensbekämpfung so verdient gemacht hat, wird er in die bayerische Metropole des Verbrechens versetzt. Gut nur, dass die Oma ihn mit Care-Paketen versorgt. Doch kaum hat der Franz den Sessel im Präsidium angewärmt, da geht’s auch schon los mit der großstädtischen Kriminalität. Als nämlich der Papa zum ersten Mal im Admiral daherkommt, wird ihm sogleich der Wagen geklaut. Der taucht zwar bald wieder auf, doch damit fängt der Stress erst richtig an: Im Kofferraum befindet sich die Leiche einer jungen serbischen Frau. Offenbar erwürgt. Die Spuren führen den Franz in eine ihm völlig fremde Welt: nach Grünwald.

So sehr ich auf “Sauerkrautkoma” hingefiebert habe, ich hatte auch meine Bedenken. Denn der Franz gehört für mich nirgendwo anders hin als nach Niederkaltenkirchen. Wo die Oma ist, sein Vater, die Susi, seine Kneipenkumpels und Hund Ludwig. Die Versetzung nach München hatte für mich den unangenehmen Beigeschmack davon, dass Niederkaltenkrichen die Kriminellen ausgegangen sind.
Immerhin ist Franz auch nicht begeistert von seiner Versetzung, was für die ersten Schmunzler sorgte. So richtig lachen musste ich dann über seine WG-Versuche, und das hat mich direkt etwas getröstet. Denn wenn Eberhofer auch in München so witzig sein kann, dann könnte ich mich vielleicht doch damit anfreunden.
Aber ich war doch ganz schön froh als sich herausstellte, dass Niederkaltenkirchen seine familiären Finger bis nach München ausstreckte. Umso schöner, dass damit gleich ein Leichendfund verbunden ist. Ausgerechnet im Kofferraum vom alten Admiral vom Papa liegt die Leiche einer jungen Frau. Damit ist eine deutliche Verbindung nach Niederkaltenkirchen gegeben. Und da sich Eberhofer in München eh nicht so recht wohlfühlt, ist er auch immer mal wieder im Dorf anzutreffen. Das fand ich schön ausgewogen und damit war ich mit München endgültig versöhnt.
Die Nachforschungen um die Leiche führen Eberhofer  in eine recht vornehme Gegend nahe München, der jegliche Gemütlichkeit fehlt. Entsprechend exotisch nimmt sich der Franz dort auch aus. Wo doch Niederkaltenkirchen solch ein uriges Dorf ist. Der Unterschied ist krass, und das spürt man. Er hat auch den größten Reiz an seinen Ermittlungen ausgemacht. Denn weil sie sich auf einige wenige verdächtige Personen beschränken, kann man ziemlich bald 2 und 2 zusammenrechnen und hat prompt erst denjenigen, der für eine Besonderheit an der Leiche verantwortlich ist, und wenig später dann auch den Täter. Beides ist am Schluss also keine allzu große Überraschung.
Neben dem Fall kämpft der Franz aber noch an einer ganz anderen, privaten Front. Ich fand es spannender, dem zu folgen als den Ermittlungen. Wobei ich es mir eigentlich nicht vorstellen konnte, andererseits aber doch so sehr darauf gehofft hatte. Näheres dazu möchte ich hier gar nicht verraten. Nur dass ich am Ende tierisch sauer auf Eberhofer war! Dabei mag ich ihn ja total, aber sich einen solchen Aussetzer zu leisten…liebe Oma Eberhofer, dafür darfst du ihm gerne von mir eine Ohrfeige geben!
Trotzdem hat mir das Buch wieder unheimlichen Spass gemacht und ich habe sehr dabei gelacht. Ich mag einfach diesen bissigen Humor, Eberhofers recht radikale Art, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, und die Situationskomik vieler Szenen. Eberhofer, seine Familie und Freunde…das ist einfach ein Haufen liebenswerter Chaoten. Und all das trifft genau meinen Sinn für Humor.

Wie bei jedem Eberhofer-Krimi war ich auch mit “Sauerkrautkoma” an einem Abend durch. Eberhofers locker- flapsige Erzählweise liest sich einfach super leicht und höchstvergnüglich. Und wenn ich Spass bei Lesen habe, dann fliegen die Seiten nur so dahin. Außerdem haben die Kapitel eine appetitliche Länge. Mit jedem kommt man ein gutes Stück voran.

Optisch reiht sich das Buch problemlos in die Reihe im Regal ein. Essen spielt ja immer eine wichtige Rolle in den Krimis. Und auf den letzten Seiten findet man immer ein paar Rezepte aus dem Fundus der Oma. Da pssen Sauerkraut, Würstl und die Maß gut. Das Fenster habe ich erst auf den zweiten Blick entdeckt. Eine schöne Idee mit dem Blick auf München.

Fazit:  Ich bin froh, dass es Eberhofer nicht total nach München verschlägt, sondern Niederkaltenkirchen weiterhin der zentrale Ort der Krimis bleibt. Der Fall hier schickt den Franz in eine feine Gegend, wo er geradezu exotisch wirkt, so burschikos wie er ist. Das ist reizvoll. Dafür fand ich den Fall sonst nicht allzu spannend. Weil es nur eine Handvoll Verdächtige gibt, ist es nicht schwer, auf den Täter und weitere Beteiligte zu kommen. Da habe ich Eberhofers private Turbulenzen als spannender empfunden. Und mich am Ende total über ihn geärgert. Und das will was heißen, so sehr wie ich ihn eigentlich mag!

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249874
Preis:  € 14,90 (broschiert)

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