Mut

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance (Estelle Laure / Julia Meier)

Titel: Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance / Verlag: Goya Libre / Spielzeit: ca. 245 min, 3 CDs / Buch: Estelle Laure / gelesen von: Julia Meier

Inhalt: Die 17-jährige Lucille sollte sich eigentlich auf ihr letztes Highschool-Jahr freuen: Sie versteht sich gut mit ihrer kleinen Schwester Wren, ihre beste Freundin Eden steht immer an ihrer Seite und sie ist heimlich in Edens Zwillingsbruder Digby verliebt. Er vielleicht auch in sie? Doch am ersten Schultag nach den Sommerferien kommt Lucilles Mutter nicht wie versprochen aus dem Urlaub zurück und die beiden Schwestern sind auf sich allein gestellt. Wie soll Lucille sich und Wren versorgen, ohne dass das Jugendamt etwas merkt? Zum Glück stehen Eden und Digby ihr zur Seite, doch dann ereignet sich ein schrecklicher Unfall und Lucille muss endgültig lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.


Ich bin ja ein Fan von Jugendbüchern und es ist auch das einzige Genre, in dem es für mich mal eine Geschichte von einem amerikanischen Autor sein darf. In keinem anderen Genre sonst bin ich dafür noch zu haben. Und kurz gesagt, ist es auch genau dieser Aspekt, wegen dem mich diese Geschichte letztlich doch nicht überzeugen konnte.
Aber ich werde mit dem Positiven anfangen, denn auch davon bringt sie einiges mit. So mochte ich zB Lucille sehr schnell wirklich gerne. Genauso ihre Freunde und Geschwister. Das ist immer schon viel wert, denn mit solch einer Einstellung zu den Figuren folgt man einer Geschichte doch gleich umso lieber. Es hätte hier und da zar etwas mehr Tiefe sein dürfen, ein paar Informationen usw mehr über die Figuren, aber mir hat es so gereicht, da ich kein Freund von allzu ausufernden Beschreibungen bin.
Mir taten Lucille und ihre Geschwister zunächst auch wirklich leid als sie sich urplötzlich in einer Situation wiederfinden, die sicher für jeden Jugendlichen (und ein Stück weit sicher auch für Erwachsene) absolut neu und die totale Herausforderung ist. Ich habe mich gefragt, wie sie die Sache meistern werden und es hat mir Spass gemacht, zu verfolgen, wie speziell Lucille an der Situation wächst und sich weiterentwickelt. Mir ist es wichtig, dass ich bei Figuren eine solche Entwicklung bemerke. Das finde ich immer spannend.
Nun zu den Knackpunkten. Mir ist es bei Geschichten amerikanischer Autoren einfach zu öft untergekommen, dass sie in irgendeiner Hinsicht unnötig übertreiben. Genauso habe ich auch hier empfunden, denn was nach dem ersten Schicksalsschlag alles an Katastrophen auf Lucille einprasselt war mir einfach zu viel. So viel, dass es ins Unglaubwürdige rutschte.
Und ob man angesichts all dessen noch an dieses Ende glauben mag, lasse ich mal dahingestellt. Natürlich, es entspricht dem Titel, aber so richtig authentisch kam es mir nicht mehr vor.

Julia Meier hat mir als Sprecherin sehr gut gefallen. Sie hat eine angenehme Stimme und bringt die Gefühle der Figuren glaubhaft und intensiv an den Hörer. Das verleiht der Geschichte ihre Atmosphäre und bringt den Hörer dazu, mit den Charakteren zu fühlen.

Das Cover ist mit den knalligen, bunten Farben ein echter Hingucker. Allerdings finde ich, dass man schon gut hinsehen muss um darin den Titel lesen zu können. Die CDs sind ebenfalls in bunten Farben gehalten und man findet im Booklet einige Informationen über Autorin und Sprecherin.

Fazit:  Dass ich dieses Hörbuch nicht an einem gewissen Punkt abgebrochen habe bzw mich davon habe ablenken lassen, liegt vor allem an den durchweg sympathischen Figuren, in die ich mich gut einfühlen und mit denen ich leicht mitfühlen konnte. Allerdings war es mir dann doch entschieden zu viel Dramatik / Schicksal, als dass ich es noch glaubhaft finden konnte. Und so konnte mich die Story trotz der liebenswerten Figuren nicht überzeugen konnte.

Anastasia McCrumpet und der Tag, an dem die Unke rief ( Holly Grant / Katja Riemann)

Titel: Anastasia McCrumpet und der Tag, an dem die Unke rief / Verlag: hörVerlag / Spielzeit: 337 min, 4 CDs / Buch: Holly Grant / gelesen von: Katja Riemann

Inhalt: Von Unglücks-Unkenrufen lässt sich die elfjährige Anastasia McCrumpet eigentlich nicht so leicht erschrecken! Aber als sie von der gefürchteten Lehrerin Miss Sneed aus dem Unterricht geholt wird, spürt sie sofort, dass Unheil droht. Und richtig: Anastasias Eltern sind einem seltsamen Staubsaugerunfall zum Opfer gefallen und müssen sich an einem weit entfernten Ort davon erholen. Zwei angebliche Großtanten stehen schon bereit, um Anastasia mit in ihr verstaubtes Zuhause zu nehmen. Dort wird ihr bald sehr mulmig: nachts heulen Geräusche durchs Haus, und an den Wänden hängen Bilder von verschwundenen Kindern und von finsteren Damen mit zusammengewachsenen Augenbrauen. Als Anastasia zwei im Haus versteckte Jungen entdeckt, planen die drei Kinder eine tollkühne Flucht!


Wie so oft machte mich der Titel dieses Hörbuchs sofort neugierig. Anastasia ist ja schon ein eher seltener Name für eine Elfjährige. Und eine rufende Unke? Ich muss Anastasia also umbedingt kennenlernen und ich mochte die Kleine sehr schnell. Sie ist zwar erst elf Jahre alt, für dieses Alter aber ganz schön mutig und zweifellos clever. Auch als ihr Leben wenig später eine seltsame Richtung einschlägt, stellt sie sich mutig der Situation. Keine Heulerei, nichts, so stelle ich mir eine Heldin in einem Kinder(hör)buch vor.
In dem Haus der Tanten, zu denen Anastasia ziehen muss, gehen seltsame Dinge vor sich. Und hier muss man Holly Grant einfach ein dickes Kompliment für ihre Phantasie und ihren Ideenreichtum machen. Es ist doch immer wieder schön, wenn einem eine neue Geschichte nicht nur irgendwelche anders verpackten Ideen bietet, sondern Neues auffährt.  Wie man sieht: es funktioniert! Es sorgt für ordentliche Spannung und eine einzigartige Atmosphäre.
Ein bisschen gruselig geht es hier schon zu, das muss man einfach so sagen. Aber gut auf das Alter der anvisierten Hörerschaft abgestimmt. Angehende Gruselfans ab 10 Jahren dürften ihre helle Freude haben, ältere Hörer werden über einige Dinge eher grinsen. Aber es schadet ja auch nicht, wenn eine Geschichte einfach Spass macht.
Humor spielt hier sowieso eine wichtige Rolle. Es gibt sehr häufig etwas zum Schmunzeln, was den Gruselfaktor per se ein wenig dämpft. Ich habe auch manches Mal lachen müssen, so schräg und skurril kommt die Geschichte oft daher. Wenn man sich all die Szenen und Figuren mal bildlich vorstellt, dann kommt man um ein Lachen einfach nicht herum. Und alles wird wirklich anschaulich, aber nicht zu weitschweifig erzählt und beschrieben. Da hat man schnell die entsprechenden Bilder vor Augen.

Ich bin kein Fan von Katja Riemann und als Sprecherin bei einem Hörbuch habe ich sie bislang noch nicht angetroffen. So hatte ich schon Bedenken. Ich muss aber zugeben, dass sie “Anastasia McCrumpet” wirklich toll liest. Mit ganz vielen verschiedenen, markanten Stimmen, zu den Szenen passenden Stimmlagen und einer großartigen Lebendigkeit. Da macht das Zuhören richtig Spass, auch über längere Zeit hinweg.

Das Cover kommt schön schattig und düster daher, wie es sich für eine schaurig angehauchte Geschichte gehört. Der schlossartige Raum macht ebenso neugierig wie der seltsame Hund und das grimmige Gesicht im Bilderrahmen. Was machen die drei Kinder an solch einem Ort und wieso hat eines von ihnen einen Vogelkäfig über dem Kopf? Es gibt Vieles an dieser Szenerie, mit dem das Hörbuch den Betrachter lockt.

Fazit:  “Anastasia McCrumpet” hat mir rundum super gut gefallen. Eine tolle Hauptfigur, eine spannende Geschichte voller verrückter, schräger, skurriler Figuren und Vorkommnisse, bei denen ich immer mal wieder schmunzeln musste, und gewürzt mit einem kleinen Schuss Grusel. Für angehende Gruselfans eine absolute Empfehlung!

Laufen. Essen. Schlafen. (Christine Thürmer)

laufenessenschlafenAls Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Seit “Wild – Der große Trip” bin ich ständig auf der Suche nach ähnlichen Büchern / Geschichten. Ich liebe einfach solch abenteuerliche Geschichten, die tatsächlich passiert sind an Orten, die es tatsächlich gibt. Das vermittelt mir immer das Gefühl, das so etwas auch für mich möglich wäre. Wobei ich meine Fitness natürlich schon genau kenne und somit weiß, dass ich daran vermutlich scheitern würde. Trotzdem, dieses Mögliche hat eben seinen Reiz.
Dieses Buch hier klang vom Klappentext her genau so als könne es für mich ein würdiger Nachfolger sein. Gefallen hat mir zunächst besonders, dass Christine Thürmer tatsächlich die totale Karrierefrau ist mit einem Job in bester Position und sich nach gewissenen einschneidenden Erlebnissen dennoch für diese Wanderungen entscheidet. Das spricht für Mut (und ein gut gefülltest Konto, anders geht es nicht).
In vielerlei Hinsicht hat mir das Buch auch gut gefallen. Es war interessant, gleich drei Trails in den USA kennenzulernen. Den PCT ist Cheryl Strayed aus “Wild” ja ebenfalls gelaufen, und hier bekommt man nochmal weitere Informationen dazu und bekommt wirklich wunderschöne und beeindruckende Bilder beschrieben, die sich dem Wanderer dort bieten.
Den Continental Divide Trail kannte ich bisher noch nicht und er wird auch eine Ecke kürzer behandelt als der PCT.
Den kleinsten Teil der Erzählung bekommt der Appalachian Trail ab, wobei er mir in Summe eigentlich am besten gefallen hat.
Alle drei bieten dem Wanderer ganz verschiedene Landschaften und Herausforderungen. Ich fand es spannend, wie die Wanderer -insbesondere Christine Thürmer- diese Herausforderungen meistern und habe die Beschreibungen der Landschaften und die dazu gehörigen Bilder vor meinem geistigen Auge nur so aufgesogen. Gepaart mit meinem ständigen Fernweh war es bei mir ein ständiges: das möchte ich auch mal sehen / erleben.
Bis hierher ist also wirklich alles genau nach meinem Geschmack gewesen.
Nicht so gut hat mir gefallen hat mir allerdings, dass Vieles bei Christine Thürmer so völlig glatt läuft. Ich glaube ihr dabei schon alles, was sie in ihrem Buch schildert, keine Frage! Darum geht es mir auch nicht! Aber ich finde, dass man sich als Leser bei diesem Buch einige Dinge immer vor Augen halten sollte. Beispielsweise, dass Christine Thürmer durch ihren Job über das ganze Buch hinweg finanziell keine Probleme hat. Dass sie durch ihre Qualifikation jederzeit zurück in einen solchen Job kann. Dass sie über ein mehr als gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Mut verfügt. Dass sie offenbar schon anfangs perfekt Englisch sprach und so schnell Anschluss fand. Und noch einige Dinge mehr.
Und dann muss man -wenn man wie ich so ein Abenteuer erwägt- ganz ehrlich mit sich sein, ob man all dies auch aufbringt. Mir wird das alles einfach etwas zu leicht beschrieben. Wer das Buch liest, das nicht reflektiert und loszieht, der dürfte schnell Probleme bekommen.
Und tja, so ein bisschen mehr Jammer hätte ich auch authentischer gefunden. Aber Muskelkater und schmerzende Füße sind oft kaum mehr als eine Erwähnung wert. Dass die erste Nacht im Zelt entspannt wie im heimischen Bett verläuft, glaube ich auch nicht. Doch darauf wird gar nicht groß eingegangen. Ich denke einfach, speziell bei der ersten Wanderung dürfte es auch bei Christine Thürmer das eine oder andere Wehwehchen gegeben haben, und davon hätte ich gern gelesen. Weil es die Sache noch authentischer gemacht hätte.

Lesen ließ sich das Buch für mich wirklich gut und flüssig weg. Richtige Überschriften gibt es nicht. Wenn man so will sind die Angaben über die zurückgelegte Strecke eine Art Kapiteleinteilung. Und diese Kapitel haben durchweg eine angenehme Länge. Dazwischen gibt es dann noch die Kapitel zuhause bei Christine Thürmer, ihren Erlebnissen und Planungen dort, was sich für mich noch einen Tacken besser lesen ließ.

Das Cover sprach mich mit den verschiedenen Bildern in kräftigen Farben sofort an. Was für eine schöne Landschaft! Und Campingkocher und Zelt vermitteln Abenteuerfeeling. In der vorderen Broschur gibt es eine Karte der USA mit den drei eingezeichneten Trails. In der rückwärtigen Broschur findet man Fotos aus der Erzählung. Und auch in der Mitte des Buch gibt es ein paar Seiten mit Fotos.

Fazit:  Für mich mit meinem ständigen Fernweh war dies wieder ein richtig tolles Buch. Es hat Spass gemacht, nach dem PCT noch andere Trails kennenzulernen und viele Situationen, in die Christine Thrümer gerät, sorgen für Spannung und Unterhaltung. Lediglich den im Klappentext gepriesenen Humor habe ich vergeblich gesucht. Allerdings lief mir für die Autorin Vieles doch zu einfach ab und man muss sich beim Lesen immer über die geradezu idealen Voraussetzungen klar sein, die sie schon bei ihrer ersten Wanderung mitbrachte. Sollte man selbst solch ein Abenteuer in Erwägung ziehen, sollte man genau über die eigenen Voraussetzungen nachdenken. Bringt man nicht die selben mit, dann wird man es auch schwerer haben.


Titel: Laufen. Essen. Schlafen. – Eine Frau, drei Trails und 12700 km Wildnis
Autor: Christine Thürmer
Seiten: 288
Verlag: Malik Verlag
ISBN: 978-3890294711
Preis: € 16,99 (HC)

Stolperherz (Britta Sabbag)

stolperherzSanny kann ihr Glück kaum fassen: Ausgerechnet Greg, der coole Bassist der Schulband Crystal, lädt sie ein, bei der letzten Probe vor den Sommerferien dabei zu sein. Doch es kommt noch besser: Die Jungs fragen sie, ob sie Lust hat, die Band auf ihrer Tour zu begleiten. Bisher war Sanny immer nur das unscheinbare Mädchen mit dem Stolperherzen, so genannt, weil sie mit einem Herzfehler geboren wurde. Doch Sanny zögert nicht lange – tischt ihrer Mutter kurzerhand eine Lüge auf und steht am nächsten Morgen pünktlich am Treffpunkt. Und einmal unterwegs beginnt für Sanny die aufregendste Zeit ihres Lebens.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Buch gelesen habe und nach dem anschließenden Stichwortenotieren ein Zettelchen voll mit Lob und positiven Punkten vor mir liegt. Leider ist das sehr selten, aber bei “Stolperherz” hielt ich endlich  wieder ein solches Komplimentezettelchen in der Hand.
Ich weiß gar nicht, wo ich zu loben anfangen soll…
Am besten vielleicht bei Sanni, die ich vom ersten Moment an mochte. Natürlich tat sie mir leid wegen ihrer Krankheit, aber noch viel mehr habe ich sie bewundert. Für ihre guten Nerven, mit denen sie ihre überbesorgte Mutter aushält, für ihren Humor, den sie sich trotz allem bewahrt hat, für ihren Mut, sich über alle Verbote hinwegzusetzen und mit den Jungs auf Tour zu gehen und für ihren Willen, sich nicht von Kira und Michelle ausbooten zu lassen. Außerdem konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen. Es war für mich teilweise erschreckend wie ähnlich sich Sanni und ich (damals mit 15 Jahren) sind. Diese Schüchternheit und diese Unsicherheit, die Angst vor allen möglichen Dingen wie zB dem freien Sprechen vor eine Gruppe Leute usw. Darin habe ich mich so wiedergefunden, dass es ein Leichtes war, mich in Sanni hineinzufühlen.
Den nächsten Kelch Lob schütte ich über der Geschichte an sich aus. Welches Teeniemädel träumt nicht mal davon, mit einer Band auf Tour zu gehen? Sanni hat dieses Glück. Auch wenn sie nicht die Spitzenreiter der Charts begleitet, sondern eine eher lokal berühmte Band. Für sie ist es trotzdem das größte Abenteuer. Unter anderem, weil ein gewisser süßer Bassist natürlich mit von der Partie ist. Von Luxus und Starallüren ist hier weit und breit nichts zu finden. Man stapelt sich zum Schlafen in winzigen Zimmern oder gar dem Tourbus, die Clubbesitzer sind oft reichlich schräg drauf, aber ich habe das so als schön realistisch empfunden. Welche Schülerband darf schon in Luxussuiten nächtigen? Wohl keine.
Gerade weil es oft so unkomfortabel ist, immer wieder Probleme auftauchen und die Clubs meist Räucherbuden sind, kam bei mir beim Lesen dieses Gefühl einer solchen Tour umso besser auf. Das hat viel mehr Charme und Abenteuer als wenn man über eine glitzernde Musikwelt lesen würde. Ich war einige Male wirklich neidisch auf Sanni. Solch ein Abenteuer könnte mir auch gefallen und entsprechend gespannt habe ich es verfolgt.Vor allem auch, weil man dabei die die gleiche Freiheit spürt, die Sanni empfindet. Ich habe es ihr von Herzen gegönnt.
Als ebenso realistisch habe ich es es empfunden, dass Sanni nicht ab dem Moment, in dem sie in den Tourbus steigt, von allem akzeptiert und gemocht wird. Das wäre seltsam gewesen, wo sich fast alle vorher eher über sie lustig gemacht haben. Aber Sanni kämpft. Auf ihre zurückhaltende Art, aber sie kämpft und hält durch. Da ist es schön zu verfolgen, wie sie, die Jungs von der Band und die beiden anderen Mädchen sich allmählich einander annähern. Dabei muss Sanni zwar oft einstecken, doch sie lässt sich nicht beirren. Das fand ich toll! Und es macht sie nach und nach ein ganzes Stücke selbstbewusster und mutiger, ohne dass sie dabei ihr zurückhaltendes Wesen verliert. Sanni bleibt trotz allem ganz sie selbst.
Die Lovestory hier kommt eher dezent daher, was aber gut passt. Das ist süß und wunderschön und es passt zu Sannis Wesen.
Trotz aller Begeisterung habe ich mir ab und zu aber doch Sorgen gemacht, dass dieser Traum schneller endet als es Sanni und mir lieb sein konnte. Immerhin hat sie zuhause eine Lüge aufgetischt um mitfahren zu können und Lügen haben bekanntlich kurze Beine. Außerdem ist da ja immer noch Sannis Herzfehler. Ich habe immer wieder besorgt überlegt, wann ihr eines von beiden zum Verhängnis werden würde. Und ein bisschen schlechtes Gewissen ihrer Mutter gegenüber hatte ich auch.
Dass einer der Auftritte der Band auf dem Manschseefest in Hannover stattfindet, hat mich zusätzlich begeistert. Das Fest ist so klasse, ich war total begeistert als ich letztes Jahr dort war. Es ist immer toll,  wenn man sich beim Lesen alles so gut vorstellen kann.
Am Ende der Geschichte hat man genau wie Sanni eine Menge darüber gelernt, was Mut ist. Dass es manchmal lohnt, etwas Verrücktes zu tun. Dass man immer man selbst bleiben sollte und sich trotzdem weiterentwickeln kann. Dass der erste Eindruck täuschen kann und nicht entscheidend sein sollte. Dass jeder so seine Schwächen hat. Dass Freundschaftenschließen und Erwachsenwerden manchmal gar nicht so leicht ist, es aber lohnt, sich im positiven Sinne “durchzubeißen”. Hach, ich könnte noch ewig weiter schwärmen!

Wenn man so begeistert von einer Geschichte ist, dann liest sie sich selbstverständlich auch weg wie nichts. Speziell Sannis Humor hat mir das Lesen super leicht gemacht. Ich habe oft schmunzeln und sogar lachen müssen und konnte einfach nicht genug davon kriegen. Wen wundert es da, dass ich das Buch an einem Abend ausgelesen habe?

Vom Cover war ich sofort begeistert. So schön bunt und cool mit dem alten VW-Bus! Und dass es um Musik und Liebe geht, das sieht man ebenfalls auf den ersten Blick. Für mich vermittelt allein dieses Motiv irgendwie schon das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Glück.

Fazit:  Eine rundum wunderschöne Geschichte, nicht nur für Teeniemädels. Zum Lachen, zum Weinen, zum Mitfiebern, zum Träumen, einfach zum Wohlfühlen. Meine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Lübve Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Stolperherz
Autor: Britta Sabbag
Seiten: 203
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823816
Preis: € 12,99 (HC)

Pommes im Urwald – Das etwas andere DschungelHÖRbuch (Jochen Mariss / Stefan Kaminski, Cathlen Gawlich)

Titel: Pommes im Urwald – Das etwas andere DschungelHÖRbuch / Verlag Headroom / Spielzeit: ca. 30 min / Buch: Jochen Mariss / gelesen von: Stefan Kaminski und Cathlen Gawlich

pommesInhalt: Pommes heißt eigentlich Fritz, aber alle nennen Ihn Pommes weil er so gerne Pommes rot-weiß mag. Der kleine Hase ist der beste Geschichtenerzähler weit und breit. Eines Tages erzählt er sienen beiden Freunden Flitzer und Wolke eine Geschichte vom Urwlald und findet sich plötzlich selber dort. Leider wirkt ein Hase auf Urwaldbewohner ziemlich appetitanregend. Doch Pommes zieht alle Register und erzählt, witzelt und reimt für Löwe, Krokodil, Elefant und Bär, bis ihnen Hören, Sehen und Hunger vergehen.


Als ich das Buch vor Längerem zum ersten Mal sah, war sofort klar, dass ich Pommes kennenlernen musste. Der Hase mit seiner Frittentüte ist zum Niederknien süß!
Hier geht es aber nicht in erster Linie um die frittierten Kartoffelstäbchen, sondern um den Hasen Fritz, der wegen seiner Vorliebe für Pommes auch “Pommes” genannt wird. Zu Beginn stellen er und seine Freunde Wolke und Flitzer sich vor. Flitzer ist super schnell und Wolke kann sogar fliegen. Dagegen ist Pommes -wie sie meinen- ein rechter Angsthase und fliegen kann er natürlich auch nicht. Es ist schön, wie Pommes damit kontert, dass er dafür ganz toll Geschichten erzählen kann. Ich bin auch der Meinung, dass das ein viel tolleres Talent ist als Schnellsein oder Fliegenkönnen. Den hörenden Kindern signalisiert es außerdem, dass zwar nicht alle die gleichen Fähgkeiten haben, aber jeder sein ganz eigenes Talent.
Pommes darf seine Künste im Geschichtenerzählen dann prompt unter Beweis stellen. Obwohl er eigentlich nur für seine Freunde und sich Fritten besorgen will, gerät er dabei in einen Dschungel. Dort lauern allerlei Gefahren auf den kleinen Hasen. Zum Beispiel ein gefräßiger Löwe, ein nicht minder gefräßiges Krokodil und ein ebenfalls hungriger Bär. Damit es dabei nicht zu gruselig für die Kinder wird, sind Pommes Erlebnisse mit den Tieren außerdem auch ganz spaßig. Ich fand es sehr schön, dass Pommes mit ihnen uA genau durch solche Fähigkeiten fertig wird, die ihm seine Freunde anfangs absprechen. Er ist halt doch schnell und fliegen klappt auch. Zumindest etwas ähnliches. Oft weiß man nämlich gar nicht genau, was alles in einem steckt. Das wird so schön aufgzeigt.

Ich möchte kurz meinen Lieblingsdialog zitieren, über den ich herzlich gelacht habe:

Elefant: “Ich bin Vegetarier!”
Pommes: “Ist das ansteckend?”

😀

Erzählt wird Pommes’ Geschichte von Stefan Kaminski, der den kleinen Hasen ausgesprochen goldig klingen lässt. Für den Löwen, den Bären, den Elefanten und den Geier hält er ebenfalls passende Stimmen bereit, die mal liebenswert, mal aber auch ein wenig gefährlich klingen. Cathlen Gawlich übernimmt Maus Flitzer, Ente Wolke und das Krokodil. Ihre markante Stimme mag ich wirklich gerne und sie ist wie gemacht für diese Geschichte und ihre Figuren. Doch so oft ich Cathlen Gawlich schon in Hörbüchern gehört habe, eines ist mir erst bei Pommes’ Geschichte aufgefallen und ich habe es sofort gegoogelt: sie spricht auch Spongebobs Freundin Sandy Cheeks! Ich habe bei diesem Hörbuch immer wieder dieses Eichhörnchen mit dem Goldfischglas auf dem Kopf vor mir gesehen. Aber immerhin dürfte ich so eine Bildungslücke geschlossen haben…

Musik spielt bei diesem Kli-Kla-Klangbuch eine große Rolle. Es sind sehr viele verschiedene Musikstücke zu hören, die mal rasant, mal geheimnisvoll und dann wieder einfach nur fröhlich und lebhaft klingen. Ich habe mich manches Mal erwischt, wie mein Fuß mitgewippt hat. Das dürfte ganz sicher etwas für Kinder sein. Die Geräusche sind ebenfalls sehr gut gelungen und sorgen beispielsweise für echte Dschungelatmosphäre.

Ich muss es nochmal sagen: Himmel, ist Pommes niedlich wie er da mit seiner Frittentüte im Urwald steht! Diese Löffel alleine! Zum Knuddeln! Aus dem eher düsteren Dschungelhintergrund wird er von einigen Augenpaaren beobachtet. Das macht neugierig, zu wem die Augen gehören könnten.

Fazit:  Eine spannende und lustige Geschichte mit einem liebenswerten Helden. Hier wird schön aufgezeigt, dass in jedem ganz eigene Talente stecken und es manchmal eben erst einen Anlass braucht, damit man sie entdeckt. Außerdem macht die Geschichte ganz schön Hunger auf Pommes rot-weiß. Ihr findet mich daher sicher bald an einer Frittenbude 😉

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