Mystery

Porterville – Staffel 2 – Folgen 07 – 12

Titel: Porterville – Staffel 2 – Folgen 07 – 12 / Verlag: Folgenreich / Spielzeit: ca. 11 Stunden / Sprecher: Jürgen Thormann, Udo Schenk, Charles Rettinghaus, Gordon Piedesack, Martina Treger

porterville02Inhalt: Transfer beendet, verkündet die Computerstimme aus den beiden Lautsprechern, und mit einem hellen Piepton schaltet sich der Außenmonitor wieder ein. Doch da draußen ist … nichts.
Nichts außer dichten, weißen Schwaden.
Keine Welt. Kein Sein. Nur Nebel.


Weiter geht es mit der Mystery-Reihe um Porterville. Auch die zweite Staffel umfasst wieder sechs Gechichten um diese seltsame Stadt. Eigenartigerweise konnte ich alle sechs Geschichten nur über den PC hören. Drei weitere Abspielgeräte verweigerten mir in Summe ganze drei Geschichten. Falls das Absicht ist, dann verstehe ich diesen Gag nicht wirklich. Vielleicht soll es das Mysteriöse der Reihe unterstreichen…?
Nachdem ich von der ersten Staffel nur so halbwegs angetan war, hat mir Staffel 2 nun eine ganze Spur besser gefallen. Hauptsächlich, weil ich den Eindruck hatte, dass die Grundlagen in Staffel 1 gegeben wurden und Staffel 2 nun bereits eine gewisse Entwicklung zeigt. In dem Sinne, dass man  Ereignisse und Personen aus der ersten Staffel hier wieder antrifft, in ganz anderen Geschichten, die sich thematisch um andere Dinge drehen.  So erweitert sich das Bild von Porterville und hier und da gab es sogar mal den einen oder anderen Moment, an denen ich ein winzig kleines Aha-Erlebnis hatte. Denke ich jedenfalls, ich traue es der Reihe aber auch zu, dass sie mich komplett an der Nase herumführt.
Jedenfalls hat mich dieses Wiederhören einiger Figuren und das Zurückgreifen auf Vorkommnisse in Geschichten der ersten Staffel hier bei Staffel 2 deutlich eher bei Laune gehalten. Immerhin möchte man ja wissen, wie sich die Story um diese geheimnisvolle Stadt weiterentwickelt. Und natürlich hofft man stetig darauf, dass sich irgendwann ein klareres Bild davon einstellen wird. Ein paar interessante Details um die Stadt bekommt man hier auch an die Hand, und sie zeugen zweifelsohne vom Ideenreichtum der Autoren.
Die düstere Stimmung ist auch in Staffel 2 erhalten geblieben und zieht sich durch alle sechs Geschichten. Bei mir hat das einen zwiegespaltenen Eindruck hinterlassen. Wenn zB das Aussehen der Stadt beschrieben wird, oder auch die Technik, mit der hier gearbeitet wird, dann ergibt das ein Bild, das mir eigentlich sehr entgegenkommt. Schön modern. Andererseits hört man unverkennbar heraus, dass diese Stadt alles andere als eine schillernde Metropole ist. Eine gewisse Unschlüssigkeit hinterlässt die Reihe also auf jeden Fall. Aber dies wird ja sicher noch nicht die letzte Staffel gewesen sein. Ich bin gespannt, welche Abgründe sich in Zukunft in der Reihe noch auftun werden und wie letztlich alles zusammenhängt.

Die Geschichten werden gelesen von Charles Rettinghaus, Udo Schenk, Gordon Piedesack, Jürgen Thormann und Martina Treger. Bei diesen Namen hat man hinsichtlich der Sprecher durchweg nichts zu befürchten. Sie fangen die Stimmung ihrer Erzählungen spielend ein und wissen, wie man den Hörer mit wenigen Sätzen für sich einnimmt und ihnen ein Bild der einzelnen Figuren vermittelt. Sehr verschiedene Figuren übrigens, was mir besonders gefallen hat.

Auch die zweite Staffel ist schick eingekleidet in Digipak und einen Schuber. Das Covermotiv gewährt einen düsteren Blick in eine von Portervilles Gassen, was einem schon beim ersten Anblick eine Vorstellung von der Stadt mitgibt. Auf den Seiten des Digipaks findet man wie gehabt kurze Einblicke in die einzelnen Geschichten, die zwar nicht wirklich viel verraten, aber doch neugierig machen.

Fazit: Mir hat diese zweite Staffeln besser gefallen als die vorige, zumal ich den Eindruck hatte, dass sich die Story durchaus bereits weiterentwickelt. Bekannte Figuren tauchen wieder auf und werden näher beleuchtet, es wird auf gewisse vorige Ereignisse Bezug genommen und darauf aufgebaut. Es ergibt sich also allmählich ein Bild von Porterville. Kein eindeutiges, versteht sich. Aber ich denke, das wird. Und bis dahin wissen die Geschichten mit vielfältigen Ideen zu überraschen.

Vollmond über den Moor (Laurie Bridges / Paul Alexander)

Linda, deren Mutter schon lange tot ist, freut sich wahnsinnig, dass sie für die Monate, die ihre Vater in Südafrika arbeiten wird, bei ihrer Freundin Hetty Clark leben darf. Doch kaum ist sie bei den Clarks eingezogen, da beginnt für Linda ein nicht endenwollender Albtraum. Sie erhält keine Briefe mehr von ihrem Vater, ihre liebsten Sachen werden zerstört, und sie wird von schrecklichen Visionen heimgesucht. Als dann auch noch ihre Freundin Hetty ins Krankenhaus muss, glaubt Linda, das alles nicht mehr aushalten zu können, und spricht mit ihrem Freund Ron. Der widerum vertraut sich Ben Davis an.  Doch Ben, der sehr wohl weiß, wem diese Dinge – und schlimmere- zuzutrauen wären, schweigt. Bis zu jeder verhängsnisvollen Vollmondnacht, die alles entscheidet.

Als dieses Heft erschien, war ich gerade mal zehn Jahre alt. Ich weiß noch, wie gut mir diese Reihe damals gefallen hat. Allerdings schätze ich, dass ich damals recht kritiklos war. Da war mir vermutlich jede Story recht, Hauptsache sie versprach gruselig zu sein und ich durfte sie lesen.
Nun habe ich einen kleinen Stapel alter Hefte ergattert und möchte mal schauen, ob mir die Geschichten immer noch so gut gefallen.
Scheinbar habe ich aber mit dem falschen Heft losgelegt, denn an dieser Geschichte ist -für meinen Geschmack- so gar nichts dran. Natürlich, Voodoo ist ein beliebtes Thema für gruselige Geschichten, und genau darum dreht sich auch “Vollmond über dem Moor”. Leider wird das Thema hier nur ganz, ganz nahe an der Oberfläche behandelt. Die Leute aus den Sümpfen (genauere Bezeichnungen finden sich nicht) praktizieren seit Jahren diese Kunst, und die kann nicht nur Gutes bewirken, sondern auch Böses. Dafür benötigt man lediglich besagte Herkunft und allerlei obskure Zutaten, dann kann man viele verschiedene Zauber wirken. Und jemandem wie Linda damit Angst einjagen. Fertig.
Da es so oberflächlich zugeht, fehlt es es den Szenen auch durchweg an Atmosphäre. Ich wusste zwar, wann der Moment gewesen wäre, mich zu gruseln…aber es ging nicht. Weshalb hätte ich mich bei so schnell abgehandelten Passagen bitte gruseln sollen? Und ehe nun jemand fragt, was ich an Grusel von diesen Groschenromanen erwarte: ich kann mich gut an Hefte erinnern, die mich tatsächlich das Gruseln gelehrt haben! Solche gibt es in der “Mystery”-Reihe also auch!
Das zweite große Manko sind die Charaktere, denen es durchweg an Tiefe fehlt. Die unschuldige Linda, die selbstlose Hetti, der nette Ron…keiner hier hat auch nur irgendeine kleine Ecke, die für Persönlichkeit sorgen könnte. Und unter uns: über den Namen “Hetti” kann ich nur den Kopf schütteln. Eventuelle “Hettis”, die diese Rezi lesen, mögen es mir verzeihen. Ich würde das sicher anders sehen, wenn ich diese Hetti hier gemocht hätte.
Das Ende hat mir dann aber doch noch einigermaßen gefallen. Denn das spielt tatsächlich mal in den Sümpfen, und ich mag gruselige Storys, die in Sümpfen spielen. Außerdem wird es hier schon ein wenig spannend, jedenfalls im Vergleich zum vorigen Geschehen. Aus der Idee mit dem Sumpfmonster, dem Fin Critter, hätte man aber gerne mehr machen dürfen. Dem wäre ich gerne noch begegnet! Auch wenn ich nicht weiß, was das genau sein soll. Ich habe den Begriff bei google eingegeben und in der Bildersuche kommen da teilweise echt niedliche Bilder bei heraus. Aber so ein Fin Critter als beißwütiges, schuppiges Wesen…doch, das hätte mir gefallen.

Wenn man sich zwei, drei Stunden wirklich zum Lesen hinsetzt, hat man solch ein Heft normalerweise ausgelesen. Jedenfalls weiß ich, dass das so mein Schnitt ist, wenn mir ein Heft wirklich gefällt. Bei diesem hat es länger gedauert und ich habe oft Pausen gemacht. Erstens wegen der dünnen Story und zweitens, weil es sich auch sprachlich irgendwie holprig liest. Die Dialoge sind meilenweit vom Teenie-Style entfernt. Selbst von dem vor 24 Jahren. Eventuell liegt das aber auch an der Übersetzung. Der Titel wurde ja auch alles andere als originalgetreu übersetzt.

Das auf dem Cover sollen wohl Linda und Ron sein. Das wäre zumindest logisch. Nur zu wem gehört bloß diese Krallenhand? Egal, mit der Handlung hat dieses Motiv ohnehin nichts zu tun. Es ist nur reißerisch. Und auch hier gilt: ich weiß, dass die Serie das besser kann! Das ist so ebenfalls nicht typisch Groschenroman! Wenigstens ist man nahe am Original geblieben.

Fazit: Leider eine ausgsprochen dünne Story, die nicht einen einzigen wirklich gruseligen Moment bietet. Dafür aber eine ganze Reihe dürftiger Charaktere. Die Idee mit dem Fin Critter hätte noch was rausreißen können, dafür hätte sie aber weiter ausgereizt werden müssen, und das ist so gar nicht der Fall.


Titel:  Mystery – Wenn es dunkel wird (08/88) – Vollmond über dem Moor (Original-Titel “Dark Forces Swamp Witch”)
Autor: Laurie Bridges / Paul Alexander
Seiten:  96
Verlag: Cora Verlag
Preis 1988:  € DM 2,30

Amadeus (Partitur 1) – Wolferl

Titel: Amadeus (Partitur 1) – Wolferl / Verlag: Hörplanet / Spielzeit: / Sprecher: Tim Knauer, Kim Hasper, Frank-Otto Schenk, Thomas Petruo ua

Inhalt: Es war im Frühjahr 1781. Wir hatten unsere Reise nach Wien unterbrochen und in einer kleinen Poststation Halt gemacht. Dort gingen furchterregende Dinge vor sich. Was mochte dem armen Mädchen widerfahren sein, das am ganzen Leib zitterte und unentwegt ins Feuer starrte? Und welch blutiges Schicksal war dem Gangleder beschieden, den wir tot auf dem Häußgen fanden – grausam zugerichtet und mit geraubtem Herzen. Mit dem Mute der Verzweiflung folgten Amadeus und ich der Blutspur des Mörders.


Diese Hörspielreihe hatte ich bislang ganz bewusst gemieden. Keine Lust auf Historisches, keine Lust auf eine Lehrstunde über Mozart, vielen Dank!
Aber irgendwie und irgendwann habe ich mich dann doch erweichen lassen und mir zumindest Folge 1 angehört. Was soll ich sagen? “Wolferl” hat mir tatsächlich gefallen. Meine Allergie gegen Historisches hat hier ein wirkungsvolles Gegenmittel gefunden: Humor! Für mich ist der Humor dieser Folge ganz klar der größte Pluspunkt! Auch wenn ich Amadeus anfangs als etwas aufgedroht bzw überdreht empfunden habe, habe ich mich doch sehr über seinn loses Mundwerk und seine Sprüche amüsiert. Erfreulicherweise keine Spur vom wie befürchtet ernsthaften und altmodischen Mozart! Eine weitere Überraschung war für mich die Handlung an sich, die keineswegs einer Lehrstunde gleicht, sondern äußerst mysteriös und stellenweise sogar sehr gruselig daher kommt. Mit sowas bekommt man mich schnell!   Natürlich, wer bereits die eine oder andere Geschichte um einen solchen “Mörder” kennt, der ahnt recht bald, mit wem es Amadeus und sein Freund Justus Resch zu tun bekommen. Umso bemerkenswerter, dass es hier gelungen ist, trotzdem für eine solch unheimliche Stimmung und so viel Spannung zu sorgen. Ich bin der Geschichte jedenfalls neugierig und mit einer angenehmen Gänsehaut hier und da gefolgt. Und die Auflösung bietet schließlich noch einen schönen Dreh. Speziell für alle, die sich ihres Verdachts über den Mörder schon so sicher waren 😉
Ob sowas möglich ist, daran darf man zweifeln. Aber erstens darf man sich solche Fragen bei einem Hörspiel wie diesen nicht stellen, und zweitens ist zumindest die Vorstellung sehr reizvoll!

Tim Knauer gefällt mir in der Rolle des Amadeus ganz ausgezeichnet. Eank ihm klingt diese historische Figur wunderbar jung. Außerdem verleiht er ihm einen äußerst gewitzten und humorvollen Ton, der mir Amadeus sofort sympathisch machte. Ein winzige Prise Arroganz ist ebenfalls vorhanden und irgendwie verleiht genau der besagtem Humor noch eine ganz spezielle Würze. Kim Hasper alias Justus Resch zählt ohnehin zu meinen Lieblingssprechern, da konnte also nichts schief gehen. Dank ihm bin ich auch mit dem jungen Arzt schnell warm geworden. Er bildet mit seiner ruhigen und bedachten  einen schönen Kontrast zum quirligen Mozart. In weiteren Rollen sind unter Anderem Frank-Otto Schenk, Thomas Petruo und Harald Effenberg zu hören, die ihren Rollen ebenfalls glaubhaft Leben einhauchen und ihnen unverkennbaren Charakter verleihen.

Mit klassischer Musik kann man mich eigentlich jagen. Doch natürlich wäre eine Hörspielreihe um Mozart undenkbar ohne klassische Musikstücke. Zu meiner Überraschung habe ich mich daran hier nicht eine Sekunde lang gestört. Obwohl einige Stücke recht heiter sind, pfuschen sie Mystery und Grusel nie ins Handwerk. Erstaunlich, aber natürlich wirklich toll! Düstere und unheimliche Melodien sind selbstverständlich dann und wann ebenfalls zu hören. Ein interessante Mischung, die wundersamerweise bestens funktioniert.

Mozart auf dem Cover war für mich -ohne das Hörspiel überhaupt gehört zu haben- der erste Grund, wegen dem ich mich der Reihe verweigern wollte. Iizwischen finde ich, dass er mit seinem ernsten Blick einen reizvollen Kontrast zu dem unheimlichen Bild vom heulenden Wolf im Hintergrund bildet.

Fazit:  “Wolferl” war für mich in jeder Hinsicht eine echte Überraschung! So jung, lebendig und humorvoll hätte ich mir den Komponisten niemals vorstellen können. Dieses mysteriös-unheimliche Abenteuer um ihn und seinen Freund Resch hat mich dann vollends überzeugt. Solche Geschichten mag ich, und diese hier ist wirklich toll in Szene gesetzt worden.

Das Dunkle Spiel (01) – Die Gejagte (L.J. Smith)

Ein gefährliches Spiel um Leben, Tod und eine obsessive Liebe.
Als Jenny ihrem Boyfriend Tom zum Geburtstag ein scheinbar harmloses Brettspiel schenkt, ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Das Spiel entwickelt ein grauenvolles Eigenleben, das Jenny, Tom und ihre Freunde mit ihren schlimmsten Albträumen konfrontiert. Wer sie überwindet, gewinnt. Wer nicht, verliert sein Leben. Nur Jenny kann ihre Freunde retten – wenn sie die Liebe des mysteriösen Schattenprinzen erwidert.

Ich erinnere mich noch gut, wie begeistert ich in den 90ern von dieser Serie war. Damals erschien sie noch als “Super Mystery” im Cora Verlag, also quasi ein besserer “Groschenroman”.
Als ich erfuhr, dass sie nun als Bücherserie herauskommt, war klar, dass ich sie noch mal lesen würde. An alles erinnert man sich nach so langer Zeit doch nicht mehr. Außerdem war ich neugierig, ob ich immer noch so begeistert davon sein würde.
Kurz gesagt: ja, ich bin es immer noch!
Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens gefällt es mir immer, wenn das Grauen aus etwas entsteht, bei dem man es überhaupt nicht erwarten würde, weil es sonst für reines Vergnügen steht. Hier ist es ein Gesellschaftsspiel, das Jennys Party bereichern soll. Gespielt wird mit Figuren in einem dreidimensionalen Papphaus. Coole Sache! Wer rechnet da schon mit etwas Unheimlichen? Doch in genau dieses Haus werden Jenny und ihre Freunde hineingezogen…
Zweitens erinnert mich die Geschichte in einigen Elementen an drei Filme, die mir sehr gefallen. Beispielsweise an “Jumanji”, wo in jedem Raum ein anderes wildes Tier oder eine sonstige Gefahr lauert. Hier müssen sich Jenny und ihre Freunde in jedem Raum ihren Albträumen stellen.
Was direkt zum nächsten Film führt, nämlich zu der Reihe “A Nightmare on Elm Street”. Gewissermaßen müssen sich die Teenies darin ja auch ihren schlimmsten Albträumen stellen. Nur so brutal und blutig geht es in diesem ersten Teil von “Das Dunkle Spiel” natürlich nicht zu.
Film Nummer 3 ist “Die Reise ins Labyrinth” mit David Bowie als Koboldkönig. Genau wie er kann auch Julian verschiedene Gestalten annehmen und er möchte Jenny ebenso für sich wie der Koboldkönig Sarah für sich möchte.
Ich muss auch immer an Bowie denken, wenn ich mir Julian vorstellen. Zwar sieht Julian anders aus, klar, aber er ist ebenso attraktiv und hat eine ganz ähnliche, gefährlich-verführerische Ausstrahlung.
Und Julian ist auch direkt der dritte Grund. Obwohl ich mich für nicht sonderlich anfällig dafür halte, ein wenig für einen Charakter zu schwärmen, so gefällt mir die Vorstellung des Jungen mit den schneeweißen Haaren und Augen “so blau wie das Innere einer Flamme” ausnehmend gut. Man muss aber auch dazu sagen, dass L.J. Smith speziell in solchen blumigen Beschreibungen ihres Finsterlings ausgesprochen kreativ ist.
Jetzt könnte man natürlich den Verdacht hegen, dass L.J. Smith sich großzügig bei diesen Filmen bedient hat. Ich habe selber auch schon daran gedacht. Die “Mysterys” erschienen 1995, soweit ich weiß.  Die Filme zwischen ’84 und ’95. Das käme zeitlich hin, doch diese These ist wohl etwas gewagt.
Und selbst wenn es so wäre: ich mag die Filme. Deshalb würde es mich gar nicht stören. Denn L.J. Smiths Geschichte hat noch immer genug Eigenständigkeit um sich klar davon abzuheben. In Sachen Spannung kann sie auf jeden Fall mithalten, und dafür, dass es eine Geschichte für Jugendliche ist, geht es dann und wann ganz schön heftig zu. Und natürlich ist da noch die Lovestory zwischen Jenny und Julian, die ganz reizvoll ist. Ich persönlich könnte es sogar verstehen, wenn Jenny ihm den Vorzug geben würde, denn außer “toll” ist ihr Freund Tom eigentlich nichts…
Doch für wen sich Jenny schließlich entscheidet, das muss man noch zweit weitere Bände abwarten. Jedenfalls wenn man die Reihe noch nicht kennt 😉

Mt 285 Seiten ist das Buch nicht besonders dick. Zudem haben die Kapitel eine ganz angenehme Länge. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Da es ein Jugendroman ist, liest er sich auch entsprechend leicht. Man kann das Buch gut kapitelweise vor dem Schlafen lesen. Geübte Leser, die die Story ähnlich cool finden wie ich, werden es aber sicher wesentlich flotter ausgelesen haben.

Ich weiß nicht, was ich vom Cover halten soll. So helles, fast weißes Haar hat eigentlich Julian. Aber nach einem Jungengesicht sieht es mir nicht aus. Jenny ist honigblond, sie kann es also auch nicht sein. Von daher frage ich mich, was diese Gesicht auf dem Cover verloren hat? Irgendein recht beliebiges Gesicht auf einem Cover, okay, das kenne ich. Geht in Ordnung. Dann aber bitte ohne eine solch deutliche Ähnlichkeit zu einer der Hauptpersonen, wegen der man sich dann wundert. Mir gefällt das Taschenbuch auch sonst optisch nicht besonders. Auf dem glänzenden Deckeln sieht man jeden Fingerabdruck und die Pappe ist so dünn, dass das Buch selbst nach vorsichtigem und einmaligem Lesen bereits schief bzw rund ist und einen Leseknick hat.

Fazit:  Ich habe mich mit Vergnügen auch 17 Jahre später noch mal auf das Spiel mit Julian eingelassen. Eine spannende Geschichte mit einem faszinierenden Bösewicht, die in einigen Belangen an genannte Filme erinnert. Ich freue mich schon auf die nächsten Abenteuer mit Julian, Jenny und ihren Freunden. Für mich wird diese Reihe immer L.J. Smiths beste Serie bleiben. Aber: sie hat halt auch einen gewissen Nostalgiebonus bei mir!


Titel: Das Dunkle Spiel (01) – Die Gejagte
Autor: L.J. Smith
Seiten: 285
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570380222
Preis: € 8,99 (TB)

Smalltown Girls (Josephine Mint)

Eine kleine Stadt, irgendwo in Deutschland. Hier wohnen Charlie und Lu, Freundinnen seit dem Sandkasten. Die beiden geben ihr Bestes um nicht vor Langeweile zu sterben: Lu hat eine Band, Charlie ist verliebt wie noch nie und freitags wird gefeiert bis zum Morgengrauen. Da stirbt Jakob, Lus wunderbarer Bruder. Ein Unfall? Charlie weiß etwas, das Lu nicht weiß. Und auch nicht wissen will. Es kommt zum Streit und zu einer verhängnisvollen Zugfahrt. Und plötzlich verwandelt sich das Leben der Mädchen in einen Albtrau: Kann es sein, dass auch sie sterben werden?

Gelegentlich gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht genau weiß, wieso ich auf sie aufmerksam geworden bin bzw was mich an ihnen eigentlich genau reizt.
So war es bei den “Smalltown Girls” auch. Das Cover empfand ich als nicht sonderlich Aufmerksamkeit heischend und der Klappentext versprach ebenfalls nicht DIE Story. Jedenfalls für mein Empfinden.
Trotzdem war das Buch an zwei Abenden ausgelesen. Die Story erinnerte mich an die Filmreihe “Final Destination”, die mir prima gefällt. Ich bin gespannt, ob die Auflösung später tatsächlich in diese Richtung zielt.
Bisher ist das noch nicht abzuschätzen. Ich bin nicht einmal ganz davon überzeugt, dass mit Charlie, Lu und Sunshine wirklich etwas Übersinnliches vor sich geht. Es sieht zwar danach aus, aber eindeutig ist es für mich bisher nicht.
Charlie und Lu sind auch total verschieden. So zieht Charlie durchaus Übersinnliches wie eine Prophezeiung  in Betracht. Lu dagegen will davon lange Zeit nichts wissen. Erst als Sunshine auf undurchsichtige Art zu den Freundinnen stößt und vermittelt, denkt Lu über Charlies Theorie zumindest nach.
Diese Gegensätzlichkeit der Freundinnen hat mir gefallen, denn diese so verschiedenen Einstellungen lassen einen zusätzlich grübeln, ob man es mit etwas Übersinnlichen zu tun hat, oder nicht. Jeder von ihnen hat überzeugende Argumente auf Lager. Sympathisch fand ich Charlie und Lu seit Anfang an, und ihre Gegensätzlichkeit sorgt zudem für gewissen Zündstoff.
Mir hat es speziell gefallen, dass man trotz all der mysteriösen Vorkommnisse und bislang unbeantworteter Fragen nie das Gefühl hat, total “im Wald” zu stehen und nichts zu verstehen. Weder während des Lesens, noch danach. Die Geschichte bietet ein gesundes Maß an Mystery auf und ist nicht so sehr damit überladen, dass man auf jeder Seite ein Detail antrifft, das man in seine Überlegungen einbeziehen muss. Man hat die hauptsächliche Handlung und drum herum eine Hand voll weiterer interessanter Details. Damit kann man knobeln ohne überfordert zu werden.
Verblüfft hat “Smalltown Girls” mich damit, wie offenherzig es mit manchen Themen umgeht. Charlie will nicht fremdbestimmt sterben. Also nimmt sie ihren Tod selbst in die Hand.
Kommt eine Droge für die unheilvolle Vision infrage? Das lässt sich nur beantworten, wenn man es ausprobiert.
Es ist also sinnig, dieses Buch nur jungen Lesern in die Hand zu geben, die nicht alles für bare Münze nehmen und für nachahmenswert halten.
Für eine Story, die auf einem kleinen Dorf in Deutschland spielt, geht es hier ganz gut zur Sache. Womit mal wieder bewiesen wäre, solche Geschichten funktionieren auch dort ganz ausgezeichnet. Bei mir hatte “Smalltown Girls” alleine schon durch diesen Schauplatz einen Stein im Brett.
Ich bin also sehr gespannt auf die Fortsetzung! Nur etwas atmsphärischer dürfte es gelegentlich zugehen. Bestimmt Szenen geben das ganz klar her, aber Charlies flapsige Erzählweise untergräbt es leider oft.

Dabei mag ich ihren Erzählstil wirklich! Er ist mit dafür verantwortlich, dass ich “Der Tod kommt selten allein” so schnell ausgelesen hatte. Jugendlich, sehr locker und flott weg. Da ist Tempo drin und entsprechend zügig und unterhaltsam liest es sich.

Auch wenn mich das Cover nicht vom Hocker gehauen hat, so gefällt es mir doch. Ich mag das kräftige Violett und die Darstellung der Mädchen, deren Körper unterhalb des Gesichts mit in den Hintergrund einfließen. Rund um die Köpfe sieht das Motiv ein wenig wie ein sehr altes Dokument oder Bild aus. Das hat einen gewissen Charme.

Fazit: Mir hat dieser erste Teil der “Smalltown Girls” sehr gut gefallen. Sie Reihe lässt sich vielversprechend an. “Der Tod kommt selten allein” ist spannend, geheimnisvoll und rasant. Eine prima Mischung für einen Jugendthriller. Ich traue der Reihe noch so manche Überraschung zu. Deshalb freue ich mich auch schon darauf, im November zu den drei Mädchen in ihr kleines Dorf zurückkehren zu dürfen.


Titel: Smalltown Girls (01) – Der Tod kommt selten allein
Autor: Josephine Mint
Seiten: 256
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3407811066
Preis: 14,95  (HC)

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