Nacht

Die Nacht (Guillermo del Toro / Chuck Hogan)

Die Nacht von Guillermo Del ToroDie Menschheit am Abgrund. Eine geheimnisvolle Seuche hat den Planeten befallen und die meisten Menschen in blutrünstige Vampire verwandelt. Tief unter der Erde hat eine kleine Gruppe von Menschen überlebt, doch ihr Kampf gegen die Vampire scheint aussichtslos. Nur ein Mythos aus uralter Zeit birgt die letzte Hoffnung für unsere Zivilisation. Aber dieser Mythos birgt auch den völligen Untergang.

Diese Reihe ist für mich eine reine Achterbahnfahrt. Band 1 fand ich richtig klasse. Band 2 hat mich mit dem ganzen Mythologiekrams tierisch gelangweilt. Mit Band 3 geht es jetzt glücklicherweise wieder etwas bergauf.
Inzwischen ist die ganze Welt den Vampiren zum Opfer gefallen, der Himmel ist nahezu ständig schwarz und wer kein Vampir geworden ist oder ihnen dient, der schwebt in ständiger Lebensgefahr. So wie die kleine Gruppe um Ephraim Goodweather, die nachwievor versucht, den Vampiren ihr Ende zu bereiten, und Ephraims Sohn zurückzubekommen.
Zu meiner Erleichterung ist der mythologische Hintergrund der Vampirinvasion hier nur noch in gelegentlichen Andeutungen ein Thema. Stattdessen konzentriert die Handlung sich ganz darauf, die Vampire zu vernichten und Ephraims Sohn Zack zurückzuholen. Die Frage, ob und wie ihnen beides gelingen wird, sorgt für die meiste Spannung in diesem Teil. Und auch wenn ich fand, dass ihnen so Manches etwas zu leicht gelingt, so haben mich diese Fragen bis zum Schluss gut bei der Stange gehalten.
Neugierig war ich auch auf Zacks Entwicklung, der unter der Fuchtel des Meisters steht. Viele seiner Handlungen (zB das Töten eines Tieres) haben mir den Bengel zwar alles andere als sympathisch gemacht, aber ich war doch gespannt, was der Meister mit ihm vor hat bzw aus ihm machen würde.
Hinzu kommt, dass ich die Darstellung der Vampire hier noch immer besonders schaurig und vor allem auch eklig finde. Solche Vampire sind mir noch in keinem Buch oder Film begegnet und ich freue mich immer, wenn in dieser Hinsicht etwas Neues aufgeboten wird. Alleine aus diesem Grund würde ich mir ja wünschen, jemand würde diese Trilogie auf die Leinwand bringen.
Was die Charaktere anbetrifft, haben sich mein Interesse und auch meine Symapthien ziemlich gedreht. Stand für mich bisher Ephraim im Vordergrund, so konnte ich mit ihm hier kaum noch etwas anfangen. Klar, gelegentlich habe ich seinen Mut schon bewundert, doch leider ist er inzwischen zu einem von Selbstzweifeln zerfressenen Junkie geworden. Mit seinem ständigen Lamento über den Verlust von Zack und seinem alten Leben ging er mir manchmal gut auf die Nerven. Natürlich ist seine Situation schrecklich! Die der anderen aus seiner Truppe aber ebenfalls! Und von denen tröstet sich auch niemand ständig mit Prinz Valium und Konsorten!
Überraschend, dass Ephraim am Ende doch noch so beherrscht und berechnend vorgeht, aber das musste wohl so sein um das Ende so zu gestalten wie es nun mal ist. Sonderlich glaubhaft fand ich es allerdings nicht, dass jemand, der so drauf ist wie er, so etwas noch über die Bühne kriegt.

Dieser Band las sich vergleichsweise leicht. Es sind druchweg recht kurze Kapitel, immer mal wieder wechselt auch das Schauplatz und die Charaktere, die gerade im Mittelpunkt stehen. Das sorgt für Abwechslung und so hat man schnell ein paar Kapitel geschafft und ist ein gutes Stück vorangekommen. Über die paar Szenen, die sich etwas ziehen, konnte ich so gut hinwesehen.

Der Look orientiert sich an den Vorgängern. Die Farbe entspricht wieder ganz dem Titel und spätestens mit diesem Schwarz dürfte schon vor der ersten Seite klar sein, dass es die Menschheit nun endgültig erwischt hat und die Aussicht auf Rettung gering ist. Das Blutrot bildet einen schönen Kontrast und noch immer mag ich den geprägten Schriftzug. Da habe ich gerne mal drübergestrichen.

Fazit:  Ein in verschiedener Hinsicht spannender und düsterer Abschluss der Trilogie. So bin ich mit der Reihe nun doch wieder ganz versöhnt, auch wenn das nach Teil 2 nicht danach aussah. Wem es also ebenso geht: durchhalten. Es lohnt sich für Teil 3, da geht’s wieder aufwärts.


Titel: Die Saat
Autor: Guilleromo del Toro / Chuck Hogan
Seiten:  432
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453266506
Preis:  € 19,99 (HC)

Kli Kla Klangbücher – Sandmännchen geht leise, leise auf die Reise (Ingrid Uebe / Matthias Haase)

Titel: Kli Kla Klangbücher – Sandmännchen geht leise, leise auf die Reise / Verlag: Headroom / Spielzeit: ca. 55 min / Buch: Ingrid Uebe /Sprecher: Matthias Haase, Christin Grave, Max Palm, Celine Vogt, Hermann Lause ua

sandmannInhaltJeden Abend macht sich das Sandmännchen auf eine lange Reise. Wo immer kleine Piratenmädchen, Tiere oder Gespensterchen nicht einschlafen können oder wollen, hilft es mit feinem Traumsand ein wenig nach. Und wer ganz leise mit ihm auf Traumreise geht, erfährt auch, wo das Sandmännchen selber wohnt und wer sein neuer Freund wird.


Dies ist nun schon mein drittes Klangbuch vom Headroom Verlag. Wer kennt es nicht, das Sandmännchen? Dieses geheimnisvolle Geschöpf, dessen Sand man sich morgens aus den Augen reibt. Mit diesem Klangbuch lernt man das Sandmännchen noch mal besser kennen, denn man begleitet es bei seiner abendlichen  Aufgabe: Menschen, Tieren und überhaupt allen Wesen den Schlaf zu bringen. In insgesamt zehn Kapiteln bzw Tracks besucht es sowohl Prinzessinnen, als auch Hunde und Gespenster. Somit hört man auf dieser CD sogar gleich mehrere Geschichten, denn bei jedem gibt es andere Gründe, weshalb er oder sie nicht schlafen können (oder wollen). Mir haben die kleinen Geschichte prima gefallen. Sie sind abwechslungsreich, niedlich und eignen sich prima dazu, jeden Abend eine andere anzuhören. Am besten natürlich vor dem Einschlafen. Und auch wenn hier das Sandmännchen unterwegs ist und sogar eine Stimme hat, wird trotzdem nicht zuviel über es verraten. So bleibt dieser Phantasiegestalt das Geheimnisvolle erhalten, das einfach zu ihr gehört. Ich denke außerdem, dass sich in diesen Geschichten beide Seiten wiederfinden werden: Einmal natürlich die Kinder, denn welches Kind geht schon freiwillig ins Bett, wenn es doch gerade so schön ist? Ihnen macht die Vorstellung eines so niedlichen Sandmanns das Schlafgehen vielleicht etwas schmackhafter. Aber auch Eltern werden hier die eine oder andere Situation wiedererkennen, da bin ich mir ganz sicher. Und zu erfahren, dass selbst Hexen ihre liebe Not mit den lieben Kleinen haben, wenn es um’s Schlafen geht…wenn das kein Trost ist? 😉 Keine Sorge übrigens was die Hexen und Gespenster angeht! Sie alle sind sehr lieb und freundlich, und niemals gruselig.

Wurden “Die große Wörterfabrik” und “Wenn die Ziege schwimmen lernt” gelesen, so kann man das “Sandmännchen” guten Gewissens als Hörspiel bezeichnen. Hier sind gleich mehrere Sprecher am Werke. Als Erzähler ist Matthias Haase zu hören, der mit warmer und ruhiger Stimme genau den richtigen Ton dafür trifft. Dem Sandmännchen selber leiht Hermann Lause seine Stimme über die ich anfangs sehr erstaunt war. Ich hatte mir eine kindlichere Stimme dafür vorgestellt. Das ist nicht der Fall, aber er klingt pfiffig und liebenswert und hat mich einige Male zum Schmunzeln gebracht. In den Geschichten sind uA zu hören Reinhart Schulat, Peter Nottmeier, Max Palm und Gisela Zülch.

Musik spielt natürlich wieder eine große Rolle. Kaum ein Moment, der nicht von Klängen und / oder Musikstücken untermalt wird. Es sind schöne und meist ruhige Stücke, hin und wieder geht es aber auch lebendiger zu, beispielsweise in der Piratengeschichte. Der Stil der Stücke ist stets auf den Inhalt abgestimmt, so klingt es bei  der Piratengeschichte schwungvoll-maritim aus den Lautsprechern. Bin ich übrigens die Einzige, die Sandmännchens gepfiffenes Liedchen irgendwie an “Viva Colonia” erinnert…? Neben der Musik sind auch Geräusche zu hören. Nicht zu viele, um die jungen Hörer nicht zu überfordern, aber doch einige, die das Geschehen vorstellbar machen.

Ein Covermotiv, das ich mir gut als Glanzbild vorstellen könnte (na, wer kennt noch die Glanzbilder von früher? ;)). Märchenhaft, schön bunt und ein wenig geheimnisvoll.

Fazit:  Dieses Klangbuch ist mein Favorit unter den Dreien, die ich bisher gehört hatte. Schöne kleine Geschichten um ein Geschöpf, das einen von Kindesbeinen an begleitet. Untermalt von stimmigen Musikstücken und zu Gehör gebracht von durchweg sympathisch klingenden Sprechern. Einige der Geschichte haben mich an die alten Hörspiele erinnert, mit denen ich früher eingeschlafen bin. Das gibt noch einen Nostalgiepunkt obendrauf.

In dieser ganz besonderen Nacht (Nicole C. Vosseler)

besonderenachtNach dem Tod ihrer Mutter muss Amber, die in einer deutschen Kleinstadt gelebt hat, nach San Francisco ziehen – zu ihrem Vater, den sie kaum kennt. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Eines Abends begegnet sie dort in einem leer stehenden Haus Nathaniel, einem seltsam gekleideten Jungen. Er scheint der Einzige zu sein, der sie versteht. Aber er bleibt merkwürdig auf Distanz. Als Amber den Grund dafür erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg: Nathaniel stammt aus einer anderen Zeit und die beiden können niemals zusammenkommen. Doch in einer ganz besonderen Nacht versuchen die beiden das Unmögliche.

Diese Rezi wird eine kleine Premiere, aber das Buch bietet es einfach an. Es unterteilt sich nämlich in drei Teile, und da alle drei Teile bei mir einen jeweils ganz anderen Eindruck hinterlassen haben, teile ich auch diese Rezi so ein.
Los geht es mit dem ersten Teil “The city by the Bay”.
Dieser Teil war zum größten Teil so gar nicht mein Fall. In erster Linie, weil ich mit Amber überhaupt nicht zurechtkam. Natürlich hat sie Schreckliches durchlebt, natürlich kann ich mir vorstellen, dass sie sich nur sehr ungerne einfach von Deutschland nach San Francisco verpflanzen lässt, natürlich ist sie ein Teenager und da stehen Vernunft und Einsicht gerne mal hintenan. Mir tat es aber schlicht in der Seele weh, wie sie mit ihrem Vater umspringt, der sich wirklich alle nur erdenkliche Mühe gibt, ihr den Start in den USA angenehm zu gestalten. Sie hat dort wirklich nichts auszustehen und gibt sich doch so fürchterlich bockig. Das hat mir gar nicht gefallen. Schwierigkeiten haben mir auch die sehr, sehr ausführlichen Beschreibungen der Stadt bereitet. Ich denke, wenn sie etwas kürzer ausgefallen wären, hätte es immer noch gereicht um sich alles gut vorstellen zu können. Vor allem ist die Geschichte ja aus Ambers Sicht geschrieben, und dass ein Teenager einen solch feinen Blick für zB Architektur hat, das habe ich nicht glauben können.
Mein Highlight -übrigens durch das ganze Buch hindurch- war Matt, den man bereits in diesem ersten Teil kennenlernt. Den lieben Paradiesvogel mochte ich vom ersten Moment. Nathaniel taucht ebenfalls schon in diesem Teil auf, und wird dann in Teil 2 “Zwischen zwei Welten” eine ganz wichtige Rolle.
Der zweite Teil kam mir eher entgegen, denn mit Nathaniel taucht jemand auf, der Amber das Leben in San Francisco deutlich schmackhafter macht. Damit schraubt sich ihr Widerstand ihrem Vater gegenüber herunter, worüber ich mich gefreut habe. Da mochte ich Amber auch gleich sehr viel lieber. Zudem wird in diesem zweiten Teil so richtig deutlich, wie sehr sie an ihrer verstorbenen Mutter hing und wie sehr sie sie vermisst. Das kam im ersten Teil noch nicht so rüber, so dass manche ihrer Verhaltensweisen dort nachvollziehbarer für mich wurden. Im Nachhinein quasi. Teil zwei hat schöne und romantische Szenen zwischen Amber und Nathaniel, so wie ich es mir für eine übersinnliche Lovestory vorgestellt hatte. Interessant wird es vor allem dadurch, dass immer wieder Passagen vorkommen, in denen Nathaniel von sich und seinen Gefühlen für Amber erzählt. Speziell zum Ende hin klingt hier und da aber auch durch, dass Amber sich von einem echten Freund sehr viel mehr erwartet als Nathaniel ihr bieten kann, und so ahnt man bereits hier die Schwierigkeiten, die Teil 3 bereithalten wird.
Teil 3 – “Auf der anderen Seite”– ist mein Favorit des Buches. Einfach weil Amber sich mit ihrem Vater aussöhnt und weil inzwischen eine nette Clique um sie herum existiert, die eine unerwartete Gemeinsamkeit mit ihr haben. Der Zusammenhalt zwischen ihnen kommt hier deutlich rüber und ich mochte jeden von ihnen, so verschieden sie sind. Hier spielt endlich die Nacht aus dem Titel eine Rolle, die Amber und Nathaniel wahrnehmen um sich einmal wirklich nahe sein zu können. Doch diese Nacht hat ungeahnte Folgen, die mir diesen Teil so richtig schön spannend gemacht haben.
Das ist ab und zu tatsächlich leicht gruselig und man hat mehrere Gelegenheiten, um Amber zu bangen. Mir hat auch die Konsequenz aus diesen Folgen gefallen, da habe ich oft mit Amber gelitten. Das Ende dann macht widerum Hoffnung und hat mich zu Tränen gerührt.

Ambers Erzählton ist zwar eigentlich jugendlich und weitgehend locker, aber diese ewig langen Beschreibungen der Stadt haben meinen Lesefluss teilweise ganz ordentlich ausgebremst. Wie gesagt, da hätte es für mich gern eine Schippe weniger sein dürfen. Nathaniels Parts dann haben das aber noch mal ein Stück weit aufgelockert. Die Kapitel haben eine gute Länge, nicht zu lang, nicht zu kurz, so kann man das Buch gut etappenweise lesen.

Das Covermotiv mag ich, schön blau 😉 Mir gefällt vor allem die schattenhafte Darstellung von Amber als offensichtlich echter Mensch, und daneben Nathaniel, bei dem sich durch die Lichtschlieren andeutet, dass er eben kein richtiger Mensch ist. Und der Mond darf bei einer Geschichte um eine Nacht natürlich nicht fehlen.

Fazit:  Der Start mit “In dieser ganz besonderen Nacht” ist mir unheimlich schwer gefallen. Ich dachte, das wird nie was mit Amber und mir. Zudem war es mir -komplett durch das Buch hindurch- zuviel mit den ausführlichen Stadtbeschreibungen. Es wurde dann aber Dank Nathaniel besser. Die Liebe zu ihm stimmt Amber milder. Zum Ende hin, im dritten Teil, hat mir das Buch dann richtig gut gefallen. Hier wurde es wirklich spannend und dramatisch, und gekrönt wird es schließlich von einem schönen und hoffnungsvollen Ende.

Die Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: In dieser ganz besonderen Nacht
Autor: Nicole C. Vosseler
Seiten: 576
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570155349
Preis: 18,99 (HC)

Stimmen in der Nacht (Laura Brodie)

stimmenindernachtEine harmlose Studentenparty in einer kleinen amerikanischen Universitätsstadt endet mit einem Ausbruch von Gewalt im Haus der Dozentin Emma. Ihre kleine Tochter Maggie hat alles mit angesehen.Zehn Jahre später kommen die Erlebnisse von damals wieder hoch: Maggie, inzwischen fünfzehn, wird von alten Albträumen gequält, hat Probleme in der Schule, schwänzt den Unterricht. Sie selbst weiß nur, dass ihr ihre neue Mathelehrerin, die ihr nie ins Gesicht sieht, unheimlich ist. Warum löst Grace, die Lehrerin, die altbekannten Ängste in Maggie aus, die längst überwunden schienen? Und was ist vor zehn Jahren wirklich geschehen?

Von diesem Buch hatte ich mir eine Menge versprochen! Der Klappentext klang genau nach meinem Geschmack und verhieß für mich eine spannende Geschichte.
Im Nachhinein jetzt muss ich aber leider zugeben, dass mir das Buch nicht wirklich gefallen hat.
Dabei begann es verheißungsvoll mit einer Schilderung der verhängnisvollen Nacht. Mir hat daran gefallen, dass man auch am Ende dieses Prologs gar nicht genau weiß, was eigentlich geschehen ist. Es gibt gut und gerne zwei Möglichkeiten, wie die Situation geendet haben könnte. Deshalb hatte ich mich darauf gefreut, die Antwort auf diese Frage vielleicht während des Lesens für mich erknobeln zu können.
Erfreulicherweise klärte auch der folgende Teil der Geschichte diese Frage nicht auf. Ich war mir trotzdem sicher, die Antwort zu kennen. Einfach weil ein bestimmter Eindruck so selbstverständlich erweckt wird, dass ich sicher war, es könne nicht anders sein. Auch wenn es die weniger erfreuliche Möglichkeit gewesen wäre.
In der ersten Häfte  des Buches ist man als Leser quasi mit der 15jährigen Maggie zusammen, die mir schnell symapthisch wurde. Man lernt sie in Ruhe kennen, erfährt von ihren Problemen und Sorgen was die Schule und eben auch diese schicksalhafte Nacht angeht. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie sie diesem seltsamen Gefühl einer  Lehrerin gegenüber auf die Schliche kommt und mit der daraus folgenden Erkenntnis umgeht. Zudem habe ich mir oft Sorgen gemacht, wie diese Lehrerin auf Maggies Geständnis reagieren würde. Ich traute ihr so einiges zu.
Maggies Erkenntnis ruft in der zweiten Hälfte dann ihre Mutter auf den Plan. Den größten Teil dieses zweiten Teils begleitet man also Emma und erhält Einblick in ihr Leben und vor allem in ihre Gedanken. Und genau damit begab sich meine anfängliche Begeisterung auf eine steile Talfahrt.
Ich glaube ja gerne, dass eine solche Nacht Spuren hinterlässt. Spuren seelischer Natur. Ich glaube auch gerne, dass man sich darüber immer wieder Gedanken und Vorwürfe macht! Zweifellos! Doch ich hatte den Eindruck, dass es in dieser Hälfte die ganze Zeit nur darum ging! Ich habe es sogar einmal riskiert, einfach drei Seiten zu überspringen um zu sehen, ob mir dabei etwas Wesentliches entgeht. Nein, mir war nichts entgangen (ich habe die drei Seiten anschließend natürlich doch noch gelesen um sicher zu sein!), allenfalls die siebenunddrölfzigste Neuformulierung von Emmas Selbstvorwürfen. Sorry, aber ich hatte schon spätestens nach fünfmal begriffen, wie schwer sie die damaligen Ereignisse auch heute noch nimmt. Deshalb hat mich dieser ewig gleiche Jammer schließlich genervt. Da hat es dann auch nichts mehr rausgerissen, dass Maggie später auch in diesem Teil wieder dabei ist.
Auch das Ende hat mir nicht besonders zugesagt. Ganz ehrlich, für das, was in dieser Nacht -und vor allem auch danach- mit Emma   passiert ist, dafür hätte ich mir schon eine etwas rabiatere Vergeltung gewünscht. Das war mir hier einfach zu lasch. Und ich fand es auch nicht glaubhaft, dass Emma sich damit zufrieden gibt. Verständnisvolle und intelligente Profesorin hin oder her. So heilig kann kein Mensch sein!

Die erste Hälfte las sich eigentlich ganz flott. Neben vielen erzählenden Passagen gibt es auch zahlreiche Dialoge. Eine gute Mischung! Im besagten zweiten Teil nahmen die erzählenden Passagen dann überhand, und ich habe mich teilweise wirklich hindurchgequält.

Das Cover hat mir schon immer gefallen und ich mag es auch jetzt noch. Diese kräftigen, aber doch düsteren Grüntöne sind toll und erwecken einen geheimnisvollen Eindruck. Außerdem finde ich, dass das Mädchen irgendwie etwas traurig schaut. So als habe sie ein unschönes Geheimnis. Das würde zur Geschichte passen.

Fazit:  Das Buch begann wirklich verheißungsvoll, und die erste Hälfte hat mir gut gefallen. Ich bin der Handlung gespannt gefolgt und war neugierig, was noch alles geschehen würde. Die zweite Hälfte hat den guten Eindruck dann aber schnell zunichte gemacht. Die ewigen Vorwürfe gingen mir irgendwann auf die Nerven. Und wenn ich mehrere Seiten überspringen kann ohne hinterher das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben, dann stimmt da was nicht. Das lasche Ende hat dann sein Übriges dazugetan.


Titel:  Stimmen in der Nacht
Autor: Laura Brodie
Seiten:  336
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249126
Preis:  € 14,90 (broschiert)

Stimmen in der Nacht (Laura Brodie / Laura Maire, Dana Geissler, Ulla Wagner, Thomas Wenke)

Titel: Stimmen in der Nacht / Verlag: Audiomedia / Spielzeit: ca.355 min / Buch: Laura Brodie / gelesen von: Laura Maire, Ulla Wagner, Dana Geissler, Thomas Wenke

stimmennachtInhalt: Eine harmlose Studentenparty endet mit einem Ausbruch von Gewalt im Haus der Dozentin Emma. Ihre kleine Tochter Maggie hat alles mit angesehen. Neun Jahre später kommen die Ereignisse von damals wieder hoch – und die alten Ängste erwachen erneut in Maggie. Was ist damals wirklich geschehen?


Diese Geschichte ist für mich ein sehr zweigeteilte Angelegenheit. Will heißen, sie begann direkt sehr spannend und verheißungsvoll was den weiteren Verlauf anging. Zunächst traf das auch zu. Und auch wenn ich ahnte, wieso Maggie bei ihrer neuen Lehrerin ein so komisches Gefühl hatte, war es doch spannend zu verfolgen, wie sie dieser Sache auf die Spur kommt. Ich habe Maggie schnell gemocht. Vor allem hat es mich beeindruckt, dass sie anfangs zu zurückhaltend wirkt, später dann -als sie erkennt, wen sie im Matheunterricht vor sich hat- aber eine gehörige Portion Mut aufbringt. Von mir auch hätte die Handlung bei Maggie bleiben können, doch ihre Erkenntnis ruft unweigerlich auch ihre Mutter Emma auf den Plan. Und damit begannen meine Schwierigkeiten mit der Geschichte. Denn die bleibt nun erstmal graume Zeit bei Emma. Anfangs tat sie mir ja noch ganz schön leid angesichts alldem, was sie nach der verhängnisvollen Nacht durchgemacht hat, doch als dieser Jammer, diese Selbstvorwürfe so überhaupt kein Ende nehmen wollten und immer wieder neu aufgegossen wurden, da ging es mir bald auf die Nerven. Ja, ich sehe ein, dass Emma das Geschehense seelisch mitgenommen hat. Allerdings habe ich das auch gleich nach der ersten Schilderung so empfunden und geglaubt, und hätte das Thema nicht immer wieder gebraucht. Ich muss zugeben, durch diesen Teil des Hörbuchs habe ich mich ganz schön kämpfen müssen. Und auch das Ende hat mich ziemlich unzufrieden zurückgelassen. Ein vehementere Vergeltung wäre defintiv gerechtfertigt gewesen. Stattdessen kehrt Emma die weise Professorin heraus und appeliert an de Vernunft der Person, der sie ihr jahrelanges Elend mit verdankt. Was ein Krimi oder Thriller sein will, darf schon schärfere Geschütze auffahren, wie ich finde.

Gleich vier Sprecher sind hier am Werke. Das passt aber gut, da es auch vier sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt, aus denen die Geschichte erzählt wird. Laura Maire passt mit ihrer jugendlichen Stimme gut zum Part von Maggie. Dana Geissler bringt die Zerrissenheit von Emma gut rüber. Zerrissen zwischen der Vernunft und dem Mut der Professorin und ihren Gefühlen als Mutter. Ulla Wagner fällt die Rolle der Mathelehrerin Grace zu. Selbst als Erwachsene lässt sie Grace noch so unscheinbar und zurückhaltend klingen wie anfangs als Studentin. Carver Petty übernimmt den Part des Schulpolizisten und hält dafür einen passend energischen Ton bereit.

Das Covermotiv fällt mit dem kräftigen Grün schnell auf. Mit dem geheimnisvollen Blick des Mädchens wird aber auch sofort klar, dass sich auf den 5 CDs eine spannende Geschichte verbirgt.

Fazit:  Spannend und verheißungsvoll fing es an, doch als die Sichtweise zu Emma drehte, war ich schnell genervt vom immer neu aufgekochten Jammer. Ein für meinen Geschmack unangemessen braves Ende hat der Sache dann den Rest gegeben. “Stimmen in der Nacht” ist nicht mein Fall gewesen.

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